{"id":115592,"date":"2024-05-23T09:00:54","date_gmt":"2024-05-23T07:00:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=115592"},"modified":"2024-05-23T16:38:08","modified_gmt":"2024-05-23T14:38:08","slug":"einigen-gefallen-unsere-erfolge-nicht-der-tod-des-iranischen-staatspraesidenten-reaktionen-und-moegliche-folgen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=115592","title":{"rendered":"\u201eEinigen gefallen unsere Erfolge nicht\u201c &#8211; Der Tod des iranischen Staatspr\u00e4sidenten: Reaktionen und m\u00f6gliche Folgen"},"content":{"rendered":"<p>Im Iran ist Pr&auml;sident Ebrahim Raisi bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben gekommen. Mit ihm starben Au&szlig;enminister Hossein Amir Abdollahian, der Leiter des Freitagsgebets in T&auml;bris Ayatollah Mohammad Ali Al-e-Hashem, der Gouverneur der iranischen Provinz Ost-Aserbaidschan Malek Rahmati, der Leiter des Begleitteams der Pr&auml;sidentengarde Mehdi Mousavi und vier weitere Begleiter, darunter die Hubschraubercrew. Der Absturz ereignete sich am vergangenen Sonntag (19.05.2024) am sp&auml;ten Nachmittag bei schwierigem Wetter unweit des Ortes Jolfa, nach der Grenze zu Aserbaidschan, in der nordwestiranischen Provinz Varzaquan. Zwei weitere Hubschrauber des Pr&auml;sidentenkonvois landeten sicher in T&auml;bris. Von <strong>Karin Leukefeld<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6473\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-115592-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240523-Tod-des-iranischen-Staatspraesidenten-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240523-Tod-des-iranischen-Staatspraesidenten-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240523-Tod-des-iranischen-Staatspraesidenten-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240523-Tod-des-iranischen-Staatspraesidenten-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=115592-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240523-Tod-des-iranischen-Staatspraesidenten-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"240523-Tod-des-iranischen-Staatspraesidenten-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Schnell verbreiteten sich auf Internet-Kan&auml;len Theorien und Spekulationen dar&uuml;ber, was den Absturz verursacht haben mochte. Die Suche von mehr als 40 Rettungsteams des Iranischen Roten Halbmonds blieb wegen Regen, Nebel und einbrechender Nacht in der weit &uuml;ber 1.000 Meter hohen gebirgigen Landschaft lange erfolglos. Auf Anfrage des Irans aktivierte die EU das Satellitensystem Copernicus EMS, wie der EU-Kommissar f&uuml;r humanit&auml;re Angelegenheiten, Janez Lenarcic, per <em>X<\/em> (vormals <em>Twitter<\/em>) <a href=\"https:\/\/x.com\/JanezLenarcic\/status\/1792240959180120305#:~:text=Post,Post%20%C3%BCbersetzen\">mitteilte<\/a>. Das System k&ouml;nne helfen, den Ort zu finden, an dem der Unfall passiert sei.<\/p><p>Copernicus EMS erstellt Kartenmaterial, das auf Satellitendaten basiert, hie&szlig; es in einer EU-Erkl&auml;rung. EU-Ratspr&auml;sident Charles Michel <a href=\"https:\/\/x.com\/CharlesMichel\/status\/1792215176889983158\">erkl&auml;rte<\/a>, man verfolge die Entwicklung aufmerksam. Die T&uuml;rkei, Irak, Saudi-Arabien, Aserbaidschan und Russland boten dem Iran Hilfe an. Am n&auml;chsten Morgen erreichten die Rettungsteams die Absturzstelle. Der Hubschrauber war offenbar bei einer &bdquo;harten Landung&ldquo; auseinandergebrochen und in Brand geraten. Keiner der neun Passagiere hatte &uuml;berlebt.