{"id":1136,"date":"2006-05-15T11:04:24","date_gmt":"2006-05-15T09:04:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=1136"},"modified":"2016-02-10T13:11:11","modified_gmt":"2016-02-10T12:11:11","slug":"die-zeit-sponsored-by-bertelsmann-ein-lehrstuck-dafur-wie-das-centrum-fur-hochschulforschung-der-bertelsmann-stiftung-die-offentliche-meinung-beeinflusst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1136","title":{"rendered":"DIE ZEIT, sponsored by Bertelsmann &#8211; Ein Lehrst\u00fcck daf\u00fcr, wie das Centrum f\u00fcr Hochschulforschung der Bertelsmann Stiftung die \u00d6ffentliche Meinung beeinflusst."},"content":{"rendered":"<p>Als ich das Titelbild der ZEIT Nr. 19 vom 4. Mai las, traute ich meinen Augen nicht. Das liberale Vorzeigeblatt, das ganze Generationen von Studierenden auch wegen seiner Berichterstattung zur Bildungs- und Hochschulpolitik immer gerne gelesen haben, ist eine publizistische Partnerschaft mit dem <a href=\"http:\/\/www.che.de\/\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.che.de\/\">&ldquo;Centrum f&uuml;r Hochschulentwicklung&rdquo;<\/a> eingegangen. Auf dem Titelbild prangt gro&szlig; das Logo des CHE, die Werbeanzeige ist untertitelt mit &ldquo;Der ZEIT-Studienf&uuml;hrer mit dem gr&ouml;&szlig;ten deutschen Uni-Ranking vom Centrum f&uuml;r Hochschulentwicklung (CHE)&rdquo;.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>DIE ZEIT, sponsored by Bertelsmann<\/strong><\/p><p>Von J&uuml;rgen Amrhein<\/p><p>Sicherlich glauben noch sehr viele ihrer Leser und Leserinnen an die Pluralit&auml;t des alten liberalen Schlachtschiffes, das sich einst als Motor der Bildungsreform und als offene Plattform des bildungspolitischen Diskurses verstand. Diese Zeiten sind offenbar Vergangenheit.<br>\nDie ZEIT hat sich in Fragen der Hochschulpolitik zum Sprachrohr der Bertelsmann Stiftung gemacht und bietet sich als k&auml;ufliche Werbefl&auml;che f&uuml;r das CHE an.<br>\nDas CHE, das nicht nur die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) zu seinem Kooperationspartner gemacht hat, sondern sich auch zum <a href=\"?p=115\">Weisungsgeber f&uuml;r Bildungsministerien und Parlamenten aufgeschwungen hat<\/a>, hat nun auch noch eines der wichtigsten Medien des Bildungsb&uuml;rgertums als Publikationsorgan gewonnen.<\/p><p>Nicht nur im ZEIT-Studienf&uuml;hrer, sondern auch im redaktionellen Teil der ZEIT Nr. 19 wird &ndash; unter ZEIT CHANCEN &ndash; ausgiebig &uuml;ber die Ergebnisse des CHE-Rankings berichtet &ndash; nicht ohne f&uuml;r einen kritischen Journalismus geradezu peinliche Schmeicheleien f&uuml;r den Sponsor. <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2006\/19\/C-Ranking\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.zeit.de\/2006\/19\/C-Ranking\">Da hei&szlig;t es u.a.<\/a>:<\/p><blockquote><p>Das Lob stammt aus bestem Hause. Das deutsche Ranking sei &raquo;nicht weniger als brillant&laquo;, befindet das Educational Policy Institute, eine angesehene Denkfabrik in Toronto und Virginia Beach. (&hellip;) Schon im Vorjahr hatte die Vereinigung Europ&auml;ischer Hochschulen in einer Studie festgestellt: &raquo;Das vom CHE benutzte System zur Bewertung von Hochschulen ist vermutlich das beste verf&uuml;gbare Modell in der Welt der Hochschulbildung (&hellip;).<\/p><\/blockquote><p>Eine Lobhudelei folgt der anderen. Kein Wort aber zum CHE selbst, seinen Zielen und seinen Geldgebern! Mit einem Klick auf <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Centrum_f%C3%BCr_Hochschulentwicklung\" title=\"Externer Link zu http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Centrum_f%C3%BCr_Hochschulentwicklung\">Wikipedia<\/a> kann man erfahren, dass das CHE eine Art &ldquo;Public Private Partnership&rdquo; zwischen der <a href=\"http:\/\/www.hrk.de\/de\/home\/home.php\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.hrk.de\/de\/home\/home.php\">Hochschulrektorenkonferenz<\/a> und der <a href=\"http:\/\/www.bertelsmann-stiftung.de\/cps\/rde\/xchg\/bst\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.bertelsmann-stiftung.de\/cps\/rde\/xchg\/bst\">Bertelsmannstiftung<\/a> ist, und dass das Institut zu 75% von dieser Stiftung finanziert wird. Das CHE tritt ein f&uuml;r eine Umgestaltung der Universit&auml;ten hin zu mehr Wettbewerb, betriebswirtschaftliche Effizienz und unternehmerische Strukturen, f&uuml;r eine Auswahl der Studierenden durch die Hochschule selbst, f&uuml;r Studiengeb&uuml;hren und f&uuml;r die Ausrichtung des <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/r4\/artikel\/20\/20558\/1.