{"id":117916,"date":"2024-07-11T14:36:24","date_gmt":"2024-07-11T12:36:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=117916"},"modified":"2024-07-11T15:24:34","modified_gmt":"2024-07-11T13:24:34","slug":"steuer-oder-staatsschuldenreform","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=117916","title":{"rendered":"Steuer- oder Staatsschuldenreform?"},"content":{"rendered":"<p>Die Forderung nach einer Reform der Schuldenbremsen findet immer mehr Bef&uuml;rworter. Was auf den ersten Blick als politischer Fortschritt erscheinen mag, erweist sich allerdings als ein f&uuml;r gemeinwohldienliche Zwecke untaugliches Mittel mit &auml;u&szlig;erst gef&auml;hrlichen Nebenwirkungen. Demokraten sollten daher zur Finanzierung zus&auml;tzlicher Kollektivg&uuml;ter auf Steuerreformen dr&auml;ngen. Von <strong>Paul Steinhardt<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n&bdquo;Klimapolitik&ldquo; &ndash; verstanden als der Versuch, mit staatlichen &bdquo;Anreizen&ldquo; Verhaltens&auml;nderungen zu bewirken, die in der Lage sind, die Erderw&auml;rmung zu stoppen &ndash; ist offensichtlich zum Scheitern verurteilt. Auf der politischen Tagesordnung sollten daher Anpassungen an den Klimawandel stehen, die, wie <a href=\"https:\/\/www.soziopolis.de\/dieser-weg-wird-kein-leichter-sein.html\">Wolfgang Streeck<\/a> &uuml;berzeugend argumentiert, &bdquo;viel weniger abstrakt&ldquo; sind und einen &bdquo;unmittelbar einleuchtenden Nutzen&ldquo; haben.<\/p><p>Womit die Frage aufgeworfen ist, warum sich dann die Politik die Rettung des Weltklimas auf die Fahnen geschrieben hat. Nach Meinung Streecks, weil sich die Kosten der Klimapolitik privatisieren lassen, w&auml;hrend &bdquo;Anpassung [&hellip;] kollektive G&uuml;ter, die kollektiv zu finanzieren sind, erfordert&ldquo;. Die meisten kapitalistischen L&auml;nder k&ouml;nnten aber solche Finanzierungen nicht mehr stemmen, weil &bdquo;immer h&ouml;here Kosten f&uuml;r die technische Vor- und Nachbereitung sowie die soziale Legitimation kapitalistischer Produktion im Verh&auml;ltnis zu ihren Ertr&auml;gen&ldquo; anfielen.<\/p><p>Womit Streeck insinuiert, ein Staat m&uuml;sse die Staatsausgaben aus seinen &bdquo;Ertr&auml;gen&ldquo; in Form von Zwangsabgaben wie Steuern refinanzieren. Bereits Johann Gottlieb Fichte hat erkannt, dass dieses &bdquo;M&uuml;ssen&ldquo; nur f&uuml;r Staaten gilt, die nicht &uuml;ber ein Geldsch&ouml;pfungsmonopol verf&uuml;gen. Ein Staat dagegen, dem es exklusiv erlaubt sei, Geld zu &bdquo;drucken&ldquo;, habe niemals ein Finanzierungproblem, denn Steuern k&auml;men in diesem Fall lediglich die Funktion zu, &bdquo;dem Landesgelde die allgemeine G&uuml;ltigkeit zu versichern&ldquo;.<\/p><p>Den Weg hin zu &bdquo;Geldsouver&auml;nit&auml;t&ldquo; in diesem Sinne sehen viele &Ouml;konomen mit den Staatsanleihekaufprogrammen der EZB beschritten, was die Mehrheit der &Ouml;konomenzunft als Ausdruck einer &bdquo;fiskalischen Dominanz&ldquo; verurteilt und eine (wachsende) Minderheit als Ausdruck &bdquo;wirtschaftlicher Vernunft&ldquo; begr&uuml;&szlig;t.<\/p><p>Im Folgenden m&ouml;chte ich mit <a href=\"https:\/\/mediashop.at\/buecher\/die-europaeische-zentralbank-herrschaft-abseits-von-volkssouveraenitaet\/\">Argumenten aus meinem Buch &bdquo;Die Europ&auml;ische Zentralbank: Herrschaft abseits von Volksouver&auml;nit&auml;t&ldquo;<\/a> kurz begr&uuml;nden, warum es aus einer Gemeinwohlperspektive politischer kl&uuml;ger ist, statt auf eine Reform von Staatsschuldenbremsen auf Steuerreformen zu setzen.