{"id":11745,"date":"2012-01-03T08:48:22","date_gmt":"2012-01-03T07:48:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11745"},"modified":"2016-05-11T11:14:37","modified_gmt":"2016-05-11T09:14:37","slug":"christian-wulff-das-versteckspiel-ist-zu-ende","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11745","title":{"rendered":"Christian Wulff \u2013 Das Versteckspiel ist zu Ende"},"content":{"rendered":"<p>Christian Wulff hat sich als einsichts- und lernunf&auml;higer Fortsetzungst&auml;ter amtsunangemessener gesch&auml;ftlicher Verbindungen erwiesen. Er hat sein Fehlverhalten notorisch vertuscht. Der Bundespr&auml;sident hat sich als neben dem Bundesverfassungsgericht oberster H&uuml;ter der Verfassung unglaubw&uuml;rdig gemacht. Wie sollte er jemals wieder ein Vorbild f&uuml;r Sauberkeit und Transparenz in der Politik sein k&ouml;nnen? Wie sollte er jemals wieder glaubw&uuml;rdig gegen unsaubere Bankgesch&auml;fte zu Felde ziehen k&ouml;nnen? Wie sollte man ihm, wenn er die Werte der Verfassung verteidigt, noch abnehmen k&ouml;nnen, dass er nicht nur heuchelt? Es geht nicht mehr um die W&uuml;rde des Bundespr&auml;sidenten, er hat dieses Amt herabgew&uuml;rdigt. Nach Wulff kann man eigentlich das Amt des Bundespr&auml;sidenten nur noch abschaffen und es auf den Bundesratspr&auml;sidenten &uuml;bertragen. Von Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><\/p><p>Das einzige was man Christian Wulff nicht vorwerfen kann: Er ahnte von Anfang an, dass ein privater Kredit von einem Freund ein schlechtes Licht auf einen Politiker in Amt und W&uuml;rden wirft. Diese Ahnung kam ihm sp&auml;testens als er als Ministerpr&auml;sident des Landes Niedersachsen im Jahre 2010 im Landtag gefragt wurde, ob er mit Egon Geerkens, in dessen Anwesen er im Dezember 2009 <a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/wulff638.html\">in Florida urlaubte<\/a>, gesch&auml;ftliche Beziehungen unterhalte und als er auf diese Frage mit einer Halbwahrheit antwortete. Indem er n&auml;mlich verschwieg, dass er einen Kredit von Frau Geerkens erhalten hatte, obwohl er wusste, dass dies nicht ohne Zutun von deren Ehemann geschah. <\/p><p>H&auml;tte er damals die ganze Wahrheit gesagt und h&auml;tte er den privaten Kredit schon danach in ein &uuml;bliches Hypothekendarlehen umgewandelt, dann h&auml;tte es vielleicht einen kleinen Sturm im Wasserglas gegeben, aber die Angelegenheit w&auml;re nach wenigen Tagen in Vergessenheit geraten. <\/p><p>Doch offenbar &ndash; typisch f&uuml;r Wulff &ndash; meinte er die Kreditangelegenheit &bdquo;unter dem Teppich&ldquo; halten zu k&ouml;nnen. Ja noch schlimmer, er hat nicht einmal aus diesem Fehlverhalten gelernt, sondern er urlaubte weiter &ndash; sogar noch als Bundespr&auml;sident &ndash; in den Villen seines anderen Unternehmerfreundes Maschmeyer und lie&szlig; sich von Freund Geerkens ein f&uuml;r einen Privatkunden seiner Bonit&auml;t un&uuml;bliches Geldmarktdarlehen bei der BW-Bank einf&auml;deln. Und als auch dieser Vorzugskredit aufflog und erst einen Tag bevor er mit einer &ouml;ffentlichen Erkl&auml;rung eine <a href=\"\/?p=11660\">wachsweiche Entschuldigung<\/a> f&uuml;r seine &bdquo;irritierende&ldquo; Finanzierung seines Wohnhauses abgab, unterschrieb er die Umwandlung dieses zinsg&uuml;nstigen Sonderdarlehens in ein langfristiges Bankdarlehen, dessen Laufzeit aber noch nicht einmal begonnen hatte.