{"id":114122,"date":"2024-04-20T14:00:48","date_gmt":"2024-04-20T12:00:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=114122"},"modified":"2024-04-28T11:13:50","modified_gmt":"2024-04-28T09:13:50","slug":"auf-kriegsfuss-mit-der-realitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=114122","title":{"rendered":"Auf Kriegsfu\u00df mit der Realit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p>Der Aufstieg des Individualismus im Zuge des neoliberalen Marktmantras scheint zum Niedergang der Gesellschaft zu f&uuml;hren. Die F&auml;higkeiten, die die Menschen menschlich machen, schwinden &ndash; und damit die Grundlage der Zivilisation. Man kennt nur noch Familien und Individuen: &bdquo;There is no such thing like society.&rdquo;[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=114122#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>] Der Gemeinsinn schwindet wie auch die &Uuml;bernahme von Verantwortung. Von <strong>Brigitte Pick<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7119\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-114122-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240422-Auf-Kriegsfuss-mit-Realitaet-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240422-Auf-Kriegsfuss-mit-Realitaet-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240422-Auf-Kriegsfuss-mit-Realitaet-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240422-Auf-Kriegsfuss-mit-Realitaet-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=114122-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240422-Auf-Kriegsfuss-mit-Realitaet-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"240422-Auf-Kriegsfuss-mit-Realitaet-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Der Mensch sieht sich heute st&auml;ndig gen&ouml;tigt, Autonomie und die F&auml;higkeit zur Initiative zu demonstrieren. Er muss, um erfolgreich zu sein, handlungs- und entscheidungsstark sein. So predigt es die neoliberale Ideologie. Mu&szlig;e gilt nicht. So lautete 1998 das Buch des franz&ouml;sischen Soziologen Alain Ehrenberg, das 2004 auch auf Deutsch erschien, &bdquo;Das ersch&ouml;pfte Selbst.&ldquo;<\/p><p>Die Idee des sozialdemokratisch gepr&auml;gten Wohlfahrtsstaates br&ouml;ckelt und bildet gleichzeitig den Humus f&uuml;r die verunsicherte Mittelschicht, die die Furcht vor dem sozialen Abstieg umtreibt. Nur wer etwas hat, kann sich sorgen, dass er es verliert. So wird den Schwachen der Gesellschaft die Solidarit&auml;t aufgek&uuml;ndigt, sie gelten f&uuml;rderhin als Schmarotzer. Man beklagt die ausufernde B&uuml;rokratie, die Globalisierung, die bereits Marx und Engels im Kommunistischen Manifest 1848 beschrieben haben: &bdquo;Das Bed&uuml;rfnis nach einem stets ausgedehnteren Absatz f&uuml;r ihre Produkte jagt die Bourgeoisie &uuml;ber die ganze Erdkugel. &Uuml;berall muss sie sich einnisten, &uuml;berall anbauen, &uuml;berall Verbindungen herstellen.&ldquo;[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>]<\/p><p>Man sieht glasklar: Die Produktion verlagert sich dorthin, wo der Profit am h&ouml;chsten ist und die Energiekosten g&uuml;nstig. Wir leben in einer Konkurrenzgesellschaft, in der jeder der Konkurrent des anderen ist. Dazu kommt der Anerkennungswahn.<\/p><p><strong>Der schleichende Tod der Empathie<\/strong><\/p><p>Der Privatisierungswahn f&uuml;hrt auf der einen Seite zu erheblichen Verantwortungsdefiziten und auf der anderen Seite zu einer wachsenden Zahl von Menschen aus der Mittelschicht, die sich als Ehrenamtler zur Verf&uuml;gung stellen, um sich ein gutes Gewissen zu verschaffen. Die Oberschicht stellt sich g&ouml;nnerhaft im Stiftungswesen und in B&uuml;rgernetzwerken dar, versucht, Einfluss zu nehmen, und verschweigt dabei ihre Steuervorteile. Es hat sich so etwas wie ein moralischer Ablasshandel etabliert.<\/p><p>Sicher sind Ehren&auml;mter ehrenhaft, sie sind jedoch nicht die L&ouml;sung der Probleme, die sich fl&auml;chendeckend in der Gesellschaft auftun und dem System geschuldet sind. Sind sie in einen Verbund eingegliedert, entstehen oft b&uuml;rokratische H&uuml;rden, die ich am eigenen Leib erfahren habe. Beh&ouml;rden reagieren weder flexibel noch schnell. Sie lassen qua Definition keine Ausnahmen zu. Meine Hilfe findet inzwischen auf der privaten Ebene, au&szlig;erhalb des Zugriffs von B&uuml;rokraten statt. Ich kann gezielt und unb&uuml;rokratisch helfen &ndash; ob nachhaltig, bleibt dahingestellt. Man hilft aus einer Not &ndash; z.B. finanziell &ndash;, und die n&auml;chste Situation steht f&uuml;r die Betroffenen schon vor der T&uuml;r.