{"id":114889,"date":"2024-05-09T10:00:01","date_gmt":"2024-05-09T08:00:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=114889"},"modified":"2024-05-08T16:32:31","modified_gmt":"2024-05-08T14:32:31","slug":"leserbriefe-zu-das-narrativ-steht-im-fokus-usw-ueber-den-wandel-unserer-sprache-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=114889","title":{"rendered":"Leserbriefe zu \u201e\u201eDas Narrativ steht im Fokus\u201c usw. \u2013 \u00dcber den Wandel unserer Sprache\u201c, Teil 2"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=114247\">In diesem Beitrag<\/a> hat Albrecht M&uuml;ller die Entwicklung der deutschen Sprache hinterfragt. Eine erste Leserbrief-Sammlung dazu ist <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=114567\">hier<\/a> ver&ouml;ffentlicht worden. Zu dem Artikel haben wir noch weitere E-Mails erhalten. Einige beziehen sich auch auf einzelne Leserbriefe. Wir danken f&uuml;r die weiteren interessanten Zuschriften. Es folgt nun eine Auswahl der Leserbriefe. F&uuml;r Sie zusammengestellt von <strong>Christian Reimann<\/strong>. Erg&auml;nzung <strong>Albrecht M&uuml;ller:<\/strong> Ich bewundere unsere Leserinnen und Leser ob dieser interessanten Leserbriefe. Danke vielmals.<br>\n<!--more--><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>1. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr gesch&auml;tzter Albrecht M&uuml;ller,<\/p><p>ich war hin und hergerissen ob ich hierauf einen Leserbrief schreiben soll oder nicht. Das Thema ist meines Erachtens (m.E.) gro&szlig; und spannend, es geh&ouml;rt m.E. eingebettet in einen gr&ouml;&szlig;eren Kontext (Zusammenhang) und mir fehlte darum der Ansatz\/Zugang zu meinem\/einem Leserbrief. Doch dann ist es wieder passiert, gerade vorhin! Ich fragte im Einzelhandel nach einem bestimmten Produkt (Erzeugnis), bedankte mich &uuml;ber die Auskunft (Info) und bekam ein &ldquo;gerne&rdquo; zur&uuml;ck. Dieses &ldquo;gerne&rdquo; auf ein &ldquo;danke&rdquo; triggert (!) mich &ndash; l&ouml;st also etwas in mir aus. Seit ich denken kann sagt(e) man in Deutschland i.d.R. &ldquo;bitte&rdquo; wenn jemand &ldquo;danke&rdquo; gesagt hat.<\/p><p>Was ebenfalls (mittlerweile) etwas in mir ausl&ouml;st ist, dass in meiner schw&auml;bischen Heimat nicht nur das Gr&uuml;&szlig;en an sich nur noch selten stattfindet (insbesondere im st&auml;dtischen Raum) und wenn dann das internationale\/allerwelts &ldquo;hallo&rdquo; daherkommt und nicht das traditionelle &ldquo;Gr&uuml;&szlig; Gott&rdquo;.<\/p><p>Ob der Wandel in unserer Sprache nun auf englisch\/amerikanisch (weitere Beispiele sind on top, moves, support, etc.), auf franz&ouml;sisch oder auf deutsch erfolgt, der Wandel ist m.E. jedenfalls sehr deutlich erkennbar &ndash; wenn man die &ldquo;F&uuml;hler&rdquo; daf&uuml;r hat bzw. bewusst darauf achtet.<\/p><p>Nun kann man sagen, ja das gab es schon immer bzw. gibt es schon lange. Spontan w&uuml;rde ich sagen das es mit &ldquo;Besatzung&rdquo; im weitesten Sinne bzw. mit Hegemonie (F&uuml;hrungsrolle) zu tun hat das andere kulturelle Einfl&uuml;sse &uuml;bernommen werden und traditionelle kulturelle Eigenschaften verdr&auml;ngt\/verw&auml;ssert werden. Dieser Prozess mag automatisch bei einer langj&auml;hrigen (milit&auml;rischen) &ldquo;Besatzung&rdquo; eintreten, er kann m.E. aber auch strukturell bewusst (schleichend) herbeigef&uuml;hrt\/forciert (beschleunigt) werden &ndash; z.B. durch eine Hegemonialmacht.<\/p><p>Wenn ich sehe wie in Deutschland z.B. amerikanische Sportarten (Baseball-Bundesliga Werbeplakate, Nationale Football Liga (NFL) im TV), m.E. sehr aggressiv da mit viel Kapital\/Werbung betrieben, auf dem &ldquo;Markt&rdquo; in Deutschland eingef&uuml;hrt werden (sollen), kann ich nur von strukturellem Vorgehen sprechen.<\/p><p>So, dabei m&ouml;chte ich es einmal belassen.<\/p><p>Herzliche Gr&uuml;&szlig;e<br>\nAndreas Rommel<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>2. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Die Liste an irren sprachlichen Verfehlungen ist leider sehr lang. Seit Jahren geht es nicht mehr um Reiseziele, sondern um Destinationen. Langzeit- und Kurzzeitdestinationen. So ein Bl&ouml;dsinn. Ein kurzes, klares Wort durch ein langes, an Destille erinnerndes Unwort zu ersetzen. Dabei wird auch noch auf die englische Aussprache verzichtet. Na, da freuen sich die vulnerablen Wichtigtuer und Klugsch&hellip;. Denn: es fehlt ihnen jegliche Resilienz.<\/p><p>Christoph St&ouml;lzel<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>3. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Fremdsprachige W&ouml;rter gerieten fr&uuml;her eher beil&auml;ufig, zuf&auml;llig, auch mit modischem Aspekt in unsere Sprache. Heute jedoch werden sie auch gezielt eingef&uuml;hrt, es scheint manchmal sogar &uuml;ber die Medien eingepr&uuml;gelt. Warum? N&uuml;tzt das etwa jemandem? Sprache transportiert ja auch Denkweisen, wenn man so will sogar Werte. Und da ist es doch wohl so, dass unsere westliche Welt anglisiert werden soll. In den Schulen werden ja auch nur noch minimal andere Sprachen gelernt.<\/p><p>Detlef Leisterer<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>4. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Lieber Albrecht,<\/p><p>k&ouml;nnte es sein, dass die Einf&uuml;hrung neuer Fremdw&ouml;rter wie Resilienz, Dystopie, Meme usw. auch den Zweck hat, die &ldquo;einfachen&rdquo; Menschen von der politischen Diskussion fernzuhalten: Findet Euch damit ab, dass ihr davon nichts versteht, das ist eine Sache von Experten &ndash; und deswegen auf jeden Fall richtig?<\/p><p>Herzliche Gr&uuml;&szlig;e,<br>\nDein Hans B.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>5. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Liebes Nachdenkseiten-Team,<\/p><p>zur Verbiegung der deutschen Sprache ist mir seit mehr als 10 Jahren folgendes immer wieder aufgefallen, was sich leider auch bei &ldquo;konservativen&rdquo; Menschen eingeschlichen hat (mir tut es immer richtig weh, wenn ich es lese):<\/p><p>bei der Beschreibung mit einer Jahreszahl wird munter geschrieben und gesprochen &ldquo;in 2010&rdquo; ! Dieser Ausdruck ist reines Englisch, aber kein Deutsch!<\/p><p>Korrekt heisst es im Deutschen: &ldquo;Im Jahre 2010&hellip;&rdquo; oder schlicht &ldquo;2010 hat sich dieses und jenes ereignet&rdquo;<\/p><p>Herzliche Gruesse<br>\nChristoph Gloth<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>6. