{"id":113420,"date":"2024-04-06T13:00:07","date_gmt":"2024-04-06T11:00:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=113420"},"modified":"2026-01-27T12:04:13","modified_gmt":"2026-01-27T11:04:13","slug":"zensur-wenn-wir-das-jetzt-nicht-benennen-wann-dann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=113420","title":{"rendered":"Zensur: \u201eWenn wir das jetzt nicht benennen \u2013 wann dann?\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Gibt es in Deutschland Zensur? Wenn ja: Wie sieht sie aus? Wie ist sie zu verstehen? Gibt es eine Zensur ohne Zensor? Dar&uuml;ber spricht der Kommunikationswissenschaftler <strong><a href=\"https:\/\/www.freie-medienakademie.de\/\">Michael Meyen<\/a><\/strong> im Interview mit den NachDenkSeiten. Meyen stellt fest: &bdquo;Genau wie Propaganda ist der Begriff Zensur systematisch entkernt worden. In Wissenschaft und politischer Bildung wird er nur noch verwendet, wenn es um Regierungsformen geht, die als &sbquo;totalit&auml;r&lsquo;, &sbquo;diktatorisch&lsquo; oder &sbquo;undemokratisch&lsquo; bezeichnet werden k&ouml;nnen.&ldquo; Mit anderen Worten: Wenn es keine Diktatur ist, kann es keine Zensur geben. Doch dieser Gedanke greift laut Meyen zu kurz. Das Interview f&uuml;hrte <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3426\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-113420-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240406-Zensur-benennen-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240406-Zensur-benennen-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240406-Zensur-benennen-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240406-Zensur-benennen-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=113420-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240406-Zensur-benennen-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"240406-Zensur-benennen-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Marcus Kl&ouml;ckner: Zensur ohne Zensor &ndash; wie geht das? <\/strong><\/p><p><strong>Michael Meyen:<\/strong> Die &Uuml;berschrift habe ich aus einem Buch &uuml;ber die DDR kopiert. Dort gab es ja weder ein Wahrheitsministerium noch eine Zensurbeh&ouml;rde. Die Medien waren trotzdem Sprachrohr der Partei und haben das unterst&uuml;tzt, was ganz oben gerade angesagt war. Es gab nat&uuml;rlich entsprechende Anweisungen, jeden Donnerstag f&uuml;r die wichtigsten Chefredakteure zum Beispiel und sonst auch per Telefon oder ganz direkt beim Mittagessen mit Erich Honecker. Gar nicht so wenige Meldungen hat der Parteichef sogar selbst geschrieben, manchmal zu ziemlich unwichtigen Dingen. Das allein ist es aber nicht. Zensur beginnt beim Medienbesitz und endet nicht bei der Auswahl und der Ausbildung von Journalisten. Die Ideologie, mit Vaclav Havel verstanden als Machtinterpretation der Wirklichkeit, steckte schon in den meisten Kinderb&uuml;chern.<\/p><p><strong>Und heute?<\/strong><\/p><p>So viel anders ist das gar nicht. Ich habe ja das Gl&uuml;ck, meinen Enkeln hin und wieder vorlesen zu d&uuml;rfen. Von da ist es gar nicht weit bis zu dem, was wir in der Universit&auml;t inzwischen machen. Themen wie Klima oder Identit&auml;tspolitik werden von der Hochschulleitung forciert. Baut das bitte in eure Veranstaltungen ein, macht vielleicht sogar etwas extra dazu. Selbst bei uns gibt es inzwischen Beauftragte zu all den Themen, die in der Machtinterpretation der Wirklichkeit einen zentralen Platz haben. <\/p><p><strong>Ich wollte mit Ihnen eigentlich &uuml;ber die Medien sprechen.