{"id":114010,"date":"2024-04-18T09:02:25","date_gmt":"2024-04-18T07:02:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=114010"},"modified":"2024-04-18T10:29:16","modified_gmt":"2024-04-18T08:29:16","slug":"olaf-scholz-in-china-zumindest-die-chinesen-scheinen-ihn-zu-schaetzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=114010","title":{"rendered":"Olaf Scholz in China: Zumindest die Chinesen scheinen ihn zu sch\u00e4tzen"},"content":{"rendered":"<p>Inmitten einer &Auml;ra proklamierter &bdquo;feministischer Au&szlig;enpolitik&ldquo; und ideologisch motivierter Kriegsbegehrlichkeit seitens der Bundesregierung gelingt es Bundeskanzler Olaf Scholz w&auml;hrend seines Besuchs in der Volksrepublik China, das angeschlagene Image Deutschlands leicht zu verbessern. Sein pragmatisches Auftreten wurde von der chinesischen Politik und Medien positiv zur Kenntnis genommen und tr&auml;gt zu einer Verbesserung der Beziehungen zwischen China und Deutschland bei. Von <strong>Christian Wagner<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nVom 14. bis zum 16. April 2024 besuchte Bundeskanzler Olaf Scholz die Volksrepublik China. Am 14. April besichtigte er eine Produktionsst&auml;tte der Firma Bosch f&uuml;r nachhaltige Wasserstoffantriebe in der 32 Millionen Einwohner z&auml;hlenden Stadt Chongqing.<\/p><p>Einen Tag sp&auml;ter am 15. April besuchte er dann Shanghai, die Partnerstadt Hamburgs. Dort f&uuml;hrte er Gespr&auml;che mit Studenten an der Tongji Universit&auml;t, die 1907 vom deutschen Arzt Dr. Erich Paulun gegr&uuml;ndet wurde. Des Weiteren fanden zahlreiche Gespr&auml;che mit Vertretern der deutschen Wirtschaft statt, darunter Unternehmen wie Mercedes und Siemens. China fungiert nicht nur als Absatzmarkt f&uuml;r die deutsche Industrie, auf dem G&uuml;ter f&uuml;r 1,4 Milliarden Menschen verkauft werden. Vielmehr ist China als weltweit gr&ouml;&szlig;ter Inhaber von Patenten und als Innovationszentrum f&uuml;r neue Technologien in der Industrie bekannt. Allein die Stadt Shanghai gibt j&auml;hrlich mehr Geld f&uuml;r KI aus als die gesamte Bundesrepublik Deutschland.<\/p><p>Am 16. April traf der deutsche Bundeskanzler den chinesischen Pr&auml;sidenten Xi Jinping. Xi Jinping betonte, dass sowohl China als auch Deutschland bedeutende Beitr&auml;ge zum Fortschritt der menschlichen Zivilisation geleistet haben. Es bestehe kein grundlegender Interessenkonflikt zwischen China und Deutschland, und beide Seiten w&uuml;rden keine Sicherheitsbedrohung f&uuml;reinander darstellen. Die chinesisch-deutsche Zusammenarbeit sei sowohl f&uuml;r beide Seiten als auch f&uuml;r die Welt von Vorteil. Je turbulenter die Welt, desto mehr sollten beide Seiten die Widerstandsf&auml;higkeit und Vitalit&auml;t der Beziehungen st&auml;rken.<\/p><p>Olaf Scholz sprach weniger &uuml;ber Kooperation, sondern insbesondere &uuml;ber die Ukraine-Krise. Der Krieg in der Ukraine sowie die Aufr&uuml;stung Russlands haben laut ihm ganz erhebliche negative Auswirkungen auf die Sicherheit in Europa und dessen Kerninteressen unmittelbar beeintr&auml;chtigen, mittelbar die gesamte internationale Ordnung, da sie laut Scholz den Grundsatz der Charta der UN verletzen, n&auml;mlich die Unverletzlichkeit der Staatsgrenzen.<\/p><p>Xi Jinping stellte Grunds&auml;tze zur Friedenskonsultation vor: Erstens solle man der Gesamtsituation des Friedens und der Stabilit&auml;t Priorit&auml;t einr&auml;umen, anstatt die eigenen egoistischen Interessen zu verfolgen. Zweitens solle man sich bem&uuml;hen, die Situation zu entspannen, statt &Ouml;l ins Feuer zu gie&szlig;en. Drittens sei es notwendig, Bedingungen f&uuml;r die Wiederherstellung des Friedens zu schaffen, anstatt die Widerspr&uuml;che weiter zu versch&auml;rfen. Viertens solle man sich daf&uuml;r einsetzen, die negativen Auswirkungen der Krise auf die Weltwirtschaft zu verringern, sodass die Stabilit&auml;t der globalen Industrie- und Lieferketten nicht untergraben werde.<\/p><p><strong>Olaf Scholz und seine Vergesslichkeit helfen der deutschen Wirtschaft<\/strong><\/p><p>&bdquo;Gl&uuml;cklicherweise&ldquo; ist er auch ein vergesslicher Kanzler, wie die Korruptionsskandale der j&uuml;ngsten Vergangenheit rund um die Hamburger Warburg Bank und Cum-Ex zeigen. So besteht die M&ouml;glichkeit, dass er vergessen hat, dass seine eigene Regierung bisher Kriegsspiele und Protektionismus &uuml;ber Diplomatie und Kooperation stellt. Diesmal setzte er auf Vernunft und Zusammenarbeit &ndash; trotz der sonst vertretenen anti-chinesischen Haltung und Politik der meisten Vertreter der Ampel-Regierung. Die sonst &uuml;blichen Diskussionen und Forderungen &uuml;ber Entkopplung oder Risikominderung entfielen diesmal soweit ersichtlich. Die deutsche Wirtschaft investierte alleine im laufenden Jahr 2024 bis zu 11 Milliarden Euro, 4,3 Prozent mehr als im Vorjahr (Quelle: CGTN). Das sichert in Deutschland Arbeitspl&auml;tze und auch Zugriffsrechte auf Patente f&uuml;r neue Technologien. Ebenso geht es auch um die Verfestigung und Verbesserung von Lieferketten f&uuml;r hochwertiger Hightech-Teile aus Deutschland nach China und vice versa.