{"id":114,"date":"2005-11-21T17:12:33","date_gmt":"2005-11-21T16:12:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=114"},"modified":"2016-02-28T10:27:36","modified_gmt":"2016-02-28T09:27:36","slug":"buchbesprechung-jean-ziegler-das-imperium-der-schande","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=114","title":{"rendered":"Buchbesprechung: Jean Ziegler \u201eDas Imperium der Schande\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Jean Ziegler, seit dem Jahr 2000 UNO-Sonderberichterstatter f&uuml;r das Recht auf Nahrung und Kritiker des &ldquo;globalisierten Raubtierkapitalismus&rdquo;, prangert in seinem aktuellen Buch &ldquo;Das Imperium der Schande&rdquo; die Missst&auml;nde der Dritten Welt an. Das Buch ist eine aufr&uuml;ttelnde Anklage eines engagierten Globalisierungskritikers. Offizielle Zahlen und Fakten der Vereinten Nationen belegen seine Vorw&uuml;rfe. Christine Wicht hat f&uuml;r die NachDenkSeiten das Buch besprochen.<br>\n<!--more--><\/p><blockquote><p>\nUm die Menschen zu lieben, muss man sehr stark das hassen, was sie unterdr&uuml;ckt.<\/p>\n<div class=\"cite_hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div>\n<p class=\"reference\">Jean Paul Sartre<\/p>\n<\/blockquote><p>Auf seinen Exkursionen im Auftrag der Vereinten Nationen konnte sich Jean Ziegler vor Ort ein Bild von den Lebensbedingungen der Betroffenen machen, was die Schilderungen in diesem Buch konkret und eindringlich macht.<\/p><p>Den Stein des Ansto&szlig;es f&uuml;r den Kampf gegen den Hunger gab Ziegler ein Empfang im Kongo: Durch die Fenster des Luxushotels konnte er allabendlich die hungernden Kinder vorbeiziehen sehen, die versuchten eine bewachte Barrikade zu erreichen, um zu den Wei&szlig;en, die in einer Enklave hinter der Bewachung leben, vorzudringen. Wenige Meter weiter brachen sie zusammen, blieben kraftlos in den Stacheldrahtz&auml;unen h&auml;ngen und manche starben. Zu diesem Zeitpunkt schwor sich Jean Ziegler, nie mehr, auch nicht zuf&auml;llig, auf der Seite der Henker zu stehen. Daraus entstanden ist ein unerm&uuml;dlicher Kampf gegen die M&auml;chte der globalisierten Welt, namentlich Weltbank, IWF, WTO und transnationale Konzerne. <\/p><p>Der Autor legt unbequeme Wahrheiten offen, die von den Profiteuren gern verschwiegen werden. Detaillierte Informationen und Hintergr&uuml;nde zu den politischen, &ouml;konomischen und sozialen Machtverh&auml;ltnissen der Dritten Welt zeigen, wie sich das Herrschaftssystem, ein Konglomerat aus Politik und Wirtschaft, zu einem &ldquo;Imperium der Schande&rdquo; entwickelt hat. Auch in den reichen L&auml;ndern der westlichen Welt, deren Wohlstand und staatliche Gef&uuml;ge immer mehr gef&auml;hrdet sind, ist diese Entwicklung zu beobachten. Die g&auml;ngigen Methoden der Konzerne Nestl&egrave; und Siemens werden beschrieben und finden Nachahmer in der Welt. In Europa setzt sich die bew&auml;hrte Taktik Arbeitnehmer, Gewerkschaften und Staaten mit dem Druckmittel der Abwanderung zu erpressen, immer mehr durch. Demzufolge verl&auml;ngern sich die Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich. Die Gewerkschaften akzeptieren die Forderungen, weil sie, wenn auch nur vorr&uuml;bergehend, Arbeitspl&auml;tze erhalten wollen. Regierungen sind mit der Industrie eng verbunden, was ihre Entscheidungsf&auml;higkeit stark begrenzt und ihre Unabh&auml;ngigkeit entschieden einschr&auml;nkt.