<\/strong><\/p><p>Sorry, ja. &Uuml;ber die Besitzverh&auml;ltnisse m&uuml;ssen wir hier wahrscheinlich nicht reden. Die Familien, die 1945 in den Westzonen einen Verlag gr&uuml;nden durften, haben heute Milliardenverm&ouml;gen oder wenigstens dreistellige Millionensummen. Mohn, Springer, Bauer, Burda, Holtzbrinck. Wir k&ouml;nnten diese Liste leicht fortsetzen. Dann der &ouml;ffentlich-rechtliche Rundfunk. Fr&uuml;her h&auml;tte ich gesagt: Die Dr&auml;hte zu den Regierungen sind so fein gesponnen, dass man sie kaum erkennen kann. Jetzt wird eine Regierungssprecherin Intendantin.<\/p><p><strong>Ulrike Demmer beim <em>RBB<\/em>.<\/strong><\/p><p>Genau. Erst Merkel-Sprecherin und dann auf den Spuren von Ulrich Wilhelm, der 2010 auf dem gleichen Weg zum <em>Bayerischen Rundfunk<\/em> ging und in der Dreht&uuml;r Steffen Seibert traf, ein ZDF-Gesicht, inzwischen Botschafter in Israel. Die Politik hat das Konstrukt &ouml;ffentlich-rechtlich nie akzeptiert und die Anstalten immer als ihr Spielfeld gesehen. <\/p><p><strong>Manche sagen, es habe dort fr&uuml;her mehr Spielraum gegeben.<\/strong><\/p><p>Ich habe gerade noch einmal in der Autobiografie von Waldemar Hartmann gebl&auml;ttert &ndash; &bdquo;Dritte Halbzeit&ldquo;, erschienen 2013. Er hat ab 1976 die wichtigste Nachrichtensendung im <em>BR<\/em> moderiert. Im Buch wird die &bdquo;Standleitung&ldquo; ins Funkhaus beschrieben, die jeden Dienstag nach der Kabinettssitzung aktiviert worden ist. Hartmann sagt: wie bei den &bdquo;roten Genossen von dr&uuml;ben&ldquo;. Als er Anfang der 1990er-Jahre mit seiner Bezahlung unzufrieden war, bekam er sofort einen Termin bei Ministerpr&auml;sident Max Streibl &ndash; und &bdquo;haargenau&ldquo; den Vertrag, den er wollte. Die Landesregierung wusste genau, was ihr so ein Moderator wert ist. Darf ich noch ein Wort zu den Journalisten sagen?<\/p><p><strong>Bitte.<\/strong><\/p><p>Im &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunk sind zwei von drei Programm-Machern &bdquo;frei&ldquo; oder &bdquo;fest-frei&ldquo;. Das hei&szlig;t: Sie k&ouml;nnen nie sicher sein, dass es einen neuen Auftrag gibt oder einen Platz im n&auml;chsten Dienstplan. Das produziert Konformit&auml;t und einen Gleichklang, den manche Gleichschaltung nennen und sich dabei auch auf die Forschung berufen k&ouml;nnen &ndash; von Pegida &uuml;ber Corona und Klima bis zur Ukraine und zur AfD. Alle gro&szlig;en Studien zeigen, dass der Leitmedienjournalismus zum Lautsprecher der Regierungspolitik geworden ist. Was das mit der Rekrutierung f&uuml;r den Beruf zu tun hat, haben Sie in Ihrem Buch &bdquo;Sabotierte Wirklichkeit&ldquo; ja sch&ouml;n erkl&auml;rt.<\/p><p><strong>Sie meinen den Habitus der aufstiegsorientierten Mittelschicht, der die bewundert, die es nach ganz oben geschafft haben, und Herrschaftsverh&auml;ltnisse schon deshalb akzeptiert.<\/strong><\/p><p>Ja. In den Redaktionen dominieren Mittelschichtkinder mit Uni-Zeugnis, die gar nicht so selten &uuml;ber ihre Verh&auml;ltnisse leben und schon qua Herkunft oft wenig Kontakte und Erfahrungen im l&auml;ndlichen Raum oder in Arbeitervierteln haben. Dieses Sozialprofil pr&auml;gt den Blick auf die Wirklichkeit und den pers&ouml;nlichen Umgang. Politik, Wirtschaft und Kultur rekrutieren ihre Entscheider in den gleichen Milieus. Wenn man dann noch permanent miteinander zu tun hat, entsteht Verst&auml;ndnis und vielleicht sogar Sympathie. Es ist ja kein Zufall, dass die Themen und die Perspektiven der Menschen, die ihr Geld mit den H&auml;nden verdienen, aus den Leitmedien verschwunden sind. Und wor&uuml;ber nicht berichtet wird, das interessiert auch die Politik nicht. Parteien, die sich selbst als links beschreiben oder dort ihre Vergangenheit haben, streiten sich dann lieber &uuml;bers Gendern oder &uuml;ber CO2. Man kann da nur den Kopf sch&uuml;tteln, wenn man sieht, wie