{"id":11585,"date":"2011-12-13T15:38:17","date_gmt":"2011-12-13T14:38:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11585"},"modified":"2014-12-28T13:53:45","modified_gmt":"2014-12-28T12:53:45","slug":"europas-zukunft-liegt-in-der-schuldenbremse-bei-gabriel-ist-hopfen-und-malz-verloren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11585","title":{"rendered":"Europas Zukunft liegt in der Schuldenbremse \u2013 bei Gabriel ist Hopfen und Malz verloren"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"\/?p=11564\">Sigmar Gabriel hat auch noch<\/a> einen <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/debatten\/kapitalismus\/eurokrise-was-wir-europa-wirklich-schulden-11560106.html#Drucken\">Essay f&uuml;r die FAZ geschrieben<\/a>.<br>\nTitel: &bdquo;Was wir Europa wirklich schulden&ldquo;. Siegmar Gabriel beruft sich ausgerechnet auf den Bundesbankpr&auml;sidenten Weidmann und meint, es m&uuml;ssten &bdquo;bislang rein nationale Souver&auml;nit&auml;tsrechte in der Europ&auml;ischen Union geb&uuml;ndelt, um in einer gemeinsamen W&auml;hrungszone auch eine gemeinsame Strategie des Schuldenabbaus, der Sanierung der Staatshaushalte und der Investition in die Wettbewerbsf&auml;higkeit sowie die wirtschaftliche und soziale Entwicklung zu verfolgen.&ldquo; Damit l&auml;sst sich der Vorsitzende der SPD auf die g&auml;ngige Forderung einer europ&auml;ischen Sparunion ein. Von der notwendigen Korrektur der auseinanderdriftenden Entwicklung der L&ouml;hne, Lohnst&uuml;ckkosten und der Preise ist im ganzen Text keine Rede. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><\/p><p>Dieser Essay von Gabriel zeigt, dass die SPD unter seiner F&uuml;hrung nicht zu eigenst&auml;ndigen und aus der Sache entwickelten Antworten auf die Probleme unserer Zeit kommt. Dort wird nicht gefragt, was wichtig w&auml;re, um die unterschiedliche Entwicklung der Wettbewerbsf&auml;higkeiten der einzelnen Volkswirtschaften zu korrigieren &ndash; st&auml;rkere Lohnerh&ouml;hungen bei uns zum Beispiel und verhaltene Entwicklung bei den Volkswirtschaften mit Leistungsbilanzdefiziten, kompatiblere Entwicklung der Preisniveaus. <\/p><p>Typisch f&uuml;r diesen Essay ist folgender Satz:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Der Drogenabh&auml;ngige bekommt billige Drogen &ndash; ohne Therapieangebot.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Gemeint sind die L&auml;nder mit Schwierigkeiten, ihre Haushalte zu finanzieren. Spanien, Portugal&hellip; &bdquo;drogenabh&auml;ngig&ldquo;?<\/p><p>Der SPD-Vorsitzende hat keine Ahnung davon, dass zum Beispiel diese L&auml;nder weniger drogenabh&auml;ngig waren als Deutschland. <\/p><p>Gabriel nennt Deutschland Musterknabe. Er suggeriert, dass es hierzulande wirtschaftlich rund um gut geht. Er spricht von sehr gutem Wirtschaftswachstum. Grotesk Sein Horizont reicht offenbar nicht &uuml;ber Wolfsburg und die Auftragslage bei VW hinaus. Gabriel schreibt, &bdquo;ausgerechnet Deutschland&ldquo; halte es nicht f&uuml;r n&ouml;tig, durch den Abbau der Staatsverschuldung in guten wirtschaftlichen Zeiten die Spielr&auml;ume zu schaffen, die das Land, aber auch Europa bitter n&ouml;tig haben wird, wenn es zu einem beschleunigten wirtschaftlichen Abschwung kommen sollte&ldquo;.<\/p><p>Der Vorsitzende der gr&ouml;&szlig;ten Oppositionspartei, die einmal federf&uuml;hrend f&uuml;r eine vern&uuml;nftige Makropolitik in Deutschland war, glaubt wirklich, wir h&auml;tten jetzt einen Boom, obwohl wir bei der Wirtschaftst&auml;tigkeit gerade mal das Niveau von 2008 erreicht haben und dies war auch nicht gut. Gabriel glaubt, es w&uuml;rde jetzt im Angesicht einer weltweiten Rezession Sinn machen zu sparen. Davon, dass konjunkturpolitische Ma&szlig;nahmen Zeit brauchen, dass also wegen der weltweit kritischen Entwicklung expansive Ma&szlig;nahmen jetzt angesagt w&auml;ren, hat dieser Parteivorsitzende keine Ahnung. Wie die SPD ihre makro&ouml;konomische Kernkompetenz verspielt hat, ist schon bedr&uuml;ckend.