{"id":114512,"date":"2024-04-29T09:00:20","date_gmt":"2024-04-29T07:00:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=114512"},"modified":"2024-04-30T07:28:49","modified_gmt":"2024-04-30T05:28:49","slug":"zu-brenzlig-fuer-die-feuerwehr-ist-die-roehre-erst-verraucht-gibt-es-keine-ueberlebenschance","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=114512","title":{"rendered":"Zu brenzlig f\u00fcr die Feuerwehr. \u201eIst die R\u00f6hre erst verraucht, gibt es keine \u00dcberlebenschance.\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Bei einem Brand k&ouml;nnten die Tunnel von Stuttgart 21 f&uuml;r Tausende Menschen zur Todesfalle werden. Darauf weisen Kritiker seit vielen Jahren hin &ndash; vergeblich. Die Verantwortlichen mauern, vertuschen, t&auml;uschen und verschleudern Unsummen mit juristischen Spiegelfechtereien. Das Projekt sei aus Kostengr&uuml;nden gemeingef&auml;hrlich, findet <strong>Dieter Reicherter<\/strong> vom Aktionsb&uuml;ndnis gegen S21. Die Pr&uuml;fer pr&uuml;ften nicht richtig, keiner pr&uuml;fe die Pr&uuml;fer und die Justiz verschanze sich hinter Paragraphen, beklagt der ehemalige Richter im Interview mit den NachDenkSeiten. Dabei schreckten im Katastrophenfall selbst die Retter vor einem Einsatz zur&uuml;ck. Mit ihm sprach <strong>Ralf Wurzbacher<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5764\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-114512-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240429_Zu_brenzlig_fuer_die_Feuerwehr_Ist_die_Roehre_erst_verraucht_gibt_es_keine_Ueberlebenschance_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240429_Zu_brenzlig_fuer_die_Feuerwehr_Ist_die_Roehre_erst_verraucht_gibt_es_keine_Ueberlebenschance_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240429_Zu_brenzlig_fuer_die_Feuerwehr_Ist_die_Roehre_erst_verraucht_gibt_es_keine_Ueberlebenschance_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240429_Zu_brenzlig_fuer_die_Feuerwehr_Ist_die_Roehre_erst_verraucht_gibt_es_keine_Ueberlebenschance_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=114512-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240429_Zu_brenzlig_fuer_die_Feuerwehr_Ist_die_Roehre_erst_verraucht_gibt_es_keine_Ueberlebenschance_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"240429_Zu_brenzlig_fuer_die_Feuerwehr_Ist_die_Roehre_erst_verraucht_gibt_es_keine_Ueberlebenschance_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><em><strong>Zur Person <\/strong><\/em><\/p><p><em>Dieter Reicherter, Jahrgang 1947, war bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2010 an verschiedenen Stationen in Baden-W&uuml;rttemberg als Staatsanwalt und Richter t&auml;tig, zuletzt war er Vorsitzender Richter am Landgericht Stuttgart. Unter dem Eindruck eines brutalen Polizeieinsatzes bei einer Demonstration gegen das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 im Herbst 2010 trat er dem Widerstand gegen S21 bei und ist heute Sprecher des <a href=\"https:\/\/kopfbahnhof-21.de\/\">Aktionsb&uuml;ndnisses gegen Stuttgart 21<\/a>. <\/em><\/p><p><strong>Herr Reicherter, vor knapp zwei Wochen hat die Deutsche Bahn (DB), in Gestalt der DB Projekt Stuttgart&ndash;Ulm GmbH (PSU), einen juristischen Sieg davongetragen. Das Verwaltungsgericht Stuttgart gab deren Klage gegen die von der Gegenseite verlangte Zwangsvollstreckung zur Freigabe einer Entfluchtungssimulation bez&uuml;glich eines Ungl&uuml;cksfalls im Fildertunnel &ndash; dem mit neun Kilometern l&auml;ngsten Zulauf zum k&uuml;nftigen Stuttgarter Tiefbahnhof &ndash; statt. Die <a href=\"https:\/\/www.ingenieure22.de\/\">Ingenieure22<\/a>, eine