{"id":112476,"date":"2024-03-15T15:25:32","date_gmt":"2024-03-15T14:25:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=112476"},"modified":"2024-03-18T15:10:35","modified_gmt":"2024-03-18T14:10:35","slug":"im-einsatz-fuer-israel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=112476","title":{"rendered":"Im Einsatz f\u00fcr Israel"},"content":{"rendered":"<p>Seit mehr als f&uuml;nf Monaten &ndash; mit Unterbrechung durch eine knapp einw&ouml;chige Feuerpause zum Austausch von Gefangenen Ende November 2023 &ndash; bombardieren die israelischen Streitkr&auml;fte aus der Luft, vom Meer und vom Land den pal&auml;stinensischen K&uuml;stenstreifen rund um die Uhr. Unterst&uuml;tzt werden sie dabei von den USA, Gro&szlig;britannien, Deutschland, Frankreich und vermutlich von weiteren westlichen NATO-Staaten, die Waffen, Munition, Aufkl&auml;rungsdaten, politische und mediale Hilfe leisten. Von <strong>Karin Leukefeld<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8945\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-112476-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240318-Im-Einsatz-fuer-Israel-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240318-Im-Einsatz-fuer-Israel-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240318-Im-Einsatz-fuer-Israel-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240318-Im-Einsatz-fuer-Israel-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=112476-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240318-Im-Einsatz-fuer-Israel-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"240318-Im-Einsatz-fuer-Israel-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Nun sollen neben Bomben und Raketen auch Hilfsg&uuml;ter die Bev&ouml;lkerung in Gaza erreichen. Aus der Luft und vom Mittelmeer her sollen Mehl und Reis abgeworfen bzw. angelandet werden, um den Menschen &bdquo;den Zugang zu Nahrungsmitteln und Medikamenten&ldquo; zu erm&ouml;glichen, wie der deutsche <a href=\"https:\/\/www.bmvg.de\/de\/presse\/luftwaffe-unterstuetzt-hilfsfluege-fuer-gaza-5758184\">Verteidigungsminister Boris Pistorius sagt<\/a>.<\/p><p>Denn auch die deutsche Luftwaffe soll Hilfspakete &uuml;ber dem Kriegsgebiet abwerfen. Im Gespr&auml;ch ist dar&uuml;ber hinaus, dass die deutsche Marine den geplanten <a href=\"https:\/\/www.state.gov\/joint-statement-on-advancing-a-maritime-corridor-to-deliver-humanitarian-assistance-to-gaza-ministerial-consultations\/\">&bdquo;humanit&auml;ren Seekorridor&ldquo;<\/a> sch&uuml;tzen k&ouml;nnte, durch den von Zypern (EU) Schiffe mit Hilfsg&uuml;tern in Richtung des pal&auml;stinensischen K&uuml;stenstreifens fahren sollen. Die USA haben Spezialkr&auml;fte angewiesen, zun&auml;chst einen schwimmenden Pier vor der K&uuml;ste von Gaza zu bauen, dann soll ein provisorischer Hafen errichtet werden. Man werde es &bdquo;begr&uuml;&szlig;en&ldquo;, wenn Israel den Hafen Aschdod zur Verf&uuml;gung stellen und weitere Grenz&uuml;berg&auml;nge nach Gaza &ndash; auch im Norden &ndash; &ouml;ffnen w&uuml;rde. Von einem Waffenstillstand spricht niemand. Israel kann den Krieg fortsetzen.