{"id":1150,"date":"2006-04-03T14:22:12","date_gmt":"2006-04-03T12:22:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=1150"},"modified":"2016-02-14T16:15:57","modified_gmt":"2016-02-14T15:15:57","slug":"zu-gerhard-schroder-und-kollegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1150","title":{"rendered":"Der arme Gerhard Schr\u00f6der &#8211; ganz allein am Pranger! Ein Skandal!"},"content":{"rendered":"<p>Heute muss ich Gerhard Schr&ouml;der in Schutz nehmen. Dass er &ndash; wegen seines Engagements f&uuml;r die Ostsee-Gasleitung &ndash; alleine am Pranger steht, das ist wirklich ungerecht. Die Herren Wulff und Westerwelle sollten etwas vorsichtiger sein. Kohl und eine ganze Latte anderer Politiker von CDU und CSU haben von politischen Entscheidungen, die zu unseren Lasten gingen, profitiert. Genauso wie M&ouml;llemann, von Lambsdorff und andere FDP-Gr&ouml;&szlig;en. Diese Art von Korruption wuchert. Im einzelnen siehe Ausz&uuml;ge aus &bdquo;Machtwahn. Wie eine mittelm&auml;&szlig;ige F&uuml;hrungselite und zugrunde richtet&rdquo;.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Ausz&uuml;ge aus &bdquo;Machtwahn. Wie eine mittelm&auml;&szlig;ige F&uuml;hrungselite und zugrunde richtet&rdquo;: Zu Gerhard Schr&ouml;der und Kollegen<\/strong><\/p><p><strong>Wege zum Geld: Die schnellen Umsteiger &ndash; mit Umsicht vorbereitet?<\/strong><\/p><p><strong>Gerhard Schr&ouml;der<\/strong> (SPD) schlie&szlig;t als Bundeskanzler in unserem Auftrag einen Vertrag mit Russland &uuml;ber den Bau einer Pipeline und wird unmittelbar anschlie&szlig;end zum Aufsichtsratsvorsitzenden des deutsch-russischen Gaspipeline-Konsortiums nominiert, das diese Pipeline durch die Ostsee bauen soll.<br>\nVon dem ehemaligen Bundeswirtschaftsminister und FDP-Vorsitzenden <strong>Martin Bangemann<\/strong> wissen wir, dass er 1999 unmittelbar im Anschluss an sein Amt als EU-Kommissar in Br&uuml;ssel, als der er f&uuml;r Industriepolitik einschlie&szlig;lich Telekommunikation zust&auml;ndig war, sein politisches Insiderwissen gegen viel Geld bei der spanischen Telefonica einsetzen wollte, die wiederum von den in Bangemanns Amtszeit getroffenen Br&uuml;sseler Liberalisierungsentscheidungen profitierte. Das hatte einen so penetranten Beigeschmack, dass die Europ&auml;ische Union ein Verfahren gegen ihn vor dem Europ&auml;ischen Gerichtshof anstrengte, mit dem Ziel, Bangemann seine Pensionsanspr&uuml;che abzuerkennen. Die Klage wurde zur&uuml;ckgezogen, nachdem Bangemann drei ziemlich belanglose Zusagen gemacht hatte. So wurde der Beginn der offiziellen Arbeitsaufnahme f&uuml;r Telefonica um ein Jahr auf Juli 2000 verschoben. Dieser Fall war sogar Anlass daf&uuml;r, einen (wenngleich zahnlosen) Ehrenkodex f&uuml;r EU-Beamte zu erarbeiten.<\/p><p>(&hellip;)<\/p><p>Otto Wiesheu (CSU) war bis Herbst 2005 Wirtschaftsminister in Bayern und wechselte, unmittelbar nachdem er noch auf seiten der CSU an den Verhandlungen zur Vorbereitung der gro&szlig;en Koalition teilgenommen hatte und sich dabei sehr daf&uuml;r einsetzte, dass der Bund der Deutschen Bahn knapp 4,3 Milliarden Euro f&uuml;r das Streckennetz zur Verf&uuml;gung stellt, in den Vorstand der Bahn AG &ndash; als Beauftragter f&uuml;r &raquo;politische Beziehungen&laquo;. [81]<\/p><p>(&hellip;)<\/p><p>Ehemalige Politikerinnen und Politiker lassen sich von Public-Relations-Agenturen zur Durchsetzung von Interessen ihrer Kunden einspannen. Herausragendes Beispiel daf&uuml;r war der ehemalige und inzwischen verstorbene FDP Bundestagsab-geordnete und Wirtschaftsminister <strong>G&uuml;nter Rexrodt<\/strong>. Er war f&uuml;r die Berliner Lobbyfirma WMP t&auml;tig und hat sich zum Beispiel im Falle der Ministererlaubnis zur &Uuml;bernahme von Ruhrgas durch E.on publizistisch und also meinungsbildend eingeschaltet. F&uuml;r WMP ist auch <strong>Hans-Dietrich Genscher<\/strong> t&auml;tig, er ist als Aktion&auml;r und Aufsichsratsvorsitzender von Anfang an dabei; heute ist er Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrats. WMP Eurocom, kurz WMP genannt, mit Sitz in Berlin, betreibt Kommunikationsberatung in den Bereichen Wirtschaft, Medien und Politik. Hauptaktion&auml;re waren zu Beginn die ehemaligen Bild-Macher Hans-Erich Bilges und Hans-Hermann Tiedje. Auch Roland Berger ist an der Aktiengesellschaft beteiligt; er hat die Aktien von Bilges &uuml;bernommen und ist heute Aufsichtsratsvorsitzender. Im Vorstand und Aufsichtsrat von WMP Eurocom sind noch andere bekannte Pers&ouml;nlichkeiten aus Medien und Politik vertreten &ndash; so der SPD-Abgeordnete <strong>Peter Danckert<\/strong> und <strong>Rupert Scholz<\/strong> von der CDU. Der fr&uuml;here Vorsitzende des Bundestagsausschusses f&uuml;r Wirtschaft und Arbeit Rainer Wend war engagiert, legte aber 2003 sein Aufsichtsratsmandat nieder.