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrter Herr M&uuml;ller,<\/p><p>vielen Dank, dass Sie den immer st&auml;rker vernachl&auml;ssigten Gebrauch deutscher W&ouml;rter zugunsten von neuen Fremdw&ouml;rtern thematisieren. F&uuml;r mich ist es eine gedankenlose, bereitwillige Unterwerfung unter die englisch-amerikanische Kultur und ein anscheinend typisch deutsches Verhalten. W&auml;hrend auch amerikanische Produktneuerungen &nbsp;z.B. in Frankreich oder Spanien meist in eigener Sprache ausgedr&uuml;ckt werden, bleiben sie bei uns &sbquo;denglisch&lsquo;. So ist der Elektronikrechner bei uns Computer, Personal Computer oder kurz PC in Frankreich dagegen l&rsquo;ordinateur, in Spanien ordinador. Das kleine Funktelefon bei uns Handy, in Frankreich le portable oder le mobile und im frankophonen Kanada le cellulaire, im Spanischen el movil oder in Lateinamerika el celular. &nbsp;Dies gilt&nbsp; auch f&uuml;r soziale Verhaltensweisen, z.B. pay gap oder equal pay day statt Gehaltsunterschied oder Gleichbezahlungstag und Ihre aufgezeigten Beispiele.<\/p><p>Auch die international kooperierende Industrie ist davon betroffen. So nennen die deutschen Airbuspartner ihr Transportschiff f&uuml;r Gro&szlig;bauteile &sbquo;City of Hamburg&lsquo;, die Franzosen &sbquo;Ville de Bordeaux&lsquo; und die Spanier &sbquo;Ciudad de Cadiz&lsquo;.<\/p><p>Gestern folgte ich einer freundlichen, gut organisierten Einladung der Firma S&uuml;dLink &ndash; nicht S&uuml;dVerbund &ndash; zur Besichtigung der Baustelle f&uuml;r die Stromtrasse der Elbquerung bei Wewelsfleth. &nbsp;Projektbezeichnung ElbX wobei das X anscheinend das Wort cross Querung oder Kreuzung bedeuten soll. Auf der Einladung stand, dass wegen Parkplatzmangel am Baugel&auml;nde auf einen gr&ouml;&szlig;eren entfernten Parkplatz ein Shuttleservice &ndash; Pendelverkehr &ndash; eingerichtet wird. F&uuml;r das leibliche Wohl wird durch einen Foodtruck &ndash; Imbi&szlig;wagen &ndash; gesorgt. Dort konnte man w&auml;hlen zwischen pork bowl, chicken bowl u.a. englische Bezeichnungen &ndash; es waren Schweine- und H&uuml;hnerfleich in Pappschalen und umweltfreundlichen Holzg&auml;belchen.<\/p><p>Mit freundlichen gr&uuml;&szlig;en<br>\nHelmut H&auml;user<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>7. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Lieber Herr M&uuml;ller,<\/p><p>ja, es ist manchmal&nbsp;eine &ldquo;Krux&rdquo;, sprich ein Jammer&nbsp;mit der (deutschen) Sprache. Schon Gott als Herr im Himmel soll den irdischen Eroberern seines Refugiums einen Riegel vorgeschoben haben, indem er ihren Turmbau zu Babel insofern zunichte machte, als dass er ihnen im wahrsten Sinne des Wortes diese buchst&auml;blich im Munde verdrehte und keiner mehr den anderen verstand. Das &ldquo;Ausspionieren&rdquo; seines Himmelreichs scheiterte also am &ldquo;Ich-nix-(mehr)-verstehen&rdquo;!<\/p><p>Seit damals hat sich die Erde weitergedreht und mit ihr haben sich die unterschiedlichen Sprachen weiterentwickelt. Dank heutiger KI k&ouml;nnen die sprachlichen Unterschiede mittlerweile per Computerprogramm &uuml;bersetzt werden. Die zwischenmenschliche Kommunikation im Sinne eines respektvollen Umgangs miteinander k&ouml;nnen diese Programme aber auch nicht f&ouml;rdern: Wer &ldquo;nix&nbsp;verstehen will, der versteht auch nix&rdquo;. Und wer &ldquo;fake news&rdquo; verbreiten will, indem er Texte sprachlich verk&uuml;rzt oder Wichtiges einfach wegl&auml;sst, kann dies ungehemmt tun. Ein besonderes Schmankerl ist f&uuml;r mich die neueste Beh&ouml;rden-sprachliche Kreation aus dem Hause Karl Lauterbach: &ldquo;Krankenhausverbesserungsversorgungsgesetz (KHVVG)&rdquo;! (Siehe NDS vom 22.04.2024 -Sterben, bis der Arzt kommt). Wer versteht dieses &ldquo;Schwurbel&rdquo;-Wort? Ich pers&ouml;nlich nur insofern, als dass damit auch dem letzten Kranken der Garaus gemacht werden soll! Oder der von der WHO ausgedachte &ldquo;Pandemie-Vertrag&rdquo;, mit dem es noch dem letzten Gesunden an den Kragen gehen soll! Bei solch sprachlichen &ldquo;Erg&uuml;ssen&rdquo; frage ich mich, ob die menschliche Intelligenz nicht bereits den Grund des Baches erreicht hat!<\/p><p>Nichtsdestotrotz muss sich&nbsp;Sprache in ihrer&nbsp;Vielschichtigkeit dem kulturellen Zeitgeist anpassen, damit sie lebendig bleibt. Sprache, die sich nicht weiterentwickelt, ist per se eine tote Sprache. Martin Luther hat auf dem Reichstag zu Worms gesagt, &ldquo;So ist nichts mehr hie gehandelt denn so viel: Sind die B&uuml;cher dein? Ja. Willtu sie widerrufen oder nicht? Nein. So heb dich&rdquo;! (Wikipedia, Martin Luther auf dem Reichstag zu Worms 1521). So redet heute kein Mensch mehr. Eine Antwort sieht&nbsp;heute ungef&auml;hr so aus: &ldquo;Ey Digger, troll Dich, was schwurbelst Du, verbreite hier keine Verschw&ouml;rungstheorien&rdquo;! Martin Luther w&uuml;rde dann wohl denken, der Leibhaftige st&uuml;nde vor ihm.<\/p><p>Viele aus z.B. dem Englischen&nbsp;entlehnte W&ouml;rter stehen heute f&uuml;r sich wie etwa&nbsp;&ldquo;Jeans&rdquo;. Wenn ich im Gesch&auml;ft nach einer &ldquo;blauen Baumwollhose&rdquo; frage, bin ich nicht sicher, ob ich eine Jeans erhalte. Den &ldquo;global player&rdquo; orte ich im Wirtschafts- oder Finanzsektor, den &ldquo;Weltspieler&rdquo; eher im Fu&szlig;ball.&nbsp;W&uuml;tend macht&nbsp;es, wenn Sprache zu Propagandazwecken missbraucht wird und heute bereits herzige &ldquo;Marschflugk&ouml;rper&rdquo; per TV in Kinderzimmern umherfliegen oder dass bei den &ldquo;Gr&uuml;nen&rdquo; nicht mehr der Krokus, sondern der Taurus hoch im (Aktien-)Kurs steht. Oder eine Frau von der Leyen mit ihrem Masken-&ldquo;Deal&rdquo; millionenfach Steuergelder veruntreut hat. Hier entlarvt die Sprache gewisserma&szlig;en die Tat, bzw. die T&auml;ter.<\/p><p>So lange es die Menschheit geben wird, wird auch deren Sprache sich weiterentwickeln, und ich finde, das ist gut so! Denn um das Alte, sprich das kulturelle Erbe als einen Menschheits-Wert zu erhalten, muss Sprache sich dem Neuen immer wieder &ouml;ffnen. Auch dann, wenn man selbst anderer Meinung ist, denn auch Sprache sollte demokratisch gew&uuml;rdigt werden.&nbsp;&nbsp;<\/p><p>In Norddeutschland sagt man auf Plattdeutsch &ldquo;Tsch&uuml;ss&rdquo;, laat di&rsquo;t good gahn!<\/p><p>Claudia Limlahi<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>8. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Liebe Redaktion,<\/p><p>im Anhang finden Sie &ndash; etwas lang vielleicht, aber so lang wie n&ouml;tig- meinen Leserbrief.