{"id":11660,"date":"2011-12-20T08:57:43","date_gmt":"2011-12-20T07:57:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11660"},"modified":"2016-06-01T11:45:54","modified_gmt":"2016-06-01T09:45:54","slug":"wulff-als-watschenmann-auf-dem-rummelplatz-der-medien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11660","title":{"rendered":"Wulff als Watschenmann auf dem Rummelplatz der Medien"},"content":{"rendered":"<p>Die Medienkampagne gegen Christian Wulff w&auml;re glaubw&uuml;rdiger, wenn auch nur ansatzweise ein vergleichbarer Rechercheaufwand bei f&uuml;r die Menschen viel existenzielleren Fragen betrieben w&uuml;rde. Auch bei vielen politischen Entscheidungen des fr&uuml;heren nieders&auml;chsischen Ministerpr&auml;sidenten h&auml;tte man kritisch fragen k&ouml;nnen, welche Rolle dabei seine Unternehmer-Freundschaften spielten. Der Medienwirbel um ein relativ kleinf&ouml;rmiges Fehlverhalten ist eher ein Ablenkungsman&ouml;ver vom Versagen der Medien vor den viel komplexeren Problemen der derzeitigen dramatischen politischen Herausforderungen. Die Medienkampagne um Wulff ist ein Beispiel f&uuml;r die Personalisierung von Politik. Sie f&ouml;rdert die passive Zuschauerrolle der B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger, die sich auf das Herumn&ouml;rgeln an Politikern beschr&auml;nkt. Statt Teilhabe an der politischen Willensbildung sollen K&ouml;pfe rollen. Interessant ist auch die Frage, warum gerade die Bild-Zeitung und der Spiegel das Feuer auf Wulff er&ouml;ffneten. Von <strong>Wolfgang Lieb<\/strong>.<br>\n<!--more--><\/p><p>Wir von den NachDenkSeiten haben uns bei der Medienkampagne, die derzeit gegen Christian Wulff l&auml;uft, zur&uuml;ckgehalten. Nicht weil wir die Vorw&uuml;rfe gegen&uuml;ber dem derzeitigen  Bundespr&auml;sidenten f&uuml;r harmlos oder gar f&uuml;r unberechtigt halten und weil wir nicht dessen nachtr&auml;glichen Umgang mit seinem Fehlverhalten als besch&auml;mend empfinden, sondern weil wir die wirtschaftliche und soziale Situation, in der wir stecken, und die politischen Entscheidungen, wie mit den aktuellen Krisen umgegangen wird, f&uuml;r jeden einzelnen von uns f&uuml;r wesentlich existenzieller halten, als die Fehltritte von Christian Wulff.<\/p><p><strong>Die Medienkritik ist berechtigt<\/strong><\/p><p>Die Tatsache, dass die Bild-Zeitung und den Spiegel pl&ouml;tzlich ein Jagdfieber auf Wulff gepackt hat, ist nicht zu kritisieren. Es ist nur demokratisch und entspricht ihrer W&auml;chterrolle gegen&uuml;ber Politikern, wenn die Medien kritisch und weniger ehrerbieterisch mit Politikern umgehen und auch pers&ouml;nliche Verfehlungen dem kontrollierenden Blick der &Ouml;ffentlichkeit ausgesetzt werden. Denn politische Korruption ist ein deutliches Anzeichen f&uuml;r eine faulende Demokratie und ein Alarmsignal daf&uuml;r, wie zynisch und amoralisch die politische Klasse geworden ist. Ein Beispiel daf&uuml;r, wie die Eliten selbst Wein trinken und Wasser f&uuml;r die breite Masse predigen. Deshalb wird auch die Weihnachtsansprache des Bundespr&auml;sidenten &ndash; wenn er sie denn noch halten darf &ndash; diesmal besonders spannend.