{"id":11605,"date":"2011-12-15T08:46:30","date_gmt":"2011-12-15T07:46:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11605"},"modified":"2015-01-01T10:02:07","modified_gmt":"2015-01-01T09:02:07","slug":"wenn-eltern-billigbildung-den-kampf-ansagen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11605","title":{"rendered":"Wenn Eltern \u201eBilligbildung\u201c den Kampf ansagen!"},"content":{"rendered":"<p>W&auml;re es nicht sch&ouml;n, es g&auml;be eine Bildungspolitik, die sich an der F&ouml;rderung von Kindern und Jugendlichen orientiert und nicht ausschlie&szlig;lich am stetig schrumpfenden Finanzbudget? Sich dies vorzustellen, geht unter gegebenen Umst&auml;nden nur mit viel Phantasie. Wie sehen die tats&auml;chlichen Begebenheiten aus? Die Regierung spart, Kinder und Eltern zahlen, im wahrsten Sinne des Wortes! Das Bildungssystem fordert ohne zu f&ouml;rdern, den Forderungen gerecht zu werden bleibt einzig und allein den Sch&uuml;lern und Eltern &uuml;berlassen. Von <strong>Christiane Hennrich<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nGenerell l&auml;sst sich dies an der derzeitigen Mangelwirtschaft in allen Schulzweigen erkennen.<\/p><p>Die Gymnasien z.B. doktern weiterhin an der Umsetzung der G8-Krankheit und versuchen die Inhalte, der immer noch zu vollen Lehrpl&auml;ne, mit einer Unterbesetzung an Lehrpersonal (zu erw&auml;hnen ist, dass mittlerweile sogar ungeschulte Eltern unterrichten), an den Mann, bzw. Sch&uuml;ler zu bringen.<\/p><p>Der &bdquo;Kreativit&auml;t&ldquo; unserer derzeitigen Bildungsministerin bei dieser Mangelverwaltung scheinen keine Grenzen gesetzt zu sein!<\/p><p>Als aktuelles Beispiel des Sparwahns, ist die Reduzierung eines Jahrgangs von vier auf drei 9.Klassen anzuf&uuml;hren, so geschehen in einem hessischen Gymnasium.<br>\nBei 100 Kindern des Jahrgangs w&auml;ren 4 Klassen erhalten geblieben, jedoch bei 99 l&auml;sst es sich, laut zust&auml;ndige Beh&ouml;rden, nicht vermeiden eine Klasse mit 21 Sch&uuml;lern aufzul&ouml;sen und auf die anderen bestehenden Klassenverb&auml;nde zu verteilen. Endergebnis: &bdquo;Klassenst&auml;rken &uuml;ber 30 Sch&uuml;ler, in viel zu kleinen R&auml;umlichkeiten&ldquo;.<\/p><p>Schulleitung Schulamt und Kultusministerium, waren f&uuml;r uns Eltern die obligatorischen Anlaufstellen, um unseren Unmut zu &auml;u&szlig;ern und um evtl. eine Kehrtwende herbei zu f&uuml;hren. Doch anstatt auf Einsicht und Vernunft zu treffen, wurden wir in ein allseits beliebtes politisches Ping- Pong- Spiel verwickelt. Die Spielregeln sind in ihrer Struktur ganz einfach: die Verantwortung f&uuml;r unannehmbare Vorkommnisse in der Welt der Bildung wie auch anderen Orts, tr&auml;gt immer der jeweils andere. Ist es nicht das Schulamt, dann ist es das Kultusministerium und sind die nicht bereit gerade zu stehen, dann ist es eben die Bildungspolitik im allgemeinen und wenn das ebenfalls nicht ausreicht um Eltern ruhig zu stellen, dann spielt man den Ball zur&uuml;ck an die Schulleitung, denn diese h&auml;tte, laut Schulamt, ja anders gekonnt wenn sie nur wollte!<\/p><p>Laut hessischer Verordnung existiert eine Regelung welche ein Abweichen von den H&ouml;chstwerten bei der Klassenbildung aus &bdquo;besonderen Gr&uuml;nden&ldquo; erm&ouml;glicht. Allerdings gibt es keine Liste der &bdquo;besonderen Gr&uuml;nde&ldquo;! Es existiert ein Ermessensspielraum! Dieser Spielraum steht aber nur auf dem Papier. Ermessensspielr&auml;ume kosten Geld, w&uuml;rden zu mehr Lehrpersonal und kleineren Klassen f&uuml;hren und wer will das schon, abgesehen von Sch&uuml;ler, Eltern und Lehrern.