sehr die Ungerechtigkeit inzwischen zum Himmel schreit. <\/p><p><strong>Wir sind schon mittendrin in Ihrem Buch zum Thema Zensur. Sie haben sich das Ph&auml;nomen Zensur genauer angeschaut. Warum? <\/strong><\/p><p>Ich wollte verstehen, warum nur noch 40 Prozent der Deutschen das Gef&uuml;hl haben, ihre politische Meinung frei sagen zu k&ouml;nnen. Diese Allensbach-Umfrage von 2023 zeigt die Bruchlinien in diesem Land. Wer Abitur hat oder einen Hochschulabschluss und damit Aussicht auf einen Job in der Bewusstseinsindustrie oder in einer Beh&ouml;rde, der glaubt deutlich eher, in diesem Land &bdquo;frei reden&ldquo; zu k&ouml;nnen. Bei den Anh&auml;ngern der Gr&uuml;nen liegt dieser Wert bei 75 Prozent. Ich wollte wissen, wie diese Spaltung zu erkl&auml;ren ist. Auf der einen Seite Selbstbewusstsein oder Selbstgewissheit, die wir jetzt ja auch wieder bei den &bdquo;Demos gegen rechts&ldquo; gesehen haben, und auf der anderen Seite eine Mauer des Schweigens. Die Antwort l&auml;sst sich auf einen Dreisatz verdichten: Zensur, Propaganda, Digitalkonzernstaat.<\/p><p><strong>Hat die Wahrnehmung von Zensur nicht auch sehr viel damit zu tun, wie pr&auml;sent der einzelne B&uuml;rger seine Sicht in Medien und Politik widergespiegelt sieht? Sprich: Dass die Anh&auml;nger der Gr&uuml;nen zu 75 Prozent sagen, sie k&ouml;nnten frei reden, k&ouml;nnte auch daran liegen, dass ihre Sicht von Medien und Politik ausreichend abgebildet wird, oder? <\/strong><\/p><p>Keine Widerrede. Wir nutzen Leitmedien aus zwei Gr&uuml;nden. Wir wollen wissen, wer es geschafft hat, dort seine Interpretation der Wirklichkeit zu platzieren. Vor allem aber wollen wir wissen, was die anderen wissen. Wir unterstellen, dass Medien wirken, und nehmen erstmal an, dass alle genau das in ihr Weltbild &uuml;bernehmen, was dort pr&auml;sentiert wird. Wer in der <em>Tagesschau<\/em>, in der <em>S&uuml;ddeutschen<\/em> oder im <em>Spiegel<\/em> permanent vor allem seine eigene Sicht der Dinge findet, hat in der &Ouml;ffentlichkeit kein Problem, damit dann auch aufzutreten. Er muss keine Angst vor Isolation haben.<\/p><p><strong>In unserem Grundgesetz hei&szlig;t es: &bdquo;Eine Zensur findet nicht statt.&ldquo; Ein Kapitel Ihres Buches tr&auml;gt den Namen: &bdquo;Artikel 5 findet nicht statt.&ldquo; Wie ist das zu verstehen? <\/strong><\/p><p>Genau wie Propaganda ist der Begriff Zensur systematisch entkernt worden. In Wissenschaft und politischer Bildung wird er nur noch verwendet, wenn es um Regierungsformen geht, die als &bdquo;totalit&auml;r&ldquo;, &bdquo;diktatorisch&ldquo; oder &bdquo;undemokratisch&ldquo; bezeichnet werden k&ouml;nnen. Hitlerdeutschland, die Sowjetunion, Russland, China, Nordkorea, manchmal auch Ungarn. Durch diese Brille beschreibt das Grundgesetz die Wirklichkeit, solange es keine Zensurbeh&ouml;rde gibt und der Staat die Medienh&auml;user nicht selbst besitzt. Wenn jemand das Gegenteil behauptet und von Zensur spricht, kann man ihn so als Rechten abstempeln oder als Agenten einer Querfront und neuerdings sogar mit der Keule &bdquo;verfassungsschutzrelevante Delegitimierung des Staates&ldquo; drohen. Das passiert mir ja gerade in meinem Disziplinarverfahren. Dieses Framing erlaubt es, das Ph&auml;nomen Cancel Culture ins Reich der Fabel zu verweisen oder als perfide Finte der alten Eliten abzutun, die einfach nicht begreifen wollen, dass ihre Zeit vorbei ist und dass jetzt endlich auch die mitreden k&ouml;nnen, die fr&uuml;her keiner h&ouml;ren wollte.<\/p><p><strong>Sie sagen Cancel Culture, meinen aber Zensur.