<\/p><p>Sperrm&uuml;ll kann jeder B&uuml;rger bei der Stadtreinigung umsonst entsorgen oder gegen geringes Entgelt abholen lassen. Trotzdem wimmelt die Stadt Berlin von Dreckecken. Kein Schutzmann mehr an der Ecke, kein Kontaktbereichsbeamter, der seinen Kiez kennt, einen Bezug zu den Menschen aufbauen, Freund und Helfer sein kann. In den Bussen und auf den Bahnh&ouml;fen keine Schaffner mehr weit und breit, Automaten statt Fahrkartenverkauf, &Uuml;berwachungskameras statt vern&uuml;nftig bezahlten Personals.<\/p><p>In Berlin will man nun wieder Parkw&auml;chter f&uuml;r gr&ouml;&szlig;ere Gr&uuml;nanlagen einstellen, denn die Verm&uuml;llung &ouml;ffentlicher Fl&auml;chen w&auml;chst unertr&auml;glich. Die sollen heute Parkmanager hei&szlig;en oder noch besser Ranger, um die k&uuml;nftigen Billigl&ouml;hner semantisch aufzuwerten. In meiner Kindheit geh&ouml;rten der Schutzmann und der Parkw&auml;chter zum Alltagsbild.<\/p><p>Es gibt eine Zersplitterung von Aufgaben und Zust&auml;ndigkeiten, die sowohl Umsicht als auch Verantwortung verhindern und das Wegschauen bef&ouml;rdern. Der B&uuml;rger tritt eher auf das Gaspedal als zu bremsen, und das in jeder Hinsicht. R&uuml;cksichtnahme, Solidarit&auml;t, Einstehen f&uuml;r Schw&auml;chere? Fehlanzeige.<\/p><p>Neulich erschrak mich ein hupendes Auto. Zwei etwa zehnj&auml;hrige Kinder hampelten an einer Ampel herum. Die Fu&szlig;g&auml;ngerampel schaltete auf Rot. Ein Kind wollte noch rennen. Ein links abbiegendes Auto hupte angesichts der Gefahr und gab kr&auml;ftig Gas, statt zu bremsen. Der kleine Junge reagierte paradox und rannte erst recht los. Nur mit Not und einem kr&auml;ftigen Sprung nach vorn konnte er verhindern, auf der K&uuml;hlerhaube des Autos zu landen. Der Autofahrer fuhr rasant weiter.<\/p><p>Der Mensch wird des Menschen Krebsgeschw&uuml;r. Der Mensch wird immer &auml;lter, und der &bdquo;Demographie-Faktor&ldquo; dr&auml;ut als Apokalypse. So liegt der Verdacht nahe, dass der Prozess des Sterbens nach vorne verlagert wird. In der Klemme zwischen &Uuml;berlebenshoffnung und Angst wird der Mensch regierbar und gewinntr&auml;chtig. Musste man einst vor der Armut in den Tod fl&uuml;chten, so hei&szlig;t es nun weiterleben, denn man kann sich das Sterben nicht leisten. Die Armenbegr&auml;bnisse von 2.500 Euro, die ein Empf&auml;nger von staatlichen Hilfen bekommt, sind im Zeitraum von 2006 bis 2010 um 64 Prozent gestiegen.<\/p><p><strong>Immobilienmarkt au&szlig;er Kontrolle<\/strong><\/p><p>Alte Leute werden oft unsichtbar, und ihre Interessen wie anst&auml;ndige ausk&ouml;mmliche Renten z&auml;hlen nicht. Auf dem Wohnungs- und Gesundheitsmarkt wird das besonders sichtbar. &Auml;ltere Leute sollen ihre vermeintlich zu gro&szlig;en Wohnungen aufgeben, die sie als jahrzehntelange Mieter noch gut bezahlen k&ouml;nnen. Der Wohnungstausch gelingt selten, denn die angebotenen kleinen Wohnungen junger Leute sind oft teurer als die alte gr&ouml;&szlig;ere. Gelingt das nicht per Freiwilligkeit, ist der Markt durchaus erfinderisch und brutal.<\/p><p>Laut einer Studie der Investitionsbank Berlin wurden 2022 in Berlin mehr m&ouml;blierte Wohnungen auf Zeit angeboten als unbefristete normale Mietwohnungen. So verdient man mehr Geld und umgeht jeden Mieterschutz.<\/p><p>Jede Bundes- und Landesregierung verspricht, f&uuml;r die L&ouml;sung der Wohnungsfrage zu sorgen, aber es &auml;ndert sich nichts. In Berlin-Mitte wird 2024 die teuerste Mietwohnung f&uuml;r 22.500 Euro im Monat angeboten.<\/p><p>In Berlin kann man nicht mehr kosteng&uuml;nstig bauen, denn die Bodenpreise sind explodiert und haben sich in den letzten zehn Jahren vertausendfacht. Bei Grundst&uuml;ckspreisen von 4.000 Euro pro Quadratmeter ist bezahlbarer Wohnraum im Neubau nicht mehr darstellbar. In Prenzlauer Berg und Wei&szlig;ensee werden inzwischen 5.000 Euro verlangt (460 Euro waren es im Jahr 2008). In Eigentum verwandelt, werden die Wohnungen f&uuml;r 6.500 Euro weiterverkauft &ndash; ein lohnendes Gesch&auml;ftsmodell, das nicht nach Moral fragt. &bdquo;Sieht man allein die Entwicklung der Bodenpreise in den Ballungszentren der Welt an, kann man doch nur zu der &Uuml;berzeugung gelangen, dass Grund und Boden nicht in Privathand geh&ouml;ren, sondern nur als Pachtland auf Zeit vergeben werden d&uuml;rften.