{"id":117606,"date":"2024-07-05T09:00:30","date_gmt":"2024-07-05T07:00:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=117606"},"modified":"2024-07-05T16:34:20","modified_gmt":"2024-07-05T14:34:20","slug":"reden-vom-krieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=117606","title":{"rendered":"Reden vom Krieg"},"content":{"rendered":"<p>Wird es Krieg gegen den Libanon geben? Israel will das Land &bdquo;in die Steinzeit&ldquo; zur&uuml;ckbomben. Die Hisbollah will keinen Krieg, sondern Waffenstillstand in Gaza. Die USA und die NATO-L&auml;nder senden widerspr&uuml;chliche Signale aus. Von <strong>Karin Leukefeld<\/strong> (Beirut).<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9729\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-117606-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240705-Reden-vom-Krieg-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240705-Reden-vom-Krieg-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240705-Reden-vom-Krieg-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240705-Reden-vom-Krieg-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=117606-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240705-Reden-vom-Krieg-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"240705-Reden-vom-Krieg-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Die Libanesen r&auml;tseln, ob Israel den Angriff auf ihre Heimat wagen wird und ob man den USA vertrauen kann, wenn deren Abgesandte sagen, man wolle Israel von dem Krieg abhalten. In Washington lautete vor wenigen Tagen die Botschaft des Pentagons an den israelischen Verteidigungsminister Yoav Gallant, dass ein erneuter Krieg zwischen Israel und der Hisbollah &bdquo;leicht ein regionaler Krieg werden&ldquo; k&ouml;nne, &bdquo;mit schrecklichen Auswirkungen f&uuml;r den Mittleren Osten.&ldquo;<\/p><p>Gleichzeitig sendet die US-Marine drei Amphibienboote vor die K&uuml;ste des Libanon ins &ouml;stliche Mittelmeer. Die Schiffe, die an Land fahren k&ouml;nnen, sind Teil des 24. Expeditionskorps der Marine, dem rund 2.200 US-Marines und Matrosen angeh&ouml;ren. Die meisten von ihnen sind an Bord der USS &bdquo;Wasp&ldquo;, einem amphibischen Kriegsschiff, untergebracht, das u.a. gro&szlig;e Mengen an Waffen, Munition und Hubschrauber mit sich f&uuml;hrt.<\/p><p>Was offiziell <a href=\"https:\/\/www.al-monitor.com\/originals\/2024\/06\/why-us-deploying-marines-east-med-amid-israel-hezbollah-tension#ixzz8ecQpNB4b\">&bdquo;Teil einer geplanten Rotation&ldquo;<\/a> sein soll, kann auch einer m&ouml;glichen Evakuierung von rund 86.000 Personen mit US- oder US-\/libanesischer Staatsangeh&ouml;rigkeit dienen, die nach Sch&auml;tzung der US-Botschaft im Libanon leben und die im Fall eines israelischen Angriffs auf den Libanon in Sicherheit gebracht werden sollen. Pl&auml;ne daf&uuml;r liegen Medienberichten zufolge nicht nur im Pentagon, sondern auch bei anderen NATO-L&auml;ndern bereit. Kanada bereitet Berichten zufolge die Evakuierung von 20.000 Personen mit kanadischer bzw. kanadisch-libanesischer Staatsangeh&ouml;rigkeit vor. Gro&szlig;britannien, Frankreich, Deutschland und andere EU-Staaten haben deutsche Staatsangeh&ouml;rige wiederholt aufgefordert, nicht in den Libanon zu reisen oder das Land umgehend zu verlassen.