{"id":116638,"date":"2024-06-13T11:07:14","date_gmt":"2024-06-13T09:07:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=116638"},"modified":"2024-06-13T16:57:10","modified_gmt":"2024-06-13T14:57:10","slug":"die-autoritaeren-bestrafungsfantasien-der-fdp-bildungsministerin-fuer-nicht-genehmen-offenen-brief","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=116638","title":{"rendered":"Die autorit\u00e4ren Bestrafungsfantasien der FDP-Bildungsministerin f\u00fcr nicht genehmen \u201eOffenen Brief\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Das ARD-Magazin <em>Panorama<\/em> hat am 11. Juni geleakte interne Unterlagen des Bundesbildungsministeriums (BMBF) <a href=\"https:\/\/daserste.ndr.de\/panorama\/Als-Reaktion-auf-Kritik-Bildungsministerium-wollte-Foerdermittel-streichen-,watzinger102.html\">ver&ouml;ffentlicht<\/a>. Aus denen geht hervor, dass Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger pr&uuml;fen lie&szlig;, ob und wie man 393 Hochschullehrer und Dozenten an Berliner Universit&auml;ten, die einen Offenen Brief unterzeichnet hatten, der der Ministerin nicht gefiel, straf- und f&ouml;rderrechtlich sanktionieren kann. Die Wegnahme von Forschungsmitteln wegen einer der Ministerin nicht genehmen Meinungs&auml;u&szlig;erung stellt einen Bruch mit allen liberal-demokratischen Wissenschaftstraditionen der Bundesrepublik dar. Die <em>NachDenkSeiten<\/em> wollten vor diesem Hintergrund unter anderem wissen, wie die Ministerin diesen eklatanten Eingriff in die Wissenschaftsfreiheit rechtfertigt und welche konkreten Passagen in dem &bdquo;Offenen Brief&ldquo;, wie von Stark-Watzinger behauptet, nicht grundgesetzkonform seien. Die Antworten gerieten zu einem Offenbarungseid. Von <strong>Florian Warweg<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2035\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-116638-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240613_Die_autoritaeren_Bestrafungsfantasien_der_FDP_Bildungsministerin_fuer_nicht_genehmen_Offenen_Brief_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240613_Die_autoritaeren_Bestrafungsfantasien_der_FDP_Bildungsministerin_fuer_nicht_genehmen_Offenen_Brief_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240613_Die_autoritaeren_Bestrafungsfantasien_der_FDP_Bildungsministerin_fuer_nicht_genehmen_Offenen_Brief_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240613_Die_autoritaeren_Bestrafungsfantasien_der_FDP_Bildungsministerin_fuer_nicht_genehmen_Offenen_Brief_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=116638-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240613_Die_autoritaeren_Bestrafungsfantasien_der_FDP_Bildungsministerin_fuer_nicht_genehmen_Offenen_Brief_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"240613_Die_autoritaeren_Bestrafungsfantasien_der_FDP_Bildungsministerin_fuer_nicht_genehmen_Offenen_Brief_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/sztzE6S7IRY\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p><strong>Hintergrund<\/strong><\/p><p>Am 7. Mai 2024 besetzten rund 150 Studenten einen Teil des Uni-Gel&auml;ndes der FU Berlin aus Protest gegen das milit&auml;rische Vorgehen Israels in Gaza und die deutsche Unterst&uuml;tzung dessen. Zu diesem Zeitpunkt hatte das israelische Milit&auml;r <a href=\"https:\/\/www.ochaopt.org\/content\/hostilities-gaza-strip-and-israel-reported-impact-day-213\">laut UN-Angaben<\/a> bereits &uuml;ber 34.000 Pal&auml;stinenser get&ouml;tet, davon mehrheitlich Kinder (14.500) und Frauen (9.500). Die Uni-Leitung schaltete umgehend, ohne jeden Versuch zuvor in Dialog mit den Protestierenden zu treten, die Polizei ein und lie&szlig; das Protestcamp r&auml;umen. 79 Personen wurden vor&uuml;bergehend festgenommen. Es wurden 80 Strafermittlungsverfahren und 79 Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet. Daraufhin <a href=\"https:\/\/docs.google.com\/forms\/d\/e\/1FAIpQLSfVy2D5Xy_DMiaMx2TsE7YediR6qifxoLDP1zIjKzEl9t1LWw\/viewform?pli=1\">ver&ouml;ffentlichten<\/a> 393 Professoren und Dozenten von mehreren Berliner Hochschulen einen Offenen Brief. Darin hei&szlig;t es:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Unabh&auml;ngig davon, ob wir mit den konkreten Forderungen des Protestcamps einverstanden sind, stellen wir uns vor unsere Studierenden und verteidigen ihr Recht auf friedlichen Protest, das auch die Besetzung von Uni-Gel&auml;nde einschlie&szlig;t.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Zudem wird noch betont, &bdquo;das verfassungsm&auml;&szlig;ig gesch&uuml;tzte Recht, sich friedlich zu versammeln, gilt unabh&auml;ngig von der ge&auml;u&szlig;erten Meinung.&ldquo;<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240613-BPK-Screen1.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240613-BPK-Screen1.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Das war offensichtlich zu viel f&uuml;r die amtierende Bundesbildungsministerin mit FDP-Parteibuch. Sie setzte sich an die Spitze einer Hetzkampagne der <em>BILD-<\/em>Zeitung gegen die Wissenschaftler, die den Offenen Brief unterzeichnet hatten, und <a href=\"https:\/\/www.bild.de\/politik\/inland\/regierung-fassungslos-uni-skandal-eskaliert-663b6def27e1b86288b11fc5\">unterstellte diesen<\/a> via dem Springer-Blatt, nicht auf dem Boden des Grundgesetzes zu stehen. <\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240613-BPK-Screen2a.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240613-BPK-Screen2a.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240613-BPK-Screen2b.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240613-BPK-Screen2b.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Als Bundesbildungsministerin die Verfassungstreue von Hochschullehrern in dieser Form pauschal anzuzweifeln, stellt an sich schon einen Skandal dar. Doch die jetzt <a href=\"https:\/\/daserste.ndr.de\/panorama\/download1200.pdf\">ver&ouml;ffentlichten<\/a> internen Dokumente aus dem Bundesbildungsministerium belegen, dass die Ministerin und ihre Staatssekret&auml;re es nicht nur bei verbalen Einsch&uuml;chterungen via der Springer-Presse belie&szlig;en, sondern pr&uuml;fen lie&szlig;en, ob und wie man den 393 Erstunterzeichnern des Briefes sowohl zugesagte F&ouml;rdermittel wieder entziehen als auch strafrechtlich f&uuml;r den Brief belangen k&ouml;nnte. Ein klarer Fall von Machtmissbrauch einer Bundesministerin. Hoffnung gibt allerdings, dass die Ministerin und ihre Gehilfen f&uuml;r diesen autorit&auml;ren Versuch der Bestrafung von nicht genehmer Meinung Gegenwind aus der eigenen Ministerialb&uuml;rokratie erhielten, wie sich aus dem folgendem Mail-Wechsel anschaulich ergibt: <\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240613-BPK-Screen3a.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240613-BPK-Screen3a.