{"id":115550,"date":"2024-05-22T10:15:15","date_gmt":"2024-05-22T08:15:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=115550"},"modified":"2026-01-27T17:04:31","modified_gmt":"2026-01-27T16:04:31","slug":"die-voelker-wollen-keinen-krieg-deutsche-volksdiplomaten-in-russland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=115550","title":{"rendered":"\u201eDie V\u00f6lker wollen keinen Krieg\u201c \u2013 Deutsche Volksdiplomaten in Russland"},"content":{"rendered":"<p>Mit dem Wunsch nach Frieden im Herzen und im Sinn sind 21 Menschen nach Russland gereist. Ihre Stationen waren Anfang Mai Kaliningrad und Sankt Petersburg, wo sie an den Gedenkfeiern am 8. und 9. Mai teilgenommen haben. Ihr Ziel war au&szlig;erdem, jungen Menschen zu begegnen, ihre Kultur kennenzulernen und zu versuchen, im Rahmen der zehnt&auml;gigen Reise die Komplexit&auml;t von Russland vor Ort besser zu verstehen. Zur&uuml;ck kamen sie &bdquo;besch&auml;mt von der gro&szlig;en Gastfreundschaft&ldquo;, beeindruckt von der reichen Kultur Russlands und vom Geschichtsbewusstsein vieler Russen &ndash; auch junger Menschen. Die Autorin dieses Berichts war dabei. Ein Bericht von <strong>&Eacute;va P&eacute;li<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_754\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-115550-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240522-Voelker-wollen-keinen-Krieg-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240522-Voelker-wollen-keinen-Krieg-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240522-Voelker-wollen-keinen-Krieg-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240522-Voelker-wollen-keinen-Krieg-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=115550-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240522-Voelker-wollen-keinen-Krieg-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"240522-Voelker-wollen-keinen-Krieg-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>&bdquo;Sind das alle Deutsche, die den Fernseher rausgeschmissen haben?&ldquo;, fragte der Taxifahrer in Kaliningrad auf dem Weg vom Hotel zum Flughafen nach einigen Minuten Schweigen. &bdquo;Da wird nur Angst verbreitet.&ldquo; Damit meinte er das, was in den deutschen Medien &uuml;ber Russland gesagt und geschrieben wird. Als ich ihm erz&auml;hlte, dass unsere Gruppe zum 9. Mai nach Sankt Petersburg f&auml;hrt, um dort den 79. Jahrestag des Sieges der Roten Armee &uuml;ber den Faschismus zu feiern, war er sichtbar ber&uuml;hrt und gleichzeitig erfreut.<\/p><p>Kaliningrad, das fr&uuml;here deutsche K&ouml;nigsberg, war Zwischenstation auf der Hin- und R&uuml;ckreise nach St. Petersburg. Reisende aus Deutschland, die keine Verwandtschaft in Russland haben, sind in dem Land rar geworden. Das hat auch Konstantin Ermisch, der Fahrer des Leipziger Unternehmens TopTransfer von Leipzig in die russische Exklave Kaliningrad, auf der fast 14-st&uuml;ndigen Fahrt best&auml;tigt. &Auml;hnliches berichtete der diensthabende Matrose auf dem Panzerkreuzer &bdquo;Aurora&ldquo; in St. Petersburg, der Stadt der Oktoberrevolution, der nach unserer Nationalit&auml;t fragte. Er f&uuml;hrt eine Liste der L&auml;nder, aus denen er Besucher auf dem legend&auml;ren Schiff begr&uuml;&szlig;t &ndash; von Indien &uuml;ber Philippinen bis Brasilien. Im zur&uuml;ckliegenden ersten Halbjahr seines Milit&auml;rdienstes hatte er noch nie Besucher aus Deutschland gesehen.<\/p><p>Die eigentlich reisefreudigen Deutschen machen seit geraumer Zeit einen gro&szlig;en Bogen um Russland. Das Land sei doch &bdquo;toxisch&ldquo;, hie&szlig; es k&uuml;rzlich bei einer Tagung in Berlin. Die deutsche Politik will es gar ruinieren.