{"id":116264,"date":"2024-06-06T11:00:30","date_gmt":"2024-06-06T09:00:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=116264"},"modified":"2024-06-06T17:17:13","modified_gmt":"2024-06-06T15:17:13","slug":"wir-schlafwandler-oder-nachmittag-schwimmschule","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=116264","title":{"rendered":"Wir Schlafwandler \u2013 oder: \u201eNachmittag Schwimmschule\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Hat der Westen, hat Deutschland mit der offiziellen Genehmigung an die Ukraine, Russland mit den gelieferten Waffensystemen auch in der Tiefe seines Territoriums zu attackieren, den Rubikon &uuml;berschritten? Der Alltag jedenfalls l&auml;uft unger&uuml;hrt weiter &ndash; wie im Sommer 1914. Von <strong>Leo Ensel.<\/strong> Mit freundlicher Genehmigung von <a href=\"https:\/\/globalbridge.ch\/wir-schlafwandler-oder-nachmittag-schwimmschule\/?utm_source=mailpoet&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=globalbridge-updates-3\">Globalbridge<\/a>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3974\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-116264-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240606-Wir-Schlafwandler-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240606-Wir-Schlafwandler-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240606-Wir-Schlafwandler-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240606-Wir-Schlafwandler-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=116264-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240606-Wir-Schlafwandler-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"240606-Wir-Schlafwandler-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Deutschland hat Ru&szlig;land den Krieg erkl&auml;rt &ndash; Nachmittag Schwimmschule.&ldquo;<br>\n(Franz Kafka am 2. August 1914 in seinem Tagebuch)\n<\/p><\/blockquote><p>Ein kleiner ernstgemeinter Hinweis im Sinne des Eingangszitats: Bitte notieren Sie unbedingt, was Sie am Freitag, den 31. Mai 2024 getan haben, damit Sie antworten k&ouml;nnen, wenn Ihr Enkel Ihnen in einigen Jahrzehnten die entsprechende Frage stellen sollte! (Und das ist noch eine vergleichsweise &sbquo;moderate&lsquo; Zukunftsoption&hellip;)<\/p><p><strong>Wir schlafwandeln auch<\/strong><\/p><p>In der Retrospektive kommen wir uns alle so schlau vor. Fassungslos sch&uuml;tteln wir den Kopf, wenn wir sehen, mit welcher Euphorie die jungen M&auml;nner aller europ&auml;ischen Staaten, flankiert von einer kriegstrunkenen Bev&ouml;lkerung, vor genau hundertundzehn Jahren in ein Gemetzel zogen, das sich wenig sp&auml;ter als die &bdquo;Urkatastrophe des XX. Jahrhunderts&ldquo; erweisen sollte. Es erscheint uns absurd, dass jemand wie Franz Kafka am 2. August 1914 in seinem Tagebuch diese Urkatastrophe im selben Atemzug mit den banalsten Alltagsaktivit&auml;ten notierte. Wir bekommen den Mund nicht zu, wenn wir sehen, wie ein br&uuml;llender Kretin sp&auml;ter in den Zwanziger und Drei&szlig;iger Jahren gro&szlig;e Teile eines ganzen Volkes in seinen Bann ziehen konnte.&nbsp;<\/p><p>Und wir verehren umgekehrt einen Mann wie Karl Liebknecht, der am 2. Dezember 1914 als einziger Reichstagsabgeordneter den Mut hatte, gegen die Bewilligung des milliardenschweren Sonderverm&ouml;gens zur Kriegsfinanzierung zu stimmen. (Sein Engagement gegen den Krieg brachte ihm eine mehrj&auml;hrige Zuchthausstrafe ein.)<\/p><p>&sbquo;Wie fahrl&auml;ssig, wie dumm die meisten Menschen damals doch waren!&lsquo; So denkt es unterschwellig in einem. Und noch etwas tiefer, aber gerade noch vernehmbar: &sbquo;So etwas k&ouml;nnte&nbsp;<em>uns<\/em>, k&ouml;nnte&nbsp;<em>mir<\/em>&nbsp;heute nicht passieren!&lsquo;&nbsp;<\/p><p>Wirklich? Die platte Wahrheit lautet: Hinterher ist man immer schlauer! Nur halt nicht in der Gegenwart.