&ldquo;[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>]<\/p><p>1927 tat sich die Avantgarde der damaligen Architekten mehrerer Nationen zu der Plattform Congr&egrave;s Internationauxd&rsquo;Architecture Moderne (CIAM) (dt.: Internationale Kongresse Moderner Architektur) zusammen, um gemeinsam L&ouml;sungen zur prek&auml;ren Wohnungsfrage zu entwickeln. Schon damals wurde die Wohnfrage zur Systemfrage, und die Forderung nach Enteignung des Bodens stand im Raum.<\/p><p>Die Abschaffung der Gemeinn&uuml;tzigkeit des Wohnungsbaus im Jahr 1988, die Steuervorteile und Einschr&auml;nkungen bei Miete und Gewinn f&uuml;r die Eigent&uuml;mer bedeutete, hat diese Entwicklung angeschoben. Diese Wohnungen waren oft Eigentum der Kommunen oder Werkswohnungen von gro&szlig;en Betrieben. In Berlin wurden allein 200.000 Wohnungen versilbert, ein sehr kurzsichtiger Gedanke.<\/p><p>&bdquo;Wien ist ein Sonderfall. Die Stadt hat selbst in der Hochphase des Neoliberalismus den gemeinn&uuml;tzigen Wohnbau erhalten. Heute wohnen 60 Prozent der Wiener und Wienerinnen in gef&ouml;rderten Wohnungen. Dort sind die Mieten begrenzt und die Vertr&auml;ge unbefristet. Das d&auml;mpft auch die Preise am freien Markt.&ldquo;[<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>]<\/p><p>Das gilt es auch bei uns wieder zu installieren und damit die Ursachen der Wohnungsfrage zu l&ouml;sen und nicht ihre Symptome zu bek&auml;mpfen. Der soziale Wohnungsbau ist vom Staat zu finanzieren und ist &ouml;ffentliches Eigentum, von dem private Akteure auszuschlie&szlig;en sind.<\/p><p>&bdquo;Ich glaube, wir m&uuml;ssen uns davon verabschieden, dass Berlin f&uuml;r alle bezahlbar bleibt. Wenn ich es mir nicht mehr leisten kann, egal, ob wegen wirtschaftlicher Einbu&szlig;en oder einer Mieterh&ouml;hung, dann muss ich das akzeptieren. Es gibt kein Naturgesetz, das mir das Recht gibt, f&uuml;r immer in meiner vertrauten Umgebung zu bleiben. Und es ist noch eine ganz andere Frage, ob die zu ber&uuml;cksichtigen sind, die noch zus&auml;tzlich in die Stadt kommen. Die k&ouml;nnen sicher keinen Anspruch auf niedrige Mieten erheben.&ldquo; So schn&ouml;rkellos und zynisch &auml;u&szlig;ert sich der 51-j&auml;hrige Dr. Carsten Br&uuml;ckner, Fachanwalt f&uuml;r Miet-und Wohnungseigentumsrecht und Vorsitzender des Landesverbandes Haus&amp;Grund Berlin, im Interview mit dem <em>Tagesspiegel<\/em>.<\/p><p>Der 88-j&auml;hrige US-Milliard&auml;r Warren Buffett, der erst bei einer Rendite von 20 Prozent zu investieren beginnt, ist nun auch am Berliner Markt aktiv. Er konzentriert sich auf das Segment studentisches Wohnen. Durch Mieten kann er die Rendite nicht erzielen, sondern das Gesch&auml;ftsmodell lautet, Wohnungen zu bauen oder umzuwandeln und als Eigentum weiterzuverkaufen. Chinesen und Asiaten kaufen gerne in Berlin und w&auml;hnen ihr Geld sicher in Deutschland. Ein sogenanntes studentisches Wohnprojekt in Berlin-Sch&ouml;neberg verlangt von den Mietern f&uuml;r 17 Quadratmeter 599 Euro. F&uuml;r das Wintersemester betr&auml;gt der geplante BAf&ouml;G-Satz 843 Euro (bisher 735 Euro), die Wohnpauschale soll von 250 auf 325 Euro erh&ouml;ht werden.<\/p><p>Im Jahr wechseln Eigentumswohnungen doppelt so oft den Besitzer wie umgewandelt werden. Spekulation und Geldw&auml;sche sind hier die treibenden Kr&auml;fte. Die italienische und russische Mafia ist auf dem Berliner Immobilienmarkt zunehmend t&auml;tig. Man sch&auml;tzt, dass zehn Prozent der j&auml;hrlich auf dem deutschen Immobilienmarkt umgesetzten 250 Milliarden Euro zu Geldw&auml;schezwecken dienen.<\/p><p>Es gibt keine vern&uuml;nftigen Regulierungen f&uuml;r Finanzakteure. Riesige Steuerschlupfl&ouml;cher wie Share Deals erm&ouml;glichen Steuerfreiheit und heizen die Spekulation an. Es fehlt ein Immobilienregister, in dem ersichtlich wird, welche Personen hinter Unternehmen und Gesellschaften stehen. Das Grundbuch in Deutschland erfordert bei juristischen Personen nur die Namen der Gesellschaft, die dann wieder einer Gesellschaft geh&ouml;ren k&ouml;nnen.