<\/p><p><strong>Konstitutionalisierung des Steuerstaatsprinzips<\/strong><\/p><p>Schuldenbremsen dienen dazu, staatliche Ausgaben weitestgehend unter einen steuerlichen Finanzierungsvorbehalt stellen zu k&ouml;nnen. In Art. 109 (3) Satz 1 des Grundgesetzes wird unmissverst&auml;ndlich festgehalten, dass &bdquo;die Haushalte von Bund und L&auml;ndern grunds&auml;tzlich ohne Einnahmen aus Krediten auszugleichen sind&ldquo;. Das hei&szlig;t, Staatsausgaben sollen weitgehend eine Funktion der Steuereinnahmen sein, um damit der &bdquo;Verschwendungssucht&ldquo; demokratisch legitimierter Volksvertreter eine Grenze zu ziehen.<\/p><p>Das erkl&auml;rt, warum f&uuml;r erh&ouml;hte staatliche Ausgaben nun verst&auml;rkt eine &bdquo;Reform&ldquo; der Regeln der Staatsverschuldung immer mehr Anh&auml;nger findet. Insbesondere die Gr&uuml;nen m&ouml;chten Staatsausgaben &ndash; sei es nun f&uuml;r den &bdquo;Kampf&ldquo; gegen den beschworenen Klima-GAU oder gegen das B&ouml;se namens &bdquo;Putin&ldquo; &ndash; erm&ouml;glichen, f&uuml;r die Steuerzahler vermutlich nicht bereit sind zu bezahlen; was schon einmal ein guter Grund ist, einer Reform der Regeln der Staatsverschuldung mit Skepsis zu begegnen.<\/p><p>Vor allem aber ist eine Reform der Schuldenbremsen beliebig unwahrscheinlich, denn das Steuerstaatsprinzip ist auf allen politischen Ebenen konstitutionalisiert. Schon eine Reform der deutschen Schuldenbremse im Grundgesetz d&uuml;rfte daran scheitern, dass sich daf&uuml;r die erforderlichen politischen Mehrheiten nicht finden lassen. Dar&uuml;ber hinaus ist sie ohne eine vorausgehende Reform der europ&auml;ischen Fiskalregeln kaum denkbar. Alle diesbez&uuml;glichen Versuche sind aber im Sande verlaufen &ndash; aus nachvollziehbaren Gr&uuml;nden: Fiskalpolitik ist ein Mittel, um sich im europ&auml;ischen Standortwettbewerb einen Vorteil zu verschaffen.<\/p><p>Es herrscht weitgehend Einigkeit, dass eine flexiblere Fiskalpolitik daher eine Fiskalkapazit&auml;t auf der europ&auml;ischen Ebene erforderlich macht. Den daf&uuml;r erforderlichen Kompetenztransfer von der nationalen auf die europ&auml;ische Ebene mag man sich zwar w&uuml;nschen, aber er ist beliebig unwahrscheinlich. Es d&uuml;rfte kein Land bereit sein, fiskalische nationale Kompetenzen auf Organe der EU zu transferieren.<\/p><p><strong>Die EZB: Wei&szlig;er oder schwarzer Ritter?<\/strong><\/p><p>Scheitert die Schuldenfinanzierung als Alternative zur Steuerfinanzierung aber nicht &ndash; wie Streeck behauptet &ndash; schon an der Tatsache, dass &bdquo;potenziell kreditgebende Kapitalbesitzer eine weitere dramatische Erh&ouml;hung der staatlichen Schuldenlast ohne Erh&ouml;hung ihrer Risikopr&auml;mie und ohne drastische Senkung von anderweitigen Ausgaben der &ouml;ffentlichen Haushalte&ldquo; &bdquo;nicht hinnehmen w&uuml;rden&ldquo;?<\/p><p>Keineswegs. Zur L&ouml;sung dieses Problems kann die EZB ein entsprechendes Staatsanleihen-Kaufprogramm auflegen. Die &bdquo;Kapitalbesitzer&ldquo; haben dann guten Grund, Staatsanleihen zu zeichnen, denn es wird ihnen eine Rendite garantiert, da das Bonit&auml;tsrisiko in diesem Fall von der EZB &uuml;bernommen wird. Die von der EZB seit 2016 aufgelegten Staatsanleihen-Aufkaufprogramme haben exakt diesen Effekt.