{"id":11649,"date":"2011-12-19T14:30:44","date_gmt":"2011-12-19T13:30:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11649"},"modified":"2019-07-23T11:26:31","modified_gmt":"2019-07-23T09:26:31","slug":"die-folgen-der-exzellenzinitiative-funktionale-oder-vertikale-differenzierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11649","title":{"rendered":"Die Folgen der Exzellenzinitiative &#8211; Funktionale oder vertikale Differenzierung"},"content":{"rendered":"<p>Im Juni n&auml;chsten Jahres werden die letzten Entscheidungen im Rahmen der Exzellenzinitiative verk&uuml;ndet. Der 2005 gestartete Wettbewerb l&auml;uft 2017 endg&uuml;ltig aus. Die beiden f&uuml;r die Durchf&uuml;hrung der Exzellenzinitiative verantwortlichen Organisationen, die DFG und der Wissenschaftsrat, haben ebenso wie die beteiligten Politiker f&uuml;r die ersten Jahre eine eindeutig positive Bilanz gezogen. Die Initiative sei ein gro&szlig;er Erfolg, so die einhellige Meinung der Verantwortlichen.<br>\nDie Interdisziplin&auml;re Arbeitsgruppe Exzellenzinitiative der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, die Anfang 2010 eine erste umfassendere wissenschaftliche Untersuchung der bisherigen Resultate und Folgen der Initiative vorlegte, kommt zwar ebenfalls zu einer positiven Gesamtbewertung und begr&uuml;&szlig;t auch ausdr&uuml;cklich die Entscheidung, die Exzellenzinitiative fortzuf&uuml;hren, weist aber im Unterschied zu DFG und Wissenschaftsrat auch auf eine ganze Reihen von Problemen hin. Von <strong>Michael Hartmann<\/strong>.<br>\n<!--more--><\/p><ol>\n<li><strong>Einleitung<\/strong>\n<p>Im Juni n&auml;chsten Jahres werden die letzten Entscheidungen im Rahmen der Exzellenzinitiative verk&uuml;ndet. Der 2005 gestartete Wettbewerb l&auml;uft 2017 endg&uuml;ltig aus. Alle bisher bewilligten Projekte (39 Graduiertenschulen, 37 Exzellenzcluster und neun Zukunftskonzepte) konkurrieren jetzt mit den Antr&auml;gen, die in der dritten Runde die Vorauswahl &uuml;berstanden haben (25 bei den Graduiertenschulen, 27 bei den Exzellenzclustern und sieben bei den Zukunftskonzepten). Die beiden f&uuml;r die Durchf&uuml;hrung der Exzellenzinitiative verantwortlichen Organisationen, die DFG und der Wissenschaftsrat, haben ebenso wie die beteiligten Politiker f&uuml;r die ersten Jahre eine eindeutig positive Bilanz gezogen. Die Initiative sei ein gro&szlig;er Erfolg, so die einhellige Meinung der Verantwortlichen. <\/p>\n<p>Die Interdisziplin&auml;re Arbeitsgruppe Exzellenzinitiative der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, die Anfang 2010 eine erste umfassendere wissenschaftliche Untersuchung der bisherigen Resultate und Folgen der Initiative vorlegte, kommt zwar ebenfalls zu einer positiven Gesamtbewertung und begr&uuml;&szlig;t auch ausdr&uuml;cklich die Entscheidung, die Exzellenzinitiative fortzuf&uuml;hren, weist aber im Unterschied zu DFG und Wissenschaftsrat auch auf eine ganze Reihen von Problemen hin. <\/p>\n<p>Verfahrensm&auml;ngel bei der Auswahlprozedur (vor allem die Undurchsichtigkeit der Kriterien) werden ebenso angesprochen wie Steuerungsprobleme an den Hochschulen (speziell die Entstehung von Parallelstrukturen durch die Exzellenzcluster), drohende Konsequenzen einer &Uuml;berspezialisierung f&uuml;r die Berufsaussichten (besonders bei den Nachwuchswissenschaftlern in den Exzellenzclustern und Graduiertenschulen) ebenso wie ein eventuelles Ungleichgewicht bei den gef&ouml;rderten Fachdisziplinen (Dominanz der Lebens- und Naturwissenschaften) (Interdisziplin&auml;re Arbeitsgruppe 2010). Neidhardt benennt noch einen weiteren wesentlichen Punkt. Es werde sp&auml;testens nach Auslaufen der Initiative bei den siegreichen Hochschulen zu erheblichen internen Verteilungskonflikten kommen, weil die erfolgreichen Forschungscluster nicht einfach eingestellt werden k&ouml;nnten und zumindest die f&uuml;r sie neu geschaffenen Professuren dann dauerhaft aus dem Hochschuletat finanziert werden m&uuml;ssten (Neidhardt 2010: 67ff.). <\/p>\n<p>Erstaunlich ist, dass die Arbeitsgruppe zum zentralen Punkt, der strukturellen Ver&auml;nderung der deutschen Hochschullandschaft, kaum Stellung bezieht. Das prinzipiell auf interner Gleichheit beruhende traditionelle Universit&auml;tssystem in Richtung einer deutlichen Differenzierung aufzubrechen, das &bdquo;Gleichheitsparadigma&ldquo; durch das &bdquo;Differenzierungsparadigma&ldquo; zu ersetzen, war und ist immerhin das entscheidende Ziel des Wettbewerbs. So spricht die gemeinsame Kommission von DFG und Wissenschaftsrat in ihrem gemeinsamen Bericht Ende 2008 ausdr&uuml;cklich davon, die Unterschiede zwischen den Universit&auml;ten w&uuml;rden durch den Wettbewerb nicht nur &bdquo;sichtbar gemacht&ldquo;, sondern dar&uuml;ber hinausgehend durch die zus&auml;tzliche F&ouml;rderung auch &bdquo;ausdr&uuml;cklich angestrebt&ldquo; (Gemeinsame Kommission 2008: 60). <\/p>\n<p>Differenzierung lautet das neue Leitmotiv. Von den Bef&uuml;rwortern wird diesbez&uuml;glich allerdings immer wieder