{"id":117425,"date":"2024-07-01T10:26:38","date_gmt":"2024-07-01T08:26:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=117425"},"modified":"2024-07-01T10:45:12","modified_gmt":"2024-07-01T08:45:12","slug":"der-kreuzzug-des-westens-gegen-das-reich-des-boesen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=117425","title":{"rendered":"Der Kreuzzug des Westens gegen das Reich des B\u00f6sen &#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Der Krieg des Westens gegen Russland hat den Charakter eines Kreuzzuges. Es existiert eine westliche Verschw&ouml;rungstheorie, wonach es beim unbedingt n&ouml;tigen Sieg &uuml;ber Russland um die Verteidigung der heiligen Werte des &bdquo;Wertewestens&ldquo; geht, um einen Entscheidungskampf f&uuml;r die &bdquo;regelbasierte Weltordnung&ldquo;. Die Vormachtstellung der westlichen Welt im Rahmen einer unipolaren Ordnung darf nicht fallen. Denn siege Putin, w&uuml;rde damit angeblich die gesamte westliche Gesellschaftsordnung f&uuml;r immer infrage gestellt oder gar zusammenbrechen. Das wollen uns diese Ideologen glauben machen, um die Mehrheit der Europ&auml;er und US-Amerikaner als neuzeitliche Kreuzritter mit ins Boot zu holen. So manipulieren sie uns, um die steuerfinanzierten R&uuml;stungsausgaben zu rechtfertigen, die daf&uuml;r beim Erhalt des Sozialstaats, dem massiv unterfinanzierten Bildungssektor und der &ouml;kologischen Transformation fehlen. Von <strong>Wolfgang Herzberg<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nIn Wirklichkeit geht es in diesem Krieg, wie bei den Kreuzz&uuml;gen im Mittelalter, um einen imperialen Machtkampf &ndash; diesmal jedoch nicht der feudalen Klassen Europas, sondern es geht den b&uuml;rgerlich-kapitalistischen Klassen des Westens darum, ihren Markzugang und damit ihre politische Macht massiv zu erweitern, um an die wirtschaftlichen Ressourcen der Ukraine und m&ouml;glichst auch Russlands heranzukommen. Dazu soll m&ouml;glichst durch einen dauerhaften Abnutzungskrieg ein Regimewechsel in Russland erreicht werden. Diesen &bdquo;Sieg&ldquo; ben&ouml;tigen sie auch, um ihre krisengesch&uuml;ttelten innenpolitischen Verh&auml;ltnisse zu stabilisieren, wie sie etwa in den USA, in England, Frankreich und Deutschland und in vielen anderen westlichen L&auml;ndern zu beobachten sind.<\/p><p>Wie durchsichtig diese Verschw&ouml;rungstheorie ist, l&auml;sst sich unter anderem mit folgenden Punkten relativ leicht entlarven:<\/p><ol>\n<li>Wenn Putin tats&auml;chlich ein so m&auml;chtiger Mann w&auml;re, wie er aus den genannten ideologischen Gr&uuml;nden d&auml;monisiert wird, h&auml;tte er nach &uuml;ber zwei Jahren Krieg die Ukraine l&auml;ngst &uuml;berrannt, Kiew besetzt und das Selenskyj-Regime entmachtet. Aber es geht ihm offenbar um die Ostukraine und die Krim, wo &uuml;berwiegend russischsprechende Bev&ouml;lkerung lebt, die gegen eine radikale Separierung von Russland war und ist. Es geht ihm auch um eine Sicherheitszone Russlands gegen&uuml;ber dem De-facto-NATO-Mitglied Ukraine, das eine friedliche Koexistenz mit Russland durch westliche Intervention beim Staatsstreich von 2014 radikal ausgeschlagen hat und seit 2014 auf den prorussischen Teil der Bev&ouml;lkerung schoss &ndash; und dabei Abertausende Zivilisten t&ouml;tete.<\/li>\n<li>Die D&auml;monisierung der angeblichen Macht Russlands besteht zudem darin, dass inzwischen 32 NATO-Mitglieder mit &uuml;ber einer Billion US-Dollar Milit&auml;rausgaben j&auml;hrlich ca. zehnmal so viele Mittel ausgeben wie das viel schw&auml;chere Russland, das auch wirtschaftlich l&auml;ngst nicht so entwickelt ist wie ein Gro&szlig;teil der NATO-L&auml;nder.