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240613-BPK-Screen3b.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240613-BPK-Screen3b.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240613-BPK-Screen3c.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240613-BPK-Screen3c.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Abschlie&szlig;end bleibt festzuhalten, die Einzigen der in dieser Angelegenheit involvierten Personen, die tats&auml;chlich nicht auf dem Boden des Grundgesetzes stehen, sind nachweislich die Leitungsebene des Bundesbildungsministeriums, also Bildungsministerin Stark-Watzinger und ihre Staatssekret&auml;re. Zum Wohle des sowieso schon stark angeschlagenen Rufes Deutschlands als Wissenschaftsstandort mit offener und freier Debatte sollte mindestens die Ministerin mit ihren autorit&auml;ren und rechtswidrigen Bestrafungsfantasien ihren Hut nehmen.<\/p><p><strong>Auszug aus dem Wortprotokoll der Regierungspressekonferenz vom 12. Juni 2024<\/strong><\/p><p><strong>Frage Balzer (Deutschlandfunk)<\/strong><br>\nIch habe eine Frage an das &ndash; BMBF. Es gibt Recherchen des Magazins &bdquo;Panorama&ldquo;, die nahelegen, dass im Ministerium &ndash; F&ouml;rdermittel &ndash; mit der Haltung von Forschenden zu Pal&auml;stina-Camps verbunden wurden. Inwieweit sind diese Recherchen zutreffend? K&ouml;nnen Sie best&auml;tigen, was Sie dort lesen und h&ouml;ren? Und wie weit ist die politische Aufarbeitung dazu gediehen?<\/p><p><strong>Wagemann (BMBF)<\/strong><br>\nUnsere Staatssekret&auml;rin Sabine D&ouml;ring hat sich gestern &ndash; auch auf Twitter &ndash; dazu ge&auml;u&szlig;ert. Ich kann das gern kurz zusammenfassen.<\/p><p>Das Ministerium hat den offenen Brief von Berliner Lehrenden vor dem Hintergrund der &ouml;ffentlichen Debatte &uuml;ber die Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit einzelner Aussagen auf rechtliche Aspekte hin gepr&uuml;ft. Die Hausleitung hat sehr zeitnah nach Erteilung des Pr&uuml;fauftrags allerdings klargestellt, dass zuwendungsrechtliche Aspekte nicht Bestandteil dieser rechtlichen Pr&uuml;fung sein sollen. Die rechtliche &Uuml;berpr&uuml;fung hat dann ergeben, dass der Inhalt des Briefes von der Meinungsfreiheit gedeckt ist. Damit er&uuml;brigen sich Diskussionen &uuml;ber formale Konsequenzen. Und: Der Entzug von F&ouml;rdermitteln in Reaktion auf den offenen Brief stand in der Hausleitung nicht zur Debatte.<\/p><p>Wir wollen aber gleichzeitig darauf hinweisen, dass der Inhalt dieses Briefes im BMBF unver&auml;ndert kritisch gesehen wird, da er sich mit keinem Wort zum terroristischen Angriff der Hamas auf Israel am 7. &ndash; Oktober verh&auml;lt, pauschal &ndash; in Anf&uuml;hrungszeichen &ndash; &ndash; &bdquo;Polizeigewalt&rdquo; nahelegt und suggeriert, dass Hochschulen quasi ein rechtsfreier Raum seien.<\/p><p><strong>Zusatzfrage Balzer<\/strong><br>\nEs gibt durchaus auch Stimmen aus der Ampel, die das sehr kritisch sehen. Wir h&ouml;ren Abgeordnete von der SPD, wir h&ouml;ren gr&uuml;ne Abgeordnete, die diesen Vorgang sehr kritisch sehen. Es gibt auch R&uuml;cktrittsforderungen, die nat&uuml;rlich nicht aus der Ampel, sondern aus anderen politischen Ecken kommen. Inwieweit wird das weiter aufgearbeitet? Im Moment h&ouml;rt man von der Ministerin wenig. Aber sie ist politisch verantwortlich f&uuml;r den Vorgang.