{"id":113973,"date":"2024-04-17T14:31:46","date_gmt":"2024-04-17T12:31:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=113973"},"modified":"2024-04-18T07:19:34","modified_gmt":"2024-04-18T05:19:34","slug":"irans-militaeroperation-gegen-israel-vergeltung-warnung-oder-lehre","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=113973","title":{"rendered":"Irans Milit\u00e4roperation gegen Israel &#8211;\u00a0Vergeltung, Warnung oder Lehre?"},"content":{"rendered":"<p>Der Iran hat am 13.\/14. April gegen Israel die &bdquo;Operation True Promise&ldquo; durchgef&uuml;hrt und dabei nach israelischen Angaben bis zu 300 Drohnen und Raketen eingesetzt. Wie in jeder milit&auml;rischen Auseinandersetzung ist die Berichterstattung der beteiligten Parteien widerspr&uuml;chlich, und jeder reklamiert den Erfolg f&uuml;r sich. Deshalb ist es ausgesprochen schwierig, den Ablauf wahrheitsgem&auml;&szlig; darzustellen. Trotzdem wird im Folgenden versucht, die wesentlichen Aspekte des iranischen Angriffs und der israelischen Abwehr darzustellen, wobei es entscheidend darauf ankommt, wie man das Ergebnis beurteilt und die zuk&uuml;nftige Lageentwicklung einsch&auml;tzt. Von <strong>J&uuml;rgen H&uuml;bschen<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8449\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-113973-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240417_Irans_Militaeroperation_gegen_Israel_Vergeltung_Warnung_oder_Lehre_NDS_Satire.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240417_Irans_Militaeroperation_gegen_Israel_Vergeltung_Warnung_oder_Lehre_NDS_Satire.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240417_Irans_Militaeroperation_gegen_Israel_Vergeltung_Warnung_oder_Lehre_NDS_Satire.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240417_Irans_Militaeroperation_gegen_Israel_Vergeltung_Warnung_oder_Lehre_NDS_Satire.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=113973-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240417_Irans_Militaeroperation_gegen_Israel_Vergeltung_Warnung_oder_Lehre_NDS_Satire.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"240417_Irans_Militaeroperation_gegen_Israel_Vergeltung_Warnung_oder_Lehre_NDS_Satire.mp3\">Download<\/a><\/p><p><em>Lesen Sie dazu auch: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=113844\">Eskalation in Nahost &ndash; Das Versagen der Diplomatie<\/a><\/em><\/p><p><strong>Die iranischen Luftoperationen und ihre Abwehr<\/strong><\/p><p>Nach vorliegenden Meldungen hat Iran in der Nacht vom 13. auf den 14. April Israel mit ca. 300 Drohnen, Raketen und Marschflugk&ouml;rpern angegriffen. Teheran hatte Israel ausdr&uuml;cklich vor einem Vergeltungsschlag f&uuml;r den israelischen Luftangriff auf das iranische Konsulat in Damaskus gewarnt, bei dem u.a. zwei Gener&auml;le und weitere hohe Offiziere der Revolutionsgarden get&ouml;tet worden waren. An den Luftangriffen waren vermutlich au&szlig;er dem Iran auch die Huthi-Rebellen im Jemen, schiitische Milizen im Irak und auch die libanesische Hisbollah mit im Einzelnen nicht bekannten Waffen beteiligt.