{"id":116924,"date":"2024-06-19T13:00:42","date_gmt":"2024-06-19T11:00:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=116924"},"modified":"2024-06-20T07:18:44","modified_gmt":"2024-06-20T05:18:44","slug":"macrons-spiel-mit-dem-feuer-wer-gewinnt-die-neuwahlen-in-frankreich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=116924","title":{"rendered":"Macrons Spiel mit dem Feuer &#8211; Wer gewinnt die \u201eNeuwahlen\u201c in Frankreich?"},"content":{"rendered":"<p>Die Europawahlen brachten am 9. Juni 2024 den sich seit langem abzeichnenden deutlichen Sieg der ultrarechten Partei &bdquo;Rassemblement National&ldquo; (RN). So gut wie niemand hatte erwartet, dass Staatspr&auml;sident Emmanuel Macron, dessen Partei &bdquo;Renaissance&ldquo; eine derbe Wahlniederlage einstecken musste, dieses Wahlergebnis dazu nutzen w&uuml;rde, die Nationalversammlung aufzul&ouml;sen und innerhalb von drei Wochen Neuwahlen anzusetzen. Noch niemals zuvor hatte eine Europawahl in Frankreich schwerwiegende innenpolitische Auswirkungen zur Folge. Zahlreiche franz&ouml;sische Medien zweifelten in der Folge an der Richtigkeit der Entscheidung und warfen Macron vor, durch die Aufwertung dieser innenpolitisch nicht direkt wichtigen &bdquo;Zwischenwahl&ldquo; die Franz&ouml;sische Republik an den RN auszuliefern. Von <strong>Sebastian Chwala<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1827\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-116924-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240619-Macrons-Spiel-mit-dem-Feuer-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240619-Macrons-Spiel-mit-dem-Feuer-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240619-Macrons-Spiel-mit-dem-Feuer-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240619-Macrons-Spiel-mit-dem-Feuer-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=116924-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240619-Macrons-Spiel-mit-dem-Feuer-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"240619-Macrons-Spiel-mit-dem-Feuer-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Auf der Linken deutete man Macrons Versuch folgerichtig so, eine &bdquo;Cohabitation&ldquo; herbeif&uuml;hren zu wollen. Damit ist gemeint, dass eine RN-gef&uuml;hrte Regierung mit Staatspr&auml;sident Macron koexistieren m&uuml;sste. Da s&auml;mtliche Machtmittel der Exekutive, wie die Erlassung von Gesetzen per Dekret (Verfassungsartikel 49.3), nur der Regierung zustehen, blieben Macron wenige Machtmittel, die Agenda des RN zu stoppen. H&ouml;chstens der &bdquo;Conseil Constitutionel&ldquo; (Verfassungsrat) k&ouml;nnte einschreiten. Dieser hatte allerdings Anfang dieses Jahres Teile eines neuen Zuwanderungsgesetzes stoppen m&uuml;ssen, die soziale Leistungen wie das Kindergeld explizit an die Staatsb&uuml;rgerschaft binden wollten. Diese Reform wurde aber in der Nationalversammlung mit den Stimmen eines Gro&szlig;teils der &bdquo;macronitischen&ldquo; Abgeordneten verabschiedet. Dass die &bdquo;Pr&eacute;ference national&ldquo; (&bdquo;Nationale Pr&auml;ferenz&ldquo;), die immer Kernbestandteil der Programmatik des RN war, nun auch vom &bdquo;Macronismus&ldquo; mitgetragen wurde, zeigte einmal mehr auf, wie sehr sich Macron auf ganzer Linie von seinem &bdquo;sozialliberalen&ldquo; Image verabschiedet hatte, mit dem er seine erste Wahlkampagne 2017 gef&uuml;hrt hatte.