{"id":115889,"date":"2024-05-29T11:41:00","date_gmt":"2024-05-29T09:41:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=115889"},"modified":"2024-05-29T11:41:00","modified_gmt":"2024-05-29T09:41:00","slug":"leserbriefe-zu-bitte-packen-sie-jetzt-das-grundgesetz-weg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=115889","title":{"rendered":"Leserbriefe zu \u201eBitte packen Sie jetzt das Grundgesetz weg!\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Tobias Riegel kommentiert <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=115633\">in diesem Beitrag<\/a> die Feierlichkeiten zum 75. Jahrestag des Grundgesetzes. Sie seien &bdquo;ein neuer H&ouml;hepunkt der Heuchelei&ldquo;. Nach den Erfahrungen mit der Corona-Politik und der aktuellen militaristischen Zeitenwende seien &bdquo;vor allem zwei Anliegen des Grundgesetzes schwer unter Druck: Zum einen die auch in polarisierten Zeiten (eigentlich) garantierte Meinungsfreiheit. Und zum anderen das &acute;Friedensgebot&acute;&ldquo;. Ber&uuml;hrt sei vor allem w&auml;hrend Corona auch die W&uuml;rde des Menschen gewesen. Wir danken f&uuml;r die interessanten Leserbriefe. Hier nun eine Auswahl. Zusammengestellt von <strong>Christian Reimann<\/strong>.<br>\n<!--more--><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>1. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Guten Tag,<\/p><p>die &Uuml;berschrift kann es wohl kaum treffender wiedergeben.<\/p><p>Meines Wissens nach steht das Grundgesetz &uuml;ber allem und gew&auml;hrt die Grundrechte, die jedem Menschen in unserem Land zu stehen. Es sind Menschenrechte mit dem unverr&uuml;ckbaren Recht auf Menschenw&uuml;rde. An dieses hohe Gut haben sich alle zu halten, insbesondere die B&uuml;rger, die durch ihre &Auml;mter in der Legislative, Exekutive und der Judikative Gewalt aus&uuml;ben.<\/p><p>Die Einhaltung obliegt der besonderen Verantwortung dieser B&uuml;rger, die hierzu einen Amtseid abgelegt haben. Die &Uuml;berwachung der Einhaltung soll und muss die Judikative, das&nbsp;<\/p><p>Bundesverfassungsgericht gew&auml;hrleisten. So, So einfach ist das. Doch was wurde daraus?<\/p><p>&Uuml;ber alle Ebenen der vorgegebenen Gewaltenteilung hat sich Parteienfilz gebildet. Das GG wurde und wird weiter, je nach Auffassung der regierenden Klientel gebeugt, ja sogar ausgehebelt.<\/p><p>Die Beispiele hierzu sind bekannt. Besonders auff&auml;llig in letzter Zeit sind die Amtstr&auml;ger, die die Demokratie gef&auml;hrdet sehen, aber selbst am meisten dazu beitragen und die Gesellschaft spalten.<\/p><p>Es sind also alle gefragt dem entgegen zu wirken. Ein wichtiger Schritt hierzu, w&auml;re mit Sicherheit, eine unabh&auml;ngige und parteilose Justiz zu schaffen. Zu bef&uuml;rchten ist aber, dass mangels Interesse des &uuml;berwiegenden Teils der Bev&ouml;lkerung, weiter gebeugt und gehebelt wird.&nbsp;<\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<br>\nThomas St&ouml;be<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>2. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrte Nachdenkseiten,<\/p><p>man kann den Groll sp&uuml;ren, den Tobias Riegel beim Schreiben des Artikels hatte, und auch nur zustimmen!