<\/p><p><strong>Ach w&auml;ren doch die Medien bei viel wichtigeren Problemen genauso kritisch<\/strong><\/p><p>Bevor man jetzt aber gerade der Bild-Zeitung einen Ehrenkranz f&uuml;r investigativen Journalismus flicht, sollte man sich fragen, wo findet sich eigentlich eine solche Wolllust zur Recherche auf viel dramatischeren und wichtigeren politischen Feldern? <\/p><p>Wird etwa von den Journalisten genauso penetrant recherchiert, wenn es um die Vergabe von Milliardenkrediten an angeblich notleidende Banken durch geheim tagende kleine Kontrollgremien geht? Wurde auch nur ann&auml;hernd so genau in die B&uuml;cher geschaut, als es um die Aufkl&auml;rung ging, welches &bdquo;systemische Risiko&ldquo; eigentlich hinter der Rettung dieser oder jener Bank stand? Wird ein vergleichbarer Rechercheaufwand betrieben, wenn es um die tats&auml;chliche Beteiligung der Banken bei einem Schuldenschnitt f&uuml;r Griechenland geht? Die kritische Medien&ouml;ffentlichkeit verhielt sich bei der Ausgrabung von Details aus dem Privatleben von Wulff im Vergleich zu vielen F&auml;llen der j&uuml;ngsten Zeit, wo der Steuerzahler mit Milliardensummen haftet, in etwa so, wie das bei Haushaltsverhandlungen im Parlament symptomatisch ist; zugespitzt gesagt: Da wird endlos dar&uuml;ber gestritten, ob die Anschaffung eines Dienstfahrrads zu einem Preis von 700 Euro gerechtfertigt ist, wo es doch im Supermarkt schon R&auml;der f&uuml;r 400 Euro gibt, ein komplexes Vorhaben mit Milliardenkosten jedoch, wird hingegen anstandslos durchgewinkt, weil die komplexen Einzelposten niemand mehr durchschaut.<\/p><p><strong>Was will ich mit diesem Vergleich sagen?<\/strong><\/p><p>Es ist relativ einfach herauszufinden, dass Wulff schon in seiner Jugend eine teure Uhr gekauft hat oder in welchen Villen seiner Unternehmerfreunde er seine Urlaube verbracht hat, um dessen kleinb&uuml;rgerlichen Hang zu Glamour zu belegen. (So etwa der Spiegel.) Viel interessanter f&uuml;r das allgemeine Interesse w&auml;re es jedoch, herauszufinden, was seine Freundschaft mit dem in schwere Wasser geratenen Finanzhai Maschmeyer mit dem politischen Einsatz Wulffs f&uuml;r die Privatisierung der gesetzlichen Rente zu tun hatte. Oder ob Wulff z.B. von den Dr&uuml;ckermethoden seines Freundes wusste, bevor er auf dessen Protz-Villa auf Mallorca urlaubte. Spannend w&auml;re auch zu erfahren, was das Upgrade bei einem Urlaubsflug pers&ouml;nlich durch den damaligen Chef von Air-Berlin, Joachim Hunold, mit der Steuerprivilegierung von Flugbenzin oder damit zu tun hat, dass dem autokratischen Manager politisch nachgesehen wurde, dass in seinem Unternehmen die Mitbestimmungsrechte der Arbeitnehmer mit F&uuml;&szlig;en getreten werden konnten. Wichtiger w&auml;re auch, einmal nachzuforschen, welche Rolle die &bdquo;Skatbr&uuml;derschaft&ldquo; Wulffs mit dem bulligen RWE-Vorstandsvorsitzenden J&uuml;rgen Gro&szlig;mann f&uuml;r die damalige Durchsetzung der Verl&auml;ngerung der Laufzeit f&uuml;r AKWs gespielt hat. Bei allen politischen Entscheidungen die Wulff als Ministerpr&auml;sident getroffen hat oder auch bei der Frage, welche Netzwerke ihn in das Amt des Bundespr&auml;sidenten gehievt haben, h&auml;tten Journalisten fragen k&ouml;nnen, welchen Einfluss dabei seine Unternehmerfreunde genommen haben &ndash; nicht nur durch offensichtliche Verg&uuml;nstigungen, sondern schon