<\/p><p><strong>Das Schicksal der Alten<\/strong><\/p><p>Hier einige Schlaglichter auf pers&ouml;nliche Schicksale aus meinem Nahfeld, die ich 2019 notierte.<\/p><p>Eine 88-j&auml;hrige Frau trainiert mit mir fast t&auml;glich in einem Sportclub, geht aufs Laufband, zum Schwimmen oder Aquatraining. Sie wirkt fit, f&auml;hrt noch Auto, bremst auch f&uuml;r Kinder und genie&szlig;t ihren Ruhestand. Sie lebt seit nunmehr 50 Jahren in einer 70-Quadratmeter-Wohnung im b&uuml;rgerlichen Tempelhof. Der Mann ist lange verstorben, die Kinder aus dem Haus, sie ist allein in einem gewohnten Umfeld. Einst geh&ouml;rte das Haus dem Senat von Berlin, was fr&uuml;her g&uuml;nstige Mieten und lebenslanges Wohnrecht garantierte. Es fehlte das neoliberale Diktat der Betriebswirtschaftlichkeit. <\/p><p>Nun wurde das Haus verkauft, und nach den herrschenden Marktgesetzen verspricht nur Gewinn, wenn man die Wohnungen in Eigentum umwandelt, nachdem man sie luxusmodernisiert hat. Die alte Dame hat zwar das Anrecht, dort weiter zu wohnen, aber die Miete steigt so extrem, dass sie sich diesen Luxus nicht mehr leisten kann. Die Mietpreisbremse ist ein stumpfes Schwert. Die vielen Ausnahmeregelungen machen es wertlos. Gezielte Modernisierungen sind weiterhin m&ouml;glich. Der neue Verwalter &ndash; der Eigent&uuml;mer bleibt anonym &ndash; gibt deutlich zu erkennen, dass er weder alte Leute noch Mieter mit kleinen Kindern w&uuml;nsche. Kleinere Wohnungen im Haus sind bereits umgebaut und verkauft. Sie werden offensichtlich als Ferienwohnungen vermietet. Das bringt noch mehr Profit, oder die neuen Eigent&uuml;mer bezahlen so ihre Kreditrate g&uuml;nstig ab. Die neue Gesetzeslage greift mitnichten. Auf dem Markt der Ferienwohnungen &auml;ndert sich in Berlin nichts, 90 Prozent der Wohnungen werden weiter ohne Genehmigung und ohne Folgen betrieben. Man sch&auml;tzt die Anzahl auf 25.000.<\/p><p>Der Verwalter m&ouml;chte telefonisch mit der alten Dame den Auszug und die Konditionen verhandeln. Die legt jedes Mal auf, in der Hoffnung, den Termin hinausschieben zu k&ouml;nnen. Sie m&ouml;chte das dem Rechtsanwalt ihres Mietervereins &uuml;berlassen, an den sie sich sofort gewendet hat. Sie hat auch ihren gesamten Hausrat reduziert, monatelang, sich von Erinnerungsst&uuml;cken getrennt, ein schmerzhafter Prozess. &bdquo;Ich verliere mein Leben und meinen Lebenswillen&ldquo;, sagt sie. Auch eine neue Wohnung in einem Seniorenheim hat sie in Aussicht, sich gek&uuml;mmert. Die Miete dort kann sie sich noch leisten, kommen jedoch Pflegeleistungen hinzu, wird es kritisch. Die Heimleitung verbirgt ihre Skepsis nicht. Die Wohnung im Altenheim ist eine Wohn-Klo-K&uuml;che, das Bad ohne Fenster, die K&uuml;che eine winzige Kochzeile. Miniwohnungen sind im Kommen, acht Quadratmeter sollen reichen, so der neue Trend. Im Tempelhofer Haus sind vier alte Mieter betroffen, die fertig mit dem Leben sind und die Aktion vielleicht nicht &uuml;berleben. Wen interessiert das schon? Zwei Tage sp&auml;ter erf&auml;hrt die 88-J&auml;hrige von einer ehemaligen Kollegin, dass die im hippen Neuk&ouml;lln gerade genau dasselbe erlebt.<\/p><p>Eine andere Sportfreundin berichtet von einem Horrorerlebnis in einer Reha-Einrichtung. Die Frau ist etwa 75 Jahre alt, pflegt mit ihrer Schwester ihre nunmehr 100-j&auml;hrige Mutter, die noch in ihren eigenen W&auml;nden lebt. Ein Pflegedienst unterst&uuml;tzt sie. Die Frau ist fast t&auml;glich beim Sport, ist fit, beweglich, neugierig und reist gerne mit ihrem Mann, der ganz allm&auml;hlich sein Ged&auml;chtnis verliert. Sie steht mit beiden Beinen im Leben und klagt nicht. Als sie starke Bauchschmerzen plagen, wird sie erst falsch behandelt, eine Darmgrippe vermutet, bis sie den Notarzt bestellt, der sehr schnell eine Not-OP veranlasst und sie ins Krankenhaus einweist: Darmverschluss. Es geht auf Leben und Tod. Nach der OP ist sie schwach auf den Beinen. Ihr wird eine Reha angeboten, die sie dankend annimmt, da sie in ihrem Zustand kaum die drei Treppen bis in ihre Wohnung bewerkstelligen kann. In der Reha angekommen, stellt sie fest, dass sie in der Geriatrie gelandet ist, in einem Dreibettzimmer mit zwei dementen Frauen, von denen die eine Kot an die Tapeten schmiert. Sie ist schockiert, beschwert sich. Die Antwort: &bdquo;Sie sind doch &uuml;ber 70, da m&uuml;ssen sie sich nicht wundern.