{"id":1134,"date":"2006-04-02T10:58:13","date_gmt":"2006-04-02T08:58:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=1134"},"modified":"2016-02-14T16:20:51","modified_gmt":"2016-02-14T15:20:51","slug":"in-einem-streitgesprach-mit-dem-leipziger-pfarrer-christian-fuhrer-mit-hans-werner-sinn-belegt-der-munchner-ifo-chef-einmal-mehr-seine-radikale-menschenverachtende-okonomik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1134","title":{"rendered":"In einem Streitgespr\u00e4ch mit dem Leipziger Pfarrer Christian F\u00fchrer mit Hans-Werner Sinn belegt der M\u00fcnchner Ifo-Chef einmal mehr seine radikale menschenverachtende \u00d6konomik"},"content":{"rendered":"<p>Das evangelische Magazin &bdquo;chrismon&ldquo; 03\/2006 druckte ein Streitgespr&auml;ch zwischen dem Pfarrer an der Nikolaikirche in Leipzig und &bdquo;Deutschlands bestem Professor&ldquo; (BILD) ab. Sinn vertrat dabei sein bekanntes radikal &ouml;konomistisches Weltbild: &bdquo;Marktwirtschaft funktioniert mit dem Menschen so, wie er ist: ein egoistisches profits&uuml;chtiges Individuum, das seinen Konsum maximieren will.&ldquo; Der in der Tradition der deutschen Sozial&ouml;konomik stehende Bielefelder Wirtschaftswissenschaftler Siegfried Katterle, h&auml;lt Sinn in einem Leserbrief vor, dass er mit seinen marktradikalen Positionen selbst hinter die Erkenntnisse der Klassiker der liberalen &Ouml;konomie zur&uuml;ckf&auml;llt.<br>\n<!--more--><br>\nLesen Sie am besten das Streitgespr&auml;ch F&uuml;hrer\/Sinn in &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.chrismon.de\/ctexte\/2006\/3\/3-begegn.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.chrismon.de\/ctexte\/2006\/3\/3-begegn.html\">chrismon<\/a>&ldquo;, wo Sie Sinns Bild einer &bdquo;Marktwirtschaft&ldquo; finden, die mit Ethik oder einem humanen Menschenbild nichts mehr zu tun hat, z.B.:<\/p><ul>\n<li>&bdquo;Die Marktwirtschaft ist nicht gerecht, sondern effizient.&ldquo;<\/li>\n<li>&bdquo;Ungleichheit erzeugt diese Wirtschaftsform schon.&ldquo;<\/li>\n<li>&bdquo;Den &Auml;rmsten der Armen hier geht es immer noch viel besser, als es dem Durchschnittsb&uuml;rger im Kommunismus ging, auch wenn heute die Ungleichheit viel gr&ouml;&szlig;er ist.&ldquo;<\/li>\n<li>&bdquo;Je niedriger der Lohn, desto mehr Arbeit ist da.&ldquo;<\/li>\n<li>&bdquo;Wegen der W&uuml;rde der Menschen hat man Mindestl&ouml;hne durchgesetzt, aber damit in Wahrheit einen menschenunw&uuml;rdigen Zustand geschaffen.&ldquo;<\/li>\n<li>&bdquo;Wenn der Mensch billiger ist als der Automat, dann wird er nicht ersetzt.&ldquo;<\/li>\n<li>&bdquo;Wir brauchen Lohnstrukturen, die jedem einen Job geben, und sei es f&uuml;r einen Hungerlohn.&ldquo;<\/li>\n<\/ul><p><strong>Leserbrief von Professor Siegfried Katterle zu &bdquo;L&ouml;hne senken, Arbeit teilen? Was ist m&ouml;glich, was ist gerecht?&ldquo;,<br>\nchrismon 03\/2006<\/strong><\/p><p>Zu Beginn des Streitgespr&auml;chs stimmt Hans-Werner Sinn dem Urteil Christian F&uuml;hrers zu, extreme Einkommensspreizungen, wie wir sie heute zwischen Managern und Besch&auml;ftigten beobachten, seien &bdquo;ohne Zweifel&ldquo; ungerecht. Weil aber die extrem hohen Mangereinkommen im Markt entstehen, erkl&auml;rt Sinn sie als &bdquo;effizient&ldquo;; die Marktwirtschaft sei &bdquo;nicht gerecht, sondern effizient.