<\/p><p>Im Iran wurde eine f&uuml;nft&auml;gige Trauer erkl&auml;rt, Fahnen wurden auf Halbmast gesenkt. Nach einer ersten Trauerfeier in T&auml;bris wurden die sterblichen &Uuml;berreste nach Qom gebracht. Am Donnerstag (23.05. 2024) soll Ebrahim Raisi in seiner Geburtsstadt Mashhad beerdigt werden. Tausende nahmen an den offiziellen Trauerfeiern teil.<\/p><p><strong>Einige freuen sich<\/strong><\/p><p>Aus den kurdischen Gebieten im Westen des Landes wurde dagegen von Autokorsos und Freudenfeiern berichtet, &bdquo;um das Ende des verhassten Herrschers zu feiern&ldquo;, wie die kurdische Nachrichtenagentur ANF <a href=\"https:\/\/anfdeutsch.com\/aktuelles\/-42255\">berichtete<\/a>. In Berlin feierten iranische Oppositionelle der Volksmujaheddin vor der iranischen Botschaft. &bdquo;Wir freuen uns aus tiefstem Herzen &uuml;ber den Tod von Raisi&ldquo;, wurde eine junge Frau <a href=\"https:\/\/www.msn.com\/de-de\/nachrichten\/welt\/freuen-uns-aus-tiefstem-herzen-iranischer-widerstand-bejubelt-in-berlin-tod-von-pr%C3%A4sident-raisi\/ar-BB1mHLI4\">in einer Zeitung zitiert<\/a>.<\/p><p><strong>Die UNO kondoliert<\/strong><\/p><p>Kondolenzschreiben und Trauerbekundungen erreichten den Iran aus aller Welt. Die Staatschefs und K&ouml;nige der arabischen Golfstaaten Katar, Vereinigte Arabische Emirate und Saudi-Arabien, aus dem Irak, Syrien, Libanon, Jordanien und &Auml;gypten, aus Russland, China, Indien, Pakistan, Malaysia, T&uuml;rkei, Aserbaidschan, Venezuela, Brasilien kondolierten.<\/p><p>Seine Trauer und &bdquo;N&auml;he im Gebet&ldquo; bekundete in r&ouml;mische Papst Franziskus, wie die Vatikan-Nachrichten mitteilten. Beileid sandte der Pr&auml;sident der nordirakischen Kurdenregion, Nevshirvan Barzani. Neben Hisbollah, Ansar Allah\/Houthis und Hamas trafen Trauerbotschaften auch von der Volksfront zur Befreiung Pal&auml;stinas und anderen pal&auml;stinensischen Organisationen ein. F&uuml;r die Pal&auml;stinensische Autonomiebeh&ouml;rde bekundete Mahmud Abbas sein Beileid.<\/p><p>UN-Generalsekret&auml;r Antonio Guterres teilte seine Trauer mit, im UN-Sicherheitsrat <a href=\"https:\/\/news.un.org\/en\/story\/2024\/05\/1149976\">erhoben sich<\/a> die Botschafter zu einer Schweigeminute. Ebenso taten es die Teilnehmer einer Konferenz der Internationalen Atomenergiebeh&ouml;rde (IAEA) &uuml;ber nukleare Sicherheit in Wien. Die UNO senkte die Fahnen auf Halbmast, ein Ritual das im Amt verstorbenen Staatspr&auml;sidenten zuteil wird. Die Spitzenkandidatin einer deutschen Partei f&uuml;r die EU-Wahlen <a href=\"https:\/\/x.com\/MAStrackZi\/status\/1792871397569478929\">kommentierte<\/a> das mit einer X-Botschaft als &bdquo;Schweigeminute f&uuml;r einen Massenm&ouml;rder&ldquo; und als &bdquo;moralischen Absturz&ldquo;.<\/p><p>Das US-Au&szlig;enministerium <a href=\"https:\/\/www.state.gov\/on-the-death-of-iranian-president-raisi-and-others-in-a-helicopter-crash\/\">teilte<\/a> derweil durch einen Sprecher das &bdquo;offizielle Beileid&ldquo; mit und Charles Michel, Pr&auml;sident des Europarates, sprach f&uuml;r die EU &bdquo;aufrichtiges Beileid&ldquo; aus. Die Gedanken seien mit den Familien der Verstorbenen. Auch der EU-Au&szlig;enbeauftragte Josep Borrell kondolierte. Am Dienstagnachmittag fand sich auf der Webseite <a href=\"http:\/\/www.bundeskanzler.de\">bundeskanzler.de<\/a> die <a href=\"https:\/\/www.bundeskanzler.de\/bk-de\/aktuelles\/kondolenz-von-bundeskanzler-scholz-an-den-vizepraesidenten-der-islamischen-republik-iran-herrn-mokhber-2284390\">Pressemitteilung 125<\/a>, ein knappes Schreiben von Bundeskanzler Olaf Scholz.