{"id":11283,"date":"2011-11-14T08:37:45","date_gmt":"2011-11-14T07:37:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11283"},"modified":"2019-07-11T16:36:10","modified_gmt":"2019-07-11T14:36:10","slug":"nie-wieder-fukushima","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11283","title":{"rendered":"Nie wieder Fukushima"},"content":{"rendered":"<p>Dieser Tage erscheint bei &bdquo;KLARtext e.V.&ldquo; eine Schrift von Rainer Roth und Jens Wernicke mit dem Titel <a href=\"http:\/\/www.klartext-info.de\/broschueren\/Der_Kernschmelze_keine_Chance_20111010_A5_inhalt.pdf\">&bdquo;Der Kernschmelze keine Chance! Vorrang f&uuml;r Kraft-W&auml;rme Koppelung&ldquo; [PDF &ndash; 875 KB]<\/a>. Die Autoren zeichnen ein realistisches Bild &uuml;ber die Umweltverseuchung in Fukushima und zeigen die Interessen der Atomlobby auf, au&szlig;erdem beschreiben sie die Mythen und Legenden der angeblichen &bdquo;Atomausstiege&ldquo; der rot-gr&uuml;nen und schwarz-gelben Bundesregierungen. Die Autoren haben uns die Textausz&uuml;ge aus dem 120 Seiten umfassenden B&auml;ndchen zur Verf&uuml;gung gestellt. Hier zun&auml;chst die Einleitung &bdquo;Nie wieder Fukushima&ldquo;.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Nie wieder Fukushima<\/strong><\/p><p>In drei Bl&ouml;cken des AKW in Fukushima kam es im M&auml;rz 2011 zu einer Kernschmelze, weil der Strom f&uuml;r die K&uuml;hlungssysteme der Reaktorbrennst&auml;be nach einem Erdbeben und dem anschlie&szlig;enden Tsunami ausgefallen war. Erst zwei Monate nach der Katastrophe gab der Betreiber Tepco die Kernschmelzen zu. Verharmlosung und Vertuschen der Folgen kennzeichnet bis heute die Vorgehensweise von Tepco und der japanischen Regierung.<br>\nDie Kernschmelze, d.h. eine unkontrollierte Kettenreaktion, wird in Fukushima noch solange weiter bestehen, bis die 1.500 Brennst&auml;be der drei Kernreaktoren ausgebrannt sind. Das kann viele Jahre dauern, offiziell zehn Jahre, wahrscheinlich aber mehr. &Uuml;ber noch unbekannte Zeitr&auml;ume werden also ungeheuere Mengen Radioaktivit&auml;t freigesetzt, unter anderem &uuml;ber das extrem gef&auml;hrliche Plutonium-239. Die freigesetzte Radioaktivit&auml;t &uuml;bertrifft alles Bisherige um ein Vielfaches. Experten sprechen davon, dass die freigesetzte Strahlung der von 20 bis 30 Atombomben entspricht. Allein die bisher freigesetzte Menge an C&auml;sium 137 ist 168 mal h&ouml;her als die der Hiroshima-Bombe (Die Welt 25.8.2011). Berge von Atomm&uuml;ll werden produziert, f&uuml;r die es kein Endlager gibt. Die Folgen der Katastrophe liegen im Moment jenseits aller Vorstellungskraft. <\/p><p>Die Strahlungswerte im havarierten Kernreaktor erreichten im August 2011 bis zu 10 Sievert pro Stunde. Eine gigantische Strahlendosis, die schon nach kurzer Zeit t&ouml;dliche Folgen haben kann. 10 Sievert entsprechen 10.000 Millisievert (mSv). Die maximale Jahresdosis f&uuml;r die Bev&ouml;lkerung ist 1 mSv, f&uuml;r Besch&auml;ftigte in AKW 20 mSv. &Uuml;ber das ganze Berufsleben d&uuml;rfen jedoch nicht mehr als 400 mSv zusammenkommen.<br>\nIn einem Radius von zwanzig Kilometern mussten alle Anwohner evakuiert werden. 100.000 bis 150.000 Menschen haben das Gebiet verlassen und werden nie wieder in ihre Heimat zur&uuml;ckkehren k&ouml;nnen. Aber auch viele Kilometer weiter ist die Strahlenbelastung extrem hoch. In Fukushima City, rund 60 Kilometer von dem havarierten Kraftwerk entfernt, fand Greenpeace auf einem Spielplatz Werte von bis zu vier Mikrosievert pro Stunde (FAZ.net 12.4.2011). 1 Millisievert entspricht 1.000 Mikrosievert. In nicht einmal vierzehn Tagen ist die j&auml;hrlich maximal zul&auml;ssige Dosis von einem 1 Millisievert erreicht. 