{"id":117012,"date":"2024-06-21T10:00:45","date_gmt":"2024-06-21T08:00:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=117012"},"modified":"2026-01-27T11:45:33","modified_gmt":"2026-01-27T10:45:33","slug":"kriegstuechtig-sollen-immer-nur-die-anderen-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=117012","title":{"rendered":"\u201eKriegst\u00fcchtig sollen immer nur die anderen werden\u201c"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Die Zeichen der Vorbereitung auf den Krieg sind nicht zu &uuml;bersehen.&ldquo; Und: &bdquo;Klar ist, dass eine Klasse, die Krieg f&uuml;hren will, entsprechende Erz&auml;hlungen braucht, um die Bev&ouml;lkerung in den Krieg f&uuml;hren zu k&ouml;nnen&ldquo; &ndash; das sagt der Psychoanalytiker <strong>Klaus-J&uuml;rgen Bruder<\/strong> im Interview mit den NachDenkSeiten. Bruder, Jahrgang 1941, beweist in dem Interview einen scharfen Verstand und sagt, es sei fast bereits eine &bdquo;Mobilmachung&ldquo; zu beobachten: &bdquo;Die Waffenproduktion wird aufs &Auml;u&szlig;erste gepusht, das Klima der Innenpolitik wird extrem in Richtung Militarisierung versch&auml;rft, die Zivilgesellschaft auf die Aufgabe der Versorgung der Truppe vorbereitet&ldquo;, so Bruder weiter. Zum Abschluss des Interviews betont Bruder: &bdquo;Die wichtigste Waffe, die die Bev&ouml;lkerung hat, ist die Solidarit&auml;t, der Widerstand gegen die Vereinzelung.&ldquo; Von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2945\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-117012-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240621_Kriegstuechtig_sollen_immer_nur_die_anderen_werden_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240621_Kriegstuechtig_sollen_immer_nur_die_anderen_werden_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240621_Kriegstuechtig_sollen_immer_nur_die_anderen_werden_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240621_Kriegstuechtig_sollen_immer_nur_die_anderen_werden_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=117012-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240621_Kriegstuechtig_sollen_immer_nur_die_anderen_werden_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"240621_Kriegstuechtig_sollen_immer_nur_die_anderen_werden_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Marcus Kl&ouml;ckner: Das letzte Mal haben wir ein <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=64951\">Interview im September 2020<\/a> gef&uuml;hrt. Seit dieser Zeit ist viel passiert. Derzeit wird dar&uuml;ber gesprochen, dass &bdquo;wir&ldquo; wieder &bdquo;kriegst&uuml;chtig&ldquo; werden m&uuml;ssen. Was geht Ihnen dabei durch den Kopf, wenn Sie das h&ouml;ren?<\/strong><\/p><p><strong>Klaus-J&uuml;rgen Bruder:<\/strong> Das ist eine Parole, so richtig nach dem Geschmack derer, die, wie Habeck von sich sagt: &bdquo;Ich muss da nicht k&auml;mpfen und ich werde auch nicht sterben in diesem Krieg!&ldquo;[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]. &bdquo;Kriegst&uuml;chtig&ldquo; sollen immer nur die anderen werden, die Bev&ouml;lkerung, sie soll die Kartoffeln aus dem Feuer holen, den Kopf hinhalten f&uuml;r etwas, was sie gar nicht will, was aber andere wollen. Die k&uuml;mmern sich nicht um die Interessen der Bev&ouml;lkerung, bereits vor dem Krieg: Alles von der Bev&ouml;lkerung Erarbeitete wird in die R&uuml;stung und den Krieg gesteckt, alles &Uuml;brige bleibt liegen, verrottet bereits seit Jahren: die Stra&szlig;en, die Krankenh&auml;user, die gesamte Infrastruktur, die soziale Absicherung. Dieses betrifft die Interessen und W&uuml;nsche der Bev&ouml;lkerung &ndash; &bdquo;gl&uuml;cks&uuml;chtig&ldquo; hatte sie Gauck bereits vor &uuml;ber zehn Jahren beschimpft, f&uuml;r die &bdquo;schwer zu ertragen&ldquo; sei, &bdquo;dass es wieder deutsche Gefallene gibt&ldquo;.