{"id":1151,"date":"2006-04-17T14:27:37","date_gmt":"2006-04-17T12:27:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=1151"},"modified":"2016-02-11T12:33:40","modified_gmt":"2016-02-11T11:33:40","slug":"einfuhrung-zur-buchvorstellung-und-zum-streitgesprach-uber-machtwahn-wie-eine-mittelmasige-fuhrungselite-uns-zugrunde-richtet-am-1142006-in-der-kulturbrauerei-schonhauser-allee-berli","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1151","title":{"rendered":"Einf\u00fchrung zur Buchvorstellung und zum Streitgespr\u00e4ch \u00fcber \u201eMachtwahn. Wie eine mittelm\u00e4\u00dfige F\u00fchrungselite uns zugrunde richtet.\u201c am 11.4.2006 in der Kulturbrauerei, Sch\u00f6nhauser Allee, Berlin"},"content":{"rendered":"<p>Guten Abend, meine sehr verehrten Damen und Herren,<br>\n<!--more--><\/p><ol>\n<li>Dass der Chefredakteur der Welt am Sonntag, Christoph Keese, und der Vorsitzende der IG Metall, J&uuml;rgen Peters die Vorstellung meines Buches mit einem hoffentlich heftigen Disput bereichern, freut mich au&szlig;erordentlich. Vielen Dank Ihnen beiden und unserem Moderator, Herrn Eichhorn vom RBB. Stoff gibt es sowohl in meinem Buch als auch in der aktuellen Politik und Tarifauseinandersetzung reichlich. Es wird uns nicht langweilig werden.<\/li>\n<li><strong>Mein Verlag, der Droemer Verlag aus M&uuml;nchen pr&auml;sentiert Ihnen heute mit mir einen echten Verschw&ouml;rungstheoretiker.<\/strong> Zu Ihrem Vergn&uuml;gen w&uuml;rde ich diese Rolle ja auch gerne spielen und biete zu diesem Zweck selektiv wahrnehmenden Rezensenten eine F&uuml;lle von Stoff. Ich beschreibe zum Beispiel die Wege unserer Eliten zum schnellen Geld. Noch schrecklicher: Ich nenne die Namen jener, die zum Beispiel an der Zerst&ouml;rung des Vertrauens in eine wichtige soziale Einrichtung, die solidarische Altersvorsorge, beteiligt sind. Dabei engagieren sich ehrenwerte Leute:\n<ul>\n<li>Politiker zum Beispiel, indem sie unseren Sozialversicherungen massenweise versicherungsfremde Leistungen aufbrummen; auch mit der Erh&ouml;hung des Renteneintrittsalters haben sie bei der Erosion des Vertrauens in die gesetzliche Rente ganze Arbeit geleistet;<\/li>\n<li>Es engagieren sich viele Wissenschaftler; sie beteiligen sich als Berater, Aufsichtsratsmitglieder und Vortragsreisende von Versicherungskonzernen und Finanzdienstleistern am gro&szlig;en Zerst&ouml;rungswerk.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Sie finden in meinem Buch Belege und Dokumente daf&uuml;r, wie sich zum Beispiel die Professoren Raffelh&uuml;schen und R&uuml;rup, Miegel und Sinn in den Netzwerken der privaten Interessen bewegen. Sie werden in unseren Talkshows &bdquo;Wissenschaftler&ldquo; genannt, ihre &ouml;ffentlichen &Auml;u&szlig;erungen und ihr Ratschlag in den vielen Kommissionen sind jedoch &uuml;ber weite Strecken nur zu verstehen und einzuordnen, wenn man begriffen hat, dass sie die Interessen der Versicherungswirtschaft vertreten und daf&uuml;r auch entgolten werden. Ich warte auf den Tag, an dem eine Talkshow-Moderatorin ihren Gast so begr&uuml;&szlig;t: &bdquo;Besonders herzlich willkommen hei&szlig;e ich den Freiburger Versicherungsvertreter Professor Raffelh&uuml;schen und an seiner Seite den seit Jahren im gleichen Milieu t&auml;tigen Professor Biedenkopf.