{"id":114200,"date":"2024-04-22T09:00:47","date_gmt":"2024-04-22T07:00:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=114200"},"modified":"2024-04-22T15:59:02","modified_gmt":"2024-04-22T13:59:02","slug":"sterben-bis-der-arzt-kommt-karl-lauterbachs-krankenhausreform-ist-lebensgefaehrlich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=114200","title":{"rendered":"Sterben, bis der Arzt kommt: Karl Lauterbachs Krankenhausreform ist lebensgef\u00e4hrlich!"},"content":{"rendered":"<p>Lange L&uuml;ge, kurzer Sinn: Das geplante &bdquo;Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz&ldquo; bringt Versorgungsverschlechterung in der Breite und mehr Profit f&uuml;r gro&szlig;e Klinikbetreiber und Gesundheitsdienstleister. Das Mittel der Wahl ist ein systematischer Standortkahlschlag auf Rechnung der Beitragszahler. Noch vor der geordneten Strukturbereinigung lichtet aktuell eine massive Pleitewelle die Reihen, vor allem auf dem Land. Ad&auml;quaten Ersatz vor Ort gibt es in der Regel keinen. Im Notfall steht der Bestatter bereit. Ein Kommentar von <strong>Ralf Wurzbacher<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2679\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-114200-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240422_Sterben_bis_der_Arzt_kommt_Karl_Lauterbachs_Krankenhausreform_ist_lebensgefaehrlich_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240422_Sterben_bis_der_Arzt_kommt_Karl_Lauterbachs_Krankenhausreform_ist_lebensgefaehrlich_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240422_Sterben_bis_der_Arzt_kommt_Karl_Lauterbachs_Krankenhausreform_ist_lebensgefaehrlich_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240422_Sterben_bis_der_Arzt_kommt_Karl_Lauterbachs_Krankenhausreform_ist_lebensgefaehrlich_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=114200-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240422_Sterben_bis_der_Arzt_kommt_Karl_Lauterbachs_Krankenhausreform_ist_lebensgefaehrlich_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"240422_Sterben_bis_der_Arzt_kommt_Karl_Lauterbachs_Krankenhausreform_ist_lebensgefaehrlich_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Horst Vogel ist ein klassischer Vertreter der &bdquo;einfachen Leute&ldquo;, wie es sie hierzulande dutzende Millionen gibt. Er sagt S&auml;tze wie diesen: &bdquo;Dass es zugesperrt wurde, ist f&uuml;r uns eine Katastrophe gewesen.&ldquo; Gemeint ist das ehemalige Krankenhaus in Hersbruck, einer Kleinstadt im N&uuml;rnberger Land. 2019 hat es dichtgemacht und s&auml;mtliche Versprechungen, ad&auml;quaten Ersatz zu schaffen &ndash; &bdquo;ein &Auml;rztehaus, mit Tagesbettenstationen und allem Zeug&ldquo; &ndash;, blieben unerf&uuml;llt. Alles nur &bdquo;vorgegaukelt, (&hellip;) gekriegt haben wir gar nichts&ldquo;, beklagt der Rentner. Damals hatte er wie viele andere gegen die Schlie&szlig;ung gek&auml;mpft, einmal war er mit 3.000 Mitstreitern auf die Stra&szlig;e gegangen. &bdquo;Gebracht hat&lsquo;s nicht viel, aber wir haben es wenigstens versucht.&ldquo;<\/p><p>Und heute? Vogel erz&auml;hlt von einem Stammtischkollegen, der im Wirtshaus zusammengebrochen ist. Bis der Rettungswagen da war, &bdquo;sind 30 bis 40 Minuten verflogen&ldquo;. Der Notarzt habe zun&auml;chst nicht gewusst, wohin, &bdquo;weil die Krankenh&auml;user abgemeldet waren&ldquo;, bef&ouml;rdert habe man den Mann dann nach Sulzbach-Rosenberg. Das liegt 27 Kilometer entfernt von Hersbruck, das in puncto medizinischer Versorgung zusehends ausblutet. &bdquo;Die &Auml;rzte wandern ab, die Haus&auml;rzte werden immer weniger&ldquo;, schildert Vogel und bringt die Sache auf den Punkt: &bdquo;Das ist schlecht, weil wir einfach eine gescheite Versorgung brauchen auf dem Land.