<\/p><p><strong>Humanit&auml;re Airdrops<\/strong><\/p><p>Zwei Transportflugzeuge der deutschen Luftwaffe des Typs Hercules C-130J werden in den n&auml;chsten Tagen damit beginnen, Hilfsg&uuml;ter &uuml;ber dem Kriegsgebiet im pal&auml;stinensischen Gazastreifen abzuwerfen. Auf Anfrage von Bundesau&szlig;enministerin Annalena Baerbock hat ihr Kollege Boris Pistorius vom Bundesverteidigungsministerium zwei Transportflugzeuge f&uuml;r den Einsatz im Rahmen der von den USA gef&uuml;hrten &bdquo;Joint Airdrop Operation&ldquo; bewilligt, die vom jordanischen Milit&auml;rflughafen Al Azraq geleitet wird. Vorab wurde vom Luftwaffeninspekteur eine Sondergenehmigung erteilt, da die deutschen Maschinen mit Crew &bdquo;zwar die Ausbildung, formal aber noch nicht die Zertifizierung f&uuml;r die Lastenabw&uuml;rfe mit ihren C-130&ldquo; h&auml;tten, berichtet die Informationsplattform <a href=\"https:\/\/augengeradeaus.net\/2024\/03\/mit-sondergenehmigung-luftwaffe-beteiligt-sich-am-abwurf-von-hilfsguetern-ueber-gaza\/\"><em>Augen geradeaus<\/em><\/a>. Ohne diese Sondergenehmigung d&uuml;rften sie an einer solchen Mission nicht teilnehmen.<\/p><p>Minister Pistorius teilte in einer Erkl&auml;rung mit, den Menschen in Gaza fehle es &bdquo;am N&ouml;tigsten.&ldquo; Die Bundeswehr wolle ihren <a href=\"https:\/\/www.bmvg.de\/de\/presse\/luftwaffe-unterstuetzt-hilfsfluege-fuer-gaza-5758184\">&bdquo;Teil dazu beitragen, dass sie Zugang zu Nahrung und Medikamenten bekommen&ldquo;<\/a>. Die beiden Hercules-Maschinen k&ouml;nnten jeweils &bdquo;bis zu 18 Tonnen Last&ldquo; transportieren. Der Abwurf sei &bdquo;nicht ungef&auml;hrlich&ldquo;, doch die Crews seien &bdquo;ausgebildet und sehr erfahren&ldquo;, so Pistorius. Die Soldaten sind bereits in Al Azraq, einem jordanischen Luftwaffenst&uuml;tzpunkt, im Einsatz f&uuml;r die US-gef&uuml;hrte &bdquo;Anti-IS-Mission&ldquo;.<\/p><p>Die milit&auml;rischen &bdquo;Airdrops&ldquo; gibt es seit 1997 und gehen auf Operationen der US-Armee zur&uuml;ck, um Nachschub f&uuml;r die eigenen und verb&uuml;ndete Truppen aus der Luft zu koordinieren. Es gab gemeinsame Eins&auml;tze in Afghanistan (seit 2001), im Irak (2003) und Libyen (2011). An der <a href=\"https:\/\/www.centcom.mil\/MEDIA\/PRESS-RELEASES\/Press-Release-View\/Article\/3704602\/march-12-uscentcom-conducts-humanitarian-airdrops-into-gaza\/\">aktuellen Operation<\/a> &uuml;ber dem Gazastreifen beteiligen sich neben den USA auch die NATO-Staaten Frankreich, Gro&szlig;britannien, D&auml;nemark und Deutschland.<\/p><p>Jordanien, das milit&auml;risch seit Jahrzehnten eng mit den USA und Gro&szlig;britannien kooperiert, hatte bereits im Oktober 2023 mit Hilfslieferungen aus der Luft f&uuml;r Gaza begonnen. Ausl&ouml;ser war, dass die israelische Armee ein von Jordanien gef&uuml;hrtes Milit&auml;rkrankenhaus in Gaza <a href=\"https:\/\/jordantimes.com\/news\/local\/jordans-field-hospital-continue-operation-despite-israeli-attack-%E2%80%94-govt\">angegriffen<\/a> und das Geb&auml;ude und Zubringerstra&szlig;en <a href=\"https:\/\/www.aa.com.tr\/en\/middle-east\/jordan-describes-israeli-bombing-near-its-field-hospital-in-gaza-as-war-crime\/3055086\">ganz oder teilweise zerst&ouml;rt hatte<\/a>. Das jordanische Feldlazarett war 2009 errichtet worden und versorgte t&auml;glich bis zu 1.200 Patienten. Nach weiteren Angriffen auf die Klinik begann die jordanische Luftwaffe damit, Nachschub f&uuml;r die Klinik &ndash; Medikamente, Wasseraufbereitungsanlagen, Nahrungsmittel &ndash; aus der Luft abzuwerfen.<\/p><p>&Auml;gypten, Katar, Oman und Bahrain folgten dem Beispiel und flogen seit Dezember 2023 Dutzende Eins&auml;tze, bei denen Hilfsg&uuml;ter f&uuml;r Kliniken und f&uuml;r die Bev&ouml;lkerung abgeworfen wurden. Alle L&auml;nder hatten die Erfahrung gemacht, dass ihre Hilfslieferungen zu Land von <a href=\"https:\/\/edition.cnn.com\/2024\/03\/01\/middleeast\/gaza-aid-israel-restrictions-investigation-intl-cmd\/index.html\">Israel behindert und blockiert<\/a> wurden.