allein dadurch, dass man privaten Umgang pflegte. W&auml;ren solche &bdquo;Freundschaften&ldquo; &uuml;berhaupt entstanden, wenn sich die Gesch&auml;ftsleute damit nicht wenigstens einen direkten Zugang zur Politik h&auml;tten verschaffen k&ouml;nnen &ndash; im Falle Wulffs bis in den Vorstand und ins Pr&auml;sidium der CDU und &uuml;ber dessen fr&uuml;here Zugeh&ouml;rigkeit zum sog. Andenpakt (einer einflussreichen konservativen M&auml;nnerriege innerhalb der Christdemokraten) bis hin zur Kanzlerin?<br>\nGerade in diesen Kreisen gilt doch das Prinzip, eine Hand w&auml;scht die andere. <\/p><p>Kurz: Die Medienkampagne, die jetzt veranstaltet wird, w&auml;re glaubw&uuml;rdiger, wenn die gleiche kritische Haltung, mit der jetzt das pers&ouml;nliche Verhalten Wulffs durchleuchtet wird, auch gegen&uuml;ber den politischen Inhalten eingenommen worden w&auml;re oder w&uuml;rde, f&uuml;r die der jetzige Bundespr&auml;sident in seinen fr&uuml;heren politischen &Auml;mtern eingetreten ist und bis heute eintritt. Welches gesellschaftliche Interessenumfeld pr&auml;gt und st&uuml;tzt ihn, das w&auml;ren Recherchefelder gewesen, denen sich die Medien h&auml;tten l&auml;ngst widmen k&ouml;nnen &ndash; und das h&auml;tte manche politische Entscheidung Wulffs leicht erkl&auml;ren k&ouml;nnen. <\/p><p>Dass ein relativ kleinf&ouml;rmiges Fehlverhalten oder charakterliche Schw&auml;chen einen derartigen Medienwirbel ausl&ouml;sen, muss eher als Ablenkungsman&ouml;ver vor dem Versagen der Medien gegen&uuml;ber politischen Hintergr&uuml;nden, vor allem aber bei der kritischen Berichterstattung vor der Finanzkrise und bei deren politischer Bew&auml;ltigung gewertet werden.<\/p><p><strong>Die Medienkampagne um Wulff ist ein Beispiel f&uuml;r die Personalisierung von Politik<\/strong><\/p><p>Und noch ein weiteres spiegelt sich in dieser Kampagne wider, n&auml;mlich die Personalisierung von Politik &uuml;berhaupt. Ja, noch mehr, es wird das weit verbreitete Urteil best&auml;rkt, dass Politik im Wesentlichen eine Angelegenheit der Eliten oder einzelner herausgehobener W&uuml;rdentr&auml;ger sei. Man n&auml;hrt mit solchen pers&ouml;nlichen Verfolgungsjagden das Gef&uuml;hl der Massen, dass Politik vor allem das Gesch&auml;ft elit&auml;rer Entscheidungstr&auml;ger sei. Man stabilisiert die weit verbreitete Stimmung &bdquo;ihr da oben&ldquo; und &bdquo;wir da unten&ldquo;. Man f&ouml;rdert damit geradezu die passive Zuschauerrolle der B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger in einer (Post-)Demokratie, die sich mehr und mehr auf das Tadeln und Herumn&ouml;rgelns an den politisch handelnden Personen beschr&auml;nkt und sich damit zufrieden gibt, wenn bei privatem Fehlverhalten einzelne K&ouml;pfe auf den Richtblock gelegt werden. Diese Personalisierung der Politik ist jedoch nicht gleichbedeutend mit Aufkl&auml;rung &uuml;ber politische Sachverhalte, sondern stellt im Gegenteil einen Verfall der politischen Debatte und den Verlust einer Diskussionskultur &uuml;ber politische Inhalte dar. Kein Wunder also, dass sich gerade die Bild-Zeitung in solchen personellen Hetzjagden hervortun kann und der &bdquo;Schl&uuml;sselloch-Journalismus&ldquo; des Spiegels sich austoben kann. <\/p><p>Statt dass die Medien die