&ldquo;<\/p><p><strong>Betroffene packen aus<\/strong><\/p><p>Wie Vogel denken zahllose Menschen in Deutschland. Das &bdquo;B&uuml;ndnis Klinikrettung&ldquo; gibt ihnen im Rahmen einer neu aufgelegten <a href=\"https:\/\/www.gemeingut.org\/betroffene-berichten-wenn-ihr-uns-nicht-helft-dann-liegen-wir-in-euren-betten-wenn-ihr-uns-nicht-helft-dann-liegen-wir-in-eurem-krankenhaus\/\">Videoserie<\/a> eine Stimme. Im Wochentakt wird jeweils ein Patient, eine &Auml;rztin oder ein Krankenpfleger aus &bdquo;pers&ouml;nlicher Erfahrung&ldquo; berichten, dar&uuml;ber, wie es ist, wenn in der &ouml;rtlichen Klinik die Lichter ausgehen. Damit k&auml;men diejenigen zu Wort, die in der Debatte &bdquo;bisher weitestgehend ignoriert wurden: die Betroffenen&ldquo;, hei&szlig;t es in einer Medienmitteilung. Das Projekt sei ein &bdquo;dringlicher Appell gegen die geplante Krankenhausreform, mit der systematische Schlie&szlig;ungen von kleineren Krankenh&auml;usern vor allem auf dem Land vorgesehen sind&ldquo;.<\/p><p>&bdquo;Betroffen&ldquo; von der &bdquo;gro&szlig;en Krankenhausreform&ldquo;, die Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) ins Werk setzen m&ouml;chte, ist auch Gerald Ga&szlig;, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG). Auch er stellt sich gerne als Gegner des Vorhabens dar, etwa indem er dem Minister vorwirft, mit dem Gerede von mehr Qualit&auml;t und einer besseren Patientenversorgung &bdquo;die &Ouml;ffentlichkeit zu t&auml;uschen&ldquo;. Dabei wolle Lauterbach tats&auml;chlich nur <a href=\"https:\/\/www.dkgev.de\/dkg\/presse\/details\/laender-kaempfen-fuer-die-interessen-der-patienten\/\">&bdquo;die Versorgungsstrukturen in ganz Deutschland in seine Berliner Schablone pressen&ldquo;<\/a>. Als &bdquo;Mitk&auml;mpfer&ldquo; hat der DKG-Chef die Bundesl&auml;nder auserkoren. Die b&ouml;ten Lauterbach Paroli, &bdquo;um Versorgungsengp&auml;sse, lange Wartelisten und ungleiche Lebensbedingungen in Stadt und Land zu vermeiden&ldquo;. Und s&auml;hen sich &bdquo;in der Verantwortung, mit dem Blick auf die Regionen gemeinsam und im Dialog mit den Krankenhaustr&auml;gern die Gesundheitsversorgung evolution&auml;r weiterzuentwickeln&ldquo;. Ga&szlig;&lsquo; Verdikt zum Mitschreiben: &bdquo;Die L&auml;nder k&auml;mpfen f&uuml;r die Interessen der Patienten.&ldquo;<\/p><p><strong>Master of destruction<\/strong><\/p><p>Vorsicht Falle! Jene, die sich dieser Tage so eifrig und lautstark als Bewahrer und Entwickler der Krankenhausversorgung gerieren, bet&auml;tigen sich in Wahrheit als Abrissunternehmer. Gerade die Bundesl&auml;nder sind wahre Meister im Demolieren. Seit einer halben Ewigkeit lassen sie die Kliniken am langen Arm verhungern. Nach dem sogenannten Zwei-S&auml;ulen-Modell sind sie eigentlich verpflichtet, deren Investitionen zu finanzieren, was sie allerdings aus &bdquo;Spargr&uuml;nden&ldquo; seit drei Jahrzehnten bestenfalls zur H&auml;lfte der Erforderlichkeiten leisten. Anfang der 1970er-Jahre entsprachen die Investitionsmittel noch 25 Prozent der Ausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), die neben den privaten Krankenkassen die laufenden Kosten der Kliniken deckt. 2022 lag der Finanzaufwand nach GKV-Angaben <a href=\"https:\/\/www.gkv-spitzenverband.de\/gkv_spitzenverband\/presse\/pressemitteilungen_und_statements\/pressemitteilung_1459200.jsp\">&bdquo;unterhalb von vier Prozent&ldquo;<\/a>.