{"id":114427,"date":"2024-04-28T13:00:21","date_gmt":"2024-04-28T11:00:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=114427"},"modified":"2024-04-27T07:42:52","modified_gmt":"2024-04-27T05:42:52","slug":"die-dunkle-seite-von-nestle-brennende-kaffeesaecke-in-chiapas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=114427","title":{"rendered":"Die dunkle Seite von Nestl\u00e9: Brennende Kaffees\u00e4cke in Chiapas"},"content":{"rendered":"<p>Nestl&eacute; ist die Nummer 1 im globalen Kaffeegesch&auml;ft. Auch ethisch will der Schweizer Konzern Branchenf&uuml;hrer sein: Ab 2025, so das Versprechen, soll sein Kaffee zu 100 Prozent aus &bdquo;verantwortungsvoller&rdquo; Produktion stammen. Insbesondere f&uuml;r seinen Pulverkaffee verfolgt Nestl&eacute; jedoch eine r&uuml;cksichtslose Einkaufspolitik. Den Preis daf&uuml;r zahlen die B&auml;uerinnen und Bauern, wie sich bei unserer Recherche in Chiapas\/Mexiko zeigte. Kaum angekommen, fanden wir uns mitten in w&uuml;tenden Protesten gegen Nestl&eacute; wieder. Von <strong>Florian Blumer, Carla Hoinkes, Mariana Morales<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_631\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-114427-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240426-Dunkle-Seite-von-Nestle-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240426-Dunkle-Seite-von-Nestle-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240426-Dunkle-Seite-von-Nestle-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240426-Dunkle-Seite-von-Nestle-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=114427-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240426-Dunkle-Seite-von-Nestle-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"240426-Dunkle-Seite-von-Nestle-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Pulverisierte Hoffnung<\/strong><\/p><p>Eduardo Camarena, Kaffeebauer im mexikanischen Bundesstaat Chiapas[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>], war an einem Tiefpunkt in seinem Leben angelangt. Er musste private Schicksalsschl&auml;ge verkraften, auch auf seiner Farm lief es nicht. Die Pflanzen wollten nicht wachsen, er hatte mit einer D&uuml;rre zu k&auml;mpfen. Dann kam der &bdquo;Nescaf&eacute; Plan&rdquo;[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>]. &bdquo;Daran teilzunehmen&rdquo;, sagt Camarena strahlend im&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=fI9i-0imqoI&amp;t=3s\">Nestl&eacute;-Werbevideo<\/a>, w&auml;hrend fr&ouml;hliche Musik im Hintergrund l&auml;uft, &bdquo;war die beste Entscheidung meines Lebens.&rdquo; Die Agronomen von Nestl&eacute; h&auml;tten ihn gelehrt, sein Gesch&auml;ft zu managen und die Ernte zu verbessern. Ja, er sei sogar ein besserer Mensch geworden. Und das Wichtigste: &bdquo;Ich kann nun das Versprechen an meinen verstorbenen Gro&szlig;vater einl&ouml;sen und die Familienfarm weiterf&uuml;hren.&rdquo;<\/p><p>15. Februar 2024 &ndash; neun Jahre nach Produktion des Videos &ndash; an der &bdquo;Ruta del Caf&eacute;&rdquo;, jener Landstra&szlig;e, an der sich eine Kaffeefarm an die andere reiht: Rund 200 B&auml;uerinnen und Bauern aus der ganzen Region haben sich am fr&uuml;hen Morgen getroffen, um die Stra&szlig;e au&szlig;erhalb von Tapachula, dem Hauptort der Kaffeeregion Soconusco, zu blockieren. Ihre Wut richtet sich gegen den Schweizer Lebensmittelkonzern. &bdquo;Nestl&eacute; &ndash; Unternehmen ohne Ethik, treibt Chiapas in die Armut&rdquo; steht auf einem Banner, auf einem anderen: &bdquo;Wenn Armut eine Tatsache ist, ist demonstrieren ein Recht&rdquo;. Eduardo Camarena, der Bauer aus dem Nescaf&eacute;-Video, steht vor brennenden Kaffees&auml;cken mit der Aufschrift &bdquo;Plan Nescaf&eacute;&rdquo; und ruft: &bdquo;Plan Nescaf&eacute; &ndash; pura mentira!&rdquo;, &bdquo;Nescaf&eacute; Plan &ndash; blanke L&uuml;ge!&rdquo;<\/p><p>Was ist passiert?