{"id":115994,"date":"2024-06-02T13:00:34","date_gmt":"2024-06-02T11:00:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=115994"},"modified":"2024-06-02T05:41:36","modified_gmt":"2024-06-02T03:41:36","slug":"multipolarer-umbau-der-welt-lateinamerika-und-der-krieg-in-gaza","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=115994","title":{"rendered":"Multipolarer Umbau der Welt: Lateinamerika und der Krieg in Gaza"},"content":{"rendered":"<p>Wieso hat der Gaza-Krieg eine so gro&szlig;e Resonanz in Lateinamerika hervorgerufen, und wieso positioniert sich die Mehrheit der lateinamerikanischen Zivilgesellschaft und Regierungen gegen diesen Krieg und bezeichnet ihn als &bdquo;V&ouml;lkermord&rdquo;, w&auml;hrend die USA, Israel und die EU ihn mit dem &bdquo;Selbstverteidigungsrecht&rdquo; Israels begr&uuml;nden? Von <strong>Raina Zimmering<\/strong>.<br>\n<!--more--><\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Sie zeigen uns einen V&ouml;lkermord vor unseren Augen. Es ist nicht die Dynamik des alten israelisch-pal&auml;stinensischen Konflikts. Deutschland, Frankreich, die Europ&auml;ische Union, das Vereinigte K&ouml;nigreich und vor allem die Vereinigten Staaten in ihrer demokratischen Version unterst&uuml;tzen den V&ouml;lkermord, den Abwurf von Bomben auf die K&ouml;pfe von Menschen. Sie sagen uns, schauen Sie sich unsere milit&auml;rische Macht an, was in Pal&auml;stina passiert, kann jedem von Euch passieren, wenn Ihr es wagt, ohne Erlaubnis &Auml;nderungen vorzunehmen.&rdquo;<br>\nGustavo Petro, Pr&auml;sident Kolumbiens, zum Gaza-Krieg<\/em>\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Jede Bombe, die auf Gaza f&auml;llt, f&auml;llt auch auf die Hauptst&auml;dte und Metropolen der Welt, sie haben es nur noch nicht begriffen. Aus den Tr&uuml;mmern wird der Schrecken des Krieges von morgen entstehen. [&hellip;] Die ermordeten pal&auml;stinensischen Kinder sind kein Kollateralopfer, sie sind Netanjahus Hauptziel, das waren sie schon immer. Dieser Krieg dient nicht der Beseitigung der Hamas. Es geht darum, die Zukunft zu t&ouml;ten. Hamas wird nur das Kollateralopfer sein.&rdquo;<br>\nMarcos, ehemaliger Sprecher der Zapatistischen Front der Nationalen Befreiung (EZLN)<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Die eingangs gestellte Frage kann auch nach der Umdisponierung des Westens bei der Zweistaatenl&ouml;sung im Nahostkonflikt und nach der Zustimmung zu der UN-Resolution f&uuml;r einen &bdquo;sofortigen Waffenstillstand&rdquo; im Sicherheitsrat vom 25. M&auml;rz 2024 gestellt werden. Denn erstens ist das noch kein Paradigmenwechsel, und zweitens hat bereits ein V&ouml;lkermord an der pal&auml;stinensischen Bev&ouml;lkerung mit bisher 36.050 Toten, 81.026 Verletzten, 1,9 Millionen Binnenfl&uuml;chtlingen (<a href=\"https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/1417316\/umfrage\/opferzahlen-im-terrorkrieg-der-hamas-gegen-israel\/\">Statista, 28. Mai 2024<\/a>) und Hungernden vor den Augen der Welt&ouml;ffentlichkeit stattgefunden, ohne dass er bis zum jetzigen Zeitpunkt gestoppt werden konnte.<\/p><p>Aus Sicht des &bdquo;Globalen S&uuml;dens&rdquo; ist gerade das f&uuml;r ihn selbst eine Bedrohung in einer sich wandelnden Welt.<\/p><p>Es sollte die Frage gestellt werden, welche Ursachen f&uuml;r die unterschiedliche Betrachtung des Gaza-Kriegs zwischen Lateinamerika und den westlichen Staaten bestehen. Weiterf&uuml;hrend kann man die Frage stellen, ob hier ein systemisch bedingter Klassenkampf auf globaler Ebene zugrunde liegt. Zuletzt soll der Frage nachgegangen werden, warum die Mehrheit der lateinamerikanischen Zivilgesellschaft und Staaten diesen Krieg als Bedrohung f&uuml;r die gesamte Menschheit einstuft und ihn als paradigmatisch f&uuml;r den heutigen Wandel in den globalen Beziehungen betrachtet.<\/p><p><strong>Lateinamerika und der Nahe Osten<\/strong><\/p><p>Was verbindet eigentlich Lateinamerika mit dem Nahen Osten, obwohl die Regionen geographisch weit auseinander liegen? Warum f&uuml;hlt man sich in Lateinamerika vom Nahost-Konflikt seit jeher und besonders jetzt so angesprochen?