dem Aktionsb&uuml;ndnis gegen Stuttgart 21 nahestehende Gruppe projektkritischer Fachleute unterschiedlichster Disziplinen, hatten fast acht Jahre lang vor Gericht um deren Herausgabe gek&auml;mpft. Man k&ouml;nnte sagen, das war f&uuml;r die Katz, weil das begehrte Material gar nicht existiert beziehungsweise nicht mehr. Deshalb auch der Richterspruch zugunsten der Bahn. Was ist da schiefgelaufen? <\/strong><\/p><p>Die PSU selbst hatte die Simulationen nie und die von ihr beauftragte Schweizer Firma Gruner AG hatte sie mit ihrer Zustimmung schon gel&ouml;scht, bevor die Ingenieure22 &uuml;berhaupt einen Antrag auf Einsichtnahme gestellt hatten. Wer nichts hat, kann nichts zeigen und muss nach dem Umweltinformationsgesetz die Einsichtnahme mit dieser Begr&uuml;ndung ablehnen. Dagegen hat die PSU versto&szlig;en und sinnlose Prozesse verursacht.<\/p><p><strong>Was hat es mit dieser Simulation auf sich? <\/strong><\/p><p>Nach den einschl&auml;gigen Vorschriften h&auml;tte die Bahn schon im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens nachweisen m&uuml;ssen, dass sie f&uuml;r die Evakuierung in den Tunnelr&ouml;hren ein taugliches Rettungskonzept hat. Im Arbeitskreis Brandschutz, dem au&szlig;er der Bahn das Regierungspr&auml;sidium Stuttgart und die Stuttgarter Feuerwehr angeh&ouml;ren, geht es um solche Fragen. Dort berichtete die PSU am 22. Januar 2014, Simulationen der Firma Gruner h&auml;tten die Berechnungen der Bahn best&auml;tigt. Demnach k&ouml;nnten 1.757 Menschen aus einem vollbesetzten Zug im Notfall in circa elf Minuten aus einer Tunnelr&ouml;hre evakuiert werden. Tats&auml;chlich gab es diese Simulationen noch gar nicht. Die Computerdurchl&auml;ufe zogen sich bis M&auml;rz 2014 hin und der Bericht mit der Auswertung wurde erst Ende Juni 2014 fertiggestellt. <\/p><p><strong>Allerdings wollte PSU nicht mit den Ergebnissen herausr&uuml;cken, was schlie&szlig;lich jahrelang die Gerichte besch&auml;ftigte (siehe dazu NDS-Beitrag <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=80429\">&bdquo;Tunnel-Schummel&ldquo;<\/a> vom 4. Februar 2022). Wie hat die Bahn ihr Vorgehen begr&uuml;ndet? <\/strong><\/p><p>Wie in allen derartigen Verfahren kam das Argument, eine Einsichtnahme gef&auml;hrde die Sicherheit von Bahnanlagen. Dies wurde vor Gericht vertieft mit ausf&uuml;hrlichen Darstellungen zu Terroranschl&auml;gen. Vereinfacht gesagt wurde unterstellt, die Ingenieure22 k&ouml;nnten Erkenntnisse an Terroristen weitergeben. Und immer ging es vornehmlich um Br&auml;nde. Das alles lag total daneben, weil die PSU die ganzen Jahre gar keine Simulationen hatte. Mit ihren falschen Behauptungen hat sie jahrelang Richterinnen und Richter get&auml;uscht. Das ging so weit, dass sie sich sogar beim Verwaltungsgerichtshof im Dezember 2019 verpflichtete, endlich Einsicht zu gew&auml;hren, und danach vier Jahre f&auml;lschlich behauptete, den Vergleich erf&uuml;llt zu haben. Die jetzige Kl&auml;rung war f&uuml;r sie ein Pyrrhussieg, denn die Glaubw&uuml;rdigkeit der Bahn ist dahin. Zudem hat sie selbst bewiesen, keinerlei Nachweise f&uuml;r eine erfolgreiche Evakuierung zu haben. Offenbar diente der falsche Prozessvortrag der Vertuschung.<\/p><p><strong>Das alles n&auml;hrt nat&uuml;rlich den Verdacht, die Simulation k&ouml;nnte die behaupteten Ergebnisse gar nicht geliefert haben, weshalb man sie der &Ouml;ffentlichkeit auch nicht zumuten wollte. Woran machen Sie das fest? <\/strong><\/p><p>Da wir die Simulationen nie zu Gesicht bekommen haben, kann man lediglich aufgrund des Berichts vom Juni 2014, in dem einige Parameter angegeben sind, R&uuml;ckschl&uuml;sse ziehen. Demnach hat man unter anderem die Gehgeschwindigkeit der Fl&uuml;chtenden zu schnell angesetzt und Mobilit&auml;tseingeschr&auml;nkte, die auf den schmalen Rettungswegen nicht &uuml;berholt werden k&ouml;nnen, nicht ber&uuml;cksichtigt. Realistische Parameter f&uuml;hren zum Ergebnis, dass sich bei schneller Rauchausbreitung die meisten Betroffenen nicht retten k&ouml;nnen und den Tod finden.