{"id":11458,"date":"2011-11-29T09:33:00","date_gmt":"2011-11-29T08:33:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11458"},"modified":"2019-07-31T20:30:39","modified_gmt":"2019-07-31T18:30:39","slug":"gustav-horn-ich-habe-den-eindruck-dass-die-wirtschaftspolitik-in-deutschland-nicht-auf-der-hohe-der-zeit-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11458","title":{"rendered":"Gustav Horn: \u201eIch habe den Eindruck, dass die Wirtschaftspolitik in Deutschland nicht auf der H\u00f6he der Zeit ist.\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Gespr&auml;ch anl&auml;sslich des Herbstforums des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-B&ouml;ckler-Stiftung am 24. November 2011 mit Gustav Horn, Wissenschaftlicher Direktor des Instituts f&uuml;r Makro&ouml;konomie und Konjunkturforschung (IMK), &uuml;ber den Zustand der Wirtschaftswissenschaften, der Wirtschaftspolitik, der Parteien und der Gewerkschaften in Deutschland &ndash; und &uuml;ber wirtschaftspolitische Alternativen. Das Gespr&auml;ch f&uuml;hrte <strong>Thorsten Hild<\/strong>.<br>\n<!--more--><\/p><p><strong>Thorsten Hild: Herr Horn, das diesj&auml;hrige Herbstforum des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans B&ouml;ckler-Stiftung&nbsp;findet unter der &Uuml;berschrift &ldquo;Gespaltene Gesellschaft&rdquo; statt. Sie sind der Wissenschaftliche Direktor des ebenfalls der B&ouml;ckler-Stiftung zugeh&ouml;rigen Instituts f&uuml;r Makro&ouml;konomie und Konjunkturforschung. Hat die Wirtschaftswissenschaft, die deutsche zumal, die Gesellschaft zu lange ignoriert?<\/strong><\/p><p><strong>Gustav Horn:<\/strong> Die Antwort ist ein eindeutiges Ja. Die Wirtschaftswissenschaften haben sich jahrelang f&uuml;r Verteilungsfragen bestenfalls am Rande interessiert. F&uuml;r die einen schien das Problem gel&ouml;st zu sein; die anderen vertraten den Standpunkt, dass wir mehr Ungleichheit in Deutschland br&auml;uchten. Letztere These habe ich bis vor kurzem noch auf vielen Tagungen und Meetings geh&ouml;rt: Dass der deutsche Arbeitsmarkt zu gleiche Resultate im Hinblick auf die Lohnbildung f&uuml;r die Besch&auml;ftigten hervorbringe, und dass zu hohe L&ouml;hne f&uuml;r Unqualifizierte einer der Hauptgr&uuml;nde f&uuml;r die Arbeitslosigkeit sei und man dies &auml;ndern m&uuml;sse. <\/p><p>Das waren die beherrschenden Tendenzen. Die wachsende Schere zwischen den verschiedenen Einkommensgruppen hat man geflissentlich &uuml;bersehen. Auf diese Schere ist die deutsche Wirtschaftswissenschaft erst durch die Sozialwissenschaften aufmerksam geworden.<\/p><p><strong>M&uuml;ssten die Wirtschaftswissenschaften &ndash; und die Politikberatung, in der Sie ja auch t&auml;tig sind &ndash; dann nicht umsteuern: Zuerst definieren, was f&uuml;r die Gesellschaft w&uuml;nschenswert und notwendig ist und dann schauen, wie dies finanziert werden kann &ndash; anstatt, wie seit langem, jede politische Entscheidung von vornherein unter Finanzierungsvorbehalt zu stellen und als erste Priorit&auml;t isoliert ausgeglichene Haushalte und Schuldenabbau zu proklamieren? Das w&auml;re ja eine fundamental andere Herangehensweise: Erst einmal zu pr&uuml;fen, welche Voraussetzungen notwendig sind, um die Gesellschaft zusammen zu halten, und dann zu gucken, woher das Geld daf&uuml;r zu nehmen ist, anstatt von den bestehenden Verh&auml;ltnissen auszugehen und von dort aus Politik zu definieren?<\/strong><\/p><p>Wir d&uuml;rfen die Debatten der vergangenen Jahre ja nicht losgel&ouml;st von dem &ouml;konomisch theoretischen Kontext sehen, der da hie&szlig;: M&ouml;glichst freie, deregulierte M&auml;rkte, ein m&ouml;glichst zur&uuml;ckhaltender Staat. Vor diesem Hintergrund war es logisch, dass das Hauptaugenmerk der Wirtschaftswissenschaften sich auf Deregulierungsma&szlig;nahmen, insbesondere auf dem Arbeitsmarkt, richtete, weil die Existenz hoher Arbeitslosigkeit allein darauf zur&uuml;ckgef&uuml;hrt wurde, dass die Arbeitsm&auml;rkte zu stark reguliert seien und zu hohe Lohnersatzleistungen