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.heise.de\/tp\/r4\/artikel\/20\/20558\/1.html\">Studiums auf die Bed&uuml;rfnisse der Wirtschaft<\/a>.<\/p><p>(Zur Funktion von <a href=\"?p=396\">Bertelsmann-Hochschulrankings<\/a>)<\/p><p>Auch das ZEIT DOSSIER ist in der Ausgabe Nr. 19 der Hochschulpolitik gewidmet, sicher in nicht zuf&auml;lliger Koinzidenz mit dem aktuellen CHE-Hochschulranking. Der Autor Adam Soboczynski &uuml;bertitelt seinen Beitrag (nicht online) mit &ldquo;Humboldt, adieu!&rdquo;, Untertitel: &ldquo;Alle deutschen Gro&szlig;reformen stagnieren? Eine nicht &ndash; die deutsche Universit&auml;t wird radikal umgebaut. Effizienz ist das Ziel. In Bonn wie &uuml;berall im Land.&rdquo; Der Titel macht bereits klar, in welche (neoliberale) Reformrichtung der der Artikel propagiert.<\/p><p>Die Einvernahme der ZEIT auf die hochschulpolitische Linie des CHE wird so richtig deutlich, wenn man einen Blick auf die aktuelle Situation an den Hochschulen wirft. &Uuml;ber die landesweiten massiven <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/unispiegel\/studium\/0,1518,415701,00.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.spiegel.de\/unispiegel\/studium\/0,1518,415701,00.html\">Studentenproteste<\/a> der letzten Tage und Wochen gegen die Einf&uuml;hrung von Studiengeb&uuml;hren berichtet die ZEIT Nr. 19 mit keinem Wort. Die ZEIT h&auml;tte in den Interviewk&auml;stchen auf S.83f vielleicht ja auch einen AStA-Sprecher oder zumindest einen aus der &uuml;berwiegenden Mehrheit der Studierenden, die Studiengeb&uuml;hren nach wie vor ablehnen, interviewen k&ouml;nnen, statt ziemlich unerfahrene und naive Abiturienten und Studierende, die auf den Portr&auml;tphotos bemerkenswert viel nackte Haut zeigen (!) und S&auml;tze formulieren, die auch frisch aus der Druckpresse der Reformpropaganda-Werkst&auml;tten stammen k&ouml;nnten.<br>\nIm begleitenden Artikel <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2006\/19\/C-Chancen\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.zeit.de\/2006\/19\/C-Chancen\">&ldquo;&Auml;ngstliche Gewinner&rdquo;<\/a> von Jan-Martin Wiarda werden die Studenten und Studentinnen im &Uuml;brigen als die kommenden Nutznie&szlig;er der sich wandelnden Wirtschaft vorgestellt, selten seien die Berufschancen f&uuml;r angehende Akademiker so gut wie heute &hellip; Hier eine kleine Bl&uuml;tenlese aus den Zitaten (ZEIT Nr. 19, S. 83f, ohne Link), die deutlich machen, wie angepasst die Musterkinder ihre Studienpl&auml;ne auf die Bed&uuml;rfnisse ihrer k&uuml;nftigen Arbeitgeber und an ihren (ziemlich naiven) Karriereerwartungen ausrichten und wie kritiklos sie, die &uuml;berwiegend aus dem gehobenen B&uuml;rgertum stammen, die schwierige wirtschaftliche und berufliche Situation von Studierenden und jungen Akademikern sch&ouml;nreden:<\/p><p>Carolin B&ouml;cking, 19 Jahre Abiturientin:<\/p><blockquote><p>Ich bin jemand, der alles organisiert. Mein Berufsziel stand schon fr&uuml;h fest. Managerin. (&hellip;) Jetzt bewerbe ich mich an der Europ&auml;ischen Fachhochschule in Br&uuml;hl, um Industriemanagement zu studieren. Mir gef&auml;llt, dass Theorie und Praxis verbunden werden (&hellip;). Die Studiengeb&uuml;hren sind zwar hoch &ndash; 630 Euro im Monat -, aber wenn ich diese Praxis habe, komme ich in eine h&ouml;here Liga. (&hellip;) Das Studium habe ich mir schon nach Arbeitsmarktfaktoren ausgesucht. Ich kann hart arbeiten, m&ouml;chte etwas erreichen. (&hellip;) mein Vater ist selbst&auml;ndig. Er hat ein Planungsb&uuml;ro f&uuml;r Haustechnik. (&hellip;)<\/p><\/blockquote><p>Sebastian Franke, 24, Student mit zwei Hauptf&auml;chern, VWL und Politik:<\/p><blockquote><p>(&hellip;) Vielleicht ist es wirklich nicht sinnvoll, nur eine &ndash; vielleicht brotlose &ndash; Geisteswissenschaft zu studieren. (&hellip;) Danach war klar: Ich m&ouml;chte gerne in die Politikberatung. (&hellip;) Ich denke, wenn ich in einem Praktikum Leistung zeige, korrekt auftrete, dann habe ich auch gute Aussichten. (&hellip;) Mein Vater arbeitet bei einer Bankgesellschaft und kennt viele Gesichter in der deutschen Wirtschaft. (&hellip;)<\/p><\/blockquote><p>Nadia Kleimaier, Volont&auml;rin bei einem privaten Fernsehsender:<\/p><blockquote><p> (&hellip;) Beim n&auml;chsten Fernsehpraktikum bekam ich immerhin 250 Euro pro Monat. Aber davon kann man nicht leben. Ich hatte noch Geld angespart &ndash; w&auml;hrend des Studiums hatte ich einen Nebenjob in der Buchhaltung, dort habe ich mit meinen 16 Stunden pro Woche viel besser verdient als in den Praktika. Meine Eltern haben mich so gut unterst&uuml;tzt, so gut es eben ging. Nach etlichen Bewerbungen bekam ich ein Volontariat, eineinhalb Jahre nach meinem Abschluss. Vielleicht, weil ich so viel gemacht habe. Vielleicht hatte ich einfach nur Gl&uuml;ck. Egal, ich bin supergl&uuml;cklich &ndash; weil mir endlich jemand eine Chance gibt.