{"id":115609,"date":"2024-05-23T12:18:26","date_gmt":"2024-05-23T10:18:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=115609"},"modified":"2024-05-23T15:29:33","modified_gmt":"2024-05-23T13:29:33","slug":"die-afd-israel-antisemitismus-und-die-muslime-denkfehler-und-taktische-auslassungen-bestimmen-die-debatte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=115609","title":{"rendered":"Die AfD, Israel, Antisemitismus und die Muslime \u2013 Denkfehler und taktische Auslassungen bestimmen die Debatte"},"content":{"rendered":"<p>Wie ein roter Faden zieht sich eine Erz&auml;hlung durch die Berichterstattung, nach der die AfD antisemitisch und daher eine Kritikerin der israelischen Politik sei. Das ist erstaunlich, versteht sich die AfD selbst doch als kompromisslose Unterst&uuml;tzerin des Staates Israels. Den j&uuml;dischen Staat sieht sie als Bollwerk gegen den Islam, der ihr eigentlicher Feind ist. Der Denkfehler, modernen mit klassischem Rechtsextremismus gleichzusetzen, ist sehr popul&auml;r und verhindert oft das Verst&auml;ndnis f&uuml;r Zusammenh&auml;nge. Moderne deutsche Rechtsextreme zeichnen sich vor allem durch antimuslimischen Rassismus aus und unterscheiden sich in diesem Punkt nicht von ihren israelischen Gesinnungsgenossen. Ob es sich bei der falschen Erz&auml;hlung wirklich um einen Denkfehler handelt, ist jedoch fraglich. Es ist ebenso gut m&ouml;glich, dass es dem proisraelischen Mainstream unangenehm ist, in diesem Punkt gr&ouml;&szlig;ere Schnittmengen mit den Rechtsextremen zu haben. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9928\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-115609-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240523_Die_AfD_Israel_Antisemitismus_und_die_Muslime_Denkfehler_und_taktische_Auslassungen_bestimmen_die_Debatte_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240523_Die_AfD_Israel_Antisemitismus_und_die_Muslime_Denkfehler_und_taktische_Auslassungen_bestimmen_die_Debatte_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240523_Die_AfD_Israel_Antisemitismus_und_die_Muslime_Denkfehler_und_taktische_Auslassungen_bestimmen_die_Debatte_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240523_Die_AfD_Israel_Antisemitismus_und_die_Muslime_Denkfehler_und_taktische_Auslassungen_bestimmen_die_Debatte_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=115609-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240523_Die_AfD_Israel_Antisemitismus_und_die_Muslime_Denkfehler_und_taktische_Auslassungen_bestimmen_die_Debatte_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"240523_Die_AfD_Israel_Antisemitismus_und_die_Muslime_Denkfehler_und_taktische_Auslassungen_bestimmen_die_Debatte_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>&bdquo;Der Angriff [der Hamas] galt nicht nur dem j&uuml;dischen Staat, er galt auch uns. Israel, das ist der Westen in einer Umgebung, die den Westen ablehnt und bek&auml;mpft. Wenn wir uns an die Seite Israels stellen, verteidigen wir auch unsere Art zu leben (&hellip;).