<\/strong><\/p><p>Genau. Cancel Culture ist mehr als ein Abend, der gestrichen werden muss, weil ein paar Leute f&uuml;rchten, an den Pranger gestellt zu werden. Cancel Culture ist ein Programm, das Deutungshoheit sichert und damit Macht. Im Buch sage ich nat&uuml;rlich etwas zu Warnhinweisen vor alten Filmen oder zu Buchh&auml;ndlern, die im Bestseller-Regal F&auml;cher freilassen, wenn ihnen Autoren nicht passen. Cancel Culture geht tiefer. Cancel Culture ist kein Zufall, der aus den Tiefen des Netzes kommt und hier einen &bdquo;Rechten&ldquo; trifft und dort einen Forscher auf Abwegen. Der Begriff Cancel Culture steht bei mir f&uuml;r eine Zensur, die nicht so hei&szlig;en darf, weil sonst das Grundgesetz einst&uuml;rzt wie ein Kartenhaus.<\/p><p><strong>W&uuml;rden Sie dem zustimmen: Viele B&uuml;rger sp&uuml;ren, dass es an verschiedenen Stellen Zensur gibt. Es f&auml;llt ihnen aber schwer, diese Zensur zu fassen. Am Ende steht dann der Verdacht, die Regierung ist der Zensor. K&ouml;nnen Sie die Form der Zensur, mit der wir es zu tun haben, verst&auml;ndlich erkl&auml;ren? <\/strong><\/p><p>Cancel Culture geht von den Leitmedien aus sowie von den Institutionen, die der Digitalkonzernstaat genau daf&uuml;r geschaffen hat. Nehmen Sie nur das, was der Staat, die Beh&ouml;rden und die Parteien heute in Propaganda investieren, oder all die Beauftragten, die auf ganz unterschiedlichen Verwaltungsebenen installiert worden sind, wahlweise zust&auml;ndig f&uuml;r Integration, Diskriminierung, Antisemitismus, Frauen, Klima und so weiter. Um ihre Existenz zu rechtfertigen, brauchen diese Menschen Leitmedienpr&auml;senz und ziehen so in Unternehmen oder Kultur und Bildung Imitationen nach sich. Das hei&szlig;t: Es steht ein ganzes Heer bereit, das nur darauf wartet, alles zu feiern, zu verurteilen oder zu verbannen, was ganz oben gefeiert, verurteilt oder verbannt wird. Die Schlagworte liefern die Zeitung oder die <em>Tagesschau<\/em>. Das erkl&auml;rt, warum ein Konzernchef wie Thomas Rabe Bertelsmann-Mitarbeitern &ouml;ffentlich raten kann, sich einen neuen Arbeitgeber zu suchen, wenn sie AfD w&auml;hlen.<\/p><p><strong>Haben Sie andere Beispiele? Wo und wie wird Zensur bei uns sichtbar?<\/strong><\/p><p>Die Idee zu dem Buch hatte ich Ende Oktober in M&uuml;nchen, bei einem Vortrag von Kayvan Soufi-Siavash &uuml;ber die Macht der Propaganda. Kayvan, den viele noch als Ken Jebsen kennen, musste kurz vor der Veranstaltung den Saal wechseln, weil der Vertrag einfach gek&uuml;ndigt worden war, ohne dass es irgendwelche Medienberichte gab. Ich habe mir dann angeschaut, was beim Start seiner Tour passiert ist, Ende August in Bensheim im Kolpingwerk. Es gab eine Medienlawine, die &uuml;ber <em>FAZ<\/em> und <em>Hessenschau<\/em> sogar die <em>Tagesschau<\/em> erreicht hat. Ein Vortrag in Bensheim, wie gesagt. Es gab Distanzierungen, eine Gegendemo, die gro&szlig; im Fernsehen lief, einen R&uuml;cktritt im Kolping-Vorstand und das Versprechen der Saalbetreiber, k&uuml;nftig besser aufzupassen. <\/p><p>In M&uuml;nchen wusste man also, was passieren w&uuml;rde. Die <em>S&uuml;ddeutsche Zeitung<\/em> hat inzwischen auch den Raum zerst&ouml;rt, in dem Kayvan damals reden konnte. Anfang M&auml;rz gab es eine Kampagne mit der Behauptung, dort habe sich ein &bdquo;bedeutender Vernetzungsort der rechten Szene&ldquo; entwickelt. Genannt wurden zum Beispiel auch die Basis-Partei oder die Initiative &bdquo;M&uuml;nchen steht auf&ldquo;. Wo diese Gruppen wirklich stehen, ist der Zeitung v&ouml;llig egal. Sie waren gegen die Corona-Politik und demonstrieren immer noch, Punkt. Jeder Lokalbetreiber wei&szlig; jetzt: Wenn ich mich mit denen einlasse, droht der soziale Tod. Die Journalisten haben sogar die Unternehmen angeschrieben, die den Raum in M&uuml;nchen sonst noch nutzen, und f&uuml;r Distanzierungen gesorgt. So werden bestimmte Sichtweisen systematisch aus der &Ouml;ffentlichkeit verdr&auml;ngt.