<\/p><p>Durch das Kultusministerium wurden wir darauf hingewiesen, dass andere Gymnasien genau die gleichen Probleme h&auml;tten und unsere Schule k&ouml;nne bei der Klassenbildung nicht anders als alle anderen behandelt werden. Wie jetzt? Genauso gut, oder genauso schlecht? Seitens des Ministeriums meinte man sogar, eine Zuweisung einer weiteren 9.Klasse w&uuml;rde zu Lasten anderer Schule gehen. Was hei&szlig;t eigentlich &bdquo;Zuweisung einer weiteren Klasse&ldquo;? Diese Klasse samt Lehrern und den entsprechenden Stundenzuweisungen existierte doch schon und die Schulen gegeneinander auszuspielen, ist auch eine Methode mit Problemen umzugehen! So werden wenigstens alle gleich schlecht gestellt.<\/p><p>Laut FDP m&uuml;sse man nur Geduld aufbringen und man versprach uns eine sukzessive Verkleinerung der Schulklassen bis Ende der Legislaturperiode. Nur seltsam, dass die aktuell verabschiedete Verordnung wieder eine Klassenh&ouml;chstgrenze von 30 Kinder in den Jahrgangsstufen 5 &ndash; 10 bis ins Jahr 2016 in Gymnasien und Realschulen erlaubt, zu beachten ist auch die &Uuml;berschreitungsregel, die bis zu 3 Kindern zus&auml;tzlich laut &sect; 4 bis ins Jahr 2014 legalisiert. Bemerkenswert war auch, dass wir stetig eine veraltete Verordnung aus dem Jahre 1992 unter gejubelt bekamen, obwohl eine aktuelle Version schon im Anschlag war. Diese neue ist zwar genauso schlecht wie die alte, doch sollte man zumindest eine korrekte und transparente Information erwarten k&ouml;nnen.<\/p><p>Dieses Verhalten zeigt deutlich welcher Umgang mit Eltern gepflegt wird. Wir werden get&auml;uscht und ich unterstelle, bewusst an der Nase herum gef&uuml;hrt.<\/p><p>Auch l&auml;sst es sich mit gesundem Menschenverstand nicht nachvollziehen, dass der Argumentation, die Kinder seien durch G8 mehr als genug belastet, keinerlei Beachtung geschenkt wird. Als Elternbeir&auml;tin wurde ich schriftlich vom Kultusministerium darauf hingewiesen, G 8 stelle keine besondere Ausnahmesituation dar, schlie&szlig;lich sei dies die Regelform der Gymnasien. Laut aktueller Vergleichstests (welche immer das auch sein m&ouml;gen) br&auml;chten G8- Sch&uuml;ler genauso gute Leistungen wie G9- Sch&uuml;ler.<\/p><p>Um das Ganze zu toppen werden veraltete und fragw&uuml;rdige Studien herangezogen, deren Inhalte aufzeigen sollen, dass die Klassenst&auml;rke nicht &uuml;ber den Lernerfolg entscheide. Da kommt mir ein Zitat aus einem Elternbrief in den Sinn, in dem geschrieben steht: &bdquo;Damit vergleichbar, k&ouml;nnte ein Anderer behaupten, dass Fahrradfahren ohne Helm nicht gef&auml;hrlicher sei als mit Helm, weil er viele kenne, die einen Fahrradunfall ohne Helm unverletzt &uuml;berstanden h&auml;tten&ldquo;.<\/p><p>Schon traurig das der Gedanke bez&uuml;glich der Klassenst&auml;rke immer erst dann relevant ist, wenn St&ouml;rungen im Lernprozess auftauchen. Der ein oder andere Lehrer mag seiner Ansicht nach mit einer gr&ouml;&szlig;eren Anzahl von Sch&uuml;lern zurechtkommen, was es aber f&uuml;r die Sch&uuml;ler bedeutet in solchen Riesengruppen zu arbeiten, zu leben und sich zu artikulieren, kurz gesagt die &uuml;berwiegende H&auml;lfte des Tages zu verbringen, wird kaum bis gar nicht aus p&auml;dagogischer Sicht thematisiert. Lehrer sollten sich zu dem gewahr werden, dass sie selbst ein Teil des Gruppengeschehens sind und somit die Gruppe nicht nur von au&szlig;en betrachten d&uuml;rfen, sondern sich als ein Bestandteil der Gruppe bewusst werden, um den Blickwinkel von &bdquo;innen&ldquo;, also aus der Perspektive der Sch&uuml;ler, zu begreifen. Es wird einfach zu wenig &bdquo;laut&ldquo; dar&uuml;ber nachgedacht wie das Lernen in Gruppen funktioniert!