<\/p><p>Der Iran selbst hatte &bdquo;Shahed&ldquo;-Drohnen eingesetzt, von denen aber nicht genau bekannt ist, ob es sich um den Typ &bdquo;Shahed 136&ldquo; oder um die weiterentwickelte &bdquo;Shahed 238&ldquo; oder um beide Typen gehandelt hat, wobei es von der &bdquo;Shahed 238&ldquo; drei verschiedene Baumuster gibt. Bei den eingesetzten Raketen und Marschflugk&ouml;rpern gibt es Hinweise f&uuml;r folgende Typen: &bdquo;Abu Mahdi Missile&ldquo;, &bdquo;Shahab-3&ldquo;, &bdquo;Sejjil&ldquo;, &bdquo;Ghadr-110&ldquo;, &bdquo;Dezful&ldquo; oder &bdquo;Kheybar Shekan&ldquo;. Nach aktuellen offiziellen Aussagen des Iran wurden Raketen vom Typ &bdquo;Cheibarschekan&ldquo; und &bdquo;Emad&ldquo; sowie Marschflugk&ouml;rper vom Typ &bdquo;Paveh&ldquo; eingesetzt. (Einzelheiten &uuml;ber die Charakteristika dieser Flugk&ouml;rper und Raketen findet man bei <em>Wikipedia<\/em>).<\/p><p>Ein iranischer Wissenschaftler hat zu den vom Iran eingesetzten Waffen gesagt:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Iran has not fired its hypersonic missiles. In fact, most of the drones and missiles that were fired were older drones and missiles. They were very inexpensive and were used as decoys. So Iran spent a couple of million dollars to force the Israelis to spend $1.3 billion in anti-missile missiles, which was itself a big achievement by the Iranians. And then a number of other missiles that the Iranians fired &hellip; cut through and struck their targets.&rdquo; <\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>&bdquo;<em>Iran hat keine hypersonischen Raketen eingesetzt. <\/em>(<em>Hinweis<\/em>: Das sind Raketen, die mit mindestens f&uuml;nffacher Schallgeschwindigkeit fliegen) <em>Tats&auml;chlich handelte es sich bei den meisten eingesetzten Drohnen und Raketen um &auml;ltere Modelle. Diese waren sehr kosteng&uuml;nstig und wurden als quasi Lockmittel genutzt. Der Iran hat ein paar Millionen Dollar investiert, um die Israelis zu zwingen, 1,3 Milliarden Dollar f&uuml;r die Abwehr der iranischen Waffen auszugeben, was der Iran genau beabsichtigt hatte. Danach konnte eine Anzahl anderer iranischer Raketen &hellip; die israelische Luftabwehr &uuml;berwinden und ihre Ziele treffen.&ldquo;<\/em><\/p><p>Die Aussage des iranischen Wissenschaftlers ist nach vorliegenden Erkenntnissen grunds&auml;tzlich zutreffend. Iran hatte offensichtlich zun&auml;chst einen riesigen Schwarm an Drohnen in Richtung Israel fliegen lassen, um die Luftverteidigung m&ouml;glichst zu saturieren und danach mit Raketen die im S&uuml;den Israels gelegenen Milit&auml;rflugpl&auml;tze &bdquo;Nevatim Airbase&ldquo; und &bdquo;Ramon Airbase&ldquo; und die Geheimdienst-Einrichtung &bdquo;Jabal al-Sheik&ldquo; (Mount Hermon) im Norden der Golanh&ouml;hen angegriffen. &Uuml;ber den Umfang der Sch&auml;den gibt es widerspr&uuml;chliche Meldungen, aber es steht fest, dass die Ziele getroffen wurden, obwohl Israel und seine Verb&uuml;ndeten erkl&auml;rt haben, 99 Prozent aller Drohnen und Raketen w&auml;ren abgeschossen worden, und zwar zu einem gro&szlig;en Teil bereits au&szlig;erhalb des israelischen Staatsgebietes.<\/p><p>Besonders an diesen Abwehroperationen waren die USA, Frankreich und auch Gro&szlig;britannien mit Kampfflugzeugen beteiligt. Die USA haben au&szlig;erdem nach einer Meldung des &bdquo;US-Central Command&ldquo; auf X mehr als 80 Drohnen und mindestens sechs ballistische Raketen, die aus dem Iran und aus dem Jemen abgefeuert wurden, durch die Zerst&ouml;rer &bdquo;USS Carney&ldquo; und die &bdquo;USS Arleigh Burke&ldquo; abgeschossen. Im Jemen wurden wohl auch Abschusseinrichtungen zerst&ouml;rt. Von wo die amerikanischen F-15E-Kampfflugzeuge und die Luftstreitkr&auml;fte Frankreichs gestartet sind, ist unklar. Es kommen Flugpl&auml;tze in Bahrain, Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten ebenso in Frage wie St&uuml;tzpunkte in Jordanien. Das K&ouml;nigreich war selbst auch an der Abwehr des iranischen Angriffs beteiligt.