<\/p><p>Ein wichtiger Schl&uuml;ssel ist die gemeinsame koloniale Vergangenheit, die mit der Massenvernichtung der Bewohner der von Europa eroberten Gebiete, der Zerst&ouml;rung ihrer Kulturen und Gesellschaften und der Ausbeutung ihrer Ressourcen einherging. In Amerika fand nach der Konquista mit der Vernichtung von 90 Prozent der einheimischen indigenen Bev&ouml;lkerung innerhalb von weniger als 20 Jahren mit sch&auml;tzungsweise 68 Millionen Toten der gr&ouml;&szlig;te Genozid der Weltgeschichte statt.<\/p><p>Die kolonial eroberten Regionen blieben auch nach der Erringung der staatlichen Unabh&auml;ngigkeit gegen&uuml;ber den Weltzentren zur&uuml;ck und von diesen wirtschaftlich abh&auml;ngig, sodass diese L&auml;nder eine untergeordnete Position in der internationalen Arbeitsteilung mit allen negativen Folgen bis heute einnehmen.<\/p><p>Dies charakterisiert den Nord-S&uuml;d-Konflikt mit dem asymmetrischen Verh&auml;ltnis zwischen S&uuml;den und Norden; und der macht letztendlich die strukturelle Gemeinsamkeit zwischen Lateinamerika und dem Nahen Osten aus. Eine weitere Gemeinsamkeit besteht in der US-Hegemonie in beiden Regionen nach dem Zweiten Weltkrieg.<\/p><p>Die lateinamerikanischen Staaten blicken auf eine lange Geschichte von Interventionen und Ausbeutung durch die USA zur&uuml;ck. Das US-amerikanische hemisph&auml;rische Verst&auml;ndnis von Lateinamerika als eigener Hinterhof entstand mit der Monroe-Doktrin im Sinne &bdquo;Amerika den Amerikanern&rdquo;. Seit der Verk&uuml;ndigung durch Pr&auml;sident James Monroe 1823 intervenierten die USA hunderte Male gewaltsam in Lateinamerika oder unterst&uuml;tzten aktiv rechte Milit&auml;rdiktaturen mit Tausenden Toten, Verschwundenen und Gefolterten und brachten Leid, Elend und Tod &uuml;ber die Bev&ouml;lkerung.<\/p><p>Erst seit Mitte der 1990er-Jahre konnte sich die Region durch zwei &bdquo;Rosa Wellen&rdquo; von Mitte-links-Regierungen, die Diversifizierung ihrer Au&szlig;enbeziehungen, eine Politik der &bdquo;aktiven Blockfreiheit&rdquo; und st&auml;rkere S&uuml;d-S&uuml;d-Beziehungen aus der hegemonialen westlichen Umklammerung teilweise&nbsp;<a href=\"https:\/\/revistas.flacsoandes.edu.ec\/mundosplurales\/issue\/view\/213\">befreien<\/a>&nbsp;und zu einem globalen Akteur bei der Durchsetzung von Multipolarit&auml;t und Frieden in der Welt werden.<\/p><p>Auch der Nahe Osten war und ist mit Hilfe Israels Einflussgebiet der USA, wo der Zugang zu den reichen Erd&ouml;lreserven gesichert, eine vom Westen unabh&auml;ngige oder &bdquo;nichtkapitalistische&rdquo; Entwicklung verhindert und eine Gegenmacht zur damaligen Sowjetunion und heute zu Russland aufgebaut werden sollte und soll. Damit zeigen sich trotz aller Unterschiede &auml;hnliche systemische und geopolitische Konstellationen wie in Lateinamerika, wodurch eine Schicksalsgemeinschaft zwischen beiden Regionen entstand.<\/p><p>In den 1960er- bis 2000er-Jahren gab es im Rahmen der Nationalen Befreiungsbewegungen und mit dem &bdquo;arabischen Fr&uuml;hling&rdquo; zwischen beiden Regionen viele &Auml;hnlichkeiten, die in einen transnationalen Antiimperialismus m&uuml;ndeten.<\/p><p>F&uuml;r soziale Bewegungen, linke Parteien und Regierungen in Lateinamerika war das Selbstbestimmungsrecht des pal&auml;stinensischen Volkes immer eine starke Referenz.<\/p><p>Andersherum war Lateinamerika ein bevorzugtes Ziel f&uuml;r pal&auml;stinensische Fl&uuml;chtlinge, wovon in Chile mit einer halben Million die meisten der Welt leben, abgesehen von den arabischen Staaten und Israel. Aber auch in Mexiko, Venezuela, Brasilien, Kolumbien, Bolivien und Zentralamerika leben viele Pal&auml;stinenser und Pal&auml;stinenserinnen, die sich in die Gesellschaften der Aufnahmel&auml;nder und deren arabischst&auml;mmige Gemeinden, die am Ende des osmanischen Reiches aus Syrien und dem Libanon nach Lateinamerika kamen, integrierten, aber immer auch eine eigene Identit&auml;t mit der Option der R&uuml;ckkehr und Fortf&uuml;hrung des eigenen Kampfes &uuml;ber Generationen hinweg beibehielten.<\/p><p>Ausschlaggebend f&uuml;r die lateinamerikanische Wahrnehmung Israels als Stellvertreter der USA war seine Unterst&uuml;tzung f&uuml;r Milit&auml;rdiktaturen in Mittel- und S&uuml;damerika. Als in den 1970er-Jahren im US-Kongress Waffenlieferungen der USA an lateinamerikanische Diktaturen verhindert wurden, sprang Israel ein und lieferte diese Waffen.