{"id":114797,"date":"2024-05-06T09:09:02","date_gmt":"2024-05-06T07:09:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=114797"},"modified":"2024-05-07T07:25:52","modified_gmt":"2024-05-07T05:25:52","slug":"ich-traeume-von-morgen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=114797","title":{"rendered":"\u201eIch tr\u00e4ume von morgen\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Heute ver&ouml;ffentlichen wir ein Interview von Dr. <strong>Gabi Weber<\/strong> &ndash; selbst famili&auml;r mit Pal&auml;stina verbunden &ndash; mit Dr. <strong>Helga Baumgarten<\/strong>, emeritierte Professorin f&uuml;r Politikwissenschaft an der pal&auml;stinensischen Universit&auml;t Birzeit. Was Sie im Folgenden lesen, ist deshalb zum einen vom eigenen Erleben und zum anderen von tiefen Einblicken in das Leiden der Menschen in diesem Teil der Welt gepr&auml;gt.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5572\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-114797-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240506-Ich-traeume-von-morgen-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240506-Ich-traeume-von-morgen-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240506-Ich-traeume-von-morgen-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240506-Ich-traeume-von-morgen-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=114797-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240506-Ich-traeume-von-morgen-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"240506-Ich-traeume-von-morgen-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Frau Baumgarten, urspr&uuml;nglich hatten wir dieses Interview schon vor einigen Monaten, kurz nach dem Beginn der israelischen Milit&auml;roffensive gegen den Gazastreifen begonnen. Sie befanden sich zu der Zeit gemeinsam mit Ihrem Mann in Deutschland und konnten aufgrund der prek&auml;ren politischen Situation nicht zur&uuml;ck nach Ost-Jerusalem reisen. Als Sie dann endlich, nach wochenlanger Verz&ouml;gerung, in Ihre Wahlheimat Pal&auml;stina zur&uuml;ckkehren konnten, verstarb Ihr Mann innerhalb weniger Tage &ndash; sicher auch an gebrochenem Herzen angesichts der uns&auml;glichen israelischen Eskalation gegen das pal&auml;stinensische Volk? Wie geht es Ihnen heute in Pal&auml;stina?<\/strong><\/p><p>Ich denke, es geht mir wie jedem Menschen hier im Lande, der Tag f&uuml;r Tag das Morden, das man V&ouml;lkermord nennen muss, in Gaza vor Augen hat, &bdquo;live&ldquo; miterleben muss auf <em>Al Jazeera<\/em>. Man leidet mit und wei&szlig; doch, dass das, was die Menschen in Gaza ertragen m&uuml;ssen, kaum nachf&uuml;hlbar ist. Ich habe noch Freunde und Kollegen in Gaza. Wir korrespondieren, wann immer es Internet in Gaza gibt, &uuml;ber WhatsApp. Es ist alles uns&auml;glich, das Leid der Menschen, all die Opfer, t&auml;glich mehr. Man muss sich nur vorstellen, wie Kinder all das ertragen m&uuml;ssen: Horror, der unertr&auml;glich ist.<\/p><p>F&uuml;r meinen Sohn und mich kommt nun noch der pers&ouml;nliche Verlust dazu. Mein Mann, Mustafa al-Kurd, der Liedermacher war und seit 1967 gegen die Besatzung, gegen die Gewalt und Unterdr&uuml;ckung sang und vor allem in den siebziger Jahren auch mit der Theatergruppe Ballalin sich f&uuml;r die Freiheit seines Volkes einsetzte, litt ganz besonders unter diesem V&ouml;lkermord in Gaza. Schon Ende Oktober hatte ihn die Verzweiflung gepackt: Massenmorde fast ununterbrochen, brutalste und gnadenlose Zerst&ouml;rungskampagnen, begeisterte Begleitt&ouml;ne dazu aus der israelischen Gesellschaft und seiner politischen F&uuml;hrung, Schweigen aus dem sich immer so moralisch geb&auml;rdenden Norden, von den USA bis Europa, speziell Deutschland, und gleichzeitig ununterbrochene Waffenlieferungen, um der israelischen Armee die Weiterf&uuml;hrung des V&ouml;lkermordes zu erm&ouml;glichen.<\/p><p>Er meinte: <\/p><blockquote><p>&bdquo;Wer kann in dieser Welt noch leben! Ich will und kann das nicht mehr.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Was ihn am Leben hielt, trotz Gaza und trotz seiner schweren Krankheit, war die schlichte Tatsache, dass wir in Deutschland festsa&szlig;en und nicht in seine Heimat Jerusalem zur&uuml;ck konnten. Er wusste, dass seine Lebenszeit abgelaufen war, er wollte nicht mehr weiterleben, aber sterben wollte und konnte er nur in Jerusalem.<\/p><p>Wir waren kaum angekommen, da kam der unheilbare Lungenkollaps. Die &Auml;rzte k&auml;mpften um sein Leben, er aber hatte den Kampf aufgegeben.