{"id":117879,"date":"2024-07-11T10:00:25","date_gmt":"2024-07-11T08:00:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=117879"},"modified":"2024-07-16T15:53:37","modified_gmt":"2024-07-16T13:53:37","slug":"wir-sind-die-guten-darum-schlagen-wir-euch-den-schaedel-ein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=117879","title":{"rendered":"Wir sind die Guten! Darum schlagen wir Euch den Sch\u00e4del ein!"},"content":{"rendered":"<p>Unterh&auml;lt man sich mit Anh&auml;ngern einer &ndash; nennen wie es mal &ndash; &bdquo;robusten Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik&ldquo;, denn den Begriff &bdquo;Kriegspolitik&ldquo; w&uuml;rden die Angesprochenen br&uuml;sk von sich weisen, st&ouml;&szlig;t man auf immer die gleichen Argumentationsbilder: Wir verteidigen unsere Werte! Wir stehen f&uuml;r Demokratie und Freiheit! Und wir sind bereit, diese Werte zu verteidigen &ndash; zur Not auch vorw&auml;rts. Wir sind schlie&szlig;lich die Guten, unsere Motive sind ehrenhaft. Das m&ouml;gen diese Menschen so sehen. Ihre Ahnen sahen es genauso. Tauscht man ein paar Begriffe aus, st&ouml;&szlig;t man auf den immergleichen, universellen Selbstbetrug. Ein Essay von <b>Jens Berger<\/b>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8048\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-117879-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240711_Wir_sind_die_Guten_Darum_schlagen_wir_Euch_den_Schaedel_ein_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240711_Wir_sind_die_Guten_Darum_schlagen_wir_Euch_den_Schaedel_ein_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240711_Wir_sind_die_Guten_Darum_schlagen_wir_Euch_den_Schaedel_ein_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240711_Wir_sind_die_Guten_Darum_schlagen_wir_Euch_den_Schaedel_ein_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=117879-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240711_Wir_sind_die_Guten_Darum_schlagen_wir_Euch_den_Schaedel_ein_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"240711_Wir_sind_die_Guten_Darum_schlagen_wir_Euch_den_Schaedel_ein_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Mit den Werten ist das immer so eine Sache. Nat&uuml;rlich gibt es Werte, die weltweit und kultur&uuml;bergreifend als moralisch gut gesehen werden. Doch um diese universellen Werte geht es bei Konflikten zwischen Staaten eigentlich nie, stehen sie doch f&uuml;r Verst&auml;ndigung und friedliches Miteinanderleben. Wenn Kriegstreiber Werte anf&uuml;hren, die es zu verteidigen gilt, handelt es sich in der Regel um Werte, die eben nicht universell sind, sondern die V&ouml;lkergruppen voneinander trennen.<\/p><p>Seit der grauen Vorzeit war dies beispielsweise die Religion. H&auml;tte ein Bischof des Mittelalters schon einen Leitartikel f&uuml;r den <em>SPIEGEL<\/em> schreiben k&ouml;nnen, h&auml;tte der sich wohl abseits anderer Formulierungen gar nicht so gro&szlig;artig von dem unterschieden, was heute die Experten der Think Tanks so schreiben. Auch damals ging es um Werte &ndash; die christlichen Werte oder besser das, was die H&uuml;ter dieser Werte aus ihnen machten. Wer sich diesem Wertekanon als Individuum oder Staat verpflichtete, geh&ouml;rte in der zeitgen&ouml;ssischen Sicht zu den Guten. Nicht dazu geh&ouml;rten Angeh&ouml;rige anderer Religionen, allen voran die Muslime. Verst&auml;ndlich, wer sich selbst als das &bdquo;Gute&ldquo; definiert, braucht auch eine Inkarnation des &bdquo;B&ouml;sen&ldquo;, gegen das dann das &bdquo;Gute&ldquo; verteidigt werden muss &ndash; wobei man es mit dem &bdquo;Verteidigen&ldquo; nicht w&ouml;rtlich nehmen sollte. Deus lo vult! Weil Gott dies so wollte, zog man mit dem Kreuz ins Heilige Land. H&auml;tten Sie damals einen Kreuzz&uuml;gler gefragt, f&uuml;r was er k&auml;mpft und t&ouml;tet, h&auml;tte er wohl die Verteidigung seiner Werte genannt.