{"id":113008,"date":"2024-04-01T12:00:22","date_gmt":"2024-04-01T10:00:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=113008"},"modified":"2024-04-11T14:06:56","modified_gmt":"2024-04-11T12:06:56","slug":"einsprueche-zur-geplanten-schuldigitalisierung-ein-lehrer-meldet-sich-zu-wort","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=113008","title":{"rendered":"Einspr\u00fcche zur geplanten Schuldigitalisierung \u2013 Ein Lehrer meldet sich zu Wort"},"content":{"rendered":"<p>Die j&uuml;ngsten Entscheidungen in Schweden, D&auml;nemark und auch in den Niederlanden, die Digitalisierung an den Schulen zur&uuml;ckzufahren, sollten in Deutschland zum Anlass genommen werden, die desolate und v&ouml;llig erstarrte Bildungspolitik gr&uuml;ndlich zu &uuml;berdenken. Vor allem sollte die lobbypolitische und p&auml;dagogisch weitgehend gedankenlos betriebene F&ouml;rderung der Digitalisierung in den Schulen im Interesse der nachwachsenden Generationen beendet werden. Aber auch die Sorge um eine funktions- und leistungsf&auml;hige, vor allem aber auch in Zukunft noch lebenswerte Gesellschaft verlangt diesen Schritt. Hier folgt eine umfangreiche Betrachtung von<strong> Bernd Schoepe<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Aus n&auml;chster N&auml;he: Beobachtungen zum Niedergang der Bildung<\/strong><\/p><p>Des L&auml;ngeren muss ich als Lehrer der Mittel-und Oberstufe bei meinen Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;lern schon zunehmende Konzentrations-, Ged&auml;chtnis- und Ausdauerverluste, allgemein eine Verschlechterung der m&uuml;ndlichen und schriftlichen Ausdrucksf&auml;higkeit und schwindende Frustrationstoleranz beim Lernen beobachten. Anders, als der moderne Zeitgeist es gerne sehen will, ist Lernen kein anstrengungsloser Spa&szlig;, sondern bereitet immer auch Unlustgef&uuml;hle, da Lernen ein steiniger, von Ungleichgewichten, Fehlern, Irrt&uuml;mern, vom Misslingen und Entt&auml;uscht-Werden gepflasterter Weg ist. <em>Per aspera ad astra<\/em> &ndash; &bdquo;Durch M&uuml;hsal gelangt man zu den Sternen&ldquo;: Diese lateinische Redewendung hat auch heute noch ihre G&uuml;ltigkeit, sofern man gl&uuml;ckende und letztlich auch begl&uuml;ckende Bildungserfahrungen angemessen beschreiben m&ouml;chte. Insofern ist ein Lernen, das im Sinne der Pers&ouml;nlichkeitsbildung wirksam wird, ohne Triebverzicht und ohne die schon erw&auml;hnte Frustrationstoleranz gar nicht denkbar.[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]<\/p><p>Bez&uuml;glich der orthographischen und grammatikalischen F&auml;higkeiten, dem Rechnen- und logischen Denken-K&ouml;nnen tun sich in der Breite immer gr&ouml;&szlig;ere Defizite &ndash; selbst bei Abiturienten &ndash; auf. Es ist unglaublich zu sehen, wie viele Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;ler z.B. im Stadtstaat Hamburg &bdquo;ihr Abi schaffen&ldquo;, obwohl sie nach 13 Jahren Schule nicht in der Lage sind, auch nur einen fehlerfreien, grammatisch wohlgeformten, von Stereotypen und Klischees weitgehend freien Satz in deutscher Sprache zu formulieren.<\/p><p>Durchweg sind damit Probleme benannt, die in den letzten zehn bis 15 Jahren besorgniserregende Dimensionen angenommen haben. Das spiegelt sich auch in der Arbeitsbelastung der Lehrer wider.<\/p><p>Die Annahme, dass der Fachunterricht auf den fr&uuml;heren Stufen dieses Wissen schon erfolgreich vermittelt hat &ndash; was selbstverst&auml;ndlich in den Curricula vorausgesetzt wird &ndash; stellt sich immer &ouml;fter als falsch heraus. Der dabei entstehende Eindruck ist, dass ich als Lehrer gen&ouml;tigt werde, im Unterricht fast immer wieder bei null anzufangen. Das beschneidet meine Handlungsm&ouml;glichkeiten nicht nur stark, sondern stellt sie, wenn das Problem dauerhaft bestehen bleibt, radikal in Frage.<\/p><p>Angesichts einer bei unserem Nachwuchs endemisch gewordenen Schreib- und Denkschw&auml;che (Ausnahmen best&auml;tigen auch hier die Regel!) hat sich der Korrekturaufwand bei schriftlichen Pr&uuml;fungen deutlich erh&ouml;ht. Auch die Erfordernisse unterrichtlicher Differenzierung nach Leistungen und allgemeiner Verst&auml;ndnisf&auml;higkeit (z.B. Aufgabenverst&auml;ndnis) sind innerhalb der Lerngruppen deutlich gestiegen &ndash; meist, ohne dass durch binnendifferenzierende Ansprache und Methoden zufriedenstellende Resultate erzielt w&uuml;rden. Das hat wiederum damit zu tun, dass die tieferen Ursachen nicht gesehen, geschweige denn bek&auml;mpft werden.<\/p><p><strong>Exzessive Smartphone-Nutzung unserer Jugend hat dramatische Folgen<\/strong><\/p><p>F&uuml;r jeden nicht v&ouml;llig schon durch den Betrieb des Hamsterrades erblindeten P&auml;dagogen m&uuml;ssten die Korrelationen der tiefen Lern- und Bildungskrise, in der wir uns befinden (ohne dass gesellschaftlich wirklich Notiz davon genommen w&uuml;rde), zur zeitfressenden und raumgreifenden &Uuml;berhandnahme der Smartphone- und Computernutzung, speziell in der j&uuml;ngeren Generation, eigentlich un&uuml;bersehbar sein. 2023 waren laut JIM-Studie Jugendliche unter 19 Jahren durchschnittlich <a href=\"https:\/\/www.mpfs.de\/studien\/jim-studie\/2023\/\">224 Minuten pro Tag online<\/a>. Laut DAK-Studie (mit Ergebnissen aus dem Jahr 2022) nutzten rund 2,2 Millionen Kinder und Jugendliche Gaming, Social Media oder Streaming problematisch, das hei&szlig;t sind suchtgef&auml;hrdet oder bereits von Sucht betroffen. Insgesamt hat sich laut DAK die Zahl der Mediens&uuml;chtigen in der Pandemie <a href=\"https:\/\/www.dak.de\/presse\/bundesthemen\/kinder-jugendgesundheit\/dak-studie-in-pandemie-hat-sich-mediensucht-verdoppelt_48672\">verdoppelt<\/a>.<\/p><p>Dennoch scheiterten bislang alle Versuche, mein Kollegium zu einer p&auml;dagogischen Diskussion &uuml;ber die Digitalisierung und ihre Folgen f&uuml;r die Lernleistungen, aber auch das Sozialverhalten der Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;ler zu bewegen.<\/p><p>Ein kurzzeitig &ndash; ebenfalls ohne vorangegangene Diskussion &ndash; eingef&uuml;hrtes Smartphone-Verbot an der Oberstufe wurde auf Dr&auml;ngen der Sch&uuml;lerschaft, aber auch vieler Kollegen flugs wieder aufgehoben. Die bemerkenswerte Begr&uuml;ndung, die fast unisono von den Kollegen daf&uuml;r zu h&ouml;ren war, lautete: Man k&ouml;nne die Verst&ouml;&szlig;e nicht ahnden, daf&uuml;r seien sie zu zahlreich, man habe schlie&szlig;lich noch anderes und ohnehin viel zu viel zu tun.<\/p><p>Insgesamt hat sich durch die mangelnde Bereitschaft bzw. das teils unverhohlene Desinteresse meiner Kollegen, sich mit Erkenntnissen aus der Neurobiologie und Entwicklungspsychologie, die die negativen Wirkungen exzessiver Smartphone-und Computernutzung bei Kindern und Jugendlichen nachweisen, &uuml;berhaupt argumentativ auseinanderzusetzen, mein Bild der P&auml;dagogik inzwischen dunkel eingef&auml;rbt. Das idealistische Bild, das ich als Student und Berufsanf&auml;nger von P&auml;dagogen hatte (und von einigen meiner eigenen Lehrer vorgelebt bekam), ist stark und nachhaltig ersch&uuml;ttert worden. <em>Au fin<\/em>, nach jahrelangem Kampf gegen diese Gleichg&uuml;ltigkeit, bin ich an meinem eigenen Berufsstand doch ziemlich verzweifelt und f&uuml;hle mich dem einmal hei&szlig; geliebten Beruf entfremdet. L&auml;ngst h&auml;tte angesichts der Krise der Lernf&auml;higkeit und Lernbereitschaft der jungen Generation ein lauter, kollektiver Aufschrei (nicht nur) der Lehrerschaft durch die &bdquo;Bildungsrepublik Deutschland&ldquo; gehen m&uuml;ssen. <\/p><p>Doch die &bdquo;Bildungsrepublik&ldquo;, die in den Sonntagsreden der Politiker gerne beschworen wird, ist reines Wunschdenken. Stattdessen erleben wir, wie fortw&auml;hrend alle Probleme in Watte gepackt, ununterbrochen nur sch&ouml;ngeredet und durch immer weitere Reformitis der Kultusb&uuml;rokraten, die nur erfolglos an den Symptomen herumdoktern, offenbar verewigt werden sollen. Wie in anderen gesellschaftlichen Bereichen hat sich leider auch in der Schule ein System organisierter Verantwortungslosigkeit ausgebreitet, das droht, den Karren der Bildung immer tiefer in den Morast zu fahren. In diesem ziehen dann schwache, &auml;ngstliche, &uuml;berangepasste und biegsame Lehrer-Charaktere schwaches, &auml;ngstliches, &uuml;berangepasstes und biegsames &bdquo;Menschenmaterial&ldquo; heran, statt &ndash; viel sch&ouml;ner und erf&uuml;llender, aber nat&uuml;rlich auch wesentlich herausfordernder &ndash; an der Bildung eigensinniger, starker Individuen und kritischer, nonkonformistischer Citoyens mitzuwirken. Denen d&uuml;rfte die Schule allerdings auch noch das beschert bzw. vermittelt haben, was bei der &uuml;berm&auml;chtigen Sogwirkung, die von den digitalen Bildmaschinen ausgeht und einen immer gr&ouml;&szlig;eren Teil der Kinder und Jugendlichen zu Suchtabh&auml;ngigen macht (was viele von ihnen &uuml;brigens wissen), als nahezu ausgeschlossen angesehen werden muss: tiefe, pers&ouml;nlichkeitsbildende Resonanzerfahrungen.<\/p><p><strong>Gegen&uuml;ber reizstarken digitalen Bildmaschinen kann Schulunterricht fast nichts ausrichten<\/strong><\/p><p>Meine These lautet, dass, so lange &uuml;berf&auml;llige Interventionen des p&auml;dagogischen Feldes ausbleiben und die Interferenzen zwischen dem digitalen System und dem des Lernens und Bildens weiter so (offenbar in eine gewollte Richtung) laufen, nichts und niemand uns einen Ausweg aus der Bildungskrise wird weisen k&ouml;nnen. Denn wenn weiter in die digitale Transformation von Schule investiert wird, so kann im g&uuml;nstigsten Fall angenommen werden, dass alles gleich schlecht bleiben wird. Viel eher, mit h&ouml;herer Wahrscheinlichkeit aber, wird sich das meiste noch weiter verschlechtern.<\/p><p>Um zu diesem Urteil zu gelangen, reicht es im Grunde aus, die hohe Reizst&auml;rke sowie die disruptiv-schockartige, stark auf Inkoh&auml;renz, d.h. auf die Unterbrechung jedweden bedeutungsstarken Sinns abgestellte Qualit&auml;t digitaler Reize mit jedem tats&auml;chlich stattfindenden, also empirisch beobachtbaren Unterricht zu vergleichen. Unterricht kann niemals, wenn &uuml;berhaupt noch etwas gelernt werden soll, an Multi-Media-Shows und die Reizfeuerwerke heranreichen, die diese abbrennen. Dann wird man n&auml;mlich um die Feststellung nicht herumkommen, dass in puncto Aufmerksamkeit schulische Lernsettings gegen&uuml;ber Digital-Reizen, die das junge Gehirn mit exorbitant hohen Reaktionsst&auml;rken regelrecht &uuml;berfluten, hoffnungslos ins Hintertreffen geraten <em>m&uuml;ssen<\/em>. Schulische, dem Lernen dienende Reize k&ouml;nnen selbst beim sch&uuml;lergerechtesten und &bdquo;innovativsten&ldquo; Unterricht nur ein geringes Ma&szlig; des Levels erreichen, an das die Jugend durch ihren Medienkonsum fatalerweise von Kindesbeinen auf gew&ouml;hnt wird. Von digital dauergestressten jungen, noch im Wachstum befindlichen Gehirnen <em>muss<\/em> jeder Unterricht per se als langweilig und &ouml;de, da (zu) reizarm empfunden werden.