<\/p><p>Nun darf er im Grab, direkt au&szlig;erhalb der Mauern seiner geliebten Stadt Jerusalem, ruhen.<\/p><p>Wir dagegen m&uuml;ssen weiterleben und das ertragen, was er nicht mehr ertragen konnte.<\/p><p>Sein Verm&auml;chtnis bleibt: der unbeirrte Einsatz f&uuml;r Freiheit von Unterdr&uuml;ckung, f&uuml;r Gerechtigkeit und Gleichheit aller Menschen, f&uuml;r die Verwirklichung seines Traums [<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Ich tr&auml;ume von morgen<br>\nMorgen<br>\nVertrauen<br>\nLiebe<br>\nFrieden<br>\nVon morgen tr&auml;ume ich&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Wie traurig! Manchmal fehlen einfach die Worte. Nach so vielen Jahren, in denen uns unsere Liebe zu diesem sehr besonderen Land und seinen Menschen gepr&auml;gt hat, und in denen die Hoffnung, dass es einfach nicht mehr schlimmer werden kann und endlich bergauf gehen muss, immer doch noch irgendwo vorhanden war, scheint es, dass wir alle, pers&ouml;nlich, privat und auch als kollektive Menschenfamilie, an einem weiteren Tiefpunkt unserer Geschichte angekommen sind. Ich kann und will den Begriff &bdquo;Zivilisation&ldquo; nicht mehr verwenden. Welche Spezies tut all diese Dinge, die wir seit Jahrzehnten verbrechen, dulden, anschauen, stillschweigend akzeptieren und im schlimmsten Fall auch noch applaudieren, rechtfertigen, verharmlosen und entschuldigen?<\/strong><\/p><p>In einem vor wenigen Tagen ver&ouml;ffentlichten Interview mit Professor Michael Hudson aus den USA spricht dieser davon, dass bereits vor 50 Jahren sowohl seitens des US-Verteidigungsministeriums als auch des israelischen Mossad u.a. &bdquo;alles, was heute geschieht, schon besprochen&ldquo; wurde. Halten Sie dies f&uuml;r m&ouml;glich? Halten Sie f&uuml;r m&ouml;glich, dass der heute final stattfindende V&ouml;lkermord an den Pal&auml;stinensern eine &bdquo;ausdr&uuml;ckliche Politik, und das war die Politik der Vorv&auml;ter, der Gr&uuml;nder Israels&ldquo; ist? <\/p><p>Ich w&uuml;rde hier etwas vorsichtiger formulieren. Einmal ist in der Geschichte nur selten etwas endg&uuml;ltig. Zum anderen st&uuml;tze ich mich, wie inzwischen die Mehrzahl der Kolleginnen und Kollegen, die zu Pal&auml;stina und Israel arbeiten, auf den Ansatz des Siedler-Kolonialismus. Mit diesem Ansatz ist es m&ouml;glich, die israelische Politik seit 1948 ebenso wie den Beginn des Zionismus bis heute zu verstehen.<\/p><p>Der Zionismus begann mit Theodor Herzl, basierend auf einer falschen, kolonialistisch begr&uuml;ndeten Pr&auml;misse: Pal&auml;stina als Land ohne Volk f&uuml;r ein Volk ohne Land. Da in diesem &bdquo;Land ohne Volk&ldquo; ein Volk, das der Pal&auml;stinenser, lebte, war die Folgerung von Anfang an klar: Das Land musste frei werden f&uuml;r das Volk ohne Land. Umgesetzt wurde es durch ethnische S&auml;uberung, ein zentraler Aspekt des Siedlerkolonialismus. In der letzten Konsequenz reicht ethnische S&auml;uberung nicht mehr. Die Kolonisierten m&uuml;ssen, wenn sie nicht freiwillig gehen, eliminiert werden, mitsamt ihrer Geschichte, ihrer Kultur und ihrer Lebensgrundlage: Wohnh&auml;user, Krankenh&auml;user, Universit&auml;ten, Verwaltungsgeb&auml;ude. Genau das findet derzeit vor den Augen der Welt in Gaza statt.<\/p><p>Ein weiterer wesentlicher Aspekt des israelischen Siedlerkolonialismus ist die Unterst&uuml;tzung, die er vom kolonialistisch-imperialistischen Norden, vom Westen erh&auml;lt: historisch zun&auml;chst Gro&szlig;britannien auf der Basis der Balfour-Deklaration und der britischen Politik als Kolonialmacht in Pal&auml;stina, f&auml;lschlicherweise Mandatsmacht genannt, um den kolonialistischen Aspekt zu &uuml;berdecken.<\/p><p>Seit Anfang der Vierziger Jahre und insbesondere seit dem Juni-Krieg 1967 unterst&uuml;tzt die Weltmacht USA den israelischen Siedlerkolonialismus, uneingeschr&auml;nkt und nachhaltig, wie wir zuletzt im Krieg gegen Gaza seit dem 7. Oktober 2023 sehen k&ouml;nnen und wie der von Ihnen zitierte Michael Hudson argumentiert. Deutschlands Regierung und Mainstream-Presse agiert als Anh&auml;ngsel dieser amerikanischen Politik und unterst&uuml;tzt unter dem Vorwand, man verteidige das Existenzrecht Israels, den vor unseren Augen durchgef&uuml;hrten V&ouml;lkermord in Gaza inklusive der ethnischen S&auml;uberungs- und Gewaltpolitik in der Westbank und in Ost-Jerusalem &ndash; auch wenn man hier und da verbal Kritik &uuml;bt.<\/p><p>Heute hat sich diese Politik Israels, der israelische Siedlerkolonialismus, im Vergleich zu den Jahren seit 1948, enorm zugespitzt. Eine zentrale Rolle spielen dabei die gewaltt&auml;tig-rassistischen Siedler in der Westbank, durchweg unterst&uuml;tzt von der Armee, in der sie eine immer st&auml;rkere Rolle spielen.