hingewiesen, dass es &bdquo;dem &uuml;bergeordneten Ziel einer Diversifizierung der Hochschullandschaft widersprechen [w&uuml;rde], wenn sich lediglich eine hierarchische Differenzierung ausbildete&ldquo;, es vielmehr vorrangig um eine &bdquo;funktionale Differenzierung&ldquo; gehe, die &bdquo;angesichts der immer vielf&auml;ltiger werdenden Anforderungen an Hochschulen in hoch technisierten und wissensbasierten Gesellschaften&ldquo; den &bdquo;Dreh- und Angelpunkt der Zukunftsf&auml;higkeit des Hochschulsystems&ldquo; darstelle (ebd.). Es gehe um &bdquo;Profilbildung und Schwerpunktsetzung&ldquo; zwischen und innerhalb der Hochschulen. Ziel sei es, so das st&auml;ndig wiederkehrende Mantra der Bef&uuml;rworter, die traditionell hohe Qualit&auml;t in der Breite zu sichern und gleichzeitig Exzellenz an der Spitze zu schaffen. Beides bedinge sich gegenseitig. Soweit die offizielle Wettbewerbsrhetorik.<\/p><\/li>\n<li><strong>Differenzierung qua &bdquo;Exzellenz&ldquo; &ndash; funktional oder vertikal?<\/strong>\n<p>So viel in den offiziellen Stellungnahmen auch von funktionaler Differenzierung die Rede ist, so wenig trifft diese Darstellung den Kern der realen Ver&auml;nderungen. <\/p>\n<p>Die Exzellenzinitiative hat in erster Linie eine un&uuml;bersehbare vertikale Ausdifferenzierung der deutschen Hochschullandschaft zur Folge. Dieser Effekt ist zun&auml;chst auf der symbolischen Ebene sp&uuml;rbar. Was in der allgemeinen wie auch der wissenschaftlichen &Ouml;ffentlichkeit auf jeden Fall von der Initiative h&auml;ngen geblieben ist, das ist der inoffizielle Titel einer Eliteuniversit&auml;t. So wurden die neun f&uuml;r ihre Zukunftskonzepte ausgezeichneten Hochschulen in den Medien und auch im allgemeinen Sprachgebrauch sofort bezeichnet. Wer sich mit diesem Titel schm&uuml;cken kann, der profitiert davon auf den verschiedensten Ebenen, von der Rekrutierung der Studierenden bis hin zum Zugang zu &ouml;ffentlichen Mitteln. <\/p>\n<p>Auch Erfolge bei den beiden anderen Linien der Exzellenzinitiative wurden zumindest in der regionalen &Ouml;ffentlichkeit, im Falle der prestigereicheren Exzellenzcluster in der Regel aber auch bundesweit deutlich hervorgehoben. Wer nichts zu feiern hat, ist allein dadurch schon in eine schwierige Lage geraten. Ihm haftet (mehr oder weniger stark) das Image des Verlierers an. Wissenschafts- und hochschulintern hat sich eine neue Reputationshierarchie herausgebildet. Simon, Schulz und Sondermann als Mitglieder der Arbeitsgruppe der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften merken zu diesem Punkt vorsichtig an, hier seien durch die Umverteilung symbolischer Macht neue Hierarchien entstanden, die &bdquo;insgesamt das Gef&uuml;ge im deutschen Wissenschaftssystem ver&auml;ndern&ldquo; k&ouml;nnten (Simon\/Schulz\/Sondermann 2010: 195). <\/p>\n<p>Wie schnell sich die neue symbolische Hierarchie etabliert hat, zeigen erste Daten &uuml;ber die Hochschulwahl unter Studierenden. Bei denjenigen, die einen Abiturdurchschnitt von 1,2 und besser aufweisen, hat sich binnen nur drei Jahren eine gravierende Ver&auml;nderung ergeben. Innerhalb dieser besonders leistungsstarken Gruppe haben die, die aus akademischen Elternh&auml;usern kommen, bereits 2006 zu 42 Prozent an einer der neun Eliteuniversit&auml;ten studiert. Bis 2009 ist der Anteil auf 50 Prozent gestiegen. Gleichzeitig ist er bei denjenigen, die nicht aus Akademikerfamilien stammen, von 33 auf 30 Prozent zur&uuml;ck gegangen (Stiftung Neue Verantwortung 2011). Die soziale Differenz innerhalb dieser kleinen Gruppe besonders &bdquo;guter&ldquo; Abiturienten hat sich mehr als verdoppelt. Das zeigt, welche Konsequenzen bei der sozialen Rekrutierung der Studierenden zu erwarten sind. &Uuml;ber die n&auml;chsten Jahre und Jahrzehnte wird sich das aus anderen L&auml;ndern mit Eliteuniversit&auml;ten bekannte Muster sozialer Exklusivit&auml;t (Hartmann 2005; Hartmann 2007: 60 ff.) St&uuml;ck f&uuml;r St&uuml;ck durchsetzen.<\/p>\n<p>Die symbolische Wirkung des Wettbewerbs ist aber nur das eine. Es gibt auch ganz unmittelbar finanzielle Konsequenzen. Dass die Exzellenzinitiative nicht nur, wie immer wieder betont, die schon lange bestehenden Unterschiede zwischen den deutschen Universit&auml;ten endlich sichtbar macht, sondern sie entscheidend versch&auml;rft, ja (zumindest teilweise) &uuml;berhaupt erst produziert, zeigt schon ein erster oberfl&auml;chlicher Blick auf die Verteilung der Gelder. So muss es schon verwundern, dass die Universit&auml;t des Saarlandes mit einer F&ouml;rdersumme von 39,8 Mio. Euro erfolgreicher war als alle 15 Universit&auml;ten der neuen Bundesl&auml;nder zusammen, darunter so bekannte wie Dresden, Halle, Jena oder Leipzig, die es nur auf 24,7 Mio. Euro brachten.<\/p>\n<p>Betrachtet man die gesamte Verteilung der Exzellenzmittel, so wird dieser Sachverhalt noch klarer, wird die vertikale Differenzierung der Hochschullandschaft durch die Exzellenzinitiative sofort deutlich. Die Konzentration der Mittelvergabe f&auml;llt in ihr mehr als doppelt so stark aus wie in der DFG-F&ouml;rderung zuvor (s. Tab. 1). <\/p>\n<p>Tabelle 1: Die Verteilung der DFG-Forschungsf&ouml;rdermittel (2002-2004) und der Mittel der Exzellenzinitiative<br>\n<a href=\"\/upload\/bilder\/111219_tabelle.