{"id":11464,"date":"2011-11-29T17:19:47","date_gmt":"2011-11-29T16:19:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11464"},"modified":"2014-12-21T15:57:15","modified_gmt":"2014-12-21T14:57:15","slug":"beispiele-fur-die-weit-gehende-gleichschaltung-vieler-medien-auf-der-linie-von-merkel-und-co","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11464","title":{"rendered":"Beispiele f\u00fcr die weit gehende Gleichschaltung vieler Medien auf der Linie von Merkel und Co."},"content":{"rendered":"<p>Es entspricht nicht den Regeln der politischen Korrektheit, Begriffe f&uuml;r die Verh&auml;ltnisse bei den Nazis zur Beschreibung der Verh&auml;ltnisse von heute zu benutzen. Aber ich missachte diese Regel bewusst, weil sie als eine Art Schutz vor Kritik missbraucht wird. Die Gleichschaltung, der sich viele Medien unterwerfen, ist n&auml;mlich verheerend f&uuml;r das Gedeihen unserer demokratischen Verh&auml;ltnisse. Auf gute Belege daf&uuml;r trifft man t&auml;glich. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\nViele engagierte Demokraten machen sich Illusionen &uuml;ber die G&uuml;ltigkeit demokratischer Spielregeln. Diese sind durch eine organisierte und eine selbst vollzogene Gleichschaltung vieler Medien au&szlig;er Kraft gesetzt. Dies verbunden mit einer nahezu perfekten Sprachregelungsstrategie von Seiten der Union und ihrer Partner in der Wirtschaft f&uuml;hrt zu einem ungenie&szlig;baren Einheitsbrei.<\/p><p><strong>Ein kleiner Bericht mit aktuellen Beispielen zu einigen der erkennbaren Strategieelemente:<\/strong><\/p><p>Zun&auml;chst zusammengefasst zur Strategie der Union und ihres neoliberal gepr&auml;gten Umfelds:<\/p><ul>\n<li>Die entscheidende Botschaft ist, es gehe uns insgesamt gut, die Arbeitslosigkeit sei weit gehend bek&auml;mpft, die Wirtschaft bl&uuml;he, die Reformen (Agenda 2010 usw.) h&auml;tten sich gelohnt, den anderen L&auml;ndern gehe es viel schlechter, sie sollten deshalb die Reformen &uuml;bernehmen, sie sollten sparen wie wir, nur sie seien schuld an der Eurokrise, usw.<\/li>\n<li>Die Union sei eine soziale Partei. Bei ihr und Angela Merkel wird von Sozialdemokratisierung gesprochen. Damit zielt man weit hinein in das W&auml;hlerpotenzial der SPD und erleichtert den Gr&uuml;nen die Koalition mit Schwarz.<\/li>\n<li>Die Linken werden verschwiegen und auch bei Berechnung von Koalitionsm&ouml;glichkeiten nicht mitgez&auml;hlt.<\/li>\n<\/ul><p><strong>Einige Beispiele zum Beleg:<\/strong><\/p><ol>\n<li><strong>Wir sind gut. Wir sind Spitze. Alle anderen sind schlechter. <\/strong>\n<ol type=\"a\">\n<li>Presseclub vom 27. November 2011. Ein NachDenkSeiten-Leser machte uns darauf aufmerksam, Moderator J&ouml;rg Sch&ouml;nenborn habe von der geringsten Arbeitslosenquote seit der Wende als Erfolg der aktuellen Regierung gesprochen.<br>\nDie anwesenden JournalistInnen Ulrike Herrmann (taz), Alexander Hagel&uuml;ken (S&uuml;ddeutsche), Ruth Berschens (Handelsblatt) und Dorothea Siems (Welt) h&auml;tten nicht widersprochen und nicht auf besch&ouml;nigende Ver&auml;nderungen der Statistik seit der Wende, auf die Ausweitung von Lohndumping, auf Leiharbeit und prek&auml;re Besch&auml;ftigung hingewiesen.<\/li>\n<li>&Auml;hnliches habe ich in der Talkshow &bdquo;Meinungsmacher&ldquo; von hr3 erlebt. Dort wurde wie selbstverst&auml;ndlich und affirmativ 3 zu 1 behauptet, wir h&auml;tten eigentlich keine &ouml;konomischen Probleme, die Arbeitslosigkeit sei enorm reduziert. <a href=\"http:\/\/www.hr-online.de\/website\/fernsehen\/sendungen\/index.jsp?rubrik=70484&amp;key=standard_document_43201252\">Siehe hier.