<\/p><p>&bdquo;Airdrops&ldquo; sind aus humanit&auml;rer Perspektive zu teuer, zu unpr&auml;zise, nicht ausreichend und zu gef&auml;hrlich. Verhungernden und vor allem Kindern helfen sie nicht, da sie spezielle Nahrung und vor allem sauberes Wasser ben&ouml;tigen. Die Abw&uuml;rfe waren eine Notl&ouml;sung und eine Antwort auf die Blockadehaltung Israels, das Hilfsg&uuml;ter an den Grenz&uuml;berg&auml;ngen Rafah, Kerem Schalom und Erez nur schleppend abfertigte oder zur&uuml;ckschickte. Die israelischen Grenz- und Zollbeh&ouml;rden wurden dabei von <a href=\"https:\/\/edition.cnn.com\/videos\/world\/2024\/03\/08\/kerem-shalom-protesters-aid-gaza-israel-ward-pkg-lead-vpx.cnn\">extremistischen Siedlern<\/a> unterst&uuml;tzt, die singend, tanzend und betend die Lastwagen mit den Hilfsg&uuml;tern f&uuml;r Gaza an der Weiterfahrt hinderten.<\/p><p>&bdquo;<strong>Humanit&auml;re Seebr&uuml;cke&ldquo;<\/strong><\/p><p>Parallel zu den &bdquo;humanit&auml;ren Airdrops&ldquo; haben die USA angek&uuml;ndigt, einen provisorischen Hafen vor der K&uuml;ste des umk&auml;mpften Gazastreifens bauen zu wollen. Als Erstes solle ein &bdquo;schwimmender Pier&ldquo; errichtet werden, er k&ouml;nnte in zwei Monaten fertig sein. Dort sollen dann Schiffe mit Hilfsg&uuml;tern ihre Fracht abladen k&ouml;nnen &ndash; wie sie von dort an Land gelangen und wer sie verteilen soll, ist allerdings unklar. Die Schiffe sollen in Larnaca (EU-Zypern) starten, die Operation ist mit Israel abgestimmt. Nach dem Pier soll dann eine Hafenanlage entstehen, hat US-Pr&auml;sident Joe Biden angek&uuml;ndigt. Ganz vorne mit dabei ist EU-Kommissionspr&auml;sidentin <a href=\"https:\/\/europa.eu\/newsroom\/ecpc-failover\/pdf\/statement-24-1367_de.pdf\">Ursula von der Leyen<\/a>, die gleich selbst nach Larnaca (EU-Zypern) gereist war, wo das auserw&auml;hlte Schiff &bdquo;Open Arms&ldquo; allerdings wegen technischer Probleme nicht auslaufen konnte.<\/p><p>Sowohl Biden als auch von der Leyen stehen vor wichtigen Wahlen in diesem Jahr und m&uuml;ssen f&uuml;rchten, insbesondere von der jeweiligen arabisch-st&auml;mmigen W&auml;hlerschaft wegen der einseitigen Unterst&uuml;tzung f&uuml;r Israel gegen die Pal&auml;stinenser abgestraft zu werden. Die humanit&auml;re Katastrophe und der V&ouml;lkermord an den Pal&auml;stinensern &ndash; der von S&uuml;dafrika beim Internationalen Gerichtshof (Den Haag) angezeigt wurde &ndash; entfalten sich vor den Augen der Welt, ohne dass Biden oder von der Leyen dem Spuk ein Ende bereiten. Selbst jetzt, mit &bdquo;Airdrops&ldquo; und einem &bdquo;humanit&auml;ren Seekorridor&ldquo; in Vorbereitung, enden die Waffenlieferungen an Israel nicht.<\/p><p><strong>Den Krieg stoppen<\/strong><\/p><p>Pal&auml;stinenser au&szlig;erhalb von Gaza reagieren mit Misstrauen auf den humanit&auml;ren Aktivismus, den die US-Administration und die EU-Kommission an den Tag legen. Israel habe seit 2007 alles getan, um Gaza von der Welt abzuschneiden: die Blockade, die Zerst&ouml;rung des <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/world\/2014\/aug\/18\/gaza-airport-seaport-dreams-independence\">kleinen Hafens und des Flughafens von Gaza<\/a>, der 1998 von US-Pr&auml;sident Bill Clinton er&ouml;ffnet und dessen Bau von der EU finanziert worden war.<\/p><p>Die USA und die EU haben jahrzehntelang nichts unternommen, um Israel an seinem Vorgehen gegen die Pal&auml;stinenser zu hindern. Die Missachtung des internationalen Rechts und des humanit&auml;ren internationalen Rechts pr&auml;gen die israelische Politik und die Jugend, die in einem Schulsystem aufgewachsen ist, das Respekt vor dem Recht und der Geschichte der Pal&auml;stinenser nicht vermittelt.