<\/p><p>Durch das Monopoly, das die multinationalen Konzerne spielen, entsteht eine neue konzentrierte Macht, die unsere Demokratie massiv gef&auml;hrdet. Multinationale Konzerne steigern skrupellos ihre Gewinne, zahlen astronomische Managergeh&auml;lter und sch&uuml;tten steigende Dividenden aus, aber entziehen sich jeder sozialpolitischen Verantwortung. Ihre einzige Handlungs-Maxime hei&szlig;t Profitmaximierung. Eine neue Macht hat sich neben den staatlichen Institutionen etabliert. Jean Ziegler zeigt auf mit welchen Mitteln und Methoden transnational operierende Konzerne sich die Welt aneignen und zielsicher ihre Macht &uuml;ber den Globus ausdehnen. Der Werdegang US-amerikanischer Entscheidungstr&auml;ger, bevor sie in Washington aufstiegen, wie Condoleezza Rice, Donald Rumsfeld und Dick Cheney, zeigen deutlich, dass der Irak-Krieg die direkte Umsetzung der Konzernstrategie der &Ouml;lgesellschaften ist. <\/p><blockquote><p>\nIch m&ouml;chte mit diesem Buch den wirklichen Horizont der Geschichte zeigen, die gro&szlig;e Periode der Aufkl&auml;rung, die die Menschenrechte postulierte, von denen viele ihrer Verwirklichung harren &ndash; das Recht auf Leben, auf Freiheit, auf W&uuml;rde, aber nicht zuletzt auch das in der Pr&auml;ambel der Unabh&auml;ngigkeitserkl&auml;rung der USA fixierte Recht auf das Streben nach Gl&uuml;ck. Im 18. Jahrhundert war das pure Utopie, doch heute verf&uuml;gt die Menschheit auch &uuml;ber die materiellen Mittel, diese Rechte zu verwirklichen. Doch zugleich haben Hunger und Elend heute ein schrecklicheres Ausma&szlig; angenommen als in jeder anderen Epoche der Menschheit.<\/p>\n<div class=\"cite_hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div>\n<p class=\"reference\">Zitat Jean Ziegler &ndash; siehe <a href=\"\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.attac.at\/2226.html\">www.attac.at<\/a>\n<\/p>\n<\/blockquote><p>Korruption, Ausbeutung und Verelendung sind bittere Realit&auml;t f&uuml;r die Menschen der Dritten Welt. Ihre Menschenrechte werden mit F&uuml;&szlig;en getreten und ihre Lebenssituation ist gepr&auml;gt durch Aussichtslosigkeit, da die Staaten auf Gedeih und Verderb den Strukturanpassungsprogrammen von IWF und Weltbank ausgeliefert sind. Skrupellose, korrupte Diktatoren und Gener&auml;le, die in der Vergangenheit &uuml;ber die Aufnahme von Staatskrediten entschieden haben, tragen eine immense Schuld an diesem Elend. Sie haben die exorbitanten Schuldenberge w&auml;hrend ihrer Amtszeit angeh&auml;uft. Die Aufnahme immer neuer Kredite zur Finanzierung der Schulden und aufgelaufenen Zinsen f&uuml;hren in eine volkswirtschaftliche und soziale Abw&auml;rtsspirale. Die Staaten sind aufgrund der Verbindlichkeiten paralysiert und nicht mehr in der Lage ihren Verpflichtungen der Bev&ouml;lkerung gegen&uuml;ber gerecht zu werden. Die zutiefst verschuldeten L&auml;nder sind nun gezwungen profitable staatliche Bereiche zu privatisieren und ihre M&auml;rkte f&uuml;r transnational agierende Konzerne zu &ouml;ffnen, die nur noch ihren Gewinninteressen verpflichtet sind. Dadurch