<\/p><p><strong>Wagemann (BMBF)<\/strong><br>\nDie Staatssekret&auml;rin hat sich umfassend dazu ge&auml;u&szlig;ert und die verschiedenen Aspekte, die in der Debatte angesprochen sind, in ihrer Erkl&auml;rung aufgegriffen. Insofern haben wir umfassend reagiert.<\/p><p><strong>Frage Jung<\/strong><br>\nFrau Wagenmann, danke, dass Sie die Stellungnahme der Staatssekret&auml;rin &ndash; noch einmal &ndash; vorgelesen haben. Sie haben gesagt, der Entzug von F&ouml;rdermitteln habe nicht zur Debatte gestanden. Aber in den E-Mails steht explizit, dass die Ministeriumsleitung pr&uuml;fen lassen will, ob der Entzug der F&ouml;rderung m&ouml;glich ist. Das ist das Gegenteil von dem, was Sie gerade gesagt haben. Bleiben Sie dabei?<\/p><p><strong>Wagemann (BMBF)<\/strong><br>\nJa, die Staatssekret&auml;rin bleibt bei ihren &Auml;u&szlig;erungen.<\/p><p><strong>Zusatzfrage Jung<\/strong><br>\nSind diese Mails, in denen genau das steht, was Sie hier gegenteilig behaupten, etwa gef&auml;lscht?<\/p><p><strong>Wagemann (BMBF)<\/strong><br>\nIch m&ouml;chte es Ihnen ersparen, die Erkl&auml;rung noch einmal vorzulesen, aber wenn Sie es noch einmal genau durchgehen, dann wird es, glaube ich, klar. Ich denke, das kann ich f&uuml;r sich stehen lassen.<\/p><p><strong>Zusatzfrage Jung<\/strong><br>\nSie haben gerade &ndash; &ndash; &ndash;<\/p><p><strong>Vorsitzende Wefers<\/strong><br>\nHerr Warweg hat das Wort!<\/p><p><strong>Frage Warweg<\/strong><br>\nZu der Argumentation des Kollegen: In den Mails wird ganz klar formuliert, dass die Ministerin, weil ihr ein offener Brief nicht gefallen hat, eruieren l&auml;sst, wie man die 393 Unterzeichnenden oder Lehrenden an der FU Berlin sowohl f&ouml;rder- als auch strafrechtlich sanktionieren kann. Das ist ein eklatanter Bruch mit allen bekannten liberalen Traditionen des deutschen Wissenschaftsbetriebes. Daher w&uuml;rde mich schon interessieren, wie sie diesen Versuch, politisch in die Wissenschaftsfreiheit einzugreifen, rechtfertigt.<\/p><p><strong>Wagemann (BMBF)<\/strong><br>\nDann wiederhole ich gern zwei S&auml;tze, weil es vielleicht ein bisschen lang war: Das BMBF hat den offenen Brief auf die Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit einzelner Aussagen, auf rechtliche Aspekte hin, &uuml;berpr&uuml;ft. Die Hausleitung hat sehr zeitnah nach Erteilung des Pr&uuml;fauftrags klargestellt, dass zuwendungsrechtliche Aspekte nicht Bestandteil dieser rechtlichen Pr&uuml;fung sein sollen.<\/p><p><strong>Zusatzfrage Warweg<\/strong><br>\nIn dem Mail-Austausch wird zudem klar dargelegt, dass die Ministerin zu dem Schluss gekommen sei, dass die Hochschullehrer mit der Unterzeichnung des Briefes nicht grundgesetzkonform agiert h&auml;tten. Dieser offene Brief &ndash; er ist ja &ouml;ffentlich und f&uuml;r alle einsehbar &ndash; enth&auml;lt lediglich die Bitte um einen Dialog mit den Protestierenden und noch einmal die Betonung, dass friedlicher Protest im Rahmen der Universit&auml;t erlaubt sein sollte. Welche konkrete Passage des Briefes deutet f&uuml;r die Ministerin darauf hin, dass die unterzeichnenden Hochschullehrer nicht auf Basis des Grundgesetzes agierten, als sie ihn unterzeichnet haben?<\/p><p><strong>Wagemann (BMBF)<\/strong><br>\nDie Ministerin hat nicht insinuiert, dass die Unterzeichnenden nicht auf dem Boden des Grundgesetzes stehen. Sie hatte sich in der &bdquo;BILD&ldquo;-Zeitung ge&auml;u&szlig;ert &ndash; darauf geht das ja zur&uuml;ck &ndash; und hate dort nur den Satz gesagt, gerade Professoren und Dozenten m&uuml;ssten auf dem Boden des Grundgesetzes stehen. Sie hat also die Vorbildfunktion von Universit&auml;tsdozenten herausgestellt.