<\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<\/p><p>Erhard Schulze<\/p><p><a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/240503_Leserbriefe_narrativ-02.pdf\" rel=\"noopener noreferrer\">Leserbrief [PDF]<\/a><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>9. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Fremdworte<\/p><p>&hellip;die mich befremden:<\/p><p>Podcast<\/p><p>briefing<br>\nthink big<br>\nChannel<br>\nNewsletter<br>\nLongevity<br>\nlinken<br>\nDegrowth<\/p><p>Joachim Raedler<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>10. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Lieber Herr M&uuml;ller,<\/p><p>Ich war etwas &uuml;berrascht, in den Nachdenkseiten einen Beitrag zum Sprachwandel zu lesen und zu h&ouml;ren, denke aber, da&szlig; dieses Thema in einer kritischen Webseite angesprochen geh&ouml;rt.<\/p><p>Ich gehe davon aus, da&szlig; sich Ihre Bitte um R&uuml;ckmeldung zu neumodischen Ausdr&uuml;cken bezieht.<\/p><p>&Auml;h, genau!<\/p><p>Da selbst Jahrgang 1952 und mit Breisgauallemannisch aufgewachsen, verfolge ich nicht nur das Auftauchen (und in vielen F&auml;llen auch wieder Verschwinden) von Modew&ouml;rtern, sondern auch den zunehmenden &bdquo;Wandel&ldquo; in der Betonung etwa bei Namen. Die Kommissarin Odenthal fahndet in Ludwigshafen. Oder man kann etwa in Radiosendungen erleben, da&szlig; ausgebildete Sprecher des swr offenbar nur norddeutsche Betonungen oder Aussprachen gelernt haben. M&ouml;glicherweise mu&szlig; ein Sprecher des NDR nicht unbedingt wissen, da&szlig; die Konstanzer keine spitzen Steine kennen, obwohl sie wahrscheinlich den breiten Sch&auml;ublemodus &bdquo;Konschdanz&ldquo; schon vernommen haben. Und wenn der Regionalreporter Thomas Wagner aus Friedrichshafen mit der am Bodensee &uuml;blichen Betonung berichtet, beharrt der zwischenzeitlich einge&ldquo;nordete&ldquo; Moderator des SWR bei seinem Friedrichshaven.<\/p><p>Komplett komisch wird es bei der sprachlichen Behandlung der Pfalz. Selbst die Ministerpr&auml;sidentin habe ich schon dabei erwischt, da&szlig; sie von der &bdquo;Falz&ldquo; gesprochen hat. Wie k&ouml;nnen die P&auml;lzer nur dulden, da&szlig; man ihnen jetzt das P ganz wegstiehlt? &bdquo;Das Fead geh&ouml;rt jetzt zu Deutschland&ldquo;! War das nicht der Spruch des Kurzzeitbundespr&auml;sidenten aus Hannover?<\/p><p>Noch ein Beispiel der &bdquo;Betonungsverschiebung&ldquo; bei Personennamen. Hertha D&auml;ubler-Gmelin hat sich wohl nie &ouml;ffentlich dazu ge&auml;u&szlig;ert, da&szlig; ihr urschw&auml;bischer Name, den unter anderem ber&uuml;hmte Gelehrte getragen haben, wie Trittin oder meinetwegen Fontanes Stechlin betont wird. Hier im Breisgau und dar&uuml;ber hinaus gibt&rsquo;s die (kleinen) H&ouml;fflin, B&uuml;rklin, Zimmerlin, Schmidlin &hellip; Wann werden die dran sein?<\/p><p>Immerhin hat der&ldquo; Wandel&ldquo; jetzt auch den Basler Arnold B&ouml;cklin eingeholt, wie ich h&ouml;re. Man darf gespannt sein, wann H&ouml;lderlin in den Medien endlich &bdquo;richtig&ldquo; betont wird.<\/p><p>Ich gr&uuml;&szlig;e Sie<br>\nIhr Alfred Winski<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>11. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Lieber Herr M&uuml;ller<\/p><p>hier noch ein kleiner Nachtrag zu meinem Schreiben v. 23.4.: Sie forderten die Leser auf, Ihnen einschl&auml;gige Fundst&uuml;cke zu schicken. Das will ich hiermit tun.<\/p><p>Schon zwei Tage sp&auml;ter, am 25.4.2024 las ich in einem NDS-Beitrag von Marcus Kl&ouml;ckner folgenden Satz: &raquo;Wohl kaum ein Beobachter und Analyst der politischen Entwicklungen vermag mit letzter Gewissheit zu sagen, was kommt oder was nicht kommt.&laquo; Leute, deren Gesch&auml;ft die Analyse ist, hei&szlig;en im Deutschen Analytiker und im Englischen &rsaquo;analysts&lsaquo; oder &rsaquo;analyser&lsaquo; bzw. &rsaquo;analyzer&lsaquo; in dessen nordamerikanischer Variante. In der angels&auml;chsisch dominierten Finanzwelt ist es schon lange &uuml;blich, die Analytiker von Wertpapieren als Analysten zu bezeichnen. Das erscheint akzeptabel, zumal es sich hier einen recht kleinen und gut abgegrenzten Kreis handelt, der diesen Sprachgebrauch pflegt, und dadurch auch eine deutlichere Unterscheidung von anderen Analytikern wie etwa den Psychoanalytikern erreicht wird, die oft nur verk&uuml;rzt benannt werden, etwa in Formulierungen wie &rsaquo;mein Analytiker meint, dass &hellip;&lsaquo;.<\/p><p>Es gibt jedoch keinen Grund, den, wie &rsaquo;Physiker&lsaquo; und &rsaquo;Chemiker&lsaquo;&nbsp;&mdash;&nbsp; unter den letzteren ist ein Analytiker nat&uuml;rlich ein analytischer Chemiker&nbsp;&mdash; nach den Wortbildungsregeln der deutschen Sprache aus dem Griechischen bzw. Mittellateinischen abgeleiteten, Ausdruck &rsaquo;Analytiker&lsaquo; durch den englischen &rsaquo;analyst&lsaquo; zu ersetzen. Letzteres ist nicht nur der Versuch, irgendwie zeitgem&auml;&szlig; zu erscheinen, sondern zerst&ouml;rt die Sprache, weil es gegen deren Kern, ihre Funktionsregeln, gerichtet ist.<\/p><p>Im Vergleich dazu sind Neologismen wie &rsaquo;Label&lsaquo; bzw. &rsaquo;labeln&lsaquo; und &rsaquo;Narrativ&lsaquo; harmlos. Letzterer hat ja durchaus sein Recht, auch wenn manche Autoren das etwas &uuml;berstrapazieren. Denn ein Narrativ ist eben nicht nur schlicht eine Erz&auml;hlung &mdash; das treffende Fremdwort daf&uuml;r w&auml;re &rsaquo;Narration&lsaquo;&nbsp;&mdash;, sondern&nbsp;&rsaquo;die Moral von der Geschicht&lsaquo;. In ihm verbindet sich der Anspruch auf die G&uuml;ltigkeit eines Aussagegehalts &mdash; in der Sprache der analytischen Philosophie: des propositionalen Gehalts &mdash;&nbsp; einer Geschichte mit einer spezifischen, n&auml;mlich legitimierenden, Funktion. Es transportiert eine Sicht der Dinge bzw. Ereignisse, die die Position des Erz&auml;hlers unterst&uuml;tzt, w&auml;hrend etwa die literarische oder auch bildnerische Form von untergeordneter Bedeutung ist und h&ouml;chstens auf das Zielpublikum angepasst wird, also in dder Bildzeitung anders aussieht als in der Zeit. Kurzfassungen wie &rsaquo;Virus b&ouml;se, Impfung gut&lsaquo;, &rsaquo;Putin b&ouml;se, Westen gut&lsaquo; oder&nbsp;&rsaquo;X ist ein Putinagent&lsaquo; werden in einer zum Anlass und zum Publikum passenden bildlichen Verkleidung variiert.<\/p><p>Um mein Narrativ zu wiederholen: es hat wenig Sinn, sich an der Fremdheit einzelner Vokabeln aufzuhalten. Es gilt nach ihrer Funktion zu fragen, dabei Brauchbares anzunehmen und vor allem auf seine sinngem&auml;&szlig;e Verwendung zu achten, Unbrauchbares und Destruktives wie&nbsp;&rsaquo;Sinn machen&lsaquo;,&nbsp;&rsaquo;Analyst&lsaquo;,&nbsp;&rsaquo;meinen&lsaquo; f&uuml;r&nbsp;&rsaquo;bedeuten&lsaquo;, Sternchen und dysfunktionale Partizipien dagegen zu vermeiden und, wo n&ouml;tig, auch zu bek&auml;mpfen. Es geht in der Tat darum, einen Angriff auf unsere mentale Gesundheit abzuwehren.