{"id":113089,"date":"2024-03-27T09:00:16","date_gmt":"2024-03-27T08:00:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=113089"},"modified":"2026-01-27T12:04:17","modified_gmt":"2026-01-27T11:04:17","slug":"leider-sind-dummheit-und-unfaehigkeit-in-fragen-von-krieg-und-frieden-brandgefaehrlich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=113089","title":{"rendered":"\u201eLeider sind Dummheit und Unf\u00e4higkeit in Fragen von Krieg und Frieden brandgef\u00e4hrlich\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Wie ist Deutschlands Politik im Hinblick auf Russland und den Krieg in der Ukraine einzuordnen? &bdquo;Es ist eine Politik, die sich selbst zutiefst in ihr eigenes Narrativ verstrickt hat, sich vor angeblich geplanten Angriffen Russlands &sbquo;sch&uuml;tzen&lsquo; zu m&uuml;ssen. Diese Erz&auml;hlung des vorgeblichen &sbquo;russischen Angriffs&lsquo; hat nichts mit der Realit&auml;t zu tun.&ldquo; Das sagt <strong>Reiner Braun<\/strong> im NachDenkSeiten-Interview. Braun, der aktiv am &bdquo;Krefelder Appell&ldquo; der Friedensbewegung in den 80er-Jahren beteiligt war, findet deutliche Worte zu dem Konflikt zwischen den NATO-Staaten und Russland: Nicht Russland sei seit 1990 nach Westen marschiert, &bdquo;sondern die NATO&ldquo;. Die NATO hat &bdquo;Russland milit&auml;risch eingekreist und russische Sicherheitsinteressen massiv verletzt.&ldquo; Braun merkt auch an, dass die Anzahl der bevorstehenden Osterm&auml;rsche f&uuml;r den Frieden angestiegen ist. Und: &bdquo;Frustration, Passivit&auml;t und R&uuml;ckzug k&ouml;nnen wir uns nicht leisten.&ldquo; Von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5260\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-113089-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240327_Leider_sind_Dummheit_und_Unfaehigkeit_in_Fragen_von_Krieg_und_Frieden_brandgefaehrlich_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240327_Leider_sind_Dummheit_und_Unfaehigkeit_in_Fragen_von_Krieg_und_Frieden_brandgefaehrlich_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240327_Leider_sind_Dummheit_und_Unfaehigkeit_in_Fragen_von_Krieg_und_Frieden_brandgefaehrlich_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240327_Leider_sind_Dummheit_und_Unfaehigkeit_in_Fragen_von_Krieg_und_Frieden_brandgefaehrlich_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=113089-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240327_Leider_sind_Dummheit_und_Unfaehigkeit_in_Fragen_von_Krieg_und_Frieden_brandgefaehrlich_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"240327_Leider_sind_Dummheit_und_Unfaehigkeit_in_Fragen_von_Krieg_und_Frieden_brandgefaehrlich_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Marcus Kl&ouml;ckner: Herr Braun, gerade hat Wirtschaftsminister Robert Habeck gesagt, Deutschland sei auf einen <a href=\"https:\/\/www.t-online.de\/nachrichten\/deutschland\/militaer-verteidigung\/id_100368820\/robert-habeck-deutschland-auf-landkrieg-vorbereiten.html\">&bdquo;Landkrieg&ldquo;<\/a> nicht vorbereitet. Wie blicken Sie auf diese Aussage?