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"\/upload\/bilder\/111219_tabelle_small.jpg\" alt=\"\"><\/a><br>\nQuelle: DFG 2006, Anhang zur Pressemappe: 19; eigene Berechnungen nach Gemeinsame Kommission 2008: 28<\/p>\n<p>Die DFG-Mittel entfielen im Zeitraum 2002-2004 zu fast einem Drittel auf die im DFG-F&ouml;rderranking f&uuml;hrenden zehn Universit&auml;ten, zu gut 56 Prozent auf die Top 20 und zu gut 86 Prozent auf 40 Hochschulen. Bei den Drittmitteln insgesamt sah es im &Uuml;brigen &auml;hnlich aus, allerdings mit einer etwas breiteren Verteilung. Die ersten zehn Universit&auml;ten kamen dort auf 29,3 Prozent, die ersten 20 auf 50,6 Prozent und die ersten 40 auf 78,5 Prozent.<\/p>\n<p>In der Exzellenzinitiative f&auml;llt die Konzentration auf die f&uuml;hrenden Universit&auml;ten weit st&auml;rker aus. Mit knapp 650 Mio. Euro geht fast ein Drittel der gesamten F&ouml;rdersumme an die vier erfolgreichsten Universit&auml;ten, die RWTH Aachen und die Universit&auml;t Heidelberg sowie die beiden Universit&auml;ten aus M&uuml;nchen. Sie k&ouml;nnen damit sogar einen leicht h&ouml;heren Anteil der Gesamtsumme f&uuml;r sich beanspruchen als die zehn im DFG-Ranking f&uuml;hrenden Hochschulen. Die neun Eliteuniversit&auml;ten bringen es zusammen auf &uuml;ber 58 Prozent der Gelder, mehr als die 20 erfolgreichsten Universit&auml;ten bei den DFG-Mitteln. Rechnet man noch die Universit&auml;t Frankfurt hinzu, die zwar in der dritten F&ouml;rderlinie erfolglos war, daf&uuml;r aber bei den Exzellenzclustern sehr erfolgreich, dann kommen in der Exzellenzinitiative nur zehn Universit&auml;ten mit fast 63 Prozent auf einen Prozentsatz, der im DFG-Ranking erst von 23 Universit&auml;ten erreicht wird. Das setzt sich auch weiter unten fort. Die Top 20 bringen es auf nahezu den gleichen Anteil wie die 40 erfolgreichsten bei den DFG-Mitteln. Die Differenzen fallen noch deutlich gr&ouml;&szlig;er aus, wenn man die Verteilung der Mittel im Exzellenzwettbewerb mit der aller Drittmittel (nicht nur denen der DFG) vergleicht. An diesen Verteilungsrelationen wird sich durch die inzwischen beschlossene dritte Runde der Exzellenzinitiative wohl kaum etwas &auml;ndern. Daf&uuml;r sprechen die bisherigen &Auml;u&szlig;erungen von Vertretern der DFG und des Wissenschaftsrats im halboffiziellen Rahmen. Es ist vielmehr eher mit einer weiteren Konzentration der Gelder und einer weiteren Hierarchisierung der Hochschullandschaft zu rechnen. <\/p>\n<p>Wo es auf L&auml;nderebene vergleichbare Programme gibt, wiederholt sich das Grundprinzip der Exzellenzinitiative. In Hessen, dem einzigen der finanzstarken s&uuml;dlichen Bundesl&auml;nder, das keine Eliteuniversit&auml;t bekommen hat, kann man das besonders gut erkennen. Hessen wollte mit seinem Programm LOEWE (LandesOffensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-&ouml;konomischer Exzellenz) die Chancen f&uuml;r die letzte Runde wahren. Mit insgesamt knapp 90 Mio. Euro pro Jahr ist das Programm entsprechend gut ausgestattet. Diese Summe verteilt sich aber ebenfalls h&ouml;chst ungleich, zwar nicht auf einzelne Universit&auml;ten, da auch au&szlig;eruniversit&auml;re Forschungseinrichtungen gef&ouml;rdert werden, aber auf die verschiedenen Hochschulstandorte. Mit fast zwei Drittel der Gelder erhalten Frankfurt und Darmstadt ungef&auml;hr doppelt so viel Gie&szlig;en und Marburg. Kassel ist v&ouml;llig abgeh&auml;ngt. Es bekommt ganze 4,5 Mio. Euro, d.h. weniger als drei Prozent. Die Konzentration der Mittel und die vertikale Differenzierung der Hochschullandschaft setzen sich damit auf Landesebene fort. <\/p>\n<p>Auch das Argument der Bef&uuml;rworter, es gebe aufgrund der zus&auml;tzlichen Mittel der Exzellenzinitiative in absoluten Zahlen gar keine Verlierer &ndash; man spricht stets nur von Gewinnern und Nichtgewinnern &ndash; erweist sich bei n&auml;herem Hinsehen als nicht stichhaltig. Drei entscheidende Punkte werdend dabei &uuml;bersehen. Der R&uuml;ckzug des Bundes aus der Hochschulbaufinanzierung wird sp&auml;testens nach Auslaufen der &Uuml;bergangsl&ouml;sung 2013 zu erheblichen Belastungen der L&auml;nderhaushalte f&uuml;hren. Die im Wettbewerb siegreichen Universit&auml;ten und Fachbereiche ben&ouml;tigen nach dem Auslaufen der Initiative, soll das Ganze einen Sinn machen, eine Fortf&uuml;hrung der Finanzierung, vermutlich zum gr&ouml;&szlig;ten Teil aus Landesmitteln, die dann andernorts gestrichen werden m&uuml;ssen. Schlie&szlig;lich forciert die Exzellenzinitiative eine schon seit gut einem Jahrzehnt zu beobachtende Ver&auml;nderung bei der Vergabe der Landesmittel f&uuml;r die Hochschulen. Ein immer gr&ouml;&szlig;er werdender Teil dieser Gelder wird &bdquo;leistungsorientiert&ldquo; vergeben, d.h. nach Ma&szlig;gabe weniger Kriterien, unter denen die eingeworbenen Drittmittel stets eine zentrale Rolle spielen.