<\/p><p><strong>Frage Jessen<\/strong><br>\nSie haben eben mehrfach betont, die Staatssekret&auml;rin habe erkl&auml;rt, dass zeitnah nach dem Pr&uuml;fauftrag gekl&auml;rt worden sei, dass es keine f&ouml;rderrechtliche Pr&uuml;fung geben solle. Beinhaltet das, dass der urspr&uuml;ngliche Pr&uuml;fauftrag sehr wohl eine f&ouml;rderrechtliche Pr&uuml;fung umfasste  &ndash; das geht aus dem Text unter Punkt zwei hervor &ndash; und dass das &bdquo;zeitnah&ldquo; sozusagen eine Reaktion ist, nachdem man im Haus festgestellt hat, dass der urspr&uuml;ngliche Pr&uuml;fauftrag in dem Punkt falsch war, oder k&ouml;nnen Sie mir irgendeine andere Erkl&auml;rung dessen vorschlagen, was Sie und die Staatssekret&auml;rin gesagt haben?<\/p><p><strong>Wagemann (BMBF)<\/strong><br>\nIch habe der Erkl&auml;rung nichts hinzuzuf&uuml;gen. Ich werde jetzt nicht in eine Textexegese einzelner W&ouml;rter oder Halbs&auml;tze einsteigen, sondern die Erkl&auml;rung ist, denke ich, sehr klar formuliert und verst&auml;ndlich.<\/p><p><strong>Zusatz Jessen<\/strong><br>\nEs ist Ihr Wort, weswegen ich nachfrage, das Wort &bdquo;zeitnah&ldquo;. &bdquo;Zeitnah&ldquo; bedeutet, dass ein zeitlicher Unterschied zwischen dem urspr&uuml;nglichen Pr&uuml;fauftrag und der Erkl&auml;rung besteht. Wenn ich frage: &bdquo;Kann das etwas anderes bedeuten, als dass Sie von dem Inhalt des urspr&uuml;nglichen Pr&uuml;fauftrags &sbquo;zeitnah&lsquo; abger&uuml;ckt sind?&ldquo;, dann h&auml;tte ich gern eine Antwort darauf. Das steht eben nicht f&uuml;r sich selbst.<\/p><p><strong>Wagemann (BMBF)<\/strong><br>\nMeines Erachtens ist diese Erkl&auml;rung klar und verst&auml;ndlich, und ich werde sie nicht weiter erl&auml;utern.<\/p><p><strong>Frage Jung<\/strong><br>\nFrau D&ouml;ring hat auch gesagt, dass es die Pr&uuml;fung vor dem Hintergrund einer &ouml;ffentlichen Debatte &uuml;ber die Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit des offenen Briefes gegeben habe. Korrigieren Sie mich, wenn n&ouml;tig, aber hat nicht die Ministerin als Allererste diesen Verdacht in den Raum gestellt? Davor gab es gar keine &ouml;ffentliche Debatte.<\/p><p><strong>Wagemann (BMBF)<\/strong><br>\nDazu kann ich mich aus dem Ged&auml;chtnis nicht konkret zeitlich festlegen. Wer sich zuallererst und in welcher Weise zu dem Brief ge&auml;u&szlig;ert hat, das kann ich nicht mehr sagen. Dass die Ministerin die Allererste gewesen ist, bin ich mir nicht sicher.<\/p><p><strong>Zusatz Jung<\/strong><br>\nSie haben gerade selbst gesagt, dass sie in der &bdquo;BILD&ldquo;-Zeitung diese Aktion losgetreten hat.<\/p><p><strong>Wagemann (BMBF)<\/strong><br>\nNein, ich habe gesagt, sie habe sich in der &bdquo;BILD&ldquo;-Zeitung ge&auml;u&szlig;ert. Aber erstens war sie nicht die einzige, und au&szlig;erdem gibt es nicht nur die &bdquo;BILD&ldquo;-Zeitung. Deshalb kann ich das leider nicht genau sagen.<\/p><p><strong>Zusatzfrage Jung<\/strong><br>\n2024 ist laut BMBF das Wissenschaftsjahr. Das Leitthema dieses Wissenschaftsjahres lautet Freiheit. Wie passt die aktuelle Handlungsweise der Ministerin und ihres Hauses mit Wissenschaftsfreiheit zusammen? K&ouml;nnen Sie bei diesem Motto bleiben?