<\/p><p>Diese Ansicht teilt die Gruppe von 21 &bdquo;mutigen&ldquo; &ndash; und einigen von ihnen wegen Friedensbotschaften auf dem T-Shirt &bdquo;risikofreudigen&ldquo; &ndash; Deutschen, einschlie&szlig;lich der Autorin, einer in Deutschland lebenden Ungarin, bereits vor der Reise nicht. Nach der Reise schon gar nicht.<\/p><p>Die Schauspielerin Christa Weber erz&auml;hlte &uuml;ber ihre Eindr&uuml;cke am letzten Abend in St. Petersburg: &bdquo;Nun verstehe ich, warum die Leningrader Bev&ouml;lkerung die Hungerblockade so tapfer durchgestanden hat. Wir haben wunderbare Menschen kennengelernt, die uns ohne Ressentiments entgegengekommen sind &ndash; stolze, aufrechte, hilfsbereite, humorvolle, aufgeschlossene Menschen, die sich bei uns bedankten, dass wir sie besuchten. Sie bei uns! Oftmals besch&auml;mte mich ihre gro&szlig;e Gastfreundschaft, wenn ich an die Russophobie dachte, die derzeit bei uns zu Hause herrscht.&ldquo;<\/p><p><strong>Reise nach Russland mit einer Botschaft<\/strong><\/p><p>Diese Begegnungen in Kaliningrad und in St. Petersburg geh&ouml;ren zu den Erlebnissen der Gruppe, die am 4. Mai f&uuml;r zehn Tage nach Russland fuhr. Organisiert hatte das Hermann Kopp von der <a href=\"https:\/\/www.marx-engels-stiftung.de\/\">Marx-Engels-Stiftung<\/a>. Sie reisten mit zwei Kleinbussen nach Kaliningrad. Von dort aus flogen sie weiter nach St. Petersburg.<\/p><p>Die Teilnehmer kamen aus allen Teilen der Bundesrepublik. Einige waren schon in Russland beziehungsweise vorher der Sowjetunion &ndash; so Hermann Kopp, der 1972 das erste Mal in Leningrad, dem heutigen St. Petersburg, war, oder die Autorin selbst, die in Moskau studiert hatte, oder Uwe Erler, der bereits mehrmals mit der Gruppe Druschba-Global (Freundschaft auf Russisch) das Land bereist hatte. Andere, wie der Journalist Tilo Gr&auml;ser oder die Schauspielerin Christa Weber, kamen zum ersten Mal nach Russland.<\/p><div class=\"imagewrap\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240509-Lerningrad-02.jpeg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p><small>Der St. Petersburger Newski Prospekt, geschm&uuml;ckt f&uuml;r den Tag des Sieges (Foto: &Eacute;va P&eacute;li)<\/small><\/p><p>Sie hatten sich ein umfangreiches Programm vorgenommen, von Stadtrundg&auml;ngen und dem Besuch der &bdquo;Ermitage&ldquo; &uuml;ber Begegnungen und Gespr&auml;che mit Studenten sowie mit Mitgliedern der Kommunistischen Partei der Russischen F&ouml;deration (KPRF) und der Russischen Kommunistischen Arbeiterpartei (RKAP) bis zum Besuch des Piskarjowskoje-Friedhofs f&uuml;r die Blockade-Opfer. Der Auftritt des Bolschoi-Balletts im neuen <a href=\"https:\/\/www.mariinsky.ru\/en\/\">Mariinski-Theater 2<\/a> geh&ouml;rte neben Sergei Prokofjews Oper &uuml;ber die &bdquo;Liebe zu den drei Orangen&ldquo; zum H&ouml;hepunkt des Kulturprogramms. Beide, das Moskauer Bolschoi-Theater und das St. Petersburger Mariinski-Theater, werden seit Dezember 2023 von Valeri Gergiev geleitet, von dem sich die M&uuml;nchner Philharmoniker im M&auml;rz 2022 trennten.<\/p><p>Die meisten der Deutschen kamen aus der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) und anderen linken Organisationen und wollten von ihren Gespr&auml;chspartnern mehr &uuml;ber die politische und soziale Lage in Russland erfahren. Organisator Hermann Kopp benannte in einem Interview gegen&uuml;ber dem Kaliningrader Sender <em>kaskad-tv<\/em> das Hauptmotiv der Reise: &bdquo;Wir haben jetzt eine sehr heftige Russophobie in Deutschland. Unsere Politiker sagen, wir sollten uns auf einen Krieg mit Russland vorbereiten. Und wir wollen mit dieser Reise zeigen, dass wir f&uuml;r den Frieden mit Russland sind.