<\/p>\n<p>Begonnen hat dieser Prozess unter den Ministerpr&auml;sidenten Clement und Steinbr&uuml;ck in Nordrhein-Westfalen. Die 2005 ins Amt gelangte und mittlerweile wieder abgew&auml;hlte schwarz-gelbe Landesregierung hat ihn dann energisch weiter voran getrieben. Seit der 2007 eingef&uuml;hrten &bdquo;Leistungsorientierten Mittelverteilung&ldquo; (LOM) werden 20 Prozent der Mittel im Rahmen eines sog. &bdquo;Leistungsbudget&ldquo; vergeben, das nur drei Indikatoren kennt: Absolventenzahl, Promotionen und Drittmittel, bei den Universit&auml;ten im Verh&auml;ltnis 50:10:40. Im Unterschied zur vorherigen Regelung gibt es auch keine f&auml;cherspezifische Gewichtung der Drittmittel mehr. Das beg&uuml;nstigt eine weitere Konzentration der Gelder; denn das Drittmittelaufkommen f&auml;llt in den verschiedenen F&auml;chern h&ouml;chst unterschiedlich aus. Allein auf die RWTH Aachen (als einziger klassischer Technischer Hochschule in NRW) entfiel bereits vor ihren Erfolgen in der Exzellenzinitiative ein Viertel aller Drittmittel in diesem Bundesland. Durch die Exzellenzinitiative d&uuml;rfte ihr Anteil noch weiter gestiegen sein. Allein von 2009 auf 2010 konnten die Drittmitteleinnahmen der RWTH noch einmal um 13,6 Prozent auf nun 258 Mio. Euro gesteigert werden.<\/p>\n<p>Hier gibt es un&uuml;bersehbar auch klare Verlierer, nicht nur &bdquo;Gewinner&ldquo; und &bdquo;Nicht-Gewinner&ldquo;, wie immer behauptet. Zwar sind die K&uuml;rzungen bei den Hochschulen, die im landesinternen Vergleich schlecht abschneiden, bislang auf max. 1,5 Prozent des Gesamtbudgets begrenzt, aber auch das bedeutet &uuml;ber die Jahre hinweg sehr viel Geld. Au&szlig;erdem kann der Satz von 1,5 Prozent, wenn erforderlich, qua politischem Beschluss jederzeit erh&ouml;ht werden. Wenn ab 2017 die v&ouml;llige oder teilweise Weiterfinanzierung der Initiative aus Landesmitteln gesichert werden muss, k&ouml;nnte die bisherige Begrenzung daher zur Disposition stehen. Was das f&uuml;r die Universit&auml;ten hei&szlig;t, die nicht zu den &bdquo;forschungsstarken&ldquo; Hochschulen z&auml;hlen, ist zu erahnen. Sie kommen in einen Teufelskreis. Wegen der immer weiter sinkenden staatlichen Grundfinanzierung haben sie auch dort, wo sie in der Forschung bislang noch mithalten konnten, zunehmend schlechtere Karten. Das f&uuml;hrt zu einer weiteren Reduzierung der Grundmittel, dies wiederum zu noch geringeren Chancen in der Forschung in einer nach unten gerichteten Spiralbewegung. Zwar hei&szlig;t das nicht, dass es nicht auch an solchen Hochschulen weiterhin gute Forschung geben kann, diese Forschung wird aufgrund der immer schwierigeren Rahmenbedingungen mit hoher Wahrscheinlichkeit aber in immer geringerem Umfang stattfinden. <\/p>\n<p>In Hessen l&auml;sst sich das aktuell gut beobachten. Beim neuen Hochschulpakt f&uuml;r die Jahre 2011-2015 hat die Landesregierung den Gesamtetat von 1,4 Mrd. Euro im Jahr 2011 nicht nur um 30 Mio. Euro gek&uuml;rzt, sondern au&szlig;erdem noch weitere 20 Mio. Euro vom Grundbudget, das nach der Anzahl der Studierenden berechnet wird, in das Erfolgsbudget verlagert, das die Mittel nach den &uuml;blichen Kriterien Drittmittel, Absolventen und Promotionen verteilt. Das ist ein weiterer Schritt bei der geplanten Anhebung des Anteils des Erfolgsbudgets am Gesamthaushalt f&uuml;r die Hochschulen von anf&auml;nglich 16 Prozent (2007) auf schlie&szlig;lich 25 Prozent. Da die Forschungsprogramme wie vor allem LOEWE von K&uuml;rzungen verschont worden sind, hei&szlig;t das in der Summe: die Universit&auml;ten Darmstadt und Frankfurt sind auf Kosten aller &uuml;brigen hessischen Hochschulen noch einmal zus&auml;tzlich gest&auml;rkt worden.<\/p><\/li>\n<li><strong>Bedeutungsverlust der Lehre<\/strong>\n<p>Die offizielle Rhetorik verkl&auml;rt die realen Folgen der Exzellenzinitiative auch im zweiten zentralen Punkt, dem Verh&auml;ltnis von Forschung und Lehre zueinander. So wird die &bdquo;Neubestimmung des Verh&auml;ltnisses von Forschung und Lehre&ldquo; von der Gemeinsamen Kommmission der DFG und des Wissenschaftsrats als eine der zentralen Auswirkungen der Exzellenzinitiative bezeichnet, und zwar im positiven Sinne. Zwar diene der Wettbewerb allein der F&ouml;rderung der Spitzenforschung, es zeichne sich jedoch ab, dass die Initiative auch die Rahmenbedingungen f&uuml;r die Lehre verbessern k&ouml;nnte, weil die Universit&auml;ten &bdquo;die Ausbildung der Studierenden als ein Alleinstellungsmerkmal gegen&uuml;ber den au&szlig;eruniversit&auml;ren Forschungseinrichtungen [begriffen], das sie als Kooperationspartner h&ouml;chst attraktiv&ldquo; mache. Au&szlig;erdem zeichneten sich internationale Spitzenuniversit&auml;ten &bdquo;gleicherma&szlig;en durch exzellente Forschung wie hervorragende Lehre&ldquo; aus (Gemeinsame Kommission 2008: 61). Bundesbildungsministerin Schavan betonte denselben Zusammenhang bereits am 19. Oktober 2007 in einem Gespr&auml;ch mit dem