<\/p><p><strong>Das gro&szlig;e Versprechen<\/strong><\/p><div class=\"imagewrap\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/280524-Nestle-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p><small>Eduardo Camarena mit seinem Sohn beim Protest vom 5. Februar vor dem Zwischenh&auml;ndler Merino (Screenshot)<br>\nQUELLE: <a href=\"https:\/\/stories.publiceye.ch\/nestle-kaffee\/\">FLORIAN BLUMER<\/a><\/small><\/p><p>Wir treffen Eduardo Camarena an der Ruta del Caf&eacute;, rund eine Stunde au&szlig;erhalb von Tapachula, dort, wo ein staubiges Str&auml;&szlig;chen durchsetzt mit gro&szlig;en Steinbl&ouml;cken zu seiner Finca &bdquo;El Capricho&rdquo; f&uuml;hrt &ndash; mit 70 Hektar Land eine mittelgro&szlig;e Kaffeefarm. Wir steigen in Camarenas nicht mehr ganz neuen, aber noch immer gel&auml;ndetauglichen Pick-up. Sogleich beginnt er zu erz&auml;hlen: &bdquo;Das gro&szlig;e Problem in der Region ist, dass wir alle von Arabica auf Robusta umgestellt haben. Vor 14 Jahren sind Agronomen von Nestl&eacute; in die Region gekommen. Sie haben erz&auml;hlt, dass sie uns unterst&uuml;tzen werden, wenn wir Robusta pflanzen, mit Schulungen und ertragreichen Pflanzen. Wir k&ouml;nnten damit unsere Eink&uuml;nfte verdoppeln.&rdquo;<\/p><p>Robusta ist die Kaffee-Art, die Nestl&eacute; vor allem f&uuml;r die Produktion des Nescaf&eacute;-Pulverkaffees braucht &ndash; es ist ein boomender Markt. Die Robusta-Sorten sind in der Regel widerstandsf&auml;higer und pflegeleichter als Arabica-Sorten. Hingegen gelten sie als qualitativ minderwertiger und erzielen entsprechend geringere Preise.<\/p><p><strong>&bdquo;Wir sind Sklaven von Nestl&eacute;&rdquo;<\/strong><\/p><p>Auf halbem Weg zu Camarenas Farm treffen wir auf eine Gruppe von M&auml;nnern, Kleinbauern mit maximal zwei, drei Hektar Land &ndash; wie die gro&szlig;e Mehrheit der Kaffeeproduzenten im Soconusco und weltweit. Auch sie haben auf Robusta gesetzt. Sie sind sichtlich aufgebracht, einer von ihnen klagt: &bdquo;Wir leben vom Kaffee, wir haben Familien zu ern&auml;hren! Aber mit dem Preis, den uns Nestl&eacute; zahlt, geht es nicht auf. Faktisch sind wir Sklaven von Nestl&eacute;.&rdquo;<\/p><p>Tats&auml;chlich hat sie die Umstellung auf Robusta in eine totale Abh&auml;ngigkeit vom Lebensmittelriesen gebracht. Sie sind zwar nicht verpflichtet, an Nestl&eacute; zu verkaufen, doch au&szlig;er Nestl&eacute; gibt es in der Region praktisch keine K&auml;ufer f&uuml;r ihren Robusta-Kaffee.<\/p><p>Dabei beschafft Nestl&eacute; den Kaffee nicht direkt, sondern &uuml;ber Zwischenhandelsfirmen &ndash; in Tapachula sind dies haupts&auml;chlich Casemex, EGOS und Merino &ndash;, die den Produzenten in der Erntezeit von Oktober bis M&auml;rz die getrockneten Kaffeekirschen abkaufen. Bauern mit gr&ouml;&szlig;eren Farmen wie Eduardo Camarena bringen ihre Ernte selbst ins Lager der Firmen, Kleinb&auml;uerinnen und -bauern verkaufen sie meist auf dem Hof an einen Mittelsmann, &bdquo;Coyote&rdquo; genannt, der den Transport zu den Zwischenhandelsfirmen organisiert. Dort werden die Bohnen herausgesch&auml;lt und an Nestl&eacute; weiterverkauft. Wie uns ein Vertreter von EGOS best&auml;tigte, geht ihr Kaffee zu 100 Prozent an Nestl&eacute;.<\/p><p><strong>Nach drei Jahren Nescaf&eacute; Plan: &bdquo;Ende der Fiesta&rdquo;<\/strong><\/p><p>Nach dem spontanen Stopp bei den Kleinbauern fahren wir weiter zu Eduardo Camarenas Finca &bdquo;El Capricho&rdquo;. Dort zeigt er uns seine Nescaf&eacute;-Plan-Unterlagen: Die Bedingungen, die er im Rahmen des Nachhaltigkeitsstandards 4C[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>]&nbsp;erf&uuml;llen muss, Schuldokumente, Diplome. Er zeigt uns ein Klassenfoto mit der &bdquo;ersten Generation der Nescaf&eacute;-Schule&rdquo;: Er und seine 54 Mitsch&uuml;ler und Mitsch&uuml;lerinnen, die aus allen s&uuml;dlichen Bundesstaaten Mexikos stammen. &Uuml;ber drei Jahre hinweg besuchte er Kurse, erhielt Nestl&eacute;-Setzlinge, Nescaf&eacute;-Agronomen und -Agronominnen instruierten ihn auf seiner Farm, sogar ein Nestl&eacute;-Manager aus der Schweiz besuchte ihn. &bdquo;Und dann&rdquo;, sagt er mit sarkastischem Unterton, &bdquo;war die Fiesta zu Ende.&rdquo;<\/p><p>Er habe viel Geld in den Umbau seines Hofs gesteckt, um die 4C-Auflagen bez&uuml;glich Arbeitsbedingungen und Umwelt zu erf&uuml;llen. Doch mit den aktuellen Preisen gehe die Rechnung nicht auf: &bdquo;Auch ohne den teuren D&uuml;nger kostet mich die Produktion fast 30 Pesos pro Kilo. Nestl&eacute; zahlt aber weniger als das.