[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>] Schlie&szlig;lich steht die Regierung Netanyahu, nicht nur die extremistisch-rassistischen Minister Ben Gvir und Smotrich, eben f&uuml;r diese Politik und ihre konsequente Durchsetzung.<\/p><p>F&uuml;r Netanyahu ist in Israel &sbquo;from the river to the sea&rsquo; nur Platz f&uuml;r Juden. Diese Politik hat er seit Jahren konsequent vertreten und inzwischen sieht er die M&ouml;glichkeit, sie realiter umzusetzen.<\/p><p>Womit Israel nicht rechnet und nie gerechnet hat, ist die pal&auml;stinensische Reaktion: Wir bleiben, wir weigern uns zu gehen. Das war die Politik der pal&auml;stinensischen Nationalbewegung, S<em>umud<\/em>, beharrlicher Widerstand. Heute dominiert eher, vor allem in der Westbank mit Ost-Jerusalem und in Israel in den pal&auml;stinensischen Gebieten, die Politik von B<em>aqa<\/em>, wir bleiben, wie sie der Historiker Adel Manna in seinem letzten Buch konzeptualisiert hat. In Gaza finden wir heute sowohl bewaffneten Widerstand als auch S<em>umud <\/em>und B<em>aqa<\/em>. <\/p><p>Was dabei oft vergessen wird &ndash; nicht zuletzt von der pal&auml;stinensischen S<em>ulta, <\/em>der Regierung in Ramallah ohne jegliche Macht und Souver&auml;nit&auml;t, die lediglich Zuarbeiter f&uuml;r die israelischen Geheimdienste ist und in Deutschland &bdquo;Selbstverwaltungsbeh&ouml;rde&ldquo; genannt wird &ndash; ist die historische Tatsache, dass Fatah und dann weitere PLO-Organisationen seit 1965 bewaffneten Widerstand gegen den israelischen Siedlerkolonialismus leisten. All ihre Angebote an Israel, vor allem immer wieder durch Yasir Arafat vorgelegt, eine friedliche L&ouml;sung zu finden, wurden seitens aller israelischer Regierungen arrogant-ver&auml;chtlich vom Tisch gefegt. &Uuml;brigens auch L&ouml;sungsvorschl&auml;ge seitens der Hamas, zuletzt unter dem inzwischen verteufelten Yahya Sinwar: Er hat ebenfalls vergleichbare Angebote an Israel gemacht!<\/p><p><strong>Die Hamas &ndash; welche Rolle spielt sie in diesem aktuell stattfindenden V&ouml;lkermord an den Pal&auml;stinensern? Ist sie &bdquo;Mittel zum Zweck&ldquo;? <\/strong><\/p><p>Zweifellos ist die Hamas, nicht erst seit dem 7. Oktober &uuml;brigens, ein absolut rotes Tuch f&uuml;r die israelische Regierung, f&uuml;r jede israelische Regierung seit dem Dezember 1987, als die Hamas zu Beginn der ersten Intifada gegr&uuml;ndet wurde. Die Hamas [<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>] war es, die ihren bewaffneten Widerstand nach den ersten Jahren des gewaltlosen Widerstandes der ersten Intifada ausschlie&szlig;lich gegen die israelische Armee aus&uuml;bte. Als Reaktion verbannte die damalige israelische Regierung &uuml;ber 200 Hamas-F&uuml;hrer und Mitglieder ins Niemandsland im S&uuml;d-Libanon. Was sie damit erreichte, waren erste Kontakte und dann enge Zusammenarbeit zwischen der Hizbullah im Libanon und der Hamas.<\/p><p>Nach dem Beginn des Osloer Prozesses, pr&auml;zise nach dem Attentat eines Siedlers im H<em>aram al-Ibrahimi, <\/em>der Ibrahims-Moschee in Hebron, nahm die Hamas ihre verh&auml;ngnisvollen Selbstmordattentate auf: in der Westbank, in Jerusalem und vor allem auch in Israel. Viele der Opfer waren dabei israelische Zivilisten. Die Hamas hatte zwar nach dem Attentat im H<em>aram al-Ibrahimi<\/em>, als ein bewaffneter Siedler fast 30 betende Pal&auml;stinenser in der Moschee erschossen hatte, Israel aufgefordert, einen Deal einzugehen: Israel attackiert keine pal&auml;stinensischen Zivilisten und im Gegenzug attackiert die Hamas keine israelischen Zivilisten. Israel reagierte mit Verachtung und ein furchtbarer circulus vitiosus der Gewalt begann. Diese erste Welle der Selbstmordattentate endete 1997, nachdem der Hamas-Gr&uuml;nder Scheich Ahmed Yassin aus der Haft entlassen wurde.<\/p><p>In der zweiten Intifada, nach mehreren Hundert Toten auf Seiten der Pal&auml;stinenser, nahm die Hamas eine zweite Attentatswelle auf: von 2001 bis Mitte 2003. Danach w&auml;hlte sie den Schritt in die Politik und nahm zuerst an Lokalwahlen, danach an Parlamentswahlen teil.