<\/p><p><strong>Wie sich sp&auml;ter herausstellte, hat die omin&ouml;se Simulation einen ziemlich gewaltigen Haken mehr. Die Bahn musste n&auml;mlich selbst irgendwann einr&auml;umen, dass mit dieser lediglich ein Kaltereignis durchgespielt wurde. Wo liegen die Unterschiede? <\/strong><\/p><p>Ein Kaltereignis bedeutet, dass ein Zug aufgrund irgendeiner technischen Ursache liegenbleibt. Wenn die Ursache nicht beseitigt werden kann, m&uuml;ssen die Menschen aus dem Zug evakuiert werden. Das ist aber nicht mit einem Brandereignis im Tunnel zu vergleichen. Da kommt es zur Rettung der Menschen tats&auml;chlich auf jede Sekunde an. Denn das Hauptproblem sind die sich sehr schnell ausbreitenden t&ouml;dlichen Rauchgase. Sobald die Tunnelr&ouml;hre mit ihnen gef&uuml;llt ist, gibt es keine &Uuml;berlebenschance mehr. Zus&auml;tzlich verursachen Flammen und Rauch Panik. Das macht im Gegensatz zum Kaltereignis eine geordnete Evakuierung unm&ouml;glich. <\/p><p><strong>Beim Ungl&uuml;ck der Gletscherbahn im &ouml;sterreichischen Kaprun im Jahr 2000 waren 155 Menschen ums Leben gekommen. Sie f&uuml;rchten, derlei k&ouml;nnte sich in den S21-Tunneln wiederholen? <\/strong><\/p><p>Es k&ouml;nnte noch schlimmer kommen. Aus Kostengr&uuml;nden sind die Tunnelr&ouml;hren deutlich enger als bei anderen Tunneln im In- und Ausland. Deshalb steht bei S21 nur ein Drittel des Rauminhalts anderer Tunnel bei der Verrauchung zur Verf&uuml;gung. Je enger der Querschnitt, desto schneller ist die R&ouml;hre verraucht. Dennoch hat man die Querschl&auml;ge zur Flucht in die zweite R&ouml;hre nur im h&ouml;chstzul&auml;ssigen Abstand von 500 Metern geplant. Gleichzeitig hat man auch nur die minimal einzuhaltende Fluchtwegbreite von 120 Zentimetern vorgesehen und sogar Verengungen durch Einbauten bis auf 90 Zentimeter zugelassen. Insbesondere im steilen Fildertunnel werden sich die Rauchgase wegen des Kamineffekts besonders schnell nach oben ausbreiten. Zudem handelt es sich um ein weitverzweigtes System mit fast 60 Kilometern an Tunnelr&ouml;hren.<\/p><p><strong>Das Aktionsb&uuml;ndnis, die Ingenieure22 sowie das Faktencheckportal <a href=\"https:\/\/wikireal.info\/wiki\/Hauptseite\">WikiReal.org<\/a> sind vor zehn Tagen mit neuen Erkenntnissen an die &Ouml;ffentlichkeit gegangen und haben im Rahmen einer <a href=\"https:\/\/wikireal.info\/w\/images\/5\/52\/2024-04-19_PM_WikiReal_ABgS21_Ing22_-_Kein_Zug_wird_fahren_bei_Stuttgart_21.pdf\">Pressekonferenz<\/a> klipp und klar gesagt, in der jetzigen Form sei eine Inbetriebnahme der Tunnel &bdquo;ausgeschlossen&ldquo;. Was macht Sie so sicher? <\/strong><\/p><p>Die Ergebnisse der neuen Untersuchungen und Erkenntnisse sind so verheerend, dass nach unserer &Uuml;berzeugung das zust&auml;ndige Eisenbahn-Bundesamt keinen Bahnbetrieb zulassen darf. Die Einhaltung von Minimalanforderungen &ndash; &bdquo;best case&ldquo; &ndash; gen&uuml;gt den Anforderungen nicht. Es muss immer der &bdquo;worst case&ldquo; betrachtet werden. Die bisherigen Berechnungen zur Evakuierung setzen 1.757 Menschen in einem voll besetzten Zug an. Die bestellten neuen Z&uuml;ge werden aber mehr als doppelt so vielen Menschen Platz bieten. In keinem Fall kann die Evakuierung vor der schon