[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>]<\/p><p>Dies liegt daran, dass Schulunterricht weder auf Disruption, Diskontinuit&auml;t noch auf Inkoh&auml;renz &ndash; und damit jeweils nur kurze Aufmerksamkeitsspannen &ndash; setzen kann, sondern Lernprozesse Kontinuit&auml;t, Koh&auml;renz und Wiederholung ben&ouml;tigen und dahingehend ausgerichtet sein m&uuml;ssen. Lernerfolg setzt selbstt&auml;tiges, konzentriertes &Uuml;ben voraus, damit der Lernstoff wirklich beherrscht und die Lernziele im Langzeitged&auml;chtnis verankert werden k&ouml;nnen. Zum &Uuml;ben fehlt es den meisten Sch&uuml;lern heute am langen Atem und der inneren Ruhe &ndash; vor allem wegen des st&auml;ndigen Abgelenkt-Werdens durch das Smartphone. Mit anderen Worten: Gelingendes Lernen kann es ohne die F&auml;higkeit zur Aufrechterhaltung l&auml;ngerer Aufmerksamkeitsspannen nicht geben. Angesichts der Nutzungsdauer- und Intensit&auml;t digitalen Medienkonsums und seines Einflusses auf die Wahrnehmungs- und Denkprozesse wird klar, dass die unterrichtliche Performance des Lehrers &ndash; wie redlich er sich auch immer im reizarmen Klassenraum abm&uuml;hen mag, um die Aufmerksamkeit seiner Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;ler zu fesseln &ndash; gegen&uuml;ber der Macht, die von Smartphones, Computern, PlayStations &amp; Co. ausgeht, auf verlorenem Posten steht.<\/p><p><strong>Der Brain-Drain und wie er Lernen verhindert<\/strong><\/p><p>In diesem Kontext ist in der Erziehungswissenschaft der Begriff Brain-Drain gepr&auml;gt und in k&uuml;rzester Zeit bekannt geworden. &bdquo;Brain-Drain&ldquo; geht auf eine gleichnamige Studie zur&uuml;ck und bezeichnet den Umstand, dass allein das Vorhandensein von Smartphones die Aufmerksamkeit und Leistungsf&auml;higkeit der Sch&uuml;ler reduziert: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Auf Facebook und Twitter machen gegenw&auml;rtig Bilder die Runde, die zeigen, dass in einer einzigen Unterrichtseinheit Hunderte von Nachrichten Kinder und Jugendliche erreichen, wenn sie ihr Smartphone eingeschaltet lassen. Je mehr Zeit Kinder und Jugendliche mit Smartphones verbringen, desto schlechter sind die schulischen Leistungen.&ldquo; (<em>Neue Z&uuml;richer Zeitung<\/em>, <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/meinung\/die-digitale-bildungsrevolution-zeitigt-ernuechternde-resultate-ld.1469766\">Ern&uuml;chternde digitale Bildungsrevolution<\/a>, Gastkommentar von Klaus Zierer, 16. Mai 2019)\n<\/p><\/blockquote><p>So laufen alle Bem&uuml;hungen, das f&uuml;r gelingende Lernprozesse so wichtige und unverzichtbare Interesse zu erzeugen, ins Leere.<\/p><p>Wobei Interesse, also <em>Inter-esse<\/em>, hier als das durch Neugierde intentional und motivational herzustellende Dazwischen-Sein des Sch&uuml;lers definiert wird, das durch entsprechende didaktische Arrangements sichergestellt werden soll. Die Frage, ob das Lerninteresse des Sch&uuml;lers geweckt, dauerhaft hervorgerufen und in Form von Einstellungen bzw. Habitualisierungen verstetigt werden kann, h&auml;ngt davon ab, inwieweit es dem Lehrer gelingt, dieses Interesse im Zentrum des unterrichtlichen Interaktionsgeschehens so zum Funktionieren zu bringen, dass die Lernziele am Kreuzungspunkt zwischen dem zu erschlie&szlig;enden Lerngegenstand, dem darauf bezogenen Lehrerhandeln und der Reaktionen des Sch&uuml;lers auf beides gut erreicht werden k&ouml;nnen. Der Sch&uuml;ler ist aber immer auch eingebettet in das Feld der Kommunikation und Kooperation mit seinen Mitsch&uuml;lern, die f&uuml;r die Hereinnahme gleichaltrig-komplement&auml;rer, individueller, im g&uuml;nstigen Fall aber divergierender Perspektiven in den Erkenntnisprozess sorgen. F&uuml;r den Lernprozess ist das au&szlig;erordentlich wichtig, denn der Sch&uuml;ler lernt nicht monologisch, sondern dialogisch, im Konzert der Klasse. Der Lehrer gibt durch seine didaktischen Vorannahmen und Entscheidungen den Sch&uuml;lern den Lerngegenstand in der Form eines relevanten, altersgem&auml;&szlig; pr&auml;sentierten, bildungsbedeutsamen Problems vor, sodass die Sch&uuml;ler sich von diesem Lerngegenstand und den kategorial mit ihm verkn&uuml;pften Fragen wechselseitig, im Austausch ihrer Perspektiven auf den Gegenstand, affizieren lassen k&ouml;nnen. <\/p><p>Die f&uuml;r die Generierung neuer Erkenntnisse des Sch&uuml;lers wichtigen &bdquo;Affizierungsenergien&ldquo; werden heutzutage aber &ndash; siehe obige Schilderung der Brain-Drain-Wirkungsweise &ndash; durch das immerw&auml;hrende digitale Grundrauschen absorbiert, das von den zumindest im Stand-by-Modus permanent eingeschaltet bleibenden digitalen Ger&auml;ten verursacht wird. Der Brain-Drain nimmt die Kinder als allzeit pr&auml;sente Ablenkungsquelle in Beschlag, durch die der sich sozusagen auf der Vorderb&uuml;hne abspielende Unterricht von der nicht einsehbaren Hinterb&uuml;hne aus gest&ouml;rt, um nicht zu sagen sabotiert wird &ndash; und zwar st&auml;ndig. Die Schule wird durch den Brain-Drain und seine Folgen auch noch in einer anderen Hinsicht unter Druck gesetzt, die politisch leider schon l&auml;nger aus dem Blick geraten ist: Abweichendes Denken bedarf der Sorge, der g&auml;rtnerischen Pflege und Kultivierung und einer Art der anwaltlichen Vertretung durch den Berufsstand der P&auml;dagogen. Dementsprechend w&auml;re es eine wichtige Aufgabe f&uuml;r sie, daf&uuml;r einzutreten, dass das abweichende Denken eine Heimstatt in der Schule findet. L&auml;ngerfristig kann sich sonst eine Gesellschaft unter demokratischen Vorzeichen nicht produktiv weiterentwickeln bzw. nicht mehr, wie das heute schon der Fall zu sein scheint, gen&uuml;gend Kraft zur Erneuerung finden.<\/p><p>Dagegen steht die Digitalisierung. Sie wird an den Schulen gerade als Katalysator f&uuml;r die Standardisierung und Vereinheitlichung von Lerninhalten- und Lernprozessen und f&uuml;r das Monitoring und Controlling des Lehrpersonals eingesetzt. Doch IT- und KI-gesteuerte Lernsysteme &ndash; und das stellt f&uuml;r Lern-und Bildungsprozesse ein gro&szlig;es Problem dar &ndash; k&ouml;nnen immer nur den gegebenen Status Quo affirmieren. Da &bdquo;KI (&hellip;) ein inh&auml;rent konservatives Instrument (&hellip;) ist&ldquo;, k&ouml;nnen sie ihn nicht verlassen oder gar &uuml;berschreiten. Denn: &bdquo;(&hellip;) der Kern von KI ist: sie lernt aus alten Daten und schreibt sie in Zukunft fort&ldquo;. (<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/computer-openai-kuenstliche-intelligenz-software-ki-judith-simon-1.6344688\">Judith Simon<\/a>, Professorin f&uuml;r Ethik in der Informationstechnologie, Universit&auml;t Hamburg, Mitglied im deutschen Ethikrat, 6. Februar 2024). Diese, von ihren Grundlagen aus betrachtete &bdquo;konservative KI kann also die gesellschaftliche Erstarrung wie das Denken in etablierten Mustern f&ouml;rdern&ldquo;, so die Philosophin. Wird freies und abweichendes Denken nicht schon in der Schule entdeckt, gesch&uuml;tzt und aktiv gef&ouml;rdert, gibt die Gesellschaft den vielleicht wichtigsten Schatz, der in ihr schlummert, das Potenzial zu vern&uuml;nftigen Ver&auml;nderungen, preis.<\/p><p>Doch von solchen Einsichten ist das heutige Schulsystem leider weit entfernt.<\/p><p>Die durch den Transhumanismus ins Totalit&auml;re ausgreifende Tendenz, Probleme ausschlie&szlig;lich technisch zu definieren und sie auch rein technisch, auf Basis von Annahmen ihrer vollst&auml;ndigen Berechenbarkeit (Modellierung), l&ouml;sen zu wollen &ndash; der sogenannte &bdquo;Solutionismus&ldquo; &ndash; f&uuml;hrt dazu, die Quellen alles Neuen, d.h. aller k&uuml;nftigen Chancen, f&uuml;r neue Probleme neue L&ouml;sungen zu finden, zu verschlie&szlig;en. Denn die Entstehung neuer L&ouml;sungen beruht auf Entwicklungsm&ouml;glichkeiten, die von einer <em>ganzheitlichen Betrachtung und W&uuml;rdigung des Menschen <\/em>abh&auml;ngig sind<em>,<\/em> da sie sonst gar nicht richtig in den Blick genommen werden k&ouml;nnen. Dazu geh&ouml;rt z.B. intuitives Vor-Verst&auml;ndnis, die ber&uuml;hmten <em>Bauchgef&uuml;hle<\/em>. Der Transhumanismus hingegen sieht den Menschen als ein defizit&auml;res Wesen an, das durch Technik optimiert werden muss. Immer st&auml;rker ger&auml;t auch die P&auml;dagogik in dieses transhumanistische Fahrwasser, ohne dass die meisten P&auml;dagogen &uuml;berhaupt einen Begriff von dieser Bewegung h&auml;tten. Die Gefahr, dass die Quellen des Neuen in Gestalt materialer Vernunft (die gar nicht anders kann, als sich <em>immer <\/em>zun&auml;chst als abweichendes Denken zu artikulieren, da sie per Definition <em>immer <\/em>ihrer Zeit voraus ist) durch eine technokratische Steuerung des Lernens zu versiegen drohen, kommt heutigen P&auml;dagogen, die zum Teil schon tief in ihr Dehumanisierungsprogramm involviert worden sind, leider nicht (mehr) zu Bewusstsein. Durch diese Entwicklung wird abweichendes Denken in der Praxis erst mit dem Bann der sogenannten Cancel Culture belegt und dann zunehmend inkriminiert, d.h. sogar mit (straf-)rechtlichen Mitteln verfolgt.<\/p><p>Die seit Corona verst&auml;rkt wahrnehmbare Drift in Richtung eines technokratischen Totalitarismus d&uuml;rfte einiges damit zu tun haben, dass das Schulsystem seit Ende des Zweiten Weltkrieges in mehreren Etappen immer st&auml;rker und einseitiger an &ouml;konomischen Interessen, Zweck- und Zielsetzungen ausgerichtet wurde. Es kann daher nicht wirklich verwundern, dass zur &Ouml;konomisierung der Schulbildung, mit der diese Verzweckung und Verdinglichung des Sch&uuml;lers zum &bdquo;Humankapital&ldquo; im Namen allgemein kaum hinterfragter Imperative des Marktes bzw. der dahinterstehenden neoliberalen Ideologie erfolgte, daher nun in einem weiteren Durchgang die digital-kybernetische Wende f&uuml;r das Lernen hinzukommt.<\/p><p><strong>Die aufkl&auml;rerische Tradition der Schulbildung und was von ihr &uuml;brig bleibt<\/strong><\/p><p>Dem System &ouml;ffentlicher Bildung geht durch &Ouml;konomisierung und Kybernetisierung jedoch der vitale Kontakt zu seinen Wurzeln verloren. Diese liegen in der Aufkl&auml;rung und haben in der westlich-liberalistischen Vorstellung von schulischer Bildung und Erziehung als Anleitung zur Autonomie bzw. M&uuml;ndigkeit in der ber&uuml;hmten Forderung Kants: &bdquo;Habe Mut Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen!&ldquo; ihre knappe, aber sowohl philosophisch als auch historisch wirkungsvolle und weitreichende Selbstverst&auml;ndigungsformel gefunden.<\/p><p>Das Selber-Denken nahm eine Schl&uuml;sselrolle innerhalb der politischen und soziokulturellen Formierungen des modernen b&uuml;rgerlichen Gesellschaftstypus ein, der sich ab dem 18. Jahrhundert herausbilden sollte. Das aufkl&auml;rerische Denken trug ma&szlig;geblich zur Entwicklung des Selbstbewusstseins des B&uuml;rgers bei. Politisch leitete es sich aus der Abwehr, dem wachsenden Widerstand gegen den feudalistischen Obrigkeitsstaat ab. Die B&uuml;rger wandten sich gegen die &Uuml;bermacht und &Uuml;bergriffigkeit einer Herrschaft, deren Willk&uuml;r ihnen zunehmend zu Bewusstsein kam, sodass sie deren repressives, die eigene, aufstrebende Klasse benachteiligendes Regime nicht mehr l&auml;nger hinzunehmen bereit waren.