&nbsp;<\/p><p>In Wirklichkeit geht es uns genauso wie den Gener&auml;len, die bei der Planung des kommenden Krieges auf keinen Fall die Fehler des letzten wiederholen wollen &ndash; und damit gleich den n&auml;chsten Fehler begehen!&nbsp;<\/p><p>Kurz: Wir &sbquo;schlafwandeln&lsquo; auch. Nur anders.<\/p><p>&bdquo;<strong>Es ging um keine Ideen &hellip;&ldquo;<\/strong><\/p><p>Aber schauen wir zun&auml;chst noch einmal zur&uuml;ck in die Monate vor dem August 1914, wie sie uns Stefan Zweig in seinem Buch &bdquo;Die Welt von Gestern&ldquo; in der Retrospektive so plastisch vor Augen f&uuml;hrt:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Wenn man heute ruhig &uuml;berlegend sich fragt, warum Europa damals in den Krieg ging, findet man keinen einzigen Grund vern&uuml;nftiger Art und nicht einmal einen Anlass. Es ging um keine Ideen, es ging kaum um die kleinen Grenzbezirke; ich wei&szlig; es nicht anders zu erkl&auml;ren als mit diesem &Uuml;berschuss an Kraft, als tragische Folge jenes inneren Dynamismus, der sich in diesen vierzig Jahren aufgeh&auml;uft hatte und sich gewaltsam entladen wollte. Jeder Staat hatte pl&ouml;tzlich das Gef&uuml;hl, stark zu sein, und verga&szlig;, dass der andere genauso empfand, jeder wollte noch mehr und jeder etwas von dem andern. Und das Schlimmste war, dass gerade jenes Gef&uuml;hl uns betrog, das wir am meisten liebten: unser gemeinsamer Optimismus. Denn jeder glaubte, in letzter Minute werde der andere doch zur&uuml;ckschrecken; so begannen die Diplomaten ihr Spiel des gegenseitigen Bluffens. In Deutschland wurde eine Kriegssteuer eingef&uuml;hrt mitten im Frieden, in Frankreich die Dienstzeit verl&auml;ngert; schlie&szlig;lich musste sich die &Uuml;berkraft entladen, und die Wetterzeichen am Balkan zeigten die Richtung, von der die Wolken sich schon Europa n&auml;herten.<\/em><\/p>\n<p><em>Es war noch keine Panik, aber doch eine st&auml;ndig schwelende Unruhe; immer f&uuml;hlten wir ein leises Unbehagen, wenn vom Balkan her die Sch&uuml;sse knatterten. Sollte wirklich der Krieg uns &uuml;berfallen, ohne dass wir es wussten, warum und wozu? Langsam &ndash; allzu langsam, allzu zaghaft, wie wir heute wissen! &ndash; sammelten sich die Gegenkr&auml;fte. Die Haltung der meisten Intellektuellen war leider eine gleichg&uuml;ltig passive, denn dank unserem Optimismus war das Problem des Krieges mit all seinen moralischen Konsequenzen noch gar nicht in unseren inneren Gesichtkreis getreten. Wir glaubten genug zu tun, wenn wir europ&auml;isch dachten und international uns verbr&uuml;derten. Und gerade die neue Generation war es, die am st&auml;rksten dieser europ&auml;ischen Idee anhing. Wir waren &uuml;berzeugt, dass die geistige, die moralische Kraft Europas sich triumphierend bekunden w&uuml;rde im letzten kritischen Augenblick. Und dann: was uns fehlte, war ein Organisator, der die in uns latenten Kr&auml;fte zielbewusst zusammenfasste.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Der Rubikon<\/strong><\/p><p>In den vergangenen Tagen hat der Westen &ndash; haben USA, NATO und seit letztem Freitag auch Deutschland &ndash; den Rubikon wom&ouml;glich &uuml;berschritten. Mit der nun auch offiziellen Genehmigung an die Ukraine, mittels weitreichender westlicher Waffensysteme &ndash; nat&uuml;rlich, wie es als Feigenblatt lautet, &bdquo;nur zur Selbstverteidigung!&ldquo; &ndash; russisches Territorium zu attackieren (was wohl auch die Freigabe entsprechender Zieldaten impliziert) und der parallelen Diskussion, NATO-Truppen in das ukrainische Kriegsgebiet zu entsenden, hat die Eskalationsspirale im Ukrainekrieg eine neue brandgef&auml;hrliche Umdrehung erreicht, die sehr leicht eine nicht mehr zu stoppende Eigendynamik ausl&ouml;sen und im schlimmsten Falle s&auml;mtliche Akteure in den Abgrund ziehen k&ouml;nnte. Mit anderen Worten: Wir haben der Ukraine einen Blankoscheck ausgestellt f&uuml;r Operationen, die wir im Worst Case alle mit unserem Leben bezahlen werden!