<\/p><p><strong>Unterschiede in der Berichterstattung in Deutschland und China<\/strong><\/p><p>Auch hier zeigt der Besuch von Olaf Scholz die wesentliche Problematik unserer Zeit auf: den Verlust der Fokussierung auf das Wesentliche. Ob in den Mainstreammedien oder den sozialen Medien, der Schwerpunkt in der Berichterstattung liegt auf Details wie der vermeintlich mangelhaften Begr&uuml;&szlig;ung von Olaf Scholz bei seiner Ankunft in Chongqing oder seinem Gespr&auml;ch &uuml;ber Cannabis auf dem Universit&auml;tsgel&auml;nde in Shanghai. Es ist &uuml;blich, dass unsere Medien jedes Handeln als Machtdemonstration oder symbolische Geste interpretieren. Doch muss man sich selbst fragen: Spielt all dies &uuml;berhaupt eine wesentliche Rolle?<\/p><p>Die chinesische Seite spricht &uuml;ber keines dieser Details. Vielmehr liegt ihr Hauptaugenmerk darauf, wie Deutschland und China gemeinsam die Zukunft gestalten k&ouml;nnen, indem sie sich auf wirtschaftliche Kooperation und die Schaffung einer gemeinsamen Zukunft der Menschheit konzentrieren. Der &bdquo;Cannabis-Vorfall&ldquo; wird nicht erw&auml;hnt. Stattdessen kursieren in den chinesischen sozialen Medien massenhaft Videos, die den Besuch von Olaf Scholz und die damit einhergehenden neue Kooperationen und Arbeitsplatzsicherungen ausgiebig feiern.<\/p><p>Das Ansehen Deutschlands in China bleibt ungebrochen hoch, trotz der diplomatischen Unprofessionalit&auml;t der Vergangenheit. Es sei an den Besuch von Annalena Baerbock im Jahr 2023 erinnert, bei dem sie im belehrenden Ton den Schwerpunkt auf Menschenrechte und Taiwan legte und nicht auf Kooperation &ndash; ein Treffen, bei dem gleichzeitig der brasilianische Pr&auml;sident Luna in China weilte und s&auml;mtliche chinesische Medien fast ausschlie&szlig;lich &uuml;ber die Bedeutung von Brasilien statt &uuml;ber Deutschland sprachen.<\/p><p><strong>Woran mangelt es momentan am meisten in der deutsch-chinesischen Kooperation?<\/strong><\/p><p>Die Bundesregierung m&ouml;chte nach eigener Darstellung China-Kompetenz aufbauen. Doch ist es sehr kritisch zu betrachten, wie diese Chinakompetenz aussieht. Die Fraktion CDU\/CSU erhielt nach einer kleinen Anfrage im Bundestag am 5. Januar 2024 eine Antwort (Drucksache 20\/9815) der Bundesregierung zu Fragen zur Chinakompetenz. Eine der Fragen (Frage 26) lautete zum Beispiel:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Hat die Bundesregierung Kenntnis dar&uuml;ber, wie viele Hochschulen und Universit&auml;ten in Deutschland eine moderne China-Forschung (seit der Reform- und &Ouml;ffnungsperiode) anbieten und wie viele Professuren sich mit modernen China- und Taiwan-Studien auseinandersetzen, wenn ja, in welchem Verh&auml;ltnis steht die Anzahl der Professuren moderne China-Forschung zur Anzahl der Professuren mit vormodernem Schwerpunkt?&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Was antwortete die Bundesregierung darauf? <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Der Bundesregierung liegen hierzu keine belastbaren Informationen vor. Teilinformationen k&ouml;nnen der Datenbank zu den Kleinen F&auml;chern an der Johannes Gutenberg-Universit&auml;t Mainz sowie dem Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz entnommen werden.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Das moderne China umfasst auch den Aspekt des sozialistischen Chinas, des technologisch hochentwickelten Chinas und des Chinas, das momentan durch neue Initiativen wie die Seidenstra&szlig;e die geopolitische Wirtschafts- und Handelspolitik formt. Es gibt keine belastbaren Informationen dar&uuml;ber, dass die Bundesregierung Fachexpertise in diesen zentralen Bereichen f&ouml;rdert. Wenn es um Beratung zu China geht, verl&auml;sst sich die Bundesregierung weiterhin auf Thinktanks wie MERICS, die haupts&auml;chlich anti-chinesische Positionen vertreten und wenig seri&ouml;se Fach- und L&auml;nderexpertise aufweisen. Es w&auml;re Zeit, das zu &auml;ndern. <\/p><p><small>Titelbild: <a href=\"https:\/\/www.bundesregierung.de\/breg-de\/mediathek\/fotos\/scholz-china-peking-2271384\">Bundesregierung \/ Kugler<\/a><\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Inmitten einer &Auml;ra proklamierter &bdquo;feministischer Au&szlig;enpolitik&ldquo; und ideologisch motivierter Kriegsbegehrlichkeit seitens der Bundesregierung gelingt es Bundeskanzler Olaf Scholz w&auml;hrend seines Besuchs in der Volksrepublik China, das angeschlagene Image Deutschlands leicht zu verbessern. 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