<\/a><br>\nDass die Arbeitnehmer praktisch seit zwei Jahrzehnten keine echten realen Einkommenszuw&auml;chse mehr haben, dass die Arbeitslosigkeit statistisch reduziert worden ist und die meisten neuen Jobs unw&uuml;rdige Arbeitsverh&auml;ltnisse sind, kommt in den an der Linie der Union orientierten Mehrheitsmedien nicht vor.<\/li>\n<li>Am 29. November auf allen Kan&auml;len wie <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/unternehmen\/0,1518,druck-800616,00.html\">hier bei Spiegel online<\/a>: &bdquo;Deutsche Exporteure knacken Billionen-Marke. Alle sprechen von der Krise &ndash; doch an der deutschen Wirtschaft geht sie bisher vorbei.&ldquo; <a href=\"http:\/\/news.google.de\/news\/more?hl=de&amp;gl=de&amp;q=Export&amp;gs_upl=9475l11413l0l14794l6l6l0l2l2l0l229l663l0.3.1l4l0&amp;um=1&amp;ie=UTF-8&amp;ncl=djhNy8LsjlEfThMDYcDw-GIp_ZIOM&amp;ei=lOzUTuKMJo6ChQeb7pV1&amp;sa=X&amp;oi=news_result&amp;ct=more-results&amp;resnum=1&amp;ved=0CC8QqgIwAA\">Schauen Sie hier.<\/a><\/li>\n<li>Der Sprachgebrauch, die anderen L&auml;nder &ndash; im S&uuml;den vor allem &ndash; seien die Schuldnerl&auml;nder, wird von den deutschen Medien mehrheitlich &uuml;bernommen. Die Tabelle der <a href=\"upload\/pdf\/Staatsschuldenstaende_1993_bis_2012.pdf\">Schuldenstandsquoten [PDF &ndash; 80 KB]<\/a> in der OECD ist den Journalisten offenbar nicht pr&auml;sent. Sie blenden aus, dass L&auml;nder wie Spanien und Irland zum Beispiel 2007, also bevor sie Banken retten mussten und zu teuren Krediten gezwungen waren, beachtlich weniger Schulden pro Bruttoinlandsprodukt hatten als Deutschland; es wird auch nicht registriert, dass Spaniens Staatsschuldenstand wie auch der vieler anderer OECD-L&auml;ndern auch jetzt noch unterhalb dessen von Deutschland liegt.<\/li>\n<li>&Uuml;ber weite Strecken wird in den deutschen Medien ausgeblendet, dass unser Land und die hier agierenden Politiker mit ihrem Pochen und Arbeiten zum Aufbau eines Niedriglohnsektors und ihrem irrationalen Stolz auf die Eigenschaft des Exportweltmeisters genauso zur Krise des Euro beigetragen haben wie die Defizitl&auml;nder. Siehe dazu den Beitrag von Friederike Spiecker von heute und einen interessanten Artikel in der Neuen Z&uuml;rcher Zeitung. <a href=\"http:\/\/www.nzz.ch\/finanzen\/nachrichten\/langsamer_abschied_von_der_euro-zone_1.13436836.html\">Siehe hier<\/a> und dabei insbesondere die beiden letzten Abs&auml;tze.<\/li>\n<li>Die deutschen Medien kritisieren kaum die Verantwortung der Bundesregierung f&uuml;r die Anheizung der Spekulation, die mit den Schritt f&uuml;r Schritt erfolgten, z&ouml;gerlichen Zugest&auml;ndnissen von Frau Merkel zur Hilfe f&uuml;r andere L&auml;nder im Euroland verbunden sind. Merkels Linie ist eine sch&ouml;n klingende aber h&ouml;chst teure Strategie. Aber nur in wenigen Medien wird dies aufgespie&szlig;t.<\/li>\n<li>Die Medien schonen die jetzige Bundesregierung und die mit ihr verbundenen Kr&auml;fte auch bei der Diagnose der Ursachen f&uuml;r die Staatsverschuldung. Die Staatsverschuldung ist von der sozialliberalen Koalition verursacht worden, so wird behauptet. Alles andere danach sei vergleichsweise harmlos gewesen. Auch das stimmt nicht: Der Bankenrettungsschirm Angela Merkels wie auch Schr&ouml;ders Steuersenkungspolitik und Kohls Wiedervereinigungspolitik haben wesentlich zum galoppierenden Schuldenanstieg beigetragen. Und dennoch wird stereotyp von Politikern der Union wie auch von gef&auml;lligen Medien die alte Story &uuml;ber die Schuldenkanzler Helmut Schmidt und Willy Brandt erz&auml;hlt. So auch wieder eingef&uuml;hrt in der Diskussion im Hessischen Rundfunk vom 23.11.2011. Und bei vielen anderen Gelegenheiten. Man w&uuml;rde sich als Politiker l&auml;cherlich machen mit solchen alten Geschichten, wenn man nicht hilfreiche Medien und so genannte Wissenschaftler zur Verf&uuml;gung h&auml;tte.