<\/p><p>Die Staatsanleihenk&auml;ufe werden nichtsdestotrotz von insbesondere &bdquo;progressiven&ldquo; politischen Kr&auml;ften &uuml;berwiegend gutgehei&szlig;en. Das Bundesverfassungsgericht hat 2020 diese staatlichen Subventionen des Finanzsektors dagegen als demokratisch nicht legitimiert kritisiert. Sie h&auml;tten &ouml;konomische Verteilungswirkungen gehabt, die unabdingbar einer Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeitspr&uuml;fung durch gew&auml;hlte Volksvertreter bed&uuml;rft h&auml;tten.<\/p><p>War es aber nicht gerade die Tatsache, dass die EZB ihre Entscheidungen ohne vorherige langwierige demokratische Prozeduren treffen konnte, die es ihr erlaubten, beherzt den oftmals irrationalen Finanzm&auml;rkten die Stirn zu bieten? Diese Frage wird von progressiven &Ouml;konomen uneingeschr&auml;nkt bejaht. Dar&uuml;ber hinaus wird die EZB daf&uuml;r gelobt, f&uuml;r ihre Mitgliedsl&auml;nder fiskalpolitisch in die Bresche gesprungen zu sein.<\/p><p>Ausgeblendet wird von diesem &bdquo;Wei&szlig;en Ritter-Narrativ&ldquo;, dass die EZB ihre Geldmacht in Griechenland, Zypern, Portugal, Irland, Spanien und Italien zwischen 2011 und 2015 zum Einsatz gebracht hat, um &bdquo;Strukturreformen&ldquo; gegen den Willen gew&auml;hlter Volksvertreter und auf Kosten der Mehrheit der B&uuml;rger dieser L&auml;nder zu erzwingen. Hat die EZB sich aber nicht mit dem Start der Staatsanleihenk&auml;ufe 2016 von einem fiskalpolitischen Falken zu einer fiskalpolitischen Taube gewandelt?<\/p><p>Wie immer man diese Frage beantworten mag, es ist klar, dass man ihr mit den Ankaufprogrammen ein Mittel an die Hand gegeben hat, der Fiskalpolitik gew&auml;hlter Regierungen einen Riegel vorzuschieben. Davon Gebrauch gemacht hat sie in Italien 2018, als eine Regierung aus &bdquo;linken&ldquo; und &bdquo;rechten&ldquo; Populisten die Umsetzung ihrer &bdquo;teuren&ldquo; sozialpolitischen Wahlversprechen verunm&ouml;glichte. Sie hat dazu angek&uuml;ndigt, weniger italienische Staatsanleihen anzukaufen &ndash; und sp&auml;ter dann diese Ank&uuml;ndigung in die Tat umgesetzt &ndash; und mit dem damit verbundenen Anstieg von deren Renditen den fiskalpolitischen Spielraum der gew&auml;hlten italienischen Regierung wirksam beschnitten.<\/p><p>Ganz &auml;hnlich hat man versucht, die franz&ouml;sischen &bdquo;Rechtspopulisten&ldquo; in die Schranken zu weisen. Der auff&auml;llige Anstieg der Renditen auf franz&ouml;sische Staatsanleihen seit dem Wahlerfolg des Rassemblement National l&auml;sst vermuten, dass die EZB die Ank&auml;ufe franz&ouml;sischer Staatsanleihen reduziert hat. In jedem Fall aber lehnt sie es explizit ab, den &bdquo;Spread&ldquo; (die Renditedifferenz zu deutschen Staatsanleihen) mithilfe des Ankaufs franz&ouml;sischer Staatsanleihen zu schlie&szlig;en.<\/p><p>Wer meint, dass der Kampf f&uuml;r &bdquo;die Demokratie&ldquo; den Kampf gegen &bdquo;Rechts&ldquo; quasi-logisch impliziert, der wird die EZB f&uuml;r ihre wehrhafte &bdquo;Geldpolitik&ldquo; loben. Wer dagegen der &Uuml;berzeugung ist, dass &bdquo;Demokratie&ldquo; unabdingbar erfordert, dass die W&auml;hler auch eine Partei w&auml;hlen k&ouml;nnen, die aus Sicht der EZB und anderer wehrhafter Demokraten eine &bdquo;falsche&ldquo; Politik verfolgt, der wird der der EZB mit den Anleiheank&auml;ufen zukommenden exekutiven Handlungsmacht wenig abgewinnen k&ouml;nnen.