&ldquo;. <\/p>\n<p>Ich zeige und belege auch, wie sich das Medium Bild-Zeitung (und nicht nur sie) an der Zerst&ouml;rung des Vertrauens in die Deutsche Rentenversicherung beteiligt, die entsprechenden Schlagzeilen zur so genannten &bdquo;Schrumpfrente&ldquo; d&uuml;rften ihnen noch in Erinnerung sein. <\/p>\n<p>Dies alles riecht fuchtbar nach Verschw&ouml;rungstheorie, k&ouml;nnte man in guter Gesellschaft mit einer Rezensentin der &bdquo;Welt am Sonntag&ldquo; meinen. Doch da muss ich Sie sehr entt&auml;uschen: <strong>Die Realit&auml;t ist noch viel schlimmer als meine &bdquo;Theorie&ldquo;. Die Verschw&ouml;rung ist &uuml;berall mit H&auml;nden zu greifen.<\/strong> Es ist keine Theorie. Man muss die Augen und Ohren nur ein bisschen &ouml;ffnen. So wie es Monitor-Redakteure am 16. M&auml;rz getan haben. Sie haben aus einer Schulungsbrosch&uuml;re der Allianz AG f&uuml;r ihre Vertreter zitiert. In dieser Brosch&uuml;re des Lebensversicherers und Kooperationspartners der Bild-Zeitung wird im August 2005 (!) den Versicherungsagenten mitgeteilt, was die Bild-Zeitung im Januar und Februar 2006, also f&uuml;nf Monate sp&auml;ter, redaktionell tun wird. <strong>Den Journalisten unter Ihnen ist die Dimension dieses Vorgangs bewusst. Es ist der systematisch betriebene Bruch des wichtigen publizistischen Prinzips, Werbung und Redaktion zu trennen.<\/strong><br>\n&Uuml;brigens: &Auml;hnliches ist am 20.M&auml;rz in der Sendung von Reinhold Beckmann geschehen. Darauf wies mich ein Nutzer unserer kritischen Homepage NachDenkSeiten hin. Beckmann hat in jener Sendung zusammen mit Nina Ruge versucht, Norbert Bl&uuml;m als Exoten darzustellen, weil dieser f&uuml;r die gesetzliche, solidarische Rente sprach, w&auml;hrend Beckmann und Ruge den Einstieg in die Privatvorsorge als selbstverst&auml;ndlich sinnvoll darstellten. Was sie nicht sagten: dass Beckmann als so genanntes Testimonial, genauer als Versicherungsvertreter, f&uuml;r das Versicherungsunternehmen WWK wirbt und Nina Ruge das vor ihm getan hat. Verschw&ouml;rungstheoretiker k&ouml;nnten sich die Realit&auml;t kaum farbiger und bedr&uuml;ckender ausmalen.<\/p><\/li>\n<li>Als Autor eines Buches mit vielf&auml;ltigen Bez&uuml;gen zum aktuellen Geschehen kann man bei Beginn der Arbeit nie wissen, ob die wichtigen Bez&uuml;ge zum Zeitpunkt der Ver&ouml;ffentlichung noch g&uuml;ltig sind. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge sehe ich nun, dass ich mit dieser Frage nach der Aktualit&auml;t kein Problem habe. Als Autor bin ich in der gl&uuml;cklichen Lage, von der aktuellen politischen Debatte fortlaufend best&auml;tigt zu werden. Als Staatsb&uuml;rger finde ich das eher bedr&uuml;ckend. Das Exposee zu &bdquo;Machtwahn&ldquo; habe ich am 15. August letzten Jahres bei meinem Verlag abgeliefert. Die wichtigste dort formulierte Vermutung hat sich bis heute in bedrohlicher Weise bewahrheitet. Ich zitiere: &bdquo;Unser Land befindet sich in einer Stagnation. Von kleinen Zwischenperioden abgesehen geht es seit 25 Jahren &ouml;konomisch nicht mehr voran. Wir fallen hinter andere L&auml;nder zur&uuml;ck. Politische Entscheidungen halten nicht, was mit ihnen versprochen worden ist. Pannen, Fehlentscheidungen und Misserfolge h&auml;ufen sich. Die Depression &uuml;bertr&auml;gt sich auf die Mehrheit der Menschen. Sie wenden sich ab von der Politik. Sie sind unzufrieden. Warum sind wir so erfolglos? Die g&auml;ngigen Antworten sind uns bekannt &ndash; Reformstau, Blockade, &uuml;bertriebener Sozialstaat, Hypothek der 70er Jahre und so weiter.&ldquo; Gewerkschaftsstaat! Besitzstandswahrer! Viel zu hohe L&ouml;hne.