<\/p><p>Westliche Medien zitieren aktuell US-amerikanische Geheimdienstkreise, die einen Krieg Israels gegen den Libanon in wenigen Tagen bis wenigen Wochen f&uuml;r m&ouml;glich halten. Der israelische Kriegsminister Yoav Gallant, der sich k&uuml;rzlich in Washington aufhielt, warb bei der USA-F&uuml;hrung um Unterst&uuml;tzung f&uuml;r diesen Krieg. Offiziell winkten die Milit&auml;rs und auch Pentagon-Chef Lloyd Austin ab und erkl&auml;rten, es m&uuml;sse eine Verhandlungsl&ouml;sung im Gazakrieg geben, um einen Krieg gegen den Libanon zu vermeiden.<\/p><p>Das Spiel mit dem Feuer wird vom israelischen Ministerpr&auml;sidenten Benjamin Netanyahu aktuell weiter eskaliert. T&auml;glich werden Wohnh&auml;user, Fahrzeuge, landwirtschaftliche Gebiete im S&uuml;dlibanon attackiert, jeden Tag sterben Angeh&ouml;rige der Hisbollah und anderer Kampfverb&auml;nde, jeden Tag sterben Zivilisten. Die libanesische Hisbollah hat angek&uuml;ndigt, man wolle keinen Krieg, werde aber im Fall eines israelischen Angriffs auf den Libanon <a href=\"https:\/\/english.almanar.com.lb\/2135927\">&bdquo;ohne Regeln und ohne Obergrenze&ldquo;<\/a> den Krieg nach Israel tragen. Es werde dann keinen sicheren Ort in Israel geben.<\/p><p>Der Druck auf die Hisbollah und den Libanon, die milit&auml;rischen Angriffe auf Israel einzustellen und sich hinter den Litani-Fluss zur&uuml;ckzuziehen, erh&ouml;ht sich t&auml;glich. Ein genauer Blick macht allerdings deutlich, dass die Angriffe Israels gegen den Libanon deutlich mehr sind als die der Hisbollah auf Israel.<\/p><p>In der Zeit vom 7. Oktober 2023 bis 21. Juni 2024 haben sich entlang der &bdquo;Blauen Linie&ldquo; zwischen dem S&uuml;dlibanon und Israel &ndash; aus libanesischer und pal&auml;stinensischer Sicht der &bdquo;besetzte Norden Pal&auml;stinas&ldquo; &ndash; nach einer <a href=\"https:\/\/www.aljazeera.com\/news\/2024\/6\/27\/mapping-7400-cross-border-attacks-between-israel-and-lebanon\">Dokumentation des <em>Armed Conflict Location and Event Data Project<\/em> (ACLED)<\/a> mindestens 7.400 Angriffe ereignet. 83 Prozent dieser Angriffe wurden von Israel ver&uuml;bt, insgesamt 6.142. Dabei wurden mindestens 543 Personen im Libanon get&ouml;tet. Hisbollah und andere bewaffnete Gruppen seien demnach f&uuml;r 1.258 Angriffe verantwortlich, bei denen mindestens 21 Israelis get&ouml;tet worden seien.<\/p><p>Scheich Naim Qassem, stellvertretender Generalsekret&auml;r der Hisbollah, betonte in einem AP-Interview vom 2. Juli 2024, von Seiten der Hisbollah werde der Kampf an der libanesischen Grenze beendet sein, sobald ein vollst&auml;ndiger Waffenstillstand in Gaza erreicht sei. Der Kampf an der Grenze diene der Unterst&uuml;tzung des pal&auml;stinensischen Volkes gegen die zionistische Aggression gegen den Gazastreifen. &bdquo;Wenn es einen Waffenstillstand in Gaza gibt, werden wir ohne eine Diskussion aufh&ouml;ren&ldquo; (zu feuern, KL), so Qassem. Sollte Israel allerdings in einer angek&uuml;ndigten &bdquo;3. Phase&ldquo; den Angriff auf den Gazastreifen in anderer Form fortsetzen und den Gazastreifen nicht verlassen, sei unklar, wie sich die Situation im S&uuml;dlibanon entwickeln werde. Man wisse nicht, was geschehe, aber bis diese &bdquo;&Uuml;bergangsphase beginnt, kann ich mir nicht vorstellen, dass es Bedingungen f&uuml;r einen Krieg gibt&ldquo;, sagte Qassem. &bdquo;Wir wollen keinen Krieg. Und es sieht aus, dass die andere Seite, die israelische Entit&auml;t, weder die F&auml;higkeit hat (zum Krieg, KL) noch die Entscheidung daf&uuml;r getroffen hat.