<\/p><p>Der Chef des Generalstabs der guatemaltekischen Armee unter der Diktatur R&iacute;os Montts&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.elsaltodiario.com\/revista-pueblos\/una-amistad-perdura-relaciones-historicas-guatemala-israel\">sagte<\/a>&nbsp;z.B.: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Israel ist unser wichtigster Waffenlieferant und Guatemalas gr&ouml;&szlig;ter Freund in der Welt.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Israel &uuml;bergab an Lateinamerika auch &Uuml;berwachungs- und Aussp&auml;htechnik, darunter an Todesschwadronen, und beriet Diktatoren bei der Unterdr&uuml;ckung und Vernichtung der widerst&auml;ndigen Bev&ouml;lkerung, insbesondere der Indigenen. Israelische Datenbanken erfassten z.B. 80 Prozent der Bev&ouml;lkerung in Guatemala, was die hohe Anzahl der Morde dort erkl&auml;rt. Der Journalist Dan Rather sagte, dass die Israelis dazu rieten, &bdquo;die Ureinwohner so zu behandeln, wie wir die Pal&auml;stinenser behandeln: Vertraue keinem von ihnen.&rdquo;<\/p><p>Israel schickte auch Waffen in gr&ouml;&szlig;erem Umfang an rechte, mit den Drogenkartellen verquickte Regierungen in Kolumbien. 2021&nbsp;wurden <a href=\"https:\/\/www.infobae.com\/colombia\/2023\/10\/15\/tension-entre-gustavo-petro-e-israel-hara-que-colombia-dejare-de-recibir-mas-de-usd10-millones-para-seguridad\/\">Waffen f&uuml;r zehn Millionen US-Dollar an Kolumbien verkauft<\/a>, was neun Prozent der israelischen Waffenexporte entsprach.<\/p><p><strong>Lateinamerikanische Option eines &bdquo;gerechten Friedens&rdquo; im Gaza-Krieg<\/strong><\/p><p>Lateinamerikanische Regierungen forderten zur Beendigung des Nahost-Konflikts seit Langem eine &bdquo;Zweistaatenl&ouml;sung&rdquo;. Bis Ende Juni 2023 war Pal&auml;stina als souver&auml;ner Staat von 139 der 193 UN-Mitgliedstaaten anerkannt worden. Die USA, Israel und die meisten Staaten der EU&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.telepolis.de\/features\/Palaestina-als-194-UN-Mitgliedsstaat-Ein-Weg-zum-nachhaltigen-Frieden-im-Nahen-Osten-9579972.html\">taten das nicht<\/a>. Diese Anerkennung erfolgte auf der Grundlage der UN-Resolution von 1967 und einer gro&szlig;en Zahl weiterer Resolutionen.<\/p><p>Zu Beginn des Jahres 2024 &auml;nderten die USA und mit ihnen eine Reihe westlicher Staaten ihre Haltung und bef&uuml;rworteten das erste Mal eine Zweistaatenl&ouml;sung. Allerdings widerspricht das der westlichen Unterst&uuml;tzung der Netanjahu-Regierung mit Waffen und finanziellen Mitteln und den israelischen Umsiedlungspl&auml;nen gegen&uuml;ber den Pal&auml;stinensern aus Gaza in andere Staaten, den Siedlungsaktivit&auml;ten in pal&auml;stinensischen Gebieten und dem Aufbau einer administrativen Hoheit &uuml;ber Ost-Jerusalem.<\/p><p>In Lateinamerika wird diese &bdquo;neue Nahost-Strategie der Regierung [von US-Pr&auml;sident Joe] Biden&rdquo; deshalb&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.resumenlatinoamericano.org\/2024\/02\/14\/brasil-el-gobierno-repudia-a-israel-tras-anuncio-de-operacion-militar-en-rafah\/\">als widerspr&uuml;chlich gesehen<\/a>. Man vermutet, dass die bisherigen Regierungsstrukturen und politischen Vertretungen Pal&auml;stinas zerschlagen, eine westliche Milit&auml;rpr&auml;senz aufgebaut und neue Institutionen und politische Vertreter in Pal&auml;stina installiert werden sollen, die prowestlich sind und so das emanzipatorische Potenzial in der pal&auml;stinensischen Bev&ouml;lkerung zur&uuml;ckdr&auml;ngen sollen.<\/p><p><strong>Lateinamerikanische Protestbewegungen gegen den Gaza-Krieg<\/strong><\/p><p>Als Israel nach dem 7. Oktober 2023 mit der Invasion in Gaza begann, wurde ganz Lateinamerika von riesigen Protestbewegungen &uuml;berzogen, die den Krieg als &bdquo;V&ouml;lkermord&rdquo; definierten und einen &bdquo;sofortigen Waffenstillstand&rdquo; forderten. Das Attentat der Hamas in Israel vom 7. Oktober wird dabei &uuml;berwiegend abgelehnt, aber als Ergebnis der Besatzungs- und Vernichtungspolitik gegen&uuml;ber den Pal&auml;stinensern betrachtet. Den Gaza-Krieg Israels beurteilen die Protestierenden als &bdquo;unangemessen, &uuml;berzogen und verbrecherisch&rdquo;.