80 Prozent der Radioaktivit&auml;t der Bodenproben stammte von C&auml;sium-Isotopen. C&auml;sium 137 hat eine Halbwertzeit von rund 30 Jahren, C&auml;sium 134 eine von zwei Jahren. 80 km von den Reaktoren entfernt ma&szlig; ein Bauer an seinem Haus 90 Mikrosievert pro Stunde. In nur 9 Tagen erreicht diese Dosis die &bdquo;zul&auml;ssige&ldquo; Jahresgrenze an Strahlenbelastung (20 Millisievert) von Mitarbeitern in  AKW (Frontal 21 vom 11.8.2011). Die Evakuierungszone m&uuml;sste auf mindestens 80 km ausgedehnt werden. <\/p><p><strong>Verseuchtes Wasser<\/strong><\/p><p>Die geschmolzenen Kerne werden mit Wasser gek&uuml;hlt, um zu verhindern, dass sich die hei&szlig;en Brennst&auml;be durch den Reaktordruckbeh&auml;lter und den Betonboden fressen. Im Grundwasser um Reaktor 2 wurden am 18.5. 2011 hohe Strontium-Werte gemessen. Das spricht daf&uuml;r, dass mindestens ein Kern den Sicherheitsbeh&auml;lter durchgeschmolzen und nun direkten Kontakt zum Grundwasser hat. Gro&szlig;e Mengen radioaktiven Wassers flie&szlig;en direkt in den Pazifik und ins Grundwasser, weil Druckbeh&auml;lter, Sicherheitsbeh&auml;lter und die mit 3.000 Brennst&auml;ben gef&uuml;llten Abklingbecken st&auml;ndig gek&uuml;hlt werden m&uuml;ssen und undicht sind.<br>\nW&auml;hrend der Reaktorkatastrophe von Fukushima sind die gesetzlichen Grenzwerte f&uuml;r radioaktives Jod und C&auml;sium im Meereswasser vor&uuml;bergehend um das 50.000 bis 200.000-fache &uuml;berschritten worden (Moldzio u.a. 7.7.2011). Das Meer um Fukushima ist hochgradig verseucht. Die radioaktiven Substanzen verteilen sich weitr&auml;umig.  Bei aller Verd&uuml;nnung wird dies langfristig zu einer messbaren Erh&ouml;hung des radioaktiven Inventars des Pazifiks und der Weltmeere f&uuml;hren, so wie es auch z.B. durch Tschernobyl und die Atomwaffentests geschehen ist. Bei radioaktiven Substanzen, die dann am Ende der Nahrungskette von unten nach oben von Menschen aufgenommen werden, gibt es keine &bdquo;unsch&auml;dliche&ldquo; Dosis. Die Dosis bestimmt nur die statistische Wahrscheinlichkeit z.B. an Krebs zu erkranken.<br>\nNord&ouml;stlich der Reaktoren liegt eines der fischreichsten Gebiete der Welt. Die dort<br>\naktive japanische Fischerei f&auml;ngt die H&auml;lfte der in Japan konsumierten Fischprodukte. Fisch ist in Japan ein Grundnahrungsmittel und l&auml;sst sich in seiner Bedeutung mit dem Reis vergleichen. <\/p><p><strong>Verseuchte Luft, verseuchte B&ouml;den<\/strong><\/p><p>Die Explosionen in den Reaktoren haben gro&szlig;e Mengen Radioaktivit&auml;t in die Luft freigesetzt. Wind und Regen verteilen die radioaktiven Substanzen &uuml;ber weite Fl&auml;chen Japans und verseuchen auch die B&ouml;den. Fukushima ist eine der fruchtbarsten Regionen Japans. In Obst, Gem&uuml;se und Fleisch aus der Pr&auml;fektur Fukushima wurde stark erh&ouml;hte Radioaktivit&auml;t nachgewiesen. Neben Fukushima wurde auch der Verkauf von Rindfleisch aus den Pr&auml;fekturen Tochigi, Miyagi und Iwate verboten. Verseuchtes Rindfleisch war in ganz Japan verkauft worden. 60 km von Fukushima entfernt wiesen Shitake-Pilze eine siebenfach h&ouml;here Dosis C&auml;sium 137 auf als &bdquo;erlaubt&ldquo;. 80 km von Fukushima entfernt waren Kartoffeln verseucht, wies Reis ein erheblich h&ouml;here Belastung auf als die des Grenzwerts. 100 km s&uuml;dlich von Fukushima war der Spinat verseucht. Sogar in 360 km Entfernung wurden die radioaktiven Grenzwerte in gr&uuml;nem Tee erheblich &uuml;berschritten. Man kann davon ausgehen, dass die radioaktive Belastung von Lebensmitteln in weiten Teilen Japans die Grenzwerte &uuml;bersteigt. Nahrungsmittel werden zu Atomm&uuml;ll.