geraten die Schuldnerl&auml;nder in einen unentrinnbaren Teufelskreis aus Verarmung und Verschuldung. Die Menschen der Dritten Welt arbeiten unter unw&uuml;rdigen Bedingungen, weil die Kosmokraten der Konzerne, das Ziel niedriger Produktionskosten sowie niedriger L&ouml;hne und die Beseitigung sozialer Hindernisse verfolgen. Auf diese Weise werden die betroffenen Staaten in einen Sog privatwirtschaftlicher und wirtschaftlicher Interessen gezogen, was f&uuml;r die Menschen und das betroffene Land zwangsl&auml;ufig zu einer unaufhaltsamen Talfahrt f&uuml;hrt.<br>\nJean Ziegler beschreibt warum die Konzerne die eigentlichen Herrscher der ausgebeuteten Staaten sind und wie sie langsam die staatliche Ordnung &uuml;bernehmen, wie die Schuldenberge die L&auml;nder l&auml;hmen und das Etablieren einer funktionierenden Infrastruktur und eines dringend notwendigen Sozialsystems unm&ouml;glich gemacht werden.<br>\nDie Einsch&auml;tzung und das Verhalten des Managements in Bezug auf ihre eigenen Leistungen und Entlohnungen haben geradezu autistische Z&uuml;ge . Es scheint sich eine Abtrennung des Managements von der &uuml;brigen Belegschaft vollzogen zu haben. Mit der Pr&auml;senz der Kosmokraten in Aufsichtsrat und Vorstand gleicherma&szlig;en, k&ouml;nnen sie ihre erteilten Handlungen selbst kontrollieren. Der 1999 in Davos einstimmig verabschiedete Global Compact, der zwischen den Vereinten Nationen und transnationalen Konzernen geschlossen wurde, ist ein typisches Beispiel f&uuml;r &ldquo;gut gemeint&rdquo;. Mit dem Global Compact wird Kontrolle Ad absurdum gef&uuml;hrt. Die Entwicklung des Global Compacts mit seiner festgeschriebenen freiwilligen Selbstkontrolle der Konzerne in sozialer, umweltpolitischer und arbeitsrechtlicher Hinsicht ist ein Persilschein f&uuml;r die Kosmokraten.<\/p><p>Sehr Aufschlussreich ist die Erl&auml;uterung zum System der Lizenzgeb&uuml;hren, welche f&uuml;r die Produkte international agierender Konzerne anfallen. Geb&uuml;hren f&uuml;r Patente verschwinden in Steueroasen, vorbei an den Staaten, in welchen die Konzerne t&auml;tig sind. Damit werden dem Leser tiefe Einblicke in die den Globus umspannenden finanziellen Handlungsspielr&auml;ume der Industrie gew&auml;hrt.<br>\nDie Kontrolle der Welt liegt in der Hand einiger weniger Giganten, die in st&auml;ndiger Konkurrenz zueinander den Weltmarkt bestimmen. Den Weltmarkt f&uuml;r Saatgut, Sch&auml;dlingsbek&auml;mpfungsmittel und pharmazeutische Produkte haben sich die Marktf&uuml;hrer aufgeteilt. Die Oligarchen spielen ihre Macht aus, ohne jegliche &ouml;ffentliche Kontrolle. Keine wirtschaftliche Handlung wird dem Zufall &uuml;berlassen. Spionage und Infiltration von Institutionen, Observierung von Mitarbeitern sind g&auml;ngige Mittel um kein Risiko einzugehen und die Ziele erfolgreich durchzusetzen. Gewandte B&uuml;rokratien lassen sich auf allen Kontinenten nieder und arbeiten im Auftrag der Kosmokraten. Die Hintergr&uuml;nde und geschickten juristischen Schachz&uuml;ge von Unternehmen wie Union Carbide oder Monsanto zeigen die &Uuml;berlegenheit und Einflussm&ouml;glichkeiten auf welche Weise sich Konzerne mit Hilfe politischer Verbindungen ihrer sozialen und ethischen Verantwortung entziehen k&ouml;nnen.