<\/p><p>Der 7. Oktober 2023 spielt f&uuml;r Israel eine geradezu historische Rolle, bildet eine bis dato ungeahnte Katastrophe: Eine Widerstandsorganisation wie die Hamas durchbricht und &uuml;berrennt die hermetische Abriegelung des Gazastreifens, alle Armeest&uuml;tzpunkte rund um den Gazastreifen inklusive des Grenz&uuml;bergangs Erez: eine nur kafkaesk zu nennende &bdquo;Grenz&ldquo;-Station in ihrer menschenverachtenden Behandlung einreisender oder ausreisender Pal&auml;stinenser. Und sie kann bei relativ geringer Gegenwehr durch Sicherheitskr&auml;fte in den einzelnen Ortschaften, vor allem Kibbuzim, diese besetzen, zahllose Zivilisten t&ouml;ten (derzeit ist die Rede von knapp 800 zivilen Opfern, zus&auml;tzlich zu etwa 350 get&ouml;teten Soldaten) und etwa 250 Soldaten und Zivilisten als Geiseln in den Gazastreifen entf&uuml;hren.<\/p><p>Die israelische Strategie der Abschreckung aller potentieller Feinde war in sich zusammengebrochen, erwies sich geradezu als ein Papiertiger. Der Mythos der israelischen Unbesiegbarkeit war innerhalb von Stunden in sich zusammengebrochen und als solcher entlarvt.<\/p><p>Der israelischen Regierung und der Armee ging es deshalb ab dem 7. Oktober zun&auml;chst prim&auml;r um die Wiederherstellung der &bdquo;Abschreckung&ldquo;.<\/p><p>Die Frage ist nun, ob die historisch fast einmalig zu nennende Zerst&ouml;rungskampagne der Armee, die Massenmorde, der V&ouml;lkermord, die Kampagne zur Aushungerung der Menschen in Gaza &ndash; nicht nur Genozid, auch Politizid, Domizid, &bdquo;culturicide&ldquo; etc. &ndash; noch unter dem Oberbegriff &bdquo;Wiederherstellung der Abschreckung&ldquo; zu fassen ist, oder ob es hier um etwas ganz anderes geht.<\/p><p>Es ist eher plausibel zu argumentieren, dass die israelische Regierung und die israelische Armee, mit praktisch uneingeschr&auml;nkter Unterst&uuml;tzung durch die israelische Gesellschaft, hier ein zentrales Ziel des Siedlerkolonialismus umsetzt: die Eliminierung der Kolonisierten durch Zerst&ouml;rung ihrer Lebensgrundlage, durch Ermordung und mit dem Ziel der vollst&auml;ndigen ethnischen S&auml;uberung des Gazastreifens [<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>].<\/p><p>Die Hamas also als Mittel zum Zweck? Nein, ich argumentiere eher, dass der 7. Oktober siedlerkolonialistische Phantasien freisetzte, die in eine reale und hemmungslos-brutal-barbarische Zerst&ouml;rungskampagne transformiert wurden. In Gaza ist diese siedlerkolonialistische Kampagne inzwischen absolut hemmungslos. Die Menschen in Gaza sind f&uuml;r Armee, Politik und israelische Gesellschaft keine Menschen mehr. Wir sehen hier eine Dehumanisierung der Pal&auml;stinenser, die ungeahnte, ja apokalyptische Ausma&szlig;e angenommen hat.<\/p><p>In der Westbank und in Ost-Jerusalem beginnt &uuml;brigens ein vergleichbarer Prozess.<\/p><p><strong>K&ouml;nnten Sie uns bitte &uuml;ber die aktuelle Lage sowohl im Gaza-Streifen als auch in Ost-Jerusalem und der West-Bank informieren?<\/strong><\/p><p>Die aktuelle Lage &auml;ndert sich st&auml;ndig. Was ich heute z.B. an Zahlen und Fakten angebe, kann morgen schon &uuml;berholt sein. Also konzentriere ich mich auf klare Linien, die seit Monaten erkennbar sind, und versuche, Momentaufnahmen zu geben.<\/p><p><strong>Gaza:<\/strong><br>\nIn Gaza setzt die israelische Armee ihre t&ouml;dlich-zerst&ouml;rerischen Angriffe fort, Tag f&uuml;r Tag, Nacht f&uuml;r Nacht. Inzwischen sind es &uuml;ber 34.000 Opfer [<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>], mehr als die H&auml;lfte Frauen und Kinder. T&auml;glich kommen an die 100 neue Opfer dazu, inzwischen fast nur noch Frauen und Kinder. Sie werden einfach zu Tode bombardiert, in den H&auml;usern, in denen sie leben oder in die sie sich gefl&uuml;chtet haben.<\/p><p>Die schlimmsten Entwicklungen der vergangenen Tage sind die Entdeckung von Massengr&auml;bern in den zerst&ouml;rten Krankenh&auml;usern <a href=\"https:\/\/edition.cnn.com\/2024\/04\/22\/middleeast\/khan-younis-nasser-hospital-mass-grave-intl\">Nasser<\/a>, in <a href=\"https:\/\/www.aljazeera.com\/news\/2024\/4\/21\/nearly-200-bodies-found-in-mass-grave-at-hospital-in-gazas-khan-younis\">Khan Younis<\/a> und Shifa, das bis zu seiner Zerst&ouml;rung das gr&ouml;&szlig;te und am besten ausgestattete Krankenhaus im gesamten Gazastreifen war, direkt in der Stadt Gaza gelegen.<\/p><p>Im Umfeld des Nasser-Krankenhaus wurden inzwischen &uuml;ber 300 Leichen ausgegraben. Rund um das v&ouml;llig zerst&ouml;rte Shifa-Krankenhaus bis dato etwa 30 Leichen. Verwandte der Vermissten versuchen, die ausgescharrten Leichen zu identifizieren: Die Bilder auf <em>Al-Jazeera<\/em> gleichen Horrorszenen: Leichenteile und vor Grauen heulende Angeh&ouml;rige.