{"id":1149,"date":"2006-06-14T14:22:11","date_gmt":"2006-06-14T12:22:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=1149"},"modified":"2016-02-06T10:21:44","modified_gmt":"2016-02-06T09:21:44","slug":"schweden-arbeitslos-und-zeitvertrage-am-laufenden-band-fur-die-18-24-jahrigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1149","title":{"rendered":"Schweden: Arbeitslos und Zeitvertr\u00e4ge am laufenden Band f\u00fcr die 18-24 J\u00e4hrigen"},"content":{"rendered":"<p>In den Diskussionen um die Beseitigung der Arbeitslosigkeit werden uns von den so genannten Experten, seien sie als Politiker oder auch als Journalisten verkleidet, die so erfolgreichen Modelle aus anderen L&auml;ndern vor Augen gehalten. Der Schwedenkorrespondent von Le Monde, Olivier Truc gibt in einem Artikel vom 8. April 2006 einen Eindruck vom ach so gelobten Schweden. Josef Martin, einer unserer Leser, hat uns diesen Beitrag &uuml;bertragen.<br>\n<!--more--><br>\nDie 23 J&auml;hrige Fia Gumpel hat gerade ihre Stelle als Verk&auml;uferin, die sie seit Februar in einer Stockholmer Modeboutique hatte, verloren. Eine Kurzarbeitsstelle nach vielen anderen. Den letzten 14-Stunden Arbeitsvertrag pro Woche hatte ihr eine Agentur f&uuml;r zeitlich befristete Arbeit vermittelt. &bdquo;Es gibt so viele Jugendliche, die solche Stellen suchen, dass man ohne Beziehungen fast keine findet. Manchmal gibt es 300 Nachfragen f&uuml;r eine Stelle.&ldquo;<\/p><p>Nach dem Gymnasium und einer Ausbildung in Informatik trat die junge Schwedin vor drei Jahren ins Berufsleben und immer wieder wurde sie arbeitslos. &bdquo;Ganz wenige Jugendliche erhalten eine unbefristete feste Anstellung. Ich meine, dass es in Schweden zu einfach ist zu entlassen. Mein Wunsch w&auml;re, dass man alle Formen von befristeten Vertr&auml;gen abschafft.&ldquo; Die zeitlich befristeten Vertr&auml;ge sind das allt&auml;gliche Los von immer mehr Schweden, Vertr&auml;ge, die von Monat zu Monat verl&auml;ngert werden, manchmal sogar in k&uuml;rzeren Abst&auml;nden.<\/p><p>&bdquo;Ohne Ank&uuml;ndigung k&ouml;nne sie euch von heute auf morgen rausschmei&szlig;en. Ich habe das zwei Jahre lang erlebt&ldquo;, sagt Fia Gumpel.<\/p><p>&bdquo;Rund 40 % der Gewerkschaftsmitglieder unter 30 Jahren haben einen Arbeitsvertrag ohne gen&uuml;genden K&uuml;ndigungsschutz: das ist eine zu hohe Zahl&ldquo;, bemerkt Johan Ingelskog, ein Vertreter des Gewerkschaftsbundes, in dem 80 % der schwedischen Arbeiter Mitglied sind. Das ist eine der Widersinnigkeiten Schwedens, wo die Jugendarbeitslosigkeit bei den 18-24 J&auml;hrigen bei 12 % liegt (das ist doppelt so viel wie der Durchschnitt auf Landesebene) und wo die Jugend unter einer zunehmenden Verarmung leidet.<\/p><p>Das Land hat einen eher liberalen Arbeitsmarkt, denn das staatliche Arbeitsrecht ist recht d&uuml;nn. Alle Einzelheiten werden in Tarifvertr&auml;gen zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften ausgehandelt. &bdquo;Und diese Vertr&auml;ge sind oft flexibler als die Gesetzgebung&ldquo;, betont Carl Klingt, der f&uuml;r die Jugendlichen zust&auml;ndige Mann beim Arbeitsamt.<\/p><p>Die Gewerkschaften allerdings glauben, dass die Arbeitspl&auml;tze gut gesch&uuml;tzt sind und dass es schwierig ist zu entlassen; eine Meinung, die auch die rechten Parteien vertreten, die in das Arbeitsrecht einen Zusatz einf&uuml;hren m&ouml;chten, der f&uuml;r jugendliche Einsteiger in das Arbeitsleben eine K&uuml;ndigung ohne Begr&uuml;ndung, und das auf zwei Jahre, m&ouml;glich macht. Probezeiten von sechs Monaten sind bereits die Regel. Der K&uuml;ndigungsschutz betrifft ausschlie&szlig;lich die unbefristeten Arbeitsvertr&auml;ge. Ob befristete Vertr&auml;ge oder Vertr&auml;ge &uuml;ber Halbtagsarbeit verl&auml;ngert oder gek&uuml;ndigt werden, h&auml;ngt allein von der Lust und Laune der Arbeitgeber ab, die hier eine unbeschr&auml;nkte Handlungsfreiheit genie&szlig;en.<\/p><p>&bdquo;Immer mehr Jugendliche wechseln Jahre lang von einem befristeten Arbeitsvertrag in den n&auml;chsten und das manchmal im gleichen Unternehmen&ldquo;, r&auml;umt Fredrik M&ouml;ller, Berater in einem Stockholmer Arbeitsamt, ein. <\/p><p>&bdquo;Der gute Schutz der unbefristeten Arbeitsvertr&auml;ge f&uuml;hrte seit der Krise der 1990er Jahre, als die Arbeitslosigkeit stark angestiegen war, dazu dass die Zahl der befristeten Arbeitsvertr&auml;ge anstieg, was es den Unternehmen erm&ouml;glichte, das K&uuml;ndigungsgesetz zu umgehen&ldquo;, sagt bedauernd Jonas Franzen, ein 30j&auml;hriger Arbeitsloser aus eine Kleinstadt in S&uuml;dschweden.<\/p><p>&bdquo;Die Gesetze passen nicht mehr zu dieser Art von Vertr&auml;gen und zu der H&auml;ufung der Kurzarbeitsagenturen&ldquo;. &bdquo;Immer mehr Jugendliche haben kein Geld, um sich eine Wohnung zu leisten. Sie bleiben bei ihren Eltern oder m&uuml;ssen sich eine Wohnung teilen, bzw. sie m&uuml;ssen sich &uuml;berschulden&ldquo;, meint Peter Palmstierna, der Sprecher des Mieterverbandes, der ohne zu z&ouml;gern von einer &bdquo;verlorenen Jugend&ldquo; spricht.\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den Diskussionen um die Beseitigung der Arbeitslosigkeit werden uns von den so genannten Experten, seien sie als Politiker oder auch als Journalisten verkleidet, die so erfolgreichen Modelle aus anderen L&auml;ndern vor Augen gehalten. Der Schwedenkorrespondent von Le Monde, Olivier Truc gibt in einem Artikel vom 8. 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