&rdquo; Die Nestl&eacute;-Kurse liefen unter dem Titel &bdquo;Gemeinsame Wertsch&ouml;pfung im Kaffee-Unternehmen&rdquo;. Sie zielten darauf ab, die B&auml;uerinnen und Bauern zu Unternehmern auszubilden, mit dem Versprechen, dass auch sie profitieren w&uuml;rden. Camarena sagt bitter: &bdquo;Dieses Versprechen haben sie gebrochen.&rdquo;<\/p><p>Elmar Morales teilt Camarenas Erfahrungen. Der Kaffeebauer lebt mit seiner Frau, ihren zwei kleinen Kindern und seinen Eltern auf der Finca der Familie. Auch er glaubte Nestl&eacute;s Versprechen und wurde 2012 Teil der &bdquo;zweiten Generation&rdquo; der Nescaf&eacute;-Plan-Bauern. Auch bei ihm ist nur noch Wut und Frustration &uuml;brig. Besonders schmerzt ihn, dass sein Gesicht und das seiner Mutter auf Nescaf&eacute;-Etiketten verwendet wurde mit der Behauptung, das Trinken dieses Kaffees verhelfe den B&auml;uerinnen und Bauern in Chiapas zu einem besseren Leben.<\/p><div class=\"imagewrap\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/280524-Nestle-02.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p><small>Gl&uuml;ckliche Bauern nur auf dem Papier: Elmar Morales und seine Mutter als Werbetr&auml;ger auf Nescaf&eacute;-Gl&auml;sern.<br>\nQUELLE: <a href=\"https:\/\/stories.publiceye.ch\/nestle-kaffee\/\">DAMI&Aacute;N S&Aacute;NCHEZ<\/a><\/small><\/p><p>Ende Januar 2024 traf sich Elmar Morales mit Eduardo Camarena und weiteren Kaffeeb&auml;uerinnen und -bauern, um den lokalen Medien ihren Unmut kundzutun und einen Protestbrief an Nestl&eacute; zu verfassen: Der Preis von 26 mexikanischen Pesos, den sie aktuell f&uuml;r den Kaffee erhalten, sei v&ouml;llig unzureichend. 35 Pesos pro Kilo (1,80 Franken, Stand Februar 2024) sei das Mindeste, um die effektiven Produktionskosten decken zu k&ouml;nnen.<\/p><p>Der Preis liegt deutlich unter dem Vorjahrespreis &ndash; obwohl der Robusta-Preis an der global ma&szlig;gebenden Londoner B&ouml;rse im selben Zeitraum um 50 Prozent auf den h&ouml;chsten Wert seit 30 Jahren geklettert ist. Nestl&eacute;&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.asich.com\/nestle-se-defiende-ante-demanda-publica-para-que-pague-mejores-precios-a-productores-de-chiapas.html\">gibt an<\/a>, sich bei der Preissetzung jeweils an der Entwicklung auf den internationalen M&auml;rkten zu orientieren. Tats&auml;chlich wurde ein tiefer Preis in der Vergangenheit oft mit dem tiefen B&ouml;rsenpreis begr&uuml;ndet. Jetzt, wo dieser hoch ist, spielt er aber offenbar keine Rolle.<\/p><p>Der tiefe Preis ist f&uuml;r die Bauern umso problematischer, als sie zur Zeit mit stark gestiegenen Produktions- und Lebenshaltungskosten zu k&auml;mpfen haben. Wer es sich leisten kann, h&auml;lt deshalb seinen Kaffee erst einmal zur&uuml;ck. Viele waren jedoch schon zu Beginn der Ernte gezwungen zu verkaufen, da sie das Geld zur Finanzierung der weiteren Ernte brauchten.<\/p><p>Um gut vom Kaffeeanbau leben zu k&ouml;nnen, w&auml;ren um die 40 bis 50 Pesos pro Kilo n&ouml;tig. Solche Preise zu verlangen, erscheint jedoch angesichts des aktuellen Preiskampfs v&ouml;llig illusorisch. Eine B&auml;uerin formulierte es so: &bdquo;Wir bitten doch nicht um die Perlen der heiligen Jungfrau! Alles, was wir verlangen, ist ein Preis, der uns in W&uuml;rde leben l&auml;sst.&rdquo; Nestl&eacute; erkl&auml;rte sich jedoch als Reaktion auf den Protestbrief erst einmal f&uuml;r nicht zust&auml;ndig. Die Produzenten sollten sich mit ihrem Anliegen doch an die lokalen Zwischenhandelsfirmen wenden.<\/p><p>So finden sich am Morgen des 5. Februar 25 Kaffeeb&auml;uerinnen und -bauern vor den Toren von Casemex ein, um dem Chef der Firma ihr Leid zu klagen. Elmar Morales ergreift das Wort. Mit erregter Stimme sagt er: &bdquo;An der Nescaf&eacute;-Schule haben sie uns gelehrt, die Produktion zu verdoppeln. Dann haben sie uns fallen gelassen. Sie haben uns Werte gelehrt, Prinzipien, Ethik. Wo ist die ganze Theorie geblieben?&rdquo; Der Casemex-Chef h&ouml;rt den B&auml;uerinnen und Bauern etwas bleich, aber geduldig zu. Er best&auml;tigt, was allen Anwesenden l&auml;ngst klar ist: dass er am Preis nichts &auml;ndern k&ouml;nne. Dieser werde von Nestl&eacute; vorgegeben. Er werde ihre Klagen aber dem Konzern weiterleiten und Bescheid geben, sobald er Antwort erhalte.