<\/p><p><strong>&bdquo;Einigen gefallen unsere Treffen und die gemeinsamen Erfolge nicht&ldquo;<\/strong><\/p><p>Am Morgen des t&ouml;dlichen Absturzes hatte sich der iranische Pr&auml;sident an der Grenze zu Aserbaidschan mit dem aserbaidschanischen Pr&auml;sidenten Ilham Aliyev getroffen. Die etwa 450 km lange Grenze wird vom Grenzfluss Aras markiert, der im &auml;u&szlig;ersten Nordwesten den Iran auf einer gesamten L&auml;nge von rund 1.200 km von Aserbaidschan, Armenien und der T&uuml;rkei trennt. Beide Politiker hatten den Qiz-Qalasi-Damm <a href=\"https:\/\/www.tasnimnews.com\/en\/news\/2024\/05\/19\/3088336\/qiz-qalasi-dam-symbol-of-iranian-azeri-people-s-friendship-energy-minister\">eingeweiht<\/a>, ein gemeinsames Infrastrukturprojekt, das von iranischen Ingenieuren gebaut worden war und etwa 220 km nord&ouml;stlich der iranischen Stadt T&auml;bris liegt.<\/p><p>Der Damm, dessen Bau vor rund 20 Jahren begonnen worden war, gilt als das &bdquo;gr&ouml;&szlig;te gemeinsame Wasserprojekt&ldquo; zwischen beiden L&auml;ndern, wie der iranische Energieminister Ali Akbar Mehrabian am Tag der Einweihung vor Journalisten in Teheran sagte. Ein zweiter Damm &bdquo;Khoda Afarin&ldquo; wurde schon vor Jahren am Aras-Fluss gebaut. Der Qiz-Qalasi-Damm soll zuk&uuml;nftig rund 2 Milliarden Kubikmeter Wasser regulieren, die beiden iranischen Provinzen Ardabil und Ost-Aserbaidschan auf iranischer Seite sollen zu den Hauptabnehmern des Wassers geh&ouml;ren. Auf beiden Seiten der Grenze soll das Wasser die Landwirtschaft und den Schutz der Umwelt f&ouml;rdern, so Mehrabian. Ein wichtiges Ziel sei auch die Eind&auml;mmung und Kontrolle von &Uuml;berschwemmungen.<\/p><p>Die Nachrichtenagentur <em>IRNA<\/em> <a href=\"https:\/\/en.irna.ir\/news\/85481793\/Qiz-Qalasi-Dam-a-block-to-hostile-attempts-against-Iran-Azerbaijan\">schrieb<\/a> in einem Vorab-Bericht &uuml;ber die Einweihung am gleichen Tag, der Damm werde &bdquo;alle feindlichen Versuche blockieren, die iranisch-aserbaidschanischen Beziehungen zu st&ouml;ren&ldquo;. Anstrengungen, &bdquo;insbesondere des zionistischen Regimes, sich in die iranisch-aserbaidschanischen Beziehungen einzumischen&ldquo;, h&auml;tten die Freundschaft zwischen Teheran und Baku erneuert und gest&auml;rkt.<\/p><p>Am Tag der Einweihung des Staudamms erkl&auml;rten sowohl Raisi als auch Aliyev, dass beide L&auml;nder von diesem modernen Damm profitieren w&uuml;rden. Ihr Treffen symbolisiere nicht nur den technischen Fortschritt, sondern auch, dass beide L&auml;nder zum Wohl ihrer jeweiligen Bev&ouml;lkerung bei so wichtigen Entwicklungen zusammenarbeiten k&ouml;nnten. &bdquo;Einigen gefallen unsere Treffen und unsere gemeinsamen Erfolge nicht&ldquo;, wird Raisi im Protokoll der aserbaidschanischen Seite <a href=\"https:\/\/president.az\/en\/articles\/view\/65902\">zitiert<\/a>. &bdquo;Die Hauptsache ist, dass wir gemeinsam umsetzen k&ouml;nnen, was gut f&uuml;r unsere L&auml;nder, unsere Staaten und unsere V&ouml;lker ist.&ldquo;<\/p><p>Aliyev sprach von einem &bdquo;sch&ouml;nen und hellen Kapitel in der Geschichte der iranisch-aserbaidschanischen Beziehungen&ldquo;. Das Projekt, das eingeweiht werde, sei technisch sehr wichtig und werde &bdquo;beide V&ouml;lker und die zwei Staaten noch n&auml;her zusammenbringen&ldquo;. Der gemeinsame Erfolg mache &bdquo;unsere Freunde gl&uuml;cklich&ldquo;, sagte Aliyev, ohne konkret zu werden. &bdquo;Diejenigen, denen das nicht gef&auml;llt, sollten sich besser um ihre eigenen Dinge k&uuml;mmern.