[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>]<\/p><p>Das muss der Bev&ouml;lkerung erst wieder beigebracht werden. &bdquo;Kriegst&uuml;chtig&ldquo; muss diese Bev&ouml;lkerung erst gemacht werden. Die Kommandostrukturen des Milit&auml;rs m&uuml;ssen auf die Zivilgesellschaft &uuml;bertragen, ihr aufgepresst werden. Dazu muss ein Ausnahmezustand &uuml;ber das gesellschaftliche Leben verh&auml;ngt werden. Den Vorgeschmack haben wir in den letzten vier Jahren erhalten. Wir kennen bereits die Drohung, dass &bdquo;nichts mehr so sein wird wie vorher&ldquo; von Klaus Schwab vom WEF, die Scholz zur &bdquo;Zeitenwende&ldquo; erhoben hat und mit jesuitischem Pathos verk&uuml;ndet: &bdquo;wir nehmen die Herausforderung an, vor die die Zeit uns gestellt hat &ndash; n&uuml;chtern und entschlossen&ldquo; (am 27. Februar 2022 im Bundestag).<\/p><p><strong>In den K&ouml;pfen von Politikern und nicht wenigen Journalisten scheint sich die mentale Zeitenwende zu vollziehen. Was muss da in den K&ouml;pfen vorgehen? Haben Sie eine Ahnung? Wie erkl&auml;ren Sie sich das aus Ihrem Fachgebiet und mit Ihrem Fachwissen? <\/strong><\/p><p><strong>Stellen wir uns doch mal vor, die vorherrschende Kriegspolitik k&auml;me in personifizierter Form zu Ihnen und w&uuml;rde sich auf die Couch legen. Haben Sie eine Vermutung, was dabei rauskommen w&uuml;rde?<\/strong><\/p><p>Das falsche Pathos ist n&ouml;tig und zeigt, dass sie an etwas anderes denken, als sie verk&uuml;nden, bzw. dass sie gegen besseres Wissen handeln. Der jesuitische Einpeitscher in Camus&lsquo; Roman &bdquo;Die Pest&ldquo; spielt den Schicksalsergebenen. In Wirklichkeit war die Zeitenwende schon lange da, sp&auml;testens mit dem Jugoslawien-Krieg, aber dann aktuell mit den Sanktionen, damit, dass Russland zum Feind erkl&auml;rt worden war. Die Herausforderung, vor die Scholz behauptet, gestellt worden zu sein, hat nicht die Zeit ihm gestellt, sondern Scholz, und er hat sie uns gestellt.<\/p><p>Kriege gab es schon vorher. Neu ist bei der jetzigen Kriegspropaganda, dass die Bev&ouml;lkerung st&auml;rker in die kriegerischen Aktivit&auml;ten einbezogen werden soll. Sie muss die &bdquo;Umstellungen&ldquo;, die mit der &bdquo;Zeitenwende&ldquo; gemeint sind, selbst tragen. Mit dem &bdquo;Kalten Krieg&ldquo; ist jetzt Schluss. Die &bdquo;Gl&uuml;cks&uuml;chtigkeit&ldquo; muss ein Ende haben. Jetzt geht es stramm zur Sache.<\/p><p><strong>Wie sieht es mit den Intellektuellen aus?<\/strong><\/p><p>Und die Intellektuellen? Ihre gesellschaftliche Position, ob es sich nun um Schriftsteller, Journalisten, Lehrer oder Professoren handelt, ist &bdquo;zwischen&ldquo; den Vertretern der Macht, den Herrschenden und der Bev&ouml;lkerung angesiedelt. Sie selbst neigen deshalb dazu, ihre Aufgabe als ausgleichende zwischen den Interessen der beiden Seiten zu sehen, wie Politiker sagten: die Politik &bdquo;dem Volk verst&auml;ndlich machen&ldquo;, die Bev&ouml;lkerung erwartet eher deren Kritik. Wem werden sie ihre Stimme leihen? Nach dem, wie sie sich mehrheitlich w&auml;hrend der Corona-Krise verhalten haben, n&auml;mlich gehorsam gegen&uuml;ber den Anweisungen der staatlichen Regisseure und Gehorsam fordernd, so werden sie jetzt nicht anders handeln. Sie werden das Maul halten und nach dem Habeck-Prinzip &bdquo;ich muss nicht in den Krieg&ldquo; sich selbst und ihre S&ouml;hne aushalten. Man sieht ja an den gro&szlig;spurigen Autos mit UA-Kennzeichen: Wer sich dr&uuml;ckt &ndash; wof&uuml;r wir Sympathie h&auml;tten &ndash;, muss es sich leisten k&ouml;nnen.<\/p><p><strong>Die Politik ist das eine. Das andere ist die Gesellschaft. Wir reden von der Wiedereinf&uuml;hrung der Wehrpflicht &ndash; was im Hinblick auf viele andere &Auml;u&szlig;erungen auf einen tats&auml;chlichen Kriegseinsatz hinauslaufen k&ouml;nnte. Sogar Frauen sollen eingezogen werden. Zumindest gibt es diese Vorschl&auml;ge. Mit anderen Worten: Eltern sollen ihre S&ouml;hne und T&ouml;chter dem Milit&auml;r &uuml;bergeben und k&ouml;nnen diese dann gegebenenfalls in einem Sarg abholen. Gr&ouml;&szlig;eren Widerstand gibt es aber keinen. Wie erkl&auml;ren Sie sich das?