&ldquo;<\/p><p><strong>Beeindruckt vom Piskarjowskoje-Friedhof<\/strong><\/p><p>F&uuml;r ihn sei das Ziel St. Petersburg wichtig gewesen, weil die deutsche Blockade der Stadt an der Newa im Zweiten Weltkrieg im Januar vor 80 Jahren durch die sowjetische Armee beendet wurde. An diesem Beispiel sei der damals geplante V&ouml;lkermord der deutschen Faschisten besonders deutlich geworden. Mit Blick auf heute sagte er: &bdquo;Diejenigen, die bei uns denken, sie k&ouml;nnen Russland in die Knie zwingen, werden sich wundern, auf welchen Widerstand sie da sto&szlig;en. Das muss man unserer Bev&ouml;lkerung auch deutlich machen.&ldquo;<\/p><div class=\"imagewrap\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240509-Lerningrad-03.jpeg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p><small>Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;ler am Piskarjowskoje-Friedhof am 8. Mai (Foto: &Eacute;va P&eacute;li)<\/small><\/p><p>Kopp und die anderen waren besonders von dem Besuch auf dem Piskarjowskoje-Friedhof von St. Petersburg beeindruckt. Dort sind mehr als 600.000 Opfer der Blockade der Stadt durch die Deutschen in Massengr&auml;bern beerdigt. Am 9. Mai kamen viele Menschen aus St. Petersburg und der Umgebung, dem Leningrader Oblast, dorthin, um der Toten zu gedenken.<\/p><p>Das sei ohne offizielle Aufforderung geschehen, staunte Kopp, der auch viele junge Menschen auf dem Friedhof sah. Uwe Erler beobachtete, wie Menschen manchmal eine Scheibe Brot oder ein paar Kekse auf die Massengr&auml;ber derer legten, die in Folge der faschistischen Blockade verhungert waren &ndash; &bdquo;das macht dann einem schon einen kalten Schauer&ldquo;. Das wolle er zu Hause auf jeden Fall weitererz&auml;hlen.<\/p><p>&bdquo;<strong>Um die Komplexit&auml;t Russlands zu verstehen&ldquo;<\/strong><\/p><p>Der 58-J&auml;hrige wurde in der DDR sozialisiert, lebt und arbeitet aber seit 1993 im westdeutschen Baden-W&uuml;rttemberg. Er reiste in den letzten zwei Jahren regelm&auml;&szlig;ig nach Russland und freut sich immer &uuml;ber neue Begegnungen, wie er sagte. So war f&uuml;r ihn das Treffen mit den Studenten und mit den zwei kommunistischen Parteien wichtig, um &bdquo;die Komplexit&auml;t in Russland selbst besser zu verstehen&ldquo;.<\/p><p>&bdquo;Mich beeindruckt nat&uuml;rlich immer noch die gro&szlig;e Freundschaft der Russen zu uns&ldquo;, sagte er bei der Auswertung der Reise am letzten Abend. &bdquo;Es ist manchmal etwas peinlich, wenn man sieht, was durch unsere Vorfahren angerichtet wurde. Auf der anderen Seite wei&szlig; ich nat&uuml;rlich auch, was Deutsche in Russland aufgebaut haben, also vor 1941, wo sie irgendwo in Russland aktiv waren. Und das beruhigt mich dann wieder ein bisschen.&ldquo;<\/p><p>Edmud Peltzer, Russischlehrer in Rente und einer der Dolmetscher der Gruppe, hat am 9. Mai am Friedhof eine Rede gehalten: &bdquo;Wir verneigen uns vor den Opfern, die ihre Stadt tapfer verteidigt haben, ohne ihr Leben zu schonen. Wir, die Nachkommen dieser schuldigen Deutschen, sch&auml;men uns, die Worte auf dem Mahnmal zu lesen: &sbquo;Niemand ist vergessen, nichts ist vergessen&lsquo;. Denn im wiedervereinigten Deutschland scheint alles vergessen zu sein.&ldquo;<\/p><div class=\"imagewrap\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240509-Lerningrad-04.jpeg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p><small>Denkmal f&uuml;r den russischen Dichter Alexander Sergejewitsch Puschkin vor dem Russischen Museum (Foto: &Eacute;va P&eacute;li)<\/small><\/p><p><strong>F&uuml;r einen &bdquo;friedlichen Himmel&ldquo;<\/strong><\/p><p>&bdquo;Russophobie ist die vorherrschende Ideologie im Westen, und jeder, der eine vern&uuml;nftige Haltung gegen&uuml;ber Russland vertritt, wird diskriminiert und sogar entlassen&ldquo;, fuhr er fort. &bdquo;Es ist unsere Pflicht, gegen diese Entwicklung und f&uuml;r friedliche, freundschaftliche Beziehungen zu den Menschen in Russland zu k&auml;mpfen. Wir werden die deutschen Verbrechen nicht vergessen und keine heuchlerische Verdrehung der historischen Wahrheit zulassen.