{"id":1153,"date":"2006-05-08T13:25:07","date_gmt":"2006-05-08T11:25:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=1153"},"modified":"2016-02-11T11:21:14","modified_gmt":"2016-02-11T10:21:14","slug":"auszug-aus-die-reformluge-40-denkfehler-mythen-und-legenden-mit-denen-politik-und-wirtschaft-deutschland-ruinieren-denkfehler-13-seiten-187-189","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1153","title":{"rendered":"Auszug aus \u201eDie Reforml\u00fcge. 40 Denkfehler, Mythen und Legenden, mit denen Politik und Wirtschaft Deutschland ruinieren\u201c, Denkfehler 13, Seiten 187-189"},"content":{"rendered":"<p>Von Albrecht M&uuml;ller, Stand Juni 2004.<br>\n<!--more--><br>\nUm uns so richtig Angst zu machen vor der weiteren Zukunft, wird auf die besondere &ouml;konomische Entwicklung der &raquo;kleinen Tiger&laquo; in der Europ&auml;ischen Union hingewiesen: auf &Ouml;sterreich, auf die Niederlande und besonders auf Irland. Sie h&auml;tten sich 1999 beim Bruttosozialprodukt je Einwohner vor die Bundesrepublik geschoben. Bewundert wird auch, dass Irland in den neunziger Jahren eine durchschnittliche reale Wachstumsrate von 6,5 Prozent erreicht habe, es liege mit seinem Pro-Kopf-Einkommen weit &uuml;ber dem europ&auml;ischen Durchschnitt und habe Deutschland hinter sich gelassen. [<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]<\/p><p>Wer Irland kennt und wei&szlig;, was dort f&uuml;r die Menschen bleibt, der wundert sich. Zwar ist der Lebensstandard im Vergleich zu fr&uuml;her unverkennbar gestiegen, aber irgend etwas kann nicht stimmen an der Behauptung vom &Uuml;berholvorgang. Das sp&uuml;rt man, wenn man sich in Irland umh&ouml;rt und umsieht. Auf den zweiten Blick entdeckt man dann, dass Irland, einmal abgesehen von den hohen Subventionen aus der Kasse der EU, wegen seiner niedrigen Steuers&auml;tze ein besonders hohes Wachstum des Bruttoinlandsprodukts hat, denn viele ausl&auml;ndische Konzerne haben ihre Gewinne dorthin verschoben. Diese Gewinne z&auml;hlen zum Bruttoinlandsprodukt, von dem dann aber nicht die Iren etwas haben, sondern nur die multinationalen Unternehmen, die die Steuersparm&ouml;glichkeit genutzt haben.<\/p><blockquote><p>Wir haben die rote Laterne in Europa. Sie k&ouml;nnen noch so viel reden: Es gibt L&auml;nder in Europa, die stehen einfach besser da &ndash; Spanien, Gro&szlig;britannien.<\/p>\n<div class=\"cite_hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div>\n<p class=\"reference\">Angela Merkel, 19.12.2003<\/p>\n<\/blockquote><blockquote><p>Auch Iren, &Ouml;sterreicher und Niederl&auml;nder erwirtschaften pro Kopf inzwischen mehr als die Deutschen. (&hellip;) An der globalen Handelsstatistik l&auml;sst sich ablesen, dass die zweitgr&ouml;&szlig;te Exportnation der Welt st&auml;ndig an Boden verliert und der nationale Anteil am weltweiten Warenaustausch seit 1990 von 12,2 um fast ein Viertel auf 9,5 Prozent geschrumpft ist.<\/p>\n<div class=\"cite_hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div>\n<p class=\"reference\">Spiegel, 19.5.2003<\/p>\n<\/blockquote><p>Um die Stichhaltigkeit dieser These zu kontrollieren, braucht man nur zu pr&uuml;fen, wie sich die Lohnquote in Irland entwickelt hat: Sie fiel von 77 Prozent 1980 auf 53 Prozent im Jahr 2001. 17,6 Milliarden Euro des irischen Bruttoinlandsprodukts von insgesamt 114,5 Milliarden sind 2001 als Einkommen ins Ausland &uuml;berwiesen worden. Den Iren blieben noch 96,8 Milliarden. [<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] Die arbeitenden Iren haben folglich vom statistischen Aufschwung des Pro-Kopf-Einkommens in ihrem Land sehr viel weniger gehabt als die Investoren von au&szlig;erhalb. Die hohe Wachstumsrate ist das Ergebnis einer trickreichen Steuerpolitik, und sie sagt nicht sehr viel &uuml;ber den Wohlstand des irischen Volkes aus. Irland erlaubt sich zudem eine Sonderrolle, die sich ein gro&szlig;es Land wie Deutschland nicht leisten kann, denn einerseits lockt Irland mit niedrigen Steuers&auml;tzen, und andererseits empf&auml;ngt es europ&auml;ische Subventionen. Wenn wir das t&auml;ten, w&uuml;rde es nicht mehr funktionieren. Es ist die Frage, ob die Europ&auml;ische Union solche Tricks einzelner ihrer Mitglieder auf Dauer hinnehmen kann. Die Deutschen zahlen dabei doppelt: einmal, weil sie die gr&ouml;&szlig;ten Nettozahler in die Br&uuml;sseler Kasse sind, und dann noch einmal, wenn mit EU-Subventionen oder durch Steuerdumping im EU-Ausland die Voraussetzungen daf&uuml;r geschaffen werden, dass dort Arbeitspl&auml;tze entstehen, die aus Deutschland ausgelagert werden. &raquo;Warum ist das in Europa noch m&ouml;glich?&laquo; fragt sich nicht nur Porsche-Chef Wendelin Wiedeking. Hier w&auml;ren politischer Druck und eine &ouml;ffentliche Debatte wichtig, statt mit manipulativen Statistiken den Ruf des eigenen Landes zu besch&auml;digen. Ganz anders sieht das erstaunlicherweise der neue Bundespr&auml;sident, Horst K&ouml;hler. In einem Interview noch vor seiner Wahl [<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>] wandte er sich gegen den Versuch, in der EU zur Vermeidung des Steuerdumping eine Mindestbesteuerung zu vereinbaren. Das w&auml;ren &raquo;regulierende Ma&szlig;nahmen&laquo;, die den Wettbewerb eind&auml;mmen, so Horst K&ouml;hler. Man reibt sich die Augen, und versteht die Welt nicht mehr&hellip;<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Hans-Werner Sinn: Ist Deutschland noch zu retten?, M&uuml;nchen 2003, S. 36 ff.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Michael Dauderst&auml;dt: &raquo;Deutschland, Schlusslicht im alten Europa?&laquo;, FES-Analyse, Bonn, Februar 2003<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 12.5.2004<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Albrecht M&uuml;ller, Stand Juni 2004. <\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[14,30],"tags":[300,1110],"class_list":["post-1153","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-veroffentlichungen-der-herausgeber","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-mueller-albrecht","tag-reformluege"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1153","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1153"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1153\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":31087,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1153\/revisions\/31087"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1153"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1153"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1153"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}