<br>\n<strong>&bdquo;Vielleicht&ldquo;, so frage ich, &bdquo;liegt unsere Misere daran, dass wir besonders schlechte Eliten haben, dass sich bei uns das Mittelma&szlig; durchgesetzt hat, sich gegenseitig st&uuml;tzt und zur Erhaltung der gewonnenen Macht auf Gleichschaltung der Analysen und Therapien dr&auml;ngt? Der Fisch stinkt vom Kopf her.&ldquo;<\/strong> \n<p><strong>Unsere Eliten sind z.B. unf&auml;hig zu einer pragmatischen Makropolitik<\/strong>, so stelle ich in &Uuml;bereinstimmung z.B. mit dem des Linksradikalismus unverd&auml;chtigen Chef&ouml;konomen von Goldman Sachs, Jim O&rsquo;Neill, und mit dem Nobelpreistr&auml;ger Robert Solow aus den USA fest. Unsere f&uuml;hrenden Eliten begreifen nicht, dass es jetzt vor allem darauf ank&auml;me, die (Binnennachfrage und damit) die Konjunktur anzuschieben. <\/p>\n<p>Ich hatte nach den Wahlen im September gedacht, die gro&szlig;e Koalition k&ouml;nnte diese Aufgabe als Schwerpunktaufgabe begreifen, so wie das die erste gro&szlig;e Koalition zwischen 1966 und 1969 begriffen hatte. <strong>Immerhin meinten sogar die Unions-Politiker Glos und R&uuml;ttgers, die L&ouml;hne m&uuml;ssten steigen. Aber diese Einsichten haben sich in Rauch aufgel&ouml;st.<\/strong> Die Bundeskanzlerin nannte in ihrer Rede zum Bundeshaushalt am 29.3. &bdquo;acht wichtige Projekte&ldquo;, die die Bundesregierung in der &bdquo;zweiten Etappe&ldquo; angehen wolle. Das wichtigste Thema, die &Uuml;berwindung der Stagnation, kommt in genau 2 von insgesamt 75 Abs&auml;tzen, die den &bdquo;acht Schwerpunkten&ldquo; gelten, vor. Und selbst diese Abs&auml;tzchen zeugen von Ahnungslosigkeit. Ansonsten: Reformen, Reformen, Reformen &ndash; F&ouml;deralismusreform, Unternehmenssteuerreform, Gesundheitsreform, Arbeitsmarktreform, immer wieder das Gleiche &ndash; in der Summe lauter Unruhestifter und Depressionskatalysatoren. Das Unheil, das sie mit ihrem schwarzmalenden Reformgerede anrichten, ist unseren f&uuml;hrenden Eliten nicht bewusst. Der Bundesfinanzminister zum Beispiel liest den Deutschen zum Jahresanfang mit einer Grundsatzrede in Frankfurt die Leviten statt sie zu ermuntern, zu investieren und zu konsumieren. Eine tolle psychologische Meisterleistung!! Nebenbei: Unsere Eliten nehmen nicht wahr, dass die Reformen gescheitert sind. Sie klammern sich an das, was Gerhard Schr&ouml;der und Franz M&uuml;ntefering mit ihrem Neuwahlbegehren angerichtet haben: die &Uuml;berlagerung des Scheiterns mit dem Aufruf zur Wahlentscheidung und der Fortsetzung der gescheiterten Reformen. Ich nenne das <strong>Konkursverschleppung<\/strong> und erl&auml;utere, dass Gerhard Schr&ouml;der diese Wahl als Kanzler &uuml;berhaupt nicht gewinnen wollte. <\/p>\n<p><strong>Auch die jetzige Bundesregierung hat die makro&ouml;konomischen Zusammenh&auml;nge nicht verstanden.<\/strong> F&uuml;r dieses Jahr ist laut Jahreswirtschaftsbericht ein reales Wachstum von 1,4% vorgesehen. Selbst wenn es 2% oder ein bisschen mehr werden sollten, mit einem solch l&auml;cherlichen Wachstum und dies vermutlich nur ein Jahr lang kommt unsere Volkswirtschaft nie aus dem tiefen Loch heraus, indem sie sich befindet. Dann wird das zarte Pfl&auml;nzchen im n&auml;chsten Jahr mit einer dreiprozentigem Mehrwertsteuererh&ouml;hung tot getrampelt. <\/p>\n<p>Wir fahren unsere Volkswirtschaft seit Jahren unterhalb ihrer Kapazit&auml;t. Wenn es einer Buchvorstellung angemessen w&auml;re, w&uuml;rde ich Sie an dieser Stelle gerne fragen, um wie viele Milliarden unser gemeinsames Bruttoinlandsprodukt nach Ihrer Einsch&auml;tzung real h&ouml;her l&auml;ge, wenn der Boom 1992 nicht gnadenlos u.a. mit einer ma&szlig;losen Zinserh&ouml;hung abgebrochen worden w&auml;re? <strong>Wenn wir seit 1993 statt der mageren 1,2% reales Wachstum p.a. ein normales, wie in vergleichbaren L&auml;ndern &uuml;bliches Wachstum von 2,5% gehabt h&auml;tten, dann l&auml;ge unser Bruttoinlandsprodukt heute um 700(!) Milliarden h&ouml;her.