{"id":1137,"date":"2006-05-23T11:32:00","date_gmt":"2006-05-23T09:32:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=1137"},"modified":"2016-02-09T10:49:02","modified_gmt":"2016-02-09T09:49:02","slug":"bild-kneift-vor-blum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1137","title":{"rendered":"BILD kneift vor Bl\u00fcm"},"content":{"rendered":"<p>Norbert Bl&uuml;m hat die Bild-Zeitung zu einem &ouml;ffentlichen Disput &uuml;ber die Rente und die Kampagne von Bild gegen die gesetzliche Rente aufgefordert. Seit Wochen. Der Chefredakteur der Bild-Zeitung Kai Diekmann jedoch kneift. Norbert Bl&uuml;m hat uns seinen abschlie&szlig;enden Brief zur Verf&uuml;gung gestellt. Dieser eignet sich trotz des ernsten Gegenstandes auch zum erheiternden Vorlesen bei entsprechenden Gelegenheiten. Machen Sie Bildzeitungsleser damit bekannt. Danke.<br>\n<!--more--><br>\nHerrn Chefredakteur<br>\nKai Diekmann<br>\nBILD-Zeitung<br>\nAxel-Springer-Platz 1<\/p><p>20350 Hamburg<br>\nFax: 040 \/ 347 &ndash; 22134<\/p><p>Lieber Herr Diekmann,<\/p><p>vor Wochen habe ich Sie zu einem &ouml;ffentlichen Disput &uuml;ber &bdquo;BILD und die Rente&ldquo; aufgefordert. Dass ich auf eine Antwort von einem so wichtigen Mann, wie Sie es sind, Herr Diekmann, so lange warten musste, daf&uuml;r habe ich Verst&auml;ndnis. <\/p><p>Vom Papst zu Bush eilend, zwischendurch auch noch daf&uuml;r zu sorgen, dass Sex und Porno in BILD ausreichend untergebracht werden und nebenbei noch &auml;lteren Staatsm&auml;nnern auf dem Scho&szlig; sitzen, ist selbst f&uuml;r einen so talentierten Chefredakteur, wie Sie es sind, viel Arbeit.<\/p><p>Hinzu kommt noch der Zeitaufwand f&uuml;r eine Rentenkampagne, wie BILD sie losgetreten hat. Das ist schlie&szlig;lich kein Pappenstiel. Manipulation von Statistiken und Diffamierungen sind nicht mit leichter Hand zu machen. Einfache Interviews werden dann von BILD als &bdquo;Verh&ouml;r&ldquo; angeboten, um in der Staffage der Kriminalisierung von Verteidigern des Rentensystems auch nichts auszulassen. Das alles und noch mehr muss schlie&szlig;lich strategisch geplant und organisiert werden. Auch die Wissenschaftler, die Sie zu Zeugen aufrufen, sind nicht nur viel Geld wert, sondern m&uuml;ssen auch noch betreut werden. Ihr statistisches Material wird von einem Institut geliefert, das der Deutschen Bank nahe steht. Es strotzt aus allen BILD-Zeilen ein willf&auml;hriger Lobbyismus.<\/p><p>Die Strafanzeige gegen die sog. &bdquo;Rentenl&uuml;ge&ldquo; war zwar eine Farce, aber sie hat auch Zeit gekostet. Und auf die angedrohte Sammelklage warte ich heute noch. Macht nichts. Mit Klamauk kann man auch Blamagen &uuml;berspielen. Und dass Sie von der Staats-anwaltschaft eine klassische Abfuhr erleiden mussten, war eben eine saftige Blamage; zumal BILD doch so viel teuren &bdquo;Sachverstand&ldquo; zur Begr&uuml;ndung der Klage investiert hatte. Die Niederlage zu einem Sieg umzufunktionieren, ist ein alter Trick von Leuten, die nicht zugeben k&ouml;nnen, dass sie verloren haben.<\/p><p>Die &bdquo;hammerharte Kritik&ldquo; des Staatsanwalts an der Rentenpolitik habe ich im Ablehnungsbescheid nicht gelesen. Vielleicht hat Sie der Hammer der Abweisung so hart getroffen, dass bei Ihnen offenbar einiges durcheinander geraten ist. Das kann schon passieren.<\/p><p>Der H&ouml;hepunkt Ihrer Panikmache war allerdings ein Modell, mit dem Sie die &bdquo;Schrumpf-rente&ldquo; ausrechneten. 