{"id":11326,"date":"2011-11-16T23:52:49","date_gmt":"2011-11-16T22:52:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11326"},"modified":"2016-06-01T11:53:37","modified_gmt":"2016-06-01T09:53:37","slug":"die-wichtigste-fertigkeit-des-modernen-topmanagers-die-steuerzahler-ausnehmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11326","title":{"rendered":"Die wichtigste Fertigkeit des modernen Topmanagers: die Steuerzahler ausnehmen"},"content":{"rendered":"<p>Und die wichtigste Voraussetzung daf&uuml;r, dass dies gelingt: Netzwerke bilden, wichtige Stellen auch beim Staat besetzen und mit PR einen Nebel der Verschleierung ausbreiten. Die Investmentbank Goldman Sachs, deren Berater und ehemaligen Mitarbeiter den Chefsessel der EZB sowie der Regierung von Griechenland und von Italien besetzen, hat von Rettungsaktionen des amerikanischen Staats und auch vom deutschen Steuerzahler profitiert. Die Allianz AG, deren Finanzchef Achleitner fr&uuml;her ebenfalls bei Goldman Sachs war, wechselt 2012 als Aufsichtsratsvorsitzender zur Deutschen Bank. Wenn man der Mehrheit der Medien traut, sind das alles Erfolgsgeschichten. Dass diese Institutionen unentwegt den Staat ausnehmen, wird unter den Teppich gekehrt. Deshalb soll am Beispiel der Allianz AG in Stichworten sichtbar gemacht werden, wie wenig erfolgreich diese hoch gejubelten Spitzenmanager w&auml;ren, h&auml;tten sie sich und ihr Unternehmen nicht immer wieder mit staatlichen Subventionen und Hilfen saniert. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Zun&auml;chst noch zu Goldman Sachs und zum Einfluss dieser Investmentbank:<\/strong><\/p><p>Den am 15. November <a href=\"?p=11304\">erw&auml;hnten<\/a> und nur auf Franz&ouml;sisch verf&uuml;gbaren Artikel von Le Monde hat Gerhard Kilper &uuml;bersetzt. Ausz&uuml;ge siehe Anlage 1.<\/p><p>Das Handelsblatt zog am 16. November mit einem Beitrag <strong><a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/unternehmen\/banken\/die-goldjungs-an-den-schaltstellen-der-wirtschaft\/5838492.html\">&bdquo;Goldman Sachs &ndash; Die Goldjungs an den Schaltstellen der Wirtschaft&ldquo;<\/a> nach. Der Artikel beginnt mit folgender Feststellung:<\/strong> &sbquo;&bdquo;Government Sachs&ldquo; nennen Kritiker die Investmentbank wegen ihrer engen Beziehungen zur US-Regierung. Doch auch in Europa sitzen fr&uuml;here Mitarbeiter von Goldman Sachs &ndash; wie Paul Achleitner &ndash; in Schl&uuml;sselpositionen.&rsquo; <\/p><p><strong>Paul Achleitner und die <a href=\"https:\/\/www.allianz.com\/de\/investor_relations\/corporate_governance\/vorstand\/mitglieder\/page2.html\">Allianz AG &ndash; der &bdquo;erfolgreiche&ldquo; Ritt auf dem R&uuml;cken von uns Steuerzahlern<\/a><\/strong><\/p><p>Von Paul Achleitner und seinem Wirken bei der Allianz AG ist in diesen Tagen viel die Rede, weil er den Aufsichtsratsvorsitz bei der Deutschen Bank &uuml;bernehmen soll. Davon, dass die Allianz AG in gro&szlig;em Ma&szlig;e Steuergelder in Anspruch genommen hat, wird dabei nicht gesprochen. Deshalb soll beispielhaft an diesem Unternehmen sichtbar gemacht werden, wie Unternehmen aus der Finanzbranche den Staat und die Steuerzahler melken. Achleitner ist &uuml;brigens seit 2000 im Vorstand der Allianz: <\/p><ol>\n<li>Die Allianz AG profitiert Milliarden von der staatlichen F&ouml;rderung der Privatvorsorge &uuml;ber die Riester-Rente, die R&uuml;rup-Rente und &ndash; meist im Verborgenen aber sehr umfangreich &ndash; von der Subventionierung der betrieblichen Altersvorsorge (Entgeltumwandlung).<\/li>\n<li>Die Allianz AG hat rechtzeitig und bevor die Krise der Industriekreditbank (IKB) sichtbar wurde, ihren fast 34-prozentigen Anteil an die dem Bund geh&ouml;rende Kreditanstalt f&uuml;r Wiederaufbau (KfW) verkauft. Gezahlt hat mittelbar der Steuerzahler.