bieten w&uuml;rden. Gleichzeitig wurde fast jede Staatsintervention als sch&auml;dlich f&uuml;r die wirtschaftliche Entwicklung angesehen. Dann stellen sich die Fragen eben anders: W&uuml;nschenswert ist, dass der Staat sich zur&uuml;ckzieht. W&uuml;nschenswert ist, dass die Lohnspreizung zunimmt. W&uuml;nschenswert ist, dass die Lohnkosten insgesamt sinken. Daf&uuml;r hat man dann die entsprechenden Rezepte entwickelt und in den politischen Beratungsprozess eingespeist. Insofern ist die vorherrschende Wirtschaftswissenschaft schon entsprechend ihres Systems vorgegangen &ndash; nur eben in eine v&ouml;llig falsche Richtung.<\/p><p><strong>Treten kritischere deutsche Wirtschaftswissenschaftler, zu denen ich auch Sie z&auml;hle, gegen&uuml;ber der Politik zu leise auf oder finden sie einfach kein Geh&ouml;r?<\/strong> <\/p><p>Man kann immer dar&uuml;ber streiten, ob man lauter sein muss. Und man kann sich immer verbessern. Aber es ist nun einmal so, dass jene Denkart, die in den letzten zehn Jahren die wirtschaftspolitische Beratung bestimmt hat, tief in den Gehirng&auml;ngen der Wirtschaftspolitiker verwurzelt ist, die teilweise heute noch in Amt und W&uuml;rden sind. Das hei&szlig;t, Sie treffen, wenn Sie andere Positionen vertreten, h&auml;ufig auf glattes Unverst&auml;ndnis. Sie werden nicht einmal widerlegt, man versteht Sie einfach nicht. Sie reden in einer anderen Sprache. Das mindert den Ertrag solcher Beratungsgespr&auml;che leider deutlich.<\/p><p><strong>Zum Vergleich: Wenn zum Beispiel der amerikanische &Ouml;konom und Nobelpreistr&auml;ger Paul Krugman in seiner Kolumne der New York Times schreibt, argumentiert er zwar sachlich, aber er wirft auf der Grundlage seiner Argumentation dem deutschen Finanzminister a.D., Peer Steinbr&uuml;ck, auch schon einmal &bdquo;Holzk&ouml;pfigkeit&ldquo; vor. Oder Martin Wolf, sicherlich kein linker &Ouml;konom, der in der Financial Times aber immer makro&ouml;konomisch argumentiert: Auch der kommt ja zu sehr konsequenten Aussagen. Oder der verstorbene John Kenneth Galbraith &ndash; sein Sohn, James K. Galbraith, ist ja viel zur&uuml;ckhaltender, wenn auch ebenfalls kritisch. Was h&auml;lt den deutschen Wirtschaftswissenschaftler davon ab? Ist es die Angst, nicht wieder gefragt zu werden? Ist das einfach eine unterschiedliche Diskussionskultur?<\/strong><\/p><p>Es gibt mehrere Dinge dazu zu sagen. Zum einen muss man ganz grunds&auml;tzlich feststellen, dass die angels&auml;chsischen Regierungen, das gilt sowohl f&uuml;r die englische wie f&uuml;r die amerikanische Regierung, in &ouml;konomischen Fragestellungen wesentlich offener sind als die Bundesregierung. Nicht, dass sie alles tun, was man ihnen sagt. Aber sie h&ouml;ren es sich an, ausf&uuml;hrlich, und sie entscheiden dann pragmatisch. <\/p><p>Man hat zum Beispiel in Gro&szlig;britannien und den USA keine langen Diskussionen dar&uuml;ber gef&uuml;hrt, ob man Konjunkturprogramme auflegen soll oder nicht. Es war klar, man macht sie w&auml;hrend der Krise. Es ging nur noch um die Frage, was man tut, nicht ob man es tut. In Deutschland haben wir uns sehr lange damit geplagt und diskutiert, ob wir so etwas &uuml;berhaupt tun sollen. Konjunkturpakete waren tabu. Und wenn Sie sich zur&uuml;ck erinnern: Wir durften sie nicht einmal so nennen, sondern mussten sie als konjunkturgerechte Wachstumspolitik bezeichnen. Das zeigt ja schon, mit welch schlechtem Gewissen man Vern&uuml;nftiges getan hat.<\/p><p>Wie also bricht man diese intellektuelle Sperre oder Blockade auf? Nat&uuml;rlich kann man plastischer, lauter werden, das ist auch eine Temperamentsfrage. Aber auch mit einer ruhigen Argumentation kann man vielleicht auf Dauer &Uuml;berzeugungen &auml;ndern. Das ist jedoch ein sehr langwieriger Prozess, der in Deutschland leider erst in den Anf&auml;ngen steckt. Wir sind noch weit von der Offenheit und der politischen Flexibilit&auml;t angels&auml;chsischer Regierungen entfernt. Bei uns ist vieles ideologisch behaftet. Das h&auml;ngt auch damit zusammen, dass Parteien, wie die SPD beispielsweise, eine Vergangenheit zu verteidigen haben und daher vielfach sehr z&ouml;gerlich sind, Dinge zu revidieren, die sie vielleicht schlicht und ergreifend falsch gemacht haben.