{"id":115036,"date":"2024-05-10T10:56:37","date_gmt":"2024-05-10T08:56:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=115036"},"modified":"2026-01-27T11:44:58","modified_gmt":"2026-01-27T10:44:58","slug":"bap-saenger-will-frieden-mit-waffen-schaffen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=115036","title":{"rendered":"BAP-S\u00e4nger will Frieden mit Waffen schaffen"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Frieden schaffen ohne Waffen, das funktioniert leider nicht&ldquo; &ndash; das sagte BAP-S&auml;nger Wolfgang Niedecken <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/pop\/plus251398818\/Wolfgang-Niedecken-Als-ich-zuletzt-wieder-die-Ostermarschierer-sah-taten-sie-mir-richtig-leid.html\">in einem aktuellen Interview<\/a> mit der <em>WELT<\/em>. In dem Gespr&auml;ch geht es um die Musik Niedeckens, aber auch um die Weltpolitik. Zum Vorschein kommt das politische Realit&auml;tsverst&auml;ndnis eines gro&szlig;en Musikers, dessen Wissen &uuml;ber geostrategische Zusammenh&auml;nge und die dreckige Tiefenpolitik des Westens von bemerkenswert kleiner Gestalt ist. Am Ende des Interviews steht dann ein Seitenhieb in Richtung Ostermarschierer von einem, der erkl&auml;ren will, der aber nichts verstanden hat. Ein Kommentar von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5862\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-115036-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240510_BAP_Saenger_will_Frieden_mit_Waffen_schaffen_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240510_BAP_Saenger_will_Frieden_mit_Waffen_schaffen_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240510_BAP_Saenger_will_Frieden_mit_Waffen_schaffen_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240510_BAP_Saenger_will_Frieden_mit_Waffen_schaffen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=115036-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240510_BAP_Saenger_will_Frieden_mit_Waffen_schaffen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"240510_BAP_Saenger_will_Frieden_mit_Waffen_schaffen_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>&bdquo;Verdammt lang her, verdammt lang, verdammt lang her&ldquo; &ndash; so lautet der Refrain des wohl bekanntesten Liedes von BAP. Das war 1981. Ja, das ist wirklich &bdquo;verdammt lang her!&ldquo; 43 Jahre. Viel Zeit ist seitdem vergangen. Die fr&uuml;hen 80er: Das war die Zeit der Aufr&uuml;stung, der Stationierung neuer Atomraketen in Mitteleuropa, des NATO-Doppelbeschlusses, aber auch der gro&szlig;en Proteste gegen das Wettr&uuml;sten. Hunderttausende waren damals auf den Stra&szlig;en und bekundeten ihren Unmut. Was viele vergessen haben oder gar nicht wissen: Es gab einen Mann mit Namen Stanislaw Petrow. Er war Oberst in der russischen Armee. Als im Oktober 1983 die Computersysteme einen Atomangriff der Amerikaner meldeten, war Petrow der Mann, der am &bdquo;roten Knopf&ldquo; sa&szlig;. Petrow misstraute der Meldung. Er dr&uuml;ckte den Knopf nicht, der den russischen Gegenschlag mit Atomraketen ausgel&ouml;st h&auml;tte. Deshalb kann der BAP-S&auml;nger heute in einem Interview den Kopf dar&uuml;ber sch&uuml;tteln, dass Ostermarschierer, wie er sagt, &bdquo;die Friedenstauben hochhalten&ldquo;, oder sagen: &bdquo;Heute muss Deutschland daf&uuml;r sorgen, dass wenn die Ukraine schon den Blutzoll bezahlt &ndash; sie von uns mit den notwendigen Waffen versorgt wird, damit Russland diesen Krieg nicht gewinnt.&ldquo;<\/p><p>Gewiss: Damals ist nicht heute. Aber wer will ernsthaft infrage stellen, dass der Geist des Friedens heute mindestens so notwendig ist wie damals? Wir schreiben das Jahr 2024. Und ein direkter Krieg zwischen Russland und NATO r&uuml;ckt immer n&auml;her. F&uuml;r einen politisch interessierten B&uuml;rger &ndash; wie es Niedecken offensichtlich ist &ndash; sollte nicht schwer zu erkennen sein: Die Konfrontation mit Russland &ndash; einer Atommacht &ndash; ist ein unverantwortliches, hochgef&auml;hrliches &bdquo;Spiel&ldquo; mit dem Feuer. Wenn dieses Feuer richtig entfacht wird, dann verbrennen nicht nur die, die dieses &bdquo;Spiel spielen&ldquo;, dann verbrennen wir alle.