<\/p><p>Ich gr&uuml;&szlig;e sie vielmals<\/p><p>Rainer Fischbach<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>12. Leserbrief<\/strong><\/p><p>In seinem ausgezeichneten Artikel beschreibt Albrecht M&uuml;ller die sprachlichen Verflachungen der neuesten Zeit. Im Zentrum stehen dabei vor allem Modebegriffe der letzten Jahre. Herr M&uuml;ller fordert die Leser auf, ihre eigenen Erfahrungen auf diesem Gebiet mitzuteilen. Ich m&ouml;chte von diesem Angebot Gebrauch machen:<\/p><p>&bdquo; Mein Kritikpunkt bezieht sich dabei nicht auf ein neues Wort, sondern auf Gebrauch des Wortes &sbquo;kommunizieren&lsquo;,&nbsp; der sich in den letzten Jahren ge&auml;ndert hat.<\/p><p>Soweit sich das Wort &sbquo;kommunizieren&lsquo; auf den Informationsaustausch bezieht, kann man davon ausgehen, dass die sprachliche Interaktion zwischen gleichberechtigten Partner stattfindet. Dies entspricht auch dem lateinischen Wortstamm communis = gemeinsam. Dementsprechend hatte kommunizieren auch kein Akkusativ- oder Dativobjekt. Heute liest man demgegen&uuml;ber h&auml;ufig S&auml;tze wie diese:<\/p><ul>\n<li>Der Chef (Subjekt) kommuniziert seinen Mitarbeitern (Dativobjekt) die neue Firmenstrategie (Akkusativobjekt). Die Kommunikation ist hier nicht gleichberechtigt. Denn ausser Verst&auml;ndnisfragen d&uuml;rfte es in einem solchen Verfahren keine Diskussion geben.<\/li>\n<li>Minister Habeck (Subjekt) kommuniziert seine Energiepolitik (Bei Berichten &uuml;ber Politikern &nbsp;ist meist das Dativobjekt weggelassen , gemeint ist in einer solchen Situation etwa die W&auml;hlerschaft oder das Volk,&nbsp; an welche die Politiker sich richten.)<\/li>\n<\/ul><p>Fr&uuml;her w&auml;ren solche Formulierungen in Schulaufs&auml;tzen als grammatischer Fehler angestrichen worden. Und dies mit gutem Grund. Statt kommunizieren hat man fr&uuml;her das deutsche Wort &sbquo;mitteilen&lsquo; verwendet. Das Wort &sbquo;mitteilen&lsquo; zeigt durch seine grammatische Struktur mit Subjekt, Dativ- und Akkusativobjekt die Asymmetrie der Situation auf. Beim Wort kommunizieren wird jedoch der f&auml;lschliche Eindruck einer gemeinsamen (kommunen) &nbsp;Anstrengung erweckt. Die Wortwahl dient somit der Verschleierung von hierarchischen Strukturen.<\/p><p>G&uuml;nter Baigger<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>13. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Lieber Herr Albrecht M&uuml;ller,<\/p><p>danke f&uuml;r diese Ihre Bemerkungen zur Verzerrung der Deutschen Sprache. Ich bin Jg. 1954 und von daher &uuml;berschaue ich auch schon einige Zeit.<\/p><p>Und habe noch ein paar Beispiele anderer Art als die von Ihnen genannten Lehnworte aus anderen Sprachen: Nach 15 Jahren in England kam ich 2010 wieder nach Frankfurt und war erstaunt, jetzt &lsquo;Fahrtreppen&rsquo; vorzufinden,&nbsp; Schraubendreher&rsquo;, &ldquo;fu&szlig;l&auml;ufig&rdquo; zu erreichendes, um Dinge &ldquo;zeitnah&rdquo; zu tun, &ldquo;trockene T&uuml;cher&rdquo; usf &ndash; diese Worte bleiben mir fremd. Sie geh&ouml;ren nicht zu der Art der Beispiele, die Sie aufgez&auml;hlt haben, erscheinen mir aber wie eine Art &lsquo;Ern&uuml;chterung&rsquo; und Vereinfachung der Sprache,<\/p><p>Alles was wir dem Englischen entlehnen (&ldquo;am Ende des Tages&rdquo; war eine Zeitlang popul&auml;r, oder auch &ldquo;zur&uuml;ckrudern&rdquo;) st&ouml;&szlig;t mir&nbsp; unangenehm auf &ndash; und bewu&szlig;t versuche ich, immer zu umschreiben und Anglizismen zu vermeiden &ndash; das j&uuml;ngste Beispiel erz&auml;hlte mir mein Osteopath &ndash; Patienten klagten mehr und mehr dar&uuml;ber, dass sie &lsquo;prokrastinieren&rsquo;&hellip;<\/p><p>Zuletzt macht mir der Bedeutungswandel des Wortes &lsquo;geil&rsquo; viele Sorgen &ndash; dieses ersetzt ganze Reihen m&ouml;glicher differenziert beschreibender Worte &ndash; neulich st&uuml;rzte eine nicht mehr junge Frau, ihren Mann mit sich ziehend, im Botanischen Garten auf einen bl&uuml;henden Busch zu&nbsp; und rief &ndash; das ist ja geil! Es gehen die Besinnungsmomente verloren, das Suchen nach dem richtigen Gef&uuml;hl zun&auml;chst mal, damit dann das richtige Wort gefunden werden kann.<\/p><p>Das sind also meine Sorgen und meine Beispiele, ganz am Rand beunruhigt mich auch die Tatsache, dass der gewohnte Tonfall und die Satzmelodie aus dem allgemeinen Deutsch (vermutlich vor allem in der Gro&szlig;stadt) verschwindet und stattdessen ein Singsang, der seinen Ursprung in haupts&auml;chlich arabischen und der t&uuml;rkischen Sprache zu haben scheint, so sehr &Uuml;berhand nimmt, dass auch offensichtliche Frankfurter Kinder, Jugendliche und Erwachsene ihn &uuml;bernehmen.<\/p><p>Zu ihren Beispielen (Trottoir z.B., was ja kaum noch gebraucht wird au&szlig;er im S&uuml;dhessischen als Trotte-waa) kann man sich ja fragen, wie weit geht es zur&uuml;ck, dass man Fremdworte normal findet, und hat das mit dem Geburtsjahr zu tun?&nbsp; &ndash; aber sicherlich bef&ouml;rdert alles von Ihnen Genannte auch das sinn-entleerte Sprechen und entfernt mehr und mehr Menschen davon, &uuml;berhaupt anspruchsvollere Literatur lesen zu k&ouml;nnen, oder l&auml;ngere Gedankenf&auml;den verfolgen zu k&ouml;nnen&hellip;<\/p><p>Ich hoffe das war jetzt nicht zu lang, und danke Ihnen und allen, die die &lsquo;Nachdenkseiten&rsquo; schreiben, f&uuml;r Ihren unerm&uuml;dlichen Einsatz. Bitte entschuldigen Sie meine Fehler in der Gro&szlig; &ndash; und Kleinschreibung sowie Zeichensetzung; die fr&uuml;her einmal bestehende Sicherheit hat sich durch 15 Jahre England leider aufgel&ouml;st.<\/p><p>Herzlich<br>\nCl&auml;re Kunze<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>14. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Lieber Herr M&uuml;ller!<\/p><p>Ich bin im alemannischen Gebiet geboren und aufgewachsen und dazu geh&ouml;rt die alemannische Sprache. Und diese typischen franz&ouml;sischen Begriffe geh&ouml;rten fr&uuml;her zu unserer Sprache und wurde selbstverst&auml;ndlich gebraucht. Leider wird das Alemannisch nur noch wenig im Original gesprochen, da das Hochdeutsche immer mehr Einzug h&auml;lt.<\/p><p>Schade, so geht gelebte Kultur verloren.<\/p><p>Herzliche Gr&uuml;&szlig;e&nbsp;<br>\nBrigitte Schwarzw&auml;lder&nbsp;<\/p><p>PS: was bedeutet labelt? Etikettieren?