{"id":11512,"date":"2011-12-05T09:07:07","date_gmt":"2011-12-05T08:07:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11512"},"modified":"2014-12-28T13:38:04","modified_gmt":"2014-12-28T12:38:04","slug":"mediengesteuerter-spd-parteitag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11512","title":{"rendered":"Mediengesteuerter SPD-Parteitag"},"content":{"rendered":"<p>Schon die leise Gefahr, dass es auf dem SPD-Parteitag in Berlin einen Streit um die weitere Absenkung des Rentenniveaus von derzeit 50 auf 43 Prozent und eine Debatte um eine Anhebung der Reichensteuer geben k&ouml;nnte, l&ouml;st bei den medialen Sturmgesch&uuml;tzen der Agenda-Politik ein Trommelfeuer aus. Sicher ist es kein Zufall, dass diese geballte Medienkampagne kurz vor dem SPD-Parteitag einsetzt. Die Medienberichterstattung dieses Wochenendes ist ein Musterbeispiel f&uuml;r die Fremdbestimmung der SPD und daf&uuml;r wie die Meinungsmacher die Agenda-Politiker in der SPD-Spitze st&uuml;tzen. <strong>Wolfgang Lieb<\/strong><br>\n<!--more--><br>\nIn vielen Beitr&auml;gen auf den NachDenkSeiten haben wir nachzuweisen versucht, dass die SPD eine fremdbestimmte Partei geworden und keine eigenst&auml;ndige politische Kraft mehr ist. (Sie brauchen dazu nur einmal &bdquo;fremdbestimmt&ldquo; in unserer Suchfunktion einzugeben.) Viele m&ouml;gen das immer noch nicht glauben oder sie halten das f&uuml;r &uuml;bertrieben.<\/p><p>Wer von unserer These der Fremdbestimmung der SPD noch nicht &uuml;berzeugt ist und wer noch nicht gemerkt hat, dass die Agenda-Politiker der Sozialdemokraten ein Produkt der Medien sind, der m&ouml;ge sich einfach nur einmal das Medienecho des Wochenendes vor dem SPD-Parteitag in Berlin zu Gem&uuml;te f&uuml;hren. <\/p><p>Da gibt es von der Parteibasis einige Antr&auml;ge und einige Stimmen, die das ohnehin schon auf 50 Prozent abgesenkte Rentenniveau nicht &ndash; wie gesetzlich geplant &ndash; weiter bis auf 43% absinken lassen wollen. Und da gibt es den Vorschlag ab einem Einkommen von 150.000 Euro bei Alleinstehenden den Spitzensteuersatz auf 52 Prozent anzuheben (also immer noch unter den 53 Prozent, die noch zu Helmut Kohls Zeiten galten) und schon wird dagegen geradezu ein Interviewkrieg gef&uuml;hrt. Diese Antr&auml;ge h&auml;tten zwar auf dem Parteitag ohnehin keine Mehrheit bekommen, aber schon eine Diskussion &uuml;ber solche Themen wird offenbar f&uuml;r gef&auml;hrlich gehalten und soll im Keime erstickt werden.<\/p><p>Der K&ouml;lner DuMont-Konzern mit seinen Zeitungen bietet dem Consigliere der Agenda-Politik Frank-Walter Steinmeier eine Plattform. Sowohl in der <a href=\"http:\/\/www.berliner-zeitung.de\/politik\/-frank-walter-steinmeier-im-interview--wir-machen-keine-castingshow-,10808018,11254558.html\">Berliner Zeitung<\/a> als auch in der <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/politik\/spd-fraktionschef-steinmeier--wir-machen-keine-castingshow-,1472596,11254558.html\">Frankfurter Rundschau<\/a> wird ein langes Interview von ihm abgedruckt. Obwohl das Schwergewicht der Fragen auf dem Thema Europa liegt, schafft es die Schlagzeile &bdquo;Steinmeier warnt SPD-Linke&ldquo; auf die Seite 1 der <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/politik\/steinmeier-spd-spitze-fuerchtet-linksruck,1472596,11254990.html\">FR<\/a>. &bdquo;Die Rentenreformen wurden gemacht, weil sich die Mehrheit damals einig war, dass ein Ansteigen der Beitragss&auml;tze in Richtung 25 Prozent&hellip;die Akzeptanz des Systems der solidarischen Sozialversicherung aush&ouml;hlen w&uuml;rde&ldquo;, darf Steinmeier unwidersprochen erkl&auml;ren. Da er Mitverantwortlich f&uuml;r die Einf&uuml;hrung der Riester-Rente war, m&uuml;sste er es besser wissen, also bel&uuml;gt er die Leserinnen und Leser glatt. Er m&uuml;sste