<\/p><p>Die &bdquo;humanit&auml;re Intervention&ldquo; in den Gazakrieg k&ouml;nnte ganz andere Ziele haben, so ein pal&auml;stinensischer Gespr&auml;chspartner der Autorin, der namentlich nicht genannt werden m&ouml;chte. Die USA wolle einen milit&auml;rischen St&uuml;tzpunkt in Gaza errichten, um die &Ouml;l- und Gasvorkommen vor der K&uuml;ste Pal&auml;stinas im &ouml;stlichen Mittelmeer zu kontrollieren, meint der Gespr&auml;chspartner. Das werde nicht gesagt, sondern es werde eine humanit&auml;re Argumentation vorgeschoben. &Uuml;ber den Seekorridor k&ouml;nnten &bdquo;so viele Leute wie m&ouml;glich&ldquo; aus Gaza abtransportiert werden, man werde das als &bdquo;Auswanderung&ldquo; deklarieren. Damit werde Israel unterst&uuml;tzt, das die Pal&auml;stinenser aus Gaza und auch aus dem Westjordanland vertreiben wolle.<\/p><p>In Gaza selbst sind Menschen, die befragt wurden, einhellig der Meinung, dass die Abw&uuml;rfe von Hilfsg&uuml;tern aus der Luft und auch ein &bdquo;Seekorridor&ldquo; sinnlos seien. In Rafah lebten 1,5 Millionen Menschen, die Hunger h&auml;tten, wem w&uuml;rden die 38.000 Fertigmahlzeiten helfen, fragt Mohammed al-Hams aus Rafah. Ein anderer Mann, Ahmed al-Salehi, sagt, die Menschen im Norden von Gaza ben&ouml;tigten Nahrungsmittel am dringendsten. &bdquo;Alle Menschen hier sind hungrig, aber die Menschen im Norden brauchen etwas zu essen.&ldquo; Israel m&uuml;sse gezwungen werden, den Krieg zu stoppen und die Hilfslieferungen &uuml;ber die Grenzen zu lassen, sind die Befragten sich einig. Niemand im Gazastreifen hat vergessen, dass die USA der st&auml;rkste Partner und Unterst&uuml;tzer von Israel in diesem Gazakrieg ist&ldquo;, sagt Shadi Dasht dem <a href=\"https:\/\/www.palestinechronicle.com\/airdrops-are-ineffective-people-in-gaza-urge-to-open-crossings-stop-the-war\/\">Palestine Chronicle<\/a>. &bdquo;Die Leute hier in Gaza wollen, dass die USA keine Milit&auml;rhilfe mehr an die Besatzer geben, das ist viel wichtiger, als die paar Essenspakete abzuwerfen.&ldquo;<\/p><p>Die Welt stehe vor einer echten &bdquo;Bew&auml;hrungsprobe f&uuml;r ihre Menschlichkeit&ldquo;, sagt ein Mann namens Abu Hamda: &bdquo;Entweder sie arbeitet daran, den Krieg zu beenden, oder sie unterst&uuml;tzt Israel weiterhin bei dem V&ouml;lkermord, dem wir in Gaza ausgesetzt sind. Wir wollen, dass der Krieg aufh&ouml;rt. Wir wollen, dass unsere Kinder zu essen haben. Wir wollen in Sicherheit und Frieden leben. Wir tr&auml;umen davon, einen unabh&auml;ngigen Staat zu haben. Wir tr&auml;umen von einer sch&ouml;nen Zukunft f&uuml;r unsere Kinder.&ldquo;<\/p><p><strong>Hintergrund<\/strong><\/p><p>Israel ist als Besatzungsmacht zust&auml;ndig f&uuml;r den Schutz und die Versorgung der Zivilbev&ouml;lkerung in dem Kriegsgebiet. Doch Hilfslieferungen erreichen die Menschen nur selten und viel zu wenig, wie alle in dem Gebiet aktiven internationalen Hilfsorganisationen angeben. Die Lastwagen, die in langen Schlangen vor den Grenz&uuml;berg&auml;ngen von Rafah (&Auml;gypten) und Kerem Schalom (Israel) warten, werden schleppend abgefertigt. Viele Waren &ndash; darunter Sauerstoff f&uuml;r Krankenh&auml;user, Bet&auml;ubungsmittel f&uuml;r Operationen, Zelte, Schlafs&auml;cke, Krebsmedikamente, Rollst&uuml;hle und Gehhilfen (Kr&uuml;cken) &ndash; werden von Israel nicht durchgelassen.