<\/strong><\/p><p>Die wichtigste Erkl&auml;rung kann die Geschichte geben. Der Widerstand gegen den Krieg &ndash; und das wissen wir seit Langem, Lafontaine hat es immer wieder zitiert: die Mehrheit des Bundestags beschlie&szlig;t, was die Mehrheit der Bev&ouml;lkerung ablehnt. Und was der Bundestag beschlie&szlig;t, hat schlie&szlig;lich eine gr&ouml;&szlig;ere Chance, realisiert zu werden, als das, was die Bev&ouml;lkerung will bzw. was sie ablehnt. Diese Geschichte reicht zur&uuml;ck bis in Zeiten, an die man sich kaum erinnern kann. Die Bev&ouml;lkerung hat ihre Lektion aus dieser Geschichte gelernt: &bdquo;Widerstand&ldquo; gegen den Willen der Politik, das haben wir in den vergangenen vier Jahren erlebt, wird mit Waffen bek&auml;mpft, die man gar nicht z&auml;hlen kann: mit Diffamierung, Verleumdung, Polizeieins&auml;tzen, vom Schlagstock &uuml;ber den Wasserwerfer bis zur Hausdurchsuchung und Einsperrung, der Verlust des Arbeitsplatzes oder der Entzug der Zulassung zur Berufsaus&uuml;bung eingeschlossen. Und das traurige, aber verst&auml;ndliche Ergebnis: Die Mehrzahl der Bev&ouml;lkerung l&auml;sst sich von dem an Einzelnen vorgef&uuml;hrten Exempel beeindrucken und macht, was die Politik von ihnen verlangt &ndash; was soll sie denn stattdessen tun? Hier ist die Verantwortung der Intellektuellen gefragt: Sie haben die Position und die Mittel, den Kriegstreibern Paroli zu bieten, Stopp zu sagen. Bisher haben sie in ihrer &uuml;berw&auml;ltigenden Mehrzahl wieder mal schm&auml;hlich versagt.<\/p><p><strong>Weitere Erkl&auml;rungsans&auml;tze?<\/strong><\/p><p>Ihre Frage verbl&uuml;fft mich! Reicht diese Erkl&auml;rung nicht aus? Aber Sie haben recht: Es gibt in der Tat andere Erkl&auml;rungsversuche. Man kann sie sogar flankierend dazu addieren. Der &bdquo;Autoritarismus&ldquo; der Mehrheit. Er wartet nicht, bis er sieht, wie die Gegner zusammengeschlagen werden, um selbst mitzumachen. Er findet das brutale Verhalten Kritikern gegen&uuml;ber vielleicht sogar &bdquo;gerechtfertigt&ldquo;. Nur: Diese Erkl&auml;rung ersetzt die vorige nicht, sie folgt vielmehr der Erfahrung, die ich als grundlegende beschrieben habe, vielleicht in anderen Zusammenh&auml;ngen: in der Schule durch den Lehrer oder die Klassenkameraden, oder zu Hause durch Vater und\/oder Mutter, oder vermittelt durch deren Erz&auml;hlungen oder die Beobachtung ihres Verhaltens anderen, vielleicht Vorgesetzten gegen&uuml;ber. Immer spielt die Geschichte, die erfahrene oder erlesene, die entscheidende Rolle &ndash; auch in der Entwicklung der &bdquo;Psyche&ldquo;, der &Auml;ngste und Hoffnungen der Menschen.<\/p><p>Man kann auch noch von einer anderen Seite her sagen: Diese Geschichte erkl&auml;rt nicht den Widerstand, erkl&auml;rt nicht, dass es trotz aller Repression und Korrumpierung noch Menschen gibt, die Widerstand leisten. Diese Menschen ziehen wohl aus der Geschichte eine andere &bdquo;Lehre&ldquo;, wenn sie in den Wind schlagen, was andere davor zur&uuml;ckschrecken l&auml;sst, Widerstand zu leisten.<\/p><p><strong>Und daf&uuml;r ist wohl nicht die Geschichte zust&auml;ndig, sondern die Psychologie?<\/strong><\/p><p>Ja und nein. Auch die Psychologie ist Teil der Geschichte, der Erfahrung, der Lehre, die jemand aus dieser Erfahrung zieht, der Perspektive, dem Plan, den jemand aus dieser Erfahrung heraus entwickelt und den er in der neuen Situation ausprobieren m&ouml;chte usw. Man k&ouml;nnte sagen, die Psyche ist sowohl Produkt der Geschichte als auch Produzent.