<\/p><p><strong>Unterliegt das Reden &uuml;ber Zensur nicht schon selbst der Zensur? Jetzt w&uuml;rden einige sagen, die den Zensurbegriff f&uuml;r kategorisch falsch halten: Sie k&ouml;nnen doch hier &uuml;ber Zensur reden. Herr Professor Meyen darf sogar ein Buch zum Thema Zensur ver&ouml;ffentlichen. Allein diese beiden Tatsachen zeigen doch schon, wie falsch die Annahme in Ihrer Frage ist. Aber es ist komplizierter, oder? Was entgegnen Sie dem? <\/strong><\/p><p>Meine Stimme hat ja l&auml;ngst nicht mehr das Gewicht wie fr&uuml;her. <em>Der Spiegel<\/em> hat mich als &bdquo;Prof. Dr. Kokolores&ldquo; bezeichnet und die <em>S&uuml;ddeutsche Zeitung<\/em> sogar als &bdquo;Fall f&uuml;r den Verfassungsschutz&ldquo;. Das schreckt Veranstalter ab, mich einzuladen. Neulich hat mich ein Redakteur vom <em>Freitag<\/em> gebeten, etwas zum Thema Staatsn&auml;he und &ouml;ffentlich-rechtlicher Rundfunk zu schreiben. Der Artikel wurde dann nicht gedruckt, weil die Chefredaktion meinen Namen nicht im Blatt haben wollte. Also ja: Es ist kompliziert. Cancel Culture trifft die Person, meint aber die Position. Sie zielt auf alles, was fr&uuml;her am Gatekeeper Journalismus vorbeimusste, um von jedem gesehen werden zu k&ouml;nnen. Sachb&uuml;cher, Lesungen, Konzerte, Demos. Es geht um das, was die hegemonialen Narrative herausfordert und trotzdem durch die Fangnetze der Digitalzensur flutscht &ndash; weil es nicht im Internet spielt oder zu klein ist f&uuml;r die gro&szlig;en Dogmen. Wenn wir das jetzt nicht benennen &ndash; wann dann?<\/p><p><em>Lesetipp: Michael Meyen &ndash; Cancel Culture: Wie Propaganda und Zensur Demokratie und Gesellschaft zerst&ouml;ren. Taschenbuch, Verlag Hintergrund, 80 Seiten, 10,90 Euro, 18. M&auml;rz 2024. <\/em><\/p><p><small>Titelbild: TatMih \/ Shutterstock<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gibt es in Deutschland Zensur? Wenn ja: Wie sieht sie aus? Wie ist sie zu verstehen? Gibt es eine Zensur ohne Zensor? Dar&uuml;ber spricht der Kommunikationswissenschaftler <strong><a href=\"https:\/\/www.freie-medienakademie.de\/\">Michael Meyen<\/a><\/strong> im Interview mit den NachDenkSeiten. Meyen stellt fest: &bdquo;Genau wie Propaganda ist der Begriff Zensur systematisch entkernt worden. In Wissenschaft und politischer Bildung wird er nur<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=113420\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":105486,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,126,209,123,182,11],"tags":[313,3041,418,2669,3001,220],"class_list":["post-113420","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-erosion-der-demokratie","category-interviews","category-kampagnentarnworteneusprech","category-medienkonzentration-vermachtung-der-medien","category-strategien-der-meinungsmache","tag-oerr","tag-cancel-culture","tag-grundgesetz","tag-leitmedien","tag-meyen-michael","tag-zensur"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/shutterstock_2289868783.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/113420","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=113420"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/113420\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":113552,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/113420\/revisions\/113552"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/105486"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=113420"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=113420"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=113420"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}