<\/p><p>Anhand einiger Beispiele aus der Mongolei, Brasilien und &Auml;thiopien werden die Folgen dieser Konzentration der Macht ohne staatliche Kontrolle deutlich veranschaulicht:<\/p><p><strong>Die Mongolei<\/strong><\/p><p>Best&uuml;rzend beschreibt Jean Ziegler die Lebensbedingungen der mongolischen Stadt Ulan-Bator, die vor f&uuml;nfzig Jahren im sowjetischen Baustil errichtet wurde. Ein riesiges Werk versorgt die Stadt mit Strom und warmem Wasser. In unterirdischen Tunneln verlaufen Rohre f&uuml;r das Heiz- und Warmwassersystem. Diese Tunnel sind Zufluchtsort verlassener Kinder, die dort im Winter untertauchen um sich vor der K&auml;lte sch&uuml;tzen. Tags&uuml;ber w&uuml;hlen die Kinder in M&uuml;lltonnen nach etwas Essbarem. Die B&ouml;den der Tunnel sind mit Exkrementen bedeckt und die Kinder teilen sich mit Ratten ihren Lebensraum. Sie sind der Gewalt, die innerhalb ihrer Familien aufgrund von Arbeitslosigkeit und Alkohol herrscht, entflohen. Ihre K&ouml;rper sind gezeichnet von Misshandlung und Unterern&auml;hrung. Auch die Beschreibung der Gegebenheiten der mongolischen Nomaden zeichnet ein deprimierendes Bild. Die Lebensgrundlage der Nomaden, Schafe, Kamele und Ziegen werden von der Maul- und Klauenseuche befallen. Die Veterin&auml;rdienste verf&uuml;gen nicht mehr &uuml;ber ausreichend Medikamente um den Bauern zu helfen. Ebenso aussichtslos sind die Schilderungen &uuml;ber die Auswirkungen der Heuschreckenplage im Sommer 2003. Der mongolische Staat wird vom Schuldendienst erdr&uuml;ckt. Das nimmt dem Land jede M&ouml;glichkeit f&uuml;r seine B&uuml;rger zu sorgen und eine funktionierende Infrastruktur aufzubauen. <\/p><p><strong>&Auml;thiopien<\/strong><\/p><p>Ein erheblicher Teil der &Auml;thiopier kann weder lesen noch schreiben und der Zugang zu medizinischer Versorgung ist vielen Menschen versagt. Addis-Abeba, einst Sitz der Herrscher, ist zu einem Moloch verkommen, in dem sich Elendsviertel aneinander reihen und Bettler das Stra&szlig;enbild bestimmen. Die Familienstrukturen und Zusammenschl&uuml;sse in Vereinen, die &uuml;berlebensnotwendig sind, geben einen Einblick in die &auml;thiopische Kultur.<br>\nObwohl &Auml;thiopien &uuml;ber fruchtbares Land verf&uuml;gt, steigen Armut und Hunger st&auml;ndig an. Als eine Ursache nennt Jean Ziegler den Zusammenbruch des Kaffeepreises. Der Weltmarkt wird von einer handvoll transkontinentaler Konzerne beherrscht, allen voran von Nestl&eacute;. Auf dem Kaffeemarkt herrscht das Recht des St&auml;rkeren, aufgrund von Fusionen geht das Monopolyspiel der Konzerne auf h&ouml;herer Ebene weiter. Die Gewinne der Giganten explodieren, w&auml;hrend die Preise f&uuml;r die Kaffeebauern in den Keller sinken. Interessant in diesem Zusammenhang sind auch die L&ouml;sungen von Hans Joehr, Leiter der Abteilung Landwirtschaft von Nestl&eacute;, er schl&auml;gt vor, dass von den 25 Millionen Kaffeebauern mindestens 10 Millionen vom Markt verschwinden m&uuml;ssen, damit der Markt saniert werden kann. Die Entscheidungstr&auml;ger der Konzerne halten die wirtschaftliche Entwicklung f&uuml;r Naturgesetze des Marktes, die sie nicht &auml;ndern k&ouml;nnen. Ihnen ist jegliches Verantwortungsgef&uuml;hl abhanden gekommen. Diese Aussage zeigt deutlich mit welcher Ignoranz, Abgebr&uuml;htheit und Zynismus Vertreter der Wirtschaft dem Leid der Menschen gegen&uuml;ber treten. In &Auml;thiopien betr&auml;gt der Schuldendienst 140 Millionen Dollar und liegt damit h&ouml;her als die gesamten Ausgaben des Landes f&uuml;r Gesundheit. <\/p><blockquote><p>\nDie Freiheit ist ein eitles Hirngespinst, wenn eine Klasse von Menschen die andere ungestraft aushungern kann.