<\/p><p>Der Mensch in Gestalt des neuzeitlichen Individuums begann, sich auf ein Recht zu berufen, das ihm durch die Natur selbst gegeben bzw. verliehen worden war, einer Natur, als dessen Gesch&ouml;pf er sich selbst zugleich immer st&auml;rker aufgrund der Fortschritte in den Wissenschaften begriff. Das moderne &ouml;ffentliche Schulsystem, das sich parallel zum &ouml;konomischen Aufstieg des B&uuml;rgertums als &bdquo;drittem Stand&ldquo; entwickelte, einem Aufstieg, den die anderen St&auml;nde, Adel und Klerus, nicht aufzuhalten vermochten, geht insofern in einer direkten Abstammungslinie auf den aufkl&auml;rerischen Geist und das b&uuml;rgerliche Streben nach Freiheit, Selbstbestimmung und politischer Repr&auml;sentation zur&uuml;ck. Sp&auml;ter ist die in ihm abgelagerte aufkl&auml;rerische Substanz erst vom utilitaristisch-bourgeoisen Denken (nach welchem die Schulbildung von unmittelbarem, selbstevidenten Nutzen sein und dabei mithelfen soll, die b&uuml;rgerliche Klassengesellschaft zu erhalten) und dann vom Neoliberalismus (die Schule soll Unternehmer ihrer selbst ausbilden, die sich flexibel an die st&auml;ndig wechselnden Bed&uuml;rfnisse und Vorgaben des Marktes anpassen k&ouml;nnen, sollen und am besten auch wollen) ausgeh&ouml;hlt und schlie&szlig;lich ganz entkernt worden. <\/p><p>Inzwischen hat man den Eindruck, dass es sich bei dem, was vom emanzipatorisch-aufkl&auml;rerischen Geist und den radikaldemokratisch-freiheitlichen Bestrebungen in unseren Bildungsanstalten nach den Verw&uuml;stungen durch die PISA- und BOLOGNA-&bdquo;Reformen&ldquo; noch &uuml;brig geblieben ist, nur noch um so k&uuml;mmerlich-kleine &Uuml;berreste handelt, dass diese heute de facto in den Funktionszusammenh&auml;ngen der Schule keine Rolle mehr spielen. Fast ohne &Uuml;bertreibung kann man feststellen, dass der aufkl&auml;rerische Begriff von Freiheit dort aktuell nicht mehr anzutreffen ist. Ebenso wenig l&auml;sst sich noch empirisch die Existenz eines Bereiches nachweisen, der auf eine signifikante und positive Weise mit dem Freiheitsbegriff korreliert. Freiheit &ndash; etwa als die doch grundgesetzlich gesch&uuml;tzte Freiheit der Lehre (Art. 5, Abs. 3) &ndash; als ein Wert, der real verteidigt, unterst&uuml;tzt und gef&ouml;rdert w&uuml;rde, ist in der Schule l&auml;ngst zu einem Phantom geworden.<\/p><p>Kehren wir an diesem Punkt von der abstrakteren, allgemeinen Ebene wieder zum anekdotischen Einzelfall und damit an den Schauplatz der K&auml;mpfe in meiner eigenen Schule zur&uuml;ck:<\/p><p>Meine anhaltende Kritik an einer unvern&uuml;nftigen und sch&auml;dlichen, dazu teuren und &ndash; wie man heute so sch&ouml;n zu sagen pflegt &ndash; nicht &bdquo;nachhaltigen&ldquo; Schuldigitalisierung, die insbesondere f&uuml;r Kinder aus sozial unterprivilegierten Familien zus&auml;tzliche Bildungsdiskriminierung zur Folge hat, isolierte mich zunehmend im Kollegium. Die Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche, die aus armen, oft alleinerziehenden Haushalten kommen, wiegen deshalb so schwer, weil sie bereits in mehrfacher Hinsicht schulisch derart stark benachteiligt werden, dass jedes weitere Handicap sich umso dramatischer auf ihre Bildungs- und Lebenschancen auswirkt. Sie verf&uuml;gen n&auml;mlich &uuml;ber keinerlei Mittel und haben auch null Reserven, womit sich irgendwie noch irgendetwas f&uuml;r sie kompensieren lie&szlig;e. Man w&uuml;rde erwarten, dass Lehrer, die nicht an dieser diskriminierenden Praxis beteiligt sein wollen, eigentlich ein offenes Ohr f&uuml;r diese Probleme h&auml;tten.<\/p><p>Meine Forderung, nicht einfach nur immer weiter achselzuckend die allgemeine Absenkung des Bildungsniveaus hinzunehmen, die wir seit vielen Jahren schon an den Schulen nicht nur &bdquo;beobachten&ldquo; k&ouml;nnen, sondern die wir ja als Lehrer in mehr oder weniger schizophrener Weise aktiv mitbetreiben (und\/oder die wir mit einer Inflationierung guter Noten kontraproduktiv &bdquo;wegrationalisieren&ldquo; wollen), stie&szlig; ebenfalls nur auf wenig positive Resonanz an meiner Schule. Der Wille, die Rundum-Digitalisierung zu hinterfragen, die nun neben der privaten Lebenswelt auch noch als &bdquo;Learning Analytics&ldquo; (die fl&auml;chendeckend zu etablierende algorithmische und automatisierte Erhebung und Auswertung von Daten &uuml;ber Lernende) den unterrichtlichen Alltag der Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;ler bestimmen soll &ndash; und das in Anbetracht der ohnehin schon weit verbreiteten Computer und Smartphone-Sucht und des damit zusammenh&auml;ngenden Aufmerksamkeitsdefizitsyndroms[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>] vieler Jugendlicher &ndash;, tendiert bei der Mehrheit der Kolleginnen und Kollegen gen Null. Das hat auch damit zu tun, dass immer mehr &bdquo;Digital Natives&ldquo; die Lehrerzimmer bev&ouml;lkern. Dies allein kann den unkritischen Hype um die Schuldigitalisierung jedoch nicht hinreichend erkl&auml;ren. Die relativ kleine Minderheit von Kollegen, die dem Hype noch mit Zweifeln und Kritik begegnen, &auml;u&szlig;ern diese meist nur noch in privaten Vier-Augen-Gespr&auml;chen und hinter vorgehaltener Hand, man will keinesfalls als altmodisch gelten.<\/p><p>Das Unbehagen, ja die Angst davor, das Etikett des ewig Gestrigen umgeh&auml;ngt zu bekommen, der irgendwie den Anschluss an das verpasst hat, was die &bdquo;Sch&ouml;ne neue Bildungswelt&ldquo; genannt werden kann, oder der, wenn man die Digitalisierung kritisiert, als Querulant, Fortschrittsverweigerer oder Maschinenst&uuml;rmer hingestellt wird, scheint gro&szlig; zu sein. Das kann von Au&szlig;enstehenden vielleicht besser verstanden werden, wenn ich nochmal kurz meine eigenen Erfahrungen, die ich auf diesem verminten Gel&auml;nde sammeln musste, referieren darf. Waren in den ersten Jahren, damals noch unter dem Dach der Gesamtschule &ndash; die Gesamtschule mitsamt ihres auf Gesellschaftsver&auml;nderung durch mehr Bildungsgerechtigkeit gerichteten kritischen Potenzials fiel einer der vielen sogenannten Schulreformen zum Opfer &ndash;, Diskussionen und Kritik noch gefragt, sind sie in der neoliberal gewendeten Schule seit ungef&auml;hr 2010 verp&ouml;nt.<\/p><p>Tats&auml;chlich ging zeitlich der Aufstieg der Digitalisierung mit einem autorit&auml;ren Roll-Back in den Schulen einher, das durch zeitgem&auml;&szlig;e Politfolkloren wie Demokratiesimulationen, Anti-Rassismus-Projekte, Wokeness und Klimaaktivismus heute nur noch schlecht kaschiert wird.<\/p><p>In meinem Fall intervenierte die Schulleitung immer &ouml;fter und versuchte, mich &ndash; auch wegen meiner Angriffe auf die &bdquo;heiligen K&uuml;he&ldquo; der neoliberalen Schulentwicklung &ndash; mit disziplinarischen Mitteln auf Linie zu bringen. So nahm die Schulleitung z.B. Ansto&szlig; daran, dass ich nicht davon ablassen wollte, meine Auffassung, dass eine managerial gef&uuml;hrte Schule mehr Nachteile als Vorteile bringt, offen kundzutun. Auch dass ich weiterhin &ndash; trotz aller R&uuml;ckschl&auml;ge &ndash; f&uuml;r eine demokratische Diskussionskultur und die Mitbestimmungsrechte des Kollegiums stritt und weder die Digitalisierung noch die Kompetenzorientierung genug beweihr&auml;ucherte und stattdessen beiden vorwarf, ma&szlig;geblich f&uuml;r eine Verbetriebswirtschaftlichung und Verflachung der Lerninhalte verantwortlich zu sein sowie dar&uuml;ber hinaus der Entm&uuml;ndigung des Lehrers Vorschub zu leisten, war der im (Un-)Geist des neoliberalen Change-Managements agierenden Schulleitung zunehmend ein Dorn im Auge.<\/p><p>Das ging so weit, dass man am Ende durch meine Meinungs&auml;u&szlig;erungen sogar den &bdquo;Schulfrieden&ldquo; in Gefahr sah und mir de jure einen Maulkorb verpassen wollte.<\/p><p><strong>Meine eigenen Wortmeldungen zur Schuldigitalisierung und Schulentwicklung<\/strong><\/p><p>Da ich die Leserschaft mit meiner eigenen Leidensgeschichte nicht &uuml;ber Geb&uuml;hr langweilen m&ouml;chte, breche ich an der Stelle ab und gehe im n&auml;chsten Abschnitt lieber n&auml;her auf den Entstehungszusammenhang meiner ersten eigenen digitalisierungskritischen Texte ein, die ich dann, doch eher ungew&ouml;hnlich f&uuml;r einen Lehrer, schreiben und auf verschiedenen Seiten ver&ouml;ffentlichten sollte.<\/p><p>Denn einerseits bringt diese Geschichte auf ihre Art und Weise wiederum die Virulenz des Themas Schuldigitalisierung gut zum Vorschein, andererseits ist meine Ohnmacht in ihr dokumentiert sowie das, was aus ihr folgte. Die Ohnmacht bestand darin, als einzelner Lehrer auf dieses Thema innerschulisch in keiner Weise konstruktiv Einfluss nehmen zu k&ouml;nnen.<\/p><p>Das Schreiben des ersten Teils meiner &bdquo;Einspr&uuml;che&ldquo; geht auf die Jahre 2018\/2019, die Zeit nach Verabschiedung des Digitalpaktes durch Bund und L&auml;nder zur&uuml;ck. Johannes Mosmann hat in einem interessanten Beitrag (einer Leseprobe aus seinem Buch &bdquo;Die erweiterte Demokratie&ldquo;) f&uuml;r Norbert H&auml;rings Blog <em>Geld und mehr<\/em> auf den wahren Urheber dieses Politikums in Gestalt des Big-Data-Konzerns Microsoft aufmerksam gemacht. Mosmann legt sehr sch&ouml;n den starken, durchschlagenden lobbypolitischen Einfluss dar, der im Fall Digitalpakt sogar bis zur Grundgesetz&auml;nderung ging. Hier ein Auszug:<\/p><p>&bdquo;Wie kam es etwa zum k&uuml;rzlich verabschiedeten &bdquo;Digitalpakt&ldquo;? Im Jahr 2015 initiierte Microsoft zusammen mit dem Verband der Internetwirtschaft die Kampagne &sbquo;Digitaler Bildungspakt&lsquo; und entwickelte eine &bdquo;Handlungsempfehlung&ldquo; f&uuml;r die Politik. Die Kampagnen-Seite erkl&auml;rt:<\/p><p>&sbquo;Der Einsatz von IT im Unterricht erm&ouml;glicht lebendige Lernerfahrungen und nachhaltigere Lernerfolge. Deshalb m&uuml;ssen Lehrer digitale Technologien verst&auml;rkt im Unterricht einsetzen. Dabei geht es nicht darum, sie isoliert in einem Pflichtfach &gt;Informatik&lt; oder &gt;Digitales&lt; einzusetzen, sondern vielmehr in allen Bereichen &ndash; und &uuml;berall dort, wo es sinnvoll ist. In nahezu allen F&auml;chern k&ouml;nnen digitale Formate den Zugang zum Lernstoff erleichtern, die Qualit&auml;t des Unterrichts erh&ouml;hen und die Lernmotivation steigern.&lsquo; Dass viele erfahrene P&auml;dagogen ganz anderer Meinung waren und die &sbquo;Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft&lsquo; ausdr&uuml;cklich vor dem aggressiven Lobbyismus der Digitalkonzerne warnte, konnte Microsoft nicht aufhalten. Wenige Monate sp&auml;ter standen die &bdquo;Handlungsempfehlungen&ldquo; des Konzerns auf der Agenda der gro&szlig;en Koalition. Im Februar 2019 wurde das Grundgesetz ge&auml;ndert, weil der &sbquo;Digitalpakt&lsquo; aufgrund der L&auml;nderhoheit im Bereich der Bildung eigentlich verfassungswidrig ist.&ldquo; (<a href=\"https:\/\/norberthaering.de\/buchtipps\/mosmann-erweiterte-demokratie\/\">norberthaering.de<\/a>, ver&ouml;ffentlicht am 21. Februar 2024)<\/p><p>Meine Texte, zun&auml;chst die ersten Abschnitte meines Einspruch-Textes (&bdquo;Zehn Thesen zur Digitalisierung der Schulen&ldquo;), dann &bdquo;Die Digitalisierung und ihre Effizienzgewinne aus p&auml;dagogischer Perspektive&ldquo;, sind vor dem Hintergrund meiner Bef&uuml;rchtung entstanden, dass Schulen k&uuml;nftig nach Ma&szlig;gabe der Vorstellungen der Digitalindustrie, namentlich denen der Big Five (Alphabet\/Google, Amazon, Apple, Meta\/Facebook, Microsoft) aus dem Silicon Valley ummodelliert und vollst&auml;ndig ins Design, das der &Uuml;berwachungskapitalismus (Shoshana Zuboff) uns &uuml;berst&uuml;lpen will, integriert werden sollen.