{"id":115340,"date":"2024-05-17T10:28:46","date_gmt":"2024-05-17T08:28:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=115340"},"modified":"2024-05-17T11:10:23","modified_gmt":"2024-05-17T09:10:23","slug":"foreign-agent-gesetz-in-georgien-und-eu-michael-roth-in-tiflis-und-deutsche-doppelmoral","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=115340","title":{"rendered":"\u201eForeign Agent\u201c-Gesetz in Georgien und EU, Michael Roth in Tiflis und deutsche Doppelmoral"},"content":{"rendered":"<p>Auf der Bundespressekonferenz kritisierte Vize-Regierungssprecher Wolfgang B&uuml;chner in scharfen Worten das am 14. Mai vom georgischen Parlament beschlossene Gesetz &bdquo;&Uuml;ber die Transparenz von ausl&auml;ndischem Einfluss in Georgien&ldquo;, von vielen deutschen Medien f&auml;lschlich mit &bdquo;Agenten-Gesetz&ldquo; &uuml;bersetzt. Die <em>NachDenkSeiten<\/em> wollten vor diesem Hintergrund wissen, wieso die Bundesregierung das Gesetz in Georgien kritisiert, aber kein Wort dar&uuml;ber verliert, dass die EU-Kommission seit einem Jahr an einem <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=95081\">sehr &auml;hnlichen &bdquo;Transparenz&ldquo;-Gesetz<\/a> arbeitet. Anl&auml;sslich der <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=115282\">Teilnahme des SPD-Politikers Michael Roth an Protestveranstaltungen in Tiflis<\/a>, aus denen heraus versucht worden war, das <a href=\"https:\/\/x.com\/ZentraleV\/status\/1790478752159252870\">Parlament zu st&uuml;rmen<\/a>, fragten die <em>NDS<\/em>, ob die Bundesregierung das Verhalten Roths als Einmischung in innere Angelegenheiten eines fremden Staates bewertet und ob sie einen versuchten Sturm auf den Reichstag ebenso nonchalant beurteilen w&uuml;rde. Die Antwort geriet zu einem neuen &bdquo;H&ouml;hepunkt&ldquo; bundesdeutscher Doppelmoral. Von <strong>Florian Warweg<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/nNLkm9dqxFU\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p><strong>Auszug aus dem Wortprotokoll der Regierungspressekonferenz vom 15. Mai 2024<\/strong><\/p><p><strong>Vize-Regierungssprecher B&uuml;chner<\/strong><\/p><p>Ich m&ouml;chte einen Punkt zum gestern in Georgien beschlossenen Gesetz zur ausl&auml;ndischen Einflussnahme ansprechen. Wir haben diese Entscheidung mit Bedauern zur Kenntnis genommen. Wie Sie wissen, lehnen wir das Gesetzesvorhaben entschieden ab. Die aktuellen Entwicklungen in Georgien beobachten wir mit gro&szlig;er Sorge, auch was das Vorgehen der Regierung und Berichte &uuml;ber Festnahmen bei den seit Wochen andauernden friedlichen Protesten der georgischen B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rgern angeht. Wie Sie wissen, hat der Bundeskanzler sich bereits am 12. April beim Besuch des georgischen Ministerpr&auml;sidenten Irakli Kobachidse zu dem Thema ge&auml;u&szlig;ert und die kritische Haltung bekr&auml;ftigt, die die Bundesregierung und die gesamte Europ&auml;ische Union im Hinblick auf das Gesetz in Bezug auf Organisationen mit ausl&auml;ndischem Einfluss einnehmen. Unsere Kritik besteht unver&auml;ndert fort. Wir erinnern die georgische Regierung an ihre Zusagen aus 2023, ein solches Gesetz bedingungslos zur&uuml;ckzuziehen. Wir teilen die Sorge, dass sich die georgische Regierung mit dem Gesetz von ihrem Kurs auf eine Mitgliedschaft in der Europ&auml;ischen Union entfernt.