{"id":11621,"date":"2011-12-16T08:26:34","date_gmt":"2011-12-16T07:26:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11621"},"modified":"2015-01-01T10:07:47","modified_gmt":"2015-01-01T09:07:47","slug":"allmahlich-dammert-es-hoffentlich-geht-noch-vor-dem-abgrund-ein-licht-auf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11621","title":{"rendered":"Allm\u00e4hlich d\u00e4mmert es &#8230; Hoffentlich geht noch vor dem Abgrund ein Licht auf"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Die Euro-Krise zeigt auf dramatische Weise, welchen Schaden permanente Export&uuml;bersch&uuml;sse anrichten. Der gr&ouml;&szlig;te Verlierer ist Deutschland &hellip; Aus gutem Grund steht im deutschen Stabilit&auml;tsgesetz das Ziel eines au&szlig;enwirtschaftlichen Gleichgewichts. Es geht dabei nicht um weniger deutsche Exporte. Wichtig ist vielmehr eine St&auml;rkung der Binnennachfrage durch Umschichtungen im Steuersystem, h&ouml;here L&ouml;hne und eine Flexibilisierung des Dienstleistungssektors&ldquo;; das konnte man gestern im <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/international\/deutschland-bringt-europa-aus-dem-gleichgewicht\/5960474.html?p5960474=all\">Handelsblatt<\/a> lesen. Solche wirtschaftspolitische Positionen konnten Sie bislang fast ausschlie&szlig;lich auf den NachDenkSeiten finden oder sie wurden von einigen wenigen &Ouml;konomen wie Heiner Flassbeck oder Thomas Fricke vertreten und von amerikanischen Fachleuten wie Paul Krugman oder James Galbraith &ouml;ffentlich wahrgenommen.<br>\nAber nicht nur im Handelsblatt, auch anderswo scheint es zu d&auml;mmern, dass eine Politik, die nur eine h&auml;rtere Bestrafung von Defizitl&auml;ndern kennt, in den Abgrund f&uuml;hrt. Von <strong>Wolfgang Lieb<\/strong><br>\n<!--more--><br>\nNach jedem der zahlreichen zur&uuml;ckliegenden Gipfeln lobten bisher die politischen Redaktionen und die Wirtschaftsredaktionen die Kanzlerin in h&ouml;chsten T&ouml;nen. Endlich w&uuml;rden die &bdquo;M&auml;rkte&ldquo; wieder Vertrauen fassen, hie&szlig; es nach jedem Treffen von &bdquo;Merkozy&ldquo;. Am deutschen Wesen sollte Europa genesen, mit einer rigiden Sparpolitik, Lohnsenkungen, Sozialabbau, Privatisierungen oder Anhebungen der Massensteuern &ndash; durchgesetzt mit Strafma&szlig;nahmen. <\/p><p>Doch nach dem Gipfel war immer nur vor dem n&auml;chsten Gipfel; die Frequenz der Gipfeltermine erh&ouml;hte sich rapide, doch genauso schnell erh&ouml;hten sich die Fieberkurven der Spekulation auf den Anleihem&auml;rkten &ndash; von Griechenland, &uuml;ber Portugal, Spanien, Italien bis hinein ins Kerneuropa. Deutschland als Exporteuropameister weigerte sich die Ursachen der Krise zur Kenntnis zu nehmen und diktiert den Defizitl&auml;ndern eine Austeri&auml;tspolitik, die sie &ouml;konomisch und finanzpolitisch erw&uuml;rgt, statt dass sie aus den Schulden wieder herauskommen k&ouml;nnten.