{"id":11378,"date":"2011-11-22T09:23:55","date_gmt":"2011-11-22T08:23:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11378"},"modified":"2019-10-28T16:05:01","modified_gmt":"2019-10-28T15:05:01","slug":"manipulieren-diffamieren-kriminalisieren-fur-s-21-ist-jedes-mittel-recht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11378","title":{"rendered":"Manipulieren, diffamieren, kriminalisieren \u2013 F\u00fcr S 21 ist jedes Mittel recht"},"content":{"rendered":"<p>Sie m&uuml;ssen schlechte Argumente und gro&szlig;e Angst vor einer Niederlage haben: Die Bef&uuml;rworter der Verlegung des Stuttgarter Bahnhofs unter die Erde ziehen alle Register. Mit Schadenersatzforderungen und Horrorszenarien f&uuml;r den Raum Stuttgart versuchen sie Furcht zu verbreiten. Mit Angst, Schrecken und verleumderischer Propaganda sollen die Menschen davon abgehalten werden, bei der Volksabstimmung am 27. November mit Ja zu stimmen. Hermann Zoller<br>\n<!--more--><br>\nSie lassen nichts aus, was es so im Werkzeugkasten der Demagogie gibt. Schon die erste Plakatserie <a href=\"\/?p=10970\">diskriminierte die Kopfbahnhoffreunde<\/a> . Die neuen Plakate sind ein herber Schlag in die Magengrube eines jeden Demokraten. Die Werbemasche eines gr&ouml;&szlig;eren Kaufhauses abkupfernd schlagzeilen die Verfechter des R&ouml;hren-Bahnhofs mit einer Blondine mit leuchtend blauen Augen &bdquo;Milliardenstrafe beim Ausstieg? &ndash; Wir sind doch nicht bl&ouml;d!&ldquo; und ein fr&ouml;hliches Schulm&auml;dchen erkl&auml;rt &bdquo;Zukunft geht vorw&auml;rts. Nicht r&uuml;ckw&auml;rts! &ndash; Meine Eltern sind doch nicht bl&ouml;d&ldquo; und ein emp&ouml;rter Opa setzt den Finger an den Kopf und fragt &bdquo;Randale statt Demokratie? Wir sind doch nicht bl&ouml;d!&ldquo;<\/p><p>Mit anderen Worten: Das Demonstrationsrecht der B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger hat nichts mit Demokratie zu tun, das ist &bdquo;Randale&ldquo;; und all jene, die S 21 ablehnen sind bl&ouml;d. In der politischen Auseinandersetzung geht es manchmal ruppig zu, aber es sollte unter Demokraten Grenzen geben. Die Auftraggeber dieser Propaganda f&uuml;r S 21 haben diese &uuml;berschritten. Sie demaskieren sich damit selbst: sie wollen nicht die Auseinandersetzung mit Fakten, sondern mit billiger Stimmungsmache ihr Projekt durchboxen &ndash; koste es was es wolle, auch zu dem Preis, dass dabei die Demokratie Schaden nimmt. Sie belegen damit, dass sie eigentlich gar keine B&uuml;rgerbeteiligung wollen. Mit ihren Plakaten und ihrer unehrlichen Argumentation wollen sie nicht nur ihren unterirdischen Bahnhof durchsetzen, sondern schlussendlich vor allem den B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rgern die Lust nehmen, sich je wieder f&uuml;r etwas zu engagieren. Zwar reden alle von B&uuml;rgerbeteiligung, am liebsten w&auml;re aber vielen, wenn die B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger erkennen w&uuml;rden, dass ihr ganzes Mitreden eigentlich umsonst ist, weil es eh nichts bringt.<\/p><p>Wenn man sich diese Plakate anschaut und gegen&uuml;berstellt die Arbeit, die Tausende von Menschen, investiert haben, um sich durch die Details der Bahnplanungen zu arbeiten, sogar neue Entw&uuml;rfe auszuarbeiten, dann ist ein Slogan &bdquo;Wir sind doch nicht bl&ouml;d!&ldquo; nicht nur unangemessen, er ist eine Frechheit.