nach sieben bis acht Minuten erfolgten vollst&auml;ndigen Verrauchung abgeschlossen werden. In vergleichbaren Tunneln sind die Querschnitte gr&ouml;&szlig;er, fahren weit weniger Z&uuml;ge, in denen auch viel weniger Menschen bef&ouml;rdert werden, sind die Abst&auml;nde zwischen den Querschl&auml;gen deutlich geringer und die Rettungswege viel breiter. <\/p><p><strong>Doof gefragt: Warum sollte die Bahn beim Bau des gr&ouml;&szlig;ten und ehrgeizigsten deutschen Bahnprojekts auf alle Sicherheitsstandards gepfiffen haben? <\/strong><\/p><p>Stuttgart 21 ist ein politisch gewolltes Projekt, keine Idee der Bahn. Die Einhaltung der strengen Sicherheitsstandards h&auml;tte immense Kosten bedeutet. Nach wie vor vertuscht man das mit dem Hinweis, alle Regelungen w&uuml;rden eingehalten. Tats&auml;chlich handelt es sich aber nur um Minimalanforderungen, die auch unter g&uuml;nstigsten Verh&auml;ltnissen nicht unterschritten werden d&uuml;rfen. Bei Stuttgart 21 haben wir jedoch sehr ung&uuml;nstige Bedingungen, die weit h&ouml;here Vorkehrungen erfordern. Ma&szlig;geblich ist die Tunnelrichtlinie des Eisenbahn-Bundesamtes, in der es hei&szlig;t: &bdquo;F&uuml;r Tunnel ist ein Rettungskonzept aufzustellen, das die Selbst- und Fremdrettung gew&auml;hrleistet.&ldquo; Es muss also garantiert sein, dass die Menschen gerettet werden k&ouml;nnen. <\/p><p><strong>Aber nun muss die PSU ja ein Brandschutzkonzept haben. Was sieht dieses f&uuml;r denkbare Notf&auml;lle vor? <\/strong><\/p><p>Nach dem Brandschutzkonzept der PSU soll ein brennender Zug aus eigener Kraft aus dem Tunnel hinausfahren oder &ndash; in die andere Richtung &ndash; bis zum Tiefbahnhof weiterfahren. Erst au&szlig;erhalb der Tunnel beziehungsweise im Tiefbahnhof soll evakuiert werden. Schon das w&uuml;rde ein v&ouml;llig anderes Betriebskonzept als geplant erfordern und die Kapazit&auml;t erheblich einschr&auml;nken. Denn das funktioniert nur, wenn die Strecke vor jedem Zug freigehalten wird. Nur als absolute Ausnahme ist vorgesehen, im Brandfall einen Zug im Tunnel zu evakuieren. Dabei gibt es viele technische Gr&uuml;nde, dass ein in Brand geratener Zug nicht mehr weiterfahren kann. Jedenfalls m&uuml;ssen dann alle Menschen aus dem brennenden Zug sowie auch aus den nachfolgenden Z&uuml;gen evakuiert werden. Dazu m&uuml;ssen sie zu den Querschl&auml;gen und durch diese in die Gegenr&ouml;hre fliehen, sobald dort keine Z&uuml;ge mehr fahren.<\/p><p><strong>Das klingt so, als w&auml;re Rettung bestenfalls bei einem ganzen Blumenstrau&szlig; an Unwahrscheinlichkeiten m&ouml;glich. Und f&uuml;r dieses Konzept hat das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) den Daumen gehoben? <\/strong><\/p><p>Das EBA hat bislang nur die Baugenehmigung erteilt. Das bedeutet, bei der Ausgestaltung des Bauwerks mussten Belange des Brandschutzes ber&uuml;cksichtigt werden. Das EBA hat die von der Bahn daf&uuml;r eingereichten Nachweise &ndash; keine Simulationen &ndash; f&uuml;r ausreichend gehalten. Die Feuerwehr musste lediglich angeh&ouml;rt werden, ihre Einw&auml;nde konnten unber&uuml;cksichtigt bleiben. Oder sie wurde sogar get&auml;uscht.