<\/p><p><strong>Macron sucht nach einem neuen &bdquo;Regierungsblock&ldquo; <\/strong><\/p><p>Doch die &Uuml;berlegungen von Staatspr&auml;sident Macron, der laut Verfassung &uuml;ber die M&ouml;glichkeit verf&uuml;gt, einmal im Jahr die Nationalversammlung aufzul&ouml;sen, waren anderer Natur. Viel eher wollte Macron durch die Anordnung pl&ouml;tzlicher Neuwahlen Nutzen aus dem Zerfall des Linksb&uuml;ndnisses NUPES (La Nouvelle Union populaire), bestehend aus &bdquo;La France insoumise&ldquo; (LFI), dem gr&uuml;nen Wahlb&uuml;ndnis &bdquo;P&ocirc;le &eacute;cologiste&ldquo;, der Parti communiste fran&ccedil;ais (PCF) und der Parti socaliste (PS), ziehen. Dieses B&uuml;ndnis war am Umgang mit dem Einmarsch und dem folgenden Krieg Israels im Gazastreifen schon im Oktober 2023 zerbrochen. Vor allen Dingen LFI profilierte sich in der Folge als scharfer Kritiker dieses Krieges und forderte scharfe Sanktionen gegen die israelische Regierung. <\/p><p>Diese Strategie von LFI war die Folge einer seit Jahren anhaltenden wachsenden Verankerung in den sozialen Brennpunkten an den Stadtr&auml;ndern, insbesondere in der Pariser Region, die stark muslimisch gepr&auml;gt sind. Dagegen hielten sich die PCF, aber auch Gr&uuml;ne, die beide auch antiimperalistische Str&ouml;mungen in ihren Reihen haben, zur&uuml;ck, sich klar zu den Rechten der Pal&auml;stinenser zu bekennen. Dies ist auch Ausdruck der starken antimuslimischen Str&ouml;mungen in der franz&ouml;sischen Gesellschaft, welche die Kommunistische Partei besonders bei jenen W&auml;hlern verbreitet sieht, die man politisch vertreten will. Die PS positionierte sich in der Vergangenheit ohnehin traditionell &bdquo;pro-israelischer&ldquo; als der Rest der Linken. Eine zersplitterte Linke kann im franz&ouml;sischen Mehrheitswahlsystem aber keinerlei politische Wirkungsmacht mehr entwickeln.<\/p><p>Zudem war sich Macron bewusst, dass nach dem Wahlsieg des RN die rechtskonservativen &bdquo;Republikaner&ldquo;, die nur noch lose in der Tradition des &bdquo;Gaullismus&ldquo; stehen, aufgerieben werden w&uuml;rden zwischen jenen Fraktionen, die ein offenes Rechtsb&uuml;ndnis mit dem RN f&uuml;r Parlamentswahlen eingehen w&uuml;rde, jenen, die f&uuml;r eine autonome Kandidatur pl&auml;dieren, und jenen Kr&auml;ften, die sich dem &bdquo;Macronismus&ldquo; ann&auml;hern w&uuml;rden. Bei den &bdquo;Republikanern&ldquo; kam es auch, wie erwartet, zum Bruch zwischen der Partei und ihrem Parteichef Eric Ciotti, der ohne Absprache mit den Gremien ein Wahlb&uuml;ndnis mit dem RN verk&uuml;ndete. Als dieser sich vor dem Parteivorstand rechtfertigen sollte, schloss er sich in der Parteizentrale ein und versuchte so, eine Sitzung zu verhindern, die seinen Ausschluss beschlie&szlig;en wollte. Vergeblich, denn der Vorstand beschloss in den folgenden Tagen zweimal den Parteiausschluss. Ciotti konnte diesen aber bisher juristisch abwenden. <\/p><p>Macrons Kalk&uuml;l bestand darin, den &Uuml;berraschungseffekt seiner Ank&uuml;ndigung dazu zu nutzen, in der allgemeinen Verunsicherung &uuml;ber den Vormarsch des RN &bdquo;Renaissance&ldquo; als zentrale Partei re-etablieren zu k&ouml;nnen, die erneut flankiert w&uuml;rde von &bdquo;liberalen&ldquo; Vertretern aus dem Spektrum der Sozialdemokratie und dem rechtsb&uuml;rgerlichen Lager. Auf diese Weise k&ouml;nnte die bei den Parlamentswahlen 2022 verlorene politische Mehrheit, die den &bdquo;Macronismus&ldquo; seitdem zwang, oftmals mit Dekreten am Parlament vorbeizuregieren, wieder zur&uuml;ckgewonnen werden.