<br>\nDie WMP ist durch den R&uuml;cktritt des Leiters der Bundesagentur f&uuml;r Arbeit in die Schlagzeilen geraten. Florian Gerster hatte ohne Ausschreibung Bernd Schiphorst von WMP als Berater engagiert. Die Honorarh&ouml;he von 1,3 Millionen Euro war f&uuml;r dieses Verfahren etwas zu hoch.<br>\nVon <strong>Otto Graf Lambsdorff<\/strong> (FDP), der als Wirtschaftsminister wegen einer Anklage wegen Bestechlichkeit in der Flick-Aff&auml;re zur&uuml;cktreten musste, wissen wir, dass er lange Zeit f&uuml;r die Versicherungswirtschaft in Aufsichtsr&auml;ten t&auml;tig war; er wirbt sogar mit seinem Konterfei in Anzeigen f&uuml;r die Privatvorsorge.<\/p><p>(&hellip;)<\/p><p><strong>Wege zum Geld: Politiker haben das Land umgekrempelt &ndash; zum Nachteil von uns allen und zu ihrem Vorteil:<\/strong><\/p><p>Die <strong>Regierung Kohl<\/strong> hat nach der politischen Wende von 1982 Milliarden &ouml;ffentlicher Gelder f&uuml;r die Verkabelung und f&uuml;r Propaganda zugunsten der Kommerzialisierung des Fernsehens und des H&ouml;rfunks ausgegeben und zugleich die politischen Entscheidungen f&uuml;r diese kultur- und familienpolitisch folgenreiche Weichenstellung getroffen. Nach Informationen des Focus soll Altkanzler <strong>Helmut Kohl<\/strong> (CDU) von einem der Beg&uuml;nstigten, Leo Kirch, f&uuml;r Beratert&auml;tigkeit von 1999 bis 2002 umgerechnet etwas &uuml;ber 400 000 Euro pro Jahr erhalten haben. [89] Zus&auml;tzlich erhielt Helmut Kohl nach seiner Amtszeit 100 000 Schweizer Franken im Jahr von der Schweizer Gro&szlig;bank Credit Suisse f&uuml;r seine T&auml;tigkeit als Berater, so Focus. Er war Mitglied im internationalen Beirat. [90]<br>\nNach Mitteilung des Spiegel hatten auch andere ehemalige Minister vertragliche Beziehungen mit Kirch: die ehemaligen Postminister <strong>Christian Schwarz-Schilling<\/strong> (CDU) &ndash; &uuml;ber seine Firma Dr. Schwarz-Schilling GmbH &ndash; und <strong>Wolfgang B&ouml;tsch<\/strong> (CSU), der ehemalige Finanzminister <strong>Theo Waigel<\/strong> (CSU) und der fr&uuml;here Verteidigungsminister <strong>Rupert Scholz<\/strong> (CDU) sowie der ehemalige Vizekanzler und Wirtschaftsminister <strong>J&uuml;rgen M&ouml;llemann<\/strong> (FDP). [91] Panorama wollte von Helmut Kohl und Wolfgang B&ouml;tsch Genaueres wissen und von Friedrich Merz und Angela Merkel ihre Bewertung des Vorgangs kennenlernen. Kohl reagierte aggressiv. Die anderen schwiegen. Kurt Beck, der Ministerpr&auml;sident von Rheinland-Pfalz kommentierte so: &raquo;Niemand zahlt 800 000 Mark oder 300 000 Mark, dazwischen lagen ja wohl die Vertr&auml;ge, f&uuml;r nichts. Das kann ich mir nicht vorstellen. Da muss es also Interessen gegeben -haben, die verflochten worden sind.&laquo; [92]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute muss ich Gerhard Schr&ouml;der in Schutz nehmen. Dass er &ndash; wegen seines Engagements f&uuml;r die Ostsee-Gasleitung &ndash; alleine am Pranger steht, das ist wirklich ungerecht. Die Herren Wulff und Westerwelle sollten etwas vorsichtiger sein. Kohl und eine ganze Latte anderer Politiker von CDU und CSU haben von politischen Entscheidungen, die zu unseren Lasten gingen,<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1150\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[130,14],"tags":[1695,300,411],"class_list":["post-1150","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-drehtuer-politik-und-wirtschaft","category-veroffentlichungen-der-herausgeber","tag-machtwahn","tag-mueller-albrecht","tag-schroeder-gerhard"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1150","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1150"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1150\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":31220,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1150\/revisions\/31220"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1150"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1150"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1150"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}