<\/p><p>Das Grundgesetz (GG) ist eigentlich gar nicht so schlecht, aber: es ist erstens viel zu unscharf gestaltet, ein typisches Merkmal eines von Juristen formulierten Dokuments (ich will aber nicht alle Juristen &uuml;ber einen Kamm scheren). Denn es obliegt immer einer Auslegung\/Interpretation, und die wird durch die Machtelite bestimmt. Deswegen kann, leider, das GG gegenw&auml;rtig wie eine Monstranz pr&auml;sentiert werden ohne da&szlig; Steinmeier et al. einen roten Kopf bekommen.<\/p><p>Zweitens steht das GG in Konkurrenz zur &bdquo;Freiheitlich-Demokratischen Grundordnung&ldquo;, die m.E. &uuml;berhaupt nicht definiert ist, aber mit GG und einer &bdquo;Verfassung&ldquo; gleichgesetzt wird. &bdquo;Freiheit&ldquo; ist nat&uuml;rlich die des Kapitals, und &bdquo;Demokratie&ldquo; entspricht der Idee der, gr&ouml;&szlig;tenteils antidemokratischen, Gr&uuml;nderv&auml;ter der US-Verfassung. Vor einer Legitimierung des GG als Verfassung wird ja aus verst&auml;ndlichen Gr&uuml;nden abgesehen, denn vor einer Volksabstimmung hat man Angst. Und nicht mal das w&auml;re ein demokratischer Prozess, weil nur eine Zustimmungsverweigerung bliebe!<\/p><p>Freundliche Gr&uuml;&szlig;e, Wolfgang Blendinger<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>3. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Guten Tag Herr Riegel, liebe Nachdenkseiten,<\/p><blockquote><p>&bdquo;Es gibt keine gesamtdeutsche Verfassung, das ist ein fortgesetzter Akt der Ignoranz.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>So ist es in der Tat, ein Akt der Ignoranz des Volkes, das sich jederzeit eine Verfassung geben k&ouml;nnte. Das jedoch will kaum jemand, wie etwa unsere-verfassung.de mit besch&auml;menden 7000 Zustimmungen zeigt. Passend dazu lie&szlig; sich das deutsche Volk seine Eigenschaft &bdquo;deutsches Volk&ldquo; von seinen Regenten wegnehmen, siehe Pr&auml;ambel. Das nenne ich vollendete Demut.<\/p><p>Ein sch&ouml;nes Wochenende w&uuml;nscht<\/p><p>Udo Steinbach<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>4. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Halolo, NDS-Team!<\/p><p>Wenn Steinmeier und seine Komplizen von &ldquo;unserem Grundgesetz&rdquo; schwafeln, erinnere ich an Rainer Mausfeld. Mausfeld kommentierte solche &Auml;u&szlig;erungen mit dem Hinweis, dass man das durchaus w&ouml;rtlich nehmen sollte, denn Steinmeier spricht von &ldquo;seinem&rdquo; GG, meint damit nicht die Gesellschaft im Allgemeinen. Diese Ansicht von Rainer Mausfeld teile ich.<\/p><p>Frohes GG-Fest!<\/p><p>Burkhard Malotke<\/p><blockquote><p>&bdquo;Die Wahrheit ist seltsamer als die Fiktion, aber das liegt daran, dass die Fiktion verpflichtet ist, sich an die M&ouml;glichkeiten zu halten. Die Wahrheit ist es nicht.&ldquo; (Mark Twain)<\/p><\/blockquote><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>5. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Lieber Tobias Riegel, <\/p><p>in Erg&auml;nzung zu Ihrem Artikel und zum Nachdenken m&ouml;chte ich einige historische Informationen beisteuern: Es wurde nie von der Bev&ouml;lkerung &uuml;ber das Grundgesetz abgestimmt. Das haben seinerzeit die Gr&uuml;nder der BRD verhindert, denn sie wussten: Der &uuml;berwiegenden Mehrheit der Menschen war klar, dass mit dessen Inkraftsetzung die Spaltung Deutschlands umgesetzt wurde. Diese zogen die Westm&auml;chte mit Hilfe Adenauers und seiner Hinterm&auml;nner durch gegen die im Potsdamer Abkommen festgelegten Vereinbarungen der Siegerm&auml;chte, Deutschland als Einheit zu behandeln. <\/p><p>In