{"id":115046,"date":"2024-05-12T13:00:22","date_gmt":"2024-05-12T11:00:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=115046"},"modified":"2024-05-10T22:02:37","modified_gmt":"2024-05-10T20:02:37","slug":"david-gegen-goliath-der-waffenschmuggel-aus-den-usa-nach-mexiko-und-die-folgen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=115046","title":{"rendered":"David gegen Goliath: Der Waffenschmuggel aus den USA nach Mexiko und die Folgen"},"content":{"rendered":"<p>Die Beziehungen zwischen Mexiko und den USA umfassen eine Reihe von Themen wie Migration, Handel und Sicherheit, einschlie&szlig;lich der Verwaltung der Grenz&uuml;berg&auml;nge, Drogen- und illegaler Waffenhandel, um nur einige zu nennen. In Bezug auf Letzteres ist der symboltr&auml;chtige Pr&auml;zedenzfall in der j&uuml;ngeren Geschichte zweifellos die <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/ATF_gunwalking_scandal\">&bdquo;Operation Fast and Furious&rdquo;<\/a>, die in Mexiko dank der Ermittlungen in den USA und auch aufgrund von Enth&uuml;llungen durch Wikileaks bekannt wurde. Von <strong>Anibal Garc&iacute;a Fern&aacute;ndez<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Fast and Furious, ein Pr&auml;zedenzfall f&uuml;r Interventionen<\/strong><\/p><p>Die Zunahme der illegalen Waffenstr&ouml;me nach Mexiko ist zum Teil darauf zur&uuml;ckzuf&uuml;hren, dass 2004 das bundesweite Verbot von Sturmgewehren in den USA auslief, wodurch sich das Angebot an Gewehren vergr&ouml;&szlig;erte. Zur Veranschaulichung: US-B&uuml;rger besitzen 393,3 Millionen Schusswaffen, die sie in 136.643 Verkaufsstellen erworben haben. 17 Prozent davon, haupts&auml;chlich Gewehre, befinden sich laut dem Bericht &bdquo;Arms Trafficking and Organised Crime. Global trade, local impacts&rdquo; in den S&uuml;dstaaten.<\/p><p>Zwischen 2009 und 2011 f&uuml;hrte die Regierung von Barack Obama &uuml;ber das Amt f&uuml;r Alkohol, Tabak, Feuerwaffen und Sprengstoffe (ATF) die &bdquo;Operation Fast and Furious&rdquo; durch, die die Einfuhr von 2.500 Waffen aus den USA nach Mexiko &uuml;berwachte, die mit einem Chip versehen waren, um ihren Bestimmungsort zu identifizieren und so gegen kriminelle Organisationen vorzugehen. Nichts von alledem wurde erreicht.<\/p><p>Der damalige US-Justizminister Eric Holder bezeichnete die Operation als gescheitert. Obwohl zwei US-Agenten in Mexiko und den USA ermordet wurden, sei es nicht gelungen, gegen kriminelle Organisationen vorzugehen.<\/p><p>Die Gewalt in Mexiko nahm weiter zu und kostete w&auml;hrend der Amtszeit von Felipe Calder&oacute;n (2007 bis 2012) 65.000 Menschen das Leben.<\/p><p>Sch&auml;tzungen zufolge kamen in den letzten zehn Jahren j&auml;hrlich zwischen 213.000 und 230.000 Waffen illegal nach Mexiko. Das hei&szlig;t, dass es in Mexiko mehr als 2,5 Millionen Waffen gibt, die dazu beigetragen haben, dass die Macht der Drogenkartelle zugenommen hat. Diese Sch&auml;tzung hat unter Experten eine Debatte ausgel&ouml;st, da es schwierig ist, eine illegale Aktivit&auml;t zu erfassen.<\/p><p>Die Strategie der mexikanischen Regierung seit 2007, als der Krieg gegen die Drogen im Rahmen der&nbsp;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/M%C3%A9rida_Initiative\">Merida-Initiative<\/a>&nbsp;ausgerufen wurde, bestand darin, die Organisationen des Drogenhandels milit&auml;risch zu bek&auml;mpfen, au&szlig;erdem in der Beschlagnahmung und Vernichtung von Waffen und vor allem der Unterzeichnung von Abkommen mit den USA in milit&auml;rischen und sicherheitspolitischen Fragen. Eine Strategie, die f&uuml;r Mexiko in sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht gescheitert ist, aber f&uuml;r die USA sehr effektiv war, da sie &Auml;nderungen in der mexikanischen Gesetzgebung, eine gr&ouml;&szlig;ere Ann&auml;herung in Bereichen wie Sicherheit, Drogenhandel, Handel und sogar im Justizwesen bewirkte.<\/p><p><strong>Die vierte Transformation und der Strategiewechsel<\/strong><\/p><p>Zur Strategie der aktuellen Regierung geh&ouml;rt die Einreichung einer Klage in Arizona\/USA gegen elf R&uuml;stungsunternehmen, die durch nachl&auml;ssige Gesch&auml;ftspraktiken Waffenverk&auml;ufe nach Mexiko erm&ouml;glichen, die dann an kriminelle Organisationen gehen. Au&szlig;erdem wird &uuml;ber multilaterale Kan&auml;le insbesondere auf den Interamerikanischen Gerichtshof f&uuml;r Menschenrechte Druck ausge&uuml;bt, damit er zum Waffenhandel Stellung nimmt. Die grundlegenden Ursachen der Gewalt werden mit sozialen Programmen bek&auml;mpft. Und im Rahmen einer bilateralen Strategie mit den USA soll die Beendigung der M&eacute;rida-Initiative erreicht und die Zweihundertjahr-Vereinbarung (<a href=\"https:\/\/consulmex.sre.gob.mx\/orlando\/index.php\/avisos\/114-entendimiento-bi\">Entendimiento Bicentenario<\/a>) umgesetzt werden, die die militaristische Logik des Kampfes gegen den Drogenhandel &auml;ndert. Diese st&ouml;&szlig;t aber in den USA auf Zur&uuml;ckhaltung, da sie eine st&auml;rkere Kontrolle der Waffenverk&auml;ufe beinhaltet.