<\/p><p>Das ist zwar eine andere Variante, aber dieselbe Melodie: Wenn Bahnchef Grube im Interview mit der Stuttgarter Zeitung (2. November 2011) jammert: &bdquo;Ich bin k&uuml;rzlich vom Emir von Katar konkret gefragt worden, ob es hier noch Planungs- und Investitionssicherheit gebe &ndash; wegen des Streits um Stuttgart 21. Und ein chinesischer Unternehmer hat mir gesagt, er habe wegen Stuttgart 21 vorerst von einer Investition in Deutschland Abstand genommen&ldquo;, dann will er damit Angst verbreiten, der Standort Deutschland sei in Gefahr, Arbeitspl&auml;tze bedroht. In Wirklichkeit wendet Grube hier nur das Konzept an: Angst und Schrecken verbreiten. &bdquo;Wenn wir nicht mal den Mut haben, solch ein Infrastrukturprojekt anzupacken, dann k&ouml;nnen wir einpacken!&ldquo; legte Grube als Redner auf dem 10. fischer forum Waldachtal nach &ndash; um dann in aller Bescheidenheit einige S&auml;tze sp&auml;ter scheinheilig zu beteuern. &bdquo;Menschlicher Respekt ist mir sehr wichtig!&ldquo;<\/p><p>Und so geht das weiter: Grube behauptet, die Neubautrasse Ulm &ndash; Wendlingen werde es ohne Stuttgart 21 &bdquo;definitiv&ldquo; nicht geben. Richtig dagegen ist, dass es keine zwingende Verbindung zwischen dieser Strecke und der Vergrabung des Stuttgarter Bahnhofs gibt. Man kann allerdings bezweifeln, dass die Neubautrasse Ulm &ndash; Wendlingen die Bedeutung hat, die die Bahn ihr bisher zugeschrieben hat. Nebenbei: &uuml;ber das, was gebaut wird, entscheidet nicht Herr Grube, sondern der Deutsche Bundestag.<\/p><p>Als schweres Gesch&uuml;tz wird auch Bundesverkehrsminister Ramsauer aufgefahren und der schl&auml;gt (Stuttgarter Zeitung, 12. November 2011) bayerisch-deftig zu: &bdquo;Ausstieg w&auml;re ein Horrorszenario f&uuml;r Stuttgart.&ldquo; Und dieselben M&auml;rchen: f&uuml;r 930 Millionen Euro bek&auml;me Stuttgart einen hochmodernen Bahnhof &ndash; als ob die vielen Milliarden Euro nicht von den B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rgern aufgebracht werden m&uuml;ssten, sondern von einem reichen Onkel von &Uuml;bersee. Und auch Ramsauer w&auml;rmt die f&uuml;r viele Schwaben erschreckende Vorstellung auf, wenn Stuttgart einen so sch&ouml;nen Bahnhof nicht wolle, dann m&uuml;sse das Land halt 1,5 Milliarden Ausstiegskosten zahlen und bekomme daf&uuml;r &bdquo;gar nichts&ldquo;. Immherhin w&uuml;rden rund f&uuml;nf Milliarden gespart und Stuttgart behielte einen Bahnhof, der &ndash; obwohl ihn die Bahn schon ein Jahrzehnt lang hat verkommen lassen &ndash; noch immer gut funktioniert und f&uuml;r rund zwei Milliarden top saniert werden k&ouml;nnte. Hierbei bliebe den Hunderttausenden von Pendlern 15 Jahre Behinderungen im Bahnverkehr erspart, besser noch: Renovierung des Kopfbahnhofs und der Ausbau einiger Strecken w&uuml;rden schon sehr schnell zur sp&uuml;rbaren Verbesserungen f&uuml;hren.<\/p><p>Statt Alternativen zu pr&uuml;fen geht die Horrorpropaganda weiter: In der Riege der Angstmacher wollen Oberb&uuml;rgermeister Wolfgang Schuster, Regionalpr&auml;sident Thomas Bopp und Regionaldirektorin Jeannette Wopperer (alle CDU) nicht fehlen. In einem Brief an Ministerpr&auml;sident Kretschmann stellen sie f&uuml;r sich fest: &bdquo;Ein Ausstieg aus dem Projekt bedeutet daher einen Vertragsbruch, der von uns nicht mitgetragen und unterst&uuml;tzt wird.