&ldquo; Die Reaktion der anwesenden Menschen habe ihn bewegt, die nach dem Beitrag applaudierten, was sonst auf Friedh&ouml;fen wenig &uuml;blich sei, erz&auml;hlte Peltzer.<\/p><p>Am Tag zuvor waren einige aus der Gruppe bei der offiziellen Kranzniederlegung auf dem Friedhof dabei gewesen. Sie erlebten, wie Vertreter verschiedenster gesellschaftlicher Institutionen und Organisationen der Toten gedachten. Per Lautsprecher wurden die Namen der Delegationen aufgez&auml;hlt, darunter auch die von zahlreichen anderen L&auml;ndern. Westliche Staaten fehlten &ndash; und von den spontan Anwesenden aus Deutschland und Ungarn wussten die Organisatoren nichts.<\/p><p>Diese reihten sich in den Gedenkzug ein und legten Blumen am Denkmal &bdquo;Mutter Heimat&ldquo; nieder. Danach kamen sie mit Maria ins Gespr&auml;ch, einer sowjetischen Chirurgin, wie sie sich selbst vorstellte. Sie freute sich, dass Deutsche an der Ehrung teilnahmen, und bat, sich mit ihnen fotografieren zu lassen. Sie bedankte sich daf&uuml;r ebenso wie Journalisten vom russischen Fernsehen, mit denen die Deutschen gleichfalls sprachen. Beide haben sich mit dem Ausdruck &bdquo;&#1084;&#1080;&#1088;&#1085;&#1086;&#1075;&#1086; &#1085;&#1077;&#1073;&#1072;&ldquo; verabschiedet, was auf Deutsch &bdquo;friedlicher Himmel&ldquo; bedeutet.<\/p><p>&bdquo;<strong>Misstrauen Sie den Deutschen!&ldquo;<\/strong><\/p><p>Uwe Erler erz&auml;hlte in der Gruppe, dass er auf der &bdquo;Druschba&ldquo;-Reise immer eine Friedensfahne dabei hat. Seine Botschaft, die er nach Deutschland mitnehmen will, lautet: &bdquo;Die V&ouml;lker wollen einfach keinen Krieg, die russischen V&ouml;lker nicht, genauso wenig wie die Franzosen oder auch die Deutschen.&ldquo;<\/p><div class=\"imagewrap\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240509-Lerningrad-05.jpeg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p><small>Begegnung mit russischen Studenten der internationalen Beziehungen (Foto: &Eacute;va P&eacute;li)<\/small><\/p><p>Doch Peter Kr&auml;mer, einer der &bdquo;Volksdiplomaten&ldquo;, erz&auml;hlte am letzten Abend, er habe bei dem Treffen am 8. Mai mit den Studenten die jungen Russen gewarnt: &bdquo;Misstrauen Sie den Deutschen!&ldquo; Die Studenten seien verwundert gewesen, weshalb er erkl&auml;rt habe, &bdquo;hier sitzen nur gute Menschen, die es gut mit ihnen meinen. 21 Leute. Aber es gibt 97 Prozent Deutsche, die nicht so eingestellt sind.&ldquo; Er berichtete ebenso von seiner Beobachtung, dass viele junge Petersburger dieses historische Bewusstsein nicht mehr haben, stattdessen immer noch Hoffnung und Vertrauen zum Westen. Deshalb finde er den Vorschlag eines anderen Reisenden gut, diese Kontakte zu pflegen und aufrechtzuerhalten, um den Studenten klarzumachen, dass sie vom Westen nichts Gutes zu erwarten haben. Zugleich w&uuml;nschte er sich, seine These w&uuml;rde widerlegt werden.<\/p><p><strong>Deutsche Reisende im Kaliningrader Fernsehen<\/strong><\/p><p>Auch auf die Einwohner Kaliningrads, des ehemaligen deutschen K&ouml;nigsberg, wirkten die Deutschen wie eine &bdquo;Rarit&auml;t&ldquo;. Der Lokalfernsehsender <em>kaskad-tv<\/em> hat sie sogar zu einer Reportage eingeladen, die w&auml;hrend des Aufenthaltes bei der R&uuml;ckreise am letzten Abend aufgenommen wurde. Die deutschen Besucher von Kaliningrad sagten dem Sender, dass sie in vielen Orten der Bernsteinregion die Architektur ihrer Heimat wiedererkannten und mit den Einheimischen sprachen. Sie w&uuml;rden diese Eindr&uuml;cke bei Veranstaltungen in ihrer Heimat weitergeben.