Ost und West gab es eine klare Mehrheit gegen die Aufteilung des Landes. W&auml;hrend in der sowjetischen Besatzungszone die in Potsdam ebenfalls festgelegte Demilitarisierung und Entmachtung der Banken-, R&uuml;stungsindustrie und des Junkertums umgesetzt wurde, wurden in der BRD die alten Machtverh&auml;ltnisse aufrecht erhalten, gro&szlig;enteils mit demselben Personal in f&uuml;hrenden Positionen, Beispiele sind Flick, Abs und Konsorten. <\/p><p>H&auml;ufig wird auch vergessen, dass zwei Drittel der Abgeordneten des ersten Bonner Bundestages vormalige Mitglieder der NSDAP waren, jetzt nat&uuml;rlich als gewendete Demokraten in anderen Parteien versteckt. <\/p><p>Mit der Spaltung Deutschlands war die Verweigerung eines Friedensvertrages verbunden. Dass dieser von den Westm&auml;chten selbst noch nach der Wiedervereinigung abgelehnt wurde und durch den sogenannten Zwei plus vier Vertrag angeblich ersetzt wurde, hat zur Folge, dass wir heute rund zweihundert US Milit&auml;rbasen im Land haben, wo auf exterritorialem Gel&auml;nde beispielsweise US Atombomben lagern, was Deutschland logischerweise zum vordringlichen Ziel f&uuml;r einen Gegenschlag machen muss, wenn die Kriegstreiber a la Strack-Zimmermann, R&ouml;ttgen, Hofreiter tats&auml;chlich mit ihren Kampagnen zum Angriff auf Russland Erfolg haben sollten. <\/p><p>&Uuml;ber diese f&uuml;r das &Uuml;berleben der Menschen entscheidende Frage wurde nach meiner Information bei den Beschw&ouml;rungen der (durchaus vorhandenen) positiven Inhalte dieses Gesetzes w&auml;hrend der 75-Jahres-Feierlichkeiten geschwiegen. <\/p><p>Freundliche Gr&uuml;&szlig;e<br>\nFred Schumacher <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>6. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrter Herr Riegel<\/p><p>Vielen Dank f&uuml;r diesen Artikel.<\/p><p>Das Grundgesetz wird von unseren Regierenden und den selbsternannten &bdquo;Qualit&auml;tsmedien&ldquo; bei Bedarf gerne als Aush&auml;ngeschild f&uuml;r unsere optimale demokratische Verfasstheit angef&uuml;hrt.<\/p><p>Auch wenn ich Ihre Kritik an den Corona-Ma&szlig;nahmen der deutschen Regierung im Wesentlichen nicht teile, weil meine G&uuml;terabw&auml;gung zwischen Freiheit und Gesundheit\/Leben eindeutig den Schwerpunkt auf Gesundheit und Leben legt, ohne dass mir der Aspekt Freiheit unwichtig w&auml;re, bin ich ansonsten ganz bei Ihnen.<\/p><p>Schaut man beim Grundgesetz genau hin, muss man leider feststellen, dass inhaltlich zumindest gelegentlich auch in sehr relevanten Angelegenheiten am Grundgesetz vorbei regiert wird und das Grundgesetz vordergr&uuml;ndig mehr verspricht als es letztlich h&auml;lt. In Artikel 5, der z.B. das Recht auf freie Meinungs&auml;u&szlig;erung festschreibt findet sich in Absatz 2 schon gleich eine Einschr&auml;nkung ebenso in Artikel 19. &Auml;hnliches findet man h&auml;ufiger im Grundgesetz. H&auml;ufig heisst es dann &bdquo;n&auml;heres regelt ein Gesetz&ldquo;.<\/p><p>Sie haben in ihrem Artikel zurecht auf die gegenw&auml;rtige Aush&ouml;hlung der vom Grundgesetz geforderten Meinungsfreiheit durch Kriminalisierung unliebsamer Meinungen und des Friedensgebots hingewiesen.