<\/p><p>Vor diesem Hintergrund: Worin besteht heute der &bdquo;Kampf&ldquo; der L&auml;nder f&uuml;r die Patienten? Aktuell drohen sie mit einer <a href=\"https:\/\/www.br.de\/nachrichten\/deutschland-welt\/krankenhausreform-verfassungswidrig-laender-legen-gutachten-vor,UADdi08\">Verfassungsklage<\/a>, weil ihnen die &Uuml;bergriffigkeit des Bundes in die landeshoheitliche Krankenhausplanung sowie Lauterbachs Anma&szlig;ung nicht passt, sein &bdquo;Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz&ldquo; (KHVVG) am Bundesrat vorbei beschlie&szlig;en zu wollen. Auch st&ouml;rt sie die Tatenlosigkeit der Ampel angesichts des laufenden Kliniksterbens, f&uuml;r das sie mit ihrer K&uuml;rzungspolitik entscheidende Mitverantwortung tragen. Dazu kamen mit den j&uuml;ngsten Krisen weitere Widrigkeiten. Die Pandemie hat die Patientenzahlen massiv und bis heute anhaltend einbrechen lassen. Mit dem Energiepreisschock im Gefolge des Ukraine-Kriegs hat sich die finanzielle Lage vielerorts noch dramatisch zugespitzt. Inzwischen stecken zwei Drittel der bundesweit noch rund 1.900 Vollversorger in akuten finanziellen N&ouml;ten. Die DKG rechnet allein im laufenden Jahr mit bis zu 80 weiteren Insolvenzen, nachdem seit Beginn der Pandemie schon &uuml;ber 60 H&auml;user pleitegegangen sind.<\/p><p>&bdquo;<strong>Jede zweite&ldquo; Klinik weg<\/strong><\/p><p>Vor allem missf&auml;llt den L&auml;ndern, dass sich der Kahlschlag so ungeordnet vollzieht, als &bdquo;kalte Strukturbereinigung&ldquo;, und &uuml;ber Nacht ganze Regionen zur Versorgungsw&uuml;ste verkommen k&ouml;nnten. Deshalb fordern sie wie auch die Klinikverb&auml;nde &bdquo;Soforthilfen&ldquo; in Milliardenh&ouml;he, die ihnen Lauterbach aber stur verweigert. Nicht einmal einen Inflationsausgleich hat die Bundesregierung bisher bewilligt. Das hat Kalk&uuml;l: &bdquo;Jeder wei&szlig;, dass wir in Deutschland mindestens jede dritte, eigentlich jede zweite, Klinik schlie&szlig;en sollten&ldquo;, hatte Lauterbach im Sommer 2019, seinerzeit als SPD-Abgeordneter, bekannt. Heute agiert er zur&uuml;ckhaltender, spricht lieber von &bdquo;mehr Qualit&auml;t&ldquo; durch &bdquo;mehr Spezialisierung&ldquo;. Gleichwohl gab er dieser Tage Bescheid, es werde zu Klinikschlie&szlig;ungen kommen, und das sei so <a href=\"https:\/\/www.merkur.de\/politik\/lauterbach-will-klinikreform-trotz-differenzen-vorantreiben-zr-93015542.html\">auch gewollt<\/a>. Dies seien aber gezielte und geplante Abwicklungen im Sinne der Reform und keine, die sich erg&auml;ben, weil ben&ouml;tigte H&auml;user nicht &uuml;ber die Runden k&auml;men.<\/p><p>Genau das geschieht gegenw&auml;rtig vielerorts: Ben&ouml;tigte H&auml;user gehen den Bach runter, und der Minister l&auml;sst es geschehen. Und je l&auml;nger das so geht, desto gr&ouml;&szlig;er sind am Ende die Verluste beziehungsweise die Gewinne der gro&szlig;en Klinikkonzerne und privaten Gesundheitsdienstleister, deren Agenda er vertritt. Diese nehmen sich der &bdquo;heimatlosen&ldquo; Patienten gerne an und steigern so ihre Renditen. Aus der Perspektive sogenannter Gesundheits&ouml;konomen, die Gesundheit als Gesch&auml;ft begreifen, macht das Sinn. Die r&uuml;ckl&auml;ufige Nachfrage muss auf weniger Profiteure verteilt werden. Deshalb degradiert man vornehmlich kleinere, &ouml;ffentliche und H&auml;user im l&auml;ndlichen Raum mittels &bdquo;Leveln&ldquo; und &bdquo;Leistungsgruppen&ldquo; zu schn&ouml;den Ambulanzen ohne Rundum- und Notfallversorgung und schleust so die &bdquo;Kundschaft&ldquo; in die entfernten Vollkrankenh&auml;user und Spezialkliniken. Das ist der Kern der Lauterbach-Reform, wie ihn Jens Berger im Beitrag <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=91376\">&bdquo;Lauterbachs &sbquo;Revolution&lsquo; &ndash; Einfalltor f&uuml;r den Kahlschlag im Krankenhaussystem&ldquo;<\/a> beleuchtet hat.