<\/p><p>In Chile&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.eluniverso.com\/noticias\/internacional\/como-llego-chile-a-tener-la-mayor-comunidad-de-palestinos-fuera-del-mundo-arabe-nota-2\/\">finden<\/a>&nbsp;vor dem Regierungspalast st&auml;ndig riesige Demonstrationen zur Unterst&uuml;tzung Pal&auml;stinas und gegen den Krieg Israels statt. Tausende&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.resumenlatinoamericano.org\/2023\/11\/03\/argentina-en-buenos-airea-decenas-de-miles-de-manifestantes-llenaron-la-plaza-del-congreso-exigiendo-el-cese-del-genocidio-sionista-contra-las-nineces-y-el-pueblo-palestino\/\">protestieren<\/a>&nbsp;in Buenos Aires und anderen argentinischen St&auml;dten, wo sich auch die M&uuml;tter des Plaza de Mayo beteiligen, die mit wei&szlig;en Kopft&uuml;chern auf ihre w&auml;hrend der Milit&auml;rdiktatur von 1976 bis 1983 verschwundenen Kinder und Enkel aufmerksam machen und besonders die w&auml;hrend des Gaza-Krieges get&ouml;teten Babies beklagen. Auch in Mexiko wird auf Demonstrationen die Parole &bdquo;Es ist kein Krieg, es ist V&ouml;lkermord!&rdquo; und &bdquo;Wo sind sie, die Sanktionen gegen Israel?&rdquo;&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.informador.mx\/mexico\/En-Mexico-manifestantes-a-favor-de-Palestina-exigen-condenar-el-genocidio-de-Israel-20231022-0069.html;%20https:\/sana.sy\/es\/?p=313430\">skandiert<\/a>. In Brasilien gr&uuml;ndeten 50 Organisationen im November 2023 die &bdquo;Nationale Solidarit&auml;tsfront f&uuml;r Pal&auml;stina&rdquo;, die das &bdquo;Komitee Freies Pal&auml;stina&rdquo;&nbsp;<a href=\"https:\/\/mst.org.br\/2023\/11\/23\/movimentos-sociais-e-organizacoes-criam-comite-palestina-livre\/\">initiierte<\/a>.<\/p><p>Auch in rechts regierten Staaten kam es zu zahlreichen Protestaktionen, bei denen die Regierungen aufgefordert wurden, gegen Israel vorzugehen. So&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.swissinfo.ch\/spa\/israel-palestina_marchan-en-paraguay-en-apoyo-a-palestina-y-piden-revertir-voto-ante-onu-sobre-gaza\/48953030\">forderten<\/a> Demonstranten in Paraguay, dass die Regierung ihre Gegenstimme gegen die UN-Resolution f&uuml;r eine &bdquo;sofortige humanit&auml;re Waffenruhe&rdquo; vom November 2023 r&uuml;ckg&auml;ngig machen soll.<\/p><p>Autonome emanzipatorische R&auml;ume, in denen Basisdemokratie und kollektives Eigentum praktiziert werden, wie die Zapatisten in Chiapas\/Mexiko, positionieren sich ebenfalls gegen den Gaza-Krieg. Die Landlosenbewegung MST in Brasilien, die gr&ouml;&szlig;te soziale Bewegung Lateinamerikas, lieferte Lebensmittel an die eingeschlossene und bombardierte Bev&ouml;lkerung in Gaza.<\/p><p><strong>Die Haltungen lateinamerikanischer Regierungen zum Gaza-Krieg<\/strong><\/p><p>In den Haltungen der lateinamerikanischen Regierungen zum Gaza-Krieg kann man deutlich zwischen Mitte-links- und rechten Regierungen unterscheiden. Rechte Regierungen&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.realinstitutoelcano.org\/en\/analyses\/latin-america-and-the-gaza-crisis\/\">unterst&uuml;tzen<\/a>&nbsp;Israel bei der Rechtfertigung des Krieges mit dem &bdquo;Recht auf Selbstverteidigung&rdquo; und der &bdquo;Vernichtung der Hamas&rdquo;.<\/p><p>Der ultrarechte Pr&auml;sident Argentiniens Javier Milei strebt seit dem 10. Dezember 2023 ein strategisches B&uuml;ndnis mit den USA und Israel an und m&ouml;chte die argentinische Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem verlegen. Anfang Februar 2024&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.elfinanciero.com.mx\/mundo\/2024\/02\/05\/javier-milei-gira-europa-a-que-va-israel-vaticano-papa-francisco-muro-de-los-lamentos-febrero-2024\/\">besuchte Milei Israel<\/a>, wo er den israelischen Pr&auml;sidenten Isaac Herzog und Ministerpr&auml;sident Benjamin Netanyahu traf.