&ldquo; Sie f&auml;hrt sofort wieder nach Hause und trainiert t&auml;glich zu Haus, eine halbe Treppe zu laufen, bis sie wieder fit f&uuml;r den Alltag ist und ihren Sport treiben kann. Eine Ausnahme? Als ich die Geschichte anderen erz&auml;hle, h&ouml;re ich von &auml;hnlichen Erlebnissen &auml;lterer Menschen.<\/p><p><strong>Die Situation an den Schulen<\/strong><\/p><p>Ein Kulturwandel in den Schulen bleibt trotz Strukturreformen aus. Kinder m&uuml;ssen Erfahrungen sammeln, aus denen sie lernen, und m&uuml;ssen selbst gestalten k&ouml;nnen. Dazu brauchen sie empathische Lehrer, die am Lernen der ihnen Anvertrauten interessiert sind und die Zeit daf&uuml;r haben. Diesen Prozess kann man nicht verordnen, er muss von allen gewollt sein und von unten kommen. Wir brauchen kein Fach &bdquo;Gl&uuml;ck&ldquo;, aber wir m&uuml;ssen unser Gegen&uuml;ber zu verstehen suchen. Nur wer versteht, kann etwas &auml;ndern. In Berlin wird f&uuml;r das letzte Schuljahr vermeldet, dass die Zahl der Sch&uuml;ler ohne Schulabschluss von zehn auf 13 Prozent gestiegen ist, in Zahlen von 1.250 auf 1.750.<\/p><p>30 Jahre nach seiner Schulentlassung schreibt mir ein Sch&uuml;ler folgende Zeilen:<\/p><p>Ein nettes Hallo, ich lebe noch, habe geheiratet und eine kleine s&uuml;&szlig;e Tochter, bin endlich angekommen! War neulich in meinem alten Heim und habe Unterlagen bekommen! Krass, was da stand! Aber ich habe mich ver&auml;ndert, ein Gl&uuml;ck! Dank solcher Menschen wie du, Menschen, die es gut mit mir meinten und meine Ausraster nicht abschreckten, ich danke dir f&uuml;r deine Geduld, F&uuml;rsorge und einfach ein Freund zu sein! Meine Worte k&ouml;nnen nicht ausdr&uuml;cken, was du alles f&uuml;r mich gemacht hast in der Zeit, wo kaum einer bei mir war, au&szlig;er danke, danke, danke! Gru&szlig; M.<\/p><p>M. war ein intelligenter Sch&uuml;ler, der zu ungez&uuml;gelten Wutausbr&uuml;chen neigte. Er hatte viele dem&uuml;tigende Erfahrungen in seinem jungen Leben sammeln m&uuml;ssen. Die Mutter zeigte sich als erziehungsunf&auml;hig, gab das Kind in ein Heim. Zeitweise wurde er von einer Psychologen-Familie aufgenommen, wo ihm t&auml;glich klargemacht wurde, dass er nicht dazugeh&ouml;rt. Nicht einmal am selben Tisch durfte er essen, was ihn dem&uuml;tigte. Er wurde Dreht&uuml;rpatient in der geschlossenen Kinder- und Jugendpsychiatrie. Dort war er gemeinsam mit kriminell gewordenen Jugendlichen auf der forensischen Station. Auch dort war er widerst&auml;ndig, durchschaute die manchmal doch seltsamen Behandlungsmethoden. Er kam in eine Isolationszelle, wurde mit starken Medikamenten ruhiggestellt. <\/p><p>Er gab nicht auf. Ich besuchte ihn dort oft, um ihm Ausgang zu verschaffen. Wir gingen gemeinsam essen, diskutierten. Im November 1989 standen wir gemeinsam am Brandenburger Tor, um die Mauer&ouml;ffnung zu erleben. Jetzt ist er verheiratet, hat Familie, hat sich durch erfolgreiche Therapien aus der Drogensucht befreit. Dort lernte er auch seine Frau kennen, Tochter eines Lehrers. Die beiden scheinen sich gegenseitig st&uuml;tzen zu k&ouml;nnen, haben eine gemeinsame Tochter. M. wurde der Arbeitsmarkt immer verwehrt, er gilt als psychisch krank. Er w&auml;re so gerne Tischler geworden, niemand zeigte ihm den Weg dorthin. Nun arbeitet er f&uuml;r die SPD kommunalpolitisch.<\/p><p>Wenig sp&auml;ter meldet sich ein vor knapp 40 Jahren entlassener Sch&uuml;ler S., der von seiner alleinerziehenden Mutter nie Liebe erfahren hatte. Zu Hause verschloss sie alle Zimmer. S. hatte nur Zutritt zur K&uuml;che und Toilette. Das war trostlos und dem&uuml;tigend. Sie schickte ihn wegen knapper Kassen oft zum Stehlen in den Supermarkt, sp&auml;ter ins Heim. Oft schw&auml;nzte er die Schule, die Mutter k&uuml;mmerte sich nicht. Ich suchte S. mit den Klassensprechern, fand ihn, wir gingen gemeinsam essen und reden. Darauf der Anruf der Mutter in der Schule, denn S. erz&auml;hlte ihr davon. &bdquo;Ick will sie mal wat fragen, is det jetzt ihr Sohn oder wie soll ick det vastehen?