<\/p><p><strong>Der Kaffee der Armen<\/strong><\/p><p>Ein paar Tage darauf sind wir mit dem Kleinbauern Octaviano Morales Salas im Taxi unterwegs nach Villaflor, rund eineinhalb Stunden entfernt von Tapachula. 320 Landbesitzer und -besitzerinnen wohnen im Bezirk, erz&auml;hlt der 70-J&auml;hrige, die wie er zwischen einer halben und 15 Hektar Land bewirtschaften. Sie alle w&uuml;rden vom Robusta-Kaffee leben, den sie f&uuml;r Nestl&eacute; produzieren. &bdquo;El caf&eacute; de los pobres&rdquo;, den Kaffee der Armen, nennt ihn Octaviano Morales Salas.<\/p><p>An diesem Tag findet in Villaflor eine &bdquo;junta&rdquo; statt &ndash; ein alle zwei bis drei Monate abgehaltenes Treffen, zu dem Vertreter der umliegenden D&ouml;rfer zusammenkommen, um Anliegen zu besprechen und Beschl&uuml;sse zu fassen. Heute ist auch der tiefe Kaffeepreis traktandiert. Rund 40 Personen treffen nach und nach im Gemeindesaal ein. Octaviano Morales Salas ergreift das Wort und beklagt die Folgen von Nestl&eacute;s Preispolitik.<\/p><p>&bdquo;Weil es mit dem Kaffee nichts mehr zu verdienen gibt, gehen die Jungen alle in die USA. Allein aus unserer Gemeinde sind 180 ausgewandert. Wer soll noch unsere B&ouml;den bestellen? Uns steht das Wasser bis zum Hals. Nestl&eacute; f&uuml;llt sich die Taschen und l&auml;sst uns in Armut zur&uuml;ck.&rdquo;<\/p><p>Nach der Versammlung erkl&auml;rt uns der Kleinbauer, dass es f&uuml;r die meisten B&auml;uerinnen und Bauern in der Gegend zu teuer sei, bei 4C mitzumachen. Daf&uuml;r m&uuml;ssten sie Auflagen erf&uuml;llen, die einen gro&szlig;en Mehraufwand und hohe Kosten verursachten. Theoretisch zahle Nestl&eacute; f&uuml;r 4C einen Aufpreis von 1,20 Pesos pro Kilo (6 Rappen). Doch auch dieser minimale Aufschlag bleibt laut Morales Salas meist Theorie &ndash; in der Praxis w&uuml;rden die Eink&auml;ufer den Preis mittels Qualit&auml;tsbeanstandungen wieder dr&uuml;cken, sodass sie oft beim &bdquo;Coyote&rdquo; noch den besseren Preis bek&auml;men. Deshalb w&uuml;rden es die meisten vorziehen, diesem zu verkaufen.<\/p><p>Die Mittelsm&auml;nner mit dem sprechenden Namen bezahlten zwar auch keine guten Preise, stellten aber zumindest keine Bedingungen an die Produktion. Viele Kleinb&auml;uerinnen und Kleinbauern sind auch auf sie angewiesen, weil sie ihnen &ndash; allerdings zu Wucherzinsen &ndash; Kredite vergeben. Denn das Geld aus dem Kaffeeverkauf reicht nicht bis zur n&auml;chsten Ernte, und die wenigsten von ihnen haben M&ouml;glichkeiten f&uuml;r Zusatzverdienste &ndash; so wird in den Monaten Juli und August auch das Essen knapp.<\/p><p>Interessant ist, dass offenbar auch der konventionell produzierte Kaffee &uuml;ber den Coyote letztlich bei EGOS, Casemex und Merino landet. Diese m&uuml;ssten eigentlich garantieren, dass der von ihnen gekaufte Kaffee 4C-zertifiziert ist. Sie bilden sogenannte &bdquo;4C-Einheiten&rdquo;, welche direkt Nestl&eacute; unterstehen und damit f&uuml;r die Umsetzung des Nachhaltigkeitsstandards auf den Farmen, von denen Nestl&eacute; Kaffee bezieht, zust&auml;ndig sind.<\/p><p>Wir wollten die Zwischenh&auml;ndler sowie 4C-Zertifizierungsb&uuml;ros mit diesen Vorw&uuml;rfen konfrontieren, unsere Anfragen blieben jedoch trotz mehrmaligem Nachhaken unbeantwortet. Auch Nestl&eacute; hat unsere Fragen zu diesem Thema nicht beantwortet.<\/p><p>Die Kaffeeproduzenten und -produzentinnen im Soconusco k&auml;mpfen aktuell mit vielen Problemen: Pilz- und Sch&auml;dlingsplagen reduzieren immer wieder ihre Ernte, dazu sp&uuml;ren sie zunehmend die Folgen des Klimawandels. Zu wenig Niederschl&auml;ge haben 2023 nach Sch&auml;tzungen zu einem Ernter&uuml;ckgang von 10 bis 15 Prozent gef&uuml;hrt. Hinzu kommt ein akuter Arbeitskr&auml;ftemangel f&uuml;r die Kaffeeernte und die Plantagenpflege.<\/p><p>Die Arbeiter kommen traditionell aus dem nahen Guatemala, wo noch gr&ouml;&szlig;ere Armut herrscht als in Chiapas. Sie verdienen umgerechnet rund 10 Franken am Tag &ndash; ein Lohn, den die Kaffeebauern kaum aufbringen k&ouml;nnen und der den Arbeitern doch fast nicht zum Leben reicht. So kostet alleine das Grundnahrungsmittel Tortilla in Chiapas aktuell 1,20 Franken pro Kilo. Zurzeit ist der Peso so schwach, dass es sich f&uuml;r die Guatemalteken kaum mehr lohnt, zum Arbeiten nach Chiapas zu kommen. Viele ziehen es ohnehin vor, ihr Gl&uuml;ck im Norden des Landes oder in den USA zu suchen.