<\/p><p><strong>Die &bdquo;Neue Volksfront&ldquo; als Ergebnis des zivilgesellschaftlichen Drucks <\/strong><\/p><p>Doch im Angesicht der Gefahr von rechts war der Druck aus der gesellschaftlichen Linken auf die politische Linke, die drohende Regierungs&uuml;bernahme der Ultrarechten zu verhindern, gro&szlig; &ndash; besonders die beiden gro&szlig;en Gewerkschaftsdachverb&auml;nde, die linke, klassenk&auml;mpferische CGT-Gewerkschaft und die sozialdemokratische CFDT, rufen zu Gro&szlig;demonstrationen auf, um dem gesellschaftlichen Widerstand gegen RN ein Gesicht zu geben. Am letzten Samstag demonstrierten mehrere hunderttausend Menschen in vielen St&auml;dten Frankreichs gegen den RN.<\/p><p>Innerhalb weniger Tage konnte auch eine politische &Uuml;bereinkunft &ndash; sowohl personeller als auch programmatischer Natur &ndash; zwischen den Parteien erreicht werden, die noch w&auml;hrend des Europawahlkampfes unm&ouml;glich schien. Die &bdquo;Neue Volksfront&ldquo; (NPS) war geboren. Damit spielt die Linke ganz direkt auf die historische &bdquo;Volksfront&ldquo; an, die 1934 im Angesicht der faschistischen Bedrohung entstand und 1936 die Parlamentswahlen gewinnen konnte. In der Folge wurden, begleitet durch wochenlange Massenstreiks, grundlegende Arbeiterrechte beschlossen. So wurde ein gesetzlicher Anspruch auf Urlaub durchgesetzt, die Arbeitszeiten deutlich reduziert und die Gewerkschaften in den industriellen Gro&szlig;betrieben legalisiert.<\/p><p>Der Europawahlkampf war allerdings noch stark gepr&auml;gt gewesen vom Gegensatz der PS-Liste &bdquo;Place publique&ldquo; und LFI. W&auml;hrend &bdquo;Place publique&ldquo; voll auf die Person Rapha&euml;l Glucksmann setzte, stellte LFI weiterhin den Krieg im Gazastreifen in den Mittelpunkt und nominierte mit Rima Hassan eine in Frankreich bekannte Aktivistin f&uuml;r die Rechte der Pal&auml;stinenser f&uuml;r einen aussichtsreichen Listenplatz. In der Folge versuchten Akteure aus dem Spektrum der franz&ouml;sischen Rechten, &bdquo;Macroniten&ldquo;, aber auch j&uuml;dische Interessenverb&auml;nde Vortr&auml;ge in &ouml;ffentlichen Einrichtungen, besonders Universit&auml;ten, verbieten zu lassen, waren damit aber nur teilweise erfolgreich. <\/p><p>Glucksmann dagegen, Sohn des antikommunistischen &bdquo;Neuen Philosophen&ldquo; Andr&eacute; Glucksmann, bet&auml;tigte sich in rechtsliberalen, pro-amerikanischen Kreisen und stieg dann Mitte der 2000er Jahre zum f&uuml;hrenden Berater des georgischen &bdquo;Farbrevolution&auml;rs&ldquo; Micheil Saakaschwili auf. Hier war er f&uuml;hrend am wirtschaftsliberalen Umbau des Landes beteiligt. Anschlie&szlig;end unterst&uuml;tzte er die Politik des rechtskonservativen franz&ouml;sischen Staatspr&auml;sidenten Nicolas Sarkozy, bevor er sich der Sozialdemokratie zuwendete und die Partei &bdquo;Place publique&ldquo; mitgr&uuml;ndete. Glucksmann, der bereits seit 2019 Mitglied des Europaparlaments ist, stimmte dort, obwohl auf dem Papier Sozialdemokrat, in der Regel mit den Rechtsliberalen. Der &bdquo;Atlantiker&ldquo; Glucksmann bekannte sich bedingungslos zum Ukrainekrieg und lehnte eine konsequente Verurteilung des Vorgehens der israelischen Armee in Gaza ab. Viele Medien hoben ihn auch deshalb als &bdquo;moderate&ldquo; Alternative zu den &bdquo;radikalen&ldquo; Aktiven von LFI auf ihr Schild. &bdquo;Place publique&ldquo; (13,83 Prozent) und LFI (9,89 Prozent) erzielten in der Folge die st&auml;rksten Ergebnisse im linken Lager, w&auml;hrend die Gr&uuml;nen auf 5,5 Prozent zur&uuml;ckfielen und damit die 5-Prozent-H&uuml;rde, deren &Uuml;berschreitung bei den franz&ouml;sischen Europawahlen notwendig ist, um Mandate zur erhalten, nur knapp &uuml;berschritten. Die PCF erreichte gerade einmal 2,36 