<\/p><p>Das Attentat der Hamas vom 7. Oktober 2023 haben die lateinamerikanischen Mitte-links-Regierungen oftmals abgelehnt. Ebenso fordern sie die Freilassung aller von der Hamas verschleppten und festgehaltenen Geiseln, unter denen sich auch Lateinamerikaner befinden. Die Art der Kriegsf&uuml;hrung Israels im Gazastreifen&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=jDlWDYXlI78\">halten<\/a>&nbsp;sie, ebenso wie die Protestbewegungen, f&uuml;r &bdquo;unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig&rdquo; und &bdquo;v&ouml;lkerrechtswidrig&rdquo;. Sie bezeichnen das Vorgehen Israels in Gaza als &bdquo;V&ouml;lkermord&rdquo; und&nbsp;<a href=\"https:\/\/elpais.com\/america-colombia\/2023-11-01\/mexico-argentina-colombia-chile-y-bolivia-elevan-el-tono-contra-israel-tras-el-bombardeo-en-yabalia.html\">fordern<\/a>&nbsp;sofortige Verhandlungen sowie ein schnelles Ende des Krieges.<\/p><p>Kolumbien, Chile, Honduras und Brasilien riefen ihre Botschafter aus Israel zur&uuml;ck. Bolivien, Belize und Kolumbien brachen die diplomatischen Beziehungen vollkommen ab. Chile verbot Anfang 2024 die Teilnahme Israels an der Internationalen Luft- und Weltraumfahrtmesse und stellte seine Waffenimporte aus Israel ein.<\/p><p><strong>Abstimmungsverhalten in der UNO<\/strong><\/p><p>Auch hier kann man sehr klar zwischen rechten und linken Regierungen unterscheiden. Der brasilianische Pr&auml;sident Luiz In&aacute;cio Lula da Silva berief 2023 als nichtst&auml;ndiges Mitglied und Vorsitzender des UN-Sicherheitsrates kurz nach dem Attentat der Hamas eine Dringlichkeitssitzung des Rates ein und&nbsp;<a href=\"https:\/\/press.un.org\/en\/2023\/sc15450.doc.htm\">legte<\/a>&nbsp;einen Resolutionsentwurf vor f&uuml;r eine humanit&auml;re Waffenpause, die Freilassung der Geiseln und die Sicherung lebenswichtiger Infrastruktur f&uuml;r Zivilisten. Diese Resolution, die schon zu Beginn des Krieges dessen Eskalation und eine humanit&auml;re Katastrophe verhindert h&auml;tte,&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.usip.org\/publications\/2023\/11\/israel-hamas-war-divides-latin-america-along-partisan-lines\">scheiterte<\/a>&nbsp;am Veto der USA. Die USA legten auch ein Veto gegen zwei weitere Waffenstillstandsresolutionen ein.<\/p><p>In der UN-Vollversammlung vom November 2023 stimmte die Mehrheit der lateinamerikanischen Staaten f&uuml;r die Resolution f&uuml;r &bdquo;den Schutz der Zivilbev&ouml;lkerung und eine sofortige und dauerhafte humanit&auml;re Waffenruhe&rdquo; &ndash; zusammen mit China und Russland gegen die USA und die EU.<\/p><p>Von den lateinamerikanischen Staaten enthielten sich Haiti, Panama und Uruguay der Stimme, Guatemala und Paraguay&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.anti-spiegel.ru\/2023\/von-welcher-uno-resolution-deutsche-moeglichst-nichts-erfahren-sollen\/\">stimmten<\/a>&nbsp;gegen die Resolution.<\/p><p>Bei einer weiteren UN-Resolution im Dezember 2023 f&uuml;r einen &bdquo;Waffenstillstand in Gaza&rdquo;, die ebenfalls angenommen wurde,&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.lapoliticaonline.com\/paraguay\/politica-py\/paraguay-vota-en-contra-de-un-alto-el-fuego-en-gaza-y-busca-convertirse-en-el-principal-aliado-de-israel-en-sudamerica\/\">enthielten<\/a>&nbsp;sich Argentinien, Uruguay, Haiti und Panama der Stimme, und Paraguay und Guatemala stimmten dagegen.<\/p><p>Ende M&auml;rz 2024 legten die USA eine eigene Resolution f&uuml;r einen Waffenstillstand im Sicherheitsrat vor, der mit dem Veto Chinas, Russlands und Algeriens und der Enthaltung von Guyana mit dem Argument einer &bdquo;heuchlerischen Resolution&rdquo; (Russland) abgelehnt wurde.<\/p><p>Nachdem die nichtst&auml;ndigen Mitglieder des Sicherheitsrates eine neue Resolution ausarbeiteten, wurde diese schlie&szlig;lich am 25. M&auml;rz 2024 vom Sicherheitsrat mit der Stimmenthaltung der USA verabschiedet, was alle lateinamerikanischen Staaten begr&uuml;&szlig;ten. Da Israel diese Resolution ablehnte, entstand das erste Mal ein Dissens zwischen den USA und den mit ihr verbundenen rechten lateinamerikanischen Regierungen einerseits und Israel andrerseits.<\/p><p><strong>Juristische Vorgehensweisen gegen Israel im Gaza-Krieg<\/strong><\/p><p>Im Zusammenhang mit dem Gaza-Krieg legten lateinamerikanische Staaten einen besonders intensiven juristischen Aktivismus auf internationaler Ebene an den Tag. Die Mitte-links-Regierungen&nbsp;<a href=\"https:\/\/elmundo.cr\/opinion\/gaza-israel-a-proposito-del-apoyo-de-bolivia-y-de-otros-estados-a-la-accion-de-sudafrica-ante-la-corte-internacional-de-justicia-cij\/\">unterst&uuml;tzen<\/a>&nbsp;die Klage S&uuml;dafrikas gegen Israel wegen &bdquo;V&ouml;lkermords gegen das pal&auml;stinensische Volk im Gaza-Krieg&rdquo; beim Internationalen Gerichtshof (IGH) in Den Haag. Alle rechten Regierungen sind gegen die Klage.