{"id":114520,"date":"2024-04-29T10:04:27","date_gmt":"2024-04-29T08:04:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=114520"},"modified":"2024-04-29T16:26:08","modified_gmt":"2024-04-29T14:26:08","slug":"wie-anders-ist-doch-der-westen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=114520","title":{"rendered":"Wie anders ist doch der Westen"},"content":{"rendered":"<p>Angesichts der globalen Spannungen ist es an der Zeit, die Illusion der geopolitischen Allianzen zu durchschauen. Als mich der <em>Spiegel<\/em> k&uuml;rzlich fragte, ob das neue &laquo;B&uuml;ndnis Sahra Wagenknecht&raquo; den Austritt aus der NATO wolle, antwortete ich: &laquo;Wir brauchen eine eigenst&auml;ndige europ&auml;ische Sicherheitspolitik, keine bedingungslose Gefolgschaft gegen&uuml;ber den USA. Ein Verteidigungsb&uuml;ndnis ist immer defensiv. Eine Weltmacht, die in den letzten Jahren mehrere L&auml;nder v&ouml;lkerrechtswidrig angegriffen hat und China und Russland mit zahllosen Milit&auml;rstationen und Raketen einkreist, kann kein Verteidigungsb&uuml;ndnis f&uuml;hren.&raquo; Vielleicht w&auml;re es besser gewesen, die Fragesteller darauf hinzuweisen, dass die USA l&auml;ngst aus der NATO ausgetreten sind. In Art. 1 des NATO-Vertrags hei&szlig;t es: &laquo;Die Parteien verpflichten sich, in &Uuml;bereinstimmung mit der Satzung der Vereinten Nationen, jeden internationalen Streitfall, an dem sie beteiligt sind, auf friedlichem Weg so zu regeln, dass der internationale Friede, die Sicherheit und die Gerechtigkeit nicht gef&auml;hrdet werden, und sich in ihren internationalen Beziehungen jeder Gewaltandrohung oder Gewaltanwendung zu enthalten, die mit den Zielen der Vereinten Nationen nicht vereinbar ist.&raquo; Von <strong>Oskar Lafontaine<\/strong>. <\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_4062\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-114520-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240429-Wie-anders-doch-der-Westen-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240429-Wie-anders-doch-der-Westen-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240429-Wie-anders-doch-der-Westen-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240429-Wie-anders-doch-der-Westen-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=114520-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240429-Wie-anders-doch-der-Westen-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"240429-Wie-anders-doch-der-Westen-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Strategischer Dilettantismus der USA<\/strong><\/p><p>Aus dem nordatlantischen Verteidigungsb&uuml;ndnis haben die USA in den zur&uuml;ckliegenden Jahrzehnten ein Milit&auml;rb&uuml;ndnis gemacht, das zur Durchsetzung der geostrategischen Ziele der Vereinigten Staaten eingesetzt wird und jederzeit bereit ist, Gewalt anzudrohen oder anzuwenden, die mit den Zielen der Vereinten Nationen nicht vereinbar ist.<\/p><p>Daher fragte Peter Scholl-Latour in seinem Buch &laquo;Russland im Zangengriff&raquo; schon 2007: &laquo;Ist es f&uuml;r die Europ&auml;ische Union, ist es f&uuml;r Deutschland noch sinnvoll, der fragw&uuml;rdigen Direktion der Nato untergeordnet zu bleiben und deren weltweite Strategie durch wahllose Eins&auml;tze &ndash; out of area &ndash; zu unterst&uuml;tzen, die von Washington vorgegeben werden und mit den eigenen Interessen nichts zu tun haben?&raquo; Und er gab eine unmissverst&auml;ndliche Antwort: &laquo;Der alte Kontinent kann es sich auf Dauer nicht leisten, dass ein unverzeihlicher strategischer Dilettantismus, eine Hybris sondergleichen, die t&ouml;dlichen Gefahren, die es zu bannen gilt, zus&auml;tzlich anheizt und aufputscht.&raquo;<\/p><p>Der strategische Dilettantismus der USA, die Hybris, ein Land, das 4 Prozent der Erdbev&ouml;lkerung beherbergt, k&ouml;nne die ganze Welt beherrschen, f&uuml;hrte auch zum Krieg in der Ukraine.