<\/p><p><a href=\"https:\/\/www.ohchr.org\/en\/statements\/2023\/10\/comment-un-human-rights-chief-unfolding-situation-israel-and-gaza\">Volker T&uuml;rk<\/a>, UN-Hochkommissar f&uuml;r Menschenrechte&nbsp;(United Nations High Commissioner for Human Rights), &auml;u&szlig;erte sich am Dienstag, den 23. April 2024, &bdquo;entsetzt&ldquo; &uuml;ber die Zerst&ouml;rung der oben genannten Krankenh&auml;user, &uuml;ber die Entdeckung von Massengr&auml;bern dort sowie die fortgesetzten <a href=\"https:\/\/www.ohchr.org\/en\/press-releases\/2023\/10\/un-human-rights-chief-urges-states-defuse-powder-keg-situation-israel-and\">&bdquo;T&ouml;tungen&ldquo;<\/a>, besser Morde, an Frauen und Kindern.<\/p><p>Kurz, die allgemeine Lage in Gaza ist nach wie vor einfach nur katastrophal, egal welchen Aspekt man betont. Die medizinische Versorgung gleicht einem Anlaufen gegen den Mangel an allem, was in einem Krankenhaus zur Versorgung von unz&auml;hligen und immer neuen Verletzten und Schwerverletzten fehlt. Der norwegische Arzt <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=OQDaB2Jd3Fc\">Mads Gilbert<\/a>, der &uuml;ber l&auml;ngere Perioden in den Krankenh&auml;usern in Gaza gearbeitet hat, weist in immer neuen Videos und Interviews, vor allem auf <em>Al-Jazeera<\/em> (arabisch) aber auch auf <em>Democracy Now<\/em>, eben darauf hin.<\/p><p>Hunger und Mangelern&auml;hrung, vor allem bei Kindern, Kleinkindern und Neugeborenen, sind unter der permanenten israelischen Bombardierung und Beschie&szlig;ung vom Meer und vom Land aus nicht mehr zu stoppen. Im Norden Gazas sind 30 Prozent der Kinder unter 2 Jahren unterern&auml;hrt, 70 Prozent der Gesamt-Bev&ouml;lkerung im Norden leiden unter akutem Hunger.<\/p><p>Dazu kommt das nur menschenverachtend zu nennende Vorgehen Israels gegen die UNRWA. Nur die UNRWA, da sind sich alle Spezialisten einig, k&ouml;nnte die nach Gaza gelieferten Nahrungsmittel und Medikamente in immer noch nicht ann&auml;hernd im dringend notwendigen Umfang (!) professionell verteilen, weil UNRWA sowohl die n&ouml;tige Infrastruktur als auch die geschulten Mitarbeiter hat.<\/p><p>Israel versucht seit Oktober 2023, die UNRWA auszuschalten, zun&auml;chst mit der Beschuldigung, dass UNRWA-Angestellte beim Angriff der Hamas am 7. Oktober dabei waren. Inzwischen berichtet die UNRWA, dass Israel daf&uuml;r bis dato <a href=\"https:\/\/www.haaretz.com\/israel-news\/2024-04-23\/ty-article\/.premium\/un-says-israel-has-not-provided-proof-that-unrwa-staff-in-gaza-belong-to-terror-groups\/0000018f-0866-d0d2-a7bf-7dffd6980000\">keinerlei Beweise<\/a> vorgelegt habe. UNRWA berichtet, dass verhaftete Angestellte von UNRWA gefoltert wurden mit dem Ziel, dass sie zugeben, am 7. Oktober mit der Hamas gek&auml;mpft zu haben bzw. Mitglieder von Hamas seien.<\/p><p>Dies best&auml;tigt auch ein <a href=\"https:\/\/www.un.org\/en\/situation-in-occupied-palestine-and-israel\/allegations-against-unrwa-staff?_gl=1*1c43msv*_ga*MzMwNDg2MjkyLjE3MTQ0ODI1MTc.*_ga_S5EKZKSB78*MTcxNDc0MTg0NC4xLjEuMTcxNDc0MTg2NS4zOS4wLjA.*_ga_TK9BQL5X7Z*MTcxNDc0MTg0NC4yLjAuMTcxNDc0MTg0NC4wLjAuMA..\">neuer Bericht<\/a> einer unabh&auml;ngigen Kommission unter einer ehemaligen franz&ouml;sischen Au&szlig;enministerin, der am 22. April in der UN vorgelegt wurde.<\/p><p>Israel versucht schon seit Jahren, die UNRWA zu zerst&ouml;ren. Die israelische Regierung geht wohl davon aus, dass ohne die UNRWA das pal&auml;stinensische Fl&uuml;chtlingsproblem sich in Luft aufl&ouml;sen bzw. es danach schlicht keine pal&auml;stinensischen Fl&uuml;chtlinge mehr geben w&uuml;rde.<\/p><p>Dazu gibt es ein langes <a href=\"https:\/\/www.aljazeera.com\/news\/liveblog\/2024\/4\/23\/israels-war-on-gaza-live-palestinians-urge-donors-to-resume-unrwa-funding\">Interview mit Philippe Lazzarini<\/a>. Ich habe das live of <em>Al-Jazeera Arabisch<\/em> geh&ouml;rt.<\/p><p>Alternativ vielleicht besser: UN-Briefing vom 30. April 2024: <a href=\"https:\/\/www.unrwa.org\/newsroom\/videos\/full-briefing-unrwa-commissioner-general-philippe-lazzarini-updates-situation-opt\">High Commissioner der UNRWA<\/a>.<\/p><p>Die Menschen in Gaza sind heute nur noch traumatisiert.<\/p><p>Wer 2006 geboren ist, kennt nur Krieg, Tod, uns&auml;gliche Bombardierungen.<\/p><p>Ein guter Kollege aus Gaza sagte mir nach dem Krieg 2014, er k&ouml;nne das alles nicht mehr ertragen.<\/p><p>Wie sollen Kinder damit umgehen?<\/p><p><strong>Westbank:<\/strong><br>\nDie Gewalt, mit der die israelische Armee, zusammen mit extremistischen Siedlern, die Westbank &uuml;berzieht, nimmt t&auml;glich zu. Inzwischen geht die Armee in Fl&uuml;chtlingslagern &auml;hnlich vor wie im Gazastreifen: Lager werden total zerst&ouml;rt, Menschen, die dort leben, r&uuml;cksichtslos erschossen.