<\/p><p><strong>Ihr Fachgebiet ist die Psychologie. Sie beobachten aber auch das politische Geschehen aus der Sicht eines kritischen Analysten. Folgt man den Erz&auml;hlungen aus den gro&szlig;en Medien, ist der Krieg in der Ukraine das Produkt von einem b&ouml;sen Putin. Eine Vorgeschichte gibt es keine. Wie sehen Sie das?<\/strong><\/p><p>Ja gewiss, das sind Erz&auml;hlungen. Und Erz&auml;hlungen, das hatte ich ja vorhin gesagt, vermitteln auch Orientierungen f&uuml;r das eigene Handeln und Denken, ebenso wie die unmittelbar erlebte Geschichte. Klar ist, dass eine Klasse, die Krieg f&uuml;hren will, entsprechende Erz&auml;hlungen braucht, um die Bev&ouml;lkerung in den Krieg f&uuml;hren zu k&ouml;nnen. Charakteristika solcher Erz&auml;hlungen sind das Schwarz-Wei&szlig;-Denken zwischen b&ouml;sem anderen und gutem eigenen Herren, das Abschneiden der Vorgeschichte, das erlaubt, die eigene Verantwortung, das eigene Handeln als blo&szlig;e Reaktion auf die Handlung des anderen, als Verteidigungskrieg darzustellen und die moralische Verurteilung des Angriffskriegs der Gegenseite zuzuschieben.<\/p><p><strong>Sie bereiten f&uuml;r das n&auml;chste Jahr einen Kongress vor, Titel: &bdquo;Krieg und Frieden \/Krieg und Kriegsvorbereitung &ndash; von einer Katastrophe in die n&auml;chste, von einem Krieg in den anderen.&ldquo; Warum planen Sie diese Veranstaltung? Halten Sie es f&uuml;r m&ouml;glich, dass es zu einem gro&szlig;en Krieg kommt?<\/strong><\/p><p>Wer sich auf den Krieg vorbereitet, der bereitet den Krieg vor. Das sehen wir in der Geschichte, in der von Historikern aufbereiteten Vergangenheit. &bdquo;Ich will Frieden, und deshalb muss ich mich f&uuml;r den Krieg vorbereiten, darf nicht unvorbereitet sein&ldquo;, das hat schon Hitler gesagt und vor ihm unz&auml;hlige andere. Aus der Geschichte lernen, auch das ist ja verboten: Wir d&uuml;rfen nicht mehr &bdquo;vergleichen&ldquo; &ndash; sicher nicht, weil die, die uns das verbieten, darin eine Gleichsetzung sehen.<\/p><p>Und: Dabei ist nicht zu vergessen, dass die Mehrzahl der Historiker die Geschichte aus der Perspektive der Herren, der herrschenden Klasse darstellen und deshalb &ndash; um auf das vorige Thema des Widerstands zur&uuml;ckzukommen &ndash; die Erfahrung eher als die Erfahrung von Niederlagen des Widerstands, Verfolgung, Ermordung, Ausl&ouml;schung aus dem Ged&auml;chtnis der V&ouml;lker anbieten, woraus die entsprechenden Schlussfolgerungen nahegelegt werden, sich nicht auf den Widerstand einzulassen.<\/p><p><strong>Woran machen Sie das denn fest? Was sind Ihre Beobachtungen?<\/strong><\/p><p>Die Zeichen der Vorbereitung auf den Krieg sind nicht zu &uuml;bersehen, es ist ja schon fast wie Mobilmachung: Die Waffenproduktion wird aufs &Auml;u&szlig;erste gepusht, das Klima der Innenpolitik wird extrem in Richtung Militarisierung versch&auml;rft, die Zivilgesellschaft auf die Aufgabe der Versorgung der Truppe vorbereitet und gleichzeitig nicht nur die Begr&uuml;ndung ununterbrochen dem Publikum eingeh&auml;mmert: &bdquo;Die Ukraine muss siegen!&ldquo;. Sie muss deshalb mit allen Mitteln unterst&uuml;tzt werden &ndash; dabei geht es doch nur darum, sie bis zum letzten zu verheizen &ndash;, &bdquo;der Russe&ldquo; bzw. &bdquo;Putin&ldquo; steuere mit allen Mitteln auf Annexion der gesamten Ukraine zu, und das nur als Aufmarschgebiet f&uuml;r die Eroberung der anschlie&szlig;enden L&auml;nder der ehemaligen Sowjetunion, dagegen muss sogar der Angriffskrieg &ndash; &bdquo;den Krieg nach Russland tragen&ldquo; &ndash; ins Auge gefasst werden. Gleichzeitig &ndash; sozusagen um die Gef&auml;hrlichkeit dieses Abenteuers wieder zu neutralisieren &ndash; wird Russland &uuml;berwiegend aus der Perspektive seiner Niederlagen vorgestellt und die Ukraine so, als reite sie von einem Sieg zum anderen.<\/p><p><strong>Gibt es weitere Hinweise, anhand derer Sie Vorbereitungen auf einen Krieg deuten k&ouml;nnen?