<\/p><p>Die mehr als zwei Million Menschen waren schon vor dem Krieg auf die Lieferung von Grundnahrungsmitteln und Medikamenten von au&szlig;en angewiesen, weil Israel Gaza <a href=\"https:\/\/euromedmonitor.org\/en\/article\/5541\/A-generation-under-blockade:-Consequences-of-Israel%E2%80%99s-17-year-blockade-of-the-Gaza-Strip\">seit 2007 komplett von der Au&szlig;enwelt abgeriegelt<\/a> hat. 500 Lastwagen mit Hilfsg&uuml;tern erreichten t&auml;glich den K&uuml;stenstreifen. Sowohl der Flughafen (gebaut von der EU) als auch der kleine Hafen von Gaza wurden bei milit&auml;rischen Angriffen Israels zerbombt.<\/p><p>Die Hilfsg&uuml;ter lieferte das UN-Hilfswerk f&uuml;r Arbeit f&uuml;r die pal&auml;stinensischen Fl&uuml;chtlinge (UNRWA), dem Israel seit der Gr&uuml;ndung des Hilfswerks (1949) feindselig gegen&uuml;bersteht. Mit Vorw&uuml;rfen und Anschuldigungen versuchte Israel, die UNRWA zu diskreditieren und die internationale Hilfe f&uuml;r die pal&auml;stinensischen Fl&uuml;chtlinge und ihre Nachfahren zu stoppen. Seit dem 7. Oktober 2023, dem Beginn des j&uuml;ngsten Krieges gegen den Gazastreifen, wurden 165 UNRWA-Mitarbeiter durch israelische Angriffe get&ouml;tet, manche mit ihren Familien. Mehr als 150 Einrichtungen von UNRWA wurden <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=110489\">ganz oder teilweise zerst&ouml;rt<\/a>, darunter viele Schulen, und mehr als 400 Menschen wurden get&ouml;tet, die unter der UN-Fahne Schutz vor Angriffen gesucht hatten.<\/p><p>Am Mittwoch (13. M&auml;rz 2024) wurde eines der wenigen verbliebenen Verteilzentren der UNRWA in Rafah <a href=\"https:\/\/www.unrwa.org\/newsroom\/official-statements\/least-one-unrwa-staff-killed-when-israeli-forces-hit-unrwa-centre-used\">von Israel angegriffen<\/a>. Die Organisation gab an, dass einer ihrer Mitarbeiter get&ouml;tet worden sei und viele Menschen verletzt wurden. Das pal&auml;stinensische Gesundheitsministerium sprach von f&uuml;nf Toten. Israel erkl&auml;rte, man habe einen hochrangigen Hamas-Kommandeur get&ouml;tet, der Hilfsg&uuml;ter f&uuml;r die Hamas unterschlagen und Informationen &uuml;ber israelische Stellungen an die Hamas weitergegeben habe.<\/p><p><strong>Schlimmer als im Zweiten Weltkrieg<\/strong><\/p><p>Anfang M&auml;rz konnte eine Mission der Weltgesundheitsbeh&ouml;rde mit medizinischen Partnerorganisationen drei Kliniken im Norden von Gaza erreichen. Im Shifa-Krankenhaus konnten Treibstoff, Impfstoff und lebensrettende Hilfsg&uuml;ter &uuml;bergeben werden, um die Versorgung von 150 Patienten und 50 Kindern zu gew&auml;hrleisten, die an schwerer akuter Unterern&auml;hrung leiden. Erstmals seit dem 7. Oktober 2023 konnte die WHO das Kamal Adwan Krankenhaus erreichen, das weiter im Norden liegt. Die Klinik sei mit Patienten &uuml;berf&uuml;llt, hie&szlig; es in dem WHO-Bericht. Auf der Kinderstation des Krankenhauses waren zehn Kinder verhungert und verdurstet. Als <a href=\"https:\/\/news.un.org\/en\/story\/2024\/03\/1147227\">&bdquo;entsetzlich&ldquo;<\/a> beschrieb die Delegation die Situation im Al Awda Krankenhaus.<\/p><p>Der UN-Sonderbeauftragte f&uuml;r das Recht auf Wohnen sagte in Genf vor Journalisten, dass seit dem 7. Oktober 2023 bis zu 80 Prozent der Wohnungen und H&auml;user im Norden von Gaza ganz oder teilweise zerst&ouml;rt seien. &bdquo;Arbeitspl&auml;tze, Kulturst&auml;tten, Schulen, religi&ouml;se St&auml;tten, Universit&auml;ten, Krankenh&auml;user &ndash; alles ist dem Erdboden gleichgemacht&ldquo;, so Balakrishnan Rajagopal. Das <a href=\"https:\/\/news.un.org\/en\/story\/2024\/03\/1147272\">Ausma&szlig; der Zerst&ouml;rung<\/a> sei weit schlimmer als &bdquo;in Aleppo, Mariupol oder auch Dresden und Rotterdam w&auml;hrend des Zweiten Weltkrieges.