<\/li>\n<li>Die Allianz AG konnte ihre fragw&uuml;rdige Entscheidung, die Dresdner Bank zu kaufen, zulasten des Steuerzahlers korrigieren. Die Dresdner Bank wurde an die Commerzbank verkauft und der Bund hat zur Rettung der Commerzbank 18,2 Milliarden Euro gezahlt und daf&uuml;r gerade mal 25 % dieses Instituts erworben.<\/li>\n<li>Die rot-gr&uuml;ne Regierung hat mit Unterst&uuml;tzung der damaligen Opposition aus CDU\/CSU und FDP die Gewinne, die beim Verkauf von Aktienpaketen realisiert werden, zum 1.1.2002 steuerfrei gestellt. Das war auch ein Geschenk an die Allianz AG. Sie konnte damit die in ihrem Aktienverm&ouml;gen steckenden Gewinne steuerfrei einstreichen. Ein eigentlich unglaublicher Vorgang. Jeder normale Unternehmer muss bei Realisierung bisher nicht realisierter und versteckter Gewinne daf&uuml;r Steuern bezahlen.<\/li>\n<li>Mit der Rettung der M&uuml;nchner HRE wurden auch Einlagen der Allianz AG gerettet. Siehe hier: <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/wirtschaft\/finanz\/die-geretteten\/1598962.html\">&bdquo;Allianz SE, M&uuml;nchen (inklusive Dresdner Bank) 833 Millionen&ldquo;<\/a><\/li>\n<\/ol><p>Das sind f&uuml;nf gravierende Subventionskomplexe zu Gunsten der Allianz AG und zulasten der Steuerzahler. Sie fallen alle in die Zeit der Vorstandsmitgliedschaft von Paul Achleitner. Die Gewinne des Unternehmens durch die sich wiederholenden Rettungsschirme zu Gunsten von Griechenland, Irland usw. sind dabei noch nicht enthalten.<\/p><p><strong>Das Gesch&auml;ftsmodell dieser Unternehmen besteht nicht zuallererst aus der wertsch&ouml;pfenden Produktion von Dienstleistungen oder G&uuml;tern &ndash; entscheidend ist die staatliche Subvention, entscheidend ist die Organisation des Einflusses auf die politischen Entscheidungen zu Gunsten der Unternehmen und des Wirtschaftssektors wie im konkreten Fall der Finanzwirtschaft.<\/strong><\/p><p>Dazu braucht man netzartige Strukturen, die in den oben erw&auml;hnten Medienbeitr&auml;gen skizziert sind. Dazu braucht man die n&ouml;tige Propaganda, mit der man den Staat dazu bringt, das Geld freiwillig auf unsere Kosten herauszur&uuml;cken. Wenn die Steuerzahler nicht zum Zahlen gezwungen w&uuml;rden, dann s&auml;he die Gewinn- und Verlustrechnung dieser hoch gelobten Pers&ouml;nlichkeiten ziemlich rot aus.<\/p><p><strong>Mit konservativen Werten hat das praktizierte Gesch&auml;ftsmodell wenig gemein.<\/strong><\/p><p>Es ist deshalb schon verwunderlich, dass Unternehmen und ihre Manager, die dem Staat so r&uuml;cksichtslos in die Tasche greifen, immer noch das Vertrauen konservativer Kreise besitzen. Offensichtlich schauen viele Menschen aus diesem Milieu nicht genau hin. Oder sie finden es sogar schick, wie hier der Staat wie eine Gans ausgenommen wird. Schlie&szlig;lich hat man in diesen Kreisen ja auch schon Frau Thatcher bewundert, obwohl auch diese freim&uuml;tig auf den Staat zur&uuml;ckgriff, wenn es ihr und ihrer Partei passte. Ein anschauliches Beispiel daf&uuml;r beschrieb der britische Autor und ehemalige Chefredakteur des Observer Will Hutton in seinem Buch &bdquo;The State We&rsquo;re In&ldquo;. Thatcher hat den konservativen Parteiapparat durch staatlich ausgehaltene quasi privatisierte Unternehmen (so genannte Quangos) mitfinanzieren lassen.<\/p><p>Auch jene Unternehmen und Unternehmer, die ihre ganz normale Arbeit leisten, also produzieren und Dienste leisten durch Kombination von Arbeit und Kapital, zahlen die Subventionen der ausgehaltenen Unternehmen mit. Von nichts kommt nichts. Von der Wertsch&ouml;pfung der normal t&auml;tigen Unternehmer und der dort t&auml;tigen Menschen profitieren jene Kreise, die in Deutschland immer noch in besonderer Weise gesellschaftlich angesehen sind. Zu Unrecht.