&ldquo; Ich ignorierte sowohl den Vorwurf als auch ihr schlechtes Gewissen und lud sie zu einem Glas Bier ein. Nun kam der Junge &ouml;fter, landete aber wegen Diebstahls von BVG-Fahrkarten bald im Jugendgef&auml;ngnis. Er hatte im Heim das gelernt, was er noch nicht wusste. Im Knast besuchte ich ihn mit Kollegen. Das hatte er nicht vergessen, diese Form der Zuneigung nie erlebt. Nun wollte er endlich danke sagen, nach fast 40 Jahren. Heute ist er Hausmeister in einer gro&szlig;en Wohnanlage, wird gebraucht.<\/p><p><strong>Armutsgef&auml;hrdung im Alter<\/strong><\/p><p>Im Jahr 2024 hat sich die Lage weiter zugespitzt. In Deutschland leben knapp f&uuml;nf Millionen Menschen von einer Rente knapp unter 1.000 Euro, wobei der Anteil der Frauen viel h&ouml;her ist. Jeder vierte Tafelkunde ist Rentner. Insgesamt gibt es knapp 26 Millionen Rentenbezieher. In meinem n&auml;heren Umfeld gibt es alte Menschen, die ihre Wohnung aus finanzieller Not nicht mehr heizen k&ouml;nnen, es aber klaglos hinnehmen. Die Umwandlung von Mietwohnungen in Eigentum nehmen in meinem Wohnumfeld bedrohliche Ausma&szlig;e an. Ein Rentnerpaar wird von seinem solventen Sohn gerettet, der die Wohnung kauft, um seinen Eltern zu erm&ouml;glichen, dort ihren Lebensabend zu beschlie&szlig;en.<\/p><p>Eine andere wirkt suizidal, da sie keinen Ersatz f&uuml;r ihre wegen Eigenbedarf gek&uuml;ndigte Einliegerwohnung in einer Friedenauer Stadtvilla findet. Sie ist 75 Jahre alt und arbeitet weiter als selbstst&auml;ndige Fu&szlig;pflegerin, da ihre Rente weniger als 800 Euro betr&auml;gt. Die alte Dame, die die Villa besa&szlig;, hatte ihr die kleine Wohnung f&uuml;r eine annehmbare Miete angeboten, und sie lebt seit 15 Jahren dort. Sie hat sich um die Frau gek&uuml;mmert und war f&uuml;r ihre Fu&szlig;pflege zust&auml;ndig. Nun ist die alte Dame verstorben, und die Erben haben die Einliegerwohnung umgehend gek&uuml;ndigt. Man bescheinigt ihr, eine angenehme Mieterin gewesen zu sein, die stets p&uuml;nktlich ihre Miete gezahlt habe, aber nun brauche der ehemalige Richter die kleine Wohnung f&uuml;r seinen 25-j&auml;hrigen Neffen. Dass f&uuml;r den gerade ein Dachgeschoss in einem anderen Bezirk ausgebaut wurde, wie Nachbarn zu berichten wissen, verschweigt der Jurist. Alter oder die soziale Lage interessieren nicht. In den Medien wird das Thema immer wieder aufgegriffen, gleichwohl &auml;ndert sich nichts. Der allgemeine Mietschutz bei Eigenbedarf in Berlin gilt f&uuml;r sogenannte Villen wie diese nicht.<\/p><p>Im <em>RBB<\/em> l&auml;uft am 9. April 2024 um 20.15 Uhr ein Beitrag des <em>WDR<\/em> aus K&ouml;ln: Eigenbedarf: Familie Weiser muss raus. Die sechsk&ouml;pfige Familie Weiser muss die Wohnung verlassen. Sie lebt dort seit vielen Jahren in sozial gebundenem Wohnraum. Der gilt f&uuml;r 30 Jahre. Die Zeit ist abgelaufen, und das Haus steht zum Verkauf. Der private K&auml;ufer, der noch andere H&auml;user in K&ouml;ln besitzt, wo er &auml;hnlich verfahren ist, besteht auf Eigenbedarf. Die Familie Weiser bekommt vor Gericht keine Chance, der Vermieter darf zwei Wohnungen f&uuml;r sich umbauen. Eine andere Mietpartei darf bleiben, sie hat eine andere Richterin, die der Argumentation des neuen Eigent&uuml;mers nicht folgt, der die Wohnung f&uuml;r seinen Sohn reklamiert. Die Filmemacher m&ouml;chten vom FDP-Justizminister ein Statement zum Problem der Umwandlung von Mietwohnungen in Eigentum. Das Problem w&auml;re f&uuml;r den Minister zu klein, kommentiert ein Sprecher in der Abmoderation. Betroffen sind Zehntausende, und es werden t&auml;glich mehr. Im Zeitraum 2011 bis 2020 wurden in Berlin insgesamt 124.421 Mietwohnungen in Eigentumswohnungen umgewandelt.<\/p><p><strong>Die Politik hat sich augenf&auml;llig v&ouml;llig von der Realit&auml;t entfernt<\/strong><\/p><p>Es gingen Hunderttausende auf die Stra&szlig;e, um gegen Rechts zu demonstrieren, Seit an Seit mit den Regierenden wie Scholz und Baerbock in Potsdam.<\/p><p>Wir sollten schauen, was wirklich unserer Demokratie schadet, denn wir werden nicht regiert, sondern beherrscht. Die Meinung der Mehrheit folgt der Macht. Es wird ein Herrschaftsdiskurs gef&uuml;hrt, der andere Sichtweisen versucht auszuschlie&szlig;en. Es ist das Gegenteil des Habermas&lsquo;schen Postulats nach einem herrschaftsfreien Diskurs.