&ldquo;<\/p><p><strong>Geopolitik gegen die Menschen<\/strong><\/p><p>Kriege sind gut f&uuml;rs Gesch&auml;ft, denn sie befl&uuml;geln die Ums&auml;tze des milit&auml;risch-industriellen Komplexes. Die verw&uuml;steten Landstriche &ndash; zu besichtigen in Afghanistan, Irak, Syrien, Jemen, Libyen, Sudan und aktuell in Gaza &ndash; eignen sich nach Meinung einiger gut f&uuml;r den <a href=\"https:\/\/www.middleeastmonitor.com\/20231026-us-congressman-palestine-will-be-turned-into-a-parking-lot\/\">Bau von Parkpl&auml;tzen<\/a>.<\/p><p>Tats&auml;chlich eignen sie sich gut f&uuml;r Milit&auml;rbasen, von denen die USA nie genug bekommen kann. Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums gibt es <a href=\"https:\/\/usafacts.org\/articles\/where-are-us-military-members-stationed-and-why\/\">4.790 US-Milit&auml;rbasen weltweit (einschlie&szlig;lich USA)<\/a>.<\/p><p>Besonders im &ouml;stlichen Mittelmeerraum und Westasien k&ouml;nnen die USA &ndash; die eng mit der EU und NATO kooperieren &ndash; mehr St&uuml;tzpunkte gebrauchen. Mit Israel als Partner sollen China, Russland, Iran und der Rest der nichtwestlichen Welt &ndash; die sich u.a. in BRICS und in der Schanghai Koordination f&uuml;r Kooperation zusammengefunden haben &ndash; aus dem ressourcenreichen Gebiet und von den wichtigen Transportwegen ferngehalten werden. Der verw&uuml;stete Gazastreifen eignet sich aus dieser Sicht gut als Milit&auml;rbasis, um westliche Interessen gegen Staaten und nichtstaatliche Akteure in der Region, die sich der US-gef&uuml;hrten westlichen Vorherrschaft nicht unterordnen wollen &ndash; verteidigen zu k&ouml;nnen.<\/p><p>Die Pal&auml;stinenser bezahlen mit ihrem Leben daf&uuml;r, dass sie das Recht auf ihr Land, ihre Geschichte und ihre Zukunft nicht aufgeben.<\/p><p><small>Titelfoto: Andy.LIU\/shutterstock.com<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit mehr als f&uuml;nf Monaten &ndash; mit Unterbrechung durch eine knapp einw&ouml;chige Feuerpause zum Austausch von Gefangenen Ende November 2023 &ndash; bombardieren die israelischen Streitkr&auml;fte aus der Luft, vom Meer und vom Land den pal&auml;stinensischen K&uuml;stenstreifen rund um die Uhr. Unterst&uuml;tzt werden sie dabei von den USA, Gro&szlig;britannien, Deutschland, Frankreich und vermutlich von weiteren westlichen<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=112476\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":112477,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,107,171],"tags":[358,615,302,1917,2102,2222,1557,1584,2069,639,1556],"class_list":["post-112476","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-militaereinsaetzekriege","tag-bundeswehr","tag-eu-kommission","tag-gaza","tag-genozid","tag-geostrategie","tag-humanitaere-hilfe","tag-israel","tag-jordanien","tag-militaerstuetzpunkte","tag-uno","tag-usa"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Shutterstock_2377428933.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/112476","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=112476"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/112476\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":112584,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/112476\/revisions\/112584"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/112477"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=112476"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=112476"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=112476"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}