<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>15. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Danke an Herrn M&uuml;ller, das war ein anregender Impuls! Sooft ich &bdquo;meine&ldquo; Kultursender h&ouml;re, aber auch in der Presse fallen mir n&auml;mlich schon l&auml;nger bestimmte, sich wiederholende Formulierungen auf. Ich kann mich l&auml;ngst nicht an alle erinnern, aber hier ist eine Auswahl:<\/p><p>[&bdquo;content&ldquo;] Es kommt nicht mehr so sehr auf den &bdquo;Content&ldquo; (Inhalt) an, viel wichtiger ist die &bdquo;Performance&ldquo; (Au&szlig;enwirkung). Fr&uuml;her sagte man daf&uuml;r: au&szlig;en hui, innen pfui. Mittlerweile tritt man &uuml;brigens nicht mehr auf, sondern &bdquo;performt&ldquo;.<\/p><p>[&bdquo;kommunizieren&ldquo;] Wenn etwas gr&uuml;ndlich schiefgegangen ist, dann liegt das in nicht an den Verursachern oder der verkorksten Sachlage &ndash; dem &bdquo;content&ldquo;, siehe oben &ndash;, &nbsp;sondern nur daran, dass der nicht richtig &bdquo;kommuniziert&ldquo; wurde.<\/p><p>[&bdquo;man&ldquo;] Immer &ouml;fter f&auml;llt mir eine de-personalisierte Sprechhaltung auf, die ich so fr&uuml;her nicht kannte. Durch Medienleute befragte Mitmenschen antworten nur noch sehr selten mit &bdquo;ich&ldquo;, sondern grunds&auml;tzlich mit &bdquo;man&ldquo;. Sie weichen aus in das allgemeine &bdquo;man&ldquo;, als f&uuml;rchteten sie, etwas Unzul&auml;ssiges preiszugeben.<\/p><p>[&bdquo;kann&ldquo;] Wir erfahren in Werbung und Medien mehr von M&ouml;glichkeiten als von Fakten. Eine Ma&szlig;nahme oder ein Mittel KANN zur Verbesserung beitragen, die Gefahren f&uuml;r unsere Sicherheit K&Ouml;NNEN gr&ouml;&szlig;er werden (&bdquo;steigen&ldquo;), die Lage K&Ouml;NNTE sich zuspitzen usw. Sooft ich die Worte &bdquo;kann&ldquo; oder &ldquo;k&ouml;nnte&rdquo; h&ouml;re bzw. lese, erg&auml;nze ich f&uuml;r mich im Stillen: &bdquo;&ndash; muss aber nicht&ldquo;. Das beruhigt.<\/p><p>[&bdquo;oder&ldquo;] Medienleute, Moderatoren etc. fragen bevorzugt in der Oder-Form, wodurch die Zahl der Entscheidungsm&ouml;glichkeiten auf zwei reduziert wird: &ldquo;Sehen Sie eher a oder b?&rdquo; Ich freue mich jedes Mal, wenn der\/die Befragte auf solche Fragen ausholt, die Frage selbst in Frage stellt und das Feld der M&ouml;glichkeiten erweitert, denn mit dem st&auml;ndigen Entweder-Oder wird schon das Denken alternativlos &bdquo;gespalten&ldquo; in zwei vorgestanzte Alternativen. Nein &ndash; es gibt immer mehr M&ouml;glichkeiten als nur a oder b; manchmal a + b, manchmal weder a noch b, oft dar&uuml;ber hinaus noch c und d und weitere!<\/p><p>Susanne Eckstein<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>16. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrter Herr M&uuml;ller,<\/p><p>die Lekt&uuml;re &uuml;ber die Narrative unserer Zeit war mir ein Vergn&uuml;gen.<\/p><p>Bei mir entsteht immer h&auml;ufiger der Eindruck die wirrsten Stilbl&uuml;ten politischen Neusprechs kommen genau dort zum Einsatz, wo Unverbindlichkeit und semantischer Interpretationsspielraum gew&uuml;nscht sind. Der inflation&auml;re Gebrauch mancher Begriffe grenzt dabei an Gehirnw&auml;sche und kann die Unterschiede der &ouml;ffentlichen und ver&ouml;ffentlichten Meinung super ausgleichen. Die alte Frage ist, ob dieses &ldquo;Framing des Mindsets&rdquo; Opium des Volkes oder Opium f&uuml;r das Volk sein will und soll.<\/p><p>Zur Wahrheit geh&ouml;rt auch, dass wir uns am Ende des Tages ehrlich machen m&uuml;ssen. Floskeln sind gut f&uuml;r aussagefreien Redefluss und gegen klare Linien. Nur so l&auml;sst sich die bes&auml;ufniserregende Lage n&uuml;chtern betrachten.<\/p><p>Gru&szlig; an die ganze NDS-Redaktion<br>\nStefan K&uuml;hn<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>17. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrte Damen und Herren,<\/p><p>hier folgt ein Leserbrief zu dem Artikel vom 23. April.<\/p><p>&bdquo;Das Narrativ steht im Fokus&ldquo; &Uuml;ber den Wandel unserer Sprache&rdquo;.<\/p><p>Viele Gr&uuml;&szlig;e,<\/p><p>Barbara Streun<\/p><p>&mdash;&mdash;&mdash;&mdash;&mdash;&ndash;<\/p><p>Leserbrief zum Artikel:<\/p><p>&bdquo;Das Narrativ steht im Fokus&ldquo; usw. &ndash; &Uuml;ber den Wandel unserer Sprache (23. April 2024)<\/p><p>Gerade neulich dachte ich melancholisch dar&uuml;ber nach, dass die deutsche Sprache ganz offensichtlich auf dem R&uuml;ckzug ist.<\/p><p>Die Wissenschaft spricht Englisch, die Wirtschaft auch. Das Bildungsb&uuml;rgertum l&auml;sst seine Kinder am besten schon im Kindergarten Englisch lernen, und in der allt&auml;glichen Gesch&auml;ftskommunikation halten eine durch KI und Online-&Uuml;bersetzungen verzerrte Sprache und Grammatik Einzug. Und alle machen mit &ndash; man versteht ja, was gemeint ist.<\/p><p>Auch die weniger Elit&auml;ren, die &bdquo;Bildungsfernen&ldquo; sprechen eine Pidginsprache aus Deutsch, Englisch und zunehmend auch mit arabischen und t&uuml;rkischen Einsprengseln.<\/p><p>Klassische Dialekte sterben aus. In einer Generation wird niemand mehr &bdquo;berlinern&ldquo;.<\/p><p>F&uuml;r Teenager ist alles &ldquo;voll nice&rdquo;, und es wird &ldquo;reacted&rdquo; anstatt &ldquo;reagiert&rdquo; &ndash; muss das sein?<\/p><p>Was noch &uuml;brig ist von der sch&ouml;nen, f&uuml;r ihre Pr&auml;zision bekannten deutschen Sprache wird zermalmt zwischen analphabetengerechter &ldquo;einfacher Sprache&rdquo;, der sonundsovielen Rechtschreibreibreform, der ideologischen Weltverbesserung &ndash; und nat&uuml;rlich auch durch das Personal aus Politik und Medien.<\/p><p>Jene Berufsgruppen, einstmals Leuchtt&uuml;rme sprachlicher Brillianz und Quelle verwegener Neusch&ouml;pfungen, beschr&auml;nken sich zunehmend auf eine formalisierte, schablonenhafte Sprechblasensprache, und sie haben die einstige Exaktheit des Deutschen durch haltungsgerechte Schwammigkeit ersetzt.<\/p><p>Es ist schade um das Deutsche, jene lautmalerische und auch poetische Sprache, die wie keine andere in der Lage ist, exakt zu differenzieren und Nuancen abzubilden!<\/p><p>Die n&auml;chste Generation wird immer weniger Deutsch sprechen, und den Sinn f&uuml;r die Feinheiten dieser Sprache m&ouml;glicherweise gar nicht mehr entwickeln.<\/p><p>Sie wird das Deutsche auch nicht mehr ausbauen. Der Wortschatz schwindet, neue, deutsche Worte werden kaum noch erschaffen. Leichter ist der schnelle Import.<\/p><p>Dass zudem generell weniger gelesen und geschrieben wird, und daf&uuml;r mehr in Bildern kommuniziert, wird diese Entwicklung noch beschleunigen.