<\/p><\/blockquote><p>David Biere, 22, Wirtschaftsingenieurwesen:<\/p><blockquote><p>Ein Wirtschaftsingenieurstudium verbindet Technik und Wirtschaft &ndash; genau das Richtige f&uuml;r mich, dachte ich mir. (&hellip;) Wirtschaftsingenieure werden dringend gesucht. Deshalb mache ich mir auch keine Gedanken, ob ich einen Job bekomme, sondern nur, welchen. (&hellip;) Wenn ich in Deutschland nichts oder nur einen schlechten Job finde, gehe ich ins Ausland. Das n&auml;chste Jahr werde ich in Tel Aviv verbringen. (&hellip;) Ich werde die Business School Recanati der Tel Aviv University besuchen, die hat einen guten Ruf. (&hellip;) Wir brauchen sehr gut ausgebildete Leute. Bildung ist unser Kapital.<\/p><\/blockquote><p>Bemerkenswert: Die Interviewten geben alle in ihren Aussagen beil&auml;ufig zu erkennen, dass sie nicht auf staatliche Unterst&uuml;tzung angewiesen sind, um als Student oder Praktikant existieren zu k&ouml;nnen. Die Eltern richten es schon. Na denn, weiterhin viel Gl&uuml;ck auf der Karriereleiter zur Managerin, zum Politikberater, zum Fernsehjournalisten oder zum international agierenden Wirtschaftsingenieur, hoffentlich gibt es nicht ein schlimmes Erwachen in der beruflichen Wirklichkeit &ndash; m&ouml;chte man diesen Hoffnungstr&auml;gern zurufen.<\/p><p>(&Uuml;brigens: Das CHE, das so nebenbei den Banken zu einem neuen <a href=\"http:\/\/bildung.focus.msn.de\/bildung\/bildung\/studienkredite\" title=\"Externer Link zu http:\/\/bildung.focus.msn.de\/bildung\/bildung\/studienkredite\">Kreditklientel<\/a> verhilft, hat in Zusammenarbeit mit <a href=\"http:\/\/www.capital.de\/\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.capital.de\/\">Capital<\/a> jetzt auch einen <a href=\"http:\/\/www.che.de\/cms\/?getObject=5&amp;getName=News+vom+10.05.2006&amp;getNewsID=496&amp;getCB=212&amp;getLang=de\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.che.de\/cms\/?getObject=5&amp;getName=News+vom+10.05.2006&amp;getNewsID=496&amp;getCB=212&amp;getLang=de\">&ldquo;CHE-Studienkredit-Test&rdquo;<\/a> erstellt! So w&auml;scht eine Hand die andere: Zuerst setzt man die Studiengeb&uuml;hren politisch durch, dann wirbt man f&uuml;r die Kreditangebote der Finanzinstitute.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als ich das Titelbild der ZEIT Nr. 19 vom 4. Mai las, traute ich meinen Augen nicht. Das liberale Vorzeigeblatt, das ganze Generationen von Studierenden auch wegen seiner Berichterstattung zur Bildungs- und Hochschulpolitik immer gerne gelesen haben, ist eine publizistische Partnerschaft mit dem <a href=\"http:\/\/www.che.de\/\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.che.de\/\">&ldquo;Centrum f&uuml;r Hochschulentwicklung&rdquo;<\/a> eingegangen. Auf dem Titelbild<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1136\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[17,129,182],"tags":[282,232,231,234,457],"class_list":["post-1136","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-hochschulen-und-wissenschaft","category-lobbyorganisationen-und-interessengebundene-wissenschaft","category-medienkonzentration-vermachtung-der-medien","tag-buergerproteste","tag-bertelsmann","tag-che","tag-studiengebuehren","tag-zeit"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1136","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1136"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1136\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":31051,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1136\/revisions\/31051"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1136"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1136"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1136"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}