<\/p><p>S&uuml;dafrika beabsichtigte, in einer vorl&auml;ufigen Entscheidung des IGHs durch die Feststellung des V&ouml;lkermordes einen sofortigen Waffenstillstand und somit ein schnelles Ende des Gaza-Krieges zu erreichen. In einem darauffolgenden jahrelangen Prozess sollte endg&uuml;ltig entschieden werden, ob Israel V&ouml;lkermord begangen hat. Bei der Klage geht es auch um den Nachweis, die israelische Regierung wolle eine ethnische Gruppe eliminieren; das sei durch diesbez&uuml;gliche &Auml;u&szlig;erungen verantwortlicher Politiker &ndash; wie beispielsweise die &ouml;ffentliche Aussage des israelischen Generals Ghassan Allians, dass die Bev&ouml;lkerung im Gazastreifen &bdquo;menschliche Tiere&rdquo; seien &ndash; deutlich&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.elsaltodiario.com\/revista-pueblos\/una-amistad-perdura-relaciones-historicas-guatemala-israel\">geworden<\/a>. Israel wies die Klage entschieden zur&uuml;ck.<\/p><p>In der Entscheidung des IGH im Schnellverfahren am 26. Januar 2024 wurde nicht die sofortige Einstellung der Angriffe Israels im Gaza-Streifen gefordert, sondern die Auflage an Israel erteilt, dass es beweisen muss, dass es keinen Genozid ver&uuml;bt, was die Feststellung von genozidalen Absichten durch das Gericht&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.german-foreign-policy.com\/news\/detail\/9467\">impliziert<\/a>. F&uuml;r S&uuml;dafrika und alle Unterst&uuml;tzer der Klage war das Urteil erst einmal ein Erfolg.<\/p><p>Gleich nach diesem Urteilsspruch des IGH bombardierte Israel den S&uuml;den des Gaza-Streifens und die Stadt Rafah, in der sich 1,5 Millionen pal&auml;stinensische Fl&uuml;chtlinge aufhielten. Dabei gab es zahlreiche zivile Todesopfer. Die westlichen Staaten lieferten weiter Waffen an Israel und zogen zudem ihre Hilfe f&uuml;r die UN-Hilfsorganisation f&uuml;r Pal&auml;stina UNRWAR zur&uuml;ck. Dies zeigte, dass der Krieg Israels durch internationale Klagen vorerst nicht eingeschr&auml;nkt werden konnte.<\/p><p>Am 18. Januar 2024&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.informador.mx\/ideas\/Raymundo-Riva-Palacio-Mexico-apuesta-por-Gaza-20240119-0033.html\">reichten<\/a>&nbsp;Chile und Mexiko vor dem Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) Klage ein, um die mutma&szlig;lichen Verbrechen &bdquo;V&ouml;lkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschheit&rdquo; durch Israel in Gaza feststellen zu lassen.<\/p><p>Zudem&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.el19digital.com\/articulos\/ver\/titulo:148879-gobierno-de-nicaragua-impedir-y-detener-el-genocidio-en-palestina\">warnte<\/a>&nbsp;die nicaraguanische Regierung Deutschland, Gro&szlig;britannien, Kanada und die Niederlande &ouml;ffentlich, dass sie durch ihre Waffenlieferungen an Israel und die Streichung der Gelder f&uuml;r UNRWAR &bdquo;m&ouml;glicherweise f&uuml;r eklatante und systematische Verst&ouml;&szlig;e&rdquo; gegen das &Uuml;bereinkommen des IGH zur Verh&uuml;tung von V&ouml;lkermord im Gazastreifen mitverantwortlich seien. Im Februar 2024 reichte Nicaragua schlie&szlig;lich gegen Deutschland&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.elconfidencial.com\/mundo\/2024-02-04\/nicaragua-alemania-reino-unido-canada-gaza_3823293\/\">Klage<\/a>&nbsp;beim IGH ein wegen &bdquo;Beihilfe zum V&ouml;lkermord&rdquo;.<\/p><p><strong>Der Druck Israels und westlicher Staaten auf Lateinamerika und dessen Reaktion<\/strong><\/p><p>Wie auch im Ukraine-Krieg wird Lateinamerika im Falle des Gaza-Krieges durch Israel, die USA und deren Verb&uuml;ndete unter Druck gesetzt, um eigenst&auml;ndige und vom Westen abweichende Haltungen seiner Regierungen zu behindern. Die USA und ihre Verb&uuml;ndeten wollen nach dem Umschwenken Bidens in der Frage der &bdquo;Zweistaatenl&ouml;sung&rdquo; im Gaza-Krieg die Oberhand &uuml;ber die internationale Konfliktl&ouml;sung behalten und diese in ihrem Sinne beeinflussen. Damit soll dem Globalen S&uuml;den die Handlungsmacht im Gaza-Krieg, wie z.B. die Klagen vor dem IGH und IStGH und antiisraelisches und antiwestliches Stimmverhalten in der UNO, streitig gemacht werden.