&ldquo; Beide Staaten h&auml;tten einen &bdquo;starken gemeinsamen politischen Willen&ldquo; gezeigt, man habe &bdquo;den Menschen und der ganzen Welt offen erkl&auml;rt, dass wir zusammen sind und zusammenbleiben&ldquo; werden. Die iranisch-aserbaidschanischen Beziehungen seien eine &bdquo;wichtige Bedingung f&uuml;r die Stabilit&auml;t in unserer Region&ldquo;, so Aliyev weiter laut offizieller Mitschrift. &bdquo;So werden Arbeitspl&auml;tze geschaffen und (&hellip;) sicherlich wird es weitere, &auml;hnliche gemeinsame Projekte in der Zukunft geben.&ldquo;<\/p><p><strong>Was bedeutet der Tod des iranischen Staatspr&auml;sidenten f&uuml;r die Region<\/strong><\/p><p><em>Der Tod des iranischen Pr&auml;sidenten Ebrahim Raisi und von Au&szlig;enminister Hossein Amir-Abdollahian f&auml;llt in eine Zeit gro&szlig;er politischer Spannungen. Was bedeutet der ungekl&auml;rte Tod dieser Politiker f&uuml;r die Region? Wird die Au&szlig;enpolitik des Irans sich &auml;ndern?<\/em><\/p><p>Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik des Irans liegen in den H&auml;nden von Revolutionsf&uuml;hrer Ali Khamenei und den Revolutionsgarden. Die aktuelle Au&szlig;enpolitik ist eine strategische Entscheidung und wird sich kurzfristig nicht &auml;ndern. Seit der Islamischen Revolution 1979 war die Strategie der iranischen Au&szlig;enpolitik: &bdquo;Weder Ost noch West&ldquo;. Der Iran geh&ouml;rte der blockfreien Bewegung an. Schon mit dem Iran-Irak-Krieg (1980-88) r&uuml;ckte Iran enger an China heran. Mit Amtsantritt von Ebrahim Raisi (2021) wurde aus den bisherigen Beziehungen beider L&auml;nder eine strategische Partnerschaft. Der Iran wandte sich dem Osten zu. China und Russland sind heute enge Partner. Sowohl Raisi als auch Au&szlig;enminister Abdollahian waren starke Vertreter dieser Linie und bei der engen Kooperation der regionalen Schwergewichte China, Russland, Iran wird es bleiben. Zu der Strategie geh&ouml;rt auch, die Beziehungen mit den Nachbarl&auml;ndern Aserbaidschan, Indien, mit den arabischen Golfstaaten zu intensivieren. Seit Juli 2023 <a href=\"https:\/\/www.presstv.ir\/Detail\/2023\/07\/04\/706471\/IRAN-JOINS-SHANGHAI-COOP.-ORG\">ist Iran<\/a> neuntes ordentliches Mitglied der Schanghai Koordination f&uuml;r Zusammenarbeit (Shanghai Coordination of Cooperation).<\/p><p>Seit dem 1. Januar 2024 <a href=\"https:\/\/www.presstv.ir\/Detail\/2024\/05\/17\/725751\/BRICS-core-of-global-will-to-build-fair-world\">geh&ouml;rt<\/a> Iran dem B&uuml;ndnis der BRICS-Staaten an. Zum gleichen Zeitpunkt wurden auch die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien, &Auml;gypten und &Auml;thiopien aufgenommen. Die deutliche Wendung des Iran gen Osten hat auch mit den von den USA (seit 45 Jahren) verh&auml;ngten Sanktionen gegen Iran und mit den EU-Sanktionen zu tun. Die nationale wirtschaftliche Entwicklung des Iran wird vom Westen blockiert. China, Russland und die internationalen B&uuml;ndnisse mit dem &bdquo;Globalen S&uuml;den&ldquo; weisen dagegen Perspektiven auf.<\/p><p><em>Welche Folgen k&ouml;nnte der Tod von Raisi f&uuml;r die Aktivit&auml;ten pro-iranischer Milizen im Libanon, in Syrien und andernorts haben?<\/em><\/p><p>Die sogenannten &bdquo;pro-iranischen Milizen&ldquo; im Irak, Syrien, Libanon und Jemen werden auch als &bdquo;Achse des Widerstandes&ldquo; bezeichnet. Das bedeutet, man widersetzt sich dem Vormarsch, der Infiltration und Einmischung der USA und deren Partnerl&auml;nder, auch milit&auml;risch, in die Region des Nahen und Mittleren Ostens, Westasiens. Diese Strategie geht zur&uuml;ck auf die Zeit des Dritten Irak-Krieges, auf die Invasion von USA, Gro&szlig;britannien und einer &bdquo;Koalition der Willigen&ldquo; in den Irak wegen angeblicher Massenvernichtungswaffen. Das war 2003. Es war ein US-gef&uuml;hrter Krieg im Rahmen des &bdquo;Kriegs gegen den Terror&ldquo; (seit 2001) und er wurde ohne ein Mandat des UN-Sicherheitsrates gef&uuml;hrt.