&ldquo; (Quellen: <a href=\"https:\/\/youtu.be\/mpEJng33_XE\">youtube<\/a> , <a href=\"https:\/\/www.stripes.com\/theaters\/middle_east\/2024-07-02\/hezbollah-stop-fighting-israel-gaza-cease-fire-14369460.html\">stripes.com<\/a>)<\/p><p><strong>Bundesnachrichtendienst redet mit Hisbollah<\/strong><\/p><p>Scheich Naim Qassem &auml;u&szlig;erte sich, nachdem Anfang der Woche bekannt geworden war, dass eine Delegation des deutschen Bundesnachrichtendienstes BND mit der Hisbollah in Beirut das Gespr&auml;ch gesucht hatte. Die libanesische Tageszeitung <em>Al Akhbar<\/em> hatte am Montag <a href=\"https:\/\/al-akhbar.com\/Politics\/383863\">berichtet<\/a>, der Vizepr&auml;sident des BND, Ole Diehl, sei nach einem ersten Gespr&auml;ch mit Scheich Naim Qassem im Januar 2024 Ende letzter Woche zu einem erneuten Treffen mit der Nummer 2 der Hisbollah nach Beirut zur&uuml;ckgekehrt. Die Delegation sei nach Berlin zur&uuml;ckgekehrt, offizielle libanesische Politiker habe Diehl nicht getroffen. Der Aufenthalt der BND-Delegation in Beirut habe &bdquo;einige Stunden&ldquo; gedauert.<\/p><p><em>Al Akhbar<\/em> berichtete, &bdquo;Quellen, die &uuml;ber das Treffen zwischen Diehl und Qassem&ldquo; informiert worden seien, h&auml;tten von einer &bdquo;positiven Atmosph&auml;re&ldquo; gesprochen. Auch der Leiter der BND-Residentur in Beirut habe an der Besprechung teilgenommen. Eine offizielle geheimdienstliche Niederlassung in einem anderen Land, eine Residentur, ist in die jeweilige Botschaft integriert. Man habe sich &uuml;ber die jeweiligen Einsch&auml;tzungen der aktuellen Ereignisse in Gaza und im S&uuml;dlibanon ausgetauscht, so <em>Al Akhbar<\/em>. Anders als westliche Botschafter gegen&uuml;ber libanesischen Offiziellen habe Diehl &bdquo;keine Drohungen&ldquo; vorgebracht. Er habe vielmehr direkt kl&auml;ren wollen, was Au&szlig;enministerin Baerbock bei ihrem Kurzbesuch in Beirut (26. Juni 2024) begonnen habe, um den Ausbruch eines gro&szlig;en Krieges im S&uuml;dlibanon zu verhindern. Diehl habe &bdquo;Al Wasta&ldquo; benutzt, &bdquo;direkte pers&ouml;nliche Beziehungen&ldquo;.<\/p><p>Die deutsche Delegation, so <em>Al Akhbar<\/em>, habe die Interessen Israels dargestellt, seine Inlandsvertriebenen aus dem Norden &bdquo;des besetzten Pal&auml;stinas&ldquo;, die &bdquo;Siedler&ldquo; (<em>Al Akhbar<\/em>) zur&uuml;ckzubringen. Qassem habe wiederholt, was er bereits im ersten Gespr&auml;ch mit Diehl gesagt habe. Danach sei ein Waffenstillstand im S&uuml;dlibanon verkn&uuml;pft mit einem Waffenstilland in Gaza, der vom pal&auml;stinensischen Widerstand akzeptiert werde. Westliche L&auml;nder, die den Ausbruch eines gro&szlig;en Krieges bef&uuml;rchteten, sollten Druck auf Israel aus&uuml;ben, um den Krieg in Gaza zu stoppen. Das Bestreben der Deutschen, direkt zu kommunizieren, um einen totalen Krieg zu vermeiden, zeige, &bdquo;dass sich die westlichen L&auml;nder der F&auml;higkeiten des Widerstandes (Hisbollah, KL) in der Konfrontation bewusst&ldquo; seien, so <em>Al Akhbar<\/em>.<\/p><p><strong>BND: Kein Kommentar<\/strong><\/p><p>Die <em>Deutsche Presseagentur (dpa)<\/em> berichtete, auf Nachfrage habe der BND erkl&auml;rt, &bdquo;man nehme zu Angelegenheiten, die etwaige nachrichtendienstliche Erkenntnisse oder T&auml;tigkeiten betreffen, grunds&auml;tzlich nicht &ouml;ffentlich Stellung. Darunter fielen auch angebliche Dienstreisen der Leitung.&ldquo; Damit werde &bdquo;keine Aussage getroffen, ob der Sachverhalt zutreffend ist oder nicht&ldquo;.<\/p><p>Die Bundesregierung hat offenbar fr&uuml;here Kontakte des deutschen Bundesnachrichtendienstes reaktiviert, um mit der Hisbollah zu kommunizieren. Anfang der 2000er-Jahre hatte der BND &ndash; u.a. in Person des langj&auml;hrigen BND-Mitarbeiters <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/conrad-bnd-zeitzeugen-100.html\">Gerhard Conrad<\/a> &ndash; zwischen Israel und der Hisbollah und zwischen Israel und der Hamas Geisel- und Gefangenenaustausch vermittelt.