<\/p><p>Hinzu nehmen m&uuml;sste man noch die gegenw&auml;rtigen Einschr&auml;nkung der Versammlungs- und Demonstrationsfreiheit, die Auslandseins&auml;tze der Bundeswehr, die Lieferung von Waffen in Kriegsgebiete und nicht zuletzt die menschenverachtenden Praktiken innerhalb der Bundeswehr, auf die ich im Folgenden n&auml;her eingehen will, weil sie in der &ouml;ffentlichen Diskussion viel zu wenig Beachtung finden und diese Praktiken mit der Unantastbarkeit der Menschenw&uuml;rde nicht vereinbar sind. <\/p><p>Diese menschenverachtenden Praktiken, die ich weiter unten kurz schildere, waren zumindest w&auml;hrend meiner Zwangsrekrutierung in den siebziger Jahren Realit&auml;t, also in einer Zeit als das Grundgesetz auch schon g&uuml;ltig war und offensichtlich wegen der damals notwendigen Kriegst&uuml;chtigkeit faktisch implizit teilweise au&szlig;er Kraft gesetzt wurde. &Auml;hnliche Implikationen sind wahrscheinlich auch heutzutage f&uuml;r Wehrpflichtige zu erwarten, wenn nicht mehr nur laut &uuml;ber eine Wiedereinf&uuml;hrung der Wehrpflicht nachgedacht wird, sondern wenn diese wieder Realit&auml;t werden sollte.<\/p><p>Der milit&auml;rische Drill, der offenbar notwendig ist, um die Befehls-Gehorsams-Disposition so tief im Soldaten zu verankern, dass er bereit ist, auf Befehl ohne Nachzudenken in den Tod zu gehen, erfordert schon spezielle menschenverachtende Praktiken, die man auch als spezielle Form der Gehirnw&auml;sche ansehen kann und die viele Dem&uuml;tigungen und sinnlose Formalausbildungen und sonstige sinnlose T&auml;tigkeiten beinhalten, die der Soldat auf Befehl st&auml;ndig ausf&uuml;hren muss, wodurch sein eigener Wille gebrochen und er zum reinen Befehlsempf&auml;nger gemacht wird. Dies beinhaltet: keine Wahl des Aufenthaltsortes, keine Wahl der Personen, mit denen man Kontakt hat, keine Wahl des Essens, (Kasernierung), keine Wahl der Kleidung (Uniformierung, keine Wahl der T&auml;tigkeiten w&auml;hrend des ganzen Tages. Der ganze Tag ist f&uuml;r den Soldaten vorgeplant. Hinzu kommen st&auml;ndige &Uuml;berwachung und detailliert vorgeschriebene K&ouml;rperhaltungen und Bewegungen (antreten, still gestanden, die Augen rechts, r&uuml;hrt Euch, im Gleichschritt marsch, ein Lied etc.). Der einfache Soldat darf nur sprechen, wenn er gefragt bzw. es ihm explizit erlaubt wird. St&auml;ndige respektlose Umgangsformen von Seiten der Vorgesetzten, st&auml;ndiges Anschreien, st&auml;ndiges &bdquo;zur Sau machen&ldquo;, Schlafentzug, Gewaltm&auml;rsche mit blutenden F&uuml;ssen, spezielle Gru&szlig;pflicht von Vorgesetzten, vorgeschriebene Meldeformen, st&auml;ndige Dem&uuml;tigungen etc. sind das t&auml;gliche Brot des einfachen Soldaten.<\/p><p>Eine solche Wehrpflicht wird letztlich dadurch legitimiert, dass man davon ausgeht, man br&auml;uchte derart hergerichtete Soldaten, um die Freiheit verteidigen zu k&ouml;nnen. Wenn man aber genau hinsieht, ist es offensichtlich, dass es f&uuml;r einen einfachen wehrpflichtigen Soldaten keine Freiheit gibt, die er verteidigen k&ouml;nnte. Ein solcher Soldat lebt in der &auml;u&szlig;ersten Unfreiheit und Drangsalierung. Dies gilt zumindest f&uuml;r einen einfachen Wehrpflichtigen, der sich den Beruf des Soldaten nicht &bdquo;freiwillig&ldquo; ausgesucht hat. Menschen, die sich freiwillig f&uuml;r den Beruf des Soldaten entschieden haben, haben sich ja implizit auch f&uuml;r diese Art der Schikanierung entschieden. Sie k&ouml;nnen ja wieder k&uuml;ndigen. Wehrpflichtige aber nicht. Sie riskieren eine Vorstrafe und Gef&auml;ngnis, wenn sie sich dem menschenunw&uuml;rdigen Drill nicht beugen. Eine so praktizierte Wehrpflicht widerspricht dem Satz des Grundgesetzes &bdquo;die W&uuml;rde des Menschen ist unantastbar.