Deutschlandfunk ganz ausdr&uuml;cklich: &bdquo;Deshalb gilt auch der Satz &lsquo;Exzellente Forschung wirkt sich positiv auf die Lehre aus&rsquo;&ldquo;. Das Netzwerk Exzellenz schlie&szlig;lich spricht sogar davon, dass Spitzenuniversit&auml;ten auch in Bezug auf die Lehre &bdquo;eine Vorbildfunktion entfalten&ldquo; m&uuml;ssten. <\/p>\n<p>Die Wirklichkeit sieht allerdings anders aus. Das deuten schon die Aussagen im Bericht an, die zwischen diesen sch&ouml;nen Formulierungen stehen. &bdquo;Konstant gleiche Lehrverpflichtungen f&uuml;r alle Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer&ldquo;, hei&szlig;t es gleich zu Beginn des Abschnitts, w&uuml;rden &bdquo;den unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen nicht gerecht&ldquo;. Deshalb sei es erforderlich, dass die &bdquo;Hochschulleitungen und die Fakult&auml;ten &uuml;ber neue Instrumente und M&ouml;glichkeiten der flexiblen Zuteilung von Lehrdeputaten&ldquo; verf&uuml;gen k&ouml;nnten, um einzelne Wissenschaftler zeitweise von Lehrverpflichtungen befreien oder ihr Lehrdeputat reduzieren zu k&ouml;nnen. Als Kompensation k&ouml;nnten Lehrvertretungen eingerichtet werden, die f&uuml;r Nachwuchskr&auml;fte &bdquo;neue Karriereoptionen&ldquo; er&ouml;ffneten (Gemeinsame Kommission 2008: 61). <\/p>\n<p>Ein Blick auf die Realit&auml;t an deutschen Universit&auml;ten zeigt, dass jene Flexibilit&auml;t, die von der Kommission angesprochen wird, dort schon l&auml;ngst Einzug gehalten hat. Die Reduzierung des Lehrdeputats stellt bei Berufungs- oder Bleibeverhandlungen an vielen Universit&auml;ten mittlerweile eine der wichtigen Forderungen dar. Bisweilen wird sogar verlangt, &uuml;berhaupt keine Lehrverpflichtungen mehr &uuml;bernehmen zu m&uuml;ssen. Derartige W&uuml;nsche werden, nicht verwunderlich, vielfach von jenen Professoren vorgetragen, die in den siegreichen Exzellenzclustern t&auml;tig sind, ob als Antragsteller oder erst neu berufen. Gerade jene Wissenschaftler, die sich durch besondere Leistungen in der Forschung ausgewiesen haben, versuchen auf diesem Wege, die im internationalen Vergleich relativ hohen Lehrverpflichtungen deutscher Professoren f&uuml;r sich sp&uuml;rbar zu verringern. Gerhards stellt in seiner Analyse der Exzellenz-Cluster ausdr&uuml;cklich fest, dass fast alle Cluster das Lehrdeputat f&uuml;r die neu berufenen Professoren\/innen auf die H&auml;lfte, h&auml;ufig sogar noch st&auml;rker reduziert h&auml;tten, weil man sonst &bdquo;im Wettbewerb um gute Leute nicht konkurrenzf&auml;hig&ldquo; gewesen w&auml;re (Gerhards 2010: 184). Umworbene Professoren\/innen haben aber nicht nur in den Verhandlungen im Rahmen der Exzellenz-Cluster gute Karten, sondern auch dar&uuml;ber hinaus, weil f&uuml;r die Universit&auml;ten die Forschungsergebnisse generell immer entscheidender werden, um im stetig h&auml;rter werdenden Wettlauf um die &ouml;ffentlichen Mittel punkten zu k&ouml;nnen. Die Qualit&auml;t der Lehre spielt dagegen bei Berufungsverhandlungen allenfalls eine untergeordnete Rolle. <\/p>\n<p>Wie gering die Bedeutung der Lehre von offizieller Seite entgegen allen Sonntagsreden von ihrer Gleichrangigkeit wirklich bewertet wird, zeigt auch der vom Stifterverband f&uuml;r die Deutsche Wissenschaft und der Kultusministerkonferenz ausgelobte Wettbewerb &bdquo;Exzellente Lehre&ldquo;. Dieser Wettbewerb, der urspr&uuml;nglich ein Pendant zur Exzellenzinitiative sein sollte und dementsprechend auch mit einer relativ hohen Geldsumme ausgestattet werden sollte, endete als weitgehend symbolische Aktion. Gerade einmal zehn Mio. Euro, sechs f&uuml;r Universit&auml;ten und vier f&uuml;r Fachhochschulen, sind f&uuml;r die Pr&auml;mierung der insgesamt zehn siegreichen Konzepte vorgesehen. Dasselbe Bild zeigt sich auch in Hessen. W&auml;hrend im LOEWE-Programm pro Jahr knapp 90 Mio. Euro zu vergeben sind, stehen f&uuml;r den hessischen Hochschulpreis f&uuml;r exzellente Lehre ganze 375.000 Euro pro Jahr zur Verf&uuml;gung. F&uuml;r die Universit&auml;ten liegt die Schlussfolgerung auf der Hand: Wollen sie ihre finanzielle Position verbessern, m&uuml;ssen mehr denn je auf die Forschung zu setzen. <\/p>\n<p>Ob der Ende 2010 gestartete und ab Wintersemester 2011\/12 dann wirksam werdende &bdquo;Qualit&auml;tspakt Lehre&ldquo; daran etwas &auml;ndern wird, ist noch v&ouml;llig offen. Zwar liegt der angek&uuml;ndigte Betrag von zwei Mrd. Euro, d.h. 200 Mio. Euro f&uuml;r jedes der folgenden Jahre bis 2020, deutlich oberhalb der bisherigen Summen, ob mit dem Geld aber nicht einfach nur jene L&uuml;cken gestopft werden, die aus der stark gestiegenen Studierendenzahl resultieren, bleibt abzuwarten. <\/p>\n<p>Auch die Ank&uuml;ndigung der Gemeinsamen Kommission von DFG und Wissenschaftsrat, die Lehre werde in der dritten Runde der Exzellenzinitiative eine gr&ouml;&szlig;ere Rolle spielen, indem &bdquo;innovative Konzepte zur forschungsorientierten Lehre&ldquo; in der Begutachtung der dritten F&ouml;rderlinie ber&uuml;cksichtigt und die &bdquo;allgemeinen Auswirkungen der Zukunftskonzepte auf die Lehre in die Bewertung einbezogen&ldquo; w&uuml;rden, bleibt, wie der Tagesspiegel richtig anmerkt, &bdquo;wolkig&ldquo;. Die Formulierung &bdquo;forschungsorientierte Lehre&ldquo; l&auml;sst im Zusammenhang mit einer &Auml;u&szlig;erung der Vertreterin des Wissenschaftsrats, die als Beispiel daf&uuml;r &bdquo;Fast-Track-Zug&auml;nge&ldquo; zur Promotion nannte, zudem vermuten, dass es hier um spezielle Eliteausbildungswege f&uuml;r kleine Gruppen besonders qualifizierten Forschungsnachwuchses geht. Die Masse der Studierenden und die normale Lehre sind nicht gemeint. Eine solche Entwicklung w&uuml;rde die Spaltung der Hochschullandschaft weiter beg&uuml;nstigen.