&rdquo; Dieser Satz k&ouml;nnte ebenso gut vom Gr&uuml;nen-Politiker und Pr&auml;sidenten der Deutsch-Israelischen-Gesellschaft Volker Beck kommen; <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/nachrichten\/politik\/ausland\/afd-chrupalla-israel-hamas-100.html\">ausgesprochen hatte ihn jedoch der Ehrenvorsitzende der AfD, Alexander Gauland,<\/a> im Bundestag. &Uuml;berraschend war dies nicht. Schon 2017 und 2018 hatte Gauland in der Debatte darum, ob die bedingungslose Solidarit&auml;t mit Israel Teil der deutschen Staatsraison sei, <a href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/dokumente\/textarchiv\/2018\/kw17-de-israel-551102\">im Bundestag betont<\/a>, dass es &bdquo;im Ernstfall&ldquo; auch f&uuml;r Deutschland &bdquo;Pflicht sei [&hellip;] an Israels Seite zu k&auml;mpfen und gegebenenfalls zu sterben.&ldquo;<\/p><p>Und Gauland ist mit dieser Position keinesfalls allein in der AfD. Auch der verteidigungspolitische Sprecher der AfD, R&uuml;diger Lucassen, <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/international\/die-afd-und-israel-die-rechten-ringen-um-das-mass-an-solidaritaet-ld.1826517\">w&uuml;nscht sich<\/a> im Rahmen der &bdquo;Staatsraison&ldquo;, dass Deutschland an der Seite Israels in Gaza k&auml;mpfen solle. Wenn das nicht m&ouml;glich sei, <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/politik-gesellschaft\/afd-nach-chrupalla-aeusserung-die-afd-streitet-ueber-israel-politik-li.2149663\">solle man<\/a> nun &bdquo;volle R&uuml;ckendeckung f&uuml;r die Antiterror-Operation in den n&auml;chsten Wochen und Monaten [geben] &ndash; auch wenn es zu unsch&ouml;nen Bildern kommt&ldquo;. Den Israelis <a href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/dokumente\/textarchiv\/2021\/kw20-de-einspruch-ordnungsruf-843094\">w&uuml;nschte er<\/a> bei ihrem Krieg in Gaza &bdquo;gute Jagd und fette Beute&ldquo; und schloss jegliche diplomatische L&ouml;sung des Konflikts aus. Zustimmung zu solchen Positionen <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/politik-gesellschaft\/afd-nach-chrupalla-aeusserung-die-afd-streitet-ueber-israel-politik-li.2149663\">erfolgte auch<\/a> durch den au&szlig;enpolitischen Sprecher Petr Bystron und Beatrix von Storch.<\/p><p>Schon vor der j&uuml;ngsten Eskalation trat die AfD immer wieder daf&uuml;r ein, der pal&auml;stinensischen Selbstverwaltung die Mittel zu streichen. Deutsche Pro-Pal&auml;stina-Demonstranten werden von der AfD dabei gerne als <a href=\"https:\/\/www.afd-fraktion-tk.de\/antraege\/2023\/11\/nie-wieder-ist-jetzt-treptow-koepenick-stellt-sich-gegen-antisemitismus\/\">&bdquo;F&uuml;nfte Kolonne des pal&auml;stinensischen Terrors&ldquo; bezeichnet<\/a>.<\/p><p>So wie Kritik an der Politik Israels nicht mit Antisemitismus gleichzusetzen ist, ist selbstverst&auml;ndlich die offene Unterst&uuml;tzung der israelischen Politik nicht gleichzusetzen mit einer philosemitischen Haltung. So viel ist klar. Die AfD in diesem Kontext als antisemitisch zu bezeichnen, geht jedoch klar an der Faktenlage vorbei. Wer so argumentiert, scheint den modernen Rechtsextremismus &ndash; der in der AfD sicher vorhanden ist &ndash; mit dem klassischen Rechtsextremismus der Nazis zu verwechseln. Sicherlich gibt es auch unter heutigen Rechtsextremisten noch Anh&auml;nger dieses klassischen Antisemitismus, die Str&ouml;mung definiert sich jedoch nicht dar&uuml;ber, sondern &uuml;ber ihren Rassismus gegen Migranten und hier vor allem gegen muslimische Migranten. Sie sind es, die in der AfD und deren Umfeld als &bdquo;Bedrohung&ldquo; wahrgenommen werden. Sie sind es, gegen die man hetzt und polemisiert. Sie sind es, die man gerne abschieben w&uuml;rde, da ihre Werte angeblich nicht mit &bdquo;unseren abendl&auml;ndischen Werten&ldquo; kompatibel sind.