<\/p><p>Lehnworte aus anderen Sprachen gab es immer und wird es immer geben. Gegen solche Farbtupfer ist nichts einzuwenden, zumal sie auch L&uuml;cken f&uuml;llen in bestimmten Bedeutungszusammenh&auml;ngen, und so die Sprache erweitern. Es ist auch selten eine Einbahnstrasse, es gab immer Austausch zwischen Nachbarsprachr&auml;umen.<\/p><p>Dass Sprache sich ver&auml;ndert und entwickelt, ist eine Binsenweisheit.<\/p><p>Zu &Uuml;berdenken aber ist die Adaption fremder Worte dort, wo sie weder notwendig noch zweckm&auml;&szlig;ig sind, und dann, wenn wir unsere eigene Muttersprache zu sehr anderen, offenbar derzeit als schicker erachteten Sprachen unterordnen, indem wir auch fremde Laute und Schreibweisen adaptieren, die unseren Sinnen und unseren Zungen eigentlich gar nicht vertraut sind.<\/p><p>Es ist ein Gebot der H&ouml;flichkeit, einen fremdartigen Namen &ndash; etwa eines Gastes &ndash; korrekt auszusprechen. Aber l&auml;ngerfristig sollten sich ungewohnte Laute der hiesigen Zunge anpassen, wenn sie denn Teil unserer Sprache werden.<\/p><p>Nicht von ungef&auml;hr wurde in der Vergangenheit aus dem &ldquo;pot de chambre&rdquo; auf gutdeutsch der &ldquo;Botchamber&rdquo;. Es wurde eingedeutscht.<\/p><p>Das mag nicht immer elegant sein, und es haftet diesem Vorgehen hierzulande etwas provinzielles, oder gar koloniales\/chauvinistisches an. Andere L&auml;nder sind da entspannter. Frankreich &ldquo;franz&ouml;sisiert&rdquo; mit System. Und, wer in ein englischsprachiges Land auswandert, der passt sich ganz von selbst an. Deutsche entfernen schnell die Umlaute in ihren Namen, und aus einem &bdquo;Hans&ldquo; wird ein &bdquo;John&ldquo;.<\/p><p>Umgekehrt? Nein, wir gefallen uns darin, Namen wie &ldquo;&Ouml;zo&#287;uz&rdquo; m&ouml;glichst so auszusprechen, wie es in der T&uuml;rkei gemacht w&uuml;rde. Und wir geben Kindern englische Namen wie &ldquo;Justin&rdquo;. M&uuml;sste man ihn nicht &ldquo;Dschastin&rdquo; schreiben? Das tun wir aber nicht, weil es bl&ouml;d aussieht, so denken wir, und wir lachen &uuml;ber die DDR, in der es tats&auml;chlich Schreibweisen wie &bdquo;Maik&ldquo; und &bdquo;Devid&ldquo; gab &ndash; vermutlich durch Standesbeamte, die dem eskapistischen Impetus der Eltern einen Riegel vorschieben wollten (m&uuml;ssten wir ein inzwischen auch in den Duden eingewandertes Wort wie &bdquo;labeln&ldquo; nicht eigentlich mit &bdquo;&auml;i&ldquo; schreiben?).&nbsp;<\/p><p>Selbst m&ouml;chte ich hier gar keine radikale Position einnehmen, ich nutze auch selbst viele Anglismen und Fremdworte, aber es w&auml;re sch&ouml;n, wenn wir uns unseres Umgangs mit Sprache etwas bewusster w&auml;ren. Dann w&uuml;rde das Deutsche vielleicht nicht immer auf den hinteren Rang verwiesen. Die deutsche Sprache ist ein Kulturgut. Und Sprache ist Heimat.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>18. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Liebe Nachdenkseiten-Macher,<\/p><p>nach Lekt&uuml;re der Leserbriefe zum Thema Wandel der Sprache muss ich noch etwas erg&auml;nzen:<\/p><p>1981 habe ich ein Jahr in Frankreich als &ldquo;Assistante de langues&rdquo; an einer Schule Deutsch unterrichtet.<\/p><p>Zu dieser Zeit gab es zwei bemerkenswerte deutsche Fremdw&ouml;rter in der franz&ouml;sischen Sprache: &rdquo; le berufsverbot&rdquo; und &rdquo; le waldsterben&rdquo;<\/p><p>Ich glaube, diese beiden W&ouml;rter w&auml;ren auch ausreichend um die aktuelle Situation unseres Landes zu charakterisieren!<\/p><p>Nebenbei: Zum Thema &rdquo; Berufsverbot&rdquo; sagte mir ein ca 17 j&auml;hriger franz&ouml;sischer Sch&uuml;ler:&rdquo; Alors, ce n&rsquo; est pas une vraie d&eacute;mocratie&hellip;.&rdquo;<\/p><p>Muss wohl nicht &uuml;bersetzt werden..<\/p><p>Liebe Gr&uuml;sse<br>\nChristine Reichelt<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>19. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrter Herr M&uuml;ller,<\/p><p>mit o.g. Artikel haben Sie bei der werten Gemeinschaft der Nachdenker ein regelrechtes &ldquo;Brainstorming&rdquo; ausgel&ouml;st, mit&nbsp;Antworten teils interessant, teils am&uuml;sant. Nun f&uuml;hle ich mich aufgefordert, auch noch meinen &ldquo;Senf dazu zu geben&rdquo;.<\/p><p>Zwei Punkte:&nbsp;<\/p><ul>\n<li>Zum Beispiel Ihrer Gro&szlig;mutter:&nbsp;manche dieser Worte&nbsp;sind auch in Bayern bekannt, nur halt als &ldquo;Botchamberl&rdquo; oder eben auch &ldquo;Plafond&rdquo;.&nbsp;<\/li>\n<\/ul><p>Das ist nicht weiter verwunderlich, wurden sogar f&uuml;r&nbsp;Wehrmachtsoldaten&nbsp;1940 kleine W&ouml;rterb&uuml;cher erstellt.<\/p><ul>\n<li>Im&nbsp;zweiten Fall f&auml;llt es mir schwer, die Beherrschung&nbsp;zu wahren; ist es doch an Verwerflichkeit kaum zu &uuml;berbieten.&nbsp;<\/li>\n<\/ul><p>Wenn ich mich an mein Berufsleben erinnere: Bewerbungen hatte man stets an die PERSONALSTELLE&nbsp;einer Firma zu richten oder es gab&nbsp;Angelegenheiten im PERSONALB&Uuml;RO zu erledigen. Doch mit dem&nbsp;Eintritt ins 21. Jahrhundert erweiterte sich bei vielen der (?)Horizont, wer wollte da nicht dazu geh&ouml;ren. Auch&nbsp;unsere international t&auml;tige Firma&nbsp;wurde nun als&nbsp;&ldquo;Global Player&rdquo; bezeichnet, und die Abteilungsbezeichnungen mussten angepasst werden. Der neue Name besagter Abteilung l&auml;sst tief blicken: HR (human resources).<\/p><p>Beste Gr&uuml;&szlig;e und Dank f&uuml;r Ihre Arbeit<br>\nJ.H.<\/p><div class=\"imagewrap\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240503_Leserbriefe_narrativ-1.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>20. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Bei meiner Gro&szlig;mutter in Sternberg\/Meckl. wohnte vor dem 2. WK ein Tischler zur Weiterbildung beim Technikum in einem Zimmer mit dem FranzSpie&szlig;*, wie sie immer sagte. Und dann, woher kommt eigentlich der Abschiedsgru&szlig; &ldquo;Tsch&uuml;&szlig;&rdquo;? So, wie ich es sehe, auch aus dem Franz&ouml;sischen mit der plattdeutschen Verballhornung: Adieu &ndash; Adsch&ouml;- Tsch&ouml; &ndash; Tsch&uuml;&szlig;. Un dann gew dat noch den &ldquo;viggelienschen Kierl&rdquo;. Plattdeutsches Franz&ouml;sisch ist k&ouml;stlich! Leider stirbt es aus.<\/p><p>*Achso, Franzspie&szlig; ist das Zimmer mit dem Frontispiz.<\/p><p>Ich h&ouml;re jetzt auf zu schreiben, weil &lsquo;ich habe Zeit mehr&rsquo;. In der AgitProp-Sendung &ldquo;heute Show&rdquo; sagte Welke k&uuml;rzlich: &ldquo;&hellip;, au&szlig;er ich&rdquo;. Toll, die Entwicklung.<\/p><p>Freundlichst verbunden, G. Pingel<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>21. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Ich h&ouml;re jetzt sehr oft:<\/p><p>Akteur, Akteur, Akteur&hellip;. Nicht mehr die Verantwortlichen, Beteiligten, Unterh&auml;ndler, Vertreter, Verbrecher etc. Passt ja gut zum blinden Aktionismus. Baerbock scheint die Vorturnerin f&uuml;r das &lsquo;Akteuren&rsquo; zu sein.<\/p><p>Oder es ist der immer verwaschenere Jargon dessen, was sich heute noch Sozialwissenschaften nennt.<\/p><p>Gr&uuml;&szlig;e,<\/p><p>Annette Pollmann<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>22. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Moin!<\/p><p>Aus Motivation wegen der erg&auml;nzenden Anmerkung Albrecht M&uuml;llers, die schiere Menge an ver&ouml;ffentlichten Zuschriften auch wirklich zu lesen (diese lese ich immer komplett), habe ich einige Anmerkungen sowie eigene Beispiele, die ich leider bei meiner letzten Zusendung vergessen habe. Es w&uuml;rde mich freuen, wenn Sie meinen Beitrag in Ihren 2. Teil einflie&szlig;en lie&szlig;en.<\/p><p>In Leserbrief Nr. 6 wird argumentiert, da&szlig; die &ldquo;humanit&auml;re Katastrophe&rdquo; falsch &uuml;bersetzt sei; tats&auml;chlich ist sie das nicht. &ldquo;humanitarian&rdquo; bedeutet gleichwohl &ldquo;humanit&auml;r&rdquo; im Sinne von &ldquo;auf die Linderung menschlicher Not bedacht&rdquo; oder auch &ldquo;Menschenfreund&rdquo;. Im Englischen wird anstatt &ldquo;catastrophy&rdquo; auch gerne &ldquo;crisis&rdquo; oder &ldquo;disaster&rdquo; verwendet, w&auml;hrend es dem Wortsinn nach keinen Unterschied macht, wenn man sie mit &ldquo;humanitarian&rdquo; kombiniert. Eine &ldquo;menschenfreundliche Katastrophe&rdquo; ist ein Oxymoron, ein Widerspruch in sich, da stimme ich Herrn Schwarz zu 100% zu. Es dr&auml;ngt sich der Verdacht auf, da&szlig; von Seiten der Politiker &amp; Journalisten absichtlich mit &ldquo;menschenfreundlichen&rdquo; Worten eine beinahe schon rabulistische &ldquo;Erkl&auml;rung&rdquo; f&uuml;r menschliche Gr&auml;ueltaten gezielt erfunden wurde, ganz im Sinne psychologischer Kriegsf&uuml;hrung. Zusammen mit dem Vermengen von nat&uuml;rlich auftretenden Katastrophen (Erdbeben, &Uuml;berschwemmungen, Wirbelst&uuml;rme) und von Menschen gemachten Katastrophen (Hungersn&ouml;te, Wassermangel, Kriege, atomare Verseuchung) kann man letztendlich dem Volk verkaufen, da&szlig; so etwas wie Kriege vom Himmel gefallen w&auml;ren &mdash; was aber auch die M&auml;r vom &ldquo;menschengemachten Klimawandel&rdquo; st&uuml;tzt, in der man munter seit Jahrzehnten (!) alle m&ouml;glichen nat&uuml;rlichen &amp; von Menschenhand geschaffenen Katastrophen vermengt (ganz ber&uuml;hmter Klassiker ist Naomi Klein&rsquo;s &ldquo;Schockstrategie&rdquo;, wo diese Vermengungen zuhauf angewendet werden). Hier wird aus meiner Sicht ganz absichtlich nicht differenziert (mangelhafte oder fehlende Differenzierung k&ouml;nnte man als weitere Manipulationsmethode einbinden).<\/p><p>In Leserbrief Nr. 8 wird vom &ldquo;downloaden&rdquo; gesprochen, das etwas ist, was jemand tun kann -&gt; &ldquo;ich downloade&rdquo;. In Herrn Goldbrunners Anmerkung findet es sich aber als etwas wieder, das mit einem getan werden kann -&gt; &ldquo;ich werde downgeloadet&rdquo;. Zudem ist das Beispiel Pr&auml;sens. Futur I m&uuml;&szlig;te hei&szlig;en &ldquo;ich werde downgeloadet werden&rdquo; und Futur II &ldquo;ich werde downgeloadet worden sein&rdquo;. Auf verbformen.de findet sich die korrekte Futur II-Version &ldquo;ich werde downgeloadet haben&rdquo;. Damit jemand &ldquo;downgeloadet&rdquo; werden kann, m&uuml;&szlig;te man seine gesamte Existenz digitalisieren, womit die physische vernichtet w&uuml;rde. Nach dem jetzigen Stand der Wissenschaft &amp; der Technik ist dies jedoch unm&ouml;glich, man kann also nicht &ldquo;downgeloadet&rdquo; werden.<\/p><p>Eine weitere sprachliche Kuriosit&auml;t ist das Wort &ldquo;eigentlich&rdquo;. Es ist als &ldquo;Partikel&rdquo; definiert, was so viel bedeutet wie &ldquo;Wort ohne Funktion&rdquo; und &ldquo;ohne eigene Bedeutung&rdquo;. Es steht also in keiner Beziehung zu irgend einem anderen Teil im Satz und tr&auml;gt daher nicht zu einer sinnvollen Kommunikation bei. Man k&ouml;nnte es auch als &ldquo;Bl&auml;h&rdquo;- oder &ldquo;F&uuml;ll&rdquo;-Wort betrachten. Gem&auml;&szlig; Wortdefinition finden sich im Duden etliche Definitionen, die sich auch widersprechen: entweder ist etwas &ldquo;wirklich bedeutsam&rdquo; und &ldquo;relevant&rdquo; oder meint einen halbherzigen, nicht &uuml;berzeugenden Einwand; es weist auch auf bereits aufgegebene Absichten hin (die man, warum genau, dennoch &auml;u&szlig;ert?). Es kann relativierend oder verst&auml;rkend wirken, in den allermeisten F&auml;llen verw&auml;ssert es jedoch Aussagen und Fragen. Es macht aus einem ernsthaften Anliegen etwas Beil&auml;ufiges, etwas Unbedeutendes, nicht der Rede wert. Man will im Grunde etwas, aber dann doch nicht so wirklich. Ich denke da dann stets: &ldquo;Ja, watt denn nu?&rdquo;<\/p><p>Wenn jemand mit &ldquo;eeeeigentlich&hellip;&rdquo; anf&auml;ngt, kommt meine Gegenfrage: &ldquo;eigentlich oder uneigentlich?&rdquo;, oft gepaart mit verwirrten Blicken des Gegen&uuml;ber. F&uuml;r mich ist es das sinnloseste Wort der Welt.<\/p><p>Noch so ein Un-Wort: Perfekt! Dessen geh&auml;ufte Verwendung beobachte ich im Alltag &uuml;berwiegend bei weiblichen Menschen, eine an sich schon faszinierende Erkenntnis. Aus dem Lateinischen kommend, beschreibt es einerseits die Vergangenheit als etwas Vollendetes. Andererseits wird es aber auch als &ldquo;frei von M&auml;ngeln&rdquo; respektive &ldquo;vollkommen&rdquo; definiert, quasi eine andere Form von Vollendung. Aber genau diese Vollkommenheit schlie&szlig;t sich in der Praxis immer aus: beispielsweise gibt es die &ldquo;perfekte Kante&rdquo; nicht: sie ist nie ganz gerade, und unter dem Mikroskop finden sich immer Unebenheiten; es gibt auch keinen &ldquo;perfekten Kreis&rdquo;, denn selbst Pi l&auml;&szlig;t sich mathematisch nicht vollkommen darstellen (unendliche Stellen hinter dem Komma). Man kann sich in der Praxis der &ldquo;Perfektion&rdquo; also nur ann&auml;hern, sie aber niemals erreichen. &ldquo;Perfekt&rdquo; als Superlativ wird unzul&auml;ssigerweise f&uuml;r niedrigere Komparationsstufen verwendet (etwas, das &ldquo;besser&rdquo; ist, wird nicht nur f&auml;lschlicherweise als &ldquo;das beste&rdquo; bezeichnet, sondern in seiner Absolutheit auch noch Un&uuml;bertreffbares, &ldquo;Perfektes&rdquo;). &ldquo;If today was perfect, there would be no need for tomorrow.