<\/p><p>Die &bdquo;Achse des Widerstandes&ldquo; ist f&uuml;r den Iran von strategischer Bedeutung und wird auf absehbare Zeit sicher nicht aufgel&ouml;st werden. Manche sagen, der Iran will seinen Einflussbereich erweitern, und sie sprechen sogar von &bdquo;Besatzung&ldquo;. Der Iran selber sagt, sein Engagement mit milit&auml;rischen Partnern im Irak, Syrien, Libanon ist Teil der nationalen iranischen Sicherheitsstrategie. &bdquo;Sicherheit in Syrien bedeutet Sicherheit im Iran&ldquo;, hei&szlig;t es.<\/p><p>Im &Uuml;brigen agieren die bewaffneten Gruppen und Milizen heute weitgehend unabh&auml;ngig vom Iran. Der Iran &ndash; die Revolutionsgarden &ndash; haben diese Gruppen seit den 1980er-Jahren &ndash; es war die Zeit des Ersten Golfkriegs zwischen Iran und Irak (1980-88) &ndash; unterst&uuml;tzt, ausgebildet, bewaffnet. Heute haben diese Organisationen politische Parteien gegr&uuml;ndet, sie haben nationale Interessen. Sie nehmen keine Befehle aus Iran an, sie stehen mit Iran im Dialog.<\/p><p>Allerdings gibt es in den jeweiligen Staaten &ndash; Irak, Syrien, Libanon, Jemen &ndash; auch politische Kr&auml;fte, die weder Dialog noch Kooperation mit Iran wollen. Sie bezeichnen die bewaffneten Gruppen und deren politische Parteien als Marionetten des Irans. Diese politischen Kr&auml;fte k&ouml;nnten den Tod von Raisi und Abdollahian f&uuml;r eigene Interessen nutzen. Beide Politiker waren sehr aktiv, reisten viel, suchten den Dialog. Sie hatten Erfahrung, bauten Vertrauen mit alten und neuen B&uuml;ndnispartnern auf. Die Gegner des Iran &ndash; besonders ausgepr&auml;gt findet man sie im Libanon &ndash; k&ouml;nnten Unruhen, Proteste organisieren. Dabei k&ouml;nnten sie &ndash; wie schon h&auml;ufig zuvor &ndash; vom politischen Westen, von den USA und der EU unterst&uuml;tzt werden. Das US-Au&szlig;enministerium beispielsweise <a href=\"https:\/\/www.state.gov\/on-the-death-of-iranian-president-raisi-and-others-in-a-helicopter-crash\/\">erkl&auml;rte<\/a> sein Beileid zum Tod von Raisi und der Delegation. In der gleichen Erkl&auml;rung hei&szlig;t es, man versichere dem iranischen Volk, dass man es bei der Wahl eines neuen Pr&auml;sidenten und in seinem Kampf f&uuml;r Menschenrechte und grundlegende Freiheiten unterst&uuml;tzen werde. Das kann man auch als Ank&uuml;ndigung von Einmischung verstehen.<\/p><p><em>K&ouml;nnte die Suche eines Nachfolgers f&uuml;r Ali Khamenei, dem religi&ouml;sen F&uuml;hrer des Iran, nun zu einem Machtkampf f&uuml;hren? Ebrahim Raisi wurde als ein m&ouml;glicher Nachfolger genannt.<\/em><\/p><p>Diese Frage wird in den religi&ouml;sen Kreisen mit allen wichtigen Klerikern besprochen und letztlich entschieden. Regionale Kenner des Landes beschreiben diese religi&ouml;se und politische Elite als stark und gefestigt. Sie sei in der Lage, Widerspr&uuml;che auszutragen und zu begradigen, hei&szlig;t es. Spekulationen gibt es diesbez&uuml;glich vor allem au&szlig;erhalb des Iran, in ausl&auml;ndischen Medien. Solche Spekulationen k&ouml;nnen zu Unruhen f&uuml;hren, zumal der Iran &ndash; nicht zuletzt wegen der US- und EU-Sanktionen gegen das Land seit Jahrzehnten &ndash; in einer schweren wirtschaftlichen Krise ist. Man hofft, durch die neuen internationalen B&uuml;ndnisse einen Ausweg aus der westlichen Drangsalierung zu finden. Ein innerer Machtkampf nutzt nicht dem Iran, sondern den Gegnern eines souver&auml;nen Staates Iran.