<\/p><p><strong>Damit haben Sie schon die Br&uuml;cke zur n&auml;chsten Frage gebaut: Sie geh&ouml;ren auch zum Wirtschaftspolitischen Rat von SPD-Chef Sigmar Gabriel. Auch SPD-Chef Sigmar Gabriel spricht von &ldquo;notwendigen und schmerzhaften Reformschritten&rdquo; in Griechenland; daf&uuml;r, dass Papandreou diese Reformschritte durchzusetzen versuchte, brachte ihm Gabriel &ldquo;Respekt&rdquo; entgegen, nicht f&uuml;r dessen Vorschlag, das Volk dar&uuml;ber entscheiden zu lassen.&nbsp;Ist der &ldquo;gnadenlose Marktradikalismus&rdquo;, den Gabriel im gleichen Atemzug kritisierte, nicht zu Ende, sondern in vollem Gange? Ihr Institut, das IMK, hat gerade erst vorgerechnet, was das Sparprogramm in Griechenland f&uuml;r Deutschland bedeuten w&uuml;rde, w&uuml;rde es auf unser Land &uuml;bertragen. So m&uuml;ssten bspw. die Rentner auf 1000 Euro Rente im Jahr verzichten und Durchschnittsgeh&auml;lter von 3.250 Euro w&uuml;rden monatlich um 490 Euro gek&uuml;rzt. Mal tritt die SPD-Spitze f&uuml;r Eurobonds ein, mal nicht? Sie war es auch, die die Schuldenbremse am vehementesten durchgeboxt hat und bis heute verteidigt. Gabriel w&uuml;rde laut eigenen Aussagen jeden Euro Steuermehreinnahmen ausschlie&szlig;lich&nbsp;in die Schuldentilgung stecken und sagt, damit grenze er sich von der Kanzlerin ab? Ist&nbsp;er schlecht beraten oder beratungsresistent? Wie funktioniert so eine Beratung?<\/strong><\/p><p>Nun, so eine Beratung funktioniert ganz profan: Man diskutiert bestimmte Fragestellungen und gibt seine Ratschl&auml;ge dazu. Die Politiker h&ouml;ren sich das an, kommentieren es teilweise. Was daraus wird, wei&szlig; man als Berater nicht. Das entsteht in den politischen Gremien.<\/p><p>Und es gibt nat&uuml;rlich unterschiedliche Meinungen. Das ist ja auch vern&uuml;nftig. Aber es erschwert eben die Orientierung; insbesondere dann, wenn, was bei der SPD aber auch den anderen Parteien der Fall ist, die meisten handelnden Politiker keine &Ouml;konomen sind und auch nicht &uuml;ber viel &ouml;konomische Bildung verf&uuml;gen. Das hei&szlig;t, sie m&uuml;ssen sich auf einem sehr unbekannten Terrain bewegen, wo sie mit zwei, drei, vier, f&uuml;nf Meinungen konfrontiert sind. Und sie haben auch nicht den Apparat, der ihnen aus diesem Gemisch von Meinungen das heraus konzentriert, was wichtig sein k&ouml;nnte. Das hei&szlig;t, der gesamte politische Beratungsbetrieb geht in gewisser Weise ins Leere. Wir &auml;u&szlig;ern unsere Meinung, das war es. Es passiert h&auml;ufig nichts. Hinzu kommt, speziell bei der SPD, dass sie vor einer Tatsache unglaubliche Angst hat: als eine Schuldenpartei bezeichnet zu werden. Das Hauptargument gegen Peter Bofinger und mich war ja: Wenn wir das als SPD vertreten, dann werden wir niedergemacht von der CDU. Das ist nicht ganz von der Hand zu weisen, weil unsere Position als eine Position fehlinterpretiert wurde, die f&uuml;r mehr Schulden sorgt. Ich k&ouml;nnte mich in der derzeitigen Situation sehr damit anfreunden, dass man mehr spart als die Regierung: Ich bin gegen Steuersenkungen zum jetzigen Zeitpunkt. Aber ich bin dies vor dem Hintergrund einer antizyklischen Konjunkturpolitik. Die besagt: Dann, wenn die Wirtschaft runter geht, muss man Mittel haben, um gegenzusteuern. Diese Mittel m&uuml;ssen in guten Zeiten angespart werden. So w&uuml;rde ich meine Vorschl&auml;ge begr&uuml;nden. Die SPD aber, da haben Sie v&ouml;llig Recht, begr&uuml;ndet dies mit einem durchgehenden Sparprozess, losgel&ouml;st von der Konjunktur, und dass wird sich in den n&auml;chsten Jahren als grober Fehler erweisen.<\/p><p><strong>Ist die SPD in dem Sinne nicht doch schlecht beraten: Sie hat zwar Berater wie Sie, Bofinger, Flassbeck, aber die andere, die unter deutschen Volkswirten vorherrschende Position, scheint doch so tief verankert zu sein, dass es auch eine gewisse Beratungsresistenz gibt; man l&auml;sst sich nicht so leicht &uuml;berzeugen?