<\/p><p>In einem Gespr&auml;ch, zu dem unsere Schul-Digitalisierungsbeauftragte mich und zwei weitere Digitalisierungsskeptiker einlud, schlug ich ihr das Papier als Grundlage f&uuml;r eine Diskussion &uuml;ber unser eigenes Digitalisierungsprogramm vor. Meine Anregung war, dass das Kollegium im Rahmen einer Oberstufenkonferenz diese aus meiner Sicht l&auml;ngst &uuml;berf&auml;llige Debatte, gest&uuml;tzt auf vorab zusammengetragene Pro-und Contra-Argumente, miteinander f&uuml;hren sollte. Dazu muss man wissen, dass in den zwei Jahren vor Corona, nachdem die Mittel aus dem Digitalpakt bereitgestellt waren, unsere Digitalisierungsbeauftragte in enger Zusammenarbeit mit der Oberstufenleitung das Digitalisierungsprogramm f&uuml;r unsere Schule entwickelte. In dem Zusammenhang wurden dann tats&auml;chlich eine Reihe von schlechten Entscheidungen getroffen und umgesetzt. <\/p><p>Dass es schlechte Entscheidungen wurden, war meines Erachtens allerdings nicht sehr &uuml;berraschend, denn sie waren vorher nie Gegenstand einer schulintern offenen, kollegial gef&uuml;hrten Debatte: So wurden in fast allen Klassenr&auml;umen ohne R&uuml;cksprache mit den dort unterrichtenden Lehrern die Tafeln abgeh&auml;ngt und stattdessen teure, st&ouml;ranf&auml;llige Smart- bzw. Whiteboards angeschafft, durch die, genauer gesagt durch dessen langsames Hoch-und-Runterfahren aufs Schuljahr hochgerechnet eine Unsumme der ohnehin knappen, reinen Unterrichtszeit seither vergeudet wurde (die &bdquo;Hochfahr-Zeit&ldquo; kann sinnvoll f&uuml;r nichts anderes verwendet werden, da die Sch&uuml;ler w&auml;hrend des gesamten Vorgangs auf das Ger&auml;t starren, um zu pr&uuml;fen, ob der Lehrperson es auch tats&auml;chlich gelingt, die Einschaltprozedur erfolgreich zu bew&auml;ltigen). Dazu wurde W-LAN in der gesamten Schule installiert. Das bot Sch&uuml;lern einen zur Aufrechterhaltung einer konzentrationsf&ouml;rderlichen-positiven Lernumgebung sich kontraproduktiv auswirkenden Anreiz, im und au&szlig;erhalb des Unterrichts zuk&uuml;nftig noch mehr mit ihren Smartphones herumzuspielen und sich &bdquo;die bl&ouml;de und nervige Schulzeit zu vertreiben&ldquo;, da dies ja nunmehr kostenfrei f&uuml;r sie m&ouml;glich war.<\/p><p>Zur&uuml;ck zum damaligen Gespr&auml;ch mit der Digitalisierungsbeauftragten: In dessen Verlauf zeigte sich schnell, dass gar keine p&auml;dagogische Diskussion erw&uuml;nscht war. Sp&auml;ter stellte sich heraus, dass das Programm <em>Fait accompli<\/em> l&auml;ngst beschlossene Sache war. Die Gespr&auml;che im kleinen Kreis wurden nur gef&uuml;hrt, um die wenigen &bdquo;Bedenkentr&auml;ger&ldquo; im Kollegium besser einnorden bzw., wie das in der Sprache des Change-Managements hei&szlig;t, &bdquo;neutralisieren&ldquo; zu k&ouml;nnen, damit man sichergehen konnte, dass sie dem schon durchgeplanten Prozess nicht noch in die Quere kommen. Und das, obwohl die im Schulgesetz daf&uuml;r vorgesehenen Gremien, die Lehrer- und die Schulkonferenz, sich zu keiner Zeit &uuml;berhaupt einmal grunds&auml;tzlich mit dem F&uuml;r und Wider der Pl&auml;ne zur Schuldigitalisierung besch&auml;ftigt geschweige denn auf der Grundlage einer solchen Debatte irgendwelche Beschl&uuml;sse dazu gefasst h&auml;tten. Stattdessen wurden Tenor und Niveau der Behandlung dieser sehr weitreichenden Umbaupl&auml;ne f&uuml;r Schule und Unterricht durch meine Schulleiterin in den Konferenzen durch Statements wie &bdquo;Die Digitalisierung ist auch etwas sehr Wichtiges, das anliegt und was wir einfach machen m&uuml;ssen&ldquo; (sic!) vorgegeben.<\/p><p>Dann, zwei Jahre sp&auml;ter &ndash; unter dem Eindruck der Corona-Krise und den schlimmen, bis dato noch immer nicht aufgearbeiteten Folgen der Schul-Lockdowns und des digitalen Homeschoolings &ndash;, holte ich das Papier, das man an meiner Schule nicht diskutieren wollte, noch einmal hervor und begann, es um aktuelle Aspekte zu erg&auml;nzen. Zu dieser Zeit wurde die Digitalisierung quasi &uuml;ber Nacht in den Status des &bdquo;New Normal&ldquo; f&uuml;r (nicht nur pandemiekonformes) Unterrichten erhoben. Damals schrieben Finn Jagow und ich dazu:<\/p><p>&bdquo;Je schneller wir uns an das Format des Online-Lernens gew&ouml;hnen &ndash; da es uns auch immer wieder als das erfolgversprechendste Zukunftsmodell f&uuml;r das gesamte Bildungswesen respektive seinen Fortschritt empfohlen wird &ndash;, desto geringer f&auml;llt das Zeit- und Aufmerksamkeitsquantum aus, um all dem nachzusp&uuml;ren, was durch dieses k&uuml;nstliche Lernsetting abgekoppelt wird und verloren geht. Da das E-Learning aber lauter denn je als L&ouml;sung des Problems in der und f&uuml;r die Krise und dar&uuml;ber hinaus propagiert wird &ndash; wo es doch eigentlich nur ein Notbehelf ist &ndash;, verlieren wir durch das Disruptive, durch das unser Handeln neu ausgerichtet wird, die Empfindung f&uuml;r das Abgekoppelte und Verlorengegangene. Dieses l&ouml;st sich dadurch aber nicht auf, sondern addiert sich vielmehr auf der R&uuml;ckseite unserer digitalen Betriebsamkeit zur schwersten Hypothek der bislang gr&ouml;&szlig;ten Bildungskrise auf, in die wir durch die Corona-Ma&szlig;nahmenpolitik geraten sind und bei der immer noch kein Licht am Ende des Tunnels erkennbar wird.&ldquo;<\/p><p><strong>Potenzierter digitaler Kollateralschaden durch E-Teaching w&auml;hrend der Corona-Lockdowns<\/strong><\/p><p>Den konkreten Hintergrund f&uuml;r mein Wiederaufnehmen des Fadens zur Aktualisierung der kleinen digitalisierungskritischen Streitschrift[<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>] lieferten die schwer zu ertragenden Verharmlosungen und Besch&ouml;nigungen der Situation, in die wegen der Corona-Ma&szlig;nahmen viele Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;ler durch verantwortungslos handelnde Politiker, sich selbst gleichschaltende Medien und hysterisch gewordene Lehrerverb&auml;nde und Gewerkschaften gest&uuml;rzt worden waren. Die &auml;u&szlig;erst prek&auml;re Lage, in die sie hineingerieten, und die f&uuml;r mich nicht nachvollziehbare Unt&auml;tigkeit meines Berufsstandes angesichts des Leids, das man ihnen durch die Folgen zweimaliger kompletter Schulschlie&szlig;ungen (von denen die zweite f&uuml;r Teile der Hamburger Sch&uuml;lerschaft fast bis zu den Sommerferien 2022 andauern sollte) sowie durch die Verbote fast aller sozialen Kontakte und alterstypischen und altersgem&auml;&szlig;en Freizeitaktivit&auml;ten bzw. Bet&auml;tigungsm&ouml;glichkeiten antat, emp&ouml;rten mich. Vor allem emp&ouml;rte und belastete mich, dass diese Anordnungen bzw. das gesamte Vorgehen, welches diese Anordnungen zum Resultat hatte, &uuml;ber die B&uuml;hne gingen, ohne dass es f&uuml;r diese massiven Grundrechtseingriffe und Freiheitsbeschr&auml;nkungen je eine rationale Rechtfertigung gegeben h&auml;tte. Mir war auch nicht verst&auml;ndlich, wie mein Dienstherr darauf verzichten konnte, eine solche Rechtfertigung anzumahnen bzw. sie einzufordern.<\/p><p>Stattdessen wurden die unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;igen Mittel und Ma&szlig;nahmen einfach um- und durchgesetzt, ohne dass ein Abw&auml;gungsprozess zwischen den m&ouml;glichen und sinnvollen Interessen eines Infektionsschutzes und den Interessen angestellt worden w&auml;re, die durch das Kindeswohl in seinem Status als grundgesetzlich vorrangigem Schutz der Menschenw&uuml;rde vorab definiert waren. Im Gegenteil: Kollegen, die das Kindeswohl ernst nahmen und solche Abw&auml;gungsfragen angesichts der Datenlage stellten, wurden ganz schnell in diffamierender Absicht in die &bdquo;Querdenkerecke&ldquo; gestellt, vor die Schulleitungen und die Schulbeh&ouml;rden zitiert und mit disziplinarrechtlichen Mitteln kujoniert. Nicht wenige von ihnen wurden vom Dienst suspendiert und aus dem Beamtenverh&auml;ltnis entfernt. Ihre Rehabilitation steht skandal&ouml;serweise immer noch aus, w&auml;hrend die Schreibtischt&auml;ter nach wie vor in Amt und W&uuml;rden sind.<\/p><p>Der gr&ouml;bste Versto&szlig; gegen das Gebot der Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeit war aus meiner Sicht der, dass Kindern und Jugendlichen der Zugang zur Schulbildung genommen und sie zu Hause eingesperrt wurden, um sie vorgeblich vor einem Virus zu sch&uuml;tzen, damit sie ihre Gesundheit bewahren und andere nicht anstecken konnten. Tats&auml;chlich wurden sie in ihrer Gesundheit aber aufgrund der Separation und Isolation, die sie stark belastendem Stress aussetzten und Gef&uuml;hle von Hilflosigkeit und Ausgeliefertsein erzeugten, viel st&auml;rker angegriffen und gesch&auml;digt, als wenn man die Infektion mit dem Virus bei ge&ouml;ffnet bleibenden Schulen einfach zugelassen h&auml;tte.<\/p><p>Das h&auml;tte den Effekt gehabt, dass diese vulnerable Gruppe dadurch viel schneller selbst nat&uuml;rlich immunisiert worden w&auml;re, was im &Uuml;brigen auch zu einer fr&uuml;heren Entspannung der allgemeinen Infektionslage beigetragen h&auml;tte. Die nat&uuml;rliche Immunisierung &ndash; und nicht etwa die sogenannte Impfung, zu der die Jugendlichen gedr&auml;ngt wurden &ndash; w&auml;re ihr bester Schutz gewesen. Das kann als gesichert angenommen werden, da die Datenlage zu keinem Zeitpunkt zwischen 2020 und 2022 verl&auml;ssliche Hinweise daf&uuml;r geliefert hat, dass Sch&uuml;ler, wie Politiker es trotzdem kontrafaktisch immer wieder behaupteten, je &bdquo;Treiber der Pandemie&ldquo; waren.<\/p><p>Die hier noch einmal rekonstruierte Gemengelage, der ich mich gegen&uuml;bersah, f&uuml;hrte schlie&szlig;lich dazu, dass mein Freund und Kollege Finn Jagow, der an einer anderen Hamburger Stadtteilschule unterrichtet, und ich im Januar 2021, also in den ersten Wochen des zweiten Lockdowns, eine qualitative Erhebung zur Lebenssituation unserer Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;ler in den elften Klassen initiierten. Mit den bescheidenen Mitteln, &uuml;ber die wir in dieser Situation verf&uuml;gten &ndash; den Mitteln qualitativer Sozialforschung &ndash;, wollten wir der gleichg&uuml;ltigen Haltung vieler P&auml;dagogen, die wir zunehmend sehr befremdlich fanden, etwas entgegensetzen und durch die Untersuchung in Erfahrung bringen, wie es unseren Sch&uuml;lern im Lockdown unter den Bedingungen einer ausschlie&szlig;lichen und rudiment&auml;ren Beschulung durch E-Learning wirklich erging.<\/p><p>Doch wir scheiterten mit unserem Anliegen, den Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;lern damit eine h&ouml;rbare Stimme zu geben. Das Ziel, &Ouml;ffentlichkeit und Politik auf ihre schwierige, z.T. verzweifelte Lage aufmerksam zu machen, konnten wir nicht erreichen. Nicht einmal kleine Verbesserungen lie&szlig;en sich f&uuml;r sie durchsetzen. Wir merkten: Gegen den vorherrschenden Panik-Modus der Pandemie-Erz&auml;hlung, in dessen Griff die &Ouml;ffentlichkeit mit Dauersirenen-Ton &ndash; v&ouml;llig &uuml;berzogen &ndash; gehalten wurde, war kein Kraut gewachsen. Es lie&szlig; sich weder genug Verst&auml;ndnis und Empathie f&uuml;r die Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;ler mobilisieren, noch war die geringste Bereitschaft auf Seiten der Politik zu erkennen, sich &uuml;berhaupt argumentativ auf irgendwelche Alternativen zur Extreml&ouml;sung Schulschlie&szlig;ung und E-Learning einzulassen, auf die sich diese versteift hatten. Niemand hatte die Absicht, unsere praktischen und unb&uuml;rokratisch leicht umzusetzenden Vorschl&auml;ge zur Abmilderung der Lage im Interesse der Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;ler ernsthaft und unvoreingenommen zu pr&uuml;fen, und das, obwohl das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) im Zusammenhang mit Corona schon damals von der gr&ouml;&szlig;ten Bildungskatastrophe der Neuzeit sprach; sie wurde, &ndash; unfassbar, aber wahr &ndash; einfach ausgesessen.