<\/p><p><strong>Frage Warweg<\/strong><\/p><p>Die EU-Kommission arbeitet seit letztem Jahr ja auch an einem Gesetzesvorschlag, angelehnt an die US-Variante des &bdquo;foreign agent act&ldquo;, der NGOs und akademische Institutionen dazu verpflichtet, alle Zahlungen au&szlig;erhalb der EU transparent darzulegen. Jetzt haben Sie dieses georgische Gesetz scharf kritisiert. K&ouml;nnen Sie mir kurz darlegen, wo sie den qualitativen Unterschied zwischen dem georgischen Gesetz, das ja eigentlich auch nur die Transparenz von Fremdfinanzierung einfordert, und der Variante der EU-Kommission sehen?<\/p><p><strong>B&uuml;chner<\/strong><\/p><p>Das Thema ist ja auch ein Wiederg&auml;nger. Der Bundeskanzler hat sich bereits sehr klar anl&auml;sslich des Treffens mit dem georgischen Ministerpr&auml;sidenten im letzten Monat dazu ge&auml;u&szlig;ert. Die EU hat keine solche wie von Ihnen behauptete Regelung. Es gibt derzeit Diskussionen dar&uuml;ber, wie Transparenz in bestimmten Bereichen hergestellt werden kann. Aber auch dabei handelt es sich um ein grundlegend anderes Konzept. Die Diskussionen dazu laufen au&szlig;erdem noch, es ist nichts beschlossen, und m&ouml;glicherweise wird auch nichts beschlossen.<\/p><p><strong>Wagner (AA)<\/strong><\/p><p>Ich kann gerne etwas dazu erg&auml;nzen. In der Tat hinkt der Vergleich sehr, Herr Warweg, denn im Vorschlag der EU-Kommission wird ja auf die Interessenvertretung f&uuml;r ein Drittland abgestellt. Dabei geht es also nur um auftragsbezogene Dienstleistungen. Institutionell gef&ouml;rderte Akteure wie die NGOs fallen in der Regel nicht darunter. Im georgischen Entwurf wird dagegen ausschlie&szlig;lich auf die Finanzierung aus dem Ausland als Kriterium abgestellt. Das ist ein sehr viel breiteres Spektrum. Au&szlig;erdem geht es ja in dem Entwurf der Kommission f&uuml;r eine Richtlinie, die es ja richtigerweise ist, nicht um Sanktionen oder eine Einschr&auml;nkung der Arbeit von Interessenvertretern. Insofern ist es aber tats&auml;chlich so, dass sich diese Richtlinie so, wie sie vorgeschlagen worden ist, noch in der Diskussion befindet und es bei Weitem ja auch noch keine Einigung gibt.<\/p><p><strong>Zusatzfrage Warweg<\/strong><\/p><p>Dann habe ich noch eine generelle Verst&auml;ndnisfrage. Michael Roth, der Vorsitzende des Ausw&auml;rtigen Ausschusses des Bundestags, befindet sich ja derzeit in Georgien. Gestern nahm er an einer explizit regierungskritischen Demonstration teil. Ein Teil davon war auch gewaltt&auml;tig. Einige Teilnehmer versuchten, das Parlament zu st&uuml;rmen. Da w&uuml;rde mich die Einsch&auml;tzung des Ausw&auml;rtigen Amtes interessieren. Betrachtet es diese Art von politischem Aktivismus denn als Einmischung in die inneren Angelegenheiten Georgiens?<\/p><p><strong>Wagner (AA)<\/strong><\/p><p>Erst einmal, Herr Warweg, w&uuml;rde ich zur&uuml;ckweisen, dass die Gewalt prima facie von den Demonstranten ausgeht. Was wir im Moment in Georgien sehen, sind Menschen, die friedlich demonstrieren, wie Herr B&uuml;chner zu Recht sagt, die auf die Stra&szlig;e gehen, die f&uuml;r das Recht eintreten, ihre Meinung kundzutun, und sozusagen Kritik an der Regierung &uuml;ben, die da gerade ein Gesetz erl&auml;sst, das sehr kontr&auml;r zu den europ&auml;ischen Werten ist. Georgien hat sich ja auf den Weg in die Europ&auml;ische Union begeben, und das bringen die Menschen, die dort friedlich demonstrieren, sehr massiv zum Ausdruck.<\/p><p>Was die Pr&auml;senz des Vorsitzenden des Ausw&auml;rtigen Ausschusses angeht, ist das von uns als Regierung nicht zu kommentieren. Da m&uuml;ssten Sie die Frage schon an den Bundestag richten. Aber ich glaube, es gibt genug Beispiele aus der Vergangenheit daf&uuml;r, dass deutsche Parlamentarier im Ausland auch ihre Unterst&uuml;tzung f&uuml;r die Zivilgesellschaft zum Ausdruck gebracht haben.