<\/strong><\/p><p>Das ist richtig. Es gibt immer noch die Pr&auml;gung in Richtung einer Wirtschaftspolitik, die anders orientiert ist. Man kann sie als antikeynesianisch bezeichnen. Sie ist bei den Wirtschaftspolitikern noch sehr ausgepr&auml;gt. Es gibt zudem insgesamt einen mangelnden Beratungsapparat, der nicht in der Lage ist, Beratungsergebnisse in den politischen Prozess hineinzutragen.<\/p><p><strong>Innerhalb der Partei?<\/strong><\/p><p>Innerhalb der Partei. Und nat&uuml;rlich gibt es dar&uuml;ber hinaus sicherlich auch politische K&auml;mpfe untereinander, die ebenfalls vieles verhindern.<\/p><p><strong>Und das Argument, was Sie vorhin schon ansprachen: Man scheut sehr davor zur&uuml;ck eigene Fehler zu benennen.<\/strong><\/p><p>Es gibt eine Geschichte, und es ist sehr schwer f&uuml;r eine Partei zu sagen, das, was wir damals &ndash; besten Willens &ndash; gemacht haben, hat sich als nicht so gut erwiesen, deshalb korrigieren wir es jetzt. Das w&auml;re aber  eine vern&uuml;nftige Position. Ich glaube zudem man sollte Politikern nicht immer vorhalten, dass sie Fehler machen. Denn alle  Menschen machen hin und wieder Fehler. <\/p><p><strong>Nichts ist doch sympathischer als eigene Fehler einzugestehen. Aber sie schrecken davor zur&uuml;ck.<\/strong><\/p><p>Ja, sie glauben, dass es ein Nachteil ist, zugeben zu m&uuml;ssen, etwas falsch gemacht zu haben. Und: Man m&uuml;sste nat&uuml;rlich auch begr&uuml;nden, was man falsch gemacht hat. Man kann nicht einfach sagen, die Umfragewerte haben sich ge&auml;ndert, deswegen &auml;ndere ich meine Politik. Es muss schon eine &ouml;konomische Logik aufgezeigt werde, warum Entscheidungen falsch waren, und warum man es heute anders machen w&uuml;rde. Jeder macht Fehler. Deshalb halte ich auch nichts von Inszenierungen, die dahin gehen, dass ein unfehlbarer Welt&ouml;konom durch die Gegend l&auml;uft. Den gibt es n&auml;mlich nicht. <\/p><p>Was es aber gibt, ist die Erkenntnis, dass ein wirtschaftspolitisches Konzept im R&uuml;ckblick doch nicht so gut war, wie man vorher geglaubt hat. Sei es, dass es einfach nicht funktioniert hat, sei es, dass sich gravierende Nebenwirkungen gezeigt haben. Es w&auml;re also wichtig, dass die Parteien sich zu ihren Fehlern bekennen. Ich sehe diesen Prozess bei den Gr&uuml;nen sehr viel st&auml;rker als bei der SPD. Dort werden die Dinge gerade im Hinblick auf die derzeitige Eurokrise sehr viel mehr durchdacht, auch &ouml;konomisch, und entsprechende Konzepte entwickelt.<\/p><p><strong>Darunter f&auml;llt dann auch, dass Trittin sich neulich im Deutschlandfunk nicht nur einfach f&uuml;r Eurobonds ausgesprochen hat, sonder, wenn ich mich richtig erinnere, auch in der Lage war, entsprechend zu argumentieren, was ich auffallend fand.<\/strong> <\/p><p>Ja genau. Und wir sollten die Frage der Eurobonds auch nicht als eine des europ&auml;ischen Gutmenschentums begreifen oder mit dem Vorwurf des Anti-Europ&auml;ers verbinden; die Diskussion muss &ouml;konomisch gef&uuml;hrt werden. Eine &ouml;konomische Begr&uuml;ndung f&uuml;r Eurobonds besteht eben darin, dass wir eine massive Vertrauenskrise in Europa haben; keine Staatsschuldenkrise, sondern eine Vertrauenskrise. Und diese Vertrauenskrise k&ouml;nnen wir nur durch gemeinschaftliches Handeln &uuml;berwinden. In vielf&auml;ltiger Form. Eine dieser Formen ist die Einf&uuml;hrung von Eurobonds. Das reicht aber f&uuml;r sich genommen nicht aus. Und: Wir retten uns schlie&szlig;lich selbst damit. Es gibt ja die ersten Anzeichen, dass die Vertrauenskrise, die eben epidemisch ist, auch uns erreicht. Deutschland ist nicht immun dagegen. <\/p><p><strong>Ich komme jetzt noch mal auf das Thema des heutigen Symposiums zur&uuml;ck: Soziale Spaltung. Ein weiterer wichtiger Gestalter neben den Parteien sind die Gewerkschaften. Der DGB bringt beispielsweise durchaus kritische Analysen heraus, deutliches Geh&ouml;r gegen&uuml;ber Politik und