<\/p><p>Bislang hatte US-Pr&auml;sident Joe Biden genau diesen Schritt tunlichst vermieden und zwar mit der expliziten Begr&uuml;ndung, &bdquo;<a href=\"https:\/\/paz.de\/artikel\/gefahr-einer-schrittweisen-eskalation-zu-einem-direkten-militaerischen-konflikt-mit-russland-a11444.html\">einen Dritten Weltkrieg zu vermeiden<\/a>&ldquo;. Noch im Oktober 2022 hatte er vor einem &bdquo;<a href=\"https:\/\/hajofunke.wordpress.com\/2024\/05\/30\/eine-warnung-von-general-a-d-harald-kujat-keine-kubakrise-die-anhaltenden-ukrainischen-angriffe-auf-die-atomare-verteidigungsfahigkeit-russlands-fuhren-uns-in-den-dritten-weltkrieg\/?\">nuklearen Armageddon<\/a>&ldquo; gewarnt. Angeheizt hatten die j&uuml;ngste Debatte Bidens Au&szlig;enminister Antony Blinken, NATO-Generalsekret&auml;r Jens Stoltenberg, Frankreichs Pr&auml;sident Emmanuel Macron sowie die &uuml;blichen forschen Politiker und Medien in den NATO-Staaten, die seit Kriegsbeginn den Hals nicht vollkriegen.&nbsp;<\/p><p>Die implizite hasardeurhafte Logik des Westens war die seit Jahren, Jahrzehnten &uuml;bliche: &sbquo;Bislang hat Putin unser schrittweises &Uuml;berschreiten s&auml;mtlicher russischen roten Linien stets stillschweigend hingenommen.&nbsp;<em>Ergo<\/em>&nbsp;k&ouml;nnen wir fr&ouml;hlich weitereskalieren. Ist ja bis jetzt noch immer gut gegangen!&lsquo; &ndash; Stimmt nicht: Es ist schon einmal, eben mit der Invasion russischer Truppen in die Ukraine vom 24.02.2022, dramatisch schiefgegangen! In der Vorkriegszeit hatte der Westen dasselbe Katz-und-Maus-Spiel mit den russischen Sicherheitsinteressen gespielt &ndash; bis es zu sp&auml;t war.&nbsp;<\/p><p>Letzten Freitag, den 31. Mai 2024 &ndash; man sollte sich dieses wahrscheinlich geschichtstr&auml;chtige Datum unbedingt merken &ndash; kippte denn auch Bundeskanzler Scholz (wie &uuml;blich nach einigem Z&ouml;gern) mal wieder um. Russland darf also nun ganz offiziell auch mit&nbsp;<em>deutschen<\/em>&nbsp;Waffen auf seinem Territorium angegriffen werden! Wie lange wird es dauern, bis Scholz &ndash; wie seit Monaten von der Opposition, namhaften Vertretern der Regierungskoalition und nahezu allen Leitmedien in ohrenbet&auml;ubendem Dauerstaccato gefordert &ndash; auch noch dem Einsatz deutscher Taurus-Marschflugk&ouml;rper sein Placet erteilen wird? Mit diesem System w&auml;re die Ukraine, die in den letzten Tagen bereits Module des russischen Raketenabwehrsystems mit Drohnen beschossen und damit nichts weniger als die&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=115976\">globale Sicherheitsarchitektur angegriffen<\/a>&nbsp;hat, nicht nur in der Lage, die Krim-Br&uuml;cke zu attackieren. Sie k&ouml;nnte nun &ndash; wie bereits Ende 2022 auf dem russischen Atomwaffenst&uuml;tzpunkt in Engels an der Wolga; damals &bdquo;nur&ldquo; mit Drohnen &ndash; mittels dieses h&ouml;chst effektiven Waffensystems auch russische Atomwaffendepots mit unabsehbaren Folgen in die Luft jagen, ja: den Kreml pulverisieren&hellip;<\/p><p>Wie diese Option an diesem Ort aufgenommen werden wird, das kann jeder, der sich das selbst&auml;ndige Denken noch nicht systematisch abtrainiert hat, an f&uuml;nf Fingern abz&auml;hlen! Das uns als Valiumpille verabreichte Faseln vom V&ouml;lkerrecht, das den Einsatz zur Selbstverteidigung angeblich erlaubt, ist vollkommen irrelevant. Entscheidend einzig und allein ist, wie&nbsp;<em>Russland<\/em>&nbsp;das sieht &ndash; denn genau so wird es sich verhalten!