<\/strong> Wir verlieren jedes Jahr diese 700 Milliarden. Was h&auml;tten wir nicht alles G&uuml;nstiges damit machen k&ouml;nnen: Schulden tilgen, die sozialen Sicherungssysteme finanzieren, die Infrastruktur auf Vordermann bringen, die Bildungsausgaben erh&ouml;hen. <\/p>\n<p>Ich skizziere in &bdquo;Machtwahn&ldquo;, wie andere L&auml;nder, wie Schweden, Gro&szlig;britannien und die USA z.B. in den neunziger Jahren mit mehrmaligen Wachstumsraten von um die 4% ihre Stagnation &uuml;berwunden haben. In Deutschland jedoch ist das Wissen um die richtige Makropolitik verloren gegangen. Das liegt nicht am Volk. Diese Ideologisierung und Abkehr von einer pragmatischen Politik verdanken wir unseren gedanklich blockierten Eliten.<\/p><\/li>\n<li>Ich nenne das <strong>Regression und beschreibe eine Reihe weiterer Symptome f&uuml;r den R&uuml;ckfall auf ein fr&uuml;her schon einmal erreichtes Niveau der Erkenntnis. Das f&auml;ngt damit an, dass die herrschenden Kreise die differenzierten und weit reichenden Folgen ihres Tuns nicht bedenken:<\/strong> zum Beispiel die psychischen Folgen langer Arbeitslosigkeit, zum Beispiel die Folgen der hohen Jugendarbeitslosigkeit und der Kommerzialisierung aller Lebensbereiche f&uuml;r den Bildungsstand und die Gewaltbereitschaft &ndash; und den &bdquo;sozialen Kitt&ldquo; w&uuml;rde ich in Anlehnung an Christoph Keese hinzuf&uuml;gen. Unsere Eliten bedenken nicht die Folgen ihrer wiederkehrenden &ndash; und erfolglosen &ndash; Sparversuche. Sie haben den Sprachunterricht f&uuml;r Ausl&auml;nder- und Aussiedlerkinder zusammengestrichen, sie haben Jugendzentren und Jugendh&auml;user geschlossen und stehen dann mit gro&szlig;en Kinderaugen vor dem Unheil, das diese Politik der Nichtintegration anrichtet.\n<p><strong>Die Eliten haben unsere Gesellschaft hoffnungslos in oben und unten gespalten<\/strong>, sie haben die Verteilung der Einkommen m&auml;chtig auseinander gezogen. Die Bruttolohnquote lag 1993 noch bei 73,2%, 2005 bei 67,2%. Die Spitzen der Wirtschaft verlangen, obwohl schon in den letzten 10 Jahren die Reall&ouml;hne gesunken sind, Zur&uuml;ckhaltung der Gewerkschaften bei Lohnverhandlungen und erh&ouml;hen sich gleichzeitig ihre Vorstandsbez&uuml;ge um zweistellige Prozente. <\/p>\n<p>L&ouml;hne sind ein Kostenfaktor und zugleich ein wichtiges Element gesamtwirtschaftlicher Nachfrage. <strong>Deshalb l&auml;ge ein guter Lohnabschluss nicht nur im Interesse der Arbeitnehmer und Gewerkschaften, sondern auch im Interesse unserer Volkswirtschaft und insbesondere des Handwerks, des Einzelhandels und des anderen am Binnenmarkt orientierten Gewerbes.<\/strong> Selbst solche einfachen Zusammenh&auml;nge erkennen unsere ideologisch gepr&auml;gten Eliten nicht mehr. Regression zeigt sich in der g&auml;ngigen Neigung, auch gesamtwirtschaftliche Zusammenh&auml;nge durch die rein betriebswirtschaftliche Brille zu sehen. Die Eliten meinen immer noch, der Staat k&ouml;nne auch in einer Phase der Stagnation mit Erfolg sparen, wenn der Finanzminister die gute Absicht dazu hat. Gesamtzusammenh&auml;nge und R&uuml;ckwirkungen &ouml;konomischer Prozesse gibt es f&uuml;r diese Eliten nicht. Ihr Denken ist simpel gestrickt.