<\/p><\/li>\n<li><strong>Das &bdquo;Vorbild&ldquo; Gro&szlig;britannien<\/strong>\n<p>Die langfristigen Konsequenzen all dieser Entwicklungen f&uuml;r die Universit&auml;ten lassen sich erahnen, wenn man einen Blick auf die Verh&auml;ltnisse in Gro&szlig;britannien wirft.1 Dort existiert eine landesweiter Exzellenzwettbewerb um die &ouml;ffentlichen Forschungsmittel bereits seit 1985. In diesem Jahr wurde ein neues Finanzierungsmodell f&uuml;r die Hochschulen eingef&uuml;hrt, mit einem Budget nur f&uuml;r die Forschung, das aber gleich alle &ouml;ffentlichen Forschungsmittel verteilt, und einem nur f&uuml;r die Lehre. F&uuml;r die Lehre gibt es Geld nach Anzahl der eingeschriebenen Studierenden, f&uuml;r die Forschung entsprechend dem Abschneiden bei der  in regelm&auml;&szlig;igen Abst&auml;nden durchgef&uuml;hrten &bdquo;Research Assessment Exercise&ldquo; (RAE), einer Bewertung der Forschungsleistungen jedes Hochschuldepartments (und neuerdings auch jeder einzelnen Forschungseinheit) anhand einer f&uuml;nfstufigen Skala. Beim RAE 2001 erhielten die in den beiden unteren Kategorien eingestuften Departments &uuml;berhaupt  nichts und die auf der obersten Stufe gleich f&uuml;nfmal so viel wie die auf der zweitobersten (Meier\/Schimank 2009: 51). Das Ergebnis war eine enorme Konzentration. 82 Prozent der Forschungsmittel flossen an nur 29 von insgesamt 159 britischen Hochschulen, &uuml;ber ein Viertel allein an Oxford, Cambridge und die zwei renommierten Londoner Universit&auml;ten Imperial College und University College (UCL). Obwohl das (nach heftigen Protesten vieler Hochschulen) modifizierte Verfahren in der letzten Runde f&uuml;r etwas mehr Ausgeglichenheit gesorgt hat, blieben die Verteilungsrelationen und die Sieger dieselben. Cambridge, Oxford, Imperial und University College vereinigen immer noch 27 Prozent der Mittel auf sich. <\/p>\n<p>Die Folgen sind klar. Die Hochschulen, die in der Forschung nicht deutlich &uuml;ber dem nationalen Durchschnitt liegen, m&uuml;ssen ihr Geld in erster Linie durch eine entsprechend hohe Studierendenzahl hereinholen. Das f&uuml;hrt auf Dauer zu einem Teufelskreis. Wer beim RAE schlecht abschneidet, erh&auml;lt wenig Forschungsgelder, muss dementsprechend mehr Studierende ausbilden, kann aufgrund der daraus resultierenden Lehrverpflichtungen die Forschung nicht st&auml;rken, sondern wird eher weiter an Boden verlieren etc. etc.. Meier und Schimank sprechen diesbez&uuml;glich zu Recht von einer &bdquo;Abw&auml;rtsspirale&ldquo; (Meier\/Schimank 2009: 53). Diese Spirale wird durch die aktuellen Sparma&szlig;nahmen der Regierung Cameron noch an Dynamik gewinnen; denn die im Herbst 2010 beschlossene radikale K&uuml;rzung des Hochschulbudgets um 40 Prozent bis 2014 (von 7,1 auf nur noch 4,2 Mrd. &pound;), trifft vor allem die Lehre, die ungef&auml;hr 80 Prozent der Einsparungen tragen und sich auf Einsparungen von bis zu 80 Prozent einstellen muss. Da die Forschung in weit geringerem Ma&szlig;e betroffen ist, wird sich die Spaltung zwischen Forschungsuniversit&auml;ten und Ausbildungshochschulen weiter vertiefen. Die aktuellen Beschl&uuml;sse f&uuml;r das akademische Jahr 2011\/12 zeigen das deutlich. So werden nicht nur die Mittel f&uuml;r die Lehre viermal so stark reduziert wie die f&uuml;r die Forschung, die Forschungsgelder sollen auch noch st&auml;rker als zuvor bereits geplant auf die in der RAE erfolgreicheren, renommierten Hochschulen konzentriert werden.<\/p>\n<p>Eine in der Grundtendenz vergleichbare, allerdings weniger dramatische Entwicklung k&ouml;nnte in Zukunft auch in Deutschland eintreten; denn die Exzellenzinitiative wirkt grunds&auml;tzlich in dieselbe Richtung wie die RAE, auch wenn es nicht gleich um alle &ouml;ffentlichen Forschungsgelder geht. Die Spaltung zwischen wenigen Forschungs- und vielen Ausbildungshochschulen d&uuml;rfte auch hierzulande die Hochschullandschaft immer st&auml;rker bestimmen. Von einer funktionalen Differenzierung im Sinne der immer wieder beschworenen aktiven Profilbildung ist bei der Mehrzahl der Universit&auml;ten dagegen nicht viel zu sehen. W&auml;hrend die Gewinner der Exzellenzinitiative ihr Forschungsprofil aufgrund der zus&auml;tzlichen Mittel tats&auml;chlich aktiv sch&auml;rfen k&ouml;nnen, finden sich die Verlierer in einer weitgehend passiven Rolle wieder. Sie m&uuml;ssen sich damit arrangieren, dass sie in der Forschung mehr und mehr den Anschluss verlieren, und sich gezwungenerma&szlig;en zunehmend auf die Ausbildung konzentrieren.