<\/p><p>Laut General a.D. Harald Kujat, in den Nuller Jahren rangh&ouml;chster Offizier der NATO, ist die aktuelle Situation mittlerweile&nbsp;<a href=\"https:\/\/hajofunke.wordpress.com\/2024\/05\/30\/eine-warnung-von-general-a-d-harald-kujat-keine-kubakrise-die-anhaltenden-ukrainischen-angriffe-auf-die-atomare-verteidigungsfahigkeit-russlands-fuhren-uns-in-den-dritten-weltkrieg\/?\">gef&auml;hrlicher als die Kubakrise<\/a>. Eine Einsch&auml;tzung, die er noch&nbsp;<em>vor<\/em>&nbsp;dem j&uuml;ngsten Umkippen unseres Kanzlers ge&auml;u&szlig;ert hatte&hellip; Und so dr&auml;ngen sich allen, die sich im Interesse des Weltfriedens, nein: unser aller Weiterlebens, das bequeme, aber feige Wegschauen verbieten, folgende alarmierende Fragen auf:&nbsp;<\/p><ul>\n<li>Was, wenn diese waghalsige Entwicklung fr&uuml;her oder sp&auml;ter allen Akteuren entgleitet?&nbsp;<\/li>\n<li>Wenn dieser Krieg zu einem direkten Konflikt zwischen NATO und Russland eskaliert?&nbsp;<\/li>\n<li>Wenn er sich auf ganz Europa, wom&ouml;glich noch dar&uuml;ber hinaus, ausweitet?&nbsp;<\/li>\n<li>Wenn &ndash; analog zur Vorgeschichte des Ersten Weltkrieges &ndash; als Resultante dieses un&uuml;bersehbaren &sbquo;K&auml;fteparallelogramms&lsquo; etwas herauskommt, zu dem alle beigetragen, das aber so niemand gewollt hat?<\/li>\n<\/ul><p>Der Dritte Weltkrieg k&ouml;nnte als &sbquo;zweiter Erster Weltkrieg&lsquo; beginnen.<\/p><p><strong>Meine &sbquo;Schwimmschule&lsquo;<\/strong><\/p><p>Heute schreiben wir Samstag, den 1. Juni 2024 &ndash; &bdquo;Tag eins&ldquo; nach der &sbquo;Schicksals&lsquo;-Entscheidung, die uns wom&ouml;glich endg&uuml;ltig in die &bdquo;Urkatastrophe des XXI. Jahrhunderts&ldquo; hineinziehen wird.&nbsp;<\/p><p>Gestern hatte ich zur Abwechselung mal l&auml;nger ausgeschlafen. Der Vorabend, zuf&auml;lligerweise eine Friedensveranstaltung in Bremen, war sp&auml;t geworden. Nach einem ausf&uuml;hrlichen Fr&uuml;hst&uuml;ck rief ich meine Schwester an, um ihr zum 67. Geburtstag zu gratulieren. Am fr&uuml;hen Nachmittag im Zug &ndash; wieder nach Bremen auf dem Weg zu einer Europawahl-Kundgebung der einzigen deutschen Partei, die sich ohne Wenn und Aber f&uuml;r ein sofortiges Schweigen der Waffen im Ukrainekrieg einsetzt &ndash; ereilte mich die Mail eines guten Freundes: &bdquo;Ich bin gerade etwas in Schockstarre &uuml;ber die deutsche Entscheidung&ldquo;. Ich musste erst einmal im Netz recherchieren, was er denn meinte&hellip;<\/p><p>Sp&auml;ter, nach der Rede von Sahra Wagenknecht, zog es mich vom Domplatz zur nahegelegenen Manufactum-Filiale, wo ich mir zwei hochwertige bretonische Matrosenshirts g&ouml;nnte, bevor ich mich noch im hauseigenen Caf&eacute; mit einem Espresso samt franz&ouml;sischem Mandelcroissant st&auml;rkte.<\/p><p>Der heutige Samstag: Ganz Oldenburg, seit viereinhalb Jahrzehnten meine Wahlheimat, ist auf den Beinen. Die Fu&szlig;g&auml;ngerzone platzt vor Eink&auml;ufern aus allen N&auml;hten. Die Restaurants am Hafen sind gut frequentiert, die meisten Besucher sonnen sich drau&szlig;en am Wasser. &Uuml;berall Menschen auf Fahrr&auml;dern oder E-Scootern, die endlich mal wieder kilometerweite Touren ins Umland unternehmen wollen.&nbsp;<\/p><p>Alle genie&szlig;en sichtlich den milden Sp&auml;tfr&uuml;hlingstag, der Winter war diesmal lang.<\/p><p><strong>Der strahlendste und sch&ouml;nste Sommer seit Menschengedenken<\/strong><\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Diesen Sommer werden diejenigen, die ihn hier verlebten, als den strahlendsten und sch&ouml;nsten Sommer seit Menschengedenken in Erinnerung behalten, denn in ihrem Bewusstsein gl&auml;nzt und leuchtet er vor dem gewaltigen und d&uuml;steren Horizont des Leides und Ungl&uuml;cks, der sich bis ins Unabsehbare erstreckt. Die Pflaumenb&auml;ume trugen Fr&uuml;chte wie seit langem nicht, und das Getreide stand gut.