<\/p><p>Diese Kreditgeschichten haben einen &auml;u&szlig;erst unangenehmen Beigeschmack, aber Wulff h&auml;tte sie vermutlich durchstehen k&ouml;nnen, wenn er die Karten auf den Tisch gelegt und sich nicht eine Karte nach der anderen h&auml;tte aus der Hand zerren lassen m&uuml;ssen. <\/p><p>Warum hat er z.B. in seiner Erkl&auml;rung vom 15. Dezember gesagt &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.bundespraesident.de\/SharedDocs\/Pressemitteilungen\/DE\/2011\/12\/111215-Erklaerung.html?\">inzwischen habe ich das Geldmarktdarlehen in ein langfristiges Bankdarlehen festgeschrieben<\/a>&ldquo; Warum sagte er nicht wahrheitsgem&auml;&szlig;, &bdquo;ich gedenke&ldquo; eine solche Umschuldung vorzunehmen? <\/p><p>Am 22. Dezember erkl&auml;rt Wulff: &bdquo;Ich sage aber auch deutlich,  zu keinem Zeitpunkt habe ich in einem meiner &ouml;ffentlichen &Auml;mter jemandem einen <a href=\"http:\/\/www.focus.de\/politik\/deutschland\/die-erklaerung-von-christian-wulff-im-wortlaut-das-war-nicht-gradlinig-und-es-tut-mir-leid_aid_696705.html\">unberechtigten Vorteil gew&auml;hrt.<\/a>&ldquo;<br>\nWarum r&auml;umt er nicht einfach ein, dass er in seinem Amt als Ministerpr&auml;sident und dann auch noch als Bundespr&auml;sident mit den Krediten einen Vorteil empfangen hat, den er nicht h&auml;tte empfangen sollen. <\/p><p>Viel schlimmer als der reine Sachverhalt als solcher ist also das Verhalten der Person. Von Anfang an wissend, dass man solche anr&uuml;chigen Gesch&auml;fte in exponierter Position nicht macht, machte Wulff damit weiter. Und er versucht weiter, zu vertuschen oder bestenfalls nicht mehr bestreitbare Tatsachen einzur&auml;umen. Er war bei den nicht &bdquo;richtigen&ldquo; Gesch&auml;ften Fortsetzungsst&auml;ter und er verhielt sich danach wie ein notorischer Vertuscher. <\/p><p>Gleichfalls am 22. Dezember erkl&auml;rte Wulff: &bdquo;Ich wei&szlig; und finde es richtig, dass die Presse- und Informationsfreiheit ein hohes Gut ist in unserer freiheitlichen Gesellschaft.&ldquo; Aber vorher am 12. Dezember &ndash; einen Tag vor der Ver&ouml;ffentlichung der Kreditangelegenheit in der BILD-Zeitung &ndash; war ihm dieses hohe Gut nichts wert: Er intervenierte offenbar massiv beim Chefredakteur Kai Diekmann und wollte die Presseberichterstattung &uuml;ber seinen Fall mit aller Macht verhindern. Und angeblich versuchte er auch noch &uuml;ber den Vorstandsvorsitzenden der Axel Springer AG, Mathias D&ouml;pfner, ja sogar bis hin zur Matriarchin Friede Springer seine Amtsautorit&auml;t zur Wahrung seines pers&ouml;nlichen Rufs einzusetzen.<\/p><p>Solche Interventionen sind durchaus nicht ungew&ouml;hnlich. &Uuml;blicherweise schicken die Politiker ihre Pressesprecher\/innen vor, um unliebsame Berichterstattung aus der Welt zu schaffen. Aber nicht selten schalten sie sich auch selber ein. Insofern ist die moralische Emp&ouml;rung der Journalisten ziemlich gespielt. Wulff hatte gewiss auch schon l&auml;ngst vorher seinen nunmehr entlassenen Pressesprecher vorgeschickt. Wie man jedoch derart die Nerven verlieren kann, dass man dem Chefredakteur der BILD-Zeitung auch noch seine Drohungen und Beschimpfungen auf den Anrufbeantworter sprechen kann, das belegt nur, dass sich auch Wulff selbst als mit dem R&uuml;cken zur Wand stehend sieht.