B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger instand setzen, komplexe politische Vorg&auml;nge zu durchschauen und ihre Interessen in die &ouml;ffentliche Meinungsbildung einzubringen und ihnen damit das Gef&uuml;hl vermitteln, dass sie eine aktive Rolle im politischen Prozess einnehmen, st&uuml;rzen sich die Medien auf die Selbstdarstellung von Politikern und machen Jagd auf deren pers&ouml;nliche Marotten und Verfehlungen. <\/p><p><strong>Statt Teilhabe an der politischen Willensbildung sollen K&ouml;pfe rollen<\/strong><\/p><p>Ein pers&ouml;nlicher Fehltritt gilt dann als behoben, wenn ein ertappter Amtstr&auml;ger zur&uuml;cktreten muss. Ein R&uuml;cktritt wird aber nicht etwa gefordert, wenn Interessen breiter gesellschaftlicher Kreise gr&ouml;blich verletzt werden, wenn eine ungerechte oder gemeinsch&auml;dliche Politik vertreten wird. Jedenfalls gibt es da keinen derartigen Medienwirbel. Dabei sind eine lebendige Demokratie und das Gef&uuml;hl einer demokratischen Teilhabe der B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger doch gerade von der Artikulation von Interessen und Forderungen aus den unterschiedlichsten Gruppen und von Kontroversen um einen vern&uuml;nftigen Interessenausgleich abh&auml;ngig. Der ver&ouml;ffentlichte Meinungsstreit um tiefgreifende, jeden betreffende politische Entscheidungen gleicht jedoch einem lauen L&uuml;ftchen, gemessen an dem Orkan der Entr&uuml;stung &uuml;ber private Fehltritte.<\/p><p><strong>R&uuml;cktritte gibt es fast ausschlie&szlig;lich wegen pers&ouml;nlichen Verfehlungen aber nicht wegen falscher Politik<\/strong><\/p><p>Guttenberg musste nicht deswegen als Verteidigungsminister zur&uuml;cktreten, weil die Mehrheit der Bev&ouml;lkerung gegen den Afghanistan-Krieg ist oder weil er sich zu Lasten seines Staatssekret&auml;rs und des Generalinspekteurs der Bundeswehr unr&uuml;hmlich aus der sog. Kundus-Aff&auml;re herauszuwinden versuchte. Die Medien lie&szlig;en ihren Liebling (zun&auml;chst einmal) fallen, weil er bei seiner Doktorarbeit plagiiert hat. Man kann die R&uuml;cktritte der letzten Jahre durchgehen: Otto Graf Lambsdorff musste als Bundeswirtschaftsminister wegen der Flick-Spenden-Aff&auml;re gehen; Max Streibl musste wegen einer Amigo-Geschichte als bayerischer Ministerpr&auml;sident zur&uuml;cktreten; Bundesverkehrsminister G&uuml;nther Krause (wer kennt ihn noch?) wurde zum Verh&auml;ngnis, dass seine Frau ein Putzhilfe teilweise aus F&ouml;rdermittel des Arbeitsamtes bezahlte; der bayerische Justizminister Alfred Sauter fiel, weil er zum S&uuml;ndenbock einer Wohnungsbauaff&auml;re erkl&auml;rt wurde; der schleswig-holsteinische Ministerpr&auml;sident Uwe Barschel war nicht mehr zu halten, weil er ein falsches Ehrenwort gab. Der vormalige Bundespr&auml;sident Johannes Rau, wurde wegen einer angeblichen Flugaff&auml;re gejagt &ndash; &uuml;brigens auch vom damaligen Ministerpr&auml;sidenten Wulff. Die allermeisten R&uuml;cktritte von Politikern in der Nachkriegszeit, wenn sie nicht aus eigener Entscheidung ihren Platz r&auml;umten, wurden wegen pers&ouml;nlichen Verfehlungen erzwungen. <\/p><p><strong>R&uuml;cktritte sind Bauernopfer f&uuml;r das &bdquo;Weiter-So&ldquo;<\/strong><\/p><p>Die Ministerpr&auml;sidenten oder