30 Jahre sollen demnach die Preise Jahr f&uuml;r Jahr um 2 Prozent steigen, w&auml;hrend die L&ouml;hne in der gleichen Zeit nur um 1 Prozent erh&ouml;ht werden. Wenn dies gesch&auml;he, lieber Herr Diekmann, dann w&auml;re nicht nur die Rentenversicherung gef&auml;hrdet, sondern die BILD-Zeitung wahrscheinlich bankrott. Einen solchen Absturz des Lebensstandards w&uuml;rde sogar noch nicht einmal die Privatversicherung, f&uuml;r die Sie Propaganda machen, &uuml;berleben. Ihr gingen die Beitragszahler aus. Von den geschrumpften Reall&ouml;hnen k&ouml;nnte dann auch kein Geld f&uuml;r Privatvorsorge abgezweigt werden, zumal die Privatversicherung bekanntlich inflations-anf&auml;lliger ist als die Rentenversicherung. Im blinden Eifer rechnen Sie sich um Kopf und Kragen.<\/p><p>Bei Ihrer wenige Tage sp&auml;ter folgenden Anzeige: &bdquo;So sparen Sie f&uuml;r Ihre Zusatzrente&ldquo; lassen Sie die Geldentwertung f&uuml;r die Privatversicherung einfach weg. &bdquo;Augen zu&ldquo;.<\/p><p>So spielen kleine Kinder Blindekuh. Hauptsache, die BILD-Rechnung stimmt.<br>\nScheinbar existieren gesetzliche und private Renten in der Welt der BILD-Zeitung auf verschiedenen Sternen, zumindest in unterschiedlichen Volkswirtschaften.<br>\nDie Manipulation ist zu plump, um nicht aufzufallen.<\/p><p>Meine Aufforderung zu einem &ouml;ffentlichen Disput verschieben Sie auf die Zeit, in der Sie 67 oder 70 oder 75 Jahre alt sind; (&bdquo;das dann g&uuml;ltige Eintrittsalter&ldquo;). Als Begr&uuml;ndung geben Sie an: &bdquo;Weil ich derzeit Dank Ihres Wirkens noch viel f&uuml;r meine private Altersversicherung arbeiten muss&ldquo;.<\/p><p>Darf ich Sie fragen, wie hoch die L&uuml;cke ist, die durch mein Wirken in Ihrer Renten-anwartschaft geschlagen wurde und wie gro&szlig; das Zubrot ist, mit dem Sie durch Ihre Arbeit f&uuml;r BILD diesen Verlust kompensieren m&uuml;ssen?<\/p><p>Im &uuml;brigen habe ich doch immer bei BILD gelesen, ich h&auml;tte zu wenig reformiert und zu wenig gespart. Jetzt habe ich offenbar in Ihrem Fall zu viel eingegriffen und gespart. Zu viel oder zu wenig? Beides zu behaupten, l&auml;sst auf Verwirrung schlie&szlig;en.<\/p><p>Lassen Sie, Herr Diekmann, die albernen M&auml;tzchen beiseite. <\/p><p>Sie haben die Hosen gestrichen voll, dass in dem von mir vorgeschlagenen Disput die Machenschaften der BILD-Zeitung offenbart werden. Das ist der Grund f&uuml;r Ihre Absage. Schon der Monitor-Redaktion sind Sie davongelaufen, als diese Ihnen unbequeme Fragen stellen wollte. Sie sind ein Feigling!<\/p><p>Der langen Rede kurzer Sinn: Die BILD-Renten-Diskussion hat nur einen Zweck: Die Rentenversicherung soll madig gemacht werden, damit das Geld in den Kassen der Privatversicherung klingelt. Das ist gut f&uuml;r das Gesch&auml;ft der Allianz, mit der Sie in der Aktion &bdquo;Volksrente&ldquo; zusammen in einem Bett liegen. <\/p><p>Die BILD-Zeitung entwickelt sich leider zur Zeitung des &bdquo;Gro&szlig;en Geldes&ldquo;, auch wenn Sie sich scheinheilig das Aussehen gibt, Sprachrohr des &bdquo;Kleinen Mannes&ldquo; zu sein. <\/p><p>Die Kluft zwischen Schein und Sein h&auml;lt jedoch auf Dauer niemand aus. Das ist Ihr Problem, Herr Diekmann.<\/p><p>Wie immer mit besonders freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<\/p><p>Ihr<br>\nNorbert Bl&uuml;m.<\/p><p>P.S.:<br>\nIch werde diesen Brief nicht geheim halten, denn der Pranger, an den Sie mich gestellt hatten, stand auch nicht im Privatissimum.\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Norbert Bl&uuml;m hat die Bild-Zeitung zu einem &ouml;ffentlichen Disput &uuml;ber die Rente und die Kampagne von Bild gegen die gesetzliche Rente aufgefordert. Seit Wochen. Der Chefredakteur der Bild-Zeitung Kai Diekmann jedoch kneift. 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