&ldquo; Dann fragt Sinn verharmlosend: &bdquo;Was st&ouml;rt Sie daran, wenn es Menschen gibt, die mehr verdienen?&ldquo; An dieser Tatsache hat F&uuml;hrer nichts gest&ouml;rt. Er und viele mit ihm st&ouml;ren sich an Sal&auml;ren, deren horrende H&ouml;he angesichts der oft wenig &uuml;berzeugenden unter&shy;nehmerischen Leistung der betreffenden Manager weder als &bdquo;gerecht&ldquo; noch als &bdquo;effizient&ldquo; beurteilt werden kann. <\/p><p>Wenn F&uuml;hrer meint, die Demokratie als &bdquo;bisher beste politische Ordnung&ldquo; verdiene &bdquo;eine bessere Wirtschaftsordnung&ldquo;, so wirft er die Frage der Integration von Wirtschaftsordnung und Unternehmensverfassung in die Demokratie als allgemein-gesellschaftliche Lebensform auf. In der Tat ein Problem, das viele bedeutende &Ouml;konomen bis in unsere Zeit besch&auml;ftigt. Sinn tut dieses Problem mit der Bemerkung ab, man k&ouml;nne es ja vorziehen, &bdquo;in einem &auml;rmeren System zu leben, wenn dort alle gleichm&auml;&szlig;ig arm sind&ldquo;, wie im Kommunismus, tats&auml;chlich bevorzugten aber die B&uuml;rger ein System mit &bdquo;mehr Wohlstand und Ungleichheit&ldquo;. Dieser Alternativ-Radikalismus widerspricht aller ordnungstheoretischen Erkenntnis und histori schen Erfahrung bei der Suche nach Dritten Ordnungen zwischen totalem Plan (Kommunis mus) und totalem Markt, wie sie gerade auch im Such- und Implementierungsproze&szlig; der Sozialen Marktwirtschaft in Westdeutschland gemacht wurden. <\/p><p>Die &bdquo;gro&szlig;e Arbeitslosigkeit&ldquo; erkl&auml;rt Sinn als &bdquo;Folge des Versuchs, die L&ouml;hne unter Gerech tigkeitsgesichtspunkten festzulegen&ldquo;; w&auml;re der Mensch &bdquo;billiger als der Automat&ldquo;, w&uuml;rde er nicht ersetzt. Der Mensch wird aber in jedem Fall ersetzt, wenn der &bdquo;Automat&ldquo; gegen&uuml;ber der bisherigen Technologie sowohl arbeitsparend wie kapitalsparend ist. Au&szlig;erdem wird nicht die Frage aufgeworfen, ob die globale Deregulierung der Kapitalm&auml;rkte eine Vermachtung des Finanzkapitals erm&ouml;glicht, die Finanzinvestoren in Stand setzt, Rendite-Anspruchsniveaus durchzusetzen, die in langfristig angelegten Sachkapitalinvestitionen nicht erwirtschaftet wer den k&ouml;nnen. Deshalb werden heute auch rentable Unternehmen mit bew&auml;hrter Unternehmens kultur und hoher Firmenloyalit&auml;t der Besch&auml;ftigten von Finanzinvestoren, denen Finanzmarkt reformen die T&uuml;r ge&ouml;ffnet haben, unter kurzsichtigen Profitinteressen zerschlagen. Ordo liberale &Ouml;konomen h&auml;tten hier von &bdquo;Refeudalisierung&ldquo; (Franz B&ouml;hm) oder von &bdquo;privatem Kollektivismus&ldquo; (Wilhelm R&ouml;pke) gesprochen. <\/p><p>Der von Sinn zur Reduzierung von Arbeitslosigkeit empfohlene Kombilohn w&uuml;rde in hohem Ma&szlig; dazu verf&uuml;hren, sozialversicherungspflichtige Besch&auml;ftigungsverh&auml;ltnisse durch staatlich subventionierte Niedriglohnempf&auml;nger zu substituieren. Walter Eucken hat zur Verhinderung solcher &bdquo;Schmutzkonkurrenz&ldquo; am Arbeitsmarkt Mindestl&ouml;hne empfohlen. Viele Nachbarl&auml;n der machen seit Jahren positive Erfahrungen mit diesem regulierenden Instrument. W&uuml;rde dar&uuml;ber hinaus die Teilung der Arbeit durch Arbeitszeitverk&uuml;rzung in Form vermehrter Teil zeitangebote bei gleichzeitig armutsfest gemachten Altersrenten erleichtert, wie in den Nie derlanden, so k&ouml;nnten in erheblichem Umfang zus&auml;tzliche Besch&auml;ftigungsverh&auml;ltnisse ent stehen.<\/p><p>Wer wie Sinn den Menschen nur und immer als &bdquo;ein egoistisches profits&uuml;chtiges Individuum&ldquo; sieht, das seinen privaten Nutzen maximieren will, bleibt hinter der Erkenntnis des gro&szlig;en liberalen &Ouml;konomen und Moralphilosophen Adam Smith zur&uuml;ck, dass M&auml;rkte und Unterneh men nicht effizient funktionieren k&ouml;nnen, wenn die &bdquo;moral sentiments&ldquo; der Akteure verk&uuml;m mern. Warum sollten auch rational-eigenn&uuml;tzige Akteure gerade die Normen achten, die f&uuml;r effizientes Funktionieren von M&auml;rkten und Unternehmen erforderlich sind? Die Kosten von Gerechtigkeitsl&uuml;cken und fehlender Moral schlagen in Effizienzeinbu&szlig;en zu Buche. Deshalb m&uuml;ssen &ndash; wie wiederum schon Adam Smith wusste &ndash; Politik und Zivilgesellschaft Institutio nen schaffen und Motivationen pflegen, die dem totalen Markt und dem total marktkonditio nierten Individuum entgegen wirken (&bdquo;widergelagerte Gesellschaftspolitik&ldquo; nannte das Wil helm R&ouml;pke). Die &Ouml;konomik, wie Sinn sie versteht, propagiert dagegen Selbstsucht und Ma&szlig;losigkeit und erzieht dazu.\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das evangelische Magazin &bdquo;chrismon&ldquo; 03\/2006 druckte ein Streitgespr&auml;ch zwischen dem Pfarrer an der Nikolaikirche in Leipzig und &bdquo;Deutschlands bestem Professor&ldquo; (BILD) ab. Sinn vertrat dabei sein bekanntes radikal &ouml;konomistisches Weltbild: &bdquo;Marktwirtschaft funktioniert mit dem Menschen so, wie er ist: ein egoistisches profits&uuml;chtiges Individuum, das seinen Konsum maximieren will.&ldquo; Der in der Tradition der deutschen Sozial&ouml;konomik<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1134\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[141,201,132],"tags":[1823,989,317,424,291],"class_list":["post-1134","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-arbeitsmarkt-und-arbeitsmarktpolitik","category-ideologiekritik","category-ungleichheit-armut-reichtum","tag-fuehrer-christian","tag-kombilohn","tag-mindestlohn","tag-sinn-hans-werner","tag-verteilungsgerechtigkeit"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1134","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1134"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1134\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":31222,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1134\/revisions\/31222"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1134"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1134"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1134"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}