<\/p><p>Im Rahmen dieser Vereinbarung wurde 2022 die Binationale Gruppe gegen den Waffenhandel gebildet, der die verschiedenen Sicherheits- und Strafverfolgungsbeh&ouml;rden beider L&auml;nder angeh&ouml;ren. Ziel ist es, die Beschlagnahmung auf beiden Seiten der Grenze zu erh&ouml;hen. Zwischen 2019 und 2023 beschlagnahmte die mexikanische Regierung etwas mehr als 50.000 Waffen, was einem Anstieg von 165 Prozent gegen&uuml;ber dem Zeitraum 2014 bis 2018 entspricht.<\/p><p>Die sozialen Kosten des ungebremsten Zustroms von Waffen sind alarmierend: 70 Prozent der vors&auml;tzlichen T&ouml;tungsdelikte in Mexiko werden mit aus den USA importierten Waffen ver&uuml;bt. Die Bem&uuml;hungen der mexikanischen Regierung zeigen sich im R&uuml;ckgang verschiedener Straftaten, vor allem bei den vors&auml;tzlichen T&ouml;tungsdelikten, die im Jahr 2023 im Vergleich zu 2018 um 24,7 Prozent zur&uuml;ckgingen.<\/p><p>Die US-Regierung hat ihrerseits die Initiative &bdquo;Entwaffnung der Kartelle&rdquo; vorgeschlagen, die das Heimatschutzministerium anweist, transnationale kriminelle Organisationen, die f&uuml;r den Export von Waffen verantwortlich sind, zu identifizieren und zu zerschlagen. Trotz dieser Bem&uuml;hungen kommen die Waffen weiterhin haupts&auml;chlich &uuml;ber Texas, den Bundesstaat, aus dem 50 Prozent der illegal nach Mexiko geschmuggelten Waffen stammen.<\/p><p>Im Rahmen des von Mexiko, Kanada und den USA gebildeten Trilateralen Fentanyl-Ausschusses (Comit&eacute; Trilateral de Fentanilo) wurde 2024 vorgeschlagen, die Hauptrouten des illegalen Handels und die Wege des Waffentransfers zu ermitteln und die Zusammenarbeit Mexikos mit dem ATF zu verst&auml;rken.<\/p><p>In der j&uuml;ngeren Geschichte der USA hat der Milit&auml;risch-Industrielle Komplex als Element gedient, die Profite privater Unternehmen durch Ankurbelung der Wirtschaft zu steigern, allerdings zu sehr hohen menschlichen und sozialen Kosten. Nach Angaben der Vereinten Nationen bel&auml;uft sich der Umsatz allein auf dem illegalen Waffenmarkt auf 170 bis 320 Millionen Dollar im Jahr 2022, das entspricht zwischen zehn und 20 Prozent des legalen Marktes.<\/p><p>Es ist wichtig zu erw&auml;hnen, dass sowohl Privatunternehmen als auch Organisationen die wichtigsten Geldgeber der demokratischen und republikanischen Parteikampagnen sind. Zwischen 2021 und 2023 haben R&uuml;stungsunternehmen rund 433 Millionen Dollar f&uuml;r Lobbyisten auf Bundesebene ausgegeben, wobei Boeing, Lockheed Martin und General Dynamics nach Angaben von Open Secrets die wichtigsten Geldgeber sind. Sie sind auch die wichtigsten Lobbyisten im US-Kongress und in den Gerichten der Bundesstaaten.<\/p><p>Mexiko ist mit diesen Giganten konfrontiert, die heute an zwei gro&szlig;e Kriegsfronten in der Ukraine und im Gazastreifen stehen.<\/p><p><em>&Uuml;bersetzung: <a href=\"https:\/\/amerika21.de\/analyse\/269403\/gewalt-mexiko\">Cristina Velasco Prieto, Amerika21<\/a><\/em><\/p><p><small>Titelbild: Shutterstock \/ quiggyt4<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<p><strong>Mehr zum Thema:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=95143\">Nach Drohung mit Milit&auml;rintervention: Streit zwischen Mexiko und USA eskaliert<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=94260\">Politischer Paukenschlag: Pr&auml;sident von Mexiko verstaatlicht Lithium-Vorkommen<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=88255\">W&auml;hrend EU und USA mehr Waffen schicken, pr&auml;sentiert Pr&auml;sident von Mexiko Friedensinitiative zur Beendigung des Ukraine-Krieges<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=92739\">Stimmen aus Lateinamerika: Die Einmischung der USA geht unvermindert weiter<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ssl-vg03.met.vgwort.de\/na\/b8b3b2f2efa840fcb0ed027d9937eff1\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\" title=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Beziehungen zwischen Mexiko und den USA umfassen eine Reihe von Themen wie Migration, Handel und Sicherheit, einschlie&szlig;lich der Verwaltung der Grenz&uuml;berg&auml;nge, Drogen- und illegaler Waffenhandel, um nur einige zu nennen. 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