<\/p><p><strong>Schuften im Tropenparadies<\/strong><\/p><div class=\"imagewrap\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/280524-Nestle-03.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p><small>Marbella Salas zeigt die &bdquo;Klone&rdquo;, die sie von Nestl&eacute; erhalten hat<br>\nQUELLE: <a href=\"https:\/\/stories.publiceye.ch\/nestle-kaffee\/\">FLORIAN BLUMER<\/a><\/small><\/p><p>Wir fahren mit Marbella Salas und ihrem Mann Luis Figueroa zu ihrer &bdquo;Ranchito&rdquo;, wie sie ihre f&uuml;nf Hektar gro&szlig;e Kaffeefarm nennen. Die Kleinb&auml;uerin zeigt auf eine Reihe von Pflanzen, die alle kaum einen Meter hoch sind: &bdquo;Das sind die Klone von Nestl&eacute;.&rdquo;<\/p><p>Sie ersetzt immer mehr ihrer traditionellen Pflanzen durch die potenziell ertragsreicheren Z&uuml;chtungen. Viele Kaffeeb&auml;uerinnen und -bauern der Region bevorzugten jedoch die traditionellen Pflanzen, erkl&auml;rt sie. Denn die Nestl&eacute;-Setzlinge tr&uuml;gen nur wenig Fr&uuml;chte, wenn sie nicht ged&uuml;ngt werden &ndash; den D&uuml;nger k&ouml;nnten sich aber viele nicht leisten. Bei ihnen ginge dies nur, weil ihr Mann in den Sommermonaten zus&auml;tzlich auf dem Bau arbeite. Die Klone w&uuml;rden auch schnell eingehen, wenn zu wenig Regen falle; und man m&uuml;sse sie alle acht bis zehn Jahre ersetzen, w&auml;hrend die traditionellen Pflanzen 50 Jahre alt werden k&ouml;nnten.<\/p><p>Auf dem Str&auml;&szlig;chen zu ihrer Farm treffen wir einen Mann um die 60, gefolgt von einem deutlich j&uuml;ngeren; beide tragen Macheten. Der &auml;ltere Mann ist Kleinbauer und produziert auf 2,5 Hektar Arabica und Robusta f&uuml;r Nestl&eacute;. W&auml;hrend er mit seinen Nachbarn Marbella Salas und Luis Figueroa plaudert, sprechen wir mit dem jungen Mann, seinem Arbeiter. Wie alle Arbeiter, die wir antreffen, ist er &ndash; ganz im Gegensatz zu den B&auml;uerinnen und Bauern &ndash; sehr zur&uuml;ckhaltend. Trotzdem sagt er schnell: &bdquo;Ich tr&auml;ume davon, noch dieses Jahr in die USA auswandern.&rdquo; Er hoffe auf ein Arbeitsvisum, denn ihm fehle das Geld, um die Reise zu bezahlen. Vor f&uuml;nf Jahren habe er auf einer gr&ouml;&szlig;eren Finca gearbeitet, doch da habe er es nur zwei Wochen ausgehalten. &bdquo;Auf Gro&szlig;farmen muss man um 4 Uhr aufstehen&rdquo;, erz&auml;hlt er, &bdquo;und zu essen gibt es meist nur Wasser, Bohnen und Tortillas.&rdquo; Wolle man auf einer Matratze und mit einer Decke schlafen, m&uuml;sse man die selber mitbringen.<\/p><p>Das Elend der Arbeiter im Soconusco dokumentierte schon der mexikanisch-US-amerikanische Film &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=J--_FLOz1jk\">Cosecha de Miseria<\/a>&rdquo; vor sieben Jahren. Bei einem Nachbarn von Eduardo Camarena, 4C-Bauer f&uuml;r Nescaf&eacute; wie er, deckte das Reporterteam menschenunw&uuml;rdige Zust&auml;nde in den Unterk&uuml;nften auf. Auf der Ruta del Caf&eacute; und den Plantagen trafen sie zudem &uuml;berall Kinder aus Guatemala an, die Kaffee pfl&uuml;ckten und bis zu 50 Kilogramm schwere Kaffees&auml;cke schleppten.<\/p><p>Hat sich die Situation seither verbessert? &bdquo;Das l&auml;sst sich nicht sagen&rdquo;, erkl&auml;rt Julio Garc&iacute;a, Berater f&uuml;r die Internationale Arbeitsorganisation ILO in Chiapas und Autor einer Studie zum Thema. Es gebe dazu schlicht keine Zahlen. Szenen wie im Film treffen wir bei unserem Besuch zwar keine an. Der Experte best&auml;tigt aber unsere Vermutung, dass dies schlicht daran liege, dass die Erntearbeiter aus Guatemala in dieser Saison ausgeblieben sind &ndash; sie bringen traditionell ihre Kinder mit zur Arbeit. Die Risikofaktoren f&uuml;r Kinderarbeit im Kaffeesektor in Chiapas, so Julio Garc&iacute;a, seien aber mit Sicherheit nicht kleiner geworden.