<\/p><p><strong>Wagemann (BMBF)<\/strong><br>\nJa, wir bleiben bei dem Motto &bdquo;Wissenschaftsjahr 2024: Freiheit&ldquo;. Es ist sehr umfassend angelegt. Es geht nicht nur um Wissenschaftsfreiheit. Es geht um Freiheit insgesamt. Anlass sind das 75-j&auml;hrige Bestehen des Grundgesetzes und das Jubil&auml;um des Mauerfalls.<\/p><p>Es steht in keinem Widerspruch. Wissenschaftsfreiheit und Hochschulautonomie sind hohe G&uuml;ter. Das sieht auch die Ministerin so, und das gilt auch im BMBF. Auf alles andere hat, denke ich, unsere Staatssekret&auml;rin ausreichend hingewiesen.<\/p><p><strong>Frage Warweg<\/strong><br>\nFrau Wagemann, bei allem Respekt bezweifle ich mittlerweile, dass Sie diese Mails gelesen haben. Ich m&ouml;chte, wenn ich darf, ganz kurz zitieren, E-Mail vom 13. &ndash; Mai, 11 &ndash; Uhr:<\/p><p>&bdquo;In der Kommunikation der Leitung wurde auch angezweifelt, dass die Hochschullehrer auf dem Boden des GG stehen.&ldquo;<\/p><p>GG steht in diesem Fall f&uuml;r Grundgesetz. &ndash; Das hei&szlig;t, im Gegensatz zu Ihrer Aussage kommt das in diesen Mails explizit vor.<\/p><p>Welche Passagen in dem offenen Brief f&uuml;hren laut der Ministerin dazu, dass die Hochschullehrer, die das gezeichnet haben, angeblich nicht auf dem Boden des Grundgesetzes agiert haben?<\/p><p><strong>Wagemann (BMBF)<\/strong><br>\nIch k&ouml;nnte meine Antwort von eben wiederholen. Aber das hilft ja nicht viel. Ich habe gesagt, wie das Zitat der Ministerin lautete. Dabei bleibt es.<\/p><p><strong>Zusatzfrage Warweg<\/strong><br>\nIch habe nicht nach dem gefragt, was sie der &bdquo;BILD&ldquo;-Zeitung erz&auml;hlt hat, sondern nach dem, was explizit in diesen internen Mails steht. Darauf h&auml;tte ich gern eine Antwort.<\/p><p>Auch auff&auml;llig ist, dass von der Ministerin zun&auml;chst versucht wird, zu eruieren, inwieweit sie die Unterzeichnenden als Einzelpersonen strafrechtlich und auch f&ouml;rderrechtlich sanktionieren kann. Das f&uuml;hrt mich zu der Nachfrage, ob der Ministerin bewusst ist, dass Bundesmittel des Bildungsministeriums ausschlie&szlig;lich an Institutionen und niemals an Einzelpersonen vergeben werden. Ist der Ministerin auch bewusst, dass ein Hochschullehrer oder auch ein angestellter dem Land Berlin untersteht, auch was das Disziplinarrecht angeht, und nicht dem Bundesministerium?<\/p><p><strong>Wagemann (BMBF)<\/strong><br>\nWie gesagt, habe ich die Erkl&auml;rung der Staatssekret&auml;rin hier vorgetragen. Sie hat sich zu den Aspekten, die zur Debatte stehen, ge&auml;u&szlig;ert. Dabei m&ouml;chte ich es gern belassen.<\/p><p><small>Titelbild: Screenshot NachDenkSeiten, Bundespressekonferenz 12.06.2024<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=95093\">Einbildungsministerin: Stark-Watzinger gipfelt gern auch mal mit sich selbst<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=116331\">Studium bleibt Armutsfalle: Ampel serviert n&auml;chste BAf&ouml;G-Kleckerreform<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=49560\">Unterdr&uuml;ckte Kritik an Israels Besatzungspolitik &ndash; Im Widerspruch zu Grundrecht auf Meinungsfreiheit<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=114090\">&bdquo;Staat muss Kritik aushalten&ldquo; &ndash; Was sagt Bundesregierung zur Klatsche durch Bundesverfassungsgericht?<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/bd79dab0b4e04f6a913f4dab059e80ec\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ARD-Magazin <em>Panorama<\/em> hat am 11. 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