<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<li><strong>Die politische Option eines B&uuml;ndnisses auf der Linken wird schlicht vergessen (gemacht)<\/strong>\n<p>Die Union f&auml;hrt zumindest zweigleisig. Sie versucht, ihr W&auml;hlerpotenzial zu optimieren (siehe auch Ziffer 3.) und sie versucht, andere politische Optionen auszuschlie&szlig;en, auch dadurch dass das Potenzial der Konkurrenzparteien auf der Linken um die W&auml;hlerprozente der Linkspartei reduziert wird. Man glaubt es kaum, es funktioniert: Schon bei den &ouml;ffentlich angestellten Berechnungen von Koalitionsm&ouml;glichkeiten in Berlin nach der Wahl zum Abgeordnetenhaus wurde die Linkspartei schlicht au&szlig;en vor gelassen. Das gleiche passierte jetzt mindestens zweimal bei der Pr&auml;sentation der Umfrageergebnisse von Infratest dimap durch die ARD. Bei der Darstellung der Koalitionsm&ouml;glichkeiten wurde die Linke einfach unterschlagen. Selbst wenn das einmal passieren w&uuml;rde, k&ouml;nnte es kein Zufall sein. So schon gar nicht. There is no alternative, TINA in anderer Form.<\/p><\/li>\n<li><strong>Sozialdemokratisierung der Union<\/strong>\n<p>Das ist ein Dauerbrenner. Die Behauptung dient der Erweiterung des W&auml;hlerpotenzials und der Koalitionsoptionen der Union. In den NachDenkSeiten ist dazu schon viel zu lesen. Hier folgt der Hinweis erneut, weil im Anschluss an den Parteitag der Union in Leipzig reihenweise auch die dortigen Vorg&auml;nge und &Auml;u&szlig;erungen der Bundeskanzlerin und Parteivorsitzenden Merkel als Zeichen der Sozialdemokratisierung gewertet wurden, obwohl es sachlich keinerlei Anlass daf&uuml;r gibt und gab.<\/p><\/li>\n<\/ol><p>Das waren ein paar wenige Beispiele. Sie sind als Anst&ouml;&szlig;e f&uuml;r Ihre Beobachtungen gedacht. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es entspricht nicht den Regeln der politischen Korrektheit, Begriffe f&uuml;r die Verh&auml;ltnisse bei den Nazis zur Beschreibung der Verh&auml;ltnisse von heute zu benutzen. Aber ich missachte diese Regel bewusst, weil sie als eine Art Schutz vor Kritik missbraucht wird. Die Gleichschaltung, der sich viele Medien unterwerfen, ist n&auml;mlich verheerend f&uuml;r das Gedeihen unserer demokratischen Verh&auml;ltnisse.<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11464\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[110,126,183,11],"tags":[288,312,240,325],"class_list":["post-11464","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-agenda-2010","category-erosion-der-demokratie","category-medienkritik","category-strategien-der-meinungsmache","tag-prekaere-beschaeftigung","tag-reformpolitik","tag-sozialdemokratisierung","tag-staatsschulden"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11464","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=11464"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11464\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11466,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11464\/revisions\/11466"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=11464"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=11464"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=11464"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}