<\/strong><\/p><p><strong>Reiner Braun<\/strong>: Da der Herr Wirtschaftsminister bekanntlich wenig von seinem eigenen Ressort &bdquo;Wirtschaft&ldquo; versteht, ist doch erst recht nicht zu erwarten, dass er sich qualifiziert zu Fragen der Sicherheitspolitik &auml;u&szlig;ert. Deshalb muss man seinen Versuch, sich zu &bdquo;strategischen Fragen der Kriegsf&uuml;hrung&ldquo; zu &auml;u&szlig;ern, wohl in eine &auml;hnliche Kategorie einordnen: unter Aggressivit&auml;t m&uuml;hsam verborgene Inkompetenz. Leider sind Dummheit und Unf&auml;higkeit in Fragen von Krieg und Frieden brandgef&auml;hrlich, er&ouml;ffnen sie doch die Illusion, dass ein Krieg in Europa f&uuml;hrbar und gewinnbar sein k&ouml;nnte und nicht zu einer vollst&auml;ndigen Zerst&ouml;rung des Kontinents f&uuml;hren w&uuml;rde. Der Begriff &bdquo;strukturelle Kriegsunf&auml;higkeit Europas&ldquo;, der von Gener&auml;len der NATO mitentwickelt wurde, ist dem Minister sicher unbekannt, aber trifft die Realit&auml;t. Da der Minister bekanntlich nicht &uuml;ber ausgepr&auml;gte soziale Empathie verf&uuml;gt, verwundert es nicht, dass ihm Millionen Tote und Verwundete ganz offensichtlich gleichg&uuml;ltig sind &ndash; undenkbar, sonst so lapidar &uuml;ber Krieg und damit &uuml;ber Leben und Tod zu fabulieren.<\/p><p><strong>Was ist das f&uuml;r eine Politik von deutscher Seite, die hier veranschlagt wird?<\/strong><\/p><p>Ziel der Regierungspolitik und der CDU\/CSU-Opposition ist es, Deutschland &bdquo;kriegst&uuml;chtig&ldquo; zu machen. Pistorius dr&uuml;ckt es deutlich aus, wenn er sagt: &bdquo;Deutschland muss wieder Krieg f&uuml;hren und gewinnen k&ouml;nnen!&ldquo; Es ist eine Politik, die sich selbst zutiefst in ihr eigenes Narrativ verstrickt hat, sich vor angeblich geplanten Angriffen Russlands &bdquo;sch&uuml;tzen&ldquo; zu m&uuml;ssen. Dieses Narrativ des vorgeblichen &bdquo;russischen Angriffs&ldquo; hat nichts mit der Realit&auml;t zu tun. Angesichts der f&uuml;nf- bis siebenfachen &Uuml;berlegenheit der NATO in allen Waffengattungen und Milit&auml;rausgaben, die im Verh&auml;ltnis zu Russland 14:1 stehen, muss man der russischen Regierung schon geplanten Suizid unterstellen. Es ist auch nicht Russland, das seit 1990 nach Westen marschiert ist, sondern die NATO hat sich &ndash; entgegen der Charta von Paris von 1990 &ndash; seitdem und nachhaltig nach Osten ausgedehnt, Russland milit&auml;risch eingekreist und russische Sicherheitsinteressen massiv verletzt. Deutsche Politik hat sich in diese US\/NATO-Globalstrategie immer eingeordnet und in den letzten Jahren rasant zunehmend einen politischen und milit&auml;rischen F&uuml;hrungsanspruch in Europa formuliert. Der Satz: &bdquo;Wir werden die st&auml;rkste konventionelle Armee in Europa haben&ldquo;, so Pistorius, verdeutlicht diese deutsche Strategie des privilegierten Juniorpartners der USA und des gleichzeitigen Hegemonen in Europa, was an die schlimmsten Ausw&uuml;chse deutschen Militarismus und seine fatalen Folgen erinnert. Diese Politik ist brandgef&auml;hrlich und beinhaltet die Gefahr einer Eskalationsdynamik bis hin zu einem gro&szlig;en (Atom-)Krieg.<\/p><p><strong>Sehen Sie denn die Gefahr eines dritten Weltkriegs?