<\/p><p><strong>Frage Warweg<\/strong><\/p><p>Ich h&auml;tte noch einmal eine Verst&auml;ndnisfrage. Das hei&szlig;t, Sie sagen, dass Sie die Pr&auml;senz eines ranghohen Mitglieds des Bundestags bei so einer Demonstration, aus der heraus es nachweislich Versuche gab, in das Parlament einzudringen, als unproblematisch betrachten.<\/p><p><strong>B&uuml;chner<\/strong><\/p><p>Das hat Herr Wagner gar nicht gesagt. Wir haben schlicht und einfach gesagt      <\/p><p><strong>Zuruf Warweg<\/strong><\/p><p>Ich habe Herrn Wagner gefragt!<\/p><p><strong>B&uuml;chner<\/strong><\/p><p>Ja, aber ich kann das gerne auch noch einmal einordnen.<\/p><p><strong>Wagner (AA)<\/strong><\/p><p>Herr B&uuml;chner kann das gerne f&uuml;r mich beantworten.<\/p><p><strong>B&uuml;chner<\/strong><\/p><p>Wir kommentieren grunds&auml;tzlich nicht die Handlungen anderer Verfassungsorgane &ndash; aus Respekt vor anderen Verfassungsorganen. Deshalb ist es v&ouml;llig richtig, darauf zu verweisen, dass die Frage an den Deutschen Bundestag zu richten ist.<\/p><p><strong>Wagner (AA)<\/strong><\/p><p>Ehrlich gesagt: Es geht ja hierbei in Georgien um ein parlamentarisches Verfahren, also den Austausch mit den Parlamentariern. Es gibt auch eine Opposition in Georgien, die hier arbeiten kann. Das ist ein vollkommen normaler Vorgang.<\/p><p><strong>Zusatzfrage Warweg<\/strong><\/p><p>Aber es f&auml;llt ja nun schon auf, wenn man das sozusagen spiegeln w&uuml;rde, wie kritisch man hier mit Demonstranten umgeht, die versuchen, etwa den Reichstag zu st&uuml;rmen, und wie nonchalant man anscheinend im Falle Georgiens dar&uuml;ber hinweggeht. Wie wollen Sie denn da sozusagen auch um der Glaubw&uuml;rdigkeit Willen sagen, dass das Proteste seien, die legitim sind, und die anderen seien nicht legitim?<\/p><p><strong>Wagner (AA)<\/strong><\/p><p>Ich glaube, Herr Warweg, wir haben einfach nicht dieselben Bilder von den Demonstrationen in Georgien gesehen. Ich habe Bilder davon gesehen, dass Ordnungskr&auml;fte massiv gegen einzelne Demonstranten vorgegangen sind. Diese Gewalt ist im &Uuml;brigen auch nicht akzeptabel. Diese Menschen sind dort im ganz &uuml;berwiegenden Fall, wie wir das in den Bildern sehen und beobachten k&ouml;nnen, um dort friedlich ihre Meinung kundzutun und gegen ein Projekt der Regierung zu demonstrieren.<\/p><p>Im &Uuml;brigen ging es bei dem Fall vor dem Reichstag, den Sie angesprochen haben, um Straftaten, die da durch die Polizei vereitelt worden sind.<\/p><p><small>Titelbild: Screenshot NachDenkSeiten, Bundespressekonferenz 15.05.2024<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<p><strong>Mehr zum Thema:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=115282\">Michael Roth heizt auf Demo in Tiflis einen &bdquo;Maidan&ldquo; in Georgien an<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=95081\">Doppelmoral &agrave; la Ursula: EU-Kommission plant eigenes &bdquo;Foreign Agent&ldquo;-Gesetz &ndash; verurteilt aber &auml;hnliche Gesetze in Georgien und Russland<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=94769\">Staatsfern? Anfrage ergibt: Bundesregierung zahlte Hunderttausende Euro an Journalisten von ARD und ZDF<\/a><\/p>\n<\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/9a9d74749eed4550be0e434d007705af\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf der Bundespressekonferenz kritisierte Vize-Regierungssprecher Wolfgang B&uuml;chner in scharfen Worten das am 14. Mai vom georgischen Parlament beschlossene Gesetz &bdquo;&Uuml;ber die Transparenz von ausl&auml;ndischem Einfluss in Georgien&ldquo;, von vielen deutschen Medien f&auml;lschlich mit &bdquo;Agenten-Gesetz&ldquo; &uuml;bersetzt. 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