<\/p><p>Zu den diplomatischen, wirtschaftlichen und milit&auml;rischen Druckma&szlig;nahmen z&auml;hlen Sanktionen, eine milit&auml;rische Abschreckungsstrategie der US-Streitkr&auml;fte, wirtschaftliche Integrationsversuche, Lawfare-Verfahren gegen linke Pr&auml;sidenten und &bdquo;Farbenrevolutionen&rdquo;. Es wird versucht, die &bdquo;Rosa Welle&rdquo; aufzubrechen und rechte und prowestliche Regierungen an die Macht zu bringen, die wie in Peru, Paraguay und Argentinien im Gaza-Krieg an der Seite Israels und des Westens stehen.<\/p><p>Auch die Zur&uuml;ckdr&auml;ngung des chinesischen und russischen Einflusses, der ein wichtiger Schl&uuml;ssel f&uuml;r die St&auml;rkung autonomer Positionen lateinamerikanischer Staaten in der Welt ist, spielt f&uuml;r den Gaza-Krieg eine Rolle. Israel wird seiner Stellvertreterrolle auch hier weitgehend gerecht. Es unterstellt den Mitte-links-Regierungen, &bdquo;antisemitisch&rdquo; zu sein und den Terrorismus der Hamas zu unterst&uuml;tzen.<\/p><p>Der Druck Israels und des Westens hatte allerdings nicht nur keine Wirkung auf die lateinamerikanischen Haltungen, sondern f&uuml;hrte im Gegenteil dazu, dass Staaten wie Mexiko, Chile und Brasilien, die zun&auml;chst moderat waren, sich sch&auml;rfer gegen den Krieg positionierten, was sich bei der V&ouml;lkermord-Klage vor dem IStGH durch Mexiko und Chile und dem Hitler-Vergleich durch Pr&auml;sident Lula zeigte.<\/p><p>Lula&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.jornada.com.mx\/noticia\/2024\/02\/18\/mundo\/acusa-lula-a-israel-de-cometer-genocidio-en-gaza-6149\">sagte<\/a>: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Was im Gazastreifen mit dem pal&auml;stinensischen Volk passiert, hat es zu keinem anderen Zeitpunkt in der Geschichte gegeben. Tats&auml;chlich ist es passiert, als Hitler beschloss, die Juden zu t&ouml;ten.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Israel erkl&auml;rte ihn daraufhin zur &bdquo;Persona non grata&rdquo;.<\/p><p>Im Gegensatz zum Westen unterst&uuml;tzten alle Mitte-links-Regierungen Lula und beteuerten, dass dieser die &bdquo;Wahrheit&rdquo; gesagt habe, und stellten sich so gegen den Exklusivit&auml;tsanspruch des Westens f&uuml;r Hitler-Vergleiche, die es hinsichtlich Putins mehrfach gab. In Lateinamerika werden aus der eigenen Erfahrung Kolonialismus, Holocaust und V&ouml;lkermord als eine Einheit empfunden und gedacht.<\/p><p>Von Bedeutung f&uuml;r die Resilienz der lateinamerikanischen Mitte-links-Regierungen ist deren kollektives Agieren innerhalb der S&uuml;d-S&uuml;d-Beziehungen. Auf dem Gipfeltreffen der Bewegung der Blockfreien Staaten (Movimiento de Pa&iacute;ses No Alineados) im Januar 2024 in Kampala\/Uganda&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.stvincenttimes.com\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/KLA-DECLARATION-FINALE_240120_202232.pdf\">verurteilten<\/a>&nbsp;die 120 Teilnehmer &bdquo;die illegale milit&auml;rische Aggression Israels gegen den Gazastreifen&rdquo; und forderten einen &bdquo;sofortigen und nachhaltigen humanit&auml;ren Waffenstillstand&rdquo;.<\/p><p><strong>Fazit<\/strong><\/p><p>Die Verurteilung des Gaza-Krieges, das Stimmverhalten in der UNO f&uuml;r eine sofortige Waffenruhe und Zweistaatenl&ouml;sung und das juristische Vorgehen gegen Israel und dessen Verurteilung wegen V&ouml;lkermords durch die Mitte-links-Regierungen Lateinamerikas sind Ergebnis zweier Ph&auml;nomene:<\/p><p>Erstens ist Lateinamerika zusammen mit Pal&auml;stina Teil des Globalen S&uuml;dens, der sich im Sinne eines globalen Klassenverh&auml;ltnisses in einem asymmetrischen Unterordnungsverh&auml;ltnis zum Westen befindet, dessen Hauptprotagonisten die USA und ihr Stellvertreter Israel sind.<\/p><p>Zweitens versuchen die Staaten des Globalen S&uuml;dens, im Rahmen des &Uuml;bergangs vom Uni- zum Multilateralismus in den globalen Beziehungen aus dem bisherigen Unterordnungsverh&auml;ltnis herauszutreten und eine gr&ouml;&szlig;ere Autonomie aufzubauen, was sich in der Haltung der Mitte-links-Regierungen Lateinamerikas zum Gaza-Krieg deutlich zeigt.