<\/strong><\/p><p>Ich habe mich &uuml;ber viele Jahre gegen eine &uuml;berzogene Dramatisierung der Politischen Situation gewandt. Heute muss ich sagen: Ja, ich sehe die Gefahr eines dritten Weltkriegs, und dies nicht nur in Europa Die Eskalationsdynamik mindestens von drei gro&szlig;en Krisen bzw. Konflikten beinhaltet diese Gefahr. Der Ukrainekrieg, der Gazakrieg mit vielf&auml;ltigen weiteren Konflikten in Westasien und die Auseinandersetzungen im s&uuml;dchinesischen Meer &ndash; salopp als Konflikt um Taiwan formuliert &ndash; k&ouml;nnen zum dritten, alles vernichtenden Weltkrieg f&uuml;hren. Dieser Wahnsinn wird einerseits in der Bev&ouml;lkerung kaum reflektiert und in den Kriegsparteien CDU\/CSU, Gr&uuml;ne und FPD und teilweise auch in der SPD bewusst herbeigeredet, ohne dass diese auch nur ansatzweise verstehen, welchen Gefahren sie die Menschen aussetzen. Der Gedanke &sbquo;nie wieder Hiroshima&lsquo; ist ihnen so fremd wie die Worte von Willi Brandt, dass Kriege die &bdquo;Ultima Irratio&ldquo; sind. Abgrundtiefe Verantwortungslosigkeit ist noch eine h&ouml;fliche Umschreibung f&uuml;r Strack-Zimmermann, Hofreiter, R&ouml;ttgen. Es kommt f&uuml;r die Friedensbewegung darauf an, diesen irrationalen Zug in Richtung Selbstzerst&ouml;rung rechtzeitig zu stoppen. Dies erfordert allerdings ein deutlich h&ouml;heres Engagement der Zivilgesellschaft.<\/p><p><strong>Haben Sie eine Erkl&auml;rung daf&uuml;r, dass mittlerweile sowohl in den Medien als auch in der Politik so offen &uuml;ber Krieg gesprochen wird? Wie verhalten sich die Medien? Wird friedenspolitischen Stimmen Raum gegeben?<\/strong><\/p><p>Die grundlegende Ver&auml;nderung des globalen Kr&auml;fteverh&auml;ltnisses dieser Erde und des damit verbundenen Hegemonieverlustes des Westens, der dominant die Welt &uuml;ber 500 Jahre beherrschte, f&uuml;hrt zu einem aggressiven Verteidigungsverhalten zugunsten verlorener Privilegien (Profite, Ressourcenpl&uuml;nderung). Dies gilt besonders f&uuml;r die USA, die immer noch die milit&auml;risch dominante, aber alle Kriege und Konflikte der letzten Jahre verloren habende Supermacht sind. Es gilt auch f&uuml;r die EU, die, losgel&ouml;st von einem scheinbaren Ringen um Autonomie, in allen Grundfragen von Krieg und Frieden in einer Untergangskumpanei mit den USA ist. Ich leugne keine Eigeninteressen der EU, diese sind aber &ndash; &uuml;ber die NATO organisiert &ndash; nur zweitranging, wenn es um die Verteidigung von ausbeuterischen Dominanz-Strukturen mit den USA geht.<\/p><p>Die Aggressivit&auml;t schl&auml;gt angesichts der St&auml;rkung von China, der Stabilisierung von Russland und der Entwicklung von BRICS Plus besonders kriegerisch durch.<\/p><p>Dies reflektieren die sogenannten Qualit&auml;tsmedien in einer keinen Widerspruch duldenden, autorit&auml;ren Art und Weise. Sie versch&auml;rfen damit die kriegerische Politik, sie sind mehr als eine Echokammer. Die Journalisten &ndash; weit entfernt, ihre Aufgabe als Vierte Gewalt wahrzunehmen &ndash; sind zunehmend eine in sich geschlossene, sich gegenseitig verst&auml;rkende Elite geworden, die sich an der Seite der &bdquo;Reichen und M&auml;chtigen&ldquo; wohlf&uuml;hlt. Systematisch entwickelt und ausgebildet in den transatlantischen Thinktanks, ist ihre Karrierem&ouml;glichkeit nur in der Unterordnung unter das westliche Narrativ. Ausnahmen und Aussteiger, die es gibt, best&auml;rken die Regel. Die Entwicklung von Gegenprojekten ist die zentrale Herausforderung. Friedenspolitische Stimmen gibt es fast nur noch in selbst organisierten und Alternativmedien.