<\/em><\/p>\n<p><em>Es kam ein solches Ausnahmejahr mit einem besonders gl&uuml;cklichen und g&uuml;nstigen Zusammenwirken von Sonnenw&auml;rme und Erdfeuchte, als dieses breite Tal vor &Uuml;berfluss an Kraft und allgemeinem Bed&uuml;rfnis, Frucht zu tragen, erbebte. Die Erde schwoll an, und alles, was in ihr noch lebte, keimte, trieb Knospen, setzte Bl&auml;tter an, bl&uuml;hte und trug hundertfache Frucht. Man sah f&ouml;rmlich diesen Hauch der Fruchtbarkeit, wie er als warmer bl&auml;ulicher Dunst &uuml;ber jeder Furche und Scholle zitterte. Die K&uuml;he und Ziegen schlugen mit den Hinterbeinen aus und gingen schwer vor strotzenden und pallen Eutern. Die Wei&szlig;fische, die jedes Jahr mit Beginn des Sommers in Schw&auml;rmen den kleinen Fluss herabkommen, um an seiner M&uuml;ndung zu laichen, traten in solchen Mengen auf, dass die Kinder sie aus den Untiefen mit kleinen Eimern einfingen und auf dem Ufer aussch&uuml;tteten. Auch der por&ouml;se Stein der Br&uuml;cke sog sich voll und schwoll an, wie lebend, durch die Kraft und den &Uuml;berfluss, die aus der Erde str&ouml;mten und &uuml;ber der ganzen Stadt wie eine freudige W&auml;rme schwebten, in der alles schneller atmete und lebhafter wucherte.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Diese S&auml;tze stammen aus dem gro&szlig;artigen Roman &bdquo;Die Br&uuml;cke &uuml;ber die Drina &ndash; Eine Chronik von Vi&scaron;egrad&ldquo; (&bdquo;&#1053;&#1072; &#1044;&#1088;&#1080;&#1085;&#1080; &#1115;&#1091;&#1087;&#1088;&#1080;&#1112;&#1072;&ldquo;) des jugoslawischen Schriftstellers, Diplomaten und Politikers, des Literaturnobelpreistr&auml;gers Ivo Andri&amp;cacute;.<\/p><p>Die Rede war vom Sommer 1914.<\/p><p><strong>Zur Erlaubnis Deutschlands, von Deutschland gelieferte Waffen auch f&uuml;r Ziele in Russland ben&uuml;tzen zu d&uuml;rfen, siehe auch den hochaktuellen Beitrag zu diesem Thema von &laquo;<a href=\"https:\/\/www.german-foreign-policy.com\/news\/detail\/9573\">German Foreign Policy<\/a>&raquo;.<\/strong><\/p><p><small>Titelbild: Vectorium \/ Shutterstock<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hat der Westen, hat Deutschland mit der offiziellen Genehmigung an die Ukraine, Russland mit den gelieferten Waffensystemen auch in der Tiefe seines Territoriums zu attackieren, den Rubikon &uuml;berschritten? Der Alltag jedenfalls l&auml;uft unger&uuml;hrt weiter &ndash; wie im Sommer 1914. Von <strong>Leo Ensel.<\/strong> Mit freundlicher Genehmigung von <a href=\"https:\/\/globalbridge.ch\/wir-schlafwandler-oder-nachmittag-schwimmschule\/?utm_source=mailpoet&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=globalbridge-updates-3\">Globalbridge<\/a>.<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><\/p>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":116268,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,171],"tags":[1519,466,259,260,2377,966],"class_list":["post-116264","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-militaereinsaetzekriege","tag-atomwaffen","tag-nato","tag-russland","tag-ukraine","tag-waffenlieferungen","tag-weltkrieg"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/shutterstock_2185419073.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/116264","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=116264"}],"version-history":[{"count":13,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/116264\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":116318,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/116264\/revisions\/116318"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/116268"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=116264"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=116264"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=116264"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}