<\/p><p>Dieser globale Transformationsprozess f&uuml;hrt zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, die das bisherige internationale Regime der UNO und die bisherige Diplomatie nicht mehr verhindern k&ouml;nnen und V&ouml;lkermord immer mehr zum Mittel der Konfliktaustragung machen. Die mehrheitliche internationale Verurteilung des Gaza-Krieges, die weltweiten Proteste und die juristischen Versuche der Eind&auml;mmung durch die Weltgerichte konnten weder das Attentat vom 7. Oktober noch den grausamen V&ouml;lkermord in Gaza verhindern.<\/p><p>Das macht die Z&auml;sur im internationalen System und eine neue Phase der Auseinandersetzung zwischen dem Globalen S&uuml;den und dem Globalen Westen deutlich, wof&uuml;r der Gaza-Krieg paradigmatischen Charakter hat.<\/p><p>Nach Ansicht der Mehrheit der Lateinamerikaner ist ein neues gesellschaftliches System notwendig, das die Zapatisten schon heute vorweisen und&nbsp;das <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=qvwlknqIM8Y\">nach<\/a>&nbsp;Pr&auml;sident Petro in einer nichtkapitalistischen &bdquo;dekarbonisierten &Ouml;konomie&rdquo; sowie in neuen friedlichen, multipolaren internationalen Machtverh&auml;ltnissen best&uuml;nde.<\/p><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"\" title=\"YouTube video player\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/gagGYg4tEX0?si=vy8PwUPSyS60G7UF\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p><em>Leicht redigierte Fassung des Beitrages von Raina Zimmering aus der Zeitschrift &bdquo;Marxistische Erneuerung&rdquo;, Z. 158, Juni 2024. Online zuerst bei Amerika21 erschienen.<\/em><\/p><p><small>Titelbild: Shutterstock \/ Shawn Goldberg<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=106497\">&bdquo;Das ist V&ouml;lkermord&ldquo; &ndash; Solidarit&auml;t der sozialen Bewegungen in Lateinamerika mit Opfern von Gaza<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=106190\">In Lateinamerika w&auml;chst die Kritik an Israels milit&auml;rischem Vorgehen in Gaza<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=112421\">Wegen Vorgehen in Gaza: Chile schlie&szlig;t Israel von der Internationalen Luft- und Raumfahrtmesse aus<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=92786\">Wie blickt die lateinamerikanische Linke auf den Krieg in der Ukraine?<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ssl-vg03.met.vgwort.de\/na\/7253a570187741ceb2258782b31449a3\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\" title=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wieso hat der Gaza-Krieg eine so gro&szlig;e Resonanz in Lateinamerika hervorgerufen, und wieso positioniert sich die Mehrheit der lateinamerikanischen Zivilgesellschaft und Regierungen gegen diesen Krieg und bezeichnet ihn als &bdquo;V&ouml;lkermord&rdquo;, w&auml;hrend die USA, Israel und die EU ihn mit dem &bdquo;Selbstverteidigungsrecht&rdquo; Israels begr&uuml;nden? Von <strong>Raina Zimmering<\/strong>.<\/p>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":115995,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,37,171],"tags":[282,302,1917,1440,1557,1792,2145,3276,1878,303,639,1556,2377,2920],"class_list":["post-115994","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-globalisierung","category-militaereinsaetzekriege","tag-buergerproteste","tag-gaza","tag-genozid","tag-internationaler-strafgerichtshof","tag-israel","tag-kolonialismus","tag-lateinamerika","tag-multipolare-welt","tag-naher-osten","tag-palaestina","tag-uno","tag-usa","tag-waffenlieferungen","tag-zweistaatenloesung"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/shutterstock_2445338031.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/115994","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=115994"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/115994\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":116086,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/115994\/revisions\/116086"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/115995"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=115994"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=115994"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=115994"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}