<\/p><p>Man muss leider davon ausgehen, dass es gar nicht das Bem&uuml;hen um Kompetenz gibt. Gabriel oder seine Artikelschreiber plappern einfach nach, was g&auml;ngiges Gerede ist: &bdquo;Sparen, in guten Zeiten besonders, Fiskalunion&ldquo; usw.<\/p><p><strong>Ebenfalls nachgeplappert ist das gro&szlig;e Vertrauen in die Br&uuml;sseler Kompetenz.<\/strong><br>\nLangsam m&uuml;sste sich doch auch bis zum Willy-Brandt-Haus rum gesprochen haben, dass die Dichte an neoliberalem Glauben, an Kompetenz und Charakterlosigkeit in Br&uuml;ssel vermutlich gr&ouml;&szlig;er ist als in vielen Hauptst&auml;dten der Mitgliedsstaaten. Die europ&auml;ische Kommission war immer auch eine treibende Kraft dessen, was Griechenland und anderen L&auml;ndern an prozyklischen Sparvorgaben aufgen&ouml;tigt worden ist. Br&uuml;ssel ist ein Matador der Privatisierungen auf allen Ebenen und Gegner &ouml;ffentlicher Verantwortung. Und Br&uuml;ssel ist &uuml;brigens auch ein Musterbeispiel an Charakterlosigkeit. Hier bei uns w&uuml;rden sich sogar CSU Gremien kritisch &uuml;berlegen, ob sie dem Herrn von und zu Guttenberg eine staatliche Aufgabe zueignen, in Br&uuml;ssel nicht, wie wir in den letzten Tagen staunend erleben durften.<\/p><p>Damit wende ich mich nicht prinzipiell gegen in Br&uuml;ssel konzentrierte Kompetenzen. Ich wende mich gegen die Blau&auml;ugigkeit, die bei Gabriels Einlassungen durch scheint.<\/p><p><strong>Eine Fiskalunion ist makro&ouml;konomisch nicht n&ouml;tig und sie w&uuml;rde die Entwicklung der europ&auml;ischen L&auml;nder in Vielfalt auch unn&ouml;tig einengen.<\/strong><\/p><p>Es ist in einer gemeinsamen W&auml;hrungsunion durchaus m&ouml;glich, dass in den einzelnen Volkswirtschaften von den einzelnen V&ouml;lkern verschiedene Akzente gesetzt werden. Die D&auml;nen zum Beispiel haben sich daf&uuml;r entschieden, soziale Sicherungssysteme f&uuml;r Alter und Krankheit &uuml;ber Steuern zu finanzieren. Deshalb wird die Steuerquote D&auml;nemarks h&ouml;her liegen. Die Schweden haben immer noch einen vergleichsweise gro&szlig;en &ouml;ffentlichen Sektor, usw.<br>\nAuch andere V&ouml;lker k&ouml;nnten sich daf&uuml;r entscheiden, wie bisher oder mehr als bisher Dienstleistungen in &ouml;ffentlicher Verantwortung zu erstellen. Wenn man eine Fiskalunion eingeht, dann wird der geb&uuml;ndelte ideologische Druck auf Privatisierung &ouml;ffentlicher Leistungen zunehmen. Das k&ouml;nnen einzelne V&ouml;lker so f&uuml;r sich entscheiden. Es gibt jedoch keinen Grund, die Pfade der Entwicklung in diesem Bereich wie in vielen anderen zu vereinheitlichen. Das gilt &uuml;brigens auch nicht f&uuml;r die Bildungspolitik, wo die Vereinheitlichung unter Anleitung der OECD unn&ouml;tigerweise betrieben worden ist.<\/p><p>Es w&auml;re eine genuin sozialdemokratische Aufgabe, angesichts der erkennbaren neoliberalen Ausrichtung in Br&uuml;ssel und angesichts des Lobby-Einflusses in Br&uuml;ssel daf&uuml;r zu streiten, dass den einzelnen V&ouml;lkern sozialstaatlichere Wege m&ouml;glich sind.<\/p><p>Gerade wenn man der Meinung ist, was auch bei Gabriel aufscheint, dass Europas Anziehungskraft auch aus der Vielfalt w&auml;chst, muss man diese M&ouml;glichkeit der verschiedenen Entwicklungen offen halten.<br>\nWirklich wichtig ist in einer gemeinsamen W&auml;hrungsraum die schon erw&auml;hnte Abstimmung von Lohn- und Preisentwicklung, damit die Wettbewerbsf&auml;higkeit der einzelnen Volkswirtschaften nicht so aufeinander klafft, wie dies in den letzten zehn Jahren geschehen ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><a href=\"\/?p=11564\">Sigmar Gabriel hat auch noch<\/a> einen <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/debatten\/kapitalismus\/eurokrise-was-wir-europa-wirklich-schulden-11560106.html#Drucken\">Essay f&uuml;r die FAZ geschrieben<\/a>.<br \/> Titel: &bdquo;Was wir Europa wirklich schulden&ldquo;. 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