<\/p><p>Nach Auswertung der Frageb&ouml;gen, die wir unseren Sch&uuml;lern geschickt hatten, war ich selbst als digitalisierungsskeptisch eingestellter P&auml;dagoge, der schon erwartet hatte, dass ihn die Antworten seiner Sch&uuml;ler mit einigem Negativen und Beunruhigenden konfrontieren w&uuml;rden, von den Ergebnissen unserer kleinen Studie regelrecht schockiert &ndash; ein Schock, den ich so nicht vorausgesehen hatte. &Auml;hnlich, wenn nicht noch mehr, schockierte mich allerdings die Tatsache, dass diese wirklich alarmierenden Befunde, die hier zu Tage traten, in den Fraktionen der in der Hamburger B&uuml;rgerschaft vertretenen Parteien und der GEW &ndash; mit beiden h&auml;tten wir gerne einen Austausch begonnen &ndash; sowie auch in den Medien nur auf taube Ohren sto&szlig;en sollten &ndash; und das trotz folgender Ergebnisse:<\/p><ul>\n<li>90 Prozent aller Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;ler nehmen die derzeitige Situation des Schul-Lockdowns als &bdquo;belastend&ldquo;, jeder zweite Befragte sogar als &bdquo;sehr belastend&ldquo; wahr.<\/li>\n<li>Fast jeder Zweite geht davon aus, dass sich seine Noten durch die Lockdowns verschlechtern werden.<\/li>\n<li>58 Prozent bekommen zu Hause wenig oder gar keine Unterst&uuml;tzung.<\/li>\n<li>69 Prozent der Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;ler sagen: Die Schule nimmt nur teilweise R&uuml;cksicht auf die besondere Situation, 24 Prozent sagen: Sie nimmt keine oder nur wenig und nur 6,9 Prozent sagen, sie nimmt viel R&uuml;cksicht.<\/li>\n<li>90 Prozent der befragten Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;ler sprechen sich daf&uuml;r aus, m&ouml;glichst schnell wieder in den Pr&auml;senzunterricht zur&uuml;ckkehren zu k&ouml;nnen, 24 Prozent k&ouml;nnen sich in der derzeitigen Situation am besten Hybridunterricht (Mischung aus Pr&auml;senz- und digitalem Fernunterricht) vorstellen, wenn sie eine Wahlm&ouml;glichkeit bekommen.<\/li>\n<\/ul><p><strong>Kein Ausweg aus der katastrophalsten Bildungskrise der Neuzeit?!<\/strong><\/p><p>Obwohl wir selbst durch die Reaktionen und &Auml;u&szlig;erungen unserer &bdquo;Sch&uuml;lerprobanden&ldquo; f&uuml;r ihre schlimme und eigentlich untragbare Lage nat&uuml;rlich besonders sensibilisiert worden sind &ndash; der Umgang mit dieser Untersuchung sollte f&uuml;r mich ein pr&auml;gendes Erlebnis darstellen und f&uuml;hrte dazu, dass mich das Thema der p&auml;dagogischen Aufarbeitung der Corona-Krise seitdem nicht wieder losgelassen hat &ndash;, gilt andererseits leider, dass bei den Verantwortlichen bis zum heutigen Tag weder eine Sensibilisierung f&uuml;r diese keineswegs &bdquo;erledigten&ldquo; Probleme stattgefunden noch sich so etwas wie ein Verst&auml;ndnis der T&auml;ter f&uuml;r oder gar Reuegef&uuml;hle gegen&uuml;ber den Opfern entwickelt haben. In der Studie wiesen all die Schwierigkeiten, unter denen unsere Sch&uuml;ler infolge der Ma&szlig;nahmen leben mussten, in nuce &ndash; auch wenn uns f&uuml;r die Datenerhebung nur ein kleines Stichproben-Sample zur Verf&uuml;gung stand &ndash; bereits auf den gro&szlig;en psychosozialen Belastungskomplex hin, der etwas sp&auml;ter zur traurigen Realit&auml;t wurde und u.a. als die einzige Triage, die sich in der Corona-Zeit tats&auml;chlich ereignete, n&auml;mlich die Triage in den Kinder-und Jugendpsychiatrien, massiv in Erscheinung treten sollte.<\/p><p>Das hei&szlig;t, dass sich hier bereits die erst sp&auml;ter manifest werdenden chronifizierten Belastungsst&ouml;rungen und psychosomatischen Krankheitsbilder als schon zum Teil schwerwiegende Folgen der Corona-Ma&szlig;nahmen-Politik ank&uuml;ndigten[<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>] &ndash; von den Sch&auml;den ganz zu schweigen, die in Folge der sogenannten Impfung auftreten sollten.<\/p><p>Auch wenn sich trotzdem, ein Jahr nach offiziellem Ende der sogenannten Pandemie, die psychischen Langzeitfolgen der Schul-Lockdowns f&uuml;r Kinder und Jugendliche noch gar nicht genau absehen lassen, muss angesichts der verf&uuml;gbaren Datenlage doch vermutet werden, dass diesbez&uuml;glich bislang nur die Spitze des Eisbergs eines riesigen Gesundheitsproblems sichtbar geworden ist, der durch die Wegschlie&szlig;ungen und das Covid-Spritzen-Regime auf uns zukommt und unsere Gesellschaft vor gewaltige Belastungen stellt. Sicher scheint, dass die Fallzahlen an Verhaltensauff&auml;lligkeiten, psychosomatischen Krankheiten, Entwicklungs-, Ess- und Schlafst&ouml;rungen sowie Depressionen und Angstpsychosen sprunghaft angestiegen sind. Zu erinnern ist daran, dass P&auml;diater sowie Kinder- und Jugendpsychologen schon im ersten Corona-Jahr in dieser Hinsicht ungeh&ouml;rt Alarm schlugen. Au&szlig;erdem ist die Computer- und Smartphone-Sucht (siehe oben) inzwischen endemisch unter Jugendlichen verbreitet und wirkt sich verheerend auf Bildungskarrieren aus.<\/p><p>Insgesamt haben sich die vor Corona schon starken, schicht- und milieuabh&auml;ngigen Diskrepanzen und Disparit&auml;ten im bundesrepublikanischen Schul- und Bildungssystem nochmals dramatisch versch&auml;rft &ndash; mit dem Effekt, dass soziale Ungleichheit sich weiter verfestigt. Dies stellt eine gro&szlig;e Gefahr f&uuml;r die Demokratie und f&uuml;r den Zusammenhalt der Gesellschaft dar.<\/p><p>Trotz dieser desastr&ouml;sen Ergebnisse h&auml;lt die Politik in Deutschland offensichtlich unbeirrt an der Digitalisierung der Schulen fest. Hierzulande erachtet sie es nicht einmal f&uuml;r n&ouml;tig, die Erfahrungen mit dem E-Learning w&auml;hrend der Corona-Krise aufzuarbeiten, um in Zukunft bessere politische Entscheidungen sicherstellen zu k&ouml;nnen, welche dann tats&auml;chlich auch im Einklang mit der UN-Kinderrechtskonvention getroffen werden, d.h. solche, die mit den Menschenrechten kompatibel w&auml;ren, die auch f&uuml;r Kinder gelten (sollten!). Denn trotz allen Inklusionsgeredes war genau das eben in der Corona-Politik zu keinem Zeitpunkt der Fall: Die Grundrechte der Kinder wurden komplett missachtet. Da der Nachweis eines p&auml;dagogischen Nutzens der Digitalisierung bislang nicht erbracht werden konnte, m&uuml;sste bei der Debatte doch allgemein die Frage in den Mittelpunkt ger&uuml;ckt werden, welchen anderen gro&szlig;en oder noch gr&ouml;&szlig;eren Interessen und Zielen die Schuldigitalisierung dann eigentlich dient. Diese Frage m&uuml;sste angesichts der Tatsache, dass die Schuldigitalisierung nach Corona offenbar trotz der desastr&ouml;sen Ergebnisse weiter ohne nennenswerte Korrekturen verfolgt werden soll, mit besonderer Dringlichkeit gestellt werden. Doch ein Interesse an dieser Frage l&auml;sst sich in der deutschen &Ouml;ffentlichkeit beim besten Willen nicht feststellen.<\/p><p><strong>In anderen europ&auml;ischen L&auml;ndern ist ein Umdenken in Gang gekommen<\/strong><\/p><p>Dabei k&ouml;nnte man in Deutschland z.B. von Schweden und D&auml;nemark lernen, von zwei L&auml;ndern, die bezeichnenderweise lange Zeit Vorreiter der Schuldigitalisierung gewesen sind und dementsprechend bei dieser Ummodellierung ihrer Bildungslandschaft noch viel weiter sind bzw. waren als die auch hier ins hintere Mittelfeld abgerutschte Bundesrepublik. Beide L&auml;nder haben nun, kurz nacheinander, diesbez&uuml;glich in der Bildungspolitik eine Wende um 180 Grad eingeleitet:<\/p><p>So hat in Schweden eine von der Regierung berufene Kommission aus Entwicklungspsychologen und Kognitionswissenschaftlern des namhaften Karolinska-Institutes Stockholm im vergangenen Jahr festgestellt, dass es &bdquo;eindeutige wissenschaftliche Belege daf&uuml;r (&hellip;) gibt, dass digitale Werkzeuge das Lernen der Sch&uuml;ler eher beeintr&auml;chtigen als verbessern.&ldquo; Weiter hei&szlig;t es in dem Abschlussbericht der Wissenschaftler, den die neue schwedische Regierung sich weitgehend zu eigen gemacht hat:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die zunehmende Digitalisierung der Schulen weist (&hellip;) erhebliche negative Folgen auf, (&hellip;) daher sollten wichtige schulpolitische Entscheidungen nicht getroffen werden, ohne dass man vorher wei&szlig;, was die Forschung sagt. (&hellip;) Wir sind der Meinung, dass der Schwerpunkt wieder auf den Wissenserwerb &uuml;ber gedruckte Schulb&uuml;cher und das Fachwissen des Lehrers gelegt werden sollte, anstatt das Wissen in erster Linie aus frei zug&auml;nglichen digitalen Quellen zu erwerben, die nicht auf ihre Richtigkeit gepr&uuml;ft wurden.&ldquo; (<a href=\"https:\/\/bildung-wissen.eu\/fachbeitraege\/korolinska-institut-schweden-stellungnahme-zur-nationalen-digitalisierungsstrategie-in-der-bildung.html\">bildung-wissen.eu<\/a>, ver&ouml;ffentlicht am 9. Juli 2023)\n<\/p><\/blockquote><p>Daraufhin hat der Bildungsminister die Schulen angewiesen, den digitalen Unterricht und den Gebrauch digitaler Lernmittel zur&uuml;ckzufahren und insbesondere die fr&uuml;he Tablettnutzung im Vor- und Primarschulbereich einzustellen und der Empfehlung der Karolinska-Kommission gem&auml;&szlig; durch Schulb&uuml;cher zu ersetzen.<\/p><p>In D&auml;nemark hat die Regierung Ende 2023 die gleichen Kurskorrekturen f&uuml;r die Schulen angek&uuml;ndigt. Der sozialdemokratische Bildungsminister Mattias Tesfaye ging sogar so weit, sich bei den d&auml;nischen Schulkindern daf&uuml;r zu entschuldigen, &bdquo;dass sie als Versuchskaninchen in einem digitalen Experiment&ldquo; zugunsten der gro&szlig;en Tech-Konzerne missbraucht worden seien. Norbert H&auml;ring hat dankenswerterweise unter der &Uuml;berschrift &bdquo;Die Vorreiter der Schuldigitalisierung legen den R&uuml;ckw&auml;rtsgang ein&ldquo; &uuml;ber diese Entwicklungen in den beiden skandinavischen L&auml;ndern vor Kurzem ausf&uuml;hrlich in seinem Blog berichtet (<a href=\"https:\/\/norberthaering.de\/digitalisierung\/schweden-daenemarkt\/\">norberthaering.de<\/a>, 09. Februar 2024).<\/p><p>Doch nicht nur in den skandinavischen L&auml;ndern, auch andernorts zeigt sich in Sachen Digitalisierung ein Umdenken in Europa: Die Niederlande gehen sogar noch rigoroser vor. Dort hat man mit Ende der Weihnachtsferien am Beginn des Jahres 2024 die Nutzung von Handys, Tabletts und Smartwatches in den Schulen generell verboten. &Auml;hnliches haben die Regierungen von Italien und Gro&szlig;britannien angek&uuml;ndigt. Und auch das spanische Bildungsministerium hat vorgeschlagen, den Gebrauch von Mobiltelefonen an Schulen einzuschr&auml;nken. (<a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2023\/12\/16\/nach-den-weihnachtsferien-handy-verbot-an-niederlandischen-schulen\">de.euronews.com<\/a>, 16. Dezember 2023).