<\/li>\n<li>Die Unterst&uuml;tzung der ukrainischen Machthaber hat dazu gef&uuml;hrt, dass die Ukrainer mittlerweile vollst&auml;ndig von den Geldzuweisungen und Krediten des Westens und seiner Milit&auml;rmacht abh&auml;ngig sind &ndash; also alternativlos an dessen Tropf h&auml;ngen, und zwar auf unabsehbare Zeiten.<\/li>\n<li>Die Unterst&uuml;tzung der gewaltsamen Separierung der Ukraine von Russland, obwohl beide L&auml;nder eine &uuml;ber 1.000-j&auml;hrige, multiethnische gemeinsame Geschichte verf&uuml;gten, widerspricht fundamental dem Geist und den Buchstaben der UN-Charta.<\/li>\n<li>Das aber war seit jeher die Strategie der USA und ihrer Verb&uuml;ndeten, wie es etwa die Truman-Doktrin 1947 formulierte: &bdquo;Die freien und unabh&auml;ngigen Staaten rechnen auf unsere Unterst&uuml;tzung. Wenn wir in dieser F&uuml;hrungsrolle zaudern, gef&auml;hrden wir den Frieden der Welt und schaden der Wohlfahrt unserer eigenen Nation.&ldquo; Doch das genaue Gegenteil war und ist der Fall.<\/li>\n<li>Die westliche Ideologie unterliegt, von kapitalistischen Interessen geleitet, damit einer vollst&auml;ndigen politischen Fehleinsch&auml;tzung des Entwicklungsweges Russlands und auch Chinas sowie dem Rest des sogenannten Globalen S&uuml;dens: Diese L&auml;nder wollen aufgrund ihrer relativen &ouml;konomischen R&uuml;ckst&auml;ndigkeit gegen&uuml;ber dem Westen, der einen Gro&szlig;teil dieser L&auml;nder jahrhundertelang blutig kolonialisiert hat, eine eigenst&auml;ndige Gesellschaftsstrategie entwickeln, weil sie sich damit gegen den Wirtschaftsliberalismus des Westens wehren, der in diesen L&auml;ndern seit jeher prim&auml;r nur Bodensch&auml;tze und Arbeitskr&auml;fte ausgebeutet hat.<\/li>\n<li>W&auml;hrend es diesen L&auml;ndern heute darum geht, die Arbeits- und Lebensbedingungen f&uuml;r ihre eigenen Bev&ouml;lkerungen so rasch wie m&ouml;glich zu verbessern und dabei zu vermeiden, dass die globale Spaltung zwischen Arm und Reich &ndash; wie in den westlichen L&auml;ndern durch deren angeblich liberale Innen- und Au&szlig;enpolitik &ndash; immer weiter auseinanderdriftet, ist der Westen in erster Linie nur an der weiteren Profitmaximierung f&uuml;r seine wohlhabenden Minderheiten interessiert.<\/li>\n<\/ol><p>Anstatt durch eine Politik der friedlichen Koexistenz, d.h. durch politische, wirtschaftliche und kulturelle Ann&auml;herung aller Nationen, den gegenseitigen progressiven sozialen Wandel zu bef&ouml;rdern, ist der &uuml;berhebliche Westen auf dem alten Holzweg, dem Rest der Welt sein angeblich demokratisches Gesellschaftssystem als das einzig m&ouml;gliche aufzuzwingen. Das ist im Kern eine Politik des Kreuzzuges im Interesse &bdquo;westlicher Werte&ldquo;, die zum Scheitern verurteilt ist, ja das Risiko birgt, in einem dritten Weltkrieg mit Atomwaffen zu m&uuml;nden. Aber das ist das Hauptmotiv, warum der Westen und das von ihm abh&auml;ngige Selenskyj-Regime nicht an einem Waffenstillstand und Friedensverhandlungen interessiert sind. Denn es geht ihnen darum, in einer vermeintlichen Systemkonfrontation ihre bisherige Weltvormachtstellung zu bewahren und auszubauen und zu verhindern, dass Russlands und Chinas Weg hin zu einer multipolaren Welt Schule macht.<\/p><p><small>Titelbild: Shutterstock \/ IrenaR<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Krieg des Westens gegen Russland hat den Charakter eines Kreuzzuges. 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