<\/p><p><strong>&Uuml;berfinanzierung des Finanzsektors<\/strong><\/p><p>Gegen eine Staatsfinanzierung mithilfe von Staatsanleihe-Kaufprogrammen spricht aber auch, dass damit die Finanzm&auml;rkte noch weiter destabilisiert werden, denn sie bef&ouml;rdern ein &bdquo;marktbasiertes&ldquo; Finanzsystem, in dem Staatsanleihen &uuml;ber Repurchase Agreements (Repos) zu Geld geworden sind &ndash; womit es zu einer Hebelung von Bankengeld kommt, weil mit dem Kauf von Staatsanleihen zwar Geld aus dem Geldkreislauf genommen, durch ihre Verwendung als eine Art von Geld aber wieder in den Geldkreislauf zur&uuml;ckgef&uuml;hrt wird.<\/p><p>Es wird nun von niemandem bestritten, dass mit solchen &bdquo;Finanzinnovationen&ldquo; Schattenbanken in die Lage versetzt wurden, Kredite in gewichtigem Umfang zu vergeben. Was nach der gro&szlig;en Finanzkrise 2008 von der europ&auml;ischen Politik als ein Problem erachtet wurde, wird inzwischen in einem Papier der Europ&auml;ischen Kommission als Vorteil gepriesen, um ein &bdquo;breiteres Spektrum an Finanzierungsquellen&ldquo; zu erschlie&szlig;en. Keineswegs wird allerdings bestritten, dass mit diesen Finanzierungsalternativen Risiken verbunden sind. Zugegeben wird auch, dass man sie in der Vergangenheit nicht erkannt hat. Diese epistemischen H&uuml;rden glaubte man aber aus dem Weg ger&auml;umt zu haben. Daher sei es an der Zeit, die &bdquo;Schattenbanken&ldquo; aus dem Schatten zu holen, um &bdquo;marktbasierte&ldquo; Alternativen zur Bankenfinanzierung nachhaltig nutzbar zu machen.<\/p><p>Der Kapitalismus sei, so Joscha Wullweber, dadurch charakterisiert, dass Unternehmen einen Vorschuss an Kapital ben&ouml;tigen, &bdquo;um in Maschinen, Geb&auml;ude, Rohstoffe, L&ouml;hne etc. investieren zu k&ouml;nnen, bevor Waren im gro&szlig;en Stil produziert, verkauft und Profite erwirtschaftet werden&ldquo;. Dieses Kapital beschafften sich Unternehmen in der Regel durch die Aufnahme von Krediten, &bdquo;die [aber] zunehmend &uuml;ber das Schattenbankensystem bereitgestellt&ldquo; w&uuml;rden. Es sei daher unerl&auml;sslich, dass Zentralbanken weiterhin mit Staatsanleihek&auml;ufen in gro&szlig;em Umfang in die Finanzm&auml;rkte intervenieren, um nicht einen Wirtschaftscrash heraufzubeschw&ouml;ren.<\/p><p>Warum aber sollten Banken nicht wieder verst&auml;rkt Investitionskredite vergeben? An einem Mangel an Geld kann es nicht liegen. Banken k&ouml;nnen Geld in beliebiger Menge produzieren. Zugegeben, eine Gesch&auml;ftsbank mag risikoaverser als eine leichter regulierte Schattenbank sein. Es darf aber keinen Dissens dar&uuml;ber geben, dass Kredite nur vergeben werden sollten, wenn die Bonit&auml;t des Kreditnehmers das auch rechtfertigt. Denn ansonsten kommt es unvermeidlich zu Minsky-Blasen und einer damit verbundenen Schuldendeflation.<\/p><p>Damit soll nicht bestritten werden, dass eine Beendigung der Subventionierung von Schattenbanken durch Staatsanleihenank&auml;ufe zu &bdquo;Liquidit&auml;tsabw&auml;rtsspiralen&ldquo; f&uuml;hren kann, die die Finanzstabilit&auml;t gef&auml;hrden k&ouml;nnen. Damit aber kann nicht gerechtfertigt werden, sie ad infinitum fortzuf&uuml;hren, denn es gibt Alternativen zur gegenw&auml;rtigen auf Privatgeld basierenden Geldordnung der Eurozone.