<\/p><p>Was ich aus meiner fast 20-j&auml;hrigen Erfahrung als Lehrer zur Erneuerung des von der Politik, der Politikberatung (OECD, Bertelsmann &amp; Co.) und den Schulverwaltungen an die Wand gefahrenen Schul-und Bildungssystems f&uuml;r notwendig erachte, ist inzwischen also nicht nur von Kognitionsforschern und Bildungsexperten, sondern auch von zahlreichen Politikern, allerdings fast ausschlie&szlig;lich Politikern im Ausland, erkannt und sowohl in den bildungs- als auch gesellschaftspolitischen Konsequenzen thematisiert wurden. Erste Schritte f&uuml;r eine grundlegende Kurskorrektur sind in die Wege geleitet worden. Nun wird es spannend sein zu sehen, wie weit die Arme der m&auml;chtigen Digitallobby in Stockholm, Kopenhagen und andernorts reichen, um nicht an Einfluss zu verlieren. Man kann nur hoffen, dass die Revisionen ernst gemeint sind und wirklich auch durchgesetzt werden k&ouml;nnen und dass hoffentlich diese Beispiele auch in Deutschland bald &bdquo;Schule machen&ldquo;. Erste Signale, von der schleswig-holsteinischen Bildungsministerin Katrin Prien (CDU), gibt es in diese Richtung. Zumindest sollte die Entscheidung unserer Nachbarn die bei uns l&auml;ngst &uuml;berf&auml;llige Debatte von Nutzen und Nachteil der Digitalisierung f&uuml;r die Schule, das Lernen und das Leben endlich anschieben.<\/p><p><strong>Fazit I: Was die Digitalisierung aus den Lehrern und dem Lehrerhandeln macht<\/strong><\/p><p>F&uuml;r mein eigenes Pl&auml;doyer m&ouml;chte ich am Ende dieses kleinen, berufsbiographisch grundierten Essays folgendes Fazit ziehen (der Leser m&ouml;ge es mir nachsehen, dass es etwas philosophisch ausfallen wird. Von einem Philosophielehrer zu erwarten, dass er ausgerechnet bei der Frage nach der Zukunft der Bildung &uuml;ber seinen Schatten springt, d&uuml;rfte aber vielleicht auch zu viel erwartet sein):<\/p><p>Die Interferenz des digitalen Systems mit dem des Lernens und Bildens hat die f&uuml;r das p&auml;dagogische Professionshandeln konstitutive Dialektik zwischen N&auml;he und Distanz des Lehrers gegen&uuml;ber seinen Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;lern aufgehoben. Der Lehrer verschwindet hinter der Hard-und Software der digitalen Apparatewelt, er soll sich gegen&uuml;ber der scheinbaren Objektivit&auml;t, Genauigkeit, Zuverl&auml;ssigkeit der K&uuml;nstlichen Intelligenz und den Effizienz-Versprechen des automatisierten Lernens zur&uuml;cknehmen und zum &bdquo;Lerncoach&ldquo; mutieren, d.h. sich nurmehr in Zukunft als Unterst&uuml;tzer dieser durch IT und KI gesteuerten Systeme verdingen.<\/p><p>Das geht jetzt schon einher mit dem Verlust des Ansehens und der Autorit&auml;t der Lehrpersonen. Der Lehrer wird nicht mehr als eine Instanz des Wissens, der Kritik und der gesellschaftlichen Integration und als fachliche, aber auch ethisch-moralische Autorit&auml;t in der f&uuml;r die Ziele von Schule notwendigen erzieherischen Praxis anerkannt, und zwar weder von den Sch&uuml;lern noch den Eltern noch gar von den Schulverwaltungen. Vielmehr wird er auf die Rolle des Dienstleisters reduziert, der sich im Auftrag der IT-Industrie auf das Moderieren, &Uuml;berwachen und Nachsteuern von Lernprozessen beschr&auml;nkt, die an einen messenden und sich auto-regulativ steuernden Maschinenkreislauf mit kybernetischen Feedbackschleifen delegiert werden sollen.<\/p><p>Viele j&uuml;ngere Lehrerinnen und Lehrer nehmen diese Neudefinition ihrer beruflichen T&auml;tigkeit ohne Murren, nahezu vorbehaltlos oder sogar gerne an und identifizieren sich mit ihr. Viele erhoffen sich dadurch auch eine Entlastung. Aus der Art und Weise, wie sie als Personen individuell an den Schulen, in den Konferenzen und im Lehrerzimmer in Erscheinung treten, n&auml;mlich am liebsten sehr zur&uuml;ckgenommen bis gar nicht, l&auml;sst sich schlie&szlig;en, dass ihr professionelles Verst&auml;ndnis nicht &uuml;ber ein &bdquo;Ich will hier nur meinen Job machen&ldquo; hinausreicht. Sich menschlich, als ganze Person einzubringen scheint ihnen eher suspekt zu sein (was vielleicht nicht so erstaunlich ist, wenn man sich klarmacht, dass sie selbst zu einem gro&szlig;en Teil schon Produkte dieser entpersonalisierten und entpersonalisierenden PISA- und BOLOGNA-Rumpfbildung sind. Sie mussten selbst schon flei&szlig;ig Credit-Points f&uuml;r ihre Module sammeln, bekamen bis ins kleinste Detail vorgeschrieben, was zu welcher Zeit wie im Studium zu lernen war, und wurden st&auml;ndig &uuml;berwacht und gepr&uuml;ft. In diesem Zusammenhang darf auch nicht vergessen werden, dass die Entwicklung der Schulen zu zentralisierten, viel zu gro&szlig;en, un&uuml;bersichtlichen, post-tayloristisch durchorganisierten und anonymen Lernfabriken ja bereits in den 1970er-Jahren einsetzte.<\/p><p><strong>Fazit II: Was nun t&auml;te unserem heutigen Bildungssystem wirklich not?<\/strong><\/p><p>Am dringlichsten ben&ouml;tigen wir neben mehr Ressourcen f&uuml;r und sehr viel mehr Augenmerk auf bildungsrelevante Beziehungsarbeit, z.B. durch deutlich kleinere Klassen bzw. Lerngruppen, eine St&auml;rkung der Leistungsaspekte durch eine Konzentration auf das Wesentliche im Unterricht. Das Wesentliche hei&szlig;t: richtig und gut Sprechen-, Lesen-, Schreiben-, Rechnen-, Logisch-Denken-Lernen. Dies sind im &Uuml;brigen auch die wichtigsten Voraussetzungen daf&uuml;r, um einen sinnvollen Umgang mit digitalen Medien und Werkzeugen erlernen zu k&ouml;nnen. Au&szlig;erdem sollte in den Lehrpl&auml;nen dem Erfahrungslernen und -wissen und der Reflexion Vorrang gegeben werden vor schwammiger Kompetenzorientierung und dem Antrainieren beruflich (scheinbar) leicht verwertbarer und (angeblich) gut nutzbarer F&auml;higkeiten. Dass das nicht funktioniert, ist h&auml;ufig genug von der Praxis an die Schulen zur&uuml;ckgemeldet worden. Eine echte p&auml;dagogische Wende w&uuml;rde das l&auml;ngst &uuml;berf&auml;llige Reflektieren &uuml;ber das, was Wissen und Bildung im Internetzeitalter und unter den Bedingungen der K&uuml;nstlichen Intelligenz hei&szlig;en kann, mit einbegreifen.[<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>]<\/p><p>Wir sollten uns auf eine P&auml;dagogik der Sorge, aber einer Sorge um die Autonomie des Individuums besinnen. Als Erstes m&uuml;ssten die P&auml;dagogen daf&uuml;r wieder lernen, NEIN zu sagen. Sie m&uuml;ssten sich z.B. weigern, Kinder und Jugendliche an den elektronischen Ger&auml;ten, in der virtuellen Realit&auml;t und den scheinbar grenzenlosen Weiten des World Wide Web weiter sich selbst und ihrem von Big Tech programmierten Schicksal zu &uuml;berlassen. Denn eine solche Haltung kann nicht verantwortet werden, weil die P&auml;dagogik am Ende Gefahr l&auml;uft, damit den vollkommenen Selbst- und Weltverlust, den ihre ihr zum Schutz befohlenen Kinder und Jugendlichen dadurch erleiden k&ouml;nnen, billigend in Kauf zu nehmen.<\/p><p>Wir brauchen eine P&auml;dagogik, die der jungen Generation hilft, durch praxisnahe Medienerziehung und Medienkritik einen vern&uuml;nftigen und gesunden Umgang mit digitalen Ger&auml;ten und Gadgets auszubilden. Dazu sollte ein Fach &bdquo;Medien&ldquo; an den Schulen fest etabliert werden, in dem die Sch&uuml;ler &uuml;ber mediale Beeinflussungstechniken aufgekl&auml;rt werden und z.B. lernen k&ouml;nnen, dass das Design der Social-Media-Plattformen und Algorithmen &bdquo;darauf angelegt ist, Verweildauer und Interaktion auf der jeweiligen Plattform zu maximieren, um so h&ouml;chstm&ouml;glichen kommerziellen Nutzen zu ziehen. Dies geschieht durch die gezielte Aktivierung neuronaler Systeme, die der Mensch nicht bewusst steuern kann (&hellip;) und tief in die Psyche eingreifen.&ldquo; (<a href=\"https:\/\/ratfuerdigitaleoekologie.org\/de\/\">ratfuerdigitaleoekologie.org\/de\/<\/a>)<\/p><p>Generell wichtig erscheint mir, dass P&auml;dagogen junge Menschen in Zukunft zur digitalen Achtsamkeit erziehen und sie dar&uuml;ber aufkl&auml;ren, wie diese Ger&auml;te, Medien und Apps auf uns wirken, was sie mit uns machen, wie sie das Nutzer-Verh&auml;ltnis umkehren (d.h. wie es dazu kommen kann, dass wir ihnen dienen und von ihnen benutzt werden, statt umgekehrt) und dass digitale M&uuml;ndigkeit nur erreicht werden kann, wenn wir uns &uuml;ber ihr Wesen, ihre Funktionen und die damit verfolgten Absichten Klarheit verschaffen. Die Sch&uuml;ler sollten also in die Lage versetzt werden, einen eigenen Kompass zu entwickeln, mit dem sie sich aus der Welt des digitalen Scheins befreien k&ouml;nnen. Denn sie sp&uuml;ren sehr wohl, dass dieser Schein sie einsam macht und dass seine Versprechen von N&auml;he, Dabeisein und gesteigerter Lebensintensit&auml;t tr&uuml;gerisch sind. Vergessen wir nicht, inwieweit die gottgleiche Gro&szlig;artigkeit des Internets nur eine angema&szlig;te ist: Wird die Stromverbindung gekappt, ist es zappenduster in der <em>virtual reality<\/em>, und ohne Anschluss an die Stromversorgung bleibt es das auch. Daf&uuml;r, dass sie sich sp&auml;testens an diesem Punkt als blo&szlig;e, elektrifizierte <em>laterna magica <\/em>entpuppt, kommt sie doch sehr gro&szlig;spurig daher.<\/p><p>Dagegen gilt es, den Reichtum der nat&uuml;rlichen, uns gemeinsamen realen Welt mit allen Sinnen und den von Menschen geschaffenen, von Sinn und Bedeutung durchwirkten, insofern nie ganz abgeschlossenen und wunderbaren Erscheinungen und Konstruktionen, Ideen und Sch&ouml;pfungen neu zu entdecken. Einer Generation Head-Down wird dies nicht m&ouml;glich sein. Denn nur in der analogen Welt, die uns zwischenmenschlich wie auch intergenerational verbindet, und nicht in der durch Algorithmen und Filterblasen uns von den anderen und der pluralen Wirklichkeit trennenden Placebo-Welt der Bytes und Bits k&ouml;nnen wir authentische Erfahrungen machen. Nur dort gibt es wahres Gl&uuml;ck, echte Sch&ouml;nheit, wirkliche Erf&uuml;llung und kann f&uuml;r uns Menschen so etwas wie Heimat aufscheinen, Freiheit tats&auml;chlich erlebt und diese auch nur erk&auml;mpft werden. Und nur in der analogen Welt gibt es auch all das andere, im Guten wie im Schlechten, wof&uuml;r (und wogegen) es sich bei genauerem Hinsehen wirklich erst zu leben lohnt.<\/p><p>Au&szlig;erdem sollte es wieder zum Credo und zur Maxime der Schulp&auml;dagogik werden, ihre wichtigsten Anliegen, Lehren und Lektionen konkret und glaubhaft zu verlebendigen. Was eignet sich besser daf&uuml;r, als in den Schulen charismatische, streitbar-herausfordernde Lehrerpers&ouml;nlichkeiten nicht nur zuzulassen oder zu dulden, sondern deren Existenz zu f&ouml;rdern und alles das zu kultivieren, was der Bildung von Lehrer-, aber nat&uuml;rlich auch von Sch&uuml;lerpers&ouml;nlichkeiten zugutekommt? Dieser Ansatz w&uuml;rde bedeuten, die Verantwortung und die p&auml;dagogische Urteilskraft des Lehrers in den Schulen endlich wieder zu st&auml;rken.<\/p><p>Au&szlig;erdem sollte die top-down-gemanagte Schule im Interesse einer besseren Schulentwicklung zugunsten eines Modells &uuml;berwunden werden, das neben der Beachtung der wichtigen Rolle des Lehrers auch die St&auml;rkung von Klassen- und Lehrerkonferenzen sowie ganz allgemein die gro&szlig;e Bedeutung von kollegialer p&auml;dagogischer Mitbestimmung als eine vorrangig zu erf&uuml;llende Bedingung eines jeden gelingenden Schulver&auml;nderungsprozesses begreift. Statt Schule und Lehrer technologisch steuern zu wollen und immer mehr Geld in Digitalisierung zu stecken, sollte also besser in emphatische, inspirierende, originelle, intrinsisch motivierte, mutige, unbequeme, kurz (<em>horribili dictu!