<\/p><p>Der Einmarsch Russlands in die Ukraine ist das eine. Das andere sind die geostrategischen und machtpolitischen Hintergr&uuml;nde sowohl von russischer als auch westlicher Seite. Das eine h&auml;ngt mit dem anderen zusammen. Ohne das eine g&auml;be es das andere nicht. Das zu verstehen, ist nicht schwer. Man muss kein Professor der Politikwissenschaft sein, um zu begreifen: Dieser Krieg ist nicht aus dem luftleeren Raum entstanden. Er ist kein Akt Putin&rsquo;scher Selbstzeugung. <\/p><p>Niedecken tr&auml;gt mit viel Leidenschaft und noch mehr &Uuml;berzeugung in dem Interview vor. Die geostrategischen Interessen des Westens, sein tiefenpolitisches Agieren in der Ukraine scheinen Niedecken v&ouml;llig fremd. Der BAP-S&auml;nger sieht sich &ndash; das zeigen seine Worte &ndash; als informierter, kritischer Beobachter. Und nicht nur das. Er versteht sich auch in der Rolle des Mahners. &bdquo;Die Menschen sollten sich gef&auml;lligst vern&uuml;nftig informieren&ldquo; und sich zu informieren, sei eben &bdquo;Arbeit&ldquo;, die man sich machen m&uuml;sse. &bdquo;Ich lese st&auml;ndig viele Zeitungen, versuche, die Zusammenh&auml;nge zu verstehen.&ldquo;<\/p><p>Zusammenh&auml;nge verstehen &ndash; das ist ein guter Ansatz. Bei dem Versuch allerdings zu scheitern &ndash; das ist denkbar schlecht. Niedecken ist gescheitert. Gescheitert daran zu verstehen, dass es einen Unterschied zwischen der Medienwirklichkeit, die er in den Zeitungen, die er liest, findet, und der Realit&auml;t gibt. Der BAP-S&auml;nger redet &uuml;ber den Kosovo-Krieg, findet, dass die Farbbeutel-Attacke, damals, auf Joschka Fischer falsch war. Er sei schon damals auf Fischers Seite gewesen. <a href=\"https:\/\/www.dailymotion.com\/video\/x29w01f\">&bdquo;Es begann mit einer L&uuml;ge&ldquo;<\/a> &ndash; das hat Niedecken offensichtlich bis heute nicht verstanden.<\/p><p>Information ist eine Holschuld. Es reicht nicht aus, &bdquo;viele Zeitungen&ldquo; zu lesen. Wer sich wirklich informieren will, muss bereit sein, &uuml;ber den Tellerrand seiner eigenen &Uuml;berzeugungen hinauszuschauen. Er muss begreifen, dass Zeitungen\/Medien nicht in einem interessenfreien Raum agieren; dass sie Kampf- und Machtmittel bei der Durchsetzung von politischen Interessen sind; dass ihre &bdquo;Berichterstattung&ldquo; zu oft politisch und weltanschaulich kontaminiert ist.<\/p><p>Niedecken redet so, als m&uuml;sste man ihm die Grundlagen einer kritischen Mediennutzung an der Tafel erkl&auml;ren. &bdquo;Warum in aller Welt soll Amerika das Geld f&uuml;r den Verteidigungsschutz Deutschlands ausgeben, wenn wir in Deutschland selbst lange Zeit nicht die geforderten zwei Prozent unseres Bruttosozialprodukts f&uuml;r die Nato aufgewendet haben?&ldquo;, fragt Niedecken. Deutschland m&uuml;sse &bdquo;in die Puschen kommen&ldquo; und Niedecken merkt leutselig an: &bdquo;So bl&ouml;d das auch ist.&ldquo;<\/p><p>Im Ton des kumpelhaften S&auml;ngers sagt Niedecken: &bdquo;Du kannst dich nicht rausreden und so tun, als g&auml;be es die Bedrohung durch Putin nicht.&ldquo; Und schlie&szlig;lich: &bdquo;Aber Frieden schaffen ohne Waffen, das funktioniert leider nicht. Als ich zuletzt wieder die Ostermarschierer sah, taten sie mir richtig leid: 50 bis 60 Leute, die Friedenstauben hochhielten. Ich dachte mir: &bdquo;Ihr meint es ja gut. Aber relevant ist das nicht.&ldquo;<\/p><p>Mit diesen Worten endet das Interview. Und damit auch der Einblick in die eindimensionale Erfassung der politischen Realit&auml;t eines gro&szlig;en K&uuml;nstlers, dessen Wissen &uuml;ber geostrategische Zusammenh&auml;nge und die dreckige Tiefenpolitik des Westens von bemerkenswert kleiner Gestalt ist.<\/p><p>In der Corona-Krise sagte Niedecken: &bdquo;Es ist asozial, sich nicht impfen zu lassen.&ldquo; Was einigen passiert ist, die sich haben impfen lassen, wissen wir heute. Was passiert, wenn die Politik Niedecken folgte und so letztlich mit noch mehr Waffen den Krieg in der Ukraine zur Eskalation treiben w&uuml;rde: Das wird sich dann wohl keiner mehr in Bildern anschauen k&ouml;nnen. Niedecken war vielleicht mal eine coole Socke. Das ist &bdquo;verdammt lang her, verdammt lang!&ldquo;<\/p><p><small>Titelbild: 360b\/shutterstock.com<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/ec2c87e1b20048cc99c68decc93c7978\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Frieden schaffen ohne Waffen, das funktioniert leider nicht&ldquo; &ndash; das sagte BAP-S&auml;nger Wolfgang Niedecken <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/pop\/plus251398818\/Wolfgang-Niedecken-Als-ich-zuletzt-wieder-die-Ostermarschierer-sah-taten-sie-mir-richtig-leid.html\">in einem aktuellen Interview<\/a> mit der <em>WELT<\/em>. In dem Gespr&auml;ch geht es um die Musik Niedeckens, aber auch um die Weltpolitik. 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