<\/p><p><strong>Anlage 1:<br>\nAusz&uuml;ge aus<\/strong><\/p><p><strong>Marc Roche, Goldman Sachs als Verbindungsglied zwischen Mario Draghi, Mario Monti und Lucas Papad&eacute;mos, Le Monde online-Meldung vom 14.11.2011<\/strong><\/p><p>Originaltitel: <a href=\"http:\/\/www.lemonde.fr\/europe\/article\/2011\/11\/14\/goldman-sachs-le-trait-d-union-entre-mario-draghi-mario-monti-et-lucas-papademos_1603675_3214.html\">Goldman Sachs, le trait d&rsquo;union entre Mario Draghi, Mario Monti et Lucas Papad&eacute;mos, Mario Roche, Le Monde London-Korrespondent<\/a><\/p><p><strong>Die amerikanische Gesch&auml;ftsbank Goldman Sachs kehrt zu ihren Wurzeln zur&uuml;ck &ndash; nach Europa.<\/strong><\/p><p>Was haben Mario Draghi, Mario Monti und Lucas Papad&eacute;mos gemeinsam? Der neue Pr&auml;sident der Europ&auml;ischen Zentralbank, der designierte italienische Ministerpr&auml;sident und der neue griechische Ministerpr&auml;sident geh&ouml;ren in unterschiedlicher Stufung der europ&auml;ischen &bdquo;Sachs Regierung&ldquo; an.<\/p><p>Jedes Ausleseverfahren bedingt eine hierarchische Ordnung. Den ersten Preis bekommt, nat&uuml;rlich, Mario Draghi, Vizepr&auml;sident von Goldman Sachs Europa von 2002 bis 2005. Als zum Sozius aufgestiegener Mitgesellschafter war er f&uuml;r &bdquo;Unternehmen und souver&auml;ne Staaten&ldquo; zust&auml;ndig. In dieser Funktion war eine von Draghis Aufgaben, Finanz-Swap-Produkte an Staaten zu verkaufen. Diese Finanzprodukte erm&ouml;glichen Staaten die Versteckung von Teilen ihrer Schulden. Auf diesem Weg wurde die griechische Haushaltslegung gesch&ouml;nt.<\/p><p>Nach Draghi (auf den zweiten Platz) kommt Mario Monti, Goldman Sachs-Berater f&uuml;r internationale Angelegenheiten seit 2005. Auf dem dritten Platz landet schlie&szlig;lich der j&uuml;ngst zum griechischen Ministerpr&auml;sidenten ernannte Lucas Papad&eacute;mos, Pr&auml;sident der griechischen Zentralbank von 1994 bis 2002. In dieser Eigenschaft war er an von Goldman Sachs initiierten Kontenf&auml;lschungen beteiligt. Der Verantwortliche f&uuml;r die Verwaltung der griechischen Staatsschuld ist &uuml;brigens der Goldman Sachs Ex-Trader Petros Christodoulos.<\/p><p>Zwei andere (Finanz-)Schwergewichte sind auch ma&szlig;geblich an der Euro-Krise (am Sturz des Euro) beteiligt, Otmar Issing, ehemaliger Pr&auml;sident der Bundesbank und Jim O&rsquo;Neill,  Erfinder des BRICS-Konzepts, eines Projekts zum Aufsp&uuml;ren aufsteigender M&auml;rkte mit starkem Wachstumspotenzial (Brasilien, Russland, Indien, China und S&uuml;dafrika). Der Ire Peter Sutherland, ehemaliger Pr&auml;sident von Goldman Sachs International und heute immer noch als Verwaltungsratsmitglied t&auml;tig, spielte eine Schl&uuml;sselrolle bei der Rettung Irlands.<br>\nSchlie&szlig;lich noch Paul Deighton, 22 Jahre lang bei Goldman Sachs besch&auml;ftigt und zurzeit Generaldirektor des Organisationskomitees der Olympischen Spiele 2012 in London. Er hat quasi die rote Laterne (in der Hierarchie), denn&hellip; Sport und Familie laufen au&szlig;er Konkurrenz.<\/p><p>(&hellip;)<\/p><p>Mario Draghi behauptet, er habe, nachdem er 2002 seine Funktion bei Goldman &uuml;bernahm, nichts mit griechischen Konten-F&auml;lschungen zu tun gehabt, die zwei Jahr zuvor inszeniert wurden. Er trat 2005 von seinem Amt zur&uuml;ck, d.h. ein Jahr bevor Goldman Sachs einen Teil der fraglichen Swap-Papiere an die National Bank of Greece, die f&uuml;hrende Gesch&auml;ftsbank des Landes, verkaufte. Diese leitete damals ein anderer alter Goldman, Petros Christodoulos, heute, wie schon oben erw&auml;hnt, Verantwortlicher f&uuml;r die Verwaltung der griechischen Staatsschuld.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Und die wichtigste Voraussetzung daf&uuml;r, dass dies gelingt: Netzwerke bilden, wichtige Stellen auch beim Staat besetzen und mit PR einen Nebel der Verschleierung ausbreiten. 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