&ldquo; in eklatanter Weise.<\/p><p>Eine ausf&uuml;hrlichere Beschreibung der soldatischen Drangsalierungen durch milit&auml;rischen Drill findet sich in einem Buch von G&uuml;nter Wallraff &bdquo;Mein Tagebuch aus der Bundeswehr&ldquo;.<\/p><p>Fritz Gerhard<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>7. Leserbrief<\/strong><\/p><p>&bdquo;Bitte packen Sie jetzt das Grundgesetz weg!&ldquo;<\/p><p>vielen Dank f&uuml;r diesen sehr treffenden und gelungenen Beitrag.<\/p><p>Die Feierlichkeiten zum 75. Jubil&auml;um des Grundgesetzes habe ich mit Befremden verfolgt. Einmal, weil ich zu Symbolen, Ritualen, Zeremonien generell ein kritisch-distanziertes Verh&auml;ltnis habe, zum Anderen, weil diese Feierlichkeiten welche der politischen Elite waren, und keine der deutschen &Ouml;ffentlichkeit. Man feierte sich selbst. Es wirkte wie eine Verabschiedungsveranstaltung &hellip; Verabschiedung wovon? Zum Einen von der deutschen Bev&ouml;lkerung, dies war ein Sinnbild f&uuml;r &ldquo;Demokratie ohne Volk&rdquo;.<\/p><p>Ein Kernsatz in dem Beitrag ist jener: &ldquo;Bundespr&auml;sident Steinmeier setze bei dem Staatsakt einmal mehr indirekt &bdquo;die Demokratie&ldquo; mit den aktuell bestimmenden Politikern gleich (&hellip;).&rdquo; Genau dies beobachte ich mit einer gewissen Sorge, erinnert mich dies an etwas.<\/p><p>Eine bekannte Rede von Hitler endete mit demselben Schlusswort wie das &ldquo;Vater Unser&rdquo;. In einer anderen sagte er sinngem&auml;&szlig;: &ldquo;Diejenigen, die den Nationalsozialismus f&uuml;r eine politische Bewegung halten, haben sein Wesen nicht verstanden. Der Nationalsozialismus ist keine politische Bewegung, er ist mehr als das: er ist eine Religion!&rdquo;. Von Rudolf Hess wiederum stammt folgendes nachdenkenswertes Zitat: &ldquo;Die Partei ist Hitler. Hitler aber ist Deutschland, wie Deutschland Hitler ist.&rdquo; Eine politische Partei bzw. Bewegung wird mit einer Pers&ouml;nlichkeit bzw. einer nat&uuml;rliche Person gleichgesetzt, und diese wiederum mit &ldquo;Deutschland&rdquo;. An anderer Stelle soll Hitler die Verm&auml;hlung mit Eva Braun so abgelehnt haben: &ldquo;Ich bin mit Deutschland verheiratet&rdquo;.&nbsp;<\/p><p>Rein semantisch gesehen ist eine solche Gleichsetzung widersinnig. Es geht aber nicht um Sinn oder Logik, es geht um versteckte Mystik, um die Magie in politischer Sprache bzw. Symbolik. Dass Hess damit eine bewusste Analogie zur christlichen Dreieinigkeit ziehen wollte, ist offensichtlich. Der Sozialpsychologe Erich Fromm wies in seinem Buch &ldquo;Die Kunst des Liebens&rdquo; darauf hin, dass Menschen mehrere Formen der &ldquo;orgiastischen Vereinigung&rdquo; suchen: die sexuelle und k&ouml;rperliche Vereinigung mit einem Partner \/ einer Partnerin, die metaphysische Vereinigung mit Gott, und die kollektive Vereinigung mit einer Menschengruppe (dies kann man in Fu&szlig;ballstadien, Nacht-\/Tanzclubs,&nbsp;Rockkonzerten oder auch bei den Demonstrationen als Reaktion auf jene Corrective-Enth&uuml;llungen beobachten). So rational und s&auml;kular ist unsere Gesellschaft nicht, wie sie so gerne sein m&ouml;chte.