<\/p><p>Die Masse sucht in Umbruchszeiten eine Richtung, und die augenblickliche Richtung l&auml;uft auf einen dritten Weltkrieg hinaus.<\/p><p>Freundlich k&ouml;nnte man es betreutes Denken nennen, die Realit&auml;t erinnert jedoch eher an Orwells Wahrheitsministerium. Die Bev&ouml;lkerung ist einer anhaltenden Propagandaflut ausgesetzt, die aus historischen Fakten und Statistiken besteht, die besagtes Ministerium produziert. Gewisse Wahrheiten k&ouml;nnen nur wahr werden, wenn man sie erfindet. Moralismus bestimmt die Debatten. Moralismus f&uuml;hrt jedoch zum Gesinnungsdiktat. Die herrschenden Eliten scheinen Orwells &bdquo;1984&ldquo; nicht als Dystopie, sondern als Handlungsanweisung zu sehen. Robert Habeck f&uuml;hlte sich k&uuml;rzlich von der Realit&auml;t umzingelt. Logisches Denken braucht man, um die Realit&auml;t zu erfassen und Zusammenh&auml;nge zu erkennen. Diese F&auml;higkeit ger&auml;t zunehmend unter Beschuss, alles scheint unprovoziert zu geschehen, wird als alternativlos dargestellt. Einzelne Dinge sollen sich nicht mehr zu einem gr&ouml;&szlig;eren Bild zusammenf&uuml;gen. Die Hinnahme von Logikl&ouml;chern und behelfsm&auml;&szlig;igen, aus der Luft gegriffenen Noterkl&auml;rungen f&uuml;hrt zu einem konditionierten Umdenken, das einem Nichtdenken gleicht. Die Logik der Andersdenkenden wird so als irgendwie verworren wahrgenommen. Eine allumfassende Konfusion wird allgegenw&auml;rtig. Es gibt keine Verbindlichkeit mehr, und wer nicht mehr an die Wirklichkeit gebunden ist, kann sich auch nicht wie Robert Habeck von ihr umzingelt sehen.<\/p><p>Angstkampagnen sind inzwischen ein beliebtes Regierungsinstrument, um &uuml;ber Notrechte demokratische Prozesse auszuhebeln. Die Wissenschaft wird ideologisch impr&auml;gniert. Skeptiker werden ge&auml;chtet und beruflich besch&auml;digt. Es wird Zeit, sie an den runden Tisch der Zukunft zu holen. Es braucht eine ergebnisoffene Debatte. Trotzdem.<\/p><p>Bei mir f&uuml;hrt das dazu, dass die Z&uuml;ndschnur immer k&uuml;rzer wird, ich immer schneller explodiere. Meine Wut zeigt mir jedoch, dass ich noch lebe.<\/p><p><strong>Wo lauern die wirklichen Gefahren?<\/strong><\/p><p>Die Stimmen von Kiesewetter, Strack-Zimmermann und Hofreiter f&uuml;r den Krieg gegen Russland versto&szlig;en gegen den Zwei-plus-Vier-Vertrag, der das vereinigte Deutschland zum Frieden verpflichtet, und sind weit gef&auml;hrlicher als die AfD, die sich einst mit ihren Gr&uuml;ndungsmitgliedern (Alexander Gauland, Bernd Lucke, Konrad Adam und Gerd Robanus) von der CDU abgewandt hatte. Wer solche Fakten benennt, k&ouml;nnte &bdquo;sch&auml;dliche Informationen&ldquo; verbreiten und sich strafbar machen.<\/p><p>Die Politik macht uns gerade klar, dass wir nachgerade eine Bl&uuml;te der Demokratie erleben, gef&ouml;rdert durch abstruse Gesetze wie das der Demokratief&ouml;rderung oder das der Strafbarkeit bei Ansichten, die den Staat delegitimieren, eine bislang nicht bekannte Wortsch&ouml;pfung. Demokratief&ouml;rderung bedeutet, dass der Regierung sympathische Nichtregierungsorganisationen staatliche Unterst&uuml;tzung erhalten und z.B. die oben genannten Demonstrationen gegen Rechts organisieren.<\/p><p>Rechts wird gleichgesetzt mit rechtsextrem und gleichzeitig mit Nazis. Was kennzeichnet Rechtsextremismus: Gleichschaltung, Diskriminierung von Andersdenkenden, ein moralisches &Uuml;berlegenheitsgef&uuml;hl etc. &ndash; und Kriegstreiberei.<\/p><p>Ein marxistischer Veteran beschreibt mir kurz und knapp: Rechte sind konservativ, wertebasiert, Rechtsextreme hingegen reaktion&auml;r, gegen die Interessen der Mehrheit, und Faschismus ist gleich Krieg.<\/p><p>Oskar Lafontaine meint, gegen den Krieg zu sein ist ein origin&auml;rer linker Standpunkt.<\/p><p>Im April 2024 machen die wachsenden Zahlen der Kriminalstatistik Schlagzeilen. Verschwiegen wird dabei, dass es sich um Anzeigen bei der Polizei handelt, nicht um &Uuml;berf&uuml;hrte und bei Gericht Verurteilte. Das Zahlenwerk dient dazu, das Problem der unkontrollierten Einwanderung als kriminalit&auml;tstreibend zu identifizieren und so der AfD-Argumentation in Konkurrenz zu treten.