<\/p><p>Der Staat Israel ist in dieser Erz&auml;hlung nat&uuml;rlich kein Feind, sondern ein Verb&uuml;ndeter &ndash; ein Bollwerk mitten im Herz der muslimischen Bedrohung. In rechten Kreisen geh&ouml;rt daher die Solidarit&auml;t mit Israel zum guten Ton und ist sehr weit verbreitet. Wer das nicht mitbekommen hat, hat die letzten 20 Jahre verschlafen, und wer dies verschweigt, agiert unredlich. Sicher ist es f&uuml;r die Kulturk&auml;mpfer der gr&uuml;nen Fraktion peinlich, dass sie in diesem Punkt gro&szlig;e Schnittmengen mit den Kulturk&auml;mpfern der braunen Fraktion haben. Das ist verst&auml;ndlich.<\/p><p>Verst&auml;ndlich ist auch, dass die AfD ihre proisraelische Orientierung aus strategischen Gr&uuml;nden nicht gerne derart offen zeigt. Immerhin geh&ouml;ren nicht nur erzkonservative und rechte W&auml;hler &ndash; bei denen diese Position sicher nicht aneckt &ndash;, sondern auch zahlreiche potenzielle W&auml;hler aus dem diffusen Lager der &bdquo;Unzufriedenen&ldquo; zur W&auml;hlerklientel. Darunter finden sich auch Leute mit &bdquo;antiimperialistischen&ldquo; und &bdquo;antiamerikanischen&ldquo; Positionen sowie ehrlich Friedensbewegte, die man mit proisraelischen Positionen abschrecken w&uuml;rde. Um diese W&auml;hlerschichten einzufangen, m&auml;&szlig;igt man sich zumindest in offiziellen Verlautbarungen.<\/p><p>Dahinter steht neben reiner Taktik jedoch auch Kalk&uuml;l, das dann wieder in den antimuslimischen Grundkonsens passt. So begr&uuml;ndet beispielsweise der AfD-Spitzenkandidat f&uuml;r die Europawahl, Maximilian Krah, seine Forderung nach Deeskalation mit der Sorge, dass Israels Kriegsf&uuml;hrung <a href=\"https:\/\/twitter.com\/KrahMax\/status\/1714931410761375931?ref_src=twsrc%5Etfw\">&bdquo;Fl&uuml;chtlingsstr&ouml;me von mehreren Millionen Menschen in Marsch [setzen k&ouml;nne]&ldquo;<\/a> und &bdquo;wir keine neuen Fl&uuml;chtlinge [brauchen]&ldquo;.<\/p><p>Den eigentlichen Antisemitismus verorten nicht nur Gauland, sondern auch Krah und Co. ohnehin bei den Muslimen. Und so gibt man sich anti-antisemitisch. Der Feind meines Feindes ist mein Freund. Da Israel in der Erz&auml;hlung der AfD der Feind der Muslime ist, f&uuml;hlt man sich mit dem Staat verbunden; dass Israel von einer rechtsextremen Regierung gef&uuml;hrt wird, ist dieser Sympathie sicher nicht abtr&auml;glich. So finden sich am Ende Hardliner der Gr&uuml;nen mit Hardlinern der AfD zusammen im Bett. Ja, das neue politische Gef&uuml;ge ist schon ziemlich un&uuml;bersichtlich.<\/p><p><small>Titelbild: <a href=\"https:\/\/afdkompakt.de\/2018\/04\/19\/wir-gratulieren-israel-zum-70-jaehrigen-jubilaeum-der-staatsgruendung\/\">Screenshot AfD-Kompakt<\/a><\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/528fbc19db70474cb29ba0d05859d35b\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie ein roter Faden zieht sich eine Erz&auml;hlung durch die Berichterstattung, nach der die AfD antisemitisch und daher eine Kritikerin der israelischen Politik sei. Das ist erstaunlich, versteht sich die AfD selbst doch als kompromisslose Unterst&uuml;tzerin des Staates Israels. Den j&uuml;dischen Staat sieht sie als Bollwerk gegen den Islam, der ihr eigentlicher Feind ist. 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