Medien aber verschafft er sich nicht. So hat der DGB-Vorsitzende Sommer zwar zum 1. Mai dieses Jahres gemeinsam mit SPD-Chef Gabriel einen Beitrag in der FAZ geschrieben, in dem beide den Niedriglohnsektor kritisieren; Sommer verliert darin aber kein Wort &uuml;ber die Agenda 2010, die Gabriel bis heute verteidigt. Laut SPD-Parteisatzung waren au&szlig;erdem bisher alle DGB-Chefs beratende Mitglieder des SPD-Parteirates. Sie hatten also politischen Einfluss in einem der h&ouml;chsten Gremien der SPD. J&uuml;ngst erst war zudem zu lesen, dass sich die Spitzen von SPD und DGB bislang bei dem regelm&auml;&szlig;ig tagenden SPD-Gewerkschaftsrat abstimmen, dem neben Sommer alle Einzelvorsitzenden mit SPD-Parteibuch angeh&ouml;ren. Wie bewerten Sie die Rolle der Gewerkschaften vor diesem Hintergrund? Haben sie der Politik zu viel durchgehen lassen?<\/strong><\/p><p>Nun, dazu ist zun&auml;chst zu sagen: Die Gewerkschaften sind keine Oppositionspartei. Das ist nicht ihre Funktion. Die Gewerkschaften in Deutschland sind &uuml;berparteilich. Es gibt viele CDU-Mitglieder in den Gewerkschaften, sicherlich auch viele Gr&uuml;ne, bei der FDP wird es sich in Grenzen halten. Wahlumfragen, die danach fragen, wie Gewerkschaftsmitglieder w&auml;hlen, zeigen: Die SPD hat dort keine absolute Mehrheit. Das muss man vorweg schicken. <\/p><p>Die Frage ist, wie sich das Verh&auml;ltnis von Gewerkschaften und SPD entwickelt hat. Das war einmal sehr eng. Es ist aber seit der Agenda 2010 deutlich abgek&uuml;hlt. So gibt es zwar formal die Verbindung im Vorstand; aber seit der Agenda 2010 ist sie lockerer geworden. Vielmehr reden Gewerkschafter mit allen Parteien und versuchen ihre Vorstellungen in allen Parteien unter zu bringen. Auch in der Regierung. Das geht zwangsl&auml;ufig zu Lasten der Lautst&auml;rke. Denn, wenn die Gewerkschaften sich hinstellen und sagen, alles, was die Regierung macht, ist Mist, dann w&uuml;rde es wahrscheinlich  keine Gespr&auml;che mehr geben. <\/p><p><strong>Ist das die Bef&uuml;rchtung &ndash; die nat&uuml;rlich auch gegen&uuml;ber der Opposition gilt, die ja vorher die Regierung gebildet hat?<\/strong><\/p><p>Vor dem Hintergrund der tendenziellen Abkoppelung der Gewerkschaften von der SPD ist die Lobbyarbeit der Gewerkschaften leiser geworden. Weil sie jetzt &uuml;ber alle Parteien hinweg versuchen, ihre Positionen zu st&auml;rken. Insofern ist auch nicht zu erwarten, dass pl&ouml;tzlich eine ganz klare Kante gezeigt wird. Zu manchen essentiellen Themen werden Kampagnen aufgelegt wie zum Mindestlohn, die sich an alle Parteien richten.<\/p><p><strong>Ich gebe an Sie als &Ouml;konomen noch ein Stichwort: Der IGM-Chef Huber vertrat erst j&uuml;ngst die Auffassung, der Vorwurf der Franzosen, die deutschen Gewerkschaften h&auml;tten in der Vergangenheit zu geringe Lohnsteigerungen angestrebt, sei &ldquo;dummes Zeug&rdquo; und meinte, die gro&szlig;en Exporterfolge Deutschlands h&auml;tten &ldquo;mit dem Lohnniveau gar nichts zu tun&rdquo; und dass dies nicht zulasten anderer L&auml;nder ginge.<\/strong><\/p><p>Ich verstehe Berthold Huber so: Nat&uuml;rlich f&uuml;hlt man sich als Gewerkschafter in dieser Frage angegriffen. Die  Gewerkschaften versuchen das durchzusetzen, was durchzusetzen ist. Es ist nicht so &ndash; das habe ich bei keiner Gewerkschaft bisher wahrgenommen &ndash;, dass sie sagen: Wir sind jetzt einmal ganz moderat. Sie hauen sich vielmehr die N&auml;chte um die Ohren und versuchen ihre Ziele in Verhandlungen durchzusetzen. Das Ergebnis aber ist aus gesamtwirtschaftlicher Sicht nicht immer befriedigend. Man kann ja nicht behaupten, dass die Lohnsteigerungen in Deutschland &uuml;bersch&auml;umend w&auml;ren. Bei den Tarifl&ouml;hnen kommt es noch so einigerma&szlig;en hin. Das ist also keine so gro&szlig;e Story.. Bei den nicht tarifgedeckten L&ouml;hnen sehen wir allerdings eine katastrophale Entwicklung. Das zu niedrige gesamtwirtschaftliche Lohnniveau in Deutschland ist also vor allen Dingen das Resultat einer abnehmenden Tarifabdeckung.