<\/p><p>Und urpl&ouml;tzlich titelt selbst das sonst so auf die deutsche Exportindustrie fixierte Handelsblatt: &bdquo;Deutschland bringt Europa aus dem Gleichgewicht&ldquo;. Der Autor Jan Mallien f&uuml;hrt aus, &bdquo;Deutschland hat durch seine Leistungsbilanz&uuml;bersch&uuml;sse &uuml;ber Jahre Forderungen gegen&uuml;ber den am wenigsten wettbewerbsf&auml;higen L&auml;ndern angeh&auml;uft. Deutschen &Uuml;bersch&uuml;ssen standen hohe Defizite und damit Schulden von L&auml;ndern wie Griechenland, Portugal oder Spanien gegen&uuml;ber. Unterm Stich blieb die Leistungsbilanz der Eurozone damit in etwa ausgeglichen. Das Problem f&uuml;r Deutschland: Seine Forderungen bergen ein hohes Verlustrisiko. Kein Land kann sich permanente Defizite leisten &ndash; ansonsten wird die Zinslast irgendwann zu hoch&hellip;Die Euro-Krise entstand letztlich daraus, dass sich die Defizitl&auml;nder ihre Auslandsschulden auf Dauer nicht leisten konnten &ndash; und sie irgendwie dr&uuml;cken mussten&hellip;Der Kern des Problems sind nicht die Staatsschulden, sondern Ungleichgewichte im Au&szlig;enhandel&ldquo;.<\/p><p><strong>Geht im Handelsblatt endlich ein Licht auf?<\/strong><\/p><p>Aber nicht nur im Handelsblatt gab es diese Woche Lichtblicke. Im englischen  Wirtschaftsblatt Financial Times schrieb Martin Wolf am Dienstag, den 13. Dezember (leider geb&uuml;hrenpflichtig), &bdquo;die Schrauben der Finanzs&uuml;nder anzuziehen, mag ein gutes Gef&uuml;hl verschaffen, aber das funktioniert nicht&ldquo;. Da Ergebnis w&auml;re eine Instabilit&auml;ts- und Stagnations-Union. Es f&uuml;hre kein Weg daran vorbei, dass neben der Verbesserung der Wettbewerbsf&auml;higkeit f&uuml;r die wirtschaftlich schw&auml;cheren L&auml;nder der Eurozone eine Minderung der Kapitalexporte vor allem aus Deutschland notwendig sei, um Stabilit&auml;t zu schaffen. Das bedeute, &bdquo;that Germany becomes far less German&ldquo; oder aber, dass &bdquo;the eurozone becomes a mega-Germany&ldquo;. Leider sei kein solcher Ausgang der Krise plausibel und so blieben eben nur sinkende L&ouml;hne, Schuldenabwertung und ein verl&auml;ngertes Absacken der Wirtschaft.<\/p><p>Und in der FAZ, deren Feuilleton-Redaktion sich zur <a href=\"?p=11564\">Speerspitze eines neuen Denkens im konservativen Bl&auml;tterwald entwickelt<\/a> schreibt Nils Minkmar unter der &Uuml;berschrift <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/das-krisen-ensemble-stellt-endlich-die-systemfrage-11558289.html\">&bdquo;Stellt endlich die Systemfrage!&ldquo;<\/a>: &bdquo;Pl&ouml;tzlich wei&szlig; man ja auch wieder, dass die Staatsschuldenkrise nicht auf unf&auml;hige Beamte, nicht auf die mangelnde Effektivit&auml;t des Staates zur&uuml;ckgeht, sondern ganz im Gegenteil auf die Reibungslosigkeit, mit der die Parlamente aller L&auml;nder f&uuml;r Schulden votiert haben, die direkt der Finanzindustrie zugutekamen, als sich die Superhirne dort verzockt hatten.<br>\nBis heute wurden die Verursacher der Krise weder rechtlich noch finanziell zur Verantwortung gezogen. Stattdessen m&uuml;ssen europ&auml;ische Rentner, Studenten und Arbeitslose &ouml;ffentliche Sparprogramme ertragen, die ihnen Regierungen aus sogenannten Fachleuten geschrieben haben.