<\/p><p>Der jordanische Au&szlig;enminister Ayman Safadi sagte dazu in einem Interview mit dem Kanal &bdquo;Al-Mamlaka&ldquo;: <em>&bdquo;We will intercept every drone or missile that violates Jordan&rsquo;s airspace to avert any danger. Anything posing a threat to Jordan and the security of Jordanians, we will confront it with all our capabilities and resources.&rdquo; (&bdquo;Wir werden jede Drohne oder Rakete abfangen, die den jordanischen Luftraum verletzt, um jede Gefahr abzuwenden. Allen Bedrohungen f&uuml;r Jordanien oder die jordanische Bev&ouml;lkerung werden wir mit all unsere M&ouml;glichkeiten und Mitteln begegnen.&ldquo;) <\/em><\/p><p>Was die britische Luftwaffe angeht, so gibt es Hinweise, dass diese von Flugpl&auml;tzen auf Zypern operiert hat. Welchen prozentualen Anteil die Verb&uuml;ndeten Israels an der Abwehr der iranischen Drohnen und Raketen gehabt haben, l&auml;sst sich zwar nicht genau sagen, aber er d&uuml;rfte erheblich gewesen sein, vor allem in der Phase, in der sich die Drohnen und auch einige Raketen auf dem Flug in Richtung Israel befunden haben. Das gilt im besonderen Ma&szlig;e f&uuml;r die &bdquo;Shahed 136&ldquo;-Drohne, die lediglich ca. 250 Kilometer pro Stunde fliegt und deshalb einige Stunden vom Iran bis nach Israel braucht. Das Abschie&szlig;en einer solchen Drohne ist z.B. f&uuml;r eine amerikanische F-15E praktisch &bdquo;wie ein Tontauben-Schie&szlig;en&ldquo;, weil eine &bdquo;Shahed 136&ldquo; vorprogrammiert ist und keinerlei Abwehrm&ouml;glichkeiten hat.<\/p><p><strong>Zusammenfassende Bewertung<\/strong><\/p><p>Bei Milit&auml;roperationen muss man grunds&auml;tzlich zur&uuml;ckhaltend sein mit einer Bewertung, weil die beteiligten Parteien eine subjektive Sicht der Wahrheit haben. Ein w&uuml;nschenswertes Mehr an Fakten muss deshalb kompensiert werden durch logische Schlussfolgerungen aus zur Verf&uuml;gung stehenden Informationen. Dabei ist es wichtig, sauber zwischen Wissen und Annahmen zu unterscheiden. In Kenntnis dieser Problematik ist trotzdem folgende Bewertung der gesamten Operation m&ouml;glich:<\/p><ul>\n<li>Durch die Milit&auml;roperationen der Hamas vom 7. Oktober 2023 und des Irans vom 13.\/14. April 2024 ist die bis dahin funktionierende israelische Strategie der Abschreckung obsolet geworden.<\/li>\n<li>Die israelische Bev&ouml;lkerung musste innerhalb eines halben Jahres zum zweiten Mal zur Kenntnis nehmen, dass ihre Heimat nicht mehr sicher ist.<\/li>\n<li>Israel ist angreifbar geworden und kann sich, wenn ein solcher Angriff massiv vorgetragen wird, nicht mehr allein verteidigen.<\/li>\n<li>Nicht nur die USA, sondern auch Frankreich und Gro&szlig;britannien haben Israel mit allen verf&uuml;gbaren milit&auml;rischen Mitteln unterst&uuml;tzt. Dazu geh&ouml;ren nicht nur Flugzeuge, Schiffe und die bodengest&uuml;tzte Luftverteidigung, sondern auch Aufkl&auml;rung, u.a. mit Satelliten, Luftraum&uuml;berwachung, Fr&uuml;hwarnung, Zieldaten&uuml;bermittlung und elektronischen Kampfmitteln. Au&szlig;erdem d&uuml;rften sich wegen der iranischen Vorwarnung schon viele Kampfflugzeuge in der Luft befunden haben, als der Angriff begann.<\/li>\n<li>Die Abwehr des iranischen Angriffs hat bei allen beteiligten Nationen erhebliche Kosten verursacht und eine umfassende Nachbeschaffung von allen Systemen und Mitteln der Luftabwehr erforderlich gemacht. Diese d&uuml;rften kurzfristig nicht im notwendigen Umfang verf&uuml;gbar sein.