<\/p><p>Der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund ist &uuml;berpr&auml;sentiert. Die Diskussion um die Problematik, speziell die der Jugendgewalt, hat mich mein Berufsleben lang von 1969 bis 2005 begleitet. Die L&ouml;sungsversuche und Angebote waren zweifelhaft bis hilflos, auf keinen Fall nachhaltig.<\/p><p>In diesen Zeiten der zusehenden Verarmung eines Viertels der B&uuml;rger unserer Republik, in Krisen- und Kriegszeiten und Zeiten der Diffamierung von Friedensfreunden, der Verrohung der Sprache gerade w&auml;hrend Corona wachsen die Aggressionen unter prek&auml;ren Jugendlichen besonders. Ich nannte sie einst die &bdquo;&Uuml;berfl&uuml;ssigen&ldquo;, und diese sp&uuml;ren das, werden immer wieder gedem&uuml;tigt und wehren sich mit untauglichen Mitteln, die sie immer mehr ins Abseits f&uuml;hren.<\/p><p>Deshalb brauchen wir eine Politik, die die soziale und politische Lage versteht, um zu realistischen L&ouml;sungen im Interesse der Allgemeinheit zu kommen.<\/p><p><em>Leserbriefe zu diesem Beitrag <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=114438\">finden Sie hier<\/a>.<\/em><\/p><p><small>Titelbild: Kiselev Andrey Valerevich\/shutterstock.com<\/small><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] &bdquo;They are casting their problems at society. And, you know, there&rsquo;s no such thing as society. There are individual men and women and there are families. And no government can do anything except through people, and people must look after themselves first. It is our duty to look after ourselves and then, also, to look after our neighbours.&rdquo; &ndash; Margaret Thatcher in an interview in Women&rsquo;s Own in 1987<br>\nQuelle: <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/politics\/2013\/apr\/08\/margaret-thatcher-quotes\">theguardian.com<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Karl Marx, Friedrich Engels: Das Kommunistische Manifest: Kapitel 1: Bourgeois und Proletarier, aus dem Text der letzten von Friedrich Engels besorgten deutschen Ausgabe von 1890, S. 465<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Ralf Sch&ouml;nball: 1000 Prozent in zehn Jahren, im <em>Tagesspiegel<\/em> vom 14. M&auml;rz 2018<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] <a href=\"https:\/\/kontrast.at\/wien-mietpreise-gefoerderte-wohnungen\/\">https:\/\/kontrast.at\/wien-mietpreise-gefoerderte-wohnungen\/<\/a> von Patricia Huber vom 27. November 2018<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Aufstieg des Individualismus im Zuge des neoliberalen Marktmantras scheint zum Niedergang der Gesellschaft zu f&uuml;hren. Die F&auml;higkeiten, die die Menschen menschlich machen, schwinden &ndash; und damit die Grundlage der Zivilisation. Man kennt nur noch Familien und Individuen: &bdquo;There is no such thing like society.&rdquo;[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=114122#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>] Der Gemeinsinn schwindet wie auch die &Uuml;bernahme von<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=114122\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":114123,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,205,28,161],"tags":[882,1978,2564,2468,2824,909,866,3403,1221,1912,2638,340],"class_list":["post-114122","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-neoliberalismus-und-monetarismus","category-privatisierung","category-wertedebatte","tag-armutsgefaehrdung","tag-geldwaesche","tag-gewalt","tag-immobilienspekulationen","tag-individualismus","tag-kapitalismus","tag-konkurrenzdenken","tag-mietpreise","tag-perspektivlosigkeit","tag-rentenniveau","tag-wohnungsnot","tag-zuwanderung"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Shutterstock_2187567767.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/114122","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=114122"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/114122\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":114503,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/114122\/revisions\/114503"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/114123"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=114122"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=114122"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=114122"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}