<\/p><p><strong>Die Redaktion der ZDF-Kindernachrichtensendung &bdquo;logo&ldquo; hat vor ein paar Wochen ein kurzes Video zusammengestellt, worin sprechende Raketen mit menschlichen Gesichtern zu sehen sind. <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/politik-gesellschaft\/kriegspropaganda-fuer-kinder-beim-zdf-wirbel-um-videoclip-zu-taurus-lieferung-an-die-ukraine-li.2192668\">Die Berliner Zeitung beschreibt das Video wie folgt<\/a>: &bdquo;In dem knapp einmin&uuml;tigen Clip sagt der s&uuml;&szlig;e kleine Taurus gen Ende: &bdquo;Kein Wunder, dass die mich haben wollen. Ich bin halt eindeutig der bessere Marschflugk&ouml;rper.&ldquo; &bdquo;Wohl eher ein A****flugk&ouml;rper, wenn du nicht bald hier auftauchst&ldquo;, scherzt der britische Storm Shadow. &bdquo;Lass mich raten&ldquo;, n&auml;selt SCALP, &bdquo;du darfst deshalb nicht in die Ukraine, weil euer Kanzler mal wieder z&ouml;gert und zaudert?&ldquo; Einsatz Brite: &bdquo;Der German Fachbegriff daf&uuml;r ist scholzen.&ldquo; Der kleine Taurus wirkt arg zerknirscht, als er verr&auml;t: &bdquo;Nein, diesmal gab&rsquo;s sogar eine Begr&uuml;ndung daf&uuml;r. Weil ich so eine krasse Reichweite habe, hat er Angst, dass ich &uuml;ber das Ziel hinausschie&szlig;e und Russland treffe.&ldquo; &bdquo;Mhm&ldquo;, sagt Madame SCALP, &bdquo;und was macht Russland seit zwei Jahren?&ldquo; Wie sind Ihre Gedanken dazu?<\/strong><\/p><p>Absto&szlig;end, ekelerregend und widerlich! Ersch&uuml;tternd, wie unverhohlen die &bdquo;kognitive Kriegsf&uuml;hrung&ldquo; schon als Manipulationsmethode auf unsere Kinder angewandt wird. Was da abgesondert wird, ist nicht nur gegen das Grundgesetz, sondern gegen Grundprinzipien der Menschlichkeit.<\/p><p><strong>Seit wie vielen Jahren sind Sie in der Friedensbewegung? Sie haben also schon einige Krisen und Spannungen erlebt. Ist das, was jetzt zu beobachten ist, vergleichbar? Oder hat das eine neue Dimension?<\/strong><\/p><p>Historische Situationen zu vergleichen, verlangt eine gro&szlig;e Vorsicht. Deswegen bin ich sehr z&ouml;gerlich, diese Situation als einzigartig zu erkl&auml;ren. Es bleibt aber sicher richtig, dass die jetzige Situation au&szlig;erordentlich konfrontativ und gef&auml;hrlich ist &ndash; vielleicht vergleichbar mit der atomaren Gefahrensituation im Herbst 1983 nach Stationierungsbeginn und der &ouml;stlichen Gegenstationierung. <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/geschichte\/stanislaw-petrow-der-mann-der-die-welt-rettete-ist-tot-a-1168721.html\">Der Name Petrov, der uns wohl vor einer Katastrophe bewahrt hat, ist sicher nicht vergessen<\/a>. Erinnert sei an die dramatisch zugespitzte Kubakrise 1962.<\/p><p>Heute leben wir sicher in einer ausgesprochen zugespitzten und hoch brisanten Situation, die Eskalationsdynamik &ndash; konventionell und nuklear &ndash; ist gro&szlig;. Wir haben noch nie eine so umfassende, globale Aufr&uuml;stungswelle und eine innere Militarisierung erlebt. Aus der transatlantischen NATO wurde die globale NATO mit ihrer Erweiterung nach Asien und Afrika. Dieses historisch einmalig dominante Milit&auml;rb&uuml;ndnis ist st&auml;rker und gef&auml;hrlicher als jemals zuvor.