<\/p><\/li>\n<li><strong>Unsere Eliten sind Mittelma&szlig; in der Sache, aber Spitze in der Kunst der Verf&uuml;hrung. Das Netz ihrer Propaganda ist perfekt.<\/strong> Auch daf&uuml;r werden uns t&auml;glich neue aktuelle Beispiele geliefert. Unsere Spitzeneliten schaffen es, den anderen einzureden, die Finanzierungsprobleme unserer sozialen Sicherungssysteme folgten aus der demographischen Entwicklung, obwohl klar ist, dass die miserable wirtschaftliche Entwicklung, die Anlastung versicherungsfremder Leistungen und die Subvention von Minijobs zulasten der sozialversicherungspflichtigen Vertr&auml;ge die eigentlichen Ursachen daf&uuml;r sind, dass die Kassen der Rentenversicherung, der Arbeitslosenversicherung und der Krankenversicherung so leer sind. Wer dann darauf hinweist,\n<ul>\n<li>dass wir mit rund 52 Millionen erwerbsf&auml;higen Personen und 15 Millionen Alten &uuml;ber 65 Jahren heute und auf absehbare Zeit kein demographisches Problem haben, sondern eine gl&auml;nzende Relation von arbeitsf&auml;higer zur alten Bev&ouml;lkerung,<\/li>\n<li>dass es ein Unding ist, prek&auml;re Arbeitsverh&auml;ltnisse zu subventionieren<\/li>\n<li>und dass man sich deshalb nicht wundern darf, wenn die sozialversicherungspflichtigen Jobs allein in den letzten f&uuml;nf Jahren um 1,7 Millionen abgenommen haben,<\/li>\n<\/ul>\n<p>erscheint unseren Eliten wie ein Exot aus einer andern Welt.<\/p><\/li>\n<li><strong>Die Eliten leben in ihrer eigenen Welt. Ich skizziere in meinem Buch das Netzwerk, dem die neoliberalen Eliten ihre Macht zu verdanken haben.<\/strong> Dieses Netzwerk haben sie gut gestrickt, engmaschig, mit zwei Knotenpunkten, der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft und der Bertelsmann-Stiftung. Das reicht weit hinein in Institutionen, die wir bisher f&uuml;r einigerma&szlig;en unabh&auml;ngig hielten &ndash; die Wissenschaft, den &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunk, die SPD und die Gr&uuml;nen, Union und FDP sowieso. &Uuml;ber dieses Netzwerk l&auml;sst sich quasi alles verbreiten. Wir haben es im M&auml;rz erlebt, als eine so genannte Studie eines so genannten Berlin-Instituts mit der Behauptung, wir h&auml;tten die niedrigste Geburtenrate und noch nie seit 1945 eine so niedrige gehabt, in nahezu allen Medien kommuniziert wurde. Das ist die Unwahrheit: Die Geburtenrate lag zu Kohls Zeiten mit 1,28 Kindern pro Frau noch tiefer als heute und 10 L&auml;nder der Europ&auml;ischen Union haben eine noch niedrigere Zahl. Aber das st&ouml;rt offenbar die Multiplikatoren dieser Wahnwelten nicht. Wen wundert&rsquo;s, auch einer der Staatssekret&auml;re des fachlich zust&auml;ndigen Ministers M&uuml;ntefering verbreitet dieses M&auml;rchen.\n<p>Wer wie ich diese gezielten Manipulationen seit langem beobachtet, neigt zu einem harten Urteil und zu harten Fragen. &bdquo;Dumm oder korrupt?