<\/p><p><strong>Aber gerade die in der Frage der Eurokrise ja auch als zentrales Problem in den Mittelpunkt ger&uuml;ckte Lohnst&uuml;ckkostenentwicklung h&auml;ngt nat&uuml;rlich nun mit der gesamtwirtschaftlichen Lohnentwicklung zusammen, und wenn dann ein Gewerkschaftschef sagt, die deutschen Exporterfolge h&auml;tten nichts mit dieser Lohnentwicklung zu tun, ist das doch fatal, oder nicht?<\/strong><\/p><p>Wir haben ein Problem mit dem gesamtwirtschaftlichen Lohnniveau, das sich aus den Tarifl&ouml;hnen plus den Nichttarifl&ouml;hnen zusammensetzt, den Effektivl&ouml;hnen, und das spiegelt sich eben in den Lohnst&uuml;ckkosten wider, das ist richtig.<\/p><p>Die Gewerkschafter reden immer, auch wenn sie das h&auml;ufig nicht explizit sagen, &uuml;ber die Tarifl&ouml;hne. Sie schweigen dann  &uuml;ber das, was sich au&szlig;erhalb ihrer Tarifwelt abspielt. Das ist f&uuml;r mich als &Ouml;konom selbstverst&auml;ndlich  nicht ausreichend, sondern  ich muss mir das gesamt Bild anschauen. Und das gesamte Bild ist so, wie Sie sagen. Und deswegen sage ich auch: Das gesamtwirtschaftliche Lohnniveau ist zu niedrig. Ich bin aber nicht der Meinung, dass die Gewerkschaften das alleine korrigieren k&ouml;nnen. <\/p><p><strong>Das k&ouml;nnen sie nicht, weil sie durch die Politik geschw&auml;cht worden sind?<\/strong><\/p><p>Ja, die Gewerkschaften sind durch die Politik systematisch geschw&auml;cht worden. Das war ja auch Ziel der Politik: Die Verhandlungsmacht der Gewerkschaften zu schw&auml;chen, um &uuml;ber ein niedriges Lohnniveau die Wettbewerbsf&auml;higkeit zu erh&ouml;hen. Und vor diesem Hintergrund ergibt sich f&uuml;r mich die Schlussfolgerung: Das zu niedrige gesamtwirtschaftliche Lohnniveau ist weniger ein tarifpolitisches Problem als ein wirtschaftspolitisches Problem; das muss vor allem &uuml;ber eine ver&auml;nderte Arbeitsmarktpolitik korrigiert werden. <\/p><p><strong>Aber halten Sie es nicht f&uuml;r fatal, wenn nicht einmal aus den Gewerkschaften heraus die Stimme laut wird, dass das deutsche Lohnniveau, die deutsche Lohnentwicklung haupts&auml;chlich auch f&uuml;r die Eurokrise verantwortlich zeichnet?<\/strong><\/p><p>Die Erkenntnis, dass die Eurokrise etwas mit der deutschen Lohnentwicklung zu tun hat, ist leider hierzulande nicht sehr verbreitet. Der Fehler, den bspw. Frau Lagarde gemacht hat, ist, dass sie frontal die Gewerkschaften angegriffen hat. Ich halte davon nichts, weil die Gewerkschaften in ihrem Bereich nichts unversucht lassen. Aber: Es reicht im Ergebnis gesamtwirtschaftlich nicht. Ohne die Wirtschaftspolitik werden wir das auch nicht &auml;ndern. Wir brauchen eine andere Wirtschaftspolitik. <\/p><p><strong>Lassen Sie uns jetzt einmal nach vorne schauen: Wenn Sie k&ouml;nnten wie Sie wollten, was w&uuml;rden Sie wirtschafts- und sozialpolitisch als erstes umsetzen, vielleicht drei bis zehn Ma&szlig;nahmen, Alternativen zur jetzt vorherrschenden Politik?<\/strong><\/p><p>Mein erstes Ziel w&auml;re, die Eurokrise m&ouml;glichst  rasch  in den Griff zu bekommen. Das w&uuml;rde eine andere Politik der Europ&auml;ischen Zentralbank voraussetzen. Sie m&uuml;sste als Gl&auml;ubiger der letzten Instanz arbeiten. <\/p><p><strong>Sie w&uuml;rde also weiter Anleihen aufkaufen&hellip;<\/strong><\/p><p>Sie w&uuml;rde Anleihen aufkaufen und damit die Kurse stabilisieren.<\/p><p>Der zweite Punkt w&auml;re, auch im Sinne der Eurokrise, dass ich einen Eurobond einf&uuml;hren w&uuml;rde, f&uuml;r Verschuldung bis zu einem bestimmten Prozentsatz des Bruttoinlandsproduktes, so dass wir eine sehr gro&szlig;fl&auml;chige gemeinschaftliche Haftung f&uuml;r die bestehenden Schulden h&auml;tten. <\/p><p>L&auml;ngerfristig w&uuml;rde ich eine Instanz schaffen, die Leistungsbilanzen &uuml;berwacht, und zwar auf Ungleichgewichte hin &ndash; auf Defizite und &Uuml;bersch&uuml;sse. Und da m&uuml;ssten wir in der Tat Vertrags&auml;nderungen beschlie&szlig;en, die Ma&szlig;nahmen vorsehen, um Ungleichgewichte zu vermeiden. Denn hierin liegt die Hauptursache der Eurokrise. Das betrifft dann indirekt die Lohnentwicklung und direkt die Fiskalpolitik in den betroffenen L&auml;ndern.