Prozent. <\/p><p>Gegen Glucksmanns Widerstand &ndash; der hatte sich als absoluter politischer Antipode zu LFI pr&auml;sentiert &ndash; und zur &Uuml;berraschung der &bdquo;Macroniten&ldquo; nahmen alle Linksparteien schon am Montag nach den Europawahlen Gespr&auml;che zur Bildung eines Wahlb&uuml;ndnisses auf. Ziel war in erster Linie die Aufstellung von Einheitskandidaten in allen Wahlkreisen sowie die Ausarbeitung eines Sofortprogramms mit Ma&szlig;nahmen, die bereits in der ersten Woche nach dem Wahlsieg des Linksb&uuml;ndnisses in Kraft gesetzt werden sollen. Da alle potenziellen Partner mit eingebunden werden sollten, kam man Glucksmanns Partei entgegen und beschloss, dass auch eine Linksregierung die Ukraine mit Waffenlieferungen unterst&uuml;tzen wird. Gleichzeitig soll aber ebenso eine Anerkennung eines pal&auml;stinensischen Staates sowie ein Waffenembargo erfolgen. Alle Partner fordern gemeinsam einen Waffenstillstand. <\/p><p>Diese Fragen standen bei den viert&auml;gigen Verhandlungen aber nicht im Mittelpunkt, viel eher ging es den Partnern der &bdquo;Neuen Volksfront&ldquo; darum, ein Aktionsprogramm vorzustellen, das mit dem harten angebotsorientierten Kurs des &bdquo;Macronismus&ldquo; bricht. Deshalb will man die im letzten Jahr per Dekret durchgesetzte Rentenerh&ouml;hung wieder zur&uuml;cknehmen. Au&szlig;erdem plant das NPS Preise f&uuml;r Grundnahrungsmittel und Energie einzufrieren, au&szlig;erdem sollen die Mindestl&ouml;hne deutlich steigen. Zudem sollen die Mieten eingefroren werden. Zur Gegenfinanzierung sollen die Steuern auf Verm&ouml;gen steigen.<\/p><p>Zwar gelang es durch den Druck der Stra&szlig;e, die Linke zu einem Vernunftb&uuml;ndnis zu dr&auml;ngen. Doch die Widerspr&uuml;che bleiben gewaltig. Auf der einen Seite steht die von jungen Aktivisten getragene Bewegung und Partei &bdquo;LFI&ldquo;, die im Schatten des keine Funktion mehr bekleidenden Jean-Luc M&eacute;lenchon aufgrund ihrer Bewegungsorientierung viele junge Menschen anzieht, die sich politisch engagieren wollen. Ideen der antikapitalistischen Linken sind in der Bewegung weitverbreitet und der &bdquo;Bruch mit dem bestehenden&ldquo; Wirtschaftssystem wird auch in der internen Bildungsarbeit hervorgehoben. Die kaum existenten Mitbestimmungsebenen bei LFI sorgen daf&uuml;r, dass sich die Bewegung von der Spitze her immer wieder schnell neu erfinden kann. So wurden f&uuml;r diese Wahlen viele &bdquo;nicht-wei&szlig;e&ldquo; zivilgesellschaftliche Aktivisten f&uuml;r Kandidaturen nominiert. Auch Vertreter aus dem franz&ouml;sischen Antifa-Spektrum wurden aufgestellt. <\/p><p>Demgegen&uuml;ber stehen die etablierten &bdquo;Mitte-Links&ldquo;-Parteien PS, Gr&uuml;ne und PCF, die versuchen, politische Konstellationen zu schaffen und zu nutzen, die die LFI schw&auml;chen oder sogar spalten sollen, um die alten Machtverh&auml;ltnisse in der Linken wieder herzustellen. So unterst&uuml;tzen die drei Parteien bei der kommenden Wahl offen drei nicht mehr nominierte Ex-Abgeordnete gegen die offiziell nominierten Kandidaten, die sich schon vor l&auml;ngerer Zeit in Dissidenz zur LFI-Spitze begeben haben, weil sie die Bewegung politisch in Richtung Mitte verschieben wollen. Ein Affront gegen LFI, die wiederum die Dominanz der &bdquo;alten Seilschaften&ldquo; insbesondere bei der PS beklagen, die tats&auml;chlich Fran&ccedil;ois Hollande, dessen politisches Ziehkind Macron ist, wieder ins Rennen schickt. Spannungen innerhalb der NPS sind also allgegenw&auml;rtig und vermitteln den W&auml;hlern den Eindruck, dass ein wirkliches gemeinsames Regierungshandeln nur schwer m&ouml;glich sein k&ouml;nnte.