<\/p><\/li>\n<li><strong>Die Leistungsf&auml;higkeit der Wissenschaft &ndash; ein kurzer Ausblick<\/strong>\n<p>Das gro&szlig;e Versprechen der Exzellenzinitiative lautet: Dieser Wettbewerb wird die Leistungsf&auml;higkeit der deutschen Wissenschaft deutlich steigern. Vor allem aus zwei Gr&uuml;nden ist Skepsis gegen&uuml;ber dieser Aussage angebracht. Einmal ist mehr als fraglich, ob die hohe Qualit&auml;t in der Breite an Deutschlands Universit&auml;ten tats&auml;chlich bewahrt werden kann. Wenn in Universit&auml;ten aufgrund des schlechten Abschneidens im Exzellenzwettbewerb und des daraus resultierenden R&uuml;ckgangs bei den Forschungsgeldern die Lehrkapazit&auml;ten hochgefahren werden, um auf diesem Wege zus&auml;tzliche Mittel zu akquirieren, muss das fast zwangsl&auml;ufig zu einem Verlust an Forschungsleistung f&uuml;hren. Dasselbe trifft auf Universit&auml;ten zu, die wichtige Wissenschaftler an die erfolgreichere Konkurrenz abgeben m&uuml;ssen. Ob man solche Verluste, die f&uuml;r die Masse der Verlierer typisch sind, durch die Konzentration an den Siegeruniversit&auml;ten nicht nur ausgleichen, sondern sogar noch &uuml;berkompensieren kann, ist doch eher unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist, dass die vertikale Differenzierung der deutschen Hochschullandschaft Folgen hat, die in den USA schon seit langem zu beobachten sind. Die Qualit&auml;t der Mehrzahl der Hochschulen ist dort so gering, dass das Hochschulsystem als Ganzes nicht mehr in der Lage ist, den f&uuml;r die Spitzenuniversit&auml;ten erforderlichen Nachwuchs in ausreichender Zahl auszubilden. Die so bewunderten US-Eliteuniversit&auml;ten greifen daher seit vielen Jahren auf ausl&auml;ndische Wissenschaftler zur&uuml;ck. Mittlerweile stammt jeder zweite Wissenschaftler an den &bdquo;Leuchtt&uuml;rmen&ldquo; der Wissenschaft wie Harvard, Princeton, Stanford oder Yale aus dem Ausland (Hartmann 2005). Da den deutschen Spitzenuniversit&auml;ten dieser Weg aber nur sehr begrenzt offen steht, weil sie trotz Exzellenzinitiative in finanzieller Hinsicht mit den genannten Eliteuniversit&auml;ten nicht mithalten k&ouml;nnen und dazu auch noch die sprachliche H&uuml;rde kommt, d&uuml;rfte der drohende Verlust an Qualit&auml;t in der Breite auf Dauer die Leistungsf&auml;higkeit des gesamten Wissenschaftssystems beeintr&auml;chtigen. <\/p>\n<p>Diese Gefahr, und das ist das zweite Argument, muss umso ernster genommen werden, als empirische Studien zeigen, dass die Konzentration von Forschungsmitteln an einem Standort ab einer gewissen Gr&ouml;&szlig;enordnung die Forschungsleistungen eher reduziert als steigert (Jansen u.a. 2007; M&uuml;nch 2008). Deswegen ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass innerhalb der deutschen Professorenschaft die Skepsis deutlich &uuml;berwiegt. Bei einer Umfrage unter mehreren tausend Professoren antworteten knapp 30 Prozent auf die Frage, ob sie die Exzellenzinitiative als geeignet f&uuml;r die St&auml;rkung des Wissenschaftsstandorts Deutschland ans&auml;hen, mit &bdquo;&uuml;berhaupt nicht geeignet&ldquo;, weitere fast 27 Prozent mit &bdquo;eher ungeeignet&ldquo;. Nur knapp 16 Prozent hielten sie f&uuml;r &bdquo;eher geeignet&ldquo; und ganze gut sieben Prozent f&uuml;r &bdquo;sehr geeignet&ldquo;. Zwei Drittel &auml;u&szlig;erten sich negativ und nicht einmal ein Viertel positiv. Selbst bei jenen Professoren, die erfolgreich Antr&auml;ge gestellt hatten, &uuml;berwog die skeptische Haltung, wenn auch nur knapp. Einzig bei jenen, die ihre Professur der Initiative zu verdanken hatten, gab es eine klare positive Mehrheit (<a href=\"http:\/\/www.forschungsinfo.de\/Publikationen\/Download\/working_paper_8_2010.pdf\">B&ouml;hmer u.a. 2011: 125 ff. [PDF &ndash; 7.4 MB]<\/a>).<\/p>\n<p>Es bleibt au&szlig;erdem die generelle Frage, ob die Exzellenzinitiative mit ihrem Grundprinzip, ein &bdquo;Wettbewerb nicht der einzelnen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, sondern der Universit&auml;ten&ldquo; zu sein, nicht grunds&auml;tzlich die Mechanismen erfolgreicher wissenschaftlicher Arbeit verkennt. Wissenschaftlicher Fortschritt basiert in der Regel auf der Kooperation wie auch Konkurrenz von Wissenschaftlern, und zwar &uuml;ber die Grenzen einzelner Hochschulen und einzelner L&auml;nder hinweg.