<\/p><p>Viertens w&uuml;rde ich die Finanzm&auml;rkte strikt regulieren und eine deutliche Umstrukturierung des Bankensektors vornehmen, die auch eine Trennung des herk&ouml;mmlichen Kreditgesch&auml;fts vom Investmentbanking und eine scharfe Regulierung von Finanzmarktprodukten einschlie&szlig;t.<\/p><p>F&uuml;nftens gilt es, die Ungleichheit in unserem Land aktiv zu bek&auml;mpfen. Das h&auml;tte vor allem steuerrechtliche Konsequenzen. Denn &uuml;ber das Steuersystem wurde die Ungleichheit am gr&ouml;bsten versch&auml;rft. Ver&auml;nderungen w&uuml;rden einen progressiveren Einkommenssteuertarif, die Wiedereinf&uuml;hrung der Verm&ouml;genssteuer, eine deutlich h&ouml;here Erbschaftssteuer, eine Finanztransaktionssteuer vorsehen. Konjunkturell w&auml;ren diese Ver&auml;nderungen bei der Besteuerung in keinem Falle sch&auml;dlich.<\/p><p><strong>Was w&uuml;rden Sie bei der Verm&ouml;genssteuer sagen und beim Spitzensteuersatz?<\/strong><\/p><p>Beim Spitzensteuersatz kann man sicherlich wieder auf 49 Prozent hoch gehen, man m&uuml;sste dann allerdings den Tarif etwas strecken. Das wird nicht zu einem Riesenaufkommen f&uuml;hren, aber es wird die Ungleichheit vermindern helfen, weil dann gerade die h&ouml;heren Einkommen deutlich st&auml;rker besteuert werden als bisher. Wichtiger noch ist die Verm&ouml;genssteuer. Verm&ouml;gen ist geronnenes Einkommen, bei dem sich Ungleichheit wirklich verfestigt. Da m&uuml;ssen wir ran. Dass wir dabei alle Verm&ouml;gensarten gleich besteuern, wie es das Bundesverfassungsgericht gefordert hat, ist klar. Wir brauchen das, um eine dynamische Gesellschaft zu erhalten. <\/p><p><strong>Was w&uuml;rden Sie da f&uuml;r eine Prozentzahl in den Raum werfen?<\/strong><\/p><p>Ein halbes bis ein Prozent vom Verm&ouml;gen. Und bei der Erbschaftssteuer w&uuml;rde ich die Freibetr&auml;ge effektiv auf eine halbe Million begrenzen. Unabh&auml;ngig davon, ob es ein Betrieb ist oder nicht. Die kleinen Betriebe fallen dabei alle raus. Die brauche nichts zu zahlen. Wenn aber ein Betrieb mehr zahlen muss, weil das Betriebsverm&ouml;gen h&ouml;her ist, dann kann er sich das auch leisten.<\/p><p><strong>Kurz zu den Sozialversicherungen in diesem Kontext. Was sagen Sie zu Anhebung bzw. Aufhebung der Beitragsbemessungsgrenzen?<\/strong><\/p><p>Ich w&uuml;rde auch das Sozialversicherungssystem progressiv gestalten. Das ist heute, eben durch die Beitragsbemessungsgrenzen, ja eher regressiv. Ich denke, dass wir auch da ran m&uuml;ssen. Gerade, wenn wir alle Einkommensarten mit einbeziehen wollen. Das halte ich f&uuml;r essentiell. Die Beschr&auml;nkung auf die Arbeitseinkommen schafft perverse Anreize. Zum Beispiel bei der Entgeltumwandlung,  durch die Einkommen den Sozialversicherungen entzogen wird. Oder eben Menschen mit hohen und sehr hohen Einkommen. Wenn wir eine solidarische Versicherung haben, dann darf die Solidarit&auml;t nicht l&auml;nger an einem bestimmten Punkt aufh&ouml;ren, nur weil sich die betreffende Person vielleicht privat auch noch absichern kann. Das kann sie ja au&szlig;erdem tun.<\/p><p><strong>Und was die Beitragsbemessungsgrenze anbelangt, w&uuml;rde dies dann nicht nur f&uuml;r die Rentenversicherung gelten &ndash; bei der ja h&auml;ufig auf die Schweiz verwiesen wird, die bei der Rente keine Beitragsbemessungsgrenze kennt &ndash; sondern auch f&uuml;r die Krankenversicherung und Arbeitslosenversicherung?<\/strong><\/p><p>Ja. <\/p><p><strong>Und sollte man die Beitragsbemessungsgrenze denn einfach nur anheben oder aufheben?