<\/em>): zum Querdenken bef&auml;higte Lehrerpers&ouml;nlichkeiten und in ein Umfeld investiert werden, das ihr Handeln nicht vor allem, so wie das heute der Fall ist, torpediert. Dabei versteht es sich von selbst, dass diese Lehrerpers&ouml;nlichkeiten, die ich im Blick habe, &uuml;ber ausgezeichnetes Fach- <em>und <\/em>Weltwissen verf&uuml;gen &ndash; beileibe also das Gegenteil von Fachidioten sind.<\/p><p><strong>Ausblick: Die Idee einer Schule, in der man die menschliche Natur und Freiheit besser achten w&uuml;rde<\/strong><\/p><p>Aus meiner Sicht, auch wenn man sich bestimmt damit sogleich des Verdachts aussetzt, etwas altmodisch und recht sonderbar zu sein, haben P&auml;dagogen vor allem die Aufgabe, &bdquo;an der Front des Weltexperiments&ldquo; &ndash; <em>Experimentum Mundi<\/em> (Ernst Bloch) &ndash; den Kindern und Jugendlichen immer wieder erz&auml;hlend, erkl&auml;rend, vermittelnd, erkennend, bejahend Lernen und Bilden als ein Projekt f&uuml;r eine gemeinsame Welt, die niemals fertig ist und wird, nahezubringen. Den Lehrern muss endlich Zeit und Raum gegeben werden, um sich wirklich f&uuml;r ihre Sch&uuml;ler interessieren zu k&ouml;nnen, sodass sie Vertrauen und Mut fassen, sich auf das Abenteuer des Wissens und der Bildung einzulassen. Daf&uuml;r m&uuml;ssen sie als ganze Menschen wahrgenommen und angesprochen werden k&ouml;nnen. Jochen Krautz schreibt dazu:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Erziehung und Bildung k&ouml;nnen sich immer nur in interpersonalen Beziehungen vollziehen. Hierdurch entfaltet der Mensch seine angelegte Sozialit&auml;t, seine F&auml;higkeit zur Kooperation und Verstehen. (&hellip;) Auch das Lernen beruht auf der spezifisch menschlichen F&auml;higkeit zu geteilter Aufmerksamkeit auf Fragen und Sachverhalte der gemeinsamen Welt. (&hellip;) Der Lehrer kann den Sch&uuml;ler anregen, eine geistige Aktivit&auml;t zu entfalten. Tun muss es der Sch&uuml;ler aber selbst. (&hellip;) Man kann nicht gebildet werden. Ohne innere Aktivit&auml;t geschieht nichts. Ein Lehrer kann und muss den Sch&uuml;ler dazu auffordern, ihn f&uuml;r etwas interessieren, ihn ermutigen, ermahnen, motivieren, unterst&uuml;tzen. So kann man jungen Menschen z.B. aus einer Lernentmutigung heraushelfen. (&hellip;) Bindung und Beziehung werden heute aber gerne missverstanden, als ginge es um ein pers&ouml;nliches Coaching, um Beziehungsarbeit unabh&auml;ngig von der Sache. Wir haben aber ein p&auml;dagogisches Dreieck. Der Mittelpunkt ist die gemeinsame Arbeit an Weltzug&auml;ngen, die die Schulf&auml;cher repr&auml;sentieren: die Sprachen, die naturwissenschaftliche Sichtweise, die historische Perspektive, die bildnerisch-gestalterische Dimension usw. Nur durch eine intensive Auseinandersetzung mit den Realia, den Dingen und Themen unserer gemeinsamen Welt, entwickelt man sich zu einer reifen Pers&ouml;nlichkeit.&ldquo; (<a href=\"https:\/\/lehrernrw.de\/zeitschrift-lehrer-nrw\/lehrernrw-de-dossier-2\/\">lehrernrw.de<\/a>)\n<\/p><\/blockquote><p>F&uuml;r die schulischen und p&auml;dagogischen Prozesse sollte in Anbetracht der die Handlungs- und Denkspielr&auml;ume der Menschen immer st&auml;rker einengenden Anwendungen der K&uuml;nstlichen Intelligenz noch etwas Weiteres bedacht werden:<\/p><p>Der Mensch &ndash; ein Gedanke, der besonders von Hannah Arendt hervorgehoben wurde &ndash; lebt von der Gabe und F&auml;higkeit, immer wieder neu anfangen zu k&ouml;nnen. Daher ist und bleibt er sein Leben lang ein Lernender und Suchender, aber damit sein Leben lang auch ein <em>immer wieder<\/em> <em>in die Freiheit Aufbrechender<\/em>. In &bdquo;Die Freiheit, frei zu sein&ldquo; schreibt Hannah Arendt:<\/p><p>&bdquo;Diese geheimnisvolle menschliche Gabe, die F&auml;higkeit, etwas Neues anzufangen, hat offenkundig etwas damit zu tun, dass jeder von uns durch die Geburt als Neuank&ouml;mmling in die Welt trat. Mit anderen Worten: Wir k&ouml;nnen etwas beginnen, weil wir Anf&auml;nge und damit Anf&auml;nger sind.&ldquo;<\/p><p>Wird ihm dieses nun durch eine dazwischengeschaltete Technik verwehrt, die alles schon &bdquo;wei&szlig;&ldquo; bzw. die vorgibt, alles schon zu wissen, muss in Bezug auf Schule Folgendes konstatiert werden: Bildung ist ohne <em>Bildungserlebnisse<\/em> nicht zu haben. Durch das Touch-Screen-Lernen wird dem Sch&uuml;ler suggeriert, er m&uuml;sste nur die vorgesehenen Lernprogramme erfolgreich durchlaufen; wenn er schlie&szlig;lich perfekt auf das Maschinenlernen konditioniert ist, dann sei er auch &bdquo;gebildet&ldquo;. Aber wie sehen wohl <em>Bildungserlebnisse<\/em> vor dem Computer-Bildschirm aus?<\/p><p>&bdquo;Lebendigkeit&ldquo;, um den Soziologen Hartmut Rosa zu zitieren, &bdquo;entsteht nur aus der Akzeptanz des Unverf&uuml;gbaren&ldquo;, und Bildung l&auml;sst sich nicht &bdquo;programmieren&ldquo;. Solch eine programmierte Bildung w&auml;re, wenn es sie g&auml;be, das krasse Gegenteil von Lebendigkeit &ndash; und Lebendigkeit spricht immer aus wahrer Bildung. Programmierte Bildung w&auml;re <em>tot.<\/em><\/p><p>Das Anfangen und die Bezeichnung der Menschen als die Spezies von Neu-Anf&auml;ngern, die &bdquo;von dem Gewesenen und Geschehenden ausgesehen, schlechterdings unerwartet und unerrechenbar in die Welt (&hellip;) mit der Begabung f&uuml;r das Unvorhersehbare (&hellip;) brechen&ldquo; (Hannah Arendt, Vita activa oder Vom t&auml;tigen Leben, M&uuml;nchen 1967, S. 166 f.), werden in Arendts Werk unter dem Begriff der Geb&uuml;rtigkeit bzw. Natalit&auml;t so betont, weil sie f&uuml;r ihren Entwurf des Politischen von eminenter Bedeutung sind. Geb&uuml;rtigkeit ist f&uuml;r Arendts Verst&auml;ndnis von Politik u.a. deshalb so wichtig, &bdquo;weil Menschen nicht als identische Kopien zur Welt kommen, sondern als Individuen mit eigenem und eigenwilligem Bewusstsein.&ldquo;[<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>] (<a href=\"http:\/\/achimwagenknecht.de\/Arendt\/a35diegebuertigkeit.htm\">achimwagenknecht.de<\/a>)<\/p><p>Das verb&uuml;rgt nicht nur die Pluralit&auml;t der Sichtweisen, deren freies Oszillieren f&uuml;r den m&ouml;glichst ungehinderten Austausch der Meinungen auch ein gro&szlig;es Anliegen Arendts war, sondern dar&uuml;ber hinaus, wie der Politologe Oliver Marchart in einem Buch &uuml;ber die wohl originellste politische Denkerin des 20. Jahrhunderts herausgestellt hat, die Richtig- und Wichtigkeit von Arendts &Uuml;berzeugung, &bdquo;dass&ldquo;, wie Marchart es formuliert, &bdquo;die Welt ver&auml;ndert werden kann, dass nichts so bleiben muss, wie es ist, und dass (&hellip;) eine andere Welt m&ouml;glich ist.&ldquo; Die Natalit&auml;t wird bei Arendt also zu so etwas wie einem Erkennungszeichen, dass die Menschen wortw&ouml;rtlich, im existenziellen Sinne, politische Wesen sind und solche auch sein wollen, anderenfalls verk&uuml;mmern sie.<\/p><p>Die Schulen sollten meiner Auffassung nach so eingerichtet sein, dass sie die Einsicht Arendts in die Ver&auml;nderbarkeit der Welt durch &bdquo;die Begabung des Menschen mit dem Unvorhersehbaren&ldquo; ber&uuml;cksichtigen sollten, dergestalt, dass die in ihnen T&auml;tigen gen&uuml;gend Raum und Ankn&uuml;pfungspunkte (gleich Ans&auml;tze zu Beziehungen) finden k&ouml;nnen, um ihre &bdquo;F&auml;higkeit, etwas Neues anzufangen&ldquo; (Arendt) auszuprobieren, denn sonst verk&uuml;mmern sie, und mit ihnen verk&uuml;mmert auch die Schule. Das hei&szlig;t, es w&auml;ren Schulen zu w&uuml;nschen, in denen Lehrerinnen und Lehrer mit Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;lern in ganzheitlicher, alle Sinne ansprechender Interaktion und in dialogischen Formen, einander zugewandt, so lernen k&ouml;nnten, dass das Lernen seinen wenig produktiven Einbahnstra&szlig;encharakter schnell verlieren w&uuml;rde.<\/p><p>Schulen sollten in Zukunft nicht nur Wissen reproduzieren und Kompetenzen trainieren, sondern der Ort werden, an denen (wieder) bereichernde und pr&auml;gende Erfahrungen gemacht werden k&ouml;nnen, die sich positiv auf die Charakterbildung auswirken und dabei helfen, das Individuum mit einem guten sozialen Sinn auszustatten. Diese f&uuml;r die Gesellschaft und den gesellschaftlichen Zusammenhalt enorm wichtigen Erfahrungen k&ouml;nnen sehr gut aus diesem gemeinsamen schulischen Handeln, Lernen und Begreifen erwachsen, wenn man sie entb&uuml;rokratisieren und Lehrern sowie Sch&uuml;lern gr&ouml;&szlig;tm&ouml;gliche Freiheit vor staatlicher Bevormundung geben w&uuml;rde. Gewiss w&uuml;rde man so daf&uuml;r sorgen k&ouml;nnen, dass die Sch&uuml;ler, aber auch die Lehrer neues Selbstvertrauen gewinnen und sich ihrer Selbstwirksamkeit (wieder) bewusst werden &ndash; einer Selbstwirksamkeit, die letztlich in der menschlichen Natur begr&uuml;ndet liegt,<em> jederzeit etwas Neues anfangen (zu) k&ouml;nnen.<\/em><\/p><p><em>Etwas Neues anzufangen<\/em> hei&szlig;t, dass es einerseits, da dieses Neue aus einer Gemeinschaft von eigenwilligen und eigensinnigen Individuen hervorgeht, an uns als seine Sch&ouml;pfer gebunden bleibt, dass es andererseits in seiner Bedeutung aber weit &uuml;ber das Individuelle hinausreichen kann, da in diesem Prozess Kr&auml;fte entfaltet werden (k&ouml;nnen), die das Zeug dazu haben, unsere Welt erst im Kleinen und dann auch im Gro&szlig;en tats&auml;chlich zu ver&auml;ndern. Diese Ver&auml;nderungen, die nicht nur die Kraft besitzen, das Lernen und Bilden zu revolutionieren, sondern dar&uuml;ber hinaus, wenn sie freigesetzt wurden, unser ganzes Zusammenleben neu ordnen werden, werden im Einklang mit unserer Natur, unseren Bed&uuml;rfnissen nach Sozialit&auml;t <em>und <\/em>Freiheit und unseren individuellen F&auml;higkeiten geschehen, die in einer &bdquo;Gesellschaft von Anf&auml;ngern&ldquo; F&ouml;rderung, Anerkennung und Resonanz erfahren &ndash; oder sie werden nicht geschehen. Diese Ver&auml;nderungen werden einen gro&szlig;en qualitativen Sprung f&uuml;r die gesellschaftliche Entwicklung bedeuten, da sie nicht blo&szlig;e Mittel zu einem anderen, heteronomen, bildungsfernen Zweck sind, wie dies beim Digitalisierungssetting aus dem Geist der Technokratie der Fall ist, das &uuml;ber die ganze Schule gelegt werden soll. Vielmehr steckt in diesen Ver&auml;nderungen das Potenzial, die Menschen aus den kapitalistischen Verzweckungs- und Ausbeutungsverh&auml;ltnissen[<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>] zu befreien, aber ohne ihnen auf dem Weg dorthin irgendwelche neuen, einengenden, ideologisch-dogmatischen Vorschriften zu machen.<\/p><p>Wir sehen an dieser Stelle schon, dass die Denkfiguren und die sich daraus ergebenden Sichtweisen, die hier nur angedeutet werden k&ouml;nnen, in einem denkbar gro&szlig;en Kontrast zu den Aussagen und Positionen der die Digitalisierung pushenden Schul- und Bildungstechnokraten stehen. Sie haben Gegens&auml;tzliches im Sinn zu dem, was derzeit durch Learning Analytics in der Schule umgesetzt und gemanagt wird. Den Machern und Managern der Learning Analytics geht es um die m&ouml;glichst vollst&auml;ndige Berechenbarkeit des Menschen. Die algorithmische Lernanalytik ist Teil des Programms, das die sogenannte biodigitale Konvergenz zum Ziel hat. Der Mensch erscheint dort nicht als Produzent oder besser Autor seiner eigenen Autonomie, Zoon politikon, deb&uuml;tierender Gestalter seiner Welt, &uuml;ber dessen F&auml;higkeiten zum Anfangen man sagen kann, dass sie immer etwas Zauberhaftes und auch Optimistisches haben &ndash; &bdquo;Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne&ldquo;, Hermann Hesse, &bdquo;Stufen&ldquo; &ndash;, sondern nur als ein Datensatz. Sein Denken und F&uuml;hlen soll durch die umfassend zu Profilen (&bdquo;Profiling&ldquo;) verarbeiteten Daten vorhersehbar gemacht, sein Verhalten genau vorausgesagt werden k&ouml;nnen.