<\/p>\n<div class=\"cite_hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div>\n<p class=\"reference\">Zitat Jacques Roux<\/p>\n<\/blockquote><p>Jean Ziegler h&auml;lt diese Aussage von Jacques Roux, die er dem franz&ouml;sischen Konvent entgegen rief, f&uuml;r aktueller denn je. Weil in Argentinien, Brasilien und anderen L&auml;ndern S&uuml;damerikas trotz Demokratie der Hunger zunimmt. Das bedeutet f&uuml;r ihn, dass Demokratie und politische Menschenrechte keinesfalls falsch sind, sondern dass sie vollkommen ungen&uuml;gend verwirklicht sind. Aus diesem Grund h&auml;lt er den Kampf um wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte f&uuml;r unverzichtbar. <\/p><p><strong>Brasilien<\/strong><\/p><p>F&uuml;r den Autor ist der jetzige Pr&auml;sident von Brasilen Luiz In&aacute;cio Lula de Salva, ein Hoffnungstr&auml;ger. Lula, selbst in &auml;rmsten Verh&auml;ltnissen aufgewachsen, ist mit den N&ouml;ten der Bev&ouml;lkerung aus eigener Erfahrung vertraut. Er hat in der Vergangenheit f&uuml;r die Rechte der Arbeitnehmer gek&auml;mpft und war gewerkschaftlich organisiert. Oft musste er um sein Leben f&uuml;rchten. Viele seine Weggef&auml;hrten lie&szlig;en ihr Leben f&uuml;r den Kampf der Arbeitnehmerrechte. Jean Ziegler beschreibt seine interessante und schmerzhafte Lebensgeschichte. Zutiefst gepr&auml;gt durch seine Erfahrungen und ausgestattet mit einem Sinn f&uuml;r Gerechtigkeit m&ouml;chte Lula sein Land ver&auml;ndern. Langsam entwickelt Brasilien Selbstbewusstsein und beginnt unter seinem neuen Pr&auml;sidenten Widerstand zu leisten. Das Projekt, dass Hunger und Elend des Volkes besiegen und die Macht der Konzerne zur&uuml;ckdr&auml;ngen soll, tr&auml;gt den Namen Programa Fome zero (und wird paradoxer Weise von Nestl&eacute; unterst&uuml;tzt). Jean Ziegler beschreibt die Hintergr&uuml;nde und Ma&szlig;nahmen des Projekts, das Erfolg versprechend ist. <\/p><p>Die Beschreibung der katastrophalen Zust&auml;nde in den favelas und dem t&auml;glichen &Uuml;berlebenskampf der Menschen, die Rattenplagen ausgesetzt sind, ohne sauberes Trinkwasser und ohne Kanalisation leben m&uuml;ssen, zeigen ein grausames Bild der Lebensbedingungen.<br>\nWas die Arbeit von Pr&auml;sident Lula erschwert und eine kaum &uuml;berwindbare H&uuml;rde ist, sind die von der Milit&auml;rdiktatur geerbte Auslandsschuld von &uuml;ber 242 Milliarden Dollar. Der Schuldendienst verhindert den Kampf gegen den Hunger. In der Arbeiterpartei g&auml;rt es bereits. Jean Ziegler sagt: &ldquo;Lula befindet sich in einer unm&ouml;glichen, schwierigen Situation, er braucht unsere Solidarit&auml;t&rdquo;.<br>\nMit dem Buch m&ouml;chte der Autor die internationale Solidarit&auml;t der V&ouml;lker, insbesondere die der Europ&auml;er mobilisieren:<\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Es kommt nicht darauf an, den Menschen der Dritten Welt mehr zu geben, sondern ihnen weniger zu stehlen&rdquo;.