<\/strong><\/p><p>Man sollte sie aufheben und nicht nur anheben. Dann w&auml;ren auch die Beitragss&auml;tze niedriger, die abgegeben werden m&uuml;ssen. Und ich w&uuml;rde auch das &Auml;quivalenzprinzip nicht ad infinitum gelten lassen. Wir m&uuml;ssen es an beiden Einkommensenden &auml;ndern: Oben brauchen wir nicht die 1:1-Zuw&auml;chse der Rente, die wir bei den Beitr&auml;gen haben. Die Menschen haben dann eine so hohe Rente, dass sie in der Tat auch unterproportionale Zuw&auml;chse verkraften k&ouml;nnen. Das Geld, was wir oben bei der Rentenauszahlung einsparen, das m&uuml;ssen wir dann nutzen, um am unteren Ende Minimalrenten zu stabilisieren, womit wir dann ja ebenfalls das &Auml;quivalenzprinzip durchbrechen. <\/p><p><strong>Wird das so diskutiert in den Parteien, die Sie auch beraten?<\/strong><\/p><p>Wir bringen es immer wieder und die Friedrich Ebert Stiftung hat das auch schon diskutiert. Es ist aber nicht Parteiprogramm. (lacht)<\/p><p><strong>Abschlie&szlig;end: Sehen Sie f&uuml;r Ihre Politikvorschl&auml;ge in irgendeiner Partei im Bundestag hierzu eine ernstzunehmende Bereitschaft, diese umzusetzen, oder gar eine m&ouml;gliche politische Mehrheit?<\/strong> <\/p><p>Sagen wir einmal so: Ich bin mit der Wirtschaftspolitik in Deutschland nicht zufrieden. Ich sehe bei der einen Partei mehr, bei der anderen weniger Probleme. Aber Probleme sehe ich eigentlich &uuml;berall. Ich habe den Eindruck, dass die Wirtschaftspolitik in Deutschland ganz generell gesprochen nicht auf der H&ouml;he der Zeit ist. Sie l&auml;uft den Krisenentwicklungen hoffnungslos hinterher. Und die ethische Grundposition der deutschen Wirtschaftspolitik ist: Man muss hart zu den Menschen sein; wirtschaftlich vern&uuml;nftig ist, wer hart zu den Leuten ist. Das ist eine Herangehensweise, die meinem Verst&auml;ndnis von Wirtschaftspolitik zuwider l&auml;uft. <\/p><p>Ich bin auch daf&uuml;r, dass man wirtschaftlich vern&uuml;nftig agiert; es geht also nicht darum, dass der Staat m&ouml;glichst viel Geld aus dem Fenster wirft. Im Gegenteil ich w&auml;re wesentlich h&auml;rter, was Steuersenkungen anbelangt, als dass die Wirtschaftspolitik der letzten zehn, f&uuml;nfzehn Jahre war. Ich bin auch gegen unspezifische Ausgabenprogramme. Aber ich bin daf&uuml;r, dass die Wirtschaftspolitik eines erkennt: Das Wirtschaftssystem ist aus sich heraus instabil. Und es bedarf eines gemeinwohlorientierten Gegenpartes, um es insgesamt stabil zu halten. Wenn dieser Gegenpart nicht in hinreichender St&auml;rke da ist, dann haben wir eine krisenhafte Entwicklung wie heute.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><em>Prof. Dr. Gustav Horn ist Wissenschaftlicher Direktor des Instituts f&uuml;r Makro&ouml;konomie und Konjunkturforschung<\/em><br>\n<em>Thorsten Hild arbeitet als Volkswirt und Journalist in Berlin (<a href=\"http:\/\/www.wirtschaftundgesellschaft.de\">www.wirtschaftundgesellschaft.de<\/a>).<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gespr&auml;ch anl&auml;sslich des Herbstforums des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-B&ouml;ckler-Stiftung am 24. November 2011 mit Gustav Horn, Wissenschaftlicher Direktor des Instituts f&uuml;r Makro&ouml;konomie und Konjunkturforschung (IMK), &uuml;ber den Zustand der Wirtschaftswissenschaften, der Wirtschaftspolitik, der Parteien und der Gewerkschaften in Deutschland &ndash; und &uuml;ber wirtschaftspolitische Alternativen. Das Gespr&auml;ch f&uuml;hrte <strong>Thorsten Hild<\/strong>.<\/p>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[13,191,132],"tags":[284,453,555,291],"class_list":["post-11458","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-denkfehler-wirtschaftsdebatte","category-spd","category-ungleichheit-armut-reichtum","tag-deregulierung","tag-hans-boeckler-stiftung","tag-horn-gustav","tag-verteilungsgerechtigkeit"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11458","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=11458"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11458\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11462,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11458\/revisions\/11462"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=11458"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=11458"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=11458"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}