{"id":115403,"date":"2024-05-18T14:00:56","date_gmt":"2024-05-18T12:00:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=115403"},"modified":"2024-05-17T20:56:43","modified_gmt":"2024-05-17T18:56:43","slug":"leserbriefe-zu-esc-risse-in-der-friede-freude-eierkuchen-blase","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=115403","title":{"rendered":"Leserbriefe zu \u201eESC \u2013 Risse in der Friede-Freude-Eierkuchen-Blase\u201c"},"content":{"rendered":"<p>In diesem <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=115155\">Beitrag<\/a> kommentiert <strong>Jens Berger<\/strong> den Eurovision Song Contest. Seit 2022 seien Wei&szlig;russland und Russland von diesem Wettbewerb ausgeschlossen. Israel habe jedoch in diesem Jahr teilnehmen d&uuml;rfen. In Malm&ouml; sei der israelische Beitrag lautstark vom Publikum ausgebuht worden. F&uuml;r deutsche Fernsehzuschauer m&uuml;sse dies verwirrend gewesen sein, h&auml;tten sie doch gelernt, dass Kritiker der israelischen Kriegsf&uuml;hrung Antisemiten seien, und die erwarte man ja nicht &bdquo;im ach so bunten liberalen Publikum&ldquo;. Am Ende habe der nicht-bin&auml;re Schweizer Nemo mit seiner LGBTQ-Hymne &bdquo;The Code&ldquo; gesiegt. Wir haben hierzu interessante Leserbriefe bekommen. Danke daf&uuml;r. Hier folgt nun eine Auswahl, die <strong>Christian Reimann<\/strong> f&uuml;r Sie zusammengestellt hat.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>1. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Hallo Herr Berger,<\/p><p>habe Ihren Artikel zum ESC gelesen. Die Veranstaltung selbst ist f&uuml;r mich eher uninteressant, jedoch meine ich, dass es hier ja letztlich auch um ein Beispiel von Cancel-Culture handelt; die mittlerweile sehr verbreitete Ausschlie&szlig;eritis in alle Richtungen in Kultur, Wissenschaft und Sport halte ich f&uuml;r kontraproduktiv, dadurch wird ja letztlich das Denken in Blasen weiter forciert; w&auml;re es nicht etwas differenzierter, Kritik an israelischem oder pal&auml;stinensischem Vorgehen an die Verantwortlichen zu adressieren statt an Schlagersternchen?<\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en,<br>\nChristoph W&uuml;stenhagen<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>2. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Lieber Herr Berger, <\/p><p>ein Beispiel, ein Symptom f&uuml;r den kulturellen Niedergang Europas, pardon: EU-Europas. Muss schon sehr lange her sein, da ich mir das mal angeschaut habe. Jetzt kenne ich das nur aus Sekund&auml;rquellen. Hysterisch, pervers und ziemlich bekloppt ist das. Ich w&uuml;rde mich sch&auml;men, so etwas anzuschauen. Der politische Aspekt kommt noch dazu. Auch wenn da &ldquo;linksliberal&rdquo; drauf steht, das ist rechtsradikal von der schlimmsten Sorte. <\/p><p>Es war schon einmal besser, Udo J&uuml;rgens, 1966: <\/p><p><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=QE4IcCql8QA\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=QE4IcCql8QA<\/a><\/p><p>Zur selben Zeit hat &uuml;brigens Adorno vorhergesagt, wenn die Faschisten wiederkommen, kommen sie verkleidet als Liberale und Linke. Da w&auml;ren wir also. <\/p><p>Viele Gr&uuml;&szlig;e,<br>\nRolf Henze<\/p><p><strong>Anmerkung Jens Berger:<\/strong> Nun ja, Udo J&uuml;rgens&acute; Schlager waren aber 1966 auch nicht gerade das Nonplusultra abendl&auml;ndischer Kultur ;-)<br>\nSo ging es dann ja auch weiter. Jede Zeit hat ihre seichte Musik, und mit sehr sehr wenigen Ausnahmen waren es stets seichte, belanglose St&uuml;cke, die dort erfolgreich waren. Fr&uuml;her war zwar einiges besser, der Grand Prix bzw. sp&auml;ter der ECS geh&ouml;rt aber meines Erachtens nicht dazu. Und wir sollten auch nicht vergessen, dass bereits in den 1970ern Musiker wie David Bowie, Frank Zappa oder Freddy Mercury mit &ndash; wie man es heute nennen w&uuml;rde &ndash; nicht bin&auml;ren B&uuml;hnenpersonas aufgetreten sind und wir das heute retrospektiv zumeist nicht als &bdquo;pervers&ldquo; oder &bdquo;bekloppt&ldquo; bezeichnen w&uuml;rden. Aber das ist nat&uuml;rlich sehr subjektiv. <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>3. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Moin, <\/p><p>es sollten keine &ldquo;Risse&rdquo; durch Kunst-, Kultur- &amp; Sportveranstaltungen gehen. Musik &amp; Sport sollen verbinden, nicht spalten. Daher ist die Ausladung von jedweden K&uuml;nstlern wie auch Sportlern aus jedwedem Land unfair, unsportlich &amp; verwerflich. Das schlie&szlig;t echte Unparteilichkeit ein. Weder ein politisch gewollter &ldquo;LBGT-irgendwas&rdquo;-Quatsch haben dort etwas zu suchen, noch die Instrumentalisierung f&uuml;r andere Zwecke; hier geht es einzig &amp; allein um das Ereignis, um Menschen zusammenzubringen und nicht, sie gegeneinander aufzuhetzen. Olympia, ESC und auch der Fu&szlig;ball machen geh&ouml;rig etwas verkehrt. Das f&auml;ngt schon bei dem Friedenszeichen in der Mitte des Ballsportrasens an &mdash; das hat dort nichts zu suchen, weil es eine politische und keine rein sportliche Aussage ist, ganz davon abgesehen, da&szlig; Frieden selbstverst&auml;ndlich sein sollte (sonst h&auml;tte man ein Kriegszeichen hingemalt). Man zieht sich selbst einen neutralen Boden unter den F&uuml;&szlig;en weg, eine Art letztes Refugium demokratischen Zusammenseins, abseits der Spaltung, Hetze und was wei&szlig; ich noch seitens &ldquo;unserer&rdquo; &ldquo;Regierungen&rdquo;. Es w&auml;re auch mal wohltuend, sich in Mu&szlig;e abseits von politischer Einflu&szlig;nahme zu &uuml;ben. <\/p><p>&Uuml;brigens sollen laut den Regeln der &ldquo;European Broadcasting Union&rdquo; &ldquo;s&auml;mtliche Texte, Ansprachen und Gesten politischer Natur verboten&rdquo; sein [1]. Die Ahndung scheint inkonsequent zu sein, wenn eine ukrainische Gruppe nach ihrem Auftritt nicht sofort des Gel&auml;ndes verwiesen wird, weil sie dazu aufriefen, der ukrainischen Bev&ouml;lkerung zu helfen und sogar subtile politische Botschaften in ihr Lied einbauten (ebenda [1]). <\/p><p>Wenn K&uuml;nstler die Ereignisse f&uuml;r politische Zwecke mi&szlig;brauchen, dann sind sie auszuschlie&szlig;en, unabh&auml;ngig ihrer Nation. Auch die Zur-Schau-Stellung von Geschlecht (sofern man das bei den anderen ~70 noch so benennen kann, ohne von der eigenen Logik gesteinigt zu werden) oder sexuellen Orientierung erinnert eher an eine Selbstdarstellung, ja geradezu Selbstvermarktung denn an die Darbietung anspruchsvoller Musik nicht nur mit hoher geistiger Sch&ouml;pfungsh&ouml;he, sondern auch eines gesanglichen Talentes. Auf der anderen Seite besteht hier gerade die Gefahr, beim ESC jemandem seine Stimme nicht aufgrund seiner herausragenden Musik zu geben, sondern aus unterschiedlichen Gr&uuml;nden wie Nationalit&auml;t, Hautfarbe, LGBT&hellip;-Zugeh&ouml;rigkeit oder ein extremes Auftreten (eine Frau mit Vollbart zum Beispiel) und so weiter, die Liste lie&szlig;e sich schier endlos fortsetzen. Das verzerrt das Ergebnis und hat mit Musik nur noch wenig zu tun. Zur&uuml;ck zu den Wurzeln: Wann singt mal wieder eine &ldquo;Nicole&rdquo; mit einer Gitarre im Anschlag auf der B&uuml;hne &ldquo;Ein bi&szlig;chen Frieden&rdquo;? Was ist seit 1982 aus dem ESC geworden? Umgekehrt w&auml;re ein Erfolg &agrave; la &ldquo;ABBA&rdquo; heute kaum noch m&ouml;glich, weil der Musikmarkt schlicht &uuml;bers&auml;ttigt ist. Klasse statt Masse scheint hier wichtiger zu sein, um den Produzenten die Kassen zu f&uuml;llen. Beim ESC kann man sich aus einer Vielzahl von Kandidaten die Erfolgversprechendsten herauspicken, gerade so, als st&uuml;nde ein fremder Trainer am Rasenrand. Man k&ouml;nnte sie auch eine reine Kommerzveranstaltung nennen. <\/p><p>Menschen aus anderen L&auml;ndern sind nicht f&uuml;r deren Politik haftbar zu machen; das schlie&szlig;t auch Forderungen nach etwaigen &ldquo;Distanzierungen&rdquo; von irgendwas aus (da kann man in Kunst, Kultur &amp; Sport auch gleich &ldquo;Gesinnungspr&uuml;fungen&rdquo; einf&uuml;hren, damit es ja keine &ldquo;falsche&rdquo; Aussage in den &ouml;ffentlichen Raum schafft). Wenn ich auf ein Konzert gehe, dann will ich die Musik h&ouml;ren und keine Belehrungen. Beim Kabarett sieht die Sache wiederum anders aus: hier w&uuml;nsche ich mir sogar eine pointierte &amp; sprachlich-k&uuml;nstlerische Kritik an den Zust&auml;nden unserer Politik &mdash; und keine angepa&szlig;te Linie, die vielleicht sogar noch Kritiker diffamiert. <\/p><p>ESC? Pr&auml;dikat &ldquo;Volksverdummung&rdquo;, kann weg. Opium f&uuml;rs Volk, Musik f&uuml;r die Massen. <\/p><p>Was ist eine &ldquo;bubble&rdquo;? Es klingt englisch&hellip;gab es da nicht erst vor kurzem eine Aktion von Albrecht M&uuml;ller hier auf den NDS [2]? <\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en,<br>\nMichael Schauberger <\/p><p>[1] <a href=\"https:\/\/www.gehaltsvergleich.com\/news\/was-verdient-man-beim-eurovision-song-contest\">https:\/\/www.gehaltsvergleich.com\/news\/was-verdient-man-beim-eurovision-song-contest<\/a> <\/p><p>[2] <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=114889\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=114889<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In diesem <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=115155\">Beitrag<\/a> kommentiert <strong>Jens Berger<\/strong> den Eurovision Song Contest. Seit 2022 seien Wei&szlig;russland und Russland von diesem Wettbewerb ausgeschlossen. Israel habe jedoch in diesem Jahr teilnehmen d&uuml;rfen. In Malm&ouml; sei der israelische Beitrag lautstark vom Publikum ausgebuht worden. 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