&ldquo;<\/p><p>Sogar in der Wirtschaftsredaktion der S&uuml;ddeutschen Zeitung scheint der neoliberale Kalk allm&auml;hlich zu br&ouml;ckeln. Der einstmals nicht &uuml;ber das wirtschaftspolitische Denken der <a href=\"?p=10509#h04\">&bdquo;schw&auml;bischen Hausfrau&ldquo;<\/a> hinaus gelangte <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/aussichten-der-weltwirtschaft-schock-fuer-alle-1.1235109\">Alexander Hagel&uuml;ken<\/a> schreibt dort &uuml;berraschenderweise: &bdquo;Die n&auml;chste Wirtschaftskrise zieht herauf wie ein Wintersturm &hellip; Das liberale Dogma, der Staat solle sich heraushalten, ist sp&auml;testens seit der Finanzkrise &uuml;berholt. Damals verhinderte vor allem die schnelle Reaktion der USA, Chinas oder Europas mit Konjunkturprogrammen und billigem Geld der Zentralbanken eine Depression wie in den Drei&szlig;igern Jahren. Keynes ist nicht tot, seine Ideen sind das Gebot der Stunde.&ldquo;<\/p><p>Und solche Ketzereien gegen das liberale Dogma hat der Ressortleiter Wirtschaft der SZ, <a href=\"?p=5082#h13\">Marc Beise<\/a>, durchgehen lassen! <\/p><p>Wir versp&uuml;ren also in dieser Woche ein wenig Aufwind f&uuml;r unsere wirtschaftspolitischen Positionen, wie sie von Albrecht M&uuml;ller gestern in einem <a href=\"?p=11617\">Interview<\/a> markiert wurden, doch leider k&uuml;ndigen einige Schwalben im Bl&auml;tterwald noch keinen Fr&uuml;hling an.<\/p><p><strong>Denn in der Politik herrscht nach wie vor Eisesstarre.<\/strong> <\/p><p>Die Kanzlerin lobte diese Woche vor dem Parlament (mal wieder) den auf dem letzten Gipfel verabredeten zwischenstaatlichen Vertrag <a href=\"http:\/\/www.bundesregierung.de\/nn_1264\/Content\/DE\/Artikel\/2011\/12\/2011-12-14-er-bk-regierungserklaerung.html\">vollmundig<\/a>. Die nach Camerons ausscheren verbliebenen 17 Euro-Staaten sollen einen Vertrag ratifizieren, der eine Schuldenbremse (&bdquo;m&ouml;glichst in den Verfassungen&ldquo;) vorsieht, die ein Defizit von nicht mehr als 0,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zul&auml;sst. Eine solche Schuldenbremse ist das Aus f&uuml;r die konjunkturpolitische Handlungsf&auml;higkeit der Staaten und der Totenschein f&uuml;r Keynes, dessen Wiedergeburt Hagel&uuml;ken gerade fordert. <\/p><p>Wer h&ouml;here Schulden macht soll automatisch bestraft werden, gerade so als ob man einem nackten Mann noch in die Tasche fassen k&ouml;nnte. Der Wahn des Kaputtsparens in einer aufkommenden Wirtschaftskrise verstellt jeden Blick auf die Kernursache der Verschuldung der Leistungsbilanzdefizitl&auml;nder und er wird leider auch das (Kapital-)Exportland Deutschland dem &bdquo;Wintersturm&ldquo; aussetzen. Nicht nur in Europa sondern auch global k&ouml;nnen Defizitl&auml;nder chronische Auslandsschulden auf Dauer nicht verkraften und werden fr&uuml;her oder sp&auml;ter zum Objekt der Spekulanten. Im &Uuml;brigen bleiben ja auch die Absatzhoffnungen in die &bdquo;Schwellenstaaten&ldquo; Luftbuchungen, denn auch China, Indien oder Brasilien sind vom globalen Abschwung erfasst. Deutschland bliebe also bald nur noch der Mars als Exportgebiet.<\/p><p>F&uuml;r eine wirkliche Opposition in Deutschland m&uuml;sste angesichts dieses Katastrophenkurses der Regierung h&ouml;chste Alarmstufe herrschen. Doch der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel, dem die FAZ wohl einen Ehrenplatz in ihrer Reihe der Mahner f&uuml;r ein Umdenken einzur&auml;umen gedachte, spielte sich in seinem dortigen Debattenbeitrag sogar noch als der <a href=\"?p=11593\">Sparkommissar von Angela Merkel<\/a> auf. Davon, dass die Stagnation der L&ouml;hne, der von seiner Partei ge&ouml;ffnete