<\/p><p><strong>Inwiefern get&auml;uscht? <\/strong><\/p><p>Zum Vorwurf der T&auml;uschung insbesondere der Feuerwehr liegen uns zahlreiche Hinweise auch von Insidern vor. Beispielhaft m&ouml;chte ich die bereits geschilderte Irref&uuml;hrung mit noch nicht vorhandenen Simulationen in der Sitzung des Arbeitskreises Brandschutz erw&auml;hnen. Dennoch verweigern uns der Stuttgarter Branddirektor und die f&uuml;r Katastrophenschutz zust&auml;ndige Regierungspr&auml;sidentin Gespr&auml;che. Hinter vorgehaltener Hand wird uns erkl&auml;rt, Feuerwehr und Rettungskr&auml;fte w&uuml;rden zu ihrem eigenen Schutz im Brandfall erst gar nicht in den Tunnel einfahren. <\/p><p><strong>Aha! Nun hat ja im November auch der Verwaltungsgerichtshof von Baden-W&uuml;rttemberg zwei Klagen gegen die Planfeststellungsbeschl&uuml;sse verworfen. Eine stammte von Ihnen selbst. Es scheint so, als st&uuml;nden Sie mit Ihren Sorgen ziemlich allein auf weiter Flur. <\/strong><\/p><p>Wenn sich der Verwaltungsgerichtshof inhaltlich mit den von uns behaupteten M&auml;ngeln des Brandschutzes h&auml;tte besch&auml;ftigen wollen, h&auml;tte das eine Menge Arbeit bedeutet. Einfacher war es, die Klage an angeblich fehlender Klagebefugnis scheitern zu lassen. Herhalten musste das Argument, es sei Aufgabe des EBA und nicht des Einzelnen, den Schutz von Leib und Leben der Reisenden zu pr&uuml;fen. Mit anderen Worten, das Gericht vertraut darauf, dass das EBA seine Pflichten ernst genommen hat. Wir k&ouml;nnen aber belegen, dass das EBA die Baugenehmigung so gar nicht h&auml;tte erteilen d&uuml;rfen, sondern zum Beispiel auf breitere Rettungswege und Querschl&auml;ge in engerem Abstand h&auml;tte bestehen m&uuml;ssen.<\/p><p><strong>Aber gibt es keinen, der die Pr&uuml;fung der EBA &uuml;berpr&uuml;ft? <\/strong><\/p><p>Ob das EBA richtig gepr&uuml;ft hat, pr&uuml;ft niemand. Zwar k&ouml;nnten das Land oder die Stadt Stuttgart im Rahmen ihrer gesetzlichen Aufgaben klagen. Das tun sie aber wegen des politischen Interesses an dem Projekt nicht. Anders war es zum Beispiel beim Land Th&uuml;ringen, das wegen eines unzureichenden Rettungsplatzes an einem Bahntunnel geklagt hat.<\/p><p><strong>Muss es nicht wenigstens vor der Inbetriebnahme einen finalen Nachweis f&uuml;r die Sicherheit im Brandfall geben? Dann m&uuml;ssten Sie doch beruhigt sein, weil es nach Ihrer Darstellung dann ja keine Gr&uuml;nes Licht geben kann, von wegen &bdquo;Inbetriebnahme ausgeschlossen&ldquo;. <\/strong><\/p><p>Wir bezweifeln, dass das EBA seine Verantwortung ernst nimmt. Es untersteht Weisungen des Bundesverkehrsministers und arbeitet intransparent. Auch mehr als ein Jahr nach Inbetriebnahme der Neubaustrecke Wendlingen-Ulm ist es immer noch nicht gelungen, Einsicht in die Unterlagen zu bekommen. Die Pr&uuml;fung hatte drei Jahre gedauert. Die Genehmigung wurde erst wenige Stunden vor Inbetriebnahme erteilt. Wer will da noch rechtzeitig eine &Uuml;berpr&uuml;fung durchsetzen?<\/p><p><strong>Angenommen, Ihre Appelle werden doch noch erh&ouml;rt: Dann w&uuml;rde eine entsprechende Nachr&uuml;stung etliche Milliarden Euro mehr verschlingen, womit das ganze Irrwitzprojekt wohl endg&uuml;ltig nicht mehr vermittelbar w&auml;re. Ist es diese Perspektive, die am Ende die Genehmigung sicherstellt? <\/strong><\/p><p>Die Frage einer Nachr&uuml;stung stellt sich nicht. Beim Verwaltungsgerichtshof hat die Bahn plausibel vorgetragen, dass eine solche technisch unm&ouml;glich ist. Also wird das Projekt trotz aller Bedenken irgendwie durchgewunken &ndash; oder es ist gescheitert.<\/p><p><strong>Noch einmal zur&uuml;ck zu dieser Simulation: Glauben Sie, die ist einfach verschwunden und wurde auf Nimmerwiedersehen gel&ouml;scht? <\/strong><\/p><p>Die Firma Gruner AG hat den Auswertungsbericht sowie die f&uuml;r die Erstellung der Simulationen angewandten Parameter archiviert. Mit diesen Daten k&ouml;nnten jederzeit wieder Simulationen erstellt werden. Nur hat die Bahn daran kein Interesse. Es w&uuml;rde sich erweisen, dass die Parameter viel zu optimistisch angesetzt waren und die Ergebnisse untauglich sind.