<\/p><p><strong>&bdquo;Wird es Krieg geben?&ldquo;<\/strong><\/p><p>Bei Gespr&auml;chen in Beirut wird der Autorin immer wieder diese Frage gestellt. Ob im Pressezentrum, in Caf&eacute;s oder in Mar Elias, einem der &auml;ltesten pal&auml;stinensischen Fl&uuml;chtlingslager im Zentrum der Stadt, steht die israelische Drohung, den Libanon &bdquo;in die Steinzeit zu bomben&ldquo;, bei politischen Gespr&auml;chen im Vordergrund.<\/p><p>Ein Presseteam des US-amerikanischen Senders <em>CNN<\/em> verhandelt eine Verl&auml;ngerung seiner Akkreditierung. Der Krieg in der Region hat noch immer Journalisten aus aller Welt angezogen. &bdquo;Sie kommen wegen des Krieges&ldquo;, sagt Herr M., der im libanesischen Pressezentrum verantwortlich f&uuml;r ausl&auml;ndische Journalisten ist. Er zuckt mit den Schultern und fragt: &bdquo;Was meinen Sie, wird Israel uns angreifen?&ldquo;<\/p><p>Selbst meint er auf die Gegenfrage, die Lage stehe &bdquo;50 zu 50&ldquo;. Mal denke er, die USA w&uuml;rden Israel davon abhalten, andererseits lieferten die USA weiter Waffen an Israel und unterst&uuml;tzten dessen Krieg in Gaza. &bdquo;Die Lage hier bei uns ist ohnehin schon schwierig&ldquo;, f&uuml;gt er hinzu. &bdquo;Wirtschaftskrise, Fl&uuml;chtlingskrise und jetzt diese Kriegsdrohungen. Wir kommen einfach nicht zur Ruhe.&ldquo;<\/p><p><strong>&bdquo;Wir bestehen auf unsere Rechte&ldquo;<\/strong><\/p><p>Marie Nassif-Debs, langj&auml;hriges Mitglied im Parteivorstand der Kommunistischen Partei des Libanon und zust&auml;ndig f&uuml;r internationale Beziehungen, &auml;u&szlig;ert sich im Gespr&auml;ch deutlich. Die Vermittlungsversuche von USA, Frankreich und Deutschland sieht sie skeptisch. Alle diese &bdquo;Vermittler&ldquo; seien engste Partner Israels und verfolgten in jedem Fall eigene Interessen. &bdquo;Sie nutzen die Situation, um uns aus Angst vor einem neuen Krieg unter Druck zu setzen und ihren und den Interessen Israels nachzugeben&ldquo;, sagt Marie Debs.<\/p><p>Die Milit&auml;raktionen im S&uuml;den des Libanon und mehr noch in Gaza h&auml;tten viele Opfer gefordert, sagt sie. Die Kosten von Zerst&ouml;rung und Vertreibung seien enorm. Dennoch werde sich &bdquo;das libanesische Volk nicht dem Willen der Invasoren unterwerfen&ldquo; und &bdquo;deren Diktate akzeptieren&ldquo;. Die &bdquo;Vermittler&ldquo; dr&auml;ngten, dass die Resolution 1701 des UNO-Sicherheitsrates &bdquo;nur vom Libanon allein&ldquo; umgesetzt werden solle. &bdquo;Die Markierung der Landesgrenze soll der imperialistisch-zionistischen Karte&ldquo; folgen, die Amos Hochstein, der Beauftragte der USA in Beirut, der &Uuml;bergangsregierung vorgelegt habe.<\/p><p>Zudem trete die &bdquo;neue&ldquo; Grenzziehung im Mittelmeer &bdquo;einen Teil unserer Gasvorkommen an den Feind ab&ldquo;, so Debs. Der &bdquo;Feind&ldquo; ist eindeutig Israel, mit dem der Libanon sich im Kriegszustand befindet. Die Libanesen w&uuml;rden das nicht akzeptieren, betont Marie Debs. &bdquo;Wir bestehen auf unsere Rechte, die heute verletzt werden. Wir bestehen auf die Shebaa-Farmen und das Gebiet von Kfar Shouba. Wir bestehen darauf, das Wasser nutzen zu k&ouml;nnen, das heute auf die Felder des Feindes flie&szlig;t, und wir bestehen auf die 1.420 Quadratkilometer im Mittelmeer, die an unsere Feinde abgetreten wurden.