<\/p><p><strong>Der Begriff &bdquo;Frieden&ldquo; scheint heute kaum mehr Verwendung zu finden.<\/strong><\/p><p>&Uuml;ber Frieden, Entspannungspolitik, Abr&uuml;stung oder gemeinsame Sicherheit redet kaum noch einer &ndash; und wenn, dann diffamierend. Ein Blick in die Geschichte der Friedensbewegung kann helfen, Kraft zu sch&ouml;pfen und zu lernen f&uuml;r heute. Dies gilt besonders f&uuml;r das Grundprinzip, dass Friedensbewegung ein &Uuml;berlebensb&uuml;ndnis breitester gesellschaftlicher Kr&auml;fte ist, dass uns bei allen Unterschiedlichkeiten eint: das Nein zum Krieg! Wir d&uuml;rfen uns in dieser Herausforderung weder spalten noch ausgrenzen lassen. Wir wollen Frieden in einer Welt, die &ouml;kologisch, sozial und entwicklungspolitisch am Abgrund steht.<\/p><p>Wir stehen schon vor einer einzigartigen Dimension von Herausforderungen. Die Aussage &bdquo;die Welt steht am Scheidepunkt&ldquo; ist mehr reale Bedrohung, als wir oft denken. Deshalb bleibt auch nur das Setzen auf die eigenen Kr&auml;fte und &Uuml;berzeugungen &ndash; so schwierig es auch immer ist. Diese Einsicht zu verbreiten und mehrheitsf&auml;hig zu entwickeln ist die Verantwortung der Friedensbewegung gegen den Mentalit&auml;tswechsel, den die Politik und ihre intellektuellen Kriegstreiber &agrave; la M&uuml;nkler, Masala und M&ouml;lling skrupellos vorantreiben.<\/p><p><strong>Wie k&ouml;nnte die Situation mit Russland entspannt werden? Was m&uuml;sste von politischer Seite getan werden, um auf einen Frieden hinzuarbeiten?<\/strong><\/p><p>Frieden in Europa ist nur mit Russland und niemals ohne oder gegen Russland m&ouml;glich. Diese Aussage gilt losgel&ouml;st von der konkreten Regierung in Moskau oder in Berlin. Sie basiert auf dem Grundgedanken der Politik der gemeinsamen Sicherheit. Dazu hei&szlig;t es im Olof Palme Report von 1982 und in seiner Fortschreibung von 2022: &bdquo;Alle Staaten haben ein Recht auf Sicherheit, und diese Sicherheit ist nur miteinander und nicht gegeneinander m&ouml;glich. Im Atomzeitalter kann der Krieg nicht l&auml;nger ein Mittel der Politik, sondern nur noch ein Anlass zur Zerst&ouml;rung von nie gekanntem Ausma&szlig; sein. Ein Konzept der gemeinsamen Sicherheit muss anstelle der bisherigen Abschreckung und Hochr&uuml;stung treten.&ldquo;<\/p><p><strong>Was sind Ihre Schlussfolgerungen daraus?<\/strong><\/p><p>Wir brauchen also ein Zur&uuml;ck zur Politik der gemeinsamen Sicherheit. Das ist nat&uuml;rlich &ndash; wie &uuml;brigens auch in den 60er-Jahren &ndash; nicht von heute auf morgen zu erreichen und verlangt als erste Schritte vertrauensbildende Ma&szlig;nahmen, zu denen auf jeden Fall auch eine Reduzierung bis zur Aufhebung aller Sanktionen geh&ouml;ren muss, die ja bekannterma&szlig;en uns mehr schaden als Russland.<\/p><p><strong>Aber wie soll das gehen?