<\/p><p>Die metaphysisch anmutende &ldquo;symbolische Vereinigung&rdquo; des politischen Personals mit der Demokratie und dem Grundgesetz ist f&uuml;r mich ein deutliches Zeichen, dass wir zwar in einem Land leben, in dem Staat und Kirche getrennt sind, aber das bedeutet nicht, dass dies auch Politik und Religion sind. Dass in Deutschland der Staat wieder vermehrt ein Gegenstand des Glaubens geworden ist (und zu dem man sich &ldquo;bekennen&rdquo; muss), ist seit der Fl&uuml;chtlingskrise zu beobachten. Man kann das auch weniger theologisch sehen:&nbsp;die Kritik, dass die Membran zwischen Staat einerseits und Politik und Parteien andererseits immer durchl&auml;ssiger wird, die gab es schon in den 1980er Jahren. Durch die Gleichsetzung des politschen&nbsp;Personals mit Demokratie bzw. Grundgesetz kann man Angriffe auf Politiker bzw. Wahlhelfer als &ldquo;Angriff auf die Demokratie&rdquo; umdeuten. Man kann solche scheinbar unangreifbaren politischen Offenbarungen rhetorisch leicht aushebeln:&nbsp;wenn ein Autofahrer einem vorausfahrenden Autofahrer, der ihn ge&auml;rgert hat, weil er ihm bewusst die Vorfahrt genommen hat, hinten reinf&auml;hrt, ist das dann ein &ldquo;Angriff auf die Stra&szlig;enverkehrsordnung&rdquo;? Und warum ist es keiner auf die Demokratie, wenn es doch ein Akt der Rache und kein Versehen war? Nur weil der Gesch&auml;digte kein Politiker ist? Diese&nbsp;Vereinnahmung durch die Sprache der Politik ist anma&szlig;end und &uuml;bergriffig.&nbsp;&nbsp;<\/p><p>Das Grundgesetz ist keine Heilige Schrift, und Demokratie kein Selbstzweck. Die Demokratie muss sich, durch ihr Personal und durch ihre Institutionen, immer wieder beweisen, nicht die W&auml;hler haben sich tagt&auml;glich, einem Unterwerfungsritual gleich, demokratisch zu&nbsp;beweisen&nbsp;oder auszuweisen. Institutionen m&uuml;ssen wohlgew&auml;hlt und wohlbemannt sein, sagte einmal der Philosoph Karl Popper. Dass immer mehr W&auml;hler sich den meisten Parteien abwenden, geschieht nicht aus Ablehnung der Demokratie, sondern deren Personals&nbsp;und notgedrungen dessen Vereinigungen, und um dieses ist es nicht bestens bestellt. Die verdorbene Person verdirbt das ganze System. Und das Personal wei&szlig; dies, deswegen wird von ihm die politische Macht verteidigt, und nicht die Demokratie. Demokratie ist f&uuml;r dieses nur Mittel zum Zweck. Deswegen traue ich keiner Partei mehr &uuml;ber den Weg und bin seit vielen Jahren Nichtw&auml;hler.<\/p><p>Ralf W&ouml;rner<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>8. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Ihnen zur Kenntnis<\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<\/p><p>C. Leibeling<\/p><p>Sehr geehrter Herr Bundespr&auml;sident,<\/p><p>Im Andenken an meinen viel zu fr&uuml;h verstorbenen Vater ( geb 1927, verstorben mit 66 Jahren aufgrund eines Herzleidens, Folge einer Diphtherie, die er sich im 2. Weltkrieg zugezogen hatte) schreibe ich heute ein weiteres Mal an Sie.<\/p><p>Heute verstehe ich wie emp&ouml;rt und entsetzt mein Vater reagierte, als nach dem 2. Weltkrieg die Bundeswehr installiert wurde. Im Angedenken auch an meine Gro&szlig;eltern , denen die Nazis im 3. Reich die Fenster eingeworfen hatten, weil sie die Fahne nicht rausgeh&auml;ngt hatte und denen im Krieg das halbe Haus weg gebombt wurde.