Minister mussten gehen, sie waren sozusagen Bauernopfer f&uuml;r das &bdquo;Weiter-So&ldquo;, denn ge&auml;ndert hat sich in der Politik oder am politischen Kurs in aller Regel nichts. Auch die politische Moral innerhalb der politischen Klasse hat sich damit nicht gel&auml;utert. Die Methoden der Selbstbedienung wurden nur andere &ndash; man verschaffte sich Geld mit Beratervertr&auml;gen oder Aufsichtsratsposten, lie&szlig; sich Parteitage sponsern (R&uuml;ttgers) oder man erhielt Dankesch&ouml;n-Spenden erst nach dem Ausscheiden (Kohl) oder man ging einfach durch die Dreht&uuml;r und wechselte zu Firmen, der Projekte man als Politiker gef&ouml;rdert hatte (Schr&ouml;der).<br>\nF&uuml;r wirkliche Transparenz &uuml;ber die Verflechtungen von Politik und Wirtschaft oder Finanzindustrie haben die Medien nicht gesorgt. Der mit den H&auml;nden zu greifende Filz wurde nur selten skandalisiert.<\/p><p>Doch die fr&uuml;heren Verfehlungen von Christian Wulff werden zur Staatsaff&auml;re hochgespielt und nicht etwa die Tatsache, dass er das Amt des Bundespr&auml;sidenten, das fast ausschlie&szlig;lich von der Autorit&auml;t und Weisheit seines Amtsinhaber lebt, zur Bedeutungslosigkeit hat herabsinken lassen. Er muss geradezu als Watschenmann herhalten, an dem sich kraftmeiernde Medien abreagieren und sich als kritische Instanz aufspielen k&ouml;nnen.<\/p><p><strong>Welche Rolle spielen Springer und Spiegel?<\/strong><\/p><p>Interessant w&auml;re &uuml;brigens auch die Frage, warum nun gerade die Bild-Zeitung und der Springer-Verlag, ansonsten die publizistische Kriegsflotte von Angela Merkel und von CDU\/CSU, das Feuer auf Wulff er&ouml;ffneten und unvermindert fortsetzen, so dass nat&uuml;rlich der Spiegel und die meisten anderen Medien auch nachladen mussten. <\/p><p>Ist es die Rache von &bdquo;Bild&ldquo; (&bdquo;<a href=\"http:\/\/www.bild.de\/politik\/2010\/politik\/kandidat-mut-bundespraesident-ruecktritt-horst-koehler-teil-1-12793732.bild.html\">Yes we Gauck<\/a>&ldquo;)  und &bdquo;Welt&ldquo; daf&uuml;r, dass sie ihren damaligen Favoriten Joachim Gauck nicht als Bundespr&auml;sidenten durchsetzen konnten? Schlie&szlig;lich ist es ja kein Geheimnis mehr, dass der damalige Chefredakteur der &bdquo;Welt&ldquo;, Thomas Schmid, die rot-gr&uuml;nen Parteigranden auf die Idee mit dem <a href=\"\/?p=11012\">Kandidaten Gauck gebracht hat<\/a>. Will also der Springer-Verlag, nachdem er erkannt hat, dass Wulff f&uuml;r die konservative Sache nicht &bdquo;liefert&ldquo;, nun nachtr&auml;glich noch einmal Gauck aufs Pferd hieven?<\/p><p>Will die Springer-Presse der Kanzlerin ein Exempel daf&uuml;r statuieren, was auch ihr selbst medial passieren k&ouml;nnte, wenn sie die nationalistische, ja gegen&uuml;ber den Griechen sogar chauvinistische Linie von &bdquo;Bild&ldquo; und &bdquo;Welt&ldquo; in der Europapolitik in Richtung auf eine politische Transferunion &uuml;berschreiten w&uuml;rde?<\/p><p>Hat sich das <a href=\"\/?p=8146\">Damenkr&auml;nzchen<\/a> Angela Merkel, Liz Mohn und Friede Springer etwa zerstritten? Reicht ein Anruf der Kanzlerin bei der Springer-Matriarchin nicht mehr, um mediales Unheil von ihrem Sch&uuml;tzling Wulff abzuwehren?