<\/p><p>H&ouml;ren wir noch einmal Peter Scholl-Latour: &laquo;In M&uuml;nchen, im Fr&uuml;hjahr 2007, schlug Wladimir Putin mit der Faust auf den Tisch und nannte die Dinge beim Namen. Hatten Amerikaner und Deutsche denn wirklich geglaubt, der russische Pr&auml;sident, der durch die harte Schule des KGB gegangen ist, werde passiv zuschauen, wie Washington und Br&uuml;ssel eine politische Einkreisung und Isolierung seines Landes betrieben, und diese gef&uuml;gig hinnehmen? Die US-Milit&auml;rbasen in Zentralasien, im Kaukasus, in Polen und auf dem Balkan f&uuml;hren aus Sicht des Kremls eine deutliche Sprache.&raquo; <\/p><p>Und wie nach den dilettantischen US-Kriegen in Afghanistan, im Irak, in Syrien und in Libyen d&uuml;rfen die Europ&auml;er durch die Flu&#776;chtlingsaufnahme und den zuk&uuml;nftigen Wiederaufbau in der Ukraine f&uuml;r die Folgen aufkommen. Zwar ist meine Prognose, die amerikanische R&uuml;stungsindustrie werde schon daf&uuml;r sorgen, dass der US-Kongress die 61 Milliarden Dollar fu&#776;r die Ukraine freigibt, eingetroffen, aber es ist von Darlehen die Rede &ndash; und dreimal darf man raten, wer f&uuml;r die an die Ukraine gegebenen Darlehen letztlich aufkommen muss. Von einer Entscheidung, &laquo;die uns das Leben rettet&raquo;, sprach der ukrainische Pr&auml;sident Wolodymyr Selenskyj, von einem &laquo;Tag der Zuversicht&raquo; die deutsche Au&szlig;enministerin Annalena Baerbock. Vielleicht ist das politische &Uuml;berleben Selenskyjs f&uuml;r die n&auml;chste Zeit gerettet. Aber Ukrainer und Russen sterben t&auml;glich in diesem m&ouml;rderischen Krieg, und angesichts dieses Desasters kann nur jemand Zuversicht empfinden, der mit Blindheit geschlagen ist.<\/p><p>Derweil wird in den westlichen Propagandamedien weiter f&uuml;r den Krieg getrommelt. Julija Nawalnaja, die Witwe des verstorbenen russischen Oppositionellen Alexei Nawalny, der die Georgier als Nagetiere bezeichnete und forderte, deren Hauptstadt Tiflis mit Cruise Missiles zu zerst&ouml;ren &ndash; so argumentieren Faschisten &ndash;, schlie&szlig;t nicht aus, dass Putin irgendwann Atomwaffen einsetzen k&ouml;nnte. Sie bedauert, dass Europa die von Russland ausgehenden Gefahren nicht schon viel fr&uuml;her erkannt habe, und wurde f&uuml;r ihren Kampf gegen Putin mit dem &laquo;Freiheitspreis der Medien&raquo; geehrt, der beim Ludwig-Erhard-Gipfel vor Spitzenvertretern aus Politik und Wirtschaft verliehen wird. Das erinnert an den &laquo;Friedenspreis des Deutschen Buchhandels&raquo;, der 2022 dem ukrainischen Faschisten Serhij Zhadan verliehen wurde, der in den Russen Tiere und Unrat sieht und ihnen nachruft: &laquo;Brennt in der H&ouml;lle, ihr Schweine.&raquo; <\/p><p><strong>Was wirklich hilft <\/strong><\/p><p>Mittlerweile hat die Kriegspropaganda ein neues Thema entdeckt: Die Russen haben in Europa Spione. Auch Sabotageakte sind ihnen zuzutrauen. Wie anders ist doch der Westen. Der hat nirgendwo Spione, und wer der CIA Sabotageakte zutraut, ist ein Verschw&ouml;rungstheoretiker. Die Rufe nach mehr Ukraine-Hilfen rei&szlig;en nicht ab. Vizekanzler Robert Habeck sagt: &laquo;Wenn Putin nicht gestoppt wird, h&ouml;rt er nicht auf.&raquo; Ru&#776;stungslobbyistin Marie-Agnes Strack-Zimmermann mahnt: &laquo;Wollen wir, dass die Ukraine diesen Krieg gewinnt, sind alle europ&auml;ischen Staaten aufgerufen, schneller und mehr zu tun.&raquo; Sich immer auf die Vereinigten Staaten zu verlassen, sei Europas geostrategischer Lage und moralischem Anspruch &laquo;nicht w&uuml;rdig&raquo;.<\/p><p>Mit Letzterem hat sie recht, nur ganz anders, als sie meint. Europa muss sich selbst behaupten und in der sich bildenden neuen Weltordnung seinen eigenen Platz finden. Und der Ukraine hilft man am besten, wenn man das Morden und die Zerst&ouml;rung durch einen Waffenstillstand und Friedensverhandlungen beendet.<\/p><p><small>Titelbild: Jannarong\/shutterstock.com<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Angesichts der globalen Spannungen ist es an der Zeit, die Illusion der geopolitischen Allianzen zu durchschauen. 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