&ldquo; frage ich. Manchem Rezensenten gef&auml;llt diese harsche Sprache nicht. Tut mir leid. Der harte Ton ist nur ein Reflex auf den unfreundlichen Angriff auf die Grundlagen aufgekl&auml;rter demokratischer Willensbildung. &ndash; Nehmen Sie den konkreten Fall des Umgangs mit der erw&auml;hnten Studie des so genannten Berlin Instituts. Unsere politischen Entscheider und unsere Meinungsf&uuml;hrer haben nicht einmal die nahe liegende Frage danach gestellt, wer diese Studie bezahlt hat. Im konkreten Fall unter anderem das Krankenversicherungsunternehmen DKV. Sie fragen nicht nach den dahinter steckenden Interessen. <strong>Ich<\/strong> tue das und <strong>nenne Korruption Korruption<\/strong>. Man sollte diesen Begriff nicht nur auf den gel&auml;ufigen Vorgang beschr&auml;nken, wenn ein Politiker oder Beamter einen Auftrag vergibt und daf&uuml;r einen ordentlichen Bakschisch bekommt. Die Korruption hat andere Dimensionen. Zum Beispiel: Die Verantwortlichen verscherbeln &ouml;ffentliches Eigentum, damit ein Kl&uuml;ngel von Interessenten am Privatisierungsvorgang verdient. Das Ergebnis, ob gut oder schlecht, ist nicht ausschlaggebend. Der Vorgang selbst interessiert. Um Privatisierungen zu erleichtern, werden Gesetze wie das Gesetz zur Beschleunigung &Ouml;ffentlich Privater Partnerschaften kurz vor den Wahlen noch schnell neu gestrickt. <strong>Die gr&ouml;&szlig;te Korruption, deren Zeuge wir heute sind, gilt der eingangs erw&auml;hnten Zerst&ouml;rung unserer sozialen Sicherungssysteme, vor allem der gesetzlichen Rente.<\/strong> Das ist ein Milliardengesch&auml;ft. 15 Milliarden gewinnt die private Versicherungswirtschaft an Umsatz, wenn der gesetzlichen Rentenversicherung 10% der Beitr&auml;ge weggenommen werden.<\/p><\/li>\n<li><strong>&Uuml;ber Ziel und Sinn meines Buches &bdquo;Machtwahn&ldquo;<\/strong> brauche ich vor Ihnen nicht lange zu sinnieren. Es soll wie auch das Internet-Projekt NachDenkSeiten fragw&uuml;rdige Entwicklungen unseres Landes zum Thema machen, &uuml;ber die sonst nicht mehr viel gesprochen wird. Deshalb freuen wir uns auch &uuml;ber sichtbare Fortschritte beim Aufbau einer kritischen &Ouml;ffentlichkeit. Wir sind bescheiden und freuen uns &uuml;ber jeden Silberstreifen. Immerhin wurde Professor Raffelh&uuml;schen zum Beispiel bei Monitor, in Berlin Mitte und von Vertretern der Printmedien schon nach seinen Verbindungen zur Versicherungswirtschaft gefragt. Plus minus beleuchtete die Machenschaften der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. ZAPP, der Stern und einige andere Medien deckten die Manipulationen zur Geburtenrate auf. Und &bdquo;Machtwahn&ldquo; springt eine Woche nach Erscheinen auf Platz 9 der Spiegel- und auf Platz 13 der Focus-Bestsellerliste. Offensichtlich haben die Leser Bedarf an Aufkl&auml;rung. Es bewegt sich etwas. Es ruckt. Etwas anders als von den Philosophen des Rucks gedacht. Das ist gut so.<\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Guten Abend, meine sehr verehrten Damen und Herren,<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[35,14],"tags":[1695,300],"class_list":["post-1151","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aufbau-gegenoeffentlichkeit","category-veroffentlichungen-der-herausgeber","tag-machtwahn","tag-mueller-albrecht"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1151","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1151"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1151\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":31137,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1151\/revisions\/31137"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1151"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1151"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1151"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}