<\/p><p>Oder ist es eher umgekehrt, dass Angela Merkel ihre Freundin Friede Springer ermuntert hat, die Treibjagd auf Wulff zu er&ouml;ffnen und ihre journalistischen Jagdhunde von der Leine zu lassen? <\/p><p>Schlie&szlig;lich hat die Kanzlerin ja erlebt, wie der lange Abschied von zu Guttenberg von seinem Amt, die Medien in Atem gehalten und von den viel wichtigeren politischen Themen abgelenkt hat. Und geschadet hat ihr der R&uuml;cktritt ihres Verteidigungsministers ja auch nicht. Ist eine hochwabernde &ouml;ffentliche Debatte um einen R&uuml;cktritt des Bundespr&auml;sidenten nicht ein viel sch&ouml;neres Thema, als eine Debatte &uuml;ber den europ&auml;ischen &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.japantimes.co.jp\/text\/eo20111217a1.html\">Selbstmord-Pakt<\/a>&ldquo; den Merkel in Br&uuml;ssel durchgesetzt hat. Da ist doch eine Kampagne gegen den Bundespr&auml;sidenten und wom&ouml;glich eine neue Wahlkampagne zu einer Neuwahl in dieses Amt viel angenehmer, weil sie doch die &ouml;ffentliche Aufmerksamkeit von den viel entscheidenderen Themen ablenkt.<br>\nDass auch noch Liz Mohn erlaubt, dass der Spiegel scharf macht (&bdquo;Falscher Pr&auml;sident&ldquo; als Titelgeschichte), spricht f&uuml;r diese These.<\/p><p>Im &Uuml;brigen ist v&ouml;llig klar: Ein Politiker f&auml;llt nur, wenn er von den eigenen Leuten fallen gelassen wird. <\/p><p>Nat&uuml;rlich ist das Spekulation, aber es muss ja Gr&uuml;nde geben, warum Wulff zum Abschuss frei gegeben wurde. Seine Verfehlungen k&ouml;nnen es nicht sein, denn da gab es schon viel gr&ouml;&szlig;ere Skandale, die Politikern nicht das Amt gekostet haben. Man denke nur an Roland Kochs &bdquo;j&uuml;dische Verm&auml;chtnisse&ldquo; oder an Westerwelle mit seiner &bdquo;M&ouml;venpick&ldquo;-Hotelsteuer.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Medienkampagne gegen Christian Wulff w&auml;re glaubw&uuml;rdiger, wenn auch nur ansatzweise ein vergleichbarer Rechercheaufwand bei f&uuml;r die Menschen viel existenzielleren Fragen betrieben w&uuml;rde. Auch bei vielen politischen Entscheidungen des fr&uuml;heren nieders&auml;chsischen Ministerpr&auml;sidenten h&auml;tte man kritisch fragen k&ouml;nnen, welche Rolle dabei seine Unternehmer-Freundschaften spielten. Der Medienwirbel um ein relativ kleinf&ouml;rmiges Fehlverhalten ist eher ein Ablenkungsman&ouml;ver vom<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11660\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[96,123,127],"tags":[241,459,420,752],"class_list":["post-11660","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bundespraesident","category-kampagnentarnworteneusprech","category-lobbyismus-und-politische-korruption","tag-bankenrettung","tag-bild","tag-spiegel","tag-wulff-christian"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11660","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=11660"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11660\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":24434,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11660\/revisions\/24434"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=11660"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=11660"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=11660"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}