<\/p><p>Uns Eltern h&auml;lt man dazu an, zum Wohle unserer Kinder das Beste aus der Situation zu machen. Wir sollen Zusammenf&uuml;gen, unterst&uuml;tzen, helfen zu integrieren, wo immer es n&ouml;tig ist. Einem Schreiben von Bildungsministerin Henzler zu Folge, ist trotz der Umst&auml;nde eine optimale F&ouml;rderung gew&auml;hrleistet. Wohl ein kleiner Scherz am Rande, wenn man die Sch&uuml;ler optimal f&ouml;rdern wollte, w&uuml;rde man auf die Anliegen der Sch&uuml;ler und Eltern eingehen. Ich wiederhole es immer wieder gerne, leuchtet doch jedem Laien ein, dass zur optimalen F&ouml;rderung kleine Klassen, ausreichendes Lehrpersonal und ein angepasstes Lernumfeld erforderlich sind.<\/p><p>Tendenziell ist dieses Lernumfeld derzeit nur in manchen staatlich gef&ouml;rderten Privatschulen zu finden und tr&auml;gt letztendlich zur F&ouml;rderung unserer &bdquo;Ellenbogengesellschaft&ldquo; bei. Wer &uuml;ber die n&ouml;tigen finanziellen Mittel verf&uuml;gt, kann sich &bdquo;exklusive&ldquo; Bedingungen erkaufen.<\/p><p>Ich darf noch mal zusammenfassen: &bdquo;Wir, die in diesem Beispiel aufgezeigten Eltern, sollen diejenigen sein, welche F&ouml;rderung und Fortkommen, somit die ganze Entwicklung unserer Kinder behindern, ja sogar vereiteln. Eben bockige Eltern, die sich weigern die Gegebenheiten anzunehmen, Beh&ouml;rden und Schulleitung zur Last fallen.<br>\nAktive Eltern? Gerne, jedoch nur bis zu einem gewissen Grad und gem&auml;&szlig;igt. Zeitlich begrenzt und bitte nicht l&auml;stig fallen durch Unarten wie Unterschriftenaktionen, Nachfragen, Gegenargumentation, oder gar einem Aufruf zum Streik!<\/p><p>Diese Hartn&auml;ckigkeit wirkt, z.B. auf das Kultusministerium nebst Schulamt, ich zitiere: &bdquo;l&auml;cherlich und schadet dem guten Ruf der Schule&ldquo;.<\/p><p>Wer glaubt ich h&auml;tte das erfunden, den muss ich leider entt&auml;uschen, genau das durfte ich in meiner Rolle als Mutter und Elternbeir&auml;tin erfahren. Elternvertreter die sittsam eine Klassenkasse f&uuml;hren, zum Elternabend einladen und der Schule ihre Arbeitskraft zur Verf&uuml;gung stellen, sind gute Elternvertreter!! Alle anderen sind Denunzianten und Quertreiber.<br>\nUm es aus der Sicht der Schulleitung, Schulamt und Co. zu formulieren: &bdquo;Ich finde ihr Engagement gut, aber&hellip;..und ist es nicht bedauerlich, wenn man so viel Zeit und Energie aufwendet f&uuml;r Nichts&ldquo;?<\/p><p>Danke kann ich all denen sagen, die sich im Rahmen ihrer M&ouml;glichkeiten f&uuml;r unsere Sache eingesetzt haben. Insbesondere m&ouml;chte ich Landtagsabgeordnete Barbara Cardenas von der Linksfraktion erw&auml;hnen, die mir abschlie&szlig;end den Weg einer Petition er&ouml;ffnete um im Landtag die Problematik zum Thema zu machen.<\/p><p>Wir haben es kapiert, die Message ist angekommen! Laut HKM wird es, bei allem Verst&auml;ndnis f&uuml;r die Situation der Sch&uuml;ler und Eltern, keine Ausnahmeregelung geben k&ouml;nnen und das Schulamt h&auml;lt eine weitere Auseinandersetzung um Klassenbildung f&uuml;r &bdquo;abtr&auml;glich&ldquo;. <\/p><p>Aus dieser Bildungspolitik ergibt sich null Spielraum f&uuml;r eine aktive Gestaltung von F&ouml;rderma&szlig;nahmen an den Schulen. Meiner Ansicht nach sollte die Auseinandersetzung mit unserem desolaten Bildungssystem an allen Fronten beginnen, dann bestimmen wir vielleicht zuk&uuml;nftig was &bdquo;abtr&auml;glich&ldquo; ist und was nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W&auml;re es nicht sch&ouml;n, es g&auml;be eine Bildungspolitik, die sich an der F&ouml;rderung von Kindern und Jugendlichen orientiert und nicht ausschlie&szlig;lich am stetig schrumpfenden Finanzbudget? Sich dies vorzustellen, geht unter gegebenen Umst&auml;nden nur mit viel Phantasie. Wie sehen die tats&auml;chlichen Begebenheiten aus? Die Regierung spart, Kinder und Eltern zahlen, im wahrsten Sinne des Wortes! 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