<\/p><p>H&ouml;hepunkt bis heute ist die Totalzerst&ouml;rung im <a href=\"https:\/\/mondoweiss.net\/2024\/04\/operation-al-aqsa-flood-day-199-israel-kills-14-palestinians-in-west-bank-city-of-tulkarem\/\">Nur Shams<\/a>, Fl&uuml;chtlingslager bei Tulkarem, im Nordwesten der Westbank: An einem Tag wurden 14 Bewohner, in der Mehrzahl Zivilisten, get&ouml;tet &ndash; Gaza ist in der Westbank angekommen!<\/p><p>&Auml;hnliche Bilder kennen wir schon seit Wochen und Monaten aus dem Fl&uuml;chtlingslager Jenin oder in Nablus, sowohl aus der Altstadt als auch aus dem Fl&uuml;chtlingslager Balata.<\/p><p>Der Widerstand gegen die Besatzung wird nicht nur im Nur-Shams-Fl&uuml;chtlingslager in Tulkarem inzwischen durch Gruppen geleistet, in denen alle politischen Organisationen der Westbank vertreten sind: Islamischer Jihad, Hamas, PFLP bis hin zur Fatah.<\/p><p>Die Gewalt der Armee geht derweil ohne Unterbrechung weiter. Komplimentiert wird sie durch die <a href=\"https:\/\/www.haaretz.com\/israel-news\/2024-05-02\/ty-article-magazine\/.premium\/this-wasnt-an-uncontrolled-mob-of-settlers-it-was-a-well-orchestrated-assault\/0000018f-2e31-d8fb-a1df-af77d3770000?utm_source=mailchimp&amp;utm_medium=email&amp;utm_content=author\">systematische Gewalt der Siedler<\/a>, &uuml;blicherweise mit voller Unterst&uuml;tzung oder zumindest R&uuml;ckendeckung der Armee.<\/p><p><strong>Ost-Jerusalem:<\/strong><br>\nIn Ost-Jerusalem schlie&szlig;lich bedroht die israelische Regierung die pal&auml;stinensischen Bewohner mit massiven Landenteignungen rund um die Altstadt. Menschen werden aus ihren H&auml;usern vertrieben, wie gerade wieder im Stadtteil Scheich Jarrah, wo drei Gro&szlig;familien ihre H&auml;user an extremistische Siedler abtreten sollen. Die israelischen Siedlungen rund um Jerusalem werden massiv expandiert und neue Siedlungen sollen gebaut werden.<\/p><p>Die regelrechten Angriffe der religi&ouml;sen j&uuml;dischen Extremisten auf die Al-Aqsa-Moschee nehmen t&auml;glich zu, vor allem w&auml;hrend der Pessach-Tage. Am vergangenen Sonntag sollen &uuml;ber 1.000 j&uuml;dische Israelis, alle Extremisten, auf dem Tempelberg Haram al-Sharif gewesen sein; immer versuchen sie dabei zu beten, was nach israelischen Bestimmungen nicht erlaubt ist. Am Abend des Pessach Seder, also am Montag, 22. April, versuchten ganze Gruppen von Extremisten, Ziegen als Opfertiere auf den Haram zu bringen. Sie wurden von der Polizei gestoppt. Ziel der Extremisten ist es, auf dem Haram besonders gez&uuml;chtete <a href=\"https:\/\/mondoweiss.net\/2024\/04\/palestinians-warn-of-a-jewish-and-christian-zionist-plot-to-threaten-al-aqsa-mosque-starting-with-a-red-heifer-from-texas\/\">rote K&uuml;he zu opfern<\/a> und damit die Zerst&ouml;rung der Moscheen und den Wiederaufbau des j&uuml;dischen Tempels in die Wege zu leiten. Nur noch der reine Wahnsinn!<\/p><p>Die Besatzung seit 1967, vor allem aber die Niederschlagung der ersten Intifada 1987, haben zweifellos dazu gef&uuml;hrt, dass die pal&auml;stinensische Gesellschaft regelrecht am Boden zerst&ouml;rt ist. Sie ist deshalb nicht mehr zum Massenwiderstand wie 1987\/88 in der Lage. Heute wird Widerstand deshalb meist nur noch individuell oder durch kleine Gruppen, oft bewaffnet, ge&uuml;bt. Viel Widerstand, auch Massenwiderstand, gibt es jedoch lokal, &uuml;berall dort, wo es direkte Konfrontationen mit gewaltt&auml;tigen Siedlern gibt.<\/p><p>Aber gleichzeitig, und durchaus im Widerspruch zum eben Beschriebenen, ist die Entschlossenheit zum Bleiben, auch die schlimmste Unterdr&uuml;ckung, den schlimmsten Siedlerkolonialismus durchzustehen, weit verbreitet. Die Menschen sind sich einig: Wir bleiben.<\/p><p>Auswanderungen gibt es vor allem in Kreisen der Bourgeoisie.<\/p><p>Entpolitisierung, nicht zuletzt bei Jugendlichen und vor allem auch in Jerusalem, ist ebenso zu beobachten wie verzweifelte, individuelle Widerstands-Aktionen gegen Armee und Siedler.<\/p><p>Alles wird also t&auml;glich schlimmer mit der Unterjochung der Pal&auml;stinenser, ja ihrer Dehumanisierung durch die israelische Regierung, durch die Armee und durch die gro&szlig;e Mehrheit der Gesellschaft.<\/p><p>Auf der Seite Israels begegnet man den Pal&auml;stinensern nur mit Gewalt, Gewalt und nochmal Gewalt. Rationalit&auml;t im Umgang mit der Realit&auml;t vor Ort, Realismus sind kaum mehr zu finden. Bereitschaft zum Frieden mit den Pal&auml;stinensern sucht man vergebens.