<\/strong><\/p><p>Entscheidend wird sein, dass auch Deutschland im Ukrainekrieg zur&uuml;ck zur Diplomatie findet und mindestens die Friedensbem&uuml;hungen des Globalen S&uuml;des unterst&uuml;tzt sowie die Waffenlieferungen deutlich reduziert. Eine weitere Ausrichtung der Bundeswehr auf einen Krieg gegen Russland widerspricht den Prinzipien der gemeinsamen Sicherheit, stattdessen ist im regionalen und globalen Ma&szlig;stab eine R&uuml;ckkehr zur R&uuml;stungskontrolle und letztendlich zur Abr&uuml;stung notwendig. Vielf&auml;ltige kooperative Vereinbarungen in den Bereichen Wissenschaft, Umwelt, Gesundheit, etc. geh&ouml;ren ebenso dazu wie eine umfassende &ouml;konomische Kooperation.<\/p><p>Dies verlangt sicher eine neuartige Regierungskonstellation, die ich mir nur ohne GR&Uuml;NE, CDU und FDP (AfD ist ohnehin auch Kriegspartei) vorstellen kann, sowie ein stark ver&auml;ndertes gesellschaftliches Klima. Dazu muss die Friedensbewegung ma&szlig;geblich beitragen. Eine &bdquo;Volksdiplomatie von unten&ldquo; muss f&uuml;r entsprechende gesellschaftliche Voraussetzungen auf beiden Seiten sorgen. Vielf&auml;ltige Erfahrungen der gesellschaftlichen Kooperationen aus den 1980er- bis 2000er-Jahren sind dabei sicher hilfreich. Ohne die Friedensbewegung und den Globalen S&uuml;den, die zutiefst der Politik der gemeinsamen Sicherheit als Teil von Multipolarit&auml;t verbunden ist, wird es keine Wiederbelebung der Entspannungspolitik geben. Der globale S&uuml;den, mit vielf&auml;ltig identischen politischen Positionen wie denen der Friedensbewegung, ist der Hoffnungsfaktor auf eine globale Ver&auml;nderung. Diese grundlegende Neuorientierung der internationalen Politik gegen den verlierenden, kriegsorientierten &bdquo;Westen&ldquo; hinzubekommen ist die zentrale weltpolitische Herausforderung. Eine starke, eigenst&auml;ndige Friedensbewegung wird dazu ihren &ndash; im Weltma&szlig;stab wahrscheinlich nur kleinen, aber umso bedeutenderen &ndash; Beitrag leisten.<\/p><p><strong>Ostern steht vor der T&uuml;r. Das ist auch die Zeit der Osterm&auml;rsche.<\/strong><\/p><p>Erfreulich ist die Zahl der Osterm&auml;rsche mit mehr als 100, also noch einmal mehr als letztes Jahr. Besonders in kleinen Orten werden auch von neu gegr&uuml;ndeten Friedensinitiativen Osterm&auml;rsche vorbereitet. Wie stark besucht diese sein werden und was f&uuml;r eine Ausstrahlungskraft sie bekommen, h&auml;ngt auch von den Leserinnen und Lesern der NachDenkSeiten ab.<\/p><p><strong>Nicht alle wissen, was &bdquo;Osterm&auml;rsche&ldquo; sind.<\/strong><\/p><p>Die Aufrufe verdeutlichen die Kernanliegen: Kriege stoppen &ndash; Verhandlungen und Diplomatie sowie ein Ende der geradezu wahnsinnigen Hochr&uuml;stung. Die verschiedentlich zu h&ouml;rende Parole &bdquo;Gegen den Krieg &ndash; gegen den sozialen Krieg&ldquo; k&ouml;nnte f&uuml;r viele, die in den letzten Jahren f&uuml;r ihre Grundrechte oder auch Berufsinteressen auf die Stra&szlig;e gegangen sind, ein Ansatzpunkt zur Beteiligung sein. Verbreiterung und &Ouml;ffnung f&uuml;r Neue muss ein Kernanliegen sein &ndash; gerade, da der militaristisch bedingte Sozialkahlschlag weiteste Teile der Bev&ouml;lkerung zunehmend trifft. Dabei kommen sicher auch Menschen zu uns, mit denen wir in der Vergangenheit und vielleicht auch heute nicht in allem &uuml;bereinstimmen. Diskursf&auml;higkeit, Diskussionsfreudigkeit und Offenheit sollten unser Herangehen bestimmen. Aufkl&auml;rung gegen Manipulation, Verdummung, Hetze, aber auch ehrlicher Umgang mit Unkenntnis sollte unser Verhalten bestimmen. Daher ist die &uuml;ber&auml;ngstliche Ablehnung von neuen Mitstreitern kontraproduktiv. Dies bedingt eine klare Absage an rechtsradikale Positionen, denn es bleibt die Aussage von Wolfgang Abendroth: &bdquo;Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!