<\/p><p>Es ist schon Armutszeugnis f&uuml;r unsere demokratische Kultur genug, wenn der neben dem Bundesverfassungsgericht oberste H&uuml;ter der Verfassung, n&auml;mlich der Bundespr&auml;sident, die grundgesetzlich garantierte Berichterstattungsfreiheit pers&ouml;nlich zu unterbinden versucht. Den Versuch eines Eingriffs in die Pressefreiheit aber dann auch noch auf einem Anrufbeantworter als Tondokument zu hinterlassen, ist nicht nur ein Beleg daf&uuml;r, wie unsere h&ouml;chsten Repr&auml;sentanten des Staates und der Politik meinen, mit den Medien umspringen zu k&ouml;nnen, sondern ein solches Verhalten ist dar&uuml;ber hinaus nur noch abgrundtief t&ouml;richt. Denn dass ein solch gefundenes Fressen, wie ein Tondokument &uuml;ber den Versuch einer Verhinderung einer Berichterstattung durch einen Bundespr&auml;sidenten nicht <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/kultur\/gesellschaft\/0,1518,806751,00.html\">an die &Ouml;ffentlichkeit gelangen w&uuml;rde<\/a>, konnte Wulff wohl selbst nicht glauben &ndash; bei allem Wohlwollen, das er einstmals bei der BILD-Zeitung besa&szlig;. <\/p><p>Christian Wulff war es eine Zeit lang gelungen, bei seiner &ouml;ffentlichen Selbstdarstellung die moralische Messlatte so hoch zu legen, dass er m&uuml;helos darunter durchlaufen konnte. Jetzt hat die &Ouml;ffentlichkeit diese T&auml;uschung durchschaut. <\/p><p>Selbst wenn ihm jetzt die Kanzlerin nochmals das &bdquo;vollste&ldquo; Vertrauen ausspricht, dann wird jedem klar, dass er nicht &bdquo;unser&ldquo; Staatsoberhaupt sondern nur von Merkels Gnaden ist. <\/p><p>Nach Wulff, der au&szlig;er bunten Bildern mit seiner Frau keinen origin&auml;ren Beitrag geleistet hat, kann man das Amt des Bundespr&auml;sidenten eigentlich nur noch abschaffen und es dem jeweiligen Bundesratspr&auml;sidenten &uuml;bertragen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christian Wulff hat sich als einsichts- und lernunf&auml;higer Fortsetzungst&auml;ter amtsunangemessener gesch&auml;ftlicher Verbindungen erwiesen. Er hat sein Fehlverhalten notorisch vertuscht. Der Bundespr&auml;sident hat sich als neben dem Bundesverfassungsgericht oberster H&uuml;ter der Verfassung unglaubw&uuml;rdig gemacht. Wie sollte er jemals wieder ein Vorbild f&uuml;r Sauberkeit und Transparenz in der Politik sein k&ouml;nnen? Wie sollte er jemals wieder glaubw&uuml;rdig<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11745\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[96,127,161],"tags":[459,344,271,752],"class_list":["post-11745","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bundespraesident","category-lobbyismus-und-politische-korruption","category-wertedebatte","tag-bild","tag-maschmeyer-carsten","tag-springer","tag-wulff-christian"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11745","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=11745"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11745\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11747,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11745\/revisions\/11747"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=11745"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=11745"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=11745"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}