&ldquo; Und dann die Drohung: &bdquo;Auch auf eigene Schadenersatzanspr&uuml;che werden wir nicht verzichten.&ldquo; Stuttgarter Zeitung, 19. November 2011.<\/p><p>Interessant daran ist auch, dass die Politiker, die nichts getan haben, um die Kalkulationen und Planungen f&uuml;r S 21 zu durchleuchten und den B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rgern durchschaubar vorzulegen, die bis heute mit gezinkten Karten spielen und gerade jetzt kurz vor der Abstimmung mit ihren Schadenersatzanspr&uuml;chen an die &Ouml;ffentlichkeit gehen &ndash; nat&uuml;rlich um Angst und Schrecken zu verbreiten. <\/p><p>Der Stuttgarter Stadtrat Hannes Rockenbauch hat in einem Brief an den Stuttgarter OB einiges zurechtger&uuml;ckt:<\/p><blockquote><p><em>Lieber Wolfgang Schuster,<br>\nzehn Tage vor der Volksabstimmung k&uuml;ndigen Sie an, dass Sie das Land auf Schadensersatz verklagen werden, wenn es aus Stuttgart 21 aussteigt. Ist das Ihr Verst&auml;ndnis von Demokratie? Und welchen Schaden meinen Sie?<br>\nNicht nur das Land spart mit dem Ausstieg Geld &ndash; 930 Millionen Euro -, sondern auch unsere Stadt. Wir w&uuml;rden nicht nur unseren eigenen Finanzierungsanteil von 240 Millionen Euro einsparen. Nein, die Bahn AG m&uuml;sste uns 750 Millionen Euro &uuml;berweisen &ndash; Steuergelder, die Sie vor zehn Jahren leichtfertig f&uuml;r den Kauf des Gleisvorfeldes unseres Hauptbahnhofs ausgegeben haben. Ausgegeben f&uuml;r ein Gel&auml;nde, das fr&uuml;hestens 2025 bebaut werden kann, falls Stuttgart 21 &uuml;berhaupt realisiert wird. Mit diesen 750 Millionen Euro k&ouml;nnten wir auf einen Schlag zum Beispiel alle Schulen und Kinderg&auml;rten in Stuttgart sanieren, also das nachholen, was Sie seit vielen Jahren str&auml;flich vernachl&auml;ssigt haben.<br>\nIm Jahr 2000, lieber Herr Schuster, hat der damalige Bahn-Chef Hartmut Mehdorn eigene Kosten f&uuml;r Stuttgart 21 auf die Stadt Stuttgart und das Land abgew&auml;lzt. Sie selbst haben dies in einer Vorlage best&auml;tigt, welche die Monatszeitung &ldquo;Einundzwanzig&rdquo; nun ver&ouml;ffentlich hat. In der Vorlage schreiben Sie in dankenswerter Offenheit, dass die Bundesregierung und die Deutsche Bahn AG die Entscheidung &uuml;ber Stuttgart 21 davon abh&auml;ngig machten, &ldquo;ein positives betriebswirtschaftliches Ergebnis abzusichern, indem die Risiken der Grundst&uuml;ckserl&ouml;se sowie aus Verfahrens- und Baukostenentwicklung auf die Vertragspartner Land, Region und Stadt m&ouml;glichst abgew&auml;lzt werden&rdquo;.<br>\nKurz: Die Steuerzahler in Baden-W&uuml;rttemberg sollen zahlen &ndash; und die Stuttgarter gleich doppelt. Dabei hatte sich die Bahn, wie Sie selbst zugeben, bis zuletzt geweigert, die Berechnung der Wirtschaftlichkeit transparent zu machen. Mit diesem Grundst&uuml;ckserwerb, Herr Schuster, haben sie vor allem die B&uuml;rger unserer Stadt gesch&auml;digt. Deshalb stellt sich f&uuml;r mich nicht die Frage, ob das Land bei einem Ausstieg aus Stuttgart 21 schadensersatzpflichtig ist, sondern eher, ob Sie selbst schadensersatzpflichtig sind gegen&uuml;ber den B&uuml;rgern, die sie gew&auml;hlt haben.