<\/p><p>Das gr&ouml;&szlig;te Risiko stellt nach wie vor das sehr geringe Einkommen der B&auml;uerinnen und Bauern dar, bedingt in erster Linie durch die tiefen Kaffeepreise. Das hat zur Folge, dass insbesondere bei Kleinb&auml;uerinnen und -bauern in Chiapas wie weltweit auch Kinderarbeit innerhalb der Familien weit verbreitet ist. Viele geraten in eine Armutsspirale mit verheerenden Folgen, von unzureichender Gesundheitsversorgung &uuml;ber fehlende Bildungschancen bis zu saisonaler Ern&auml;hrungsunsicherheit.<\/p><p><strong>Falsche Versprechen<\/strong><\/p><p>Vera Espindola ist Entwicklungs&ouml;konomin, sie arbeitete als Kaffeeexpertin beim mexikanischen Landwirtschaftsministerium und ist heute in einem Unternehmen f&uuml;r Spezialit&auml;tenkaffee t&auml;tig. &bdquo;Die Preise, welche die Kaffeeproduzenten erhalten &ndash; f&uuml;r Arabica wie f&uuml;r Robusta &ndash; decken meist kaum die Produktionskosten&rdquo;, sagt sie. Meist bedeuten sie ein Leben in Armut.<\/p><p>Hauptgrund f&uuml;r die tiefen Preise sind aus Sicht von Espindola die &bdquo;fundamentalen Informations- und Machtasymmetrien zwischen K&auml;ufern und Bauern&rdquo;. Dieses Ungleichgewicht habe sich in den letzten 15 Jahren noch versch&auml;rft. Dies kontrastiert mit der Tatsache, dass die Kaffeekonzerne in diesem Zeitraum unz&auml;hlige auf Freiwilligkeit basierende Nachhaltigkeitsprogramme und Brancheninitiativen lanciert haben, welche die Lebensbedingungen der Produzenten und Produzentinnen h&auml;tten verbessern sollen.<\/p><p>Weiterhin leben Sch&auml;tzungen zufolge rund 5,5 Millionen &ndash; das hei&szlig;t knapp die H&auml;lfte &ndash; der Kaffeeb&auml;uerinnen und -bauern weltweit in Armut, und die gro&szlig;e Mehrheit der Kaffeeproduzenten ist weit davon entfernt, ein existenzsicherndes Einkommen zu erzielen. Dies, obwohl das Recht auf eine solche Entl&ouml;hnung, welche die wichtigsten Grundbed&uuml;rfnisse deckt, ein im UNO-Sozialpakt verankertes Menschenrecht darstellt. W&auml;hrend die Kaffeekonzerne in den letzten Jahren immer mehr Profite erwirtschafteten, ist der Anteil der Wertsch&ouml;pfung, der an die Produzenten geht, sogar weiter gesunken. Die Arbeiter kommen in dieser Rechnung meist gar nicht erst vor.<\/p><p>F&uuml;r Ric Rhinehart, Kaffeeexperte und ehemaliger CEO der Specialty Coffee Association, dem globalen Dachverband f&uuml;r Spezialit&auml;tenkaffee, ist keine &Uuml;berraschung, dass diese Nachhaltigkeitsbem&uuml;hungen nicht gefruchtet haben: &bdquo;Die Versprechen sind komplett irref&uuml;hrend, denn die Konzerne ben&uuml;tzen ihre eigene Nachhaltigkeitslogik &ndash; und die ist darauf ausgerichtet, maximalen Mehrwert aus den Bauern herauszupressen.&rdquo;<\/p><p><strong>Die Verhandlungen mit Nestl&eacute; &ndash; &bdquo;eine Farce&rdquo;<\/strong><\/p><div class=\"imagewrap\">\n<div class=\"imagewrap\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/280524-Nestle-04.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div>\n<\/div><p><small>&bdquo;Nestl&eacute; &ndash; Unternehmen ohne Ethik, treibt Chiapas in die Armut. Stra&szlig;ensperre auf der &bdquo;Ruta del Caf&eacute;&rdquo;<br>\nQUELLE: <a href=\"https:\/\/stories.publiceye.ch\/nestle-kaffee\/\">DAMI&Aacute;N S&Aacute;NCHEZ<\/a><\/small><\/p><p>&bdquo;Precio justo, precio justo!&rdquo;, &bdquo;faire Preise, faire Preise!&rdquo;, hallt es aus der Gruppe von rund 200 Menschen, die sich am fr&uuml;hen Morgen des 15. Februar auf der Ruta del Caf&eacute; versammelt haben. Nachdem sie vergeblich auf eine Reaktion von Nestl&eacute; gewartet haben, verleihen sie ihrer Forderung mit einer Stra&szlig;enblockade Nachdruck. Den ganzen Vormittag &uuml;ber versperren sie die Stra&szlig;e am Stadtrand von Tapachula, dort, wo sich die Zwischenhandelsfirmen befinden. Vor den Kameras der lokalen Medien verbrennen sie Nescaf&eacute;-Plan-Kaffees&auml;cke und Nestl&eacute;-Robusta-Setzlinge.<\/p><p>Der Druck wirkt: Ein lokaler Regierungsvertreter trifft ein und verspricht den Protestierenden ein Gespr&auml;ch mit Nestl&eacute; in Tuxtla Gutierrez, der Hauptstadt von Chiapas. Beim Treffen zehn Tage sp&auml;ter erfahren die aus Tapachula angereisten Kaffeeproduzenten jedoch, dass niemand aus der Nestl&eacute;-Einkaufsabteilung erschienen ist und die Anwesenden keine Befugnis h&auml;tten, &uuml;ber den Preis zu reden. In drei Tagen w&uuml;rden sie aber eine Antwort auf ihre Preisforderung erhalten. Diese kommt dann auch p&uuml;nktlich. Sie lautet: Nein.