<\/p><p>Er soll mit anderen Worten von den M&auml;chten, die hinter diesen Maschinen stehen und aus ihrem Einsatz auch den bei Weitem gr&ouml;&szlig;ten Nutzen ziehen, m&ouml;glichst vollst&auml;ndig determiniert werden.<\/p><p>Bildung muss man sich dagegen als einen ins Offene weisenden, auf Wachstum und Transformation gerichteten Prozess vorstellen, bei dem es um Erlangung gr&ouml;&szlig;tm&ouml;glicher Autonomie, Handlungssouver&auml;nit&auml;t, geistige Unabh&auml;ngigkeit, aber auch um Spiritualit&auml;t (die F&auml;higkeit zur Selbsttranszendierung) und seelische Gesundheit geht.<\/p><p>Um der Offenheit des Bildungsprozesses und der durch das Faktum der Natalit&auml;t (Geb&uuml;rtigkeit) gegebenen Ver&auml;nderbarkeit der Welt im Kleinen wie im Gro&szlig;en (wieder) die Bedeutung zu geben, die ihr eigentlich, aus anthropologischer Perspektive betrachtet, zukommt, muss das Bildungssystem aus seiner Erstarrung gel&ouml;st werden. Daf&uuml;r m&uuml;ssen die Lehrerinnen und Lehrer ihre L&auml;hmung &uuml;berwinden. Um eine menschenw&uuml;rdige und lebenswerte Zukunft angesichts des Kipppunktes, dem sich das &bdquo;Weltexperiment&ldquo; aufs immer Bedrohlichere hin n&auml;hert, nicht aufs Spiel zu setzen, bedarf es einer (Wieder-)Entdeckung der Schule als analogen Schutz- und gemeinsamen Erfahrungsraum und einer Renaissance des Lehrers!<\/p><p><em>Hinweis des Autors: In meinem Text verweise ich wiederholt auf mein digitalisierungskritisches Thesenpapier, das im M&auml;rz 2021 ver&ouml;ffentlicht worden ist. Es bietet eine kompakte Sammlung von (meiner Auffassung nach) besonders wichtigen Argumenten gegen die Schuldigitalisierung und den weiteren Vormarsch der sogenannten Learning Analytics. Gegen&uuml;ber dem oben stehenden, pers&ouml;nlich stark eingef&auml;rbten und auf eine Synthese meines Urteils &uuml;ber die Schuldigitalisierung abzielenden Text hat das Thesenpapier f&uuml;r Leser, die sich noch nicht so intensiv mit dem Thema besch&auml;ftigt haben, den Vorteil, dass ich dort die Argumente einzeln konturiert und entwickelt und sie ohne einen komplexen Kontext oder eine Art Rahmenerz&auml;hlung dargestellt habe.<\/em><\/p><p><em>Die Links dazu:<\/em><\/p><ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.gew-ansbach.de\/2021\/03\/zehn-thesen-zur-digitalisierung-der-schulen\/\">gew-ansbach.de\/2021\/03\/zehn-thesen-zur-digitalisierung-der-schulen\/<\/a>, 4. M&auml;rz 2021<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/bildung-wissen.eu\/kommentare\/zehn-thesen-zur-digitalisierung-der-schulen.html\">bildung-wissen.eu\/kommentare\/zehn-thesen-zur-digitalisierung-der-schulen.html<\/a>, 4. M&auml;rz 2021.<\/li>\n<\/ul><p><strong>Zum Autor: Bernd Schoepe<\/strong> (Jahrgang 1965) ist freier Autor f&uuml;r bildungssoziologische, bildungspolitische und -philosophische Themen, GEW-Mitglied und langj&auml;hriges aktives GEW-Betriebsgruppenmitglied, Vertrauensmann sowie ehemaliges Mitglied der Hamburger Lehrerkammer. Hauptberuflich ist er Deutsch-, Politik- und Philosophielehrer an einer Hamburger Stadtteilschule.<\/p><p><em>Leserbriefe zu diesem Beitrag <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=113638\">finden Sie hier<\/a>.<\/em><\/p><p><small>Titelbild: Masson \/ Shutterstock<\/small><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Was wir lernen, wenn wir lernen, ist immer auch Selbstbeherrschung, z.B. als Fokussierung auf einen Gegenstand. So f&uuml;hrt uns auch die Bildung nur in Freiheit durch unsere Freude am Lernen, die kein Gef&uuml;hl, sondern eine Erkenntnis ist, und wiederum auf Selbstbeherrschung beruht. Ohne &Uuml;berwindung daher keine Freude, ohne lernende Selbsttranszendierung keine echte Freiheit.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Das setzt sich an der Uni fort, wo &bdquo;nur wenige Studenten Laptop und Co. in der Vorlesung lernorientiert nutzen. Sie surfen stattdessen im Internet, spielen oder plaudern mit Freunden in sozialen Netzwerken. (&hellip;) Forscher der Universit&auml;t des Saarlandes (&hellip;) kommen zu dem Fazit: &sbquo;Die meisten Studenten, die wir beobachtet haben, besch&auml;ftigen sich mit vorlesungsfernen Aktivit&auml;ten.&lsquo;&ldquo; (<a href=\"https:\/\/www.wissenschaft.de\/geschichte-archaeologie\/laptops-in-der-vorlesung-von-wegen-hilfsmittel\/\">wissenschaft.de<\/a>, 30. Juni 2014.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Das wird durch die Struktur dieses Mediums verursacht: &bdquo;Der Bildschock mit ruckartig vorgebrachten optischen Reizen wird zum Brennpunkt eines globalen Aufmerksamkeitsregimes, zu dessen charakteristischen Merkmalen es pl&ouml;tzlich geh&ouml;rt, dass jener mit den beruflichen&ldquo; (und ebenso schulischen, Anm. B.S.) &bdquo;Arbeitsauftr&auml;gen verschmilzt. Als Ergebnis der Anpassung an die Hoheit der rasanten Bildflut f&auml;llt es am Ende immer schwerer, sich &uuml;ber l&auml;ngere Zeit auf eine Sache konzentrieren zu k&ouml;nnen.&ldquo; Manfred Gerspach <a href=\"https:\/\/www.socialnet.de\/rezensionen\/13413.php\">socialnet.de<\/a>, 13. August 2012<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] Sie ist dann im GEW-Magazin Ansbach und auf der Seite der Gesellschaft f&uuml;r Wissen und Bildung unter dem Titel &bdquo;Zehn Thesen zur Digitalisierung der Schulen&ldquo; erschienen. <a href=\"https:\/\/www.gew-ansbach.de\/2021\/03\/zehn-thesen-zur-digitalisierung-der-schulen\/\">gew-ansbach.de<\/a>, 4. M&auml;rz 2021, <a href=\"https:\/\/bildung-wissen.eu\/kommentare\/zehn-thesen-zur-digitalisierung-der-schulen.html\">bildung-wissen.eu<\/a>, 4. M&auml;rz 2021.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Wir hatten anhand der Antworten unserer Sch&uuml;ler Probleme der Rhythmisierung, der Orts- und Zeitdiffusion, der Motivation, der Konzentration, der Monotonie und Isolation sowie Probleme der nicht nat&uuml;rlichen Kommunikation, als die durch die Schulschlie&szlig;ung und das ausschlie&szlig;lich w&auml;hrend des Lockdowns praktizierte E-Learning verursachten Hauptprobleme identifiziert bzw. rekonstruiert. 90 Prozent der Teilnehmer hatten mindestens ein, meist mehrere dieser Probleme in den offenen Frageb&ouml;gen direkt angesprochen oder indirekt umschrieben, ganz zu schweigen von denen, die in Folge der sogenannten Impfung auftreten sollten.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] An anderer Stelle habe ich einen kleinen Beitrag zur Entwirrung der Begriffe Wissen und Bildung und ihres Verh&auml;ltnisses, aber auch zur Definition der Begriffe Daten und Informationen zu leisten versucht. Das diesbez&uuml;glich weite Feld an Konfusionen ist leider typisch f&uuml;r den Diskurs &uuml;ber Schule und Bildung in der Gegenwart: <a href=\"https:\/\/www.novo-argumente.com\/artikel\/die_schuldigitalisierung_und_ihre_leeren_signifikanten\">novo-argumente.com<\/a>, 24. September 2021.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] Unter den Bedingungen des Computer-Lernens, d.h. in die schulische Sph&auml;re transferiert, ist alles Individuelle im maschinell durchgef&uuml;hrten Lernprozess nur eine potenziell als St&ouml;rung in Erscheinung tretende Randbedingung. Das maschinelle Lernen macht alle und alles gleich. Es w&uuml;rdigt keinen Sch&uuml;ler seiner individuellen Eigenarten gem&auml;&szlig;, weil dessen System ihn als Person nat&uuml;rlich &uuml;berhaupt nicht wahrnehmen kann. Jeder Mensch kommt in informationsverarbeitenden Systemen ja nicht als Mensch, sondern nur als Datensatz f&uuml;r die Maschine vor. Der Datensatz wird erst einmal nur aus Identifizierungsgr&uuml;nden mit dem Namen der Person versehen, bevor er damit gef&uuml;ttert wird (Input) und er ihn nach den Rechenoperationen als ver&auml;ndertes Update des Datensatzes wieder ausspuckt (Output).<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] In diesem Sinne sollte P&auml;dagogik als ein Gegenmittel zur gesellschaftlichen Tendenz der Atomisierung der Subjekte, die ja mit Hilfe der Digitalisierung stark vorangetrieben wird, ankn&uuml;pfend an die Erkenntnis des fr&uuml;hen Karl Marx neu begriffen werden, wonach &bdquo;erst in der Gemeinschaft mit Anderen jedes Individuum die Mittel (hat), seine Anlagen nach allen Seiten hin auszubilden; erst in der Gemeinschaft wird also pers&ouml;nliche Freiheit m&ouml;glich. Jeder bedarf des Anderen, um er selbst zu sein, (&hellip;) weil der Mensch das erste Bed&uuml;rfnis f&uuml;r den Menschen ist.&ldquo; (Karl Marx, &Ouml;konomisch-philosophische Manuskripte von 1844, zitiert nach <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Marxistische_Philosophie\">de.wikipedia.org\/wiki\/Marxistische_Philosophie<\/a>, letzter Aufruf 29. Februar 2024.) Die moderne Evolutionsbiologie und Verhaltensforschung hat die Richtigkeit dieser anthropologischen Grundeinsichten Marx&rsquo; &uuml;berzeugend verargumentieren k&ouml;nnen.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die j&uuml;ngsten Entscheidungen in Schweden, D&auml;nemark und auch in den Niederlanden, die Digitalisierung an den Schulen zur&uuml;ckzufahren, sollten in Deutschland zum Anlass genommen werden, die desolate und v&ouml;llig erstarrte Bildungspolitik gr&uuml;ndlich zu &uuml;berdenken. Vor allem sollte die lobbypolitische und p&auml;dagogisch weitgehend gedankenlos betriebene F&ouml;rderung der Digitalisierung in den Schulen im Interesse der nachwachsenden Generationen beendet<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=113008\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":113009,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[151,161],"tags":[3179,1949,396,2444,2094,1869,1805,2911,2857,2030,2808,2063,1113,2397,3348],"class_list":["post-113008","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-bildungspolitik","category-wertedebatte","tag-arendt-hannah","tag-aufklaerung","tag-bildungsrepublik-deutschland","tag-brain-drain","tag-digitalisierung","tag-haering-norbert","tag-kuenstliche-intelligenz","tag-kinderrechte","tag-lockdown","tag-microsoft","tag-paedagogen","tag-smarte-technik","tag-soziale-medien","tag-suchterkrankung","tag-transhumanismus"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/shutterstock_2147584967.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/113008","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=113008"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/113008\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":113701,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/113008\/revisions\/113701"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/113009"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=113008"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=113008"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=113008"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}