<\/li>\n<li>Iran ist an einer milit&auml;rischen Eskalation nicht interessiert, sondern reagiert ganz gezielt auf Einrichtungen &ndash; im konkreten Fall israelische Flugpl&auml;tze und eine nachrichtendienstliche Einrichtung &ndash;, die f&uuml;r vorangehende israelische Angriffe verantwortlich waren.<\/li>\n<li>Iran hat seine milit&auml;rischen M&ouml;glichkeiten bei diesen Angriffen nicht ann&auml;hernd ausgesch&ouml;pft und zudem vorab konkret vor dem Angriff gewarnt.<\/li>\n<li>Israels durch das Vorgehen in Gaza weltweit erheblich gesch&auml;digtes Image wurde durch den iranischen Angriff &ndash; f&uuml;r Teheran sicherlich ungewollt &ndash; wieder verbessert. Das k&ouml;nnte sich jedoch &ndash; je nach Art der israelischen Reaktion &ndash; sehr schnell wieder &auml;ndern.<\/li>\n<li>&bdquo;Der Westen&ldquo; legt bei israelischen Milit&auml;roperationen einen v&ouml;llig anderen Ma&szlig;stab an als bei iranischen Angriffen. Bei der politischen und medialen Bewertung des israelischen Angriffs auf das Konsulat der iranischen Botschaft in Damaskus, also eine diplomatische Einrichtung, die nach dem Wiener &Uuml;bereinkommen immun ist, und dem iranischen Angriff auf israelische Milit&auml;reinrichtungen wurden Doppelstandard und auch Doppelmoral &bdquo;des Westens&ldquo; einmal mehr offensichtlich.<\/li>\n<\/ul><p>Insgesamt kann man konstatieren, dass die iranische Milit&auml;roperation nicht nur eine Vergeltung f&uuml;r den israelischen Angriff auf das iranische Konsulat in Damaskus war, sondern gleichzeitig eine Warnung an Israel, noch einmal vergleichbare Operationen zu planen oder durchzuf&uuml;hren. Dar&uuml;ber hinaus war es sicherlich f&uuml;r Israel auch eine Lehre, dass man bei zuk&uuml;nftigen Angriffen des Irans auf die milit&auml;rische Unterst&uuml;tzung durch Verb&uuml;ndete zwingend angewiesen ist. Das gilt besonders vor dem Hintergrund, dass Iran im konkreten Fall vor seinem Angriff gewarnt hat und in der Hauptsache Waffensysteme mit einer sehr geringen Fluggeschwindigkeit eingesetzt wurden, sodass es eine Vorwarnzeit von mehreren Stunden gegeben hat, um sich milit&auml;risch und auch die Bev&ouml;lkerung darauf vorzubereiten.<\/p><p>Sollte sich Israel, gegen die Warnung der USA, zu einem direkten Milit&auml;rschlag gegen den Iran entscheiden, k&ouml;nnten iranische Raketen Israel ohne jede Vorwarnung innerhalb weniger Minuten erreichen. Der iranische Brigadegeneral Mohammed Bagheri erkl&auml;rte in diesem Zusammenhang: <em>&bdquo;The operation yielded its complete result and there is no intention to continue it.&rdquo;<\/em> Aber, so erg&auml;nzte er: <em>&bdquo;If Israel attacked Iran on its own soil, or elsewhere, our next operation will be much bigger than this.&rdquo; <\/em>(<em>&bdquo;Die Operation hat das gew&uuml;nschte Ergebnis vollst&auml;ndig erreicht, und es besteht keine Absicht, sie fortzusetzen.<\/em> <em>Sollte Israel den Iran auf dessen eigenem Territorium oder anderswo angreifen, wird unsere n&auml;chste Operation viel gr&ouml;&szlig;er sein als die bisherige.&ldquo;)<\/em><\/p><p><small>Titelbild: Hamara\/shutterstock.com<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Iran hat am 13.\/14. April gegen Israel die &bdquo;Operation True Promise&ldquo; durchgef&uuml;hrt und dabei nach israelischen Angaben bis zu 300 Drohnen und Raketen eingesetzt. 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