<\/p><div class=\"imagewrap\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240509-Lerningrad-06.jpeg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p><small>Hermann Kopp (links) neben Alexander H. im Gespr&auml;ch mit dem Team von kaskad-tv in Kaliningrad (Foto: Tilo Gr&auml;ser)<\/small><\/p><p>Alexander H., Russischstudent und engagierter Kommunist, erz&auml;hlte <em>kaskad-tv<\/em> vor dem sowjetischen Ehrenmal in der Stadt von seinem Schl&uuml;sselerlebnis im vergangenen Jahr: &bdquo;Wir haben in Deutschland eine Veranstaltung auf den sowjetischen Friedh&ouml;fen gefeiert, und es war uns verboten, dort russische und sowjetische Flaggen zu zeigen. Die ukrainischen durften gezeigt werden.&ldquo; Es sei ihm klar geworden, so H., dass &bdquo;wir die historischen Fakten nicht vergessen d&uuml;rfen&ldquo;.<\/p><p>In Deutschland gebe es nur noch wenige Organisationen, die friedliche Beziehungen zu Russland pflegen wollen, berichteten die Reisenden in Kaliningrad. Daher hoffen sie, dass diese Reise neue Gleichgesinnte anziehen und Stereotypen &uuml;ber Russen ver&auml;ndern kann. Und sie ermutigen jeden, sich auf den Weg gen Osten zu machen &ndash; f&uuml;r einen &bdquo;friedlichen Himmel&ldquo;, wie es jetzt in Russland &uuml;blich ist zu sagen.<\/p><p><small>Titelbild: Am 9. Mai in St. Petersburg: Wassili Litwinenko aus St. Petersburg mit den Fotos von vier Gro&szlig;v&auml;tern, alle im Zweiten Weltkrieg vermisst (rechts), und Tilo Gr&auml;ser, dessen Gro&szlig;vater als deutscher Soldat aus Ostpreu&szlig;en am 22. Juni 1941 mit in die Sowjetunion einmarschiert und sp&auml;ter mit seiner Einheit auch an der Blockade von Leningrad beteiligt war. Er kam aus dem Krieg nicht wieder nach Hause und wurde Anfang 1944 auf dem Gebiet der heutigen Ukraine als vermisst gemeldet. (Foto: &Eacute;va P&eacute;li)<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit dem Wunsch nach Frieden im Herzen und im Sinn sind 21 Menschen nach Russland gereist. Ihre Stationen waren Anfang Mai Kaliningrad und Sankt Petersburg, wo sie an den Gedenkfeiern am 8. und 9. Mai teilgenommen haben. Ihr Ziel war au&szlig;erdem, jungen Menschen zu begegnen, ihre Kultur kennenzulernen und zu versuchen, im Rahmen der zehnt&auml;gigen<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=115550\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":115551,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,170,212,20],"tags":[3260,1120,2104,259,966],"class_list":["post-115550","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-friedenspolitik","category-gedenktagejahrestage","category-landerberichte","tag-feindbild","tag-friedensbewegung","tag-kriegsopfer","tag-russland","tag-weltkrieg"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/240509-Lerningrad-01.jpeg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/115550","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=115550"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/115550\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":145426,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/115550\/revisions\/145426"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/115551"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=115550"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=115550"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=115550"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}