&ldquo;<\/p><p>Die unterschiedlichen Aufrufe aus Gewerkschaften zu den Osterm&auml;rschen sind ein hoffnungsvolles Zeichen, dass Stillhalte- und Burgfriedenspolitik progressiver gesellschaftlicher Gro&szlig;organisationen &uuml;berwunden werden k&ouml;nnen.<\/p><p>Ich will aber auch deutlich sagen: Frustration, Passivit&auml;t und R&uuml;ckzug k&ouml;nnen wir uns nicht leisten. Jede Form der individuellen Aktivit&auml;t hilft, leistet einen Beitrag &ndash; oder, wie die Musiker der Gruppe &bdquo;Bots&ldquo; es in ihrem ber&uuml;hmten Lied formuliert haben: &bdquo;das weiche Wasser bricht den Stein&ldquo;.<\/p><p>Schon jetzt will ich aber auch hinzuf&uuml;gen: Es muss nach den Osterm&auml;rschen weitergehen, sei es gegen die Hochr&uuml;stung oder die Man&ouml;ver, den Gazakrieg und f&uuml;r Waffenstillstand und Verhandlungen in der Ukraine. Ich denke, dass wir uns dieses Jahr auch noch einmal in Berlin zu einer bundesweiten Demonstration treffen werden.<\/p><p><small>Titelbild: Von Ferran Cornell&agrave; &ndash; Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0 <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=141438379\">commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=141438379<\/a><\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie ist Deutschlands Politik im Hinblick auf Russland und den Krieg in der Ukraine einzuordnen? &bdquo;Es ist eine Politik, die sich selbst zutiefst in ihr eigenes Narrativ verstrickt hat, sich vor angeblich geplanten Angriffen Russlands &sbquo;sch&uuml;tzen&lsquo; zu m&uuml;ssen. Diese Erz&auml;hlung des vorgeblichen &sbquo;russischen Angriffs&lsquo; hat nichts mit der Realit&auml;t zu tun.&ldquo; Das sagt <strong>Reiner Braun<\/strong><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=113089\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":113090,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,170,171],"tags":[1519,282,1120,466,1891,259,260,1556,966],"class_list":["post-113089","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-friedenspolitik","category-militaereinsaetzekriege","tag-atomwaffen","tag-buergerproteste","tag-friedensbewegung","tag-nato","tag-ostermarsch","tag-russland","tag-ukraine","tag-usa","tag-weltkrieg"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Reiner_Braun_Nein_zu_Kriegen_2023_01.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/113089","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=113089"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/113089\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":113139,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/113089\/revisions\/113139"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/113090"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=113089"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=113089"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=113089"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}