<\/strong><\/p><p>Es k&ouml;nnte nat&uuml;rlich alles auch nur Drohgeb&auml;rde sein, mit der Kalkulation, Russland beende den Krieg, bevor es gewonnen hat, und sei dann zu weitreichenden Zugest&auml;ndnissen bereit. Allerdings sprechen die j&uuml;ngsten Zerst&ouml;rungen von Teilen des russischen Fr&uuml;hwarnsystems eine deutliche Sprache, die vermuten l&auml;sst, dass sie ihre skrupellosen Pl&auml;ne tats&auml;chlich umsetzen wollen.<\/p><p><strong>Welche Mittel gegen diese Entwicklung gibt es? Was k&ouml;nnen B&uuml;rger tun?<\/strong><\/p><p>Auf der staatlichen Ebene ist tats&auml;chlich noch nicht alles gekl&auml;rt. Ich denke an die entschiedenen Stellungnahmen der ungarischen und auch der bulgarischen Regierungschefs, zugleich auch an den Mordanschlag am slowakischen Ministerpr&auml;sidenten, der zeigt, wie zum Letzten entschieden die Kriegstreiber sind. Das k&ouml;nnte den Widerstand der Bev&ouml;lkerung st&auml;rken und auch den Ernst der Lage klarmachen. Auch die aufsehenerregenden Ver&ouml;ffentlichungen sowohl der Folgen der Corona-Ma&szlig;nahmenpolitik als auch der skrupellosen Durchsetzung k&ouml;nnten diesen Widerstand zus&auml;tzlich unterst&uuml;tzen. Die wichtigste Waffe, die die Bev&ouml;lkerung hat, ist die Solidarit&auml;t, der Widerstand gegen die Vereinzelung, die in der neoliberalen Zuspitzung eigentlich den H&ouml;hepunkt der Entfremdung erreicht hatte, wie man meinen sollte, der aber noch mal getoppt wurde durch die Corona-Politik und vor allem durch die Abstandsregel, die den anderen zum potenziellen Gef&auml;hrder, also zum Feind gemacht hatte. Lernen wir doch lieber von der Frauenbewegung: &bdquo;gemeinsam sind wir unertr&auml;glich!&ldquo;<\/p><p><small>Titelbild: Screenshot KenFM<\/small><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] bei &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=lAXtlZRglbA\">Maischberger<\/a>&ldquo;, 26. Februar 2022<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Bundespr&auml;sident <em>Gauck<\/em> am 12. Juni 2012 in der F&uuml;hrungsakademie der Bundeswehr in Hamburg. <\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Die Zeichen der Vorbereitung auf den Krieg sind nicht zu &uuml;bersehen.&ldquo; Und: &bdquo;Klar ist, dass eine Klasse, die Krieg f&uuml;hren will, entsprechende Erz&auml;hlungen braucht, um die Bev&ouml;lkerung in den Krieg f&uuml;hren zu k&ouml;nnen&ldquo; &ndash; das sagt der Psychoanalytiker <strong>Klaus-J&uuml;rgen Bruder<\/strong> im Interview mit den NachDenkSeiten. Bruder, Jahrgang 1941, beweist in dem Interview einen scharfen Verstand<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=117012\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":64952,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,107,126,209,11],"tags":[3293,2952,3260,2301,893,3287,3321,1509],"class_list":["post-117012","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-erosion-der-demokratie","category-interviews","category-strategien-der-meinungsmache","tag-bellizismus","tag-bruder-klaus-juergen","tag-feindbild","tag-konfrontationspolitik","tag-militarisierung","tag-mobilmachung","tag-zeitenwende","tag-ziviler-ungehorsam"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/bruder.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/117012","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=117012"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/117012\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":117090,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/117012\/revisions\/117090"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/64952"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=117012"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=117012"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=117012"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}