<\/p><p>Michel Sabah, der ehemalige katholische Kardinal Jerusalems, hat das schon 2014 klar formuliert, wie in meinem Buch [<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>] &bdquo;Kein Frieden f&uuml;r Pal&auml;stina&ldquo; auf Seite 184 zitiert:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Sie haben hochentwickelte Waffen, um zu t&ouml;ten. Aber sie haben keine Bereitschaft, Frieden zu schlie&szlig;en. Dazu bringen sie keinen Mut auf.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Nur einzelne Stimmen finden sich &ndash; fast ausschlie&szlig;lich auf den Seiten der Zeitung <em>Haaretz<\/em>: die Journalisten Amira Hass, Gideon Levy und B. Michael, Adam Keller von <a href=\"http:\/\/zope.gush-shalom.org\/home\/en\/events\/1464389870\"><em>Gush Shalom<\/em><\/a> sowie die letzten Aktivisten von Matzpen, die noch am Leben sind, wie z.B. <a href=\"https:\/\/redflag.org.au\/article\/revolutionary-anti-zionism-a-discussion-with-moshe-machover\">Moshe Machover<\/a> &ndash; die Israel daran erinnern und hart kritisieren, dass es mit der Besatzung und ohne Freiheit der Pal&auml;stinenser auch keine Freiheit f&uuml;r Juden in Israel geben kann.<\/p><p><strong>Ihr verstorbener Ehemann hat von morgen getr&auml;umt. Wovon tr&auml;umen Sie, Frau Baumgarten?<\/strong> <\/p><p>Von morgen tr&auml;ume ich auch in dem Sinne, in dem Mustafa von morgen getr&auml;umt hat:<\/p><p>Morgen: Vertrauen, Liebe, Frieden.<\/p><p>Vor allem aber hoffe ich gerade heute, dass die Menschen in Gaza bald wieder tr&auml;umen d&uuml;rfen.<\/p><p>Die H&ouml;lle, in die sie von Israel hineingebombt wurden &ndash; noch t&auml;glich tiefer hineingebombt werden! &ndash; macht selbst das Tr&auml;umen unm&ouml;glich.<\/p><p>Sie hoffen, dass wir sie nicht vergessen haben. Sie hoffen, dass wir alles tun, damit sie wieder als Menschen leben d&uuml;rfen. Sie hoffen auf die Demonstranten weltweit, zuletzt in den Universit&auml;ten in den USA, in England, Frankreich, Australien &ndash; und hoffentlich endlich auch in Deutschland! &ndash; auf eine 68er-Bewegung f&uuml;r Freiheit in Gaza, in ganz Pal&auml;stina, im gesamten, immer noch so stark kolonial unterdr&uuml;ckten und ausgebeuteten S&uuml;den. Auf <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=JA4oIKugdAM\"><em>Electronic Intifada<\/em><\/a> finden wir Stimmen von jungen Menschen, Teenagern aus Gaza wie Abu Baker oder Dunja Abu Sitta, die voller Hoffnung sind und allen Demonstranten weltweit f&uuml;r ihre Solidarit&auml;t danken.<\/p><p>Abschlie&szlig;end muss ich Lenin zitieren. (Aus: Lenin. Was Tun? 1902. <a href=\"http:\/\/www.nachhaltigwirtschaften.net\/scripts\/basics\/eco-world\/wirtschaft\/basics.prg?session=42f947874a0e80b9_68666&amp;a_no=2407&amp;r_index=4.2.4\">Hier<\/a>.) Da ist ein volles Zitat&hellip; auf Google zu finden&hellip; mit Link leider nicht mehr. Deshalb einfacher. Lenin. <\/p><p>Was tun?<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wenn der Mensch die Kraft zum guten Tr&auml;umen<br>\neingeb&uuml;&szlig;t h&auml;tte, wenn er nicht immer wieder<br>\nvorauseilen und mit seiner Einbildungskraft<br>\ndas Ganze seines Tuns &uuml;berschauen w&uuml;rde,<br>\ndas sich m&uuml;hselig unter seinen H&auml;nden<br>\nherauszubilden beginnt &ndash;<br>\nwie k&ouml;nnte er &uuml;berhaupt das Umfassende<br>\nseiner Anstrengungen durchhalten?<br>\nTr&auml;umen wir also! Aber unter der Bedingung,<br>\nernsthaft an unseren Traum zu glauben,<br>\ndas wirkliche Leben auf&rsquo;s Genaueste<br>\nzu beobachten, unsere Beobachtungen mit unserem Traum<br>\nzu verbinden, unsere Phantasie gewissenhaft<br>\nzu verwirklichen! Tr&auml;umen ist notwendig &hellip;&ldquo;.\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Vielen Dank f&uuml;r das Interview und alles Gute f&uuml;r Sie und alle Menschen in der Region und auf diesem Planeten!<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Das Buch:<br>\nHelga Baumgarten<br>\nKEIN FRIEDEN F&Uuml;R PAL&Auml;STINA<br>\nDer lange Krieg gegen Gaza. Besatzung und Widerstand<\/strong><br>\nISBN 978-3-85371-496, br., 192 Seiten, 19,90 Euro.<br>\nN&auml;heres zum Buch: <a href=\"https:\/\/mediashop.at\/buecher\/kein-frieden-fuer-palaestina\/\">https:\/\/mediashop.at\/buecher\/kein-frieden-fuer-palaestina\/<\/a><br>\nDiskussion mit der Autorin. Moderation: Stefan Kraft<\/p><p>Die Veranstaltungen:<br>\n*) Samstag, 11. Mai 2024 um 10 Uhr 30<br>\nin Marx-is-Muss-Konfernez, Franz Mehring Platz 1, 10243 Berlin<\/p><p>*) Montag, 13. Mai 2024 um 19 Uhr<br>\nin Hansa Haus Brienner Str. 20, 8033 M&uuml;nchen<\/p><p>*) Donnerstag, 16. Mai 2024 um 19 Uhr<br>\nim &ldquo;Freien Wort&rdquo;, R&ouml;gergasse 24-26, 1090 Wien<\/p><p>*) Dienstag, 21. Mai 2024 um 19 Uhr<br>\nim B&uuml;rgerhaus Heidelberg Bahnstadt, Gadamerplatz 1, 69115 Heidelberg<\/p><p>*) Sonntag, 26. Mai 2024 um 17 Uhr<br>\nin Caf&eacute; Palestine, Quartierzentrum B&auml;ckeranlage, Hohlstr. 