&rdquo;<\/p><p>So manch Einer behauptet, da&szlig; Logik in der Sprache nicht anwendbar sei. Tats&auml;chlich kommt Logik aber aus dem Griechischen und beschreibt die Wissenschaft, wie Menschen denken. Da in Bezug auf Sprache auch gedacht wird (sonst k&ouml;nnte sie sich nicht entwickeln), schlie&szlig;t sich die Logik ein, ist somit der Sprache inh&auml;rent. Es schlie&szlig;t jedoch nicht aus, da&szlig; es auch unlogische Sprachanwendungen wie die Worte &ldquo;eigentlich&rdquo; oder &ldquo;perfekt&rdquo; gibt. An dieser Stelle k&ouml;nnte man einwerfen, da&szlig; &ldquo;m&ouml;chte&rdquo; eine verw&auml;sserte Form von &ldquo;wollen&rdquo; ist: entweder will ich etwas, oder ich will es nicht &amp; lasse es sein. Alles Andere &ldquo;h&auml;tte ich gerne&rdquo;, mu&szlig; es aber nicht.<\/p><p>Wer eine Fremdsprache richtig lernen will, der mu&szlig; zuerst seine Muttersprache vollst&auml;ndig beherrschen. Das ist die Erkenntnis von Sprachwissenschaft, die dazu f&uuml;hren m&uuml;&szlig;te, da&szlig; man zuerst die eigene Sprache und dann erst die Fremdsprache lernt. Das spielt besonders bei Migranten &amp; Fl&uuml;chtlingen eine wichtige Rolle. Sonst werden Sprachen unvollst&auml;ndig gelernt. Gerade bei Relativpronomen, die in anderen Sprachen anders oder gar nicht verwendet werden, gibt es immer wieder erheiternde Aussagen: der Bett, die Bauchnabel, der Ger&auml;t&hellip;<\/p><p>Manche Gewohnheiten sind nur schwer abzulegen, besonders dann, wenn sie f&uuml;r viele Jahre oder gar Jahrzehnte gelebt werden.<\/p><p>Besonders beliebt bei Sprachpuristen sind folgende Seiten:<\/p><ul>\n<li><a href=\"http:\/\/www.seidseit.de\/\" target=\"_top\" rel=\"noopener noreferrer\">www.seidseit.de<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.deppenleerzeichen.de\/\" target=\"_top\" rel=\"noopener noreferrer\">www.deppenleerzeichen.de<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/sockenseite.de\/usenet\/plenken.html\" target=\"_top\" rel=\"noopener noreferrer\">sockenseite.de\/usenet\/plenken.html<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/krank.de\/apostrophitis\/\" target=\"_top\" rel=\"noopener noreferrer\">krank.de\/apostrophitis\/<\/a><\/li>\n<\/ul><p>Zum Abschlu&szlig; noch etwas Erheiterndes:<\/p><p><a href=\"http:\/\/www.ithinkispider.com\/\" target=\"_top\" rel=\"noopener noreferrer\">www.ithinkispider.com\/<\/a><\/p><p>Ich glaub&rsquo;, ich spinne!<\/p><p>Hei&szlig;t es nun &ldquo;Moin&rdquo;, oder kann man auch &ldquo;Moin, moin&rdquo; sagen? Gilt man als &ldquo;Schw&auml;tzer&rdquo;, wenn man &ldquo;Moin&rdquo; verdoppelt? Interessanter Hintergrund zu dieser Gru&szlig;form:<\/p><p><a href=\"https:\/\/www.nordsee-seo.de\/redewendung-moin\/\" target=\"_top\" rel=\"noopener noreferrer\">nordsee-seo.de\/redewendung-moin\/<\/a><\/p><p>Meinen Dank an Albrecht M&uuml;ller &amp; die NachDenkSeiten, auch abseits von politischen &amp; wirtschaftlichen Abgr&uuml;nden ein ganz anderes Thema aufzugreifen. Das tut der Seele gut.<\/p><p>Viele Gr&uuml;&szlig;e &amp; einen sch&ouml;nen Feiertag w&uuml;nscht<\/p><p>Michael Schauberger<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>23. Leserbrief und noch einer zusammengef&uuml;gt:<\/strong><\/p><p>chatten, liken, gendern, bloggen, taggen, checken, controllen, cool<\/p><p>hot Stuff, shot (f&uuml;r Bier mit Schaps), Challenge, doxxen, Taschengeld dumping,<\/p><p>how to create a Loch in the Zentrum (Fu&szlig;ballBericht)<\/p><p>Ich gebe auf &ndash; je mehr ich suche, desto mehr finde ich. Grauenhaft die Verhunzung unserer Sprache<\/p><p>LG der Pilz<\/p><p>von unserem Leser B.P.<\/p><p>User<br>\nwork-live-balance<br>\nservice-point<br>\nopen<br>\nsale<br>\nlife-styl<br>\nbranchen<br>\nhighlight<br>\nempowerment<br>\nnews<br>\nticketshop<br>\noutsider<br>\nart guide<br>\nheadset<br>\ntalkprogramm<br>\ncompliance<br>\nfokussieren<br>\ninsider<br>\nfacility management<\/p><p>von unserer Leserin E.F.<\/p><p>So, das war&rsquo;s. Wir haben mit den beiden Sammlungen zum Wandel unserer Sprache insgesamt mehr als 75 Leserbriefe ver&ouml;ffentlicht &ndash; mit einer F&uuml;lle von Anregungen. A.M.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Anmerkung zur Korrespondenz mit den NachDenkSeiten<\/strong><\/p><p>Die NachDenkSeiten freuen sich &uuml;ber Ihre Zuschriften, am besten in einer angemessenen L&auml;nge und mit einem eindeutigen Betreff.<\/p><p>Es gibt die folgenden E-Mail-Adressen:<\/p><ul>\n<li><a href=\"mailto:leserbriefe@nachdenkseiten.de\">leserbriefe(at)nachdenkseiten.de<\/a> f&uuml;r Kommentare zum Inhalt von Beitr&auml;gen.<\/li>\n<li><a href=\"mailto:hinweise@nachdenkseiten.de\">hinweise(at)nachdenkseiten.de<\/a> wenn Sie Links zu Beitr&auml;gen in anderen Medien haben.<\/li>\n<li><a href=\"mailto:videohinweise@nachdenkseiten.de\">videohinweise(at)nachdenkseiten.de<\/a> f&uuml;r die Verlinkung von interessanten Videos.<\/li>\n<li><a href=\"mailto:redaktion@nachdenkseiten.de\">redaktion(at)nachdenkseiten.de<\/a> f&uuml;r Organisatorisches und Fragen an die Redaktion.<\/li>\n<\/ul><p>Weitere Details zu diesem Thema finden Sie in unserer &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?page_id=47939\">Gebrauchsanleitung<\/a>&ldquo;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=114247\">In diesem Beitrag<\/a> hat Albrecht M&uuml;ller die Entwicklung der deutschen Sprache hinterfragt. Eine erste Leserbrief-Sammlung dazu ist <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=114567\">hier<\/a> ver&ouml;ffentlicht worden. Zu dem Artikel haben wir noch weitere E-Mails erhalten. Einige beziehen sich auch auf einzelne Leserbriefe. Wir danken f&uuml;r die weiteren interessanten Zuschriften. Es folgt nun eine Auswahl der Leserbriefe. F&uuml;r Sie zusammengestellt<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=114889\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[103],"tags":[],"class_list":["post-114889","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-leserbriefe"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/114889","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=114889"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/114889\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":114892,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/114889\/revisions\/114892"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=114889"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=114889"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=114889"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}