\n<\/p><\/blockquote><p>In vielen L&auml;ndern der Dritten Welt sind Getreideproduktionen &uuml;bersch&uuml;ssig und verfaulen. Sie k&ouml;nnen mangels Transportmittel und aufgrund fehlender Infrastruktur, nicht zu den bed&uuml;rftigen Menschen gebracht werden, sie verhungern. Vielerorts f&uuml;hren verschmutztes Trinkwasser und Unterern&auml;hrung zu Krankheiten wie Tuberkulose, Typhus. Aufgrund der Sicherheitspolitik zur Bek&auml;mpfung des sogenannten Terrorismus waren die westlichen Staaten nicht bereit dem Spendenaufruf des WFP (Weltern&auml;hrungsprogramm) gegen den Hunger in der Dritten Welt zu folgen. Der Kampf gegen den Terrorismus hat erste Priorit&auml;t, der Kampf gegen Hunger verhallt im Nichts. <\/p><p><strong>Die Refeudalisierung der Welt<\/strong><\/p><p>Teil IV des Buches handelt von der &ldquo;Refeudalisierung der Welt&rdquo;, womit der Zusammenbruch des internationalen Rechts und die Ausgrenzung sozialer Gruppen gemeint ist und ein Entrinnen f&uuml;r die Menschen unter den jetzigen Bedingungen nicht m&ouml;glich scheint. Jean Ziegler fordert das Menschenrecht auf Gl&uuml;ck ein, welches in der US-Amerikanischen Verfassung verankert ist. Die Vereinten Nationen, eine Instanz, in die nach dem Zweiten Weltkrieg viel Hoffnung gelegt wurde, verf&uuml;gen aber nur &uuml;ber sehr begrenzte Macht. So besteht wenig Aussicht die Verh&auml;ltnisse &auml;ndern zu k&ouml;nnen. Jean Ziegler h&auml;lt die Scham f&uuml;r eine revolution&auml;re Kraft und hofft, dass das Gef&uuml;hl der Schande angesichts von Hunger und Armut auf der Welt zu einer Macht der Ver&auml;nderung werden kann.<\/p><blockquote><p>\nMein Buch m&ouml;chte eine Waffe sein in diesem Kampf. In meinem Genfer B&uuml;ro h&auml;ngt ein Foto. Es zeigt Bertolt Brecht, auf einer Berliner Parkbank sitzend, ein Buch in der Hand. Darunter steht &raquo;Bertolt Brecht &ndash; bewaffnet.&laquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Es wird in diesem Buch deutlich, dass wir in der so genannten Ersten Welt, langsam aber kontinuierlich den Verh&auml;ltnissen in der Dritten Welt ann&auml;hern und wenn sich die Macht der transnationalen Konzerne mit ihren Gehilfen aus der Politik weiter &uuml;ber den Globus ausdehnen kann, wird unsere Demokratie untergraben, die Mitbestimmung immer weiter abgebaut, die Staaten erpressbar und die B&uuml;rger sind, egal in welchem Land auf der Welt, der Hegemonie der Konzerne hilflos ausgesetzt.<\/p><p>Das Buch &bdquo;Das Imperium der Schande&ldquo; ist <strong>&auml;u&szlig;erst lesenswert<\/strong>, erschienen bei Bertelsmann, Preis 19.90 Euro\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jean Ziegler, seit dem Jahr 2000 UNO-Sonderberichterstatter f&uuml;r das Recht auf Nahrung und Kritiker des &ldquo;globalisierten Raubtierkapitalismus&rdquo;, prangert in seinem aktuellen Buch &ldquo;Das Imperium der Schande&rdquo; die Missst&auml;nde der Dritten Welt an. Das Buch ist eine aufr&uuml;ttelnde Anklage eines engagierten Globalisierungskritikers. Offizielle Zahlen und Fakten der Vereinten Nationen belegen seine Vorw&uuml;rfe. 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