<br>\nWas auch immer hergestellt wird, ist in verstrahlten Regionen radioaktiv zu stark belastet. Sich au&szlig;erhalb von Geb&auml;uden aufzuhalten, ist insbesondere f&uuml;r Kinder gef&auml;hrlich. <\/p><p><strong>Verseuchte Menschen<\/strong><\/p><p>Die  japanischen Beh&ouml;rden messen den Grad der radioaktiven Belastung von Gem&uuml;se usw., aber nicht den von Menschen. Sie heben lieber Grenzwerte an. 1 mSv pro Jahr ist der zul&auml;ssige H&ouml;chstwert f&uuml;r die Bev&ouml;lkerung. F&uuml;r Kindergarten- und Schulkinder wurde er jedoch von 1 mSv pro Jahr auf unglaubliche 20 mSv angehoben, auf die oberste Grenze f&uuml;r Arbeiter in Atomkraftwerken. Die Regierung wollte damit die Schlie&szlig;ung von Schulen und Kinderg&auml;rten vermeiden. Sie verurteilt Kinder lieber zu Krebserkrankungen. F&uuml;r in Fukushima eingesetzte Arbeiter wurden die Grenzwerte von 50 mSv auf 250 mSv bei einem Einsatz angehoben.<br>\nDer Jahresdosis-H&ouml;chstwert bezieht sich in Japan nur auf externe Strahlungsquellen, nicht auf Nahrungsmittel, Wasser oder z.B. inhalierten radioaktiven Staub. &Uuml;ber die Aufnahme von Nahrungsmitteln und &uuml;ber das Atmen werden Millionen Menschen in Japan mit unabsehbaren Folgen radioaktiv verstrahlt. Bei Millionen Menschen d&uuml;rfte der Wert selbst von 20 mSv\/Jahr deutlich &uuml;berschritten werden.<br>\nRadioaktive Substanzen sch&auml;digen Erbgut und Zellen. Sie k&ouml;nnen bereits bei kleinsten Strahlungsmengen &ndash; mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit &ndash; Krebs ausl&ouml;sen und damit zum Tode f&uuml;hren. Auswirkungen k&ouml;nnen aber auch Missbildungen, Unfruchtbarkeit oder eine erh&ouml;hte Anf&auml;lligkeit f&uuml;r Krankheiten wie Immunschw&auml;che, Herz- und Gef&auml;&szlig;krankheiten usw. sein,  besonders bei Kindern. Weite Teile Japans sind &ndash; so gesehen &ndash; eigentlich unbewohnbar.<\/p><p>Atomtechnologie ist nicht beherrschbar. Kein anderer Industriezweig erzeugt solche Katastrophen. Wirtschaftsbosse und Bundesregierung\/Bundestag aber meinen, dass wir uns in Deutschland noch elf weitere Jahre dem Risiko einer Kernschmelze aussetzen sollten. Wir meinen das nicht.<br>\nAlle Atomkraftwerke m&uuml;ssen sofort abgeschaltet werden.<\/p><p>In Japan gibt es 3.000 Talsperren, nur ein Bruchteil dient der Stromgewinnung. Es gibt mehr als 100 aktive Vulkane und &uuml;ber 10.000 hei&szlig;e Quellen, aber nur 19 Geothermie-Kraftwerke. Nur 0,4 % des Stroms wird aus Windenergie gewonnen. Japans Solarzellenhersteller (vor allem Panasonic und Sharp) waren bis 2000 die weltweit gr&ouml;&szlig;ten und technisch st&auml;rksten. Japans Tepco-Regierung setzte jedoch darauf, dass bis 2030 &uuml;ber die H&auml;lfte des Stroms aus Atomkraft kommen sollte (FTD 18.7.2011). Eine Studie im Auftrag von Tepco ergab, dass Japan in der Lage w&auml;re, mit Windkraft, Solarstrom, Geothermik und Maschinen, die Elektrizit&auml;t aus Ozeanwellen gewinnen, leistungsf&auml;higen Batterien und einem schlauen Stromnetz den gesamten Energiebedarf des Landes zu decken. Tepco verhinderte die Ver&ouml;ffentlichung der Studie (Wa&szlig;muth 2011, 53).<\/p><p><em>Fortsetzung folgt.<\/em><\/p><p>Das B&uuml;chlein kann gegen eine Spende von mindestens 3 Euro zzg. Porto <a href=\"http:\/\/51446661.de.strato-hosting.eu\/cgi-bin\/formmanager.php.cgi?action=ext_preview&amp;fid=1\">hier<\/a> bestellt werden. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Tage erscheint bei &bdquo;KLARtext e.V.&ldquo; eine Schrift von Rainer Roth und Jens Wernicke mit dem Titel <a href=\"http:\/\/www.klartext-info.de\/broschueren\/Der_Kernschmelze_keine_Chance_20111010_A5_inhalt.pdf\">&bdquo;Der Kernschmelze keine Chance! 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