<\/p><p>&bdquo;Una burla de Nestl&eacute;&rdquo; sei das Ganze gewesen, sagt Kaffeebauer Julio Castillo, der am Treffen dabei war, eine Farce. Die ganze Erntesaison, von Oktober bis Februar, haben sie f&uuml;r einen fairen Preis gek&auml;mpft. Wie schon letztes Jahr wurde er zwar schrittchenweise erh&ouml;ht &ndash; aber nicht auf den geforderten Mindestpreis. Inflationsbereinigt liegt der Preis sogar tiefer als letztes Jahr. Doch die B&auml;uerinnen und Bauern sind nun gezwungen zu verkaufen: Langsam aber sicher verdirbt der Kaffee, und sie drohen alles zu verlieren. Dazu m&uuml;ssen viele auch dringend Schulden begleichen.<\/p><p>Den Bauern ist erst einmal die Luft ausgegangen. Julio Castillo erkl&auml;rt: &bdquo;Wir sind Kaffeebauern, wir wollen und k&ouml;nnen unsere Zeit nicht damit verbringen, uns mit Nestl&eacute; zu streiten.&rdquo; Sie w&uuml;rden ja nur verlangen, dass der Nescaf&eacute;-Plan zu dem wird, was er eigentlich sein sollte: ein Programm, in dem Kaffeeproduzenten und das Unternehmen zusammenarbeiten, zum Nutzen aller.<\/p><p>Die Monate bis zur n&auml;chsten Ernte wollen sie nun nutzen, sagt Castillo, um sich besser zu organisieren, damit sich das diesj&auml;hrige Trauerspiel um den Preis m&ouml;glichst nicht wiederholt. Doch Eduardo Camarena sagt, er sei wenig optimistisch. Er bef&uuml;rchtet, dass Nestl&eacute; seine aggressive Billig-Einkaufspolitik noch versch&auml;rfen wird. Dazu drohe die n&auml;chste Ernte wegen der aktuellen Trockenheit noch schlechter auszufallen. Aufgeben ist f&uuml;r ihn, wie f&uuml;r die meisten Kaffeeproduzenten des Soconusco, dennoch keine Option. &bdquo;Ich liebe den Kaffee&rdquo;, so seine Begr&uuml;ndung kurz und knapp. Zudem k&ouml;nnten sich die meisten hier eine Umstellung auf ein anderes Produkt gar nicht leisten.<\/p><p>Wie war das nochmal im Nescaf&eacute;-Werbeclip? Eduardo Camarena hat seinem Gro&szlig;vater versprochen, den Hof weiterzuf&uuml;hren. Damit dies nicht nur im Film, sondern auch im richtigen Leben m&ouml;glich wird, br&auml;uchte er aber weder Kurse in Farm-Management noch hochgez&uuml;chtete Setzlinge, sondern eigentlich nur eines: dass ihm der Lebensmittelriese aus der Schweiz einen Preis f&uuml;r den Kaffee zahlt, der zum Leben reicht.<\/p><p>M&auml;rz 2024<\/p><p><em>In seiner Vorabstellungnahme zu vorliegender Recherche schreibt uns Nestl&eacute;, dass der Konzern der &bdquo;festen &Uuml;berzeugung&rdquo; sei, dass &bdquo;die Kaffeebauern ein ausreichendes Einkommen erzielen sollten, das einen angemessenen Lebensstandard f&uuml;r sie und ihre Familie gew&auml;hrleistet&rdquo;. Daf&uuml;r gebe es jedoch in dem von Angebot und Nachfrage abh&auml;ngigen Markt &bdquo;keine einfache L&ouml;sung&rdquo;. Der Konzern habe keine Mindestpreisgarantie, biete aber &bdquo;die wettbewerbsf&auml;higsten Preise auf einem offenen Markt&rdquo; sowie &bdquo;je nach Herkunft und geforderter Qualit&auml;t&rdquo; einen &bdquo;Aufschlag f&uuml;r Kaffee aus verantwortungsvollen Quellen&rdquo;.<\/em><\/p><p>Nestl&eacute; geht in seiner Antwort mit keinem Wort auf unsere Fragen zur spezifischen Situation im Soconusco und den Protesten der Kaffeeb&auml;uerinnen und -bauern ein. Auch die Frage, weshalb Nestl&eacute; nicht auf deren Preisforderungen eingegangen ist, bleibt unbeantwortet. Stattdessen l&auml;sst uns der Konzern wissen, dass in Chiapas mehr als 7.000 Kaffeeproduzenten am Nescaf&eacute;-Plan teiln&auml;hmen, der &bdquo;die Kaffeeanbaugemeinschaften dabei unterst&uuml;tzt, ihre Produktivit&auml;t zu steigern, die Inputkosten zu senken und ihre Lebensbedingungen zu verbessern&rdquo;. Nestl&eacute; setze sich in Mexiko &bdquo;stark f&uuml;r eine verantwortungsvolle und nachhaltige Beschaffung von Kaffee&rdquo; ein und sch&auml;tze die positiven Auswirkungen dieses Engagements &bdquo;auf die Wirtschaft und die Entwicklung der mexikanischen Kaffeeanbaugemeinden&rdquo;.<\/p><p>Eine Recherche von&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.publiceye.ch\/de\/portrait\">Public Eye<\/a>, Schweiz. <a href=\"https:\/\/amerika21.de\/analyse\/269221\/mexiko-brennende-kaffeesaecke-chiapas\">&Uuml;bernommen von Amerika21<\/a>.