<\/p><\/li>\n<\/ol><p><strong>Literatur<\/strong><\/p><ul>\n<li><a href=\"http:\/\/www.forschungsinfo.de\/Publikationen\/Download\/working_paper_8_2010.pdf\">B&ouml;hmer, Susan\/Neufeld, J&ouml;rg\/Hinze, Sybille\/Klode, Christian\/Hornbostel, Stefan (2011): Forschungsbedingungen von Professorinnen und Professoren an deutschen Universit&auml;ten. iFQ-Working Paper No.8\/M&auml;rz 2011 [PDF &ndash; 7.4 MB]<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/library.fes.de\/pdf-files\/studienfoerderung\/07115.pdf\">Borgwardt, Angela\/John-Ohnesorg, Marei (2010): Vielfalt oder Fokussierung? Wohin steuert das Hochschulsystem nach drei Runden Exzellenz? Berlin [PDF &ndash; 762 KB]<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.dfg.de\/download\/pdf\/dfg_im_profil\/evaluation_statistik\/ranking\/archiv\/dfg_foerderranking_2006.pdf\">DFG (2006): F&ouml;rder-Ranking 2006. Institutionen &ndash; Regionen &ndash; Netzwerke. DFG-Bewilligungen und weitere Basisdaten &ouml;ffentlich gef&ouml;rderter Forschung. Anhang zur Pressemappe [PDF &ndash; 4.8 MB]<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.dfg.de\/dfg_profil\/evaluation_statistik\/ranking\/service\/impressum\/index.html\">DFG (2009): F&ouml;rder-Ranking 2009. Institutionen &ndash; Regionen &ndash; Netzwerke. Fachliche Profile von Hochschulen und au&szlig;eruniversit&auml;ren Forschungseinrichtungen im Licht &ouml;ffentlich gef&ouml;rderter Forschung. Weinheim<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.gwk-bonn.de\/fileadmin\/Papers\/GWK-Bericht-Exzellenzinitiative.pdf\">Gemeinsame Kommission von DFG und Wissenschaftsrat (2008): Bericht der Gemeinsamen Kommission zur Exzellenzinitiative an die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz. Bonn [PDF &ndash; 4 MB]<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.polsoz.fu-berlin.de\/soziologie\/arbeitsbereiche\/makrosoziologie\/mitarbeiter\/lehrstuhlinhaber\/dateien\/Exzellenzinitiative_BBAW_Gerhards1.pdf\">Gerhards, J&uuml;rgen (2010): Clusterf&ouml;rderung im Rahmen der Exzellenzinitiative &ndash; Erfolge, Dysfunktionen und m&ouml;gliche L&ouml;sungswege, in: Leibfried, Stefan (Hrsg.), Die Exzellenzinitiative. Zwischenbilanz und Perspektiven. Frankfurt a. M., 115-137 [PDF &ndash; 107 KB]<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.fachportal-paedagogik.de\/fis_bildung\/suche\/fis_set.html?FId=743111\">Hartmann, Michael (2005): Studiengeb&uuml;hren und Hochschulzugang: Vorbild USA? in: Leviathan, 33, 439-463<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/studium.campus.de\/sixcms\/media.php\/22\/Reading_Room_Ungleichheit_hartmann.pdf\">Hartmann, Michael (2007): Eliten und Macht in Europa. Frankfurt a. M. [PDF &ndash; 907 KB]<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/zopeman64.bbaw.de\/bbaw\/Aktuell\/Artikel.html?id=59\">Interdisziplin&auml;re Arbeitsgruppe Exzellenzinitiative der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (2010): Bedingungen und Folgen der Exzellenzinitiative, in: Leibfried, Stefan (Hrsg.), Die Exzellenzinitiative. Zwischenbilanz und Perspektiven. Frankfurt a. M., 35-50<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.bibsonomy.org\/bibtex\/2699221e2566b4abb5f1ec40be2c54a9c\/wdees\">Jansen, Dorothea\/Wald, Andreas\/Franke, Karola\/Schmoch, Ulrich\/Schubert, Torben (2007): Drittmittel als Performanzindikator der wissenschaftlichen Forschung. Zum Einfluss von Rahmenbedingungen auf Forschungsleistung, in: K&ouml;lner Zeitschrift f&uuml;r Soziologie und Sozialpsychologie, 59, 125-149<\/a><\/li>\n<li>Meier, Frank\/Schimank, Uwe (2009): Matth&auml;us schl&auml;gt Humboldt? New Public Management und die Einheit von Forschung und Lehre, in: Beitr&auml;ge zur Hochschulforschung, 31, 42-61,<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.zfs-online.org\/index.php\/zfs\/article\/viewFile\/1266\/803\">M&uuml;nch, Richard (2008): Stratifikation durch Evaluation: Mechanismen der Konstruktion von Staushierarchien in der Forschung, in: Zeitschrift f&uuml;r Soziologie, 37, 60-80 [PDF &ndash; 211 KB]<\/a><\/li>\n<li>Neidhardt, Friedhelm (2010): Exzellenzinitiative &ndash; Einsch&auml;tzungen und Nachfragen, in: Leibfried, Stefan (Hrsg.), Die Exzellenzinitiative. Zwischenbilanz und Perspektiven. Frankfurt a. M., 53-80<\/li>\n<li>Simon, Dagmar\/Schulz, Patricia\/Sondermann, Michael (2010). Abgelehnte Exzellenz &ndash; Die Folgen und die Strategien der Akteure, in: Leibfried, Stefan (Hrsg.), Die Exzellenzinitiative. Zwischenbilanz und Perspektiven. Frankfurt a. M., 161-197<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.stiftung-nv.de\/146910,1031,111427,-1.aspx\">Stiftung Neue Verantwortung (2011): Wege aus der Exzellenzfalle. Policy Brief 4\/2011 (Download)<\/a><\/li>\n<\/ul><p><strong><em>Bei diesem Beitrag handelt es sich um eine gek&uuml;rzte und aktualisierte Fassung aus &bdquo;Recht der Jugend und des Bildungswesens&ldquo; Heft 3\/2011.<br>\nProfessor Michael Hartmann hat uns den Text freundlicherweise zur Verf&uuml;gung gestellt.<\/em><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Juni n&auml;chsten Jahres werden die letzten Entscheidungen im Rahmen der Exzellenzinitiative verk&uuml;ndet. Der 2005 gestartete Wettbewerb l&auml;uft 2017 endg&uuml;ltig aus. Die beiden f&uuml;r die Durchf&uuml;hrung der Exzellenzinitiative verantwortlichen Organisationen, die DFG und der Wissenschaftsrat, haben ebenso wie die beteiligten Politiker f&uuml;r die ersten Jahre eine eindeutig positive Bilanz gezogen. 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