<\/p><p><strong>Was muss passieren, damit der Brandschutz bei S21 nicht unter die R&auml;der kommt? <\/strong><\/p><p>Dr. Christoph Engelhardt, Gr&uuml;nder von WikiReal.org, hat in Zusammenarbeit mit uns den Vorstand der PSU in einem <a href=\"https:\/\/wikireal.info\/w\/images\/3\/33\/2024-04-24_Offener_Brief_Wikireal_ABgS21_Ing22_an_PSU_-_Universalbrandschutzkonzept.pdf\">Offenen Brief<\/a> vom 24. April 2024 aufgefordert, binnen einer Woche zu den neuen Forschungsergebnissen Stellung zu nehmen und die eigenen Untersuchungen offenzulegen. Dazu Engelhardt: &bdquo;Als Faktencheck-Portal ist die Wahrheit unser Kapital. Wir stellen uns jederzeit der Diskussion mit den besten internationalen Experten. Wir fordern die Bahn zu einem professionellen Faktencheck heraus!&rdquo; Wir werden deshalb beim EBA einen Baustopp fordern, falls durch die PSU keine Aufkl&auml;rung erfolgt.<\/p><p><strong>Und was, wenn S21 am Ende doch er&ouml;ffnet wird, ohne echten Brandschutz? <\/strong><\/p><p>Dann m&ouml;chte ich nicht in der Haut der Verantwortlichen stecken. An denen wird, selbst wenn sie nicht mehr im Amt oder tot sein werden, im Fall eines Falles der Vorwurf h&auml;ngenbleiben, ein Prestigeobjekt und die Einsparung von Kosten sei ihnen wichtiger als Leib und Leben unz&auml;hliger Menschen gewesen. Schon eine kleine Ursache &ndash; brennender Papierkorb, Kurzschluss im Zugbistro &ndash; kann eine Katastrophe ausl&ouml;sen, die der renommierte Brandexperte Hans-Joachim Keim, Sachverst&auml;ndiger beim Ungl&uuml;ck von Kaprun, mit einem Krematorium verglichen hat. Wenn man bedenkt, welche Brandschutzauflagen zum Beispiel an Diskothekenbetreiber f&uuml;r ein paar hundert Personen gemacht werden, muss man verzweifeln, wie nachl&auml;ssig mit dem Schicksal tausender Reisender umgegangen wird.<\/p><p><small>Titelbild: Screenshot YouTube<\/small><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/c4eee35c9d1e42ee8792858a993a6c26\" alt=\"\" title=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei einem Brand k&ouml;nnten die Tunnel von Stuttgart 21 f&uuml;r Tausende Menschen zur Todesfalle werden. Darauf weisen Kritiker seit vielen Jahren hin &ndash; vergeblich. Die Verantwortlichen mauern, vertuschen, t&auml;uschen und verschleudern Unsummen mit juristischen Spiegelfechtereien. Das Projekt sei aus Kostengr&uuml;nden gemeingef&auml;hrlich, findet <strong>Dieter Reicherter<\/strong> vom Aktionsb&uuml;ndnis gegen S21. Die Pr&uuml;fer pr&uuml;ften nicht richtig, keiner pr&uuml;fe<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=114512\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":114513,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,209,74,150],"tags":[2034,3196,268,930,897],"class_list":["post-114512","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-interviews","category-stuttgart-21","category-verbraucherschutz","tag-aktenvernichtung","tag-brandschutz","tag-deutsche-bahn","tag-justiz","tag-transparenz"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/240429_titel.jpeg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/114512","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=114512"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/114512\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":114563,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/114512\/revisions\/114563"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/114513"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=114512"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=114512"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=114512"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}