<\/em><\/p>\n<p>Ihr &#8232;Hannes Rockenbauch &#8232;<br>\nStadtrat in Stuttgart und Sprecher des Landesb&uuml;ndnisses JA zum Ausstieg<\/p><\/blockquote><p>Mit Einsch&uuml;chterung versucht es auch Arbeitgeberpr&auml;sident Dieter Hundt. Der Arbeitgeberverband hat f&uuml;r 100.000 Euro einen Kino- und Internet-Spot f&uuml;r S 21 herstellen lassen. Dieses Filmchen wurde von den S-21-Gegnern aufgegriffen und in eine vom Schauspieler Walter Sittler kommentierte Fassung gebracht. Dagegen will Hundt nun klagen. &bdquo;Das geh&ouml;rt zur Demokratie&ldquo;, sagt Walter Sittler dazu. &bdquo;Die Meinungsfreiheit ist einer der Grundpfeiler eines demokratischen Staates. Und das d&uuml;rfen wir uns nicht nehmen lassen. Klar, dass dazu auch das Zitatrecht geh&ouml;rt. Und davon macht unser Videospot Gebrauch, denn er ist die <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=KJqCNj68ROo&amp;nbsp\">Antwort auf den Spot der Arbeitgeber<\/a>&ldquo; . Da hat Walter Sittler recht. Aber Hundt geht es gar nicht um die juristische Kl&auml;rung eines Urheberrechtsproblems: es ist die alte Taktik der Arbeitgeberverb&auml;nde, die sie nicht zuletzt gegen die Gewerkschaften anwenden: diffamieren und kriminalisieren.<\/p><p><strong>Manipulationen der Bahn f&uuml;r den Stresstest aufgedeckt<\/strong><\/p><p>Erfreulich ist, dass es immer wieder gelingt, der Bahn in die Karten zu schauen und ihre Manipulationsversuche aufzudecken. Am 18. November 2011 haben Wissenschaftler eine Analyse der Angaben der Bahn w&auml;hrend des Stresstests vorgelegt, die die Trickserei der Bahn offen legt (<a href=\"http:\/\/de.wikireal.org\">Wikireal<\/a>).<\/p><p>Auch dieses Gutachten belegt vor allem eines: Die Verteidiger von S 21 haben nie den freim&uuml;tigen Dialog gesucht, sondern immer nur versucht, kritische B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger um die Fichte zu f&uuml;hren. Eine Volksabstimmung hat aber nur dann eigentlich einen Sinn, wenn mit offenen Karten gepielt wird. Auch das ist ein Grund, am 27. November mit Ja zu stimmen.<\/p><p>Hermann Zoller<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie m&uuml;ssen schlechte Argumente und gro&szlig;e Angst vor einer Niederlage haben: Die Bef&uuml;rworter der Verlegung des Stuttgarter Bahnhofs unter die Erde ziehen alle Register. Mit Schadenersatzforderungen und Horrorszenarien f&uuml;r den Raum Stuttgart versuchen sie Furcht zu verbreiten. Mit Angst, Schrecken und verleumderischer Propaganda sollen die Menschen davon abgehalten werden, bei der Volksabstimmung am 27. November<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11378\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[126,123,74],"tags":[530,268,694,443],"class_list":["post-11378","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-erosion-der-demokratie","category-kampagnentarnworteneusprech","category-stuttgart-21","tag-buergerentscheid","tag-deutsche-bahn","tag-milliardengrab","tag-standortwettbewerb"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11378","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=11378"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11378\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":55950,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11378\/revisions\/55950"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=11378"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=11378"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=11378"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}