<\/p><p>Als Nachfahre und meiner heute noch lebenden Mutter, ebenfalls geb 1927( die jeden Tag erkl&auml;rt dass es Krieg gebe) f&uuml;hle sich mich verpflichtet sie zu bitten, die unaufh&ouml;rliche Mobilmachung &nbsp;(selbst an solch einem Feiertag) zur&uuml;ck zu nehmen.<\/p><p>Sie sind erstaunt &uuml;ber das Misstrauen in die Politik?<\/p><p>Die Menschen sp&uuml;ren , dass sie im Zweifel Menschenmaterial sind, sie wissen: es gibt keine Flucht( wir wissen ja wie mit Fl&uuml;chtlingen umgegangen wird und die EU zahlt noch daf&uuml;r).<br>\nDem Normalb&uuml;rger wird es irgendwann ebenso ergehen, wenn er nicht an der Front sein Leben verliert, sein Hab und Gut in Grund und Boden versenkt wird, Familienangeh&ouml;rige verliert oder selbst &nbsp;traumatisiert wird.<\/p><p>Sie haben ja gedient &ndash; aber Sie werden sicher im Kriegsfall nicht eingezogen, Ihre Familie auch nicht.<br>\nAuch K&uuml;nstler wie Herr Niedecken oder Campino die inzwischen zum Dienst an der Waffe aufrufen sind zu alt und sicher.<\/p><p>Die Kriegspropaganda hatte Erfolg!<\/p><p>Als erster Mann im Staate werden Sie sich irgendwann auch vor einer h&ouml;heren Macht( Sie sind ja Christ) verantworten m&uuml;ssen.<\/p><p>Ich gehe nicht davon aus, dass Sie mein Schreiben lesen und wenn &uuml;berhaupt, es auch nicht ernst nehmen werden.<br>\nEine Antwort wird, wenn &uuml;berhaupt, &nbsp;wieder durch Ihren Oberst Braun erfolgen.<br>\nHeimatliebe, Patriotismus im Kampf mit Waffen das scheint nun Staatsraison zu sein in Verachtung aller Menschen, die nie wieder Krieg wollten, die im Gegensatz zu Ihnen den Krieg erlebt haben und inzwischen fast alle verstorben sind und sich nicht mehr &auml;u&szlig;ern k&ouml;nnen.<\/p><p>Sehr geehrter Herr Bundespr&auml;sident &ndash; das ist die Wahrheit vor der Sie sich nicht wegducken sollten.<\/p><p>Ihre Ausf&uuml;hrungen zum 75. Jahrestag des Grundgesetzes ist eine Diffamierung gegen&uuml;ber friedfertigen Menschen( u.a auch des Papstes)<br>\nKehren Sie um!<br>\nSie sind der erste &nbsp;Mann des Staates, der die ganze Welt im 2. Weltkrieg mit Waffen, Heimatliebe und Patriotismus ins Verderben gest&uuml;rzt hat.<\/p><p>Claudia Leibeling <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Anmerkung zur Korrespondenz mit den NachDenkSeiten<\/strong><\/p><p>Die NachDenkSeiten freuen sich &uuml;ber Ihre Zuschriften, am besten in einer angemessenen L&auml;nge und mit einem eindeutigen Betreff.<\/p><p>Es gibt die folgenden E-Mail-Adressen:<\/p><ul>\n<li><a href=\"mailto:leserbriefe@nachdenkseiten.de\">leserbriefe(at)nachdenkseiten.de<\/a> f&uuml;r Kommentare zum Inhalt von Beitr&auml;gen.<\/li>\n<li><a href=\"mailto:hinweise@nachdenkseiten.de\">hinweise(at)nachdenkseiten.de<\/a> wenn Sie Links zu Beitr&auml;gen in anderen Medien haben.<\/li>\n<li><a href=\"mailto:videohinweise@nachdenkseiten.de\">videohinweise(at)nachdenkseiten.de<\/a> f&uuml;r die Verlinkung von interessanten Videos.<\/li>\n<li><a href=\"mailto:redaktion@nachdenkseiten.de\">redaktion(at)nachdenkseiten.de<\/a> f&uuml;r Organisatorisches und Fragen an die Redaktion.<\/li>\n<\/ul><p>Weitere Details zu diesem Thema finden Sie in unserer &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?page_id=47939\">Gebrauchsanleitung<\/a>&ldquo;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tobias Riegel kommentiert <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=115633\">in diesem Beitrag<\/a> die Feierlichkeiten zum 75. 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