n&auml;mlich nur zu gut wissen, dass mit der Riester-Rente, die ja die Senkung der gesetzlichen Rente angeblich kompensieren sollte, die Arbeitnehmer schon jetzt 4 Prozent ihres Bruttogehalts zus&auml;tzlich in diese Altersvorsorge einbezahlen sollen, also der Beitragssatz schon l&auml;ngst  &bdquo;in Richtung 25 Prozent&ldquo; gegangen ist &ndash; nur eben einseitig zu Lasten der Lohnempf&auml;nger. (N&auml;mlich 19,9 Prozent parit&auml;tisch finanziert plus 4 Prozent ausschlie&szlig;lich durch die Arbeitnehmer zu tragen.) <\/p><p>Der Springer-Verlag bringt in der Samstagsausgabe der <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article13748723\/Gerhard-Schroeder-warnt-SPD-vor-Steuererhoehungen.html\">Welt<\/a> einen Vorabbericht und in der <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article13749243\/Gerhard-Schroeders-Plan-fuer-die-Rettung-Europas.html\">Welt am Sonntag<\/a> ein Interview mit dem nur noch seinen privaten Gesch&auml;ften nachgehenden Gerhard Schr&ouml;der. Dort darf der Altkanzler verk&uuml;nden: &bdquo;Ich finde, wir haben damals eine richtige Steuerpolitik gemacht. Das tr&auml;gt, neben der Agenda 2010, dazu bei, dass Deutschland besser durch die Krise kommt als andere L&auml;nder. Es gibt keinen Spielraum f&uuml;r Steuersenkungen. Aber die Pl&auml;ne, die Steuern zu erh&ouml;hen, halte ich f&uuml;r ganz falsch.&ldquo; Es w&auml;re von den Springerjournalisten nat&uuml;rlich zu viel verlangt, Schr&ouml;der daran zu erinnern, dass gerade sein Unternehmensteuersenkungswahn dazu gef&uuml;hrt hat, dass die Gewinne in die Finanzspekulation wanderten und die Krise erst mit verursacht haben. <\/p><p>Nat&uuml;rlich darf das <a href=\"http:\/\/www.wirtschaftundgesellschaft.de\/?p=896\">&bdquo;Sprachrohr&ldquo;<\/a> von Steinbr&uuml;ck und Steinmeier, der Spiegel, in diesem Trommelfeuer nicht fehlen. In der Printfassung dieser Woche macht sich der Spiegel unter dem Titel &bdquo;Rote Versuchung&ldquo; dar&uuml;ber Sorgen, dass Gabriel es zulassen k&ouml;nnte, dass der linke Fl&uuml;gel den Spiegel-Sch&uuml;tzling Steinbr&uuml;ck demontiert, wenn die SPD in der Rentenpolitik &bdquo;die Rolle r&uuml;ckw&auml;rts&ldquo; mache. Dass die Linke bei der Rente gerade umgekehrt die Spirale nach unten aufhalten will, spielt bei dieser Panikmache des Kampagneblattes f&uuml;r die Agenda-Politik nat&uuml;rlich keine &bdquo;Rolle&ldquo;. Noch dramatischer macht es Spiegel Online und titelt: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/0,1518,801132,00.html\">&bdquo;SPD-Spitze f&uuml;rchtet kalten Putsch&ldquo;<\/a>. Da Steinbr&uuml;ck und Steinmeier am Wochenende als Interviewpartner schon belegt waren, musste sich Spiegel Online mit <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/0,1518,800634,00.html\">Andrea Nahles als Gespr&auml;chspartner<\/a> begn&uuml;gen. Auch die dereinst als Parteilinke gehandelte Nahles spricht sich selbstverst&auml;ndlich gegen die Anhebung des Spitzensteuersatzes aus und bei der Rentendiskussion vertr&ouml;stet sie wieder einmal mit der Einsetzung einer neuen Kommission. <\/p><p>Gabriel durfte schon vor einer Woche im <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/man-muss-auch-dienen-koennen-und-das-kann-ich\/5891530.html?p5891530=2\">Tagesspiegel<\/a> vor einer &bdquo;Reichensteuer&ldquo; warnen: Die SPD m&uuml;sse sich im besten Sinne sozial und liberal aufstellen, sonst k&ouml;nne sie keine Wahl gewinnen, sagte er. Dass die SPD mit dieser Aufstellung derzeit bei 25 Prozent d&uuml;mpelt, scheint den SPD-Vorsitzenden offenbar nicht zu k&uuml;mmern. <\/p><p>Als blinde Gefolgsleute dieses Medienmainstreams hatten selbstverst&auml;ndlich auch die Nachrichtensendungen von ARD und ZDF nichts anderes zu bieten, als Steinmeier und\/oder Gabriel &uuml;ber den