<\/p><p><em>Die Beziehungen zwischen dem Iran, dem Westen und Israel sind angespannt. Ist es m&ouml;glich, dass bei dem katastrophalen Hubschrauberabsturz wom&ouml;glich eine Drittpartei eine Rolle gespielt hat? <\/em><\/p><p>Das kann nicht ausgeschlossen werden. Tats&auml;chlich kursieren schon verschiedene Spekulationen auf Videokan&auml;len im Internet. Israel, der israelische Geheimdienst, findet bekanntlich viele Wege und Handlanger, direkt oder indirekt seinen Gegnern zu schaden. Aber nichts ist klar. Die iranische Armee hat mit der Untersuchung schon begonnen. Dazu geh&ouml;rt, dass Russland unmittelbar nach Bekanntwerden des Hubschrauberabsturzes gegen&uuml;ber dem iranischen Botschafter in Moskau die Unterst&uuml;tzung bei der Bergung und auch bei der Untersuchung der Absturzursachen zugesagt hat. Russland ist da sehr erfahren und wird jeden Stein umdrehen. Wir m&uuml;ssen das Ergebnis der Untersuchung abwarten.<\/p><p><em>Viele L&auml;nder haben ihre Solidarit&auml;t mit dem Iran bekundet, im Westen zeigt sich wenig Mitleid und wenig Beileid f&uuml;r den verstorbenen iranischen Pr&auml;sidenten. Wie bewerten Sie die Reaktion?<\/em><\/p><p>Sehen wir auf Deutschland, f&auml;llt auf, dass der deutsche Bundeskanzler Scholz sehr sp&auml;t, sehr knapp, sehr unpers&ouml;nlich sein Beileid &auml;u&szlig;erte. Anders EU-Ratspr&auml;sident Charles Michel und auch der EU-Au&szlig;enbeauftragte Josep Borell, die ihr Beileid unmittelbar nach Bekanntgabe des Todes von Raisi und seiner Delegation &uuml;bermittelten. Der EU-Ratspr&auml;sident stimmte zu, dass das Satellitensystem zur Verf&uuml;gung gestellt wurde, um die Absturzstelle zu finden. Bei schweren Unf&auml;llen und Katastrophen, wie jetzt mit dem iranischen Staatspr&auml;sidenten und Au&szlig;enminister, oder auch bei Fluten, Erdbeben usw. bieten Staaten sich gegenseitig Hilfe an. Die T&uuml;rkei, Saudi-Arabien, Russland, Aserbaidschan &ndash; alle haben Iran Hilfe angeboten.<\/p><p>Deutsche Politiker und Politikerinnen verschiedener Parteien haben das Verhalten von EU-Ratspr&auml;sident Michel und vom EU-Nothilfekoordinator Janez Lenarcic kritisiert. Sein Amt ist allerdings ein humanit&auml;res Amt. Hilfe, Solidarit&auml;t ist die Grundlage.<\/p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"X (Twitter)\" data-provider-slug=\"twitter\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Tweets werden Daten an X (ehemals Twitter) &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von X (Twitter) zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><blockquote class=\"external-2click-target twitter-tweet\">\n<p lang=\"de\" dir=\"ltr\">Die <a href=\"https:\/\/twitter.com\/hashtag\/UN?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw\">#UN<\/a> h&auml;lt eine Schweigeminute f&uuml;r einen Massenm&ouml;rder ab und setzt f&uuml;r diesen die Flaggen auf Halbmast. Ein moralischer Absturz dieser so bedeutenden internationalen Institution. Und Ant&oacute;nio Guterres ist offenkundig der Bruchpilot. <a href=\"https:\/\/t.co\/uEMvlJyIdo\">pic.twitter.com\/uEMvlJyIdo<\/a><\/p>\n<p>&mdash; Marie-Agnes Strack-Zimmermann (@MAStrackZi) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/MAStrackZi\/status\/1792871397569478929?ref_src=twsrc%5Etfw\">May 21, 