<\/p><p><strong>Gef&uuml;gige Widersacher<\/strong><\/p><p>Indes sind die L&auml;nder weit davon entfernt, das Projekt vom Prinzip her infrage zu stellen. Vielmehr betonen ihre Vertreter zu jeder Gelegenheit ihre wohlwollende Unterst&uuml;tzung. <a href=\"https:\/\/www.br.de\/nachrichten\/deutschland-welt\/krankenhausreform-verfassungswidrig-laender-legen-gutachten-vor,UADdi08\">Allen sei klar, dass es eine Krankenreform (sic!) geben m&uuml;sse<\/a>, aber eben eine, die mit dem Grundgesetz vereinbar sei. Laut DKG-Chef Ga&szlig; sperrten sich auch die Krankenhaustr&auml;ger nicht gegen die &bdquo;notwendigen Weiterentwicklungen&ldquo;, die da w&auml;ren: &bdquo;insgesamt weniger Krankenhausstandorte, Umwandlungen in regionale Gesundheitszentren, Standortfusionen, die st&auml;rkere Konzentration besonders komplexer Behandlungen in Zentren und mehr ambulante Versorgung&ldquo;. Das alles sind blumige Umschreibungen f&uuml;r Marktbereinigung, die nur bitte sch&ouml;n nicht so rabiat und planlos wie heute abgehen soll und gef&auml;lligst in Hauptzust&auml;ndigkeit der Landes- und Kommunalpolitik. Allerdings sitzt der Gesundheitsminister am l&auml;ngeren Hebel. Bei anhaltender Renitenz der L&auml;nder und weiteren Verz&ouml;gerungen bei der Gesetzgebung geht das chaotische Kliniksterben munter weiter, womit der Minister seinem Maximalziel &ndash; &bdquo;jede zweite Klinik&ldquo; weg &ndash; n&auml;herkommt. Denn Geld &ndash; dann f&uuml;r den systematischen Abbruch &ndash; soll es erst mit Inkrafttreten der Reform geben. Konkret soll der Umbau mit 50 Milliarden Euro von 2025 an &uuml;ber einen Zeitraum von zehn Jahren unterf&uuml;ttert werden (wohlgemerkt auf Rechnung der Beitragszahler, wogegen mit Recht der GKV-Spitzenverband wettert).<\/p><p>Wie gef&uuml;gig Lauterbachs &bdquo;Widersacher&ldquo; im Ernstfall sind, hat sich bereits in der Debatte um das &bdquo;Transparenzgesetz&ldquo; gezeigt. Das ist eine Art <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=111605\">Vorschaltgesetz zur gro&szlig;en Klinikreform <\/a> und nimmt die Einteilung der Standorte nach &bdquo;Leveln&ldquo; vorweg. Per &bdquo;Klinik-Atlas&ldquo; soll f&uuml;r jeden im Internet ersichtlich werden, welche Klinik welche Behandlungen wie gut oder schlecht mit welchem Personal bew&auml;ltigen kann. Was mit dem Schlagwort &bdquo;Transparenz&ldquo; beworben wird, ist Kritikern zufolge ein Ranking, um Patientenstr&ouml;me umzuleiten, weg von den kleinen hin zu den gro&szlig;en Fischen. Damit werde, noch ehe die Kernreform in Kraft ist, die laufende Konkurswelle forciert. Und sobald sie erst in Kraft ist, f&auml;llt die Auswahl der Abschusskandidaten noch leichter. Auf der Strecke blieben dabei wohl zuerst die &bdquo;Level-1i&ldquo;-H&auml;user, die k&uuml;nftig nur mehr als &bdquo;sektoren&uuml;bergreifende Versorgungszentren&ldquo; firmieren sollen, mit &uuml;berwiegend ambulantem Charakter, ohne durchgehende &auml;rztliche Versorgung und unter pflegerischer statt &auml;rztlicher Leitung stehend. Die L&auml;nder hatten sich lange gegen das Konzept mit den &bdquo;Leveln&ldquo; gewehrt. Am Ende gaben sie f&uuml;r das Gesetz im Vermittlungsausschuss gr&uuml;nes Licht.<\/p><p><strong>Schlechter oder gar kein Ersatz<\/strong><\/p><p>Was folgt daraus? Selbsternannten &bdquo;Patientensch&uuml;tzern&ldquo; ist mit gr&ouml;&szlig;ter Vorsicht zu begegnen. Wer sein &ouml;rtliches Krankenhaus retten will, sollte lieber auf eigene Faust daf&uuml;r k&auml;mpfen. Je mehr das tun, desto besser stehen die Aussichten auf Erfolg. Denn ist die Klinik erst einmal weg, kommt in der Regel auch nichts mehr nach. Obgleich die Politik stets anderes behauptet. Auch Lauterbach verspricht f&uuml;r alle geschlossenen H&auml;user Ersatzl&ouml;sungen, sogar mit qualitativem Mehrwert in der Breite. Das &bdquo;B&uuml;ndnis Klinikrettung&ldquo; ist der Sache auf den Grund gegangen und hat in einer vor einem Monat vorgelegten <a href=\"https:\/\/www.gemeingut.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/3_Studie_Ersatz-Krankenhausschliessungen_Studie_BKR.pdf\">Analyse<\/a> die Folgen der Abwicklung von insgesamt 66 Allgemeinkrankenh&auml;usern seit 2020 nachgezeichnet.