&ldquo;<\/p><p>Mit allen Kr&auml;ften werde man weiterhin f&uuml;r die eigenen Rechte eintreten und f&uuml;r die Rechte der Pal&auml;stinenser, damit diese in ihre Heimat zur&uuml;ckkehren und den pal&auml;stinensischen Nationalstaat aufbauen k&ouml;nnten, und zwar &bdquo;auf dem gesamten Boden Pal&auml;stinas, mit Jerusalem als Hauptstadt&ldquo;.<\/p><p>Ansichten &uuml;ber die Rechte der Pal&auml;stinenser, die in mehreren L&auml;ndern der EU sogar strafrechtlich verfolgt werden, teilt die Mehrheit der Libanesen, auch wenn nicht alle sich so deutlich &auml;u&szlig;ern wie Marie Debs.<\/p><p><strong>&bdquo;Alle Pal&auml;stinenser sind meine Familie&ldquo;<\/strong><\/p><p>Im pal&auml;stinensischen Fl&uuml;chtlingslager Mar Elias gehen die Menschen ihrem Alltag nach. Die kleinen Gesch&auml;fte in den engen Gassen verkaufen Obst und Gem&uuml;se, im Ghassan-Kanafani-Kindergarten besprechen die Kinderg&auml;rtnerinnen mit der Leiterin Maha Y. das Sommerprogramm f&uuml;r die Kinder.<\/p><p>Der Kindergarten ist nach dem bekannten pal&auml;stinensischen Autor und politischen F&uuml;hrer Ghassan Kanafani benannt, der am 8. Juli 1972 durch eine Sprengladung unter seinem Auto gemordet wurde. Der israelische Mossad erkl&auml;rte sich verantwortlich. Mit Kanafani starb Lamis, seine Nichte, f&uuml;r die er an jedem Geburtstag ein Bilderbuch verfasst hatte. 1974 gr&uuml;ndete die Witwe von Ghassan Kanafani, Anni Kanafani, die nach ihrem Mann benannte Kulturstiftung, in deren Rahmen zun&auml;chst seine B&uuml;cher ver&ouml;ffentlicht wurden. Dann folgten Kinderg&auml;rten und Behinderteneinrichtungen in allen pal&auml;stinensischen Fl&uuml;chtlingslagern des Libanon, die bis heute Tausenden von Kindern einen guten Start in ihre Zukunft erm&ouml;glichen wollen. <a href=\"https:\/\/www.middleeasteye.net\/discover\/ghassan-kanafani-palestine-life-writer\">Anni Kanafani<\/a>, die 1960 als 25-j&auml;hrige Studentin aus D&auml;nemark in den Mittleren Osten gereist war, um die Lage der Pal&auml;stinenser zu verstehen, heirate Ghassan Kanafani 1961. Bis heute ist sie aktiv in der Stiftung.<\/p><p>Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Einrichtungen sind Nachfahren von Pal&auml;stinensern und haben Familie im besetzten Westjordanland, in Bethlehem oder Gaza. Mit ihrem libanesischen Fl&uuml;chtlingspass sei eine Reise zur Familie in Bethlehem nicht m&ouml;glich, sagt Frau Maha Y., die als junges M&auml;dchen vor 40 Jahren die Arbeit in der Stiftung aufnahm. Alle ihre Kinder leben und arbeiten im Ausland. &bdquo;Niemand hier will Krieg&ldquo;, sagt sie.<\/p><p>Daoun K., die ebenfalls seit vielen Jahren im Kanafani-Kindergarten arbeitet, r&uuml;ckt ihr rosafarbenes Kopftuch zurecht, bevor sie auf die Frage antwortet, wie es ihr angesichts des Krieges in Gaza gehe. Ihre Eltern seien 1948 aus Akko vertrieben worden, die Familie sei in alle Himmelsrichtungen zerstreut. &bdquo;Alle Pal&auml;stinenser sind meine Familie&ldquo;, sagt sie, und auch sie betont: &bdquo;Niemand will Krieg.&ldquo;<\/p><p><strong>&bdquo;Ein israelischer Sieg ist nicht in Sicht&ldquo;<\/strong><\/p><p>Souheil El-Natour, Politikwissenschaftler und seit Jahrzehnten Beobachter der Entwicklungen in der pal&auml;stinensischen Fl&uuml;chtlingsgesellschaft, sagt im Gespr&auml;ch mit der Autorin, die USA m&uuml;ssten kl&auml;ren, was sie wirklich wollten. Eine Ausweitung des Gazakrieges in den Libanon bedeute, die ganze Region werde vom Krieg erfasst. Der Krieg k&ouml;nne dazu f&uuml;hren, dass bewaffnete Kr&auml;fte in den Norden Israels eindringen und den Krieg auf israelisches Territorium zur&uuml;ckbr&auml;chten.<\/p><p>Die USA h&auml;tten St&uuml;tzpunkte und Milit&auml;rbasen, Milit&auml;rflugh&auml;fen und H&auml;fen in der Region, die zur Zielscheibe w&uuml;rden, so El-Natour. Was bedeute es f&uuml;r Jordanien und &Auml;gypten oder die Golfstaaten, wenn USA-Milit&auml;rbasen in deren L&auml;ndern angegriffen w&uuml;rden? W&auml;ren die USA in der Lage, alle diese St&uuml;tzpunkte und die dort stationierten Soldaten zu verteidigen? &bdquo;Die USA m&uuml;ssen sich klarmachen, dass eine Ausweitung des Krieges hier sich auf die Pr&auml;sidentschaftswahlen im eigenen Land auswirken wird&ldquo;, f&auml;hrt Souheil El-Natour fort. Die USA m&uuml;ssten die Frage beantworten, warum sie den Krieg nicht stoppten, obwohl &bdquo;ein Sieg nicht in Sicht&ldquo; sei.<\/p><p>Im USA-Kongress gebe es starke Stimmen f&uuml;r die weitere Bewaffnung Israels, weil man nicht wolle, &bdquo;dass Israel den Krieg verliert&ldquo;. Doch genau das geschehe. &bdquo;Wichtig ist der Protest der US-amerikanischen Friedensbewegung, die an vielen Orten von Juden innerhalb der USA angef&uuml;hrt wird. Wenn dieser Protest gegen den Kriegskurs von Netanjahu st&auml;rker wird, kann Israel von au&szlig;en weiter geschw&auml;cht werden.&ldquo;<\/p><p>Auf die Frage, welchen Rat er der deutschen Au&szlig;enministerin Annalena Baerbock gebe, die sich k&uuml;rzlich im Libanon aufgehalten habe, antwortet Souheil El-Natour: &bdquo;Kommen Sie hierher und bleiben Sie eine Woche in einem pal&auml;stinensischen Fl&uuml;chtlingslager. Sie werden viel lernen, und vielleicht werden Sie dann auch den Konflikt hier verstehen.&ldquo; Die Libanesen wollten nur ihr Land erhalten und die Pal&auml;stinenser wollen ihr Land zur&uuml;ck, das noch immer von Israel besetzt ist: &bdquo;Das ist alles.&ldquo;<\/p><p><small>Titelbild: OnePixelStudio\/shutterstock.com<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wird es Krieg gegen den Libanon geben? Israel will das Land &bdquo;in die Steinzeit&ldquo; zur&uuml;ckbomben. Die Hisbollah will keinen Krieg, sondern Waffenstillstand in Gaza. Die USA und die NATO-L&auml;nder senden widerspr&uuml;chliche Signale aus. Von <strong>Karin Leukefeld<\/strong> (Beirut).<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><\/p>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":117607,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,107,20,171],"tags":[3240,1055,302,901,2829,1557,1583,466,303,2868,1556,2376],"class_list":["post-117606","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-landerberichte","category-militaereinsaetzekriege","tag-diplomatische-verhandlungen","tag-fluechtlinge","tag-gaza","tag-geheimdienste","tag-hisbollah","tag-israel","tag-libanon","tag-nato","tag-palaestina","tag-truppenverlegung","tag-usa","tag-waffenstillstandsabkommen"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Shutterstock_2191545839.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/117606","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=117606"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/117606\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":117680,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/117606\/revisions\/117680"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/117607"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=117606"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=117606"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=117606"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}