angeblichen Streit mit der linken Basis einzuvernehmen. Selbst Gabriel, war eine derartige Fragerei zu bl&ouml;d: Eine Partei, die stumm ist, sei dumm, servierte er seinen Interviewpartner ab. <\/p><p>Wenn schon die als &bdquo;Leitmedien&ldquo; betrachteten Zeitungen keine andere Sorge hatten, als die vor einem &bdquo;Linksrutsch&ldquo; der SPD, war es klar, das alle Presseagenturen und alle Regionalzeitungen nachzogen. (Dazu muss man nur zu den betreffenden Suchworten einmal google News mit zahllosen Meldungen dazu aufrufen.) <\/p><p>Man k&ouml;nnte mir nat&uuml;rlich entgegenhalten, dass es doch selbstverst&auml;ndlich ist, dass vor einem Parteitag eben die Parteif&uuml;hrung befragt wird. Der Einwand mag teilweise berechtigt sein. Nat&uuml;rlich geht die rechte Parteispitze gerne in die Medien, um m&ouml;gliche Kritik der Basis abzuwehren. Aber das ist noch lange kein Grund, diese Abwehr zur Schlagzeile zu machen und unkritisch deren fast wortgleiche Sprechblasen abzudrucken. Nirgendwo habe ich einen Bericht oder ein Interview gefunden, in denen die Antragsteller zu Wort gekommen w&auml;ren und ihre Argumente h&auml;tten darlegen k&ouml;nnen. <\/p><p>Es ist doch ziemlich klar, dass die Mehrheit der Parteitagsdelegierten von diesem Druck der Medien nicht unbeeindruckt bleibt. Man muss doch als &bdquo;Parteisoldat&ldquo; zu Recht bef&uuml;rchten, dass man dieser Kampagne im Kampf um die K&ouml;pfe der Menschen nicht stand halten kann. Also zeigt man wieder einmal Disziplin und Geschlossenheit mit der Parteif&uuml;hrung und die Steinbr&uuml;cks und Steinmeiers d&uuml;rfen die SPD weiter auf den Abgrund zufahren. Angela Merkel wird sich die H&auml;nde reiben.<\/p><p>&Uuml;brigens:<br>\nDas einzige was nach diesem Parteitag der SPD erneuert sein d&uuml;rfte ist das Design der Partei.<br>\nDie Farbe ist jetzt lila. Sozusagen &bdquo;Lila, der letzte Versuch&ldquo;. Die SPD kehrt vom W&uuml;rfel zur&uuml;ck zum Quadrat. Dazu meinen <a href=\"http:\/\/www.designtagebuch.de\/bei-der-spd-ist-der-wuerfel-gefallen\/\">Werbeexperten<\/a>: &bdquo;Unternehmen die in so kurzer Zeit so nachhaltig ihr Corporate Design ver&auml;ndern,&nbsp;wirken orientierungslos. Ein Markenprodukt, dessen Verpackung im Jahresrhythmus wechselt, erzeugt Verunsicherung auf Kundenseite. Das SPD-Design flattert wie ein F&auml;hnchen im Wind. Es strahlt das Gegenteil von Verl&auml;sslichkeit aus.&ldquo; <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schon die leise Gefahr, dass es auf dem SPD-Parteitag in Berlin einen Streit um die weitere Absenkung des Rentenniveaus von derzeit 50 auf 43 Prozent und eine Debatte um eine Anhebung der Reichensteuer geben k&ouml;nnte, l&ouml;st bei den medialen Sturmgesch&uuml;tzen der Agenda-Politik ein Trommelfeuer aus. Sicher ist es kein Zufall, dass diese geballte Medienkampagne kurz<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11512\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[123,39,191],"tags":[489,547,279,271,252],"class_list":["post-11512","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kampagnentarnworteneusprech","category-rente","category-spd","tag-fremdbestimmung","tag-parteitag","tag-spitzensteuersatz","tag-springer","tag-steinmeier-frank-walter"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11512","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=11512"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11512\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11514,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11512\/revisions\/11514"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=11512"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=11512"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=11512"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}