<\/p><p><strong>Steuer- statt Schuldenfinanzierung<\/strong><\/p><p>Zur Finanzierung progressiver Vorhaben auf die EZB zu setzen, wird nach Meinung Leon Wanslebens vom Max-Planck-Institut &bdquo;selbst mit den besten Absichten die selbstzerst&ouml;rerischen Zyklen der finanziellen Expansion verst&auml;rken, w&auml;hrend ihr Ansatz der makro&ouml;konomischen Politik uns immer tiefer in die Finanzialisierungsfalle f&uuml;hrt&ldquo;. Nach seiner Meinung sollte daher der erh&ouml;hte Finanzierungsbedarf &ouml;ffentlicher Haushalte prim&auml;r &uuml;ber Steuererh&ouml;hungen gedeckt werden.<\/p><p>Wirtschaftsliberalen wird das Anlass sein, eine st&auml;rkere &bdquo;Konsumorientierung des Steuersystems&ldquo; ganz oben auf die politische Agenda zu setzen. Alle indirekten Steuern aber haben eine soziale Schlagseite. Sie belasten die unteren und mittleren Einkommensbezieher ungleich h&ouml;her als die Besserverdiener. Eine verst&auml;rkte Konsumbesteuerung ist aber nicht nur sozial ungerecht, sondern wird auch die Nachfrage nach Konsumg&uuml;tern reduzieren.<\/p><p>Das sind gute Gr&uuml;nde, so Wolfgang Edelm&uuml;ller richtig, sich f&uuml;r die &bdquo;Forcierung von direkten Steuern mit Grenzsteuers&auml;tzen entlang einer als &sbquo;gerecht&lsquo; empfundenen Progressionskurve (&sbquo;Treppenkurve&lsquo;) einzusetzen.<\/p><p>Dar&uuml;ber hinaus sind Steuererh&ouml;hungen aufgrund der finanziellen Gr&ouml;&szlig;enordnungen der Anpassungsinvestitionen auch im Rahmen einer souver&auml;nen Geldordnung unvermeidlich. Denn w&auml;hrend es einem Staat nie an finanziellen Mittel fehlen kann, zu finanzieren, was immer er zu finanzieren gedenkt, kann es ihm an realen Ressourcen fehlen, um die entsprechenden Vorhaben zu realisieren. In diesem Fall muss er mit zielgerichteten Steuern entsprechende reale Produktionskapazit&auml;ten von einer auf eine andere Verwendung umlenken. Andernfalls scheitern nicht nur die Anpassungsinvestitionen, sondern ist eine nachfrageinduzierte Inflation unausweichlich.<\/p><p>Steuerreform schl&auml;gt also Geldreform? So einfach ist die Sache nicht. Ohne Geldsouver&auml;nit&auml;t wird das Steuersystem so ausgestaltet sein m&uuml;ssen, dass mit Steuereinnahmen Staatsausgaben weitgehend gedeckt werden k&ouml;nnen. Aufgrund dieser Abh&auml;ngigkeit der Staatsausgaben von Steuereinnahmen werden dann aber die Interessen von Unternehmen und &bdquo;Leistungstr&auml;gern&ldquo;, deren Einkommen erst eine entsprechend hohe Besteuerung erm&ouml;glichen, politisch prim&auml;r gef&ouml;rdert, wie bereits Fichte richtig erkannte.<\/p><p>Der Weg zu einer souver&auml;nen Geldordnung f&uuml;hrt aber nicht &uuml;ber eine Reform der Schuldenbremsen und eine beschleunigte Fortsetzung der Staatsanleihenk&auml;ufe durch die EZB. In einem ersten Schritt gilt es, die Entscheidungen von Zentralbanken an majorit&auml;re Staatsorgane zu binden. Da es auf europ&auml;ischer Ebene aber kein solches Organ gibt, muss auf einer progressiven politischen Agenda zun&auml;chst die R&uuml;ckkehr zu nationalen W&auml;hrungen stehen.<\/p><p><small>Titelbild: Deacons docs\/shutterstock.com<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Forderung nach einer Reform der Schuldenbremsen findet immer mehr Bef&uuml;rworter. Was auf den ersten Blick als politischer Fortschritt erscheinen mag, erweist sich allerdings als ein f&uuml;r gemeinwohldienliche Zwecke untaugliches Mittel mit &auml;u&szlig;erst gef&auml;hrlichen Nebenwirkungen. Demokraten sollten daher zur Finanzierung zus&auml;tzlicher Kollektivg&uuml;ter auf Steuerreformen dr&auml;ngen. 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