<\/p><p><strong>Das &bdquo;Rassemblement National&ldquo; muss jetzt politisch Farbe bekennen<\/strong><\/p><p>Allerdings zwingt der Waffenstillstand innerhalb der Linken auch den RN, politisch Farbe zu bekennen. Die Partei war in der Vergangenheit immer demagogisch gegen den Staat, Steuern und die Einschr&auml;nkung der individuellen Freiheit unterwegs und punktet mit ihrer offenen Fremdenfeindlichkeit gerade in der unteren Mittelschicht und bei durchschnittlich gut verdienenden Arbeiterhaushalten. Denn durch den zu gutm&uuml;tigen Sozialstaat werden, so der RN, nur Arbeitsverweigerer und Migranten alimentiert. Der Abbau des Sozialstaates und des &ouml;ffentlichen Dienstes k&ouml;nne so umverteilt werden in die Lohnt&uuml;ten der Arbeiter. In Zeiten der unsicheren wirtschaftlichen Verh&auml;ltnisse greifen diese Neiddebatten bei zahlreichen wei&szlig;en Lohnarbeitern gut. Freilich k&uuml;mmert sich der RN wenig um die &bdquo;kleinen Leute&ldquo;. <\/p><p>Tats&auml;chlich gehen Le Pen und der Rest der Kader bei den gro&szlig;en Wirtschaftsverb&auml;nden ein und aus. Keine Partei tr&auml;gt derart viele Forderungen von deren Lobbyverb&auml;nden ins Parlament. Es ist gerade der RN, der seit seinem Einzug mit 89 Abgeordneten in die Nationalversammlung jeden Antrag ablehnte, der die wirtschaftliche Besserstellung der breiten Bev&ouml;lkerung zum Ziel hatte. So lehnte der RN die Erh&ouml;hung des Mindestlohnes oder die Wiedereinf&uuml;hrung der Verm&ouml;genssteuer ab. Ebenso verhielt sich die Partei bei Abstimmungen &uuml;ber Rentenerh&ouml;hungen oder der Forderung nach bezahlbaren Mieten. Gleichzeitig stimmten die Vertreter des RN auch allen Freihandelsabkommen im EU-Parlament zu. Zwar vertritt man verbal gerne die kleinen b&auml;uerlichen Betriebe, politisch ist man aber mit den exportorientierten franz&ouml;sischen agrarischen Gro&szlig;betrieben verbunden.<\/p><p>Seit dem Wahlsieg am 9. Juni und der Bekanntgabe der kommenden Parlamentswahlen am 30. Juni und 7. Juli stolpert der RN daher von einer Peinlichkeit zur n&auml;chsten. So k&uuml;ndigte Spitzenkandidat Bardella im Falle eines Wahlsieges an, die Rentenreform des Jahres 2023 aufgrund des geringen haushaltspolitischen Spielraums nicht zur&uuml;ckzunehmen. Dann hie&szlig; es, auch eine versprochene Senkung der Mehrwertsteuer werde verschoben. Inzwischen sind die wirtschaftspolitischen Vorstellungen des RN f&uuml;r die Zeit nach den Wahlen aus dem Netz verschwunden. Erstmal wolle man an die Macht kommen und dann k&ouml;nne man die richtigen politischen Weichen stellen, hei&szlig;t es beim RN. Der antisoziale Kern der Programmatik wird jedoch durch die &bdquo;Agitationsarbeit&ldquo; der Gewerkschaften klarer. Dies d&uuml;rfte ein Grund sein, warum die Umfragewerte f&uuml;r die Partei sinken. Schon jetzt deuten au&szlig;erdem zahlreiche Indikatoren an, dass die Wahlbeteiligung Ende Juni deutlich steigen wird. Dies ist kein gutes Zeichen f&uuml;r den RN, da dies ein Ausdruck der Aktionen gegen die Partei auf den Stra&szlig;en Frankreichs ist. Eine eigene Mehrheit f&uuml;r den RN in der franz&ouml;sischen Nationalversammlung scheint so unwahrscheinlicher denn je. <\/p><p><small>Titelbild: PX Media\/shutterstock.com<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Europawahlen brachten am 9. Juni 2024 den sich seit langem abzeichnenden deutlichen Sieg der ultrarechten Partei &bdquo;Rassemblement National&ldquo; (RN). 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