2024<\/a><\/p><\/blockquote><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"twitter\">Inhalte von X (Twitter) nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><p> <\/p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"X (Twitter)\" data-provider-slug=\"twitter\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Tweets werden Daten an X (ehemals Twitter) &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von X (Twitter) zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><blockquote class=\"external-2click-target twitter-tweet\">\n<p lang=\"de\" dir=\"ltr\">Hallo Frau <a href=\"https:\/\/twitter.com\/vonderleyen?ref_src=twsrc%5Etfw\">@vonderleyen<\/a>, ist das nicht schon eine strafbare Unterst&uuml;tzung einer ausl&auml;ndischen terroristischen Vereinigung?<\/p>\n<p>Der Pr&auml;sident des Iran ist ein Massenm&ouml;rder und Geiselnehmer. <a href=\"https:\/\/t.co\/eqsp9rYKyj\">https:\/\/t.co\/eqsp9rYKyj<\/a><\/p>\n<p>&mdash; Volker Beck &#128011; &#127482;&#127462;&#127470;&#127473;&#127895;&#65039; (@Volker_Beck) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/Volker_Beck\/status\/1792279484491497846?ref_src=twsrc%5Etfw\">May 19, 2024<\/a><\/p><\/blockquote><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"twitter\">Inhalte von X (Twitter) nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><p> <\/p><p>Iran ist ein Mitglied der internationalen Staatengemeinschaft, der UNO. Die Vereinten Nationen sind ein Instrument der Diplomatie. Hier haben alle Mitglieder die gleichen Rechte und Pflichten. Die Werte, auf die sich deutsche Spitzenpolitiker neuerdings gern berufen und nutzen, um sich &uuml;ber andere zu erheben, stehen seit Jahrzehnten in der UN-Charta. Von Spitzenpolitikern, die Deutschland auch noch nach au&szlig;en repr&auml;sentieren wollen, muss man erwarten k&ouml;nnen, dass sie sich entsprechend verhalten.<\/p><p><small>Titelbild: lev radin\/shutterstock.com<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Iran ist Pr&auml;sident Ebrahim Raisi bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben gekommen. Mit ihm starben Au&szlig;enminister Hossein Amir Abdollahian, der Leiter des Freitagsgebets in T&auml;bris Ayatollah Mohammad Ali Al-e-Hashem, der Gouverneur der iranischen Provinz Ost-Aserbaidschan Malek Rahmati, der Leiter des Begleitteams der Pr&auml;sidentengarde Mehdi Mousavi und vier weitere Begleiter, darunter die Hubschraubercrew. Der Absturz ereignete<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=115592\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":115593,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,107,20],"tags":[2964,951,2338,1878,1363,1019],"class_list":["post-115592","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-landerberichte","tag-aserbaidschan","tag-iran","tag-mittlerer-osten","tag-naher-osten","tag-verkehrskatastrophe","tag-wirtschaftssanktionen"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Shutterstock_2363998847.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/115592","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=115592"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/115592\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":115621,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/115592\/revisions\/115621"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/115593"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=115592"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=115592"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=115592"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}