<\/p><p>Ergebnisse: Bei 51 blieben die T&uuml;ren f&uuml;r immer zu, womit in 77 Prozent der F&auml;lle die station&auml;ren Betten vollst&auml;ndig wegfielen, 7.632 an der Zahl. Erhalten blieben lediglich 1.059 Betten, entweder infolge der Umwandlung in kleinere Fachkliniken oder durch Verlagerung an andere Standorte. Komplett kompensiert wurde der Verlust an Kapazit&auml;ten nur bei drei Schlie&szlig;ungen, wobei die Betten auch hier &bdquo;ganz oder teilweise&ldquo; an andere Stelle &bdquo;umgezogen&ldquo; sind. Die Konsequenz: &bdquo;Gesch&auml;tzt 400.000 Menschen mehr erreichen das n&auml;chste Krankenhaus nicht mehr innerhalb einer Fahrzeit von maximal 30 Minuten.&ldquo;<\/p><p><strong>Rettung fern, Patient tot<\/strong><\/p><p>Und wo es doch Ersatz gab? In knapp 30 Prozent der F&auml;lle sei der Bau von Gesundheitszentren in Angriff genommen worden, wobei diese nach Fertigstellung &bdquo;nur unzureichend ausgestattet&ldquo; seien. Alternativ w&auml;ren Alten- und Pflegeheime (neun Prozent), &Auml;rzteh&auml;user oder Tageskliniken (vier Prozent) sowie Fach- und Rehakliniken aufgetaucht. Nur da, wo an die Stelle einer Klinik ein Gesundheitszentrum trat, bestehen laut Auswertung &uuml;berhaupt noch Regelungen zur Notfallversorgung. Alternativ greife allenfalls der Bereitschaftsdienst der Kassen&auml;rztlichen Vereinigungen. In kleinst&auml;dtischen und l&auml;ndlichen Regionen mit akutem &Auml;rztemangel sei dieses reduzierte Angebot aber &bdquo;nicht rund um die Uhr gew&auml;hrleistet&ldquo;.<\/p><p>Bernd Hontschik, Facharzt f&uuml;r Chirurgie und Buchautor, zog bei der Vorstellung der Studie Bilanz: &bdquo;Zentralisierte Krankenh&auml;user mit gro&szlig;artigen personellen und technischen Voraussetzungen helfen nicht, wenn der Patient sie nicht mehr erreicht.&ldquo; Hersbruck ist bald &uuml;berall in Deutschland.<\/p><p><small>Titelbild: LightField Studios#\/shutterstock.com<\/small><br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/c52dffaf1b384c9aac5b7f6c0859717c\" alt=\"\" title=\"\" height=\"1\" width=\"1\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lange L&uuml;ge, kurzer Sinn: Das geplante &bdquo;Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz&ldquo; bringt Versorgungsverschlechterung in der Breite und mehr Profit f&uuml;r gro&szlig;e Klinikbetreiber und Gesundheitsdienstleister. Das Mittel der Wahl ist ein systematischer Standortkahlschlag auf Rechnung der Beitragszahler. Noch vor der geordneten Strukturbereinigung lichtet aktuell eine massive Pleitewelle die Reihen, vor allem auf dem Land. Ad&auml;quaten Ersatz vor Ort gibt es<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=114200\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":114201,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,149,156],"tags":[373,704,768,544,562,3009],"class_list":["post-114200","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-gesundheitspolitik","category-schulden-sparen","tag-oekonomisierung","tag-gesundheitsreform","tag-gkv","tag-insolvenz","tag-lauterbach-karl","tag-standortschliessungen"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Shutterstock_766454218.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/114200","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=114200"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/114200\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":114238,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/114200\/revisions\/114238"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/114201"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=114200"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=114200"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=114200"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}