Niedriglohnsektor, die Unternehmensteuersenkungen der Regierung Schr&ouml;der und die Deregulierung der Finanzm&auml;rkte durch den potentiellen Kanzlerkandidaten Steinbr&uuml;ck die wirklichen Ursachen f&uuml;r die derzeitige &Uuml;berlagerung der Krisen sind, hat der sich so gerne arbeitnehmernah gebende politische Wellenreiter Gabriel offenbar nie etwas geh&ouml;rt. Bei ihm <a href=\"?p=11585\">&bdquo;ist Hopfen und Malz verloren&ldquo;<\/a>, schreibt Albrecht M&uuml;ller nur noch voller Entt&auml;uschung.<br>\nDie gesamte SPD-F&uuml;hrung kann sich aus lauter Angst, auf eine der von ihrer Partei ausgelegten Tretminen zu treten, gedanklich offenbar nur noch im Kreise drehen. <\/p><p>Der Fraktionsvorsitzende der Gr&uuml;nen, J&uuml;rgen Trittin, forderte immerhin Eurobonds, das w&auml;re immerhin eine Firewall gegen die Spekulation, aber immer noch keine Brandbek&auml;mpfung. Und DIE LINKE wird nicht wahrgenommen. Da kann <a href=\"http:\/\/www.linksfraktion.de\/reden\/sie-machen-europaeische-idee-kaputt\/\">Gregor Gysi im Bundestag<\/a> noch so oft darauf hinweisen: &bdquo;Wenn wir aus dieser Falle herauswollen, die auch andere L&auml;nder belastet, dann m&uuml;ssen wir endlich die Binnenwirtschaft st&auml;rken, um nicht zu stark von den Verk&auml;ufen in andere L&auml;nder abh&auml;ngig zu sein. Wenn wir die Binnenwirtschaft st&auml;rken wollen, dann brauchen wir endlich h&ouml;here L&ouml;hne, h&ouml;here Renten und h&ouml;here Sozialleistungen.&ldquo;<\/p><p>Wie viele Gipfel wird es noch dauern, bis diese banale Erkenntnis in Europa einkehrt? Hoffentlich kommen der Absturz der europ&auml;ischen Wirtschaft und damit das Ende der Europ&auml;ischen Union nicht zuvor. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Die Euro-Krise zeigt auf dramatische Weise, welchen Schaden permanente Export&uuml;bersch&uuml;sse anrichten. Der gr&ouml;&szlig;te Verlierer ist Deutschland &hellip; Aus gutem Grund steht im deutschen Stabilit&auml;tsgesetz das Ziel eines au&szlig;enwirtschaftlichen Gleichgewichts. Es geht dabei nicht um weniger deutsche Exporte. Wichtig ist vielmehr eine St&auml;rkung der Binnennachfrage durch Umschichtungen im Steuersystem, h&ouml;here L&ouml;hne und eine Flexibilisierung des Dienstleistungssektors&ldquo;;<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11621\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[139,22,41,30],"tags":[290,499,683,325],"class_list":["post-11621","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-euro-und-eurokrise","category-europaische-union","category-medienanalyse","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-binnennachfrage","tag-handelsbilanz","tag-handelsblatt","tag-staatsschulden"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11621","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=11621"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11621\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11629,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11621\/revisions\/11629"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=11621"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=11621"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=11621"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}