<\/p><p>Text: Florian Blumer, Mitarbeit: Carla Hoinkes und Mariana Morales. Bilder und Videos: Dami&aacute;n S&aacute;nchez und Florian Blumer<\/p><p><small>Titelbild: Protest von Kaffeebauern in Chiapas gegen Nestl&eacute;s Einkaufspreise &ndash; QUELLE: <a href=\"https:\/\/www.publiceye.ch\/de\/mediencorner\/medienmitteilungen\/detail\/brennende-kaffeesaecke-in-chiapas-verzweifelte-bauern-protestieren-gegen-nestles-tiefe-einkaufspreise\">DAMI&Aacute;N S&Aacute;NCHEZ<\/a><\/small> <\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=94898\">Multinationale Unternehmen zwingen Lateinamerika ihr Recht auf<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=107562\">Indigener Widerstand in Mexiko: &bdquo;Wir gehen den Weg der Gewaltlosigkeit&rdquo;<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=98696\">Die dunkle Seite von Nestl&eacute;: Keine Gesichtsfalten, aber auch kein Amazonas-Regenwald mehr<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=54107\">Militarisierung, Erpressung, Menschenhandel<\/a><\/p>\n<\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ssl-vg03.met.vgwort.de\/na\/6069d87fddf0474f8ba6249b5f740c5e\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Chiapas ist der gr&ouml;&szlig;te Kaffeeproduzent und gleichzeitig der &auml;rmste Bundesstaat Mexikos. Hier produzieren um die 180.000 B&auml;uerinnen und Bauern knapp 40 Prozent der nationalen Kaffeemenge. Laut der internationalen Kaffeeorganisation ICO war Mexiko 2022\/2023 der weltweit achtgr&ouml;&szlig;te Kaffeeproduzent.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Die erste Auflage des Nescaf&eacute;-Plans wurde 2010 in Mexiko &ndash; heute Nestl&eacute;s drittwichtigster Kaffeelieferant &ndash; lanciert. Das Verteilen ertragreicher Robusta-Z&uuml;chtungen sowie Schulungen in Unternehmertum und Agronomie sollten zu h&ouml;herer Produktivit&auml;t f&uuml;hren. 2022 verk&uuml;ndete Nestl&eacute;, dass allein in Mexiko mehr als 40 Millionen Setzlinge verteilt worden seien.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Der durch den Nescaf&eacute;-Plan beschaffte Kaffee muss den Nachhaltigkeitsanforderungen des&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.4c-services.org\/\">4C-Standards<\/a>&nbsp;gen&uuml;gen. Dieser von Nestl&eacute; mitgegr&uuml;ndete Standard hat vergleichsweise tiefe Anforderungen, dazu ist deren Durchsetzung schwach, wie Studien&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/abs\/pii\/S0921800917312491\">zeigen<\/a>.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nestl&eacute; ist die Nummer 1 im globalen Kaffeegesch&auml;ft. Auch ethisch will der Schweizer Konzern Branchenf&uuml;hrer sein: Ab 2025, so das Versprechen, soll sein Kaffee zu 100 Prozent aus &bdquo;verantwortungsvoller&rdquo; Produktion stammen. Insbesondere f&uuml;r seinen Pulverkaffee verfolgt Nestl&eacute; jedoch eine r&uuml;cksichtslose Einkaufspolitik. Den Preis daf&uuml;r zahlen die B&auml;uerinnen und Bauern, wie sich bei unserer Recherche in<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=114427\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":114429,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,20],"tags":[1692,1740,282,1570,1973,2309],"class_list":["post-114427","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-landerberichte","tag-agrarwirtschaft","tag-arbeitsbedingungen","tag-buergerproteste","tag-mexiko","tag-monopolisierung","tag-nestle"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Cover_csm_c_DamianSanchez_PublicEye_Protest_4_91da0e3e81.jpeg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/114427","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=114427"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/114427\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":114495,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/114427\/revisions\/114495"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/114429"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=114427"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=114427"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=114427"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}