78, 8004 Z&uuml;rich<\/p><p>*) Montag, 27. Mai 2024 um 19 Uhr 30<br>\nim Haus der Solidarit&auml;t Nord-S&uuml;d, Steinbergg. 18, 8400 Winterthur<\/p><p>Das Buch ist &uuml;ber den Handel oder direkt beim Verlag zu bestellen. Die Versandkosten f&uuml;r &Ouml;sterreich und Deutschland tr&auml;gt der Verlag.<\/p><p><small>Titelbild: Anas-Mohammed\/Shutterstock.com und Stefan R&ouml;hl &ndash; Heinrich-B&ouml;ll-Stiftung, <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=94391989\">CC BY-SA 2.0 de<\/a><\/small><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Verwirklichung seines Traums: Auf LP Br&uuml;ssel 1980: Mustapha El Kurd: &bdquo;La voix de la Palestine&ldquo; (Contr&rsquo;Eurovision)<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Unterst&uuml;tzt von der Armee, in der sie eine immer st&auml;rkere Rolle spielen: Yagil Lavy. Lines increasingly blurred between soldiers and settlers in the West Bank. Foreign Policy, Nov. 9, 2023. Vgl. auch Artikel von Amira Hass und Gideon Levy in Haaretz in den vergangenen Jahren.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Adel Manna. Nakba and Survival. The Story oft he Palestinians who remained in Haifa and the Galilee, 1948-1956.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] Baumgarten, Helga: &bdquo;Hamas. Der politische Islam in Pal&auml;stina&ldquo;; M&uuml;nchen 2006; Vergriffen, kann <a href=\"https:\/\/www.academia.edu\/23979030\/Baumgarten_Hamas_Der_politische_Islam_in_Pal%C3%A4stina_2006_\">&uuml;ber folgenden Link<\/a> heruntergeladen werden.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Dazu kurz und &uuml;bersichtlich: Baumgarten, Helga: &bdquo;Kampf um Pal&auml;stina. Was wollen Hamas und Fatah?&ldquo;; HERDER spektrum \/ Freiburg 2013; ISBN: 9783451065439<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] Baumgarten, Helga: &bdquo;Kein Frieden f&uuml;r Pal&auml;stina.Der lange Krieg gegen Gaza. Besatzung und Widerstand.&ldquo;; Promedia 2021<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] 34 000 Opfer OCHA: <a href=\"https:\/\/www.ochaopt.org\/\">www.ochaopt.org<\/a><\/p>\n<p>Dort werden Zahlen st&auml;ndig aktualisiert: heute, Freitag: <a href=\"https:\/\/www.startpage.com\/do\/dsearch?q=OCHA&amp;cat=web&amp;language=deutsch\">34 356!!!<\/a>; <a href=\"https:\/\/www.aljazeera.com\/live\">live auf al-Jazeera<\/a>; immer auch in Haaretz <a href=\"\">https:\/\/www.haaretz.com\/<\/a> &uuml;bernommen\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute ver&ouml;ffentlichen wir ein Interview von Dr. <strong>Gabi Weber<\/strong> &ndash; selbst famili&auml;r mit Pal&auml;stina verbunden &ndash; mit Dr. <strong>Helga Baumgarten<\/strong>, emeritierte Professorin f&uuml;r Politikwissenschaft an der pal&auml;stinensischen Universit&auml;t Birzeit. Was Sie im Folgenden lesen, ist deshalb zum einen vom eigenen Erleben und zum anderen von tiefen Einblicken in das Leiden der Menschen in diesem Teil<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=114797\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":114800,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,209,175,171],"tags":[3466,1055,302,1917,2564,822,1557,1792,2394,849,303,2039,3467,1281,2360],"class_list":["post-114797","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-interviews","category-israel","category-militaereinsaetzekriege","tag-baumgarten-helga","tag-fluechtlinge","tag-gaza","tag-genozid","tag-gewalt","tag-hamas","tag-israel","tag-kolonialismus","tag-kriegstrauma","tag-nahrungsmittel","tag-palaestina","tag-siedlungspolitik","tag-westbank","tag-zionismus","tag-zivile-opfer"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Shutterstock_2373748227.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/114797","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=114797"}],"version-history":[{"count":15,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/114797\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":114846,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/114797\/revisions\/114846"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/114800"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=114797"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=114797"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=114797"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}