<\/p><p>Das Christentum von heute ist die liberale Demokratie, die Heiden und Ungl&auml;ubigen sind die sogenannten Autokraten. Wobei es nicht einer gewissen Ironie entbehrt, dass gerade wir Deutschen in Sachen &bdquo;liberale Demokratie&ldquo; eher als Konvertiten gelten k&ouml;nnen. Noch <a href=\"https:\/\/www.merkur.de\/politik\/wehrmacht-geschichte-annalena-baerbock-gruene-grossvater-bedingungsloser-nationalsozialist-waldemar-zr-92824233.html\">Annalena Baerbocks Gro&szlig;vater<\/a> h&auml;tte die These, dem Deutschen l&auml;ge die liberale Demokratie in den Genen, sie bilde den Kern unserer Werte, sicher weit von sich gewiesen. Auch das Verteidigen dieser liberalen Demokratie ist ein vergleichsweise junger Gedanke. Noch vor nicht allzu langer Zeit war &bdquo;das deutsche Wesen&ldquo; der Wertekanon, an dem &bdquo;die Welt&ldquo; nach Ansicht unserer Ahnen &bdquo;genesen&ldquo; solle. Auch die Spanier, Briten und Franzosen kolonisierten die Welt in ihrem damaligen Selbstverst&auml;ndnis, um ihre eigenen Werte global zu verbreiten.<\/p><p>Aber zur&uuml;ck zu Demokraten und Autokraten. Schaut man sich die Atlanten und Geschichtsb&uuml;cher an, erkennt man schnell, dass die liberale Demokratie ein westliches Konzept ist. Fragt man beispielsweise einen Araber oder einen Chinesen, so werden sie die Aussage, nach der die liberale Demokratie die beste aller denkbaren Staatsformen ist, mit Inbrunst bestreiten; so wie ihre Ahnen bestritten h&auml;tten, dass das Christentum die beste aller denkbaren Religionen ist. Und wer sich heute die nackten sozio&ouml;konomischen Zahlen anschaut, wird ja auch nicht unbedingt Belege f&uuml;r die &Uuml;berlegenheit liberaler Demokratien finden &ndash; im Gegenteil. Nat&uuml;rlich, wir sehen uns als &bdquo;die Guten&ldquo;. Aber auch die Russen, die Chinesen, die Araber oder die Inder sehen sich selbstverst&auml;ndlich nicht als &bdquo;die B&ouml;sen&ldquo;, sondern auch als &bdquo;die Guten&ldquo; und sind ebenfalls davon &uuml;berzeugt, dass ihr System f&uuml;r ihr Land das Beste ist.<\/p><p>Was sich wie ein unaufl&ouml;slicher Konflikt anh&ouml;rt, ist in Wirklichkeit ziemlich banal. Aufgel&ouml;st wurde dieser Konflikt durch die Toleranz. In unserer westlichen Welt war es die Aufkl&auml;rung, die Licht ins Dunkel brachte. H&auml;tte man beispielsweise den Ostpreu&szlig;en Kant gefragt, was &bdquo;westliche Werte&ldquo; sind, h&auml;tte er wohl erstaunt mit den Schultern gezuckt. Paradoxerweise wird die Toleranz auch von den Wertekriegern unserer Zeit gerne ins Feld gef&uuml;hrt &ndash; jedoch nur im Sinne einer Toleranz gegen&uuml;ber den eigenen Werten; man fordert Toleranz ein, ist jedoch selbst zutiefst intolerant, wenn es um andere L&auml;nder, um andere Wertekanons geht.<\/p><p>Und da haben wir ihn, den modernen Wertekrieger. Er sieht sich selbst als den Guten und ist von der Mission getrieben, seine Werte zur Not mit Gewalt denen nahezubringen, die sie nicht teilen. Und da unterscheidet sich ein moderner Gr&uuml;nen-Politiker nur unwesentlich von einem Bischof zu Zeiten der Kreuzz&uuml;ge. Der eine predigt die &Uuml;berlegenheit der eigenen Werte vom Talkshowsessel bei Markus Lanz, der andere predigte sie von der Kanzel.<\/p><p>Die bittere Ironie ist, dass die Wertekrieger damals wie heute selbst zu den Get&auml;uschten geh&ouml;ren. In Kriegen geht es nie um Werte, es geht um Interessen &ndash; um Einflusssph&auml;ren, um Rohstoffe, um Handelswege, um Geld. Doch welcher Gemeine w&uuml;rde schon freiwillig f&uuml;r solch weltliche Dinge, von denen ohnehin nicht er, sondern die Eliten seines Landes profitieren, sein Leben opfern? Hinzu kommt, dass der Respekt vor fremdem Leben und fremdem Eigentum sehr wohl zu den universellen Werten geh&ouml;ren, die jeder Mensch teilt. Um diese universellen Werte in den Hintergrund zu r&uuml;cken, braucht es &bdquo;unsere Werte&ldquo; &ndash; egal welche das im Einzelfall sind. Dieser Trick funktionierte schon immer und wie es aussieht, funktioniert er auch heute noch.<\/p><p><em>Leserbriefe zu diesem Beitrag <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=118223\">finden Sie hier<\/a>.<\/em><\/p><p><small>Titelbild: Monarch Art\/shutterstock.com<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/e6cf06168bae46e78b25dfc1ecc1b895\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unterh&auml;lt man sich mit Anh&auml;ngern